(19)
(11) EP 0 820 792 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
28.01.1998  Patentblatt  1998/05

(21) Anmeldenummer: 97110367.6

(22) Anmeldetag:  25.06.1997
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6B01D 1/00, C02F 1/04
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE

(30) Priorität: 23.07.1996 DE 19629641

(71) Anmelder: METALLGESELLSCHAFT AG
60323 Frankfurt am Main (DE)

(72) Erfinder:
  • Roller, Günter
    61352 Bad Homburg (DE)
  • Stein, Dieter
    65191 Wiesbaden (DE)
  • Wagner, Ulrich, Dr.
    06406 Bernburg (DE)
  • Englmaier, Ludwig
    83308 Trostberg (DE)

   


(54) Verfahren zum Entfernen von Verkrustungen in Eindampfanlagen


(57) Eine Lösung wird zum Eindampfen durch eine oder mehrere Eindampfstufen (1,2) geleitet. In jeder Eindampfstufe (1,2) wird die Lösung zwischen einem Wärmeaustauscher (11,21) und einem Ausdampfbehälter (12,22) im Kreis geführt und Dampf aus dem Ausdampfbehälter (12,22) abgezogen. Zum Entfernen von Anbackungen wird der Eindampfbetrieb in der betroffenen Eindampfstufe (1,2) unterbrochen, und man leitet im Kreislauf durch den Wärmetaustauscher (11,21) und den Ausdampfbehälter (12,22) der betroffenen Eindampfstufe eine mindestens 3 Gew.-% körnige Feststoffe enthaltende Reinigungssuspension. Die Feststoffe, die abrasiv wirken, beseitigen die Anbackungen. Vorzugsweise wird die einzudampfende Lösung zum Entfernen der Anbackungen durch die Eindampfstufe (1,2) geführt, wobei man den Wärmeaustauscher (11,21) beheizt und die Reinigungslösung soweit verdampft, daß Feststoffe auskristallisieren, wobei eine Reinigungssuspension gebildet wird.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Eindampfen einer Lösung in einer oder mehreren Eindampfstufen, wobei in jeder Eindampfstufe Lösung zwischen einem Wärmeaustauscher und einem Ausdampfbehälter im Kreis gefuhrt und Dampf aus dem Ausdampfbehälter abgezogen wird und wobei während des Eindampfbetriebs Stoffe aus der Lösung Anbackungen bilden. Häufig entstehen diese Anbackungen im Bereich der Heizflächen eines Wärmeaustauschers.

[0002] In Eindampfanlagen muß man häufig mit Verkrustungen rechnen, die den weiteren Betrieb behindern oder auch das Abschalten und Reinigen verkrusteter Anlagenteile notwendig machen. Wenn Lösungen bis zur Kristallisation eingedampft werden, bilden sich oft Anbackungen durch Verunreinigungen in der Lösung bereits in Eindampfstufen ohne Auskristallisation durch Ablagerungen von Verunreinigungen.

[0003] Üblicherweise ist beim Entfernen der Anbackungen eine zeitaufwendige Demontage der Anlagenteile notwendig. Wird durch einen Hochdruckwasserstrahl gereinigt, so ist dies teuer und nicht ungefährlich. In manchen Fällen muß vor der Hochdruckreinigung noch eine Vorbehandlung mit speziellen Chemikalien erfolgen, um die Krusten für die Hochdruckreinigung angreifbar zu machen. In anderen Fällen werden Krusten durch Chemikalien aufgelöst. Hierdurch entsteht zusätzlich das Problem der Entsorgung dieser Chemikalien.

[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, beim eingangs genannten Verfahren Anbackungen schnell und kostengünstig entfernen zu können. Erfindungsgemäß gelingt dies dadurch, daß man zum Entfernen der Anbackungen den Eindampfbetrieb in der zugehörigen Eindampfstufe unterbricht und im Kreislauf durch den Wärmeaustauscher und den Ausdampfbehälter eine mindestens 3 Gew% körnige Feststoffe enthaltende Reinigungssuspension führt, wobei die Feststoffe abrasiv wirken. Hierbei tragen die Feststoffe die Anbackungen beim Hindurchströmen der Reinigungssuspension durch die betroffenen Anlagenteile ab. Es empfiehlt sich, die Reinigungssuspension durch eine Pumpe mit einer gewissen Strömungsgeschwindigkeit an den Anbackungen entlangzuführen. Auf diese Weise können insbesondere Anbackungen an den Heizflächen des Wärmeaustauschers oder auch von anderen Stellen der Rohrleitungen abgetragen werden.

[0005] Der Gehalt an körnigen Feststoffen in der Reinigungssuspension liegt üblicherweise im Bereich von 3 bis 50 Gew% und vorzugsweise 5 bis 30 Gew%. Die Obergrenze des Feststoffgehalts in der Reinigungssuspension ist dann erreicht, wenn sich die Suspension aufgrund ihrer Zähigkeit durch eine Pumpe kaum noch im Kreis führen läßt.

[0006] Die Reinigungssuspension kann auf verschiedene Weise gebildet werden. Man kann zum Beispiel Wasser oder eine andere Flüssigkeit oder Lösung mit körnigen Feststoffen, z.B. betriebsfremden Stoffen wie etwa Sand oder anderen unlöslichen Feststoffen vermengen und die Suspension als Reinigungssuspension verwenden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, daß die Reinigungssuspension Feststoffe enthält, die beim Eindampfen einer Lösung auskristallisieren, wobei es sich um die im Verfahren befindliche, einzudampfende Lösung oder aber auch um eine Fremdlösung handeln kann. Man kann somit also auch eine fertig oder weitgehend eingedampfte Suspension verwenden, die ausgefallene Kristalle in ausreichender Konzentration enthält.

[0007] Eine sehr zweckmäßige Möglichkeit der Bildung der Reinigungssuspension ergibt sich beim Arbeiten mit mehreren Eindampfstufen. Bilden sich Anbackungen zum Beispiel im Wärmeaustauscher einer Eindampfstufe, durch die während des Eindampfbetriebs eine praktisch feststofffreie Lösung im Kreis geführt wird, so wird die Stufe zum Entfernen der Anbackungen zunächst aus dem Ausdampfbetrieb ausgekoppelt und auf Reinigungsbetrieb umgeschaltet. Zu diesem Zweck führt man der Stufe einzudampfende Lösung zu, wobei man den Wärmeaustauscher beheizt, so daß die Reinigungslösung teilweise verdampft und dabei Feststoffe aus der Reinigungslösung auskristallisieren. Die so gebildete feststoffhaltige Reinigungssuspension wird dann noch so lange im Kreis geführt, bis die Anbackungen entfernt sind. Es wird zumeist möglich sein, während eine Eindampfstufe auf Reinigungsbetrieb geschaltet ist, den Eindampfbetrieb in der übrigen Stufe oder den übrigen Stufen bei Teillast weiterzuführen.

[0008] Das Verfahren zum Entfernen von Anbackungen ist für unterschiedliche Eindampfanlagen geeignet, nur beispielsweise seien hier Anlagen zum Eindampfen von NaCl-haltigem Abwasser aus der Rauchgasreinigung von Müllverbrennungsanlagen genannt. Bei den zu entfernenden Anbackungen handelt es sich zum Beispiel um Sulfate, Karbonate oder Silikate wie etwa Gips oder Erdalkalikarbonate.

[0009] Ausgestaltungsmöglichkeiten des Verfahrens werden mit Hilfe der Zeichnung erläutert. Es zeigt:
Fig. 1
eine zweistufige Eindampfanlage und
Fig. 2
eine dreistufige Eindampfanlage in schematischer Darstellung.


[0010] Gemäß Fig. 1 sind die wesentlichen Teile der ersten Eindampfstufe (1) der indirekte Wärmeaustauscher (11), der Ausdampfbehälter (12), die Kreislaufpumpe (13) und der Ausschleusbehälter (14). Die einzudampfende Lösung wird durch die Leitung (3) herangeführt und gelangt durch die Leitung (15) in den Lösungskreislauf und in den Wärmeaustauscher (11), dem man als Heizmedium zum Beispiel Wasserdampf durch die Leitung (16) zuführt. Abgekühltes Heizmedium wird durch die Leitung (17) entfernt. Erhitzte Lösung gelangt durch die Leitung (18) in den Ausdampfbehälter, aus dem man durch die Leitung (4) Brüden abzieht. Die im Kreislauf geführte Lösung verläßt den Ausdampfbehälter (12) durch die Leitung (19). Die restliche, bereits aufkonzentrierte Lösung gelangt durch die Leitung (5) und das geöffnete Ventil (6) zum Ausschleusbehälter (14) und wird durch die Leitung (7) in die Eindampf-Endstufe (2) geführt. Die Stufe (2) arbeitet prinzipiell in der gleichen Weise wie die bereits beschriebene Vorkonzentrierungsstufe (1). Zur Endstufe (2) gehören der Wärmeaustauscher (21), der Ausdampfbehälter (22), die Kreislaufpumpe (23) und der Ausschleusbehälter (24). Die aus dem Ausdampfbehälter (22) abgezogenen Brüden gelangen zunächst durch die Leitung (8a) zum Kondensator (8), Restgas wird in der Leitung (9) abgezogen. Kristallhaltige Suspension entnimmt man dem Behälter (24) durch die Leitung (25).

[0011] Wenn sich in der Vorkonzentrierungsstufe (1), zum Beispiel an den Heizflächen des Wärmeaustauschers (11), störende Anbackungen gebildet haben, schaltet man für diese Stufe den Eindampfbetrieb ab und geht auf Reinigungsbetrieb über. Zu diesem Zweck schließt man das Ventil (6) und führt die einzudampfende Lösung ganz oder teilweise durch die gestrichelt gezeichnete Leitung (3a) direkt in die Endstufe (2). Die Stufe (2) kann hierbei mit Teillast betrieben werden; zusätzliches Heizmedium in Form von Frischdampf kann man durch die Leitung (4a) heranführen.

[0012] Während des Reinigungsbetriebs in der Vorkonzentrierungsstufe (1) führt man dem Wärmeaustauscher (11) durch die Leitung (16) Heizmedium in solcher Menge zu, daß die im Kreislauf geführte Lösung intensiv eingedampft wird und Feststoffe auskristallisieren. Die so gebildete Reinigungssuspension wird so lange durch die Pumpe (13), den Wärmeaustauscher (11) und den Ausdampfbehälter (12) im Kreis geführt, bis die störenden Ansätze beseitigt sind. Wahrend dieser Zeit wird durch die Leitung (3) ein gewisser Teil einzudampfende Lösung zugespeist, um die Kristallbildung im Kreislauf der Stufe (1) zu ermöglichen. Wenn die Ansätze entfernt sind, kann der normale Eindampfbetrieb wieder aufgenommen werden.

Beispiel



[0013] Man arbeitet mit der Verfahrensführung gemäß Fig. 2 mit 3 Eindampfstufen (1), (2A) und (2). Die Bezugsziffern haben die bereits zusammen mit Fig. 1 erläuterte Bedeutung. Die Soleleitung (20) verbindet im Normalbetrieb bei geöffnetem Ventil (20a) die Stufe (2A) mit der Stufe (1); durch die Leitungen (4) und (4b) werden Brüden zum nicht dargestellten Wärmeaustauscher der benachbarten Stufe (2A) bzw. (2) geführt. Aus der eingedampften Lösung der Leitung (25) trennt man in einer Zentrifuge (26) Salz ab, das man über den Weg (29) abführt. Ein Teil der aus der Zentrifuge kommenden Mutterlauge wird in der Leitung (27) zurück in den Lösungskreislauf der Stufe (2) gegeben, die restliche Mutterlauge wird in der Leitung (28) abgezogen.

[0014] Während des Normalbetriebs mit den 3 Eindampfstufen (1), (2A) und (2) führt man der Stufe (2A) durch die Leitung (3) pro Stunde 7574 kg Sole mit einem NaCl-Gehalt von 123 g/l und einer Temperatur von 55°C zu. Die Sole kommt aus einer Anlage zum Reinigen von Rauchgas einer Müllverbrennungsanlage und enthält neben NaCl insbesondere noch kleine Mengen an Ca-, Sulfat- und Carbonat-Ionen sowie Silikate, die in der Eindampfanlage zur Krustenbildung neigen. Die Leitung (3a) wird nicht benutzt. Die Temperaturen in verschiedenen Leitungen sind folgende:
Leitung 16 4 4b 8a
Temperatur 130°C 85°C 70°C 55°C


[0015] In der Leitung (16) werden 2500 kg/h Wasserdampf von 2,5 bar herangeführt, im Kondensator (8) herrscht ein Druck von 0,11 bar, über den Weg (29) werden 621 kg/h NaCl-Kristalle abgezogen, und durch die Leitung (28) entfernt man 956 kg/h Mutterlauge. Insgesamt fallen in den 3 Eindampfstufen und im Kondensator (8) 8500 kg/h Kondensat an, nämlich 6000 kg/h Brüdenkondensat und 2500 kg/h Frischdampfkondensat in der Leitung (17).

[0016] Wenn in der Stufe (2A) Krusten zu entfernen sind, wird diese Stufe aus dem Eindampfbetrieb durch Schließen des Ventils (20a) abgekoppelt und die einzudampfende Sole in der verringerten Menge von 4900 kg/h durch die Leitung (3a) direkt der Stufe (1) aufgegeben. Zum Zeitpunkt der Abkopplung beträgt die NaCl-Konzentration in der in der Stufe (2A) umlaufenden Lösung 169 g/l. Durch die Leitung (3) werden dieser Stufe 2651 kg/h der einzudampenden Sole zugeführt, um die Bildung von Salzkristallen herbeizuführen. Nach 7 Stunden enthält die in der Stufe (2A) umgepumpte Suspension 15 Gew.-% Salzkristalle, der Kreislaufbetrieb mit der Suspension wird weitere 12 Stunden fortgesetzt, wobei die Anbackungen verschwinden. Die Suspension wird einem Vorratsbehälter für einzudampfende Sole zugeführt, und die Stufe (2A) kann dann wieder in den normalen 3-stufigen Eindampfbetrieb eingeschaltet werden.


Ansprüche

1. Verfahren zum Eindampfen einer Lösung in einer oder mehreren Eindampfstufen, wobei in jeder Eindampfstufe Lösung zwischen einem Wärmeaustauscher und einem Ausdampfbehälter im Kreis geführt und Dampf aus dem Ausdampfbehälter abgezogen wird und wobei während des Eindampfbetriebs Stoffe aus der Lösung Anbackungen bilden, dadurch gekennzeichnet, daß man zum Entfernen der Anbackungen den Eindampfbetrieb in der zugehörigen Eindampfstufe unterbricht und im Kreislauf durch den Wärmeaustauscher und den Ausdampfbehälter eine mindestens 3 Gew% körnige Feststoffe enthaltende Reinigungssuspension führt, wobei die Feststoffe abrasiv wirken
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die zum Entfernen der Anbackungen im Kreis geführte Reinigungssuspension Feststoffe enthält, die beim Eindampfen einer Lösung auskristallisieren.
 
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man mit mehreren Eindampfstufen arbeitet und Anbackungen in einer Eindampfstufe, durch die während des Eindampfbetriebs eine praktisch feststofffreie Lösung im Kreis geführt wird, dadurch entfernt, daß man eine Reinigungslösung im Kreis durch die Stufe führt, wobei man den Wärmeaustauscher beheizt, die Reinigungslösung teilweise verdampft und dabei Feststoffe aus der Reinigungslösung auskristallisiert und die so gebildete festoffhaltige Reinigungssuspension im Kreis führt.
 
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß man als Reinigungssuspension einzudampfende Lösung verwendet.
 
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß man während des Entfernens von Anbackungen im Wärmeaustauscher einer Eindampfstufe, in welcher nicht die Endkonzentrierung erreicht wird, den Eindampfbetrieb in der Stufe, in welche die Endkonzentrierung erreicht wird, fortsetzt.
 




Zeichnung