[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Eindampfen einer Lösung in einer oder mehreren
Eindampfstufen, wobei in jeder Eindampfstufe Lösung zwischen einem Wärmeaustauscher
und einem Ausdampfbehälter im Kreis gefuhrt und Dampf aus dem Ausdampfbehälter abgezogen
wird und wobei während des Eindampfbetriebs Stoffe aus der Lösung Anbackungen bilden.
Häufig entstehen diese Anbackungen im Bereich der Heizflächen eines Wärmeaustauschers.
[0002] In Eindampfanlagen muß man häufig mit Verkrustungen rechnen, die den weiteren Betrieb
behindern oder auch das Abschalten und Reinigen verkrusteter Anlagenteile notwendig
machen. Wenn Lösungen bis zur Kristallisation eingedampft werden, bilden sich oft
Anbackungen durch Verunreinigungen in der Lösung bereits in Eindampfstufen ohne Auskristallisation
durch Ablagerungen von Verunreinigungen.
[0003] Üblicherweise ist beim Entfernen der Anbackungen eine zeitaufwendige Demontage der
Anlagenteile notwendig. Wird durch einen Hochdruckwasserstrahl gereinigt, so ist dies
teuer und nicht ungefährlich. In manchen Fällen muß vor der Hochdruckreinigung noch
eine Vorbehandlung mit speziellen Chemikalien erfolgen, um die Krusten für die Hochdruckreinigung
angreifbar zu machen. In anderen Fällen werden Krusten durch Chemikalien aufgelöst.
Hierdurch entsteht zusätzlich das Problem der Entsorgung dieser Chemikalien.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, beim eingangs genannten Verfahren Anbackungen
schnell und kostengünstig entfernen zu können. Erfindungsgemäß gelingt dies dadurch,
daß man zum Entfernen der Anbackungen den Eindampfbetrieb in der zugehörigen Eindampfstufe
unterbricht und im Kreislauf durch den Wärmeaustauscher und den Ausdampfbehälter eine
mindestens 3 Gew% körnige Feststoffe enthaltende Reinigungssuspension führt, wobei
die Feststoffe abrasiv wirken. Hierbei tragen die Feststoffe die Anbackungen beim
Hindurchströmen der Reinigungssuspension durch die betroffenen Anlagenteile ab. Es
empfiehlt sich, die Reinigungssuspension durch eine Pumpe mit einer gewissen Strömungsgeschwindigkeit
an den Anbackungen entlangzuführen. Auf diese Weise können insbesondere Anbackungen
an den Heizflächen des Wärmeaustauschers oder auch von anderen Stellen der Rohrleitungen
abgetragen werden.
[0005] Der Gehalt an körnigen Feststoffen in der Reinigungssuspension liegt üblicherweise
im Bereich von 3 bis 50 Gew% und vorzugsweise 5 bis 30 Gew%. Die Obergrenze des Feststoffgehalts
in der Reinigungssuspension ist dann erreicht, wenn sich die Suspension aufgrund ihrer
Zähigkeit durch eine Pumpe kaum noch im Kreis führen läßt.
[0006] Die Reinigungssuspension kann auf verschiedene Weise gebildet werden. Man kann zum
Beispiel Wasser oder eine andere Flüssigkeit oder Lösung mit körnigen Feststoffen,
z.B. betriebsfremden Stoffen wie etwa Sand oder anderen unlöslichen Feststoffen vermengen
und die Suspension als Reinigungssuspension verwenden. Eine weitere Möglichkeit besteht
darin, daß die Reinigungssuspension Feststoffe enthält, die beim Eindampfen einer
Lösung auskristallisieren, wobei es sich um die im Verfahren befindliche, einzudampfende
Lösung oder aber auch um eine Fremdlösung handeln kann. Man kann somit also auch eine
fertig oder weitgehend eingedampfte Suspension verwenden, die ausgefallene Kristalle
in ausreichender Konzentration enthält.
[0007] Eine sehr zweckmäßige Möglichkeit der Bildung der Reinigungssuspension ergibt sich
beim Arbeiten mit mehreren Eindampfstufen. Bilden sich Anbackungen zum Beispiel im
Wärmeaustauscher einer Eindampfstufe, durch die während des Eindampfbetriebs eine
praktisch feststofffreie Lösung im Kreis geführt wird, so wird die Stufe zum Entfernen
der Anbackungen zunächst aus dem Ausdampfbetrieb ausgekoppelt und auf Reinigungsbetrieb
umgeschaltet. Zu diesem Zweck führt man der Stufe einzudampfende Lösung zu, wobei
man den Wärmeaustauscher beheizt, so daß die Reinigungslösung teilweise verdampft
und dabei Feststoffe aus der Reinigungslösung auskristallisieren. Die so gebildete
feststoffhaltige Reinigungssuspension wird dann noch so lange im Kreis geführt, bis
die Anbackungen entfernt sind. Es wird zumeist möglich sein, während eine Eindampfstufe
auf Reinigungsbetrieb geschaltet ist, den Eindampfbetrieb in der übrigen Stufe oder
den übrigen Stufen bei Teillast weiterzuführen.
[0008] Das Verfahren zum Entfernen von Anbackungen ist für unterschiedliche Eindampfanlagen
geeignet, nur beispielsweise seien hier Anlagen zum Eindampfen von NaCl-haltigem Abwasser
aus der Rauchgasreinigung von Müllverbrennungsanlagen genannt. Bei den zu entfernenden
Anbackungen handelt es sich zum Beispiel um Sulfate, Karbonate oder Silikate wie etwa
Gips oder Erdalkalikarbonate.
[0009] Ausgestaltungsmöglichkeiten des Verfahrens werden mit Hilfe der Zeichnung erläutert.
Es zeigt:
- Fig. 1
- eine zweistufige Eindampfanlage und
- Fig. 2
- eine dreistufige Eindampfanlage in schematischer Darstellung.
[0010] Gemäß Fig. 1 sind die wesentlichen Teile der ersten Eindampfstufe (1) der indirekte
Wärmeaustauscher (11), der Ausdampfbehälter (12), die Kreislaufpumpe (13) und der
Ausschleusbehälter (14). Die einzudampfende Lösung wird durch die Leitung (3) herangeführt
und gelangt durch die Leitung (15) in den Lösungskreislauf und in den Wärmeaustauscher
(11), dem man als Heizmedium zum Beispiel Wasserdampf durch die Leitung (16) zuführt.
Abgekühltes Heizmedium wird durch die Leitung (17) entfernt. Erhitzte Lösung gelangt
durch die Leitung (18) in den Ausdampfbehälter, aus dem man durch die Leitung (4)
Brüden abzieht. Die im Kreislauf geführte Lösung verläßt den Ausdampfbehälter (12)
durch die Leitung (19). Die restliche, bereits aufkonzentrierte Lösung gelangt durch
die Leitung (5) und das geöffnete Ventil (6) zum Ausschleusbehälter (14) und wird
durch die Leitung (7) in die Eindampf-Endstufe (2) geführt. Die Stufe (2) arbeitet
prinzipiell in der gleichen Weise wie die bereits beschriebene Vorkonzentrierungsstufe
(1). Zur Endstufe (2) gehören der Wärmeaustauscher (21), der Ausdampfbehälter (22),
die Kreislaufpumpe (23) und der Ausschleusbehälter (24). Die aus dem Ausdampfbehälter
(22) abgezogenen Brüden gelangen zunächst durch die Leitung (8a) zum Kondensator (8),
Restgas wird in der Leitung (9) abgezogen. Kristallhaltige Suspension entnimmt man
dem Behälter (24) durch die Leitung (25).
[0011] Wenn sich in der Vorkonzentrierungsstufe (1), zum Beispiel an den Heizflächen des
Wärmeaustauschers (11), störende Anbackungen gebildet haben, schaltet man für diese
Stufe den Eindampfbetrieb ab und geht auf Reinigungsbetrieb über. Zu diesem Zweck
schließt man das Ventil (6) und führt die einzudampfende Lösung ganz oder teilweise
durch die gestrichelt gezeichnete Leitung (3a) direkt in die Endstufe (2). Die Stufe
(2) kann hierbei mit Teillast betrieben werden; zusätzliches Heizmedium in Form von
Frischdampf kann man durch die Leitung (4a) heranführen.
[0012] Während des Reinigungsbetriebs in der Vorkonzentrierungsstufe (1) führt man dem Wärmeaustauscher
(11) durch die Leitung (16) Heizmedium in solcher Menge zu, daß die im Kreislauf geführte
Lösung intensiv eingedampft wird und Feststoffe auskristallisieren. Die so gebildete
Reinigungssuspension wird so lange durch die Pumpe (13), den Wärmeaustauscher (11)
und den Ausdampfbehälter (12) im Kreis geführt, bis die störenden Ansätze beseitigt
sind. Wahrend dieser Zeit wird durch die Leitung (3) ein gewisser Teil einzudampfende
Lösung zugespeist, um die Kristallbildung im Kreislauf der Stufe (1) zu ermöglichen.
Wenn die Ansätze entfernt sind, kann der normale Eindampfbetrieb wieder aufgenommen
werden.
Beispiel
[0013] Man arbeitet mit der Verfahrensführung gemäß Fig. 2 mit 3 Eindampfstufen (1), (2A)
und (2). Die Bezugsziffern haben die bereits zusammen mit Fig. 1 erläuterte Bedeutung.
Die Soleleitung (20) verbindet im Normalbetrieb bei geöffnetem Ventil (20a) die Stufe
(2A) mit der Stufe (1); durch die Leitungen (4) und (4b) werden Brüden zum nicht dargestellten
Wärmeaustauscher der benachbarten Stufe (2A) bzw. (2) geführt. Aus der eingedampften
Lösung der Leitung (25) trennt man in einer Zentrifuge (26) Salz ab, das man über
den Weg (29) abführt. Ein Teil der aus der Zentrifuge kommenden Mutterlauge wird in
der Leitung (27) zurück in den Lösungskreislauf der Stufe (2) gegeben, die restliche
Mutterlauge wird in der Leitung (28) abgezogen.
[0014] Während des Normalbetriebs mit den 3 Eindampfstufen (1), (2A) und (2) führt man der
Stufe (2A) durch die Leitung (3) pro Stunde 7574 kg Sole mit einem NaCl-Gehalt von
123 g/l und einer Temperatur von 55°C zu. Die Sole kommt aus einer Anlage zum Reinigen
von Rauchgas einer Müllverbrennungsanlage und enthält neben NaCl insbesondere noch
kleine Mengen an Ca-, Sulfat- und Carbonat-Ionen sowie Silikate, die in der Eindampfanlage
zur Krustenbildung neigen. Die Leitung (3a) wird nicht benutzt. Die Temperaturen in
verschiedenen Leitungen sind folgende:
| Leitung |
16 |
4 |
4b |
8a |
| Temperatur |
130°C |
85°C |
70°C |
55°C |
[0015] In der Leitung (16) werden 2500 kg/h Wasserdampf von 2,5 bar herangeführt, im Kondensator
(8) herrscht ein Druck von 0,11 bar, über den Weg (29) werden 621 kg/h NaCl-Kristalle
abgezogen, und durch die Leitung (28) entfernt man 956 kg/h Mutterlauge. Insgesamt
fallen in den 3 Eindampfstufen und im Kondensator (8) 8500 kg/h Kondensat an, nämlich
6000 kg/h Brüdenkondensat und 2500 kg/h Frischdampfkondensat in der Leitung (17).
[0016] Wenn in der Stufe (2A) Krusten zu entfernen sind, wird diese Stufe aus dem Eindampfbetrieb
durch Schließen des Ventils (20a) abgekoppelt und die einzudampfende Sole in der verringerten
Menge von 4900 kg/h durch die Leitung (3a) direkt der Stufe (1) aufgegeben. Zum Zeitpunkt
der Abkopplung beträgt die NaCl-Konzentration in der in der Stufe (2A) umlaufenden
Lösung 169 g/l. Durch die Leitung (3) werden dieser Stufe 2651 kg/h der einzudampenden
Sole zugeführt, um die Bildung von Salzkristallen herbeizuführen. Nach 7 Stunden enthält
die in der Stufe (2A) umgepumpte Suspension 15 Gew.-% Salzkristalle, der Kreislaufbetrieb
mit der Suspension wird weitere 12 Stunden fortgesetzt, wobei die Anbackungen verschwinden.
Die Suspension wird einem Vorratsbehälter für einzudampfende Sole zugeführt, und die
Stufe (2A) kann dann wieder in den normalen 3-stufigen Eindampfbetrieb eingeschaltet
werden.
1. Verfahren zum Eindampfen einer Lösung in einer oder mehreren Eindampfstufen, wobei
in jeder Eindampfstufe Lösung zwischen einem Wärmeaustauscher und einem Ausdampfbehälter
im Kreis geführt und Dampf aus dem Ausdampfbehälter abgezogen wird und wobei während
des Eindampfbetriebs Stoffe aus der Lösung Anbackungen bilden, dadurch gekennzeichnet,
daß man zum Entfernen der Anbackungen den Eindampfbetrieb in der zugehörigen Eindampfstufe
unterbricht und im Kreislauf durch den Wärmeaustauscher und den Ausdampfbehälter eine
mindestens 3 Gew% körnige Feststoffe enthaltende Reinigungssuspension führt, wobei
die Feststoffe abrasiv wirken
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die zum Entfernen der Anbackungen
im Kreis geführte Reinigungssuspension Feststoffe enthält, die beim Eindampfen einer
Lösung auskristallisieren.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man mit mehreren Eindampfstufen
arbeitet und Anbackungen in einer Eindampfstufe, durch die während des Eindampfbetriebs
eine praktisch feststofffreie Lösung im Kreis geführt wird, dadurch entfernt, daß
man eine Reinigungslösung im Kreis durch die Stufe führt, wobei man den Wärmeaustauscher
beheizt, die Reinigungslösung teilweise verdampft und dabei Feststoffe aus der Reinigungslösung
auskristallisiert und die so gebildete festoffhaltige Reinigungssuspension im Kreis
führt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß man als Reinigungssuspension
einzudampfende Lösung verwendet.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß man während des Entfernens
von Anbackungen im Wärmeaustauscher einer Eindampfstufe, in welcher nicht die Endkonzentrierung
erreicht wird, den Eindampfbetrieb in der Stufe, in welche die Endkonzentrierung erreicht
wird, fortsetzt.