[0001] Die Erfindung betrifft eine Tiefbohrvorrichtung, im einzelnen mit den Merkmalen aus
dem Oberbegriff des Anspruchs 1; eine Tiefbohrpumpenvorrichtung, im einzelnen mit
den Merkmalen aus dem Oberbegriff des Anspruches 7; ferner allgemein einen Verwendungszweck
eines hydrodynamischen Retarders zur Kompensation vom Abtrieb in den Antriebsstrang
eingebrachter Rückstellmomente.
[0002] Tiefbohrvorrichtungen und Tiefbohrpumpenvorrichtungen sind in einer Vielzahl von
Ausführungen bekannt. Ihnen ist gemeinsam, daß mittels einer Antriebsmaschine ein
sich über eine längere Distanz erstreckendes mit einer Bohrspindel oder dem Pumpenrotor
gekoppeltes Gestänge angetrieben wird. Die erstgenannte Vorrichtung dient dabei der
Bereitstellung des Bohrloches, in welches anschließend der Rotor- und der Stator einer
Tiefbohrpumpenvorrichtung zum Zweck der Förderung von beispielsweise Öl eingebracht
werden können. Bei derartigen Systemen kommt es aufgrund der Länge der rotierenden
Bauteile, d.h. des Bohrgestänges bzw. des Rotors, bei deren Rotation zum Auftreten
von Torsionskräften, welche in diesen Bauteilen über deren Länge als Rückstellkräfte
gespeichert werden. Die Verdrehung in Umfangsrichtung bzw. die Torsionsbeanspruchung
der angetriebenen rotierenden Bauteile führt bei Unterbrechung des Kraftflusses von
der Antriebsmaschine zum Abtrieb, beispielsweise bei Abschaltung der Antriebsmaschine
oder im Havariefall zur Auslösung eines Rückstellmomentes durch die rotierend antreibbaren
Bauteile, das in den Antrieb, insbesondere die Antriebsmaschine und den dieser nachgeordneten
Bauteilen, beispielsweise im der Antriebsmaschine nachgeschalteten Getriebe wirksam
wird. Dies kann zu erheblichen auch irreversiblen Schädigungen je nach Größe des Rückstellmomentes
führen. Insbesondere beim Einsatz eines elektrischen Antriebsmotors kann dieser rückwärts
angetrieben und damit geschädigt werden. Insbesondere sind die Antriebssysteme meist
auch nicht für derartig hohe stoßartig auftretende Belastungen ausgelegt.
[0003] Zur Lösung dieses Problems ist in der US 5,358,036 für den Anwendungsfall einer Tiefbohrpumpenvorrichtung
eine mittels Druckmittel betätigbare Scheibenbremseinrichtung offenbart, welche zwischen
Antriebsmaschine und anzutreibenden Gestänge angeordnet ist. Der zur Betätigung erforderliche
Druck wird durch eine Pumpeneinrichtung erzeugt. Die Pumpeneinrichtung ist im Antriebsstrang
derart angeordnet, daß diese in Abhängigkeit der Drehrichtung des anzutreibenden Gestänges
durch dessen Verdrehung in Betrieb genommen wird und damit die Scheibenbremseinrichtung
betätigt.
[0004] Eine derartige Lösung zeichnet sich jedoch durch einen erheblichen konstruktiven
Aufwand und damit erhöhte Kosten aus. Auch sind die die Abfederung des Rückstellmomentes
und damit die die Bremswirkung realisierenden Bauteile aufgrund der mechanischen Beanspruchung
einem hohen Verschleiß unterworfen.
[0005] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, eine Tiefbohrvorrichtung und eine
Tiefbohrpumpenvorrichtung derart weiterzuentwickeln, daß die Schädigungen aufgrund
der durch die rotierenden Abtriebsteile bei Unterbrechung des Kraftflusses auftretenden
Rückstellmomente mit geringem konstruktiven Aufwand und kostengünstig vermieden werden.
[0006] Die erfindungsgemäße Lösung der Aufgabe ist für die Tiefbohrvorrichtung durch die
Merkmale des Anspruches 1 und für die Tiefbohrpumpenvorrichtung durch die Merkmale
des Anspruches 8 charakterisiert. Vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen
wiedergegeben.
[0007] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, daß in einer Tiefbohrvorrichtung
und in der Tiefbohrpumpenvorrichtung zwischen der Antriebsmaschine und dem Gestänge
bzw. den rotierend antreibbaren Abtriebsteilen, welche sich über eine längere Distanz
erstrecken können, ein hydrodynamischer Retarder angeordnet ist. Der hydrodynamische
Retarder umfaßt ein Rotorschaufelrad und ein Statorschaufelrad, welche miteinander
einen torusförmigen Arbeitsraum bilden, wobei die Beschaufelung, wie an sich bekannt,
schräg ausgeführt ist. Die Schaufelrichtung bezogen auf die Einbaulage wird dabei
derart gewählt, daß das Rotorschaufelrad im Normalbetrieb der Tiefbohr- und der Tiefbohrpumpenvorrichtung,
d.h. im Bohr- bzw. Förderbetrieb, "fliehend" arbeitet, d.h. daß das Rotorschaufelrad
bei Rotation mit Freilaufwirkung arbeitet. Bei Auftreten der Rückstellmomente arbeitet
das Rotorschaufelrad gegenüber dem Statorschaufelrad spießend, d.h. es wird ein dem
Rückstellmoment enntgegengerichtetes Moment erzeugt. Eine derartige Vorrichtung zeichnet
sich im wesentlichen dadurch aus, daß aufgrund der schräg ausgeführten Beschaufelung
das Rotorschaufelrad trotz Befüllung des Retarders in ständiger Triebverbindung mit
der Antriebsmaschine stehen und auf eine separate Freilaufeinrichtung zur Entkopplung
des Rotorschaufelrades vom Antrieb verzichtet werden kann, während von der Antriebsmaschine
selbst nur ein geringer Teil an Antriebsleistung für den Betrieb des Rotorschaufelrades
aufgebracht werden muß. Der hydrodynamische Retarder kann deshalb während des gesamten
Betriebes befüllt bleiben, d.h. ein externer Zu- und Ablauf für die Befüllung für
den Fall der Unterbrechung des Kraftflusses kann entfallen. Eine derartige Vorrichtung
zeichnet sich durch einen geringen konstruktiven Aufwand aus und ist daher sehr kostengünstig.
[0008] Der Retarder arbeitet vorzugsweise selbststeuernd.
Dem torusförmigen Arbeitsraum zwischen Rotor- und Statorschaufelrad ist ein geschlossener
Kreislauf für das Betriebsfluid zugeordnet. Dieser dient dazu, evt. erwärmtes Betriebsmittel
aus dem torusförmigen Arbeitsraum herauszuführen und diesem nach Abkühlung direkt
wieder zuzuführen oder eventuell über einen hier, im einzelnen nicht dargestellten
Wärmetauscher zu führen und dem hydrodynamischen Retarder wieder zuzuführen. Der Austritt
aus dem torusförmigen Arbeitsraum wird über Schlitze im Schaufelgrund des Statorschaufelrades
ermöglicht. Die Zufuhr des Betriebsmittels erfolgt über entsprechende Einrichtungen
im Statorschaufelrad. Diese Einrichtungen können beispielsweise als sogenannte Füllschlitze
ausgeführt sein, die einen Füllkanal bilden. Zu diesem Zweck ist die Beschaufelung
des Statorschaufelrades vorzugsweise derart ausgeführt, daß die Füllschlitze tragenden
Schaufeln bezüglich ihrer Vorder - und Rückseite nicht parallel verlaufen. Im besonderen
werden die Schaufeln vom Schaufelgrund ausgehend zum Schaufelende - hier also vom
Schaufelgrund zum Schaufelende - hin, verjüngend ausgeführt. Im Schaufelgrund weist
dabei die den Füllschlitz tragende Schaufel eine Stärke auf, die es ermöglicht, den
gesamten Füllschlitz vom Querschnitt her in der Schaufel zu integrieren. Vom Schaufelgrund
zum Schaufelende hin, verkleinert sich die Schaufeldicke zunehmend. Lediglich im Bereich
des sich im wesentlichen vom Schaufelgrund zur Schaufelvorderkante hin erstreckenden
Füllkanales erfolgt entsprechend der Kontur bzw. der Größe des Füllschlitzes bzw.
des Füllkanales eine örtliche Ausbuchtung bzw. Auswölbung an der Schaufel. Diese bleibt
jedoch im wesentlichen im Bereich des Schaufelendes bzw. der Schaufelvorderkante angeordnet.
Die Anzahl und die Größe der Füllschlitze sowie deren Ausführung richtet sich im wesentlichen
nach der gewünschten Zeit zum Füllen des Retarderkreislaufes und dem geforderten Flüssigkeitsdurchsatz
zur Abfuhr der entwickelten Wärme. Eine derartige Ausführung der Füllkanäle ermöglicht
es, im sogenannten spießenden Betrieb, d.h. beim Abfedern der von der Bohrspindel
oder vom Pumpenrotor aufgebrachten Rückstellkraft, eine ungestörte Meridianströmung
zwischen Rotor- und Statorschaufelrad zu erzeugen.
[0009] Andere Ausführungen der Füllkanäle sind ebenfalls denkbar, beispielsweise in Form
von Füllnocken oder in eine über die gesamte Breite verdickte Schaufel eingearbeitete
Schlitze.
[0010] Im geschlossen ausgeführten Kreislauf ist ein Betriebsmittelbehältnis integriert.
Dieses ist in Einbaulage oberhalb des Retarders angeordnet. Dies ermöglicht es, evt.
Leckageverluste schnell durch Zuführung zum Arbeitsraum auszugleichen.
[0011] Die erfindungsgemäße Lösung der Aufgabe ist nachfolgend anhand von Figuren erläutert.
Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Ausschnitt aus einem Antriebssystem, einsetzbar sowohl für eine Tiefbohrvorrichtung
als auch eine Tiefbohrpumpenvorrichtung in Einbaulage;
- Fig. 2
- eine Ansicht A-A gemäß Fig. 1 auf ein Statorschaufelrad.
[0012] Die Figur 1 verdeutlicht einen Ausschnitt aus einem Antriebssystem 1, wie es für
eine Tiefbohrvorrichtung oder eine Tiefbohrpumpenvorrichtung einsetzbar ist. Dieses
umfaßt, hier im einzelnen nicht dargestellt, eine Antriebsmaschine und wenigstens
ein, wenigstens mittelbar über die Antriebsmaschine rotierend antreibbares Abtriebsbauteil.
Dieses ist
a) im Fall der Tiefbohrvorrichtung als Bohrspindel, bzw.
b) im Fall der Tiefbohrpumpenvorrichtung als Pumpenrotor, der beispielsweise als Schraubenspindel
ausgeführt sein kann, ausgeführt.
Im allgemeinen wird die Bohrspindel und der Pumpenrotor nicht direkt mit der Antriebswelle
der Antriebsmaschine sondern über ein Gestänge gekoppelt sein. Das Gestänge wird in
diesem Fall ebenfalls als Bestandteil des Abtriebs angesehen.
[0013] Erfindungsgemäß ist zwischen der Antriebsmaschine und dem Abtriebsbauteil ein hydrodynamischer
Retarder 2 vorgesehen, d.h. zwischen Antriebsmaschine und Gestänge und/oder Bohrspindel
und Pumpenrotor. Der hydrodynamische Retarder 2 umfaßt ein Rotorschaufelrad 3 und
ein Statorschaufelrad 4, welche miteinander einen torusförmigen Arbeitsraum 5 bilden.
Der hydrodynamische Retarder, insbesondere das Statorschaufelrad 4 ist in einem Gehäuse
6 gelagert. Das Rotorschaufelrad 3 steht ständig wenigstens mittelbar mit der Antriebsmaschine
in Triebverbindung. Es kann dazu drehfest wenigstens mittelbar mit einer hier im einzelnen
nicht dargestellten Antriebswelle oder den Abtriebsbauteilen gekoppelt sein. In der
dargestellten Ausführung handelt es sich um ein mit der Bohrspindel der Tiefbohrvorrichtung
oder dem Pumpenrotor einer Tiefbohrpumpenvorrichtung drehfest gekoppeltes Bauteil
7.
[0014] Das Rotorschaufelrad 3 und das Statorschaufelrad 4 weisen eine schräge Beschaufelung
8 bzw. 9 auf, d.h. die Schaufeln sind gegenüber der Trennebene E zwischen dem Rotor
3 - und dem Statorschaufelrad 4 geneigt angeordnet. Die Schaufelrichtung, d.h. die
Neigung der einzelnen Schaufeln gegenüber dem jeweiligen Schaufelgrund - für das Statorschaufelrad
mit 10, für das Rotorschaufelrad mit 11 bezeichnet - zum jeweiligen Schaufelende hin
- für das Rotorschaufelrad mit 12 und das Statorschaufelrad mit 13 bezeichnet, in
Richtung der Trennebene E ist derart gewählt, daß im Normalbetrieb, d.h. beim Antrieb
der Bohrspindel bzw. des mit diesem drehfest verbundenen Bauteiles 7 oder des Pumpenrotors
bzw. des mit diesem drehfest gekoppelten Bauteiles 7 über die Antriebsmaschine das
Rotorschaufelrad 3 fortlaufend mitgeführt wird, jedoch aufgrund der schrägen Beschaufelung
sich kein geschlossener Kreislauf von Betriebsmittel zwischen dem Rotor- und Statorschaufelrad
entstehen kann. Die Arbeitsweise des Rotorschaufelrades 3 in diesem Betriebszustand
kann als "fliehend" gegenüber dem Statorschaufelrad bezeichnet werden. Das Betriebsmittel
verbleibt im wesentlichen zwischen den zwei einander benachbarten Schaufeln der Beschaufelung
9 des Rotorschaufelrades 3. Es findet keine Umwälzung in Richtung des Statorschaufelrades
4 dahingehend statt, daß ein Bremsreaktionsmoment erzeugt wird. Der hydrodynamische
Retarder 2 arbeitet somit im Normalbetrieb des Antriebssystems im wesentlichen mit
der Wirkung eines Freilaufes. Bei der Auslegung des Antriebssystems ist lediglich
die zur Rotation des Rotorschaufelrades 3 und damit die zur Umwälzung des Betriebsmittels
durch das Rotorschaufelrad 3 geringe erforderliche Leistung zu berücksichtigen.
[0015] Im Normalbetrieb wird das Drehmoment von der Antriebsmaschine auf das rotierend antriebbare
Abtriebsbauteil -
a) im Fall der Tiefbohrvorrichtung auf die mehrere hundert Meter lange Bohrspindel
und
b) im Fall der Tiefbohrpumpenvorrichtung auf den sich ebenfalls über eine erhebliche
Distanz erstreckenden Pumpenrotor -
übertragen. Dies führt dazu, daß aufgrund der Länge der Abtriebsbauteile diese der
Torsion ausgesetzt sind. Die Torsionskräfte werden in den Abtriebsbauteilen gespeichert.
Die Verdrehung der Abtriebsbauteile in Rotationsrichtung führt dazu, daß diese beim
Abschalten der Antriebsmaschine einer Rückstellkraft ausgesetzt sind bzw. ein Rückstellmoment
gegenüber der Antriebsmaschine auslösen. Das Rückstellmoment führt zur Lösung der
Verdrehung, was je nach Größe zu einer stoßartigen Belastung der Antriebsmaschine
und der dieser nachgeschalteten Bauteile führen kann.
[0016] Das Rotorschaufelrad 3 des hydrodynamischen Retarders 2 wird bei Rückstellung der
Bohrspindel bzw. des Pumpenrotors aufgrund der wenigstens mittelbar drehfesten Verbindung
mit dieser bzw. diesem oder einem mit dieser bzw. diesem verbundenem Bauteil 7 entgegen
der Drehrichtung im Normalbetrieb - der Normalbetrieb ist hier mit II bezeichnet,
die entgegengesetzte Drehrichtung mit I - bewegt. Aufgrund der schrägen Beschaufelung
arbeitet der hydrodynamische Retarder beim Rückstellen wie eine hydrodynamische Bremse,
d.h. im sogenannten "spießenden" Betrieb.
[0017] Entsprechend des Füllungsgrades und der Umfangsgeschwindigkeit im Bereich der Lagerung
des Rotorschaufelrades 3 wird ein bestimmtes Bremsmoment am Statorschaufelrad 4 erzeugt,
daß dem Rückstellmoment entgegengesetzt gerichtet ist und damit der Abfederung des
Rückstellmomentes dient.
[0018] Da der hydrodynamische Retarder 2 aufgrund der schrägen Beschaufelung und der Möglichkeit,
entsprechend der Schaufelrichtung eine Freilaufwirkung zu erzielen, ständig befüllt
sein kann, ist das Vorsehen eines separaten Zu- und Abflusses für den Normalbetrieb
II des gesamten Antriebssystems nicht erforderlich. Im Normalbetrieb, d.h. beim Antrieb
der Bohrspindel oder des Pumpenrotors über die Antriebsmaschine, wird das Betriebsfluid
vom Rotorschaufelrad 3 mitgeführt und umgewälzt. Ein sogenannter Arbeitskreislauf
zwischen dem Rotor- und dem Statorschaufelrad 3 bzw. 4 wird lediglich im Falle der
Rückstellung der Bohrspindel oder des Pumpenrotors erzeugt.
[0019] Dem torusförmigen Arbeitsraum 5 zwischen Rotor- und Statorschaufelrad ist ein geschlossener
Kreislauf für das Betriebsfluid zugeordnet, welcher hier mit 14 bezeichnet ist. Der
geschlossene Kreislauf 14 dient dazu, erwärmtes Betriebsmittel aus dem torusförmigen
Arbeitsraum 5 herauszuführen und diesem nach Abkühlung direkt wieder zuzuführen oder
eventuell über einen hier, im einzelnen nicht dargestellten Wärmetauscher zu führen
und dem hydrodynamischen Retarder wieder zuzuführen. Der Austritt aus dem torusförmigen
Arbeitsraum wird über Schlitze 15 im Schaufelgrund 10 des Statorschaufelrades 4 ermöglicht.
Die Zufuhr des Betriebsmittels erfolgt nach erfolgter Kühlung über entsprechende Einrichtungen
im Statorschaufelrad 4. Diese Einrichtungen können beispielsweise als sogenannte Füllschlitze
16 ausgeführt sein, die den Füllkanal bilden. Zu diesem Zweck ist die Beschaufelung
des Statorschaufelrades, wie in Figur 2 dargestellt, derart ausgeführt, daß die Füllschlitze
tragenden Schaufeln bezüglich ihrer Vorder 20 - und Rückseite 21 nicht parallel verlaufen.
Im besonderen werden die Schaufeln vom Schaufelgrund ausgehend zum Schaufelende -
hier also vom Schaufelgrund 10 zum Schaufelende 13 - hin, verjüngend ausgeführt. Im
Schaufelgrund weist dabei die den Füllschlitz tragende Schaufel eine Stärke auf, die
es ermöglicht, den gesamten Füllschlitz vom Querschnitt her in der Schaufel zu integrieren.
Vom Schaufelgrund 10 zum Schaufelende 13, hier der Schaufelvorderkante, hin, verkleinert
sich die Schaufeldicke zunehmend. Lediglich im Bereich des sich im wesentlichen vom
Schaufelgrund 10 zur Schaufelvorderkante hin erstreckenden Füllkanales erfolgt entsprechend
der Kontur bzw. der Größe des Füllschlitzes bzw. des Füllkanales eine örtliche Ausbuchtung
bzw. Auswölbung an der Schaufel. Diese bleibt jedoch im wesentlichen im Bereich des
Schaufelendes bzw. der Schaufelvorderkante angeordnet. Die Anzahl und die Größe der
Füllschlitze 16 sowie deren Ausführung richtet sich im wesentlichen nach der gewünschten
Zeit zum Füllen des Retarderkreislaufes und dem geforderten Flüssigkeitsdurchsatz
zur Abfuhr der entwickelten Bremswärme. Eine derartige Ausführung der Füllkanäle ermöglicht
es, im sogenannten spießenden Betrieb, d.h. beim Abfedern der von der Bohrspindel
aufgebrachten Rückstellkraft, eine ungestörte Meridianströmung zwischen Rotor- und
Statorschaufelrad zu erzeugen.
[0020] Neben den hier dargestellten vorteilhaften Ausführungen der Füllschlitze ist es ebenfalls
denkbar, die Beschaufelung des Statorschaufelrades mit Füllschlitzen derart zu versehen,
daß entweder lediglich der Bereich der Füllschlitze vom Schaufelgrund zum Schaufelende
hin verstärkt oder aber die gesamte Schaufel, welche die Füllschlitze trägt, verdickt
ausgeführt ist. Diese beiden letztgenannten Möglichkeiten bewirken jedoch das Entstehen
von Verwirbelungen und Abreißen der Strömung im Bereich dieser derart gestalteten
Schaufeln im spießenden Betrieb.
[0021] In dem geschlossenen Kreislauf 14 kann eine Einrichtung zur Kühlung, beispielsweise
in Form eines Wärmetauschers, angeordnet sein. Der geschlossene Kreislauf 14 kann
jedoch auch derart gestaltet werden, daß aufgrund von dessen Länge bzw. der Möglichkeit
der Zwischenlagerung des Betriebsmittels bereits eine Kühlung erfolgt. Auf einen externen
Kühlkreislauf kann daher verzichtet werden.
[0022] Für die konstruktive Ausgestaltung und Einbindung des hydrodynamischen Retarders
gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Erfindungswesentlich ist jedoch eine Anordnung
eines hydrodynamischen Retarders in einer Tiefbohrvorrichtung zwischen Antriebsmaschine
und Bohrspindel, und in einer Tiefbohrpumpenvorrichtung zwischen Antriebsmaschine
und dem Pumpenrotor.
1. Tiefbohrvorrichtung, umfassend
1.1 eine Antriebsmaschine;
1.2 eine von der Antriebsmaschine wenigstens mittelbar antreibbare Bohrspindel;
1.3 eine, zwischen Antriebsmaschine und Bohrspindel angeordnete Einrichtung zur Kompensation
der bei Änderung des Betriebszustandes möglichen auftretenden Rückstellmomente an
der Bohrspindel; gekennzeichnet durch die folgenden Merkmale:
1.4 die Einrichtung ist als hydrodynamischer Retarder, umfassend ein Rotor- und ein
Statorschaufelrad, ausgeführt;
1.5 Rotorschaufelrad und Statorschaufelrad bilden miteinander einen torusförmigen
Arbeitsraum, welcher bei Betrieb der Tiefbohrvorrichtung stets befüllt ist;
1.6 das Rotorschaufelrad steht wenigstens mittelbar mit der Antriebsmaschine in ständiger
Triebverbindung;
1.7 die Beschaufelung von Rotor- und Statorschaufelrad ist derart geneigt gegenüber
einer Trennebene zwischen dem Rotor- und dem Statorschaufelrad ausgeführt, daß aufgrund
der Schaufelrichtung
1.7.1 in der Betriebsweise des Antriebes der Bohrspindel das Rotorschaufelrad im wesentlichen
im Freilauf rotiert, und
1.7.2 im Fall der Unterbrechung des Kraftflusses beim Auftreten von Rückstellmomenten
an der Bohrspindel zwischen Rotorschaufelrad und Statorschaufelrad ein Bremsmoment
erzeugt wird.
2. Tiefbohrvorrichtung nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch die folgenden Merkmale:
2.1 das Statorschaufelrad weist im Schaufelgrund schlitzförmige Öffnungen auf;
2.2 der Beschaufelung des Statorschaufelrades sind Einrichtungen zur Befüllung des
hydrodynamischen Retarders zugeordnet;
2.3 die schlitzförmigen Öffnungen und die Einrichtungen zur Befüllung sind miteinander
über einen Kreislauf gekoppelt.
3. Tiefbohrvorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Kreislauf als
geschlossener Kreislauf ausgeführt ist.
4. Tiefbohrvorrichtung nach einem der Ansprüche 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß
der Retarder frei von einem externen Kühlkreislauf ist.
5. Tiefbohrvorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß im geschlossenen
Kreislauf ein Wärmetauscher vorgesehen ist.
6. Tiefbohrvorrichtung nach einem der Ansprüche 2 bis 5, gekennzeichnet durch die folgenden
Merkmale:
6.1 in der Beschaufelung des Statorschaufelrades sind Füllkanäle integriert;
6.2 die Füllkanäle tragenden Schaufeln sind vom Schaufelgrund bis hin zur Schaufelvorderkante
verjüngend ausgeführt;
6.3 im Bereich der Schaufelvorderkante ist in der Rückseite der Schaufel eine örtliche
Verdickung für den Füllkanal vorgesehen.
7. Tiefbohrvorrichtung nach einem der Ansprüche 2 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß
bezogen auf die Einbaulage des hydrodynamischen Retarders im Kreislauf ein Hochbehälter
vorgesehen ist, welcher einen bestimmten Betriebsmittelspiegel aufweist.
8. Tiefbohrpumpenvorrichtung, umfassend
8.1 eine Antriebsmaschine;
8.2 ein von der Antriebsmaschine wenigstens mittelbar mit einem Gestänge gekoppelter
und antreibbarer Pumpenrotor;
8.3 eine, zwischen Antriebsmaschine und Pumpenrotor oder Gestänge angeordnete Einrichtung
zur Kompensation der bei Änderung des Betriebszustandes möglichen auftretenden Rückstellmomente;
gekennzeichnet durch die folgenden Merkmale:
8.4 die Einrichtung ist als hydrodynamischer Retarder, umfassend ein Rotor- und ein
Statorschaufelrad, ausgeführt;
8.5 Rotorschaufelrad und Statorschaufelrad bilden miteinander einen torusförmigen
Arbeitsraum, welcher bei Betrieb der Tiefbohrpumpenvorrichtung stets befüllt ist;
8.6 das Rotorschaufelrad steht wenigstens mittelbar mit der Antriebsmaschine in ständiger
Triebverbindung;
8.7 die Beschaufelung von Rotor- und Statorschaufelrad ist derart geneigt gegenüber
einer Trennebene zwischen dem Rotor- und dem Statorschaufelrad ausgeführt, daß aufgrund
der Schaufelrichtung
8.7.1 in der Betriebsweise des Antriebes des Pumpenrotors das Rotorschaufelrad im
wesentlichen im Freilauf rotiert, und
8.7.2 im Fall der Unterbrechung des Kraftflusses beim Auftreten von Rückstellmomenten
zwischen Rotorschaufelrad und Statorschaufelrad ein Bremsmoment erzeugt wird.
9. Tiefbohrpumpenvorrichtung nach Anspruch 8, gekennzeichnet durch die folgenden Merkmale:
9.1 das Statorschaufelrad weist im Schaufelgrund schlitzförmige Öffnungen auf;
9.2 der Beschaufelung des Statorschaufelrades sind Einrichtungen zur Befüllung des
hydrodynamischen Retarders zugeordnet;
9.3 die schlitzförmigen Öffnungen und die Einrichtungen zur Befüllung sind miteinander
über einen Kreislauf gekoppelt.
10. Tiefbohrpumpenvorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß der Kreislauf
als geschlossener Kreislauf ausgeführt ist.
11. Tiefbohrpumpenvorrichtung nach einem der Ansprüche 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet,
daß der Retarder frei von einem externen Kühlkreislauf ist.
12. Tiefbohrpumpenvorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß im geschlossenen
Kreislauf ein Wärmetauscher vorgesehen ist.
13. Tiefbohrpumpenvorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 12, gekennzeichnet durch
die folgenden Merkmale:
13.1 in der Beschaufelung des Statorschaufelrades sind Füllkanäle integriert;
13.2 die die Füllkanäle tragenden Schaufeln sind vom Schaufelgrund bis hin zur Schaufelvorderkante
verjüngend ausgeführt;
13.3 im Bereich der Schaufelvorderkante ist in der Rückseite der Schaufel eine örtliche
Verdickung für den Füllkanal vorgesehen.
14. Tiefbohrpumpenvorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet,
daß bezogen auf die Einbaulage des hydrodynamischen Retarders im Kreislauf ein Hochbehälter
vorgesehen ist, welcher einen bestimmten Betriebsmittelspiegel aufweist.
15. Verwendung eines hydrodynamischen Retarders in einem Antriebssystem mit einer Antriebsmaschine
und einem rotierend antreibbaren Abtrieb zur Kompensation vom Abtrieb im Fall der
Unterbrechung des Kraftflusses im Antriebssystem ausgelöster Rückstellmomente.
16. Verwendung eines hydrodynamischen Retarders in einer Tiefbohrvorrichtung zwischen
Antriebsmaschine und Bohrspindel zur Kompensation der durch die Bohrspindel bei Unterbrechung
des Kraftflusses im Antriebsstrang ausgelösten Rückstellmomente.