[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Bandes aus Aluminium oder
einer Aluminiumlegierung für elektrolytisch aufgerauhte, lithographische Druckplatten,
wobei die Legierung kontinuierlich zu einem Band gegossen und das gegossene Band nachfolgend
auf Enddicke gewalzt wird.
[0002] Lithographische Druckplatten aus Aluminium, die typischerweise eine Dicke von etwa
0,3 mm aufweisen, haben gegenüber Platten aus anderen Werkstoffen Vorteile, von denen
hier nur einige genannt sind:
- Eine gleichmässige Oberfläche, die sich gut zur mechanischen, chemischen und elektrochemischen
Aufrauhung eignet.
- Eine harte Oberfläche nach dem Anodisieren, was eine grosse Zahl von Abdrucken ermöglicht.
- Leichtes Gewicht.
- Niedrige Gestehungskosten.
[0003] Der Artikel ALUMINIUM ALLOYS AS SUBSTRATES FOR LITHOGRAPHIC PLATES von F. Wehner
und R.J. Dean, 8. Internationale Leichtmetalltagung Leoben-Wien 1987, gibt einen Ueberblick
über die Herstellung und Eigenschaften von Bändern für lithographische Druckplatten.
[0004] Zur Herstellung lithographischer Druckplatten werden heute überwiegend Aluminiumbänder
eingesetzt, die durch Warm- und Kaltwalzen -- unter Einschaltung einer Zwischenglühung
--aus Stranggussbarren gefertigt werden. In den letzten Jahren sind auch verschiedentlich
Versuche unternommen worden, bandgegossene Aluminiumwerkstoffe zu lithographischen
Druckplatten zu verarbeiten, wobei während des Walzens des gegossenen Bandes auf Enddicke
jeweils mindestens eine Zwischenglühung eingeschaltet wurde.
[0005] Zur Erzielung einer gleichmässigen Aufrauhung beim elektrolytischen bzw. elektrochemischen
Aetzen des auf Enddicke gewalzten Bandes ist dessen oberflächennahe Mikrostruktur
von entscheidender Bedeutung.
[0006] Bisher ist es nicht gelungen, ausgehend von einem Gussband eine lithographische Druckplatte
mit einer gegenüber konventionell über Strangguss gefertigten Druckplatten verbesserten
Aetzstruktur herzustellen.
[0007] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten
Art zu schaffen, bei dem das auf Enddicke gewalzte Band ein für den elektrochemischen
Aetzangriff optimales Mikrogefüge aufweist.
[0008] Zur erfindungsgemässen Lösung der Aufgabe führt, dass das Walzen auf Enddicke mit
einem Abwalzgrad von mindestens 90% und ohne weitere Wärmezufuhr durchgeführt wird.
[0009] "Ohne weitere Wärmezufuhr" bedeutet hier, dass dem gegossenen Band nach dem Verlassen
des Giesswalzspaltes bis zum erfolgten Abwalzen auf Enddicke von aussen keine Wärme
zugeführt wird. Wird das gegossene Band, welches nach dem Austritt aus dem Giesswalzspalt
noch während einer gewissen Zeitdauer eine verhältnismässig hohe Temperatur aufweist,
bereits kurze Zeit nach seiner Herstellung auf Enddicke gewalzt, so kann die Starttemperatur
beim Walzen, insbesondere bei grossen Banddicken, erhöht sein. Bei geringen Banddicken
entspricht die Verarbeitung auf Enddicke einem Kaltwalzen ohne Zwischenglühung.
[0010] Die Dicke des gegossenen Bandes beträgt bevorzugt max. 5 mm, insbesondere max. 4
mm. Eine ideale Mikrostruktur wird erreicht, wenn das gegossene Band max. 3 mm, insbesondere
etwa 2,5 bis 2,8 mm, beträgt.
[0011] Grundsätzlich kann zur Herstellung des gegossenen Bandes jedes Bandgiessverfahren
eingesetzt werden, wobei im Idealfall eine rasche Erstarrung bei gleichzeitiger Warmverformung
im Giesswalzspalt erwünscht ist. Die beiden letztgenannten Eigenschaften erfüllt beispielsweise
das Giesswalzverfahren, bei dem die Legierung im Giesswalzspalt zwischen gekühlten
Walzen zu dem Band gegossen wird. Durch die Weiterverarbeitung des gegossenen Bandes
durch Kaltwalzen bleibt die vorteilhafte Gefügestruktur in den oberflächennahen Bereichen
infolge rascher Erstarrung erhalten.
[0012] Das kontinuierliche Giessverfahren ermöglicht gleichzeitig hohe Erstarrungsgeschwindigkeiten
und sehr feine Korngrössen in oberflächennahen Bereichen durch dynamische Erholung
unmittelbar nach dem Austritt des gegossenen Bandes aus dem Giesswalzspalt.
[0013] Die weitere Verarbeitung des gegossenen Bandes erfolgt durch Aufhaspeln des gegossenen
Bandes zu einem Bund gewünschter Grösse. Im darauffolgenden Verarbeitungsschritt wird
das Band in einem für die Herstellung von Lithoblechen geeigneten Kaltwalzwerk zur
gewünschten Enddicke von 150 - 300 µm gewalzt.
[0014] Dem im Giesswalzspalt erstarrten und teilweise warmverformten Band wird zur Verhinderung
einer Kornvergröberung bevorzugt keine weitere Wärme zugeführt. Beträgt die Dicke
des gegossenen Bandes jedoch wesentlich mehr als 3mm, also z.B. 7mm, so kann es erforderlich
sein, dass am gegossenen Band vor dem Walzen auf Enddicke unmittelbar nach dem Austritt
aus dem Giesswalzspalt ein Warmwalzstich durchgeführt wird. Zur Erzielung einer optimalen
Gefügestruktur und gleichzeitigen Minimierung kostenverursachender Verarbeitungsschritte
sollte jedoch nach Möglichkeit auf eine derart geringe Dicke gegossen werden, dass
auf einen Warmwalzstich verzichtet werden kann.
[0015] Das Kaltwalzen ohne Zwischenglühung führt zu einer stark kaltverformten Substruktur
mit hoher Versetzungsdichte und damit zur bevorzugten Mikrostruktur, die einen gleichmässigen
elektrochemischen Angriff beim Aetzen garantiert.
[0016] Neben dem Vorteil eines gleichmässigen Aetzangriffs weist ein erfindungsgemäss hergestelltes
Band ausgezeichnete mechanische Eigenschaften auf, so z.B. eine hohe Festigkeit, die
auch während dem Einbrennen eines photosensitiven Lackes bei der Herstellung lithographischer
Druckplatten nur unwesentlich abnimmt.
[0017] Das erfindungsgemäss hergestellte Band ist zur Aetzung in HCL- und HNO
3-Elektrolyten gleichermassen geeignet, wobei die Vorzüge der erzielten Mikrostruktur
in besonderem Masse beim Aetzen in einem HNO
3-Elektrolyten hervortreten.
[0018] Als Legierung zur Herstellung des erfindungsgemässen Bandes können grundsätzlich
alle zur Herstellung von lithographischen Druckplatten üblicherweise verwendeten Aluminiumwerkstoffe
eingesetzt werden. Besonders bevorzugt sind hierbei Legierungen aus der Reihe AA 1xxx,
AA 3xxx oder AA 8xxx.
[0019] Lithographische Druckplatten aus einem erfindungsgemäss hergestellten Band weisen
nach elektrolytischem Aetzen in einem HNO
3-Elektrolyten eine im Vergleich zu konventionell hergestellten Druckplatten verbesserte
Aetzstruktur bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch auf.
[0020] Der Vorteil einer erfindungsgemäss hergestellten lithographischen Druckplatte gegenüber
einer konventionell gefertigten Platte zeigt sich auch darin, dass nach dem Einbrennen
eines photosensitiven Lackes, beispielsweise während 10 min bei 250°C, die erfindungsgemäss
hergestellte Druckplatte eine höhere Festigkeit aufweist.
[0021] Die vorstehend erwähnte vorteilhafte Mikrostruktur im oberflächennahen Bereich des
Bandes entsteht im wesentlichen durch die schnelle Erstarrung an der Oberfläche. Als
Folge der hohen Erstarrungsgeschwindigkeit erfolgt die Ausscheidung der Sekundärphasenpartikel
in der Mikrostruktur in sehr feiner Form und in hoher Dichte. Diese Teilchen wirken
als erste Angriffsstellen für das Aetzen, insbesondere wenn das elektrochemische Aufrauhen
in einem HNO
3-Elektrolyten durchgeführt wird. Die genannten Partikel weisen bei schneller Erstarrung
des Bandes auf der Oberfläche einen mittleren Abstand von weniger als 5 µm auf und
bilden dadurch ein zusammenhängendes Netz gleichmässiger Oberflächenangriffspunkte.
Ausgehend von diesen ersten, gleichmässig und in hoher Dichte über die gesamte Bandoberfläche
verteilten Angriffspunkten beginnt das Wachstum des eigentlichen dreidimensionalen
Rauheitsmusters. Die geringe Grösse der genannten intermetallischen Phasen hat den
weiteren Vorteil, dass sie die Zeitspanne der elektrochemischen Auflösung in der Anfangsphase
des Aetzens erheblich verkürzen, wodurch elektrische Energie eingespart werden kann.
Da mit der erfindungsgemässen raschen Erstarrung in den Oberflächenbereichen des Bandes
bevorzugt Ungleichgewichtsphasen auftreten, ist die Auflösungsgeschwindigkeit der
genannten feinen Partikel ebenfalls höher als die Auflösungsgeschwindigkeit der groben
intermetallischen Phasen mit Gleichgewichtszusammensetzung, wie sie in konventionell
verarbeiteten Werkstoffen vorliegen.
[0022] Ein weiteres wesentliches mikrostrukturelles Merkmal des erfindungsgemäss hergestellten
Bandes ist die geringe Korngrösse, die sich während des Bandgiessens in den oberflächennahen
Bereichen ergibt. Die hohe Dichte der Durchstosspunkte der Korngrenzen an der Oberfläche
führt zusammen mit einer hohen Fehlstellendichte in den Körnern selbst zu chemisch
aktiven Angriffspunkten für eine kontinuierliche Bildung neuer Aetzgrübchen.
[0023] Die vorstehend beschriebene Mikrostruktur in der Bandoberfläche führt zu einer wesentlichen
Verbesserung des elektrochemischen Aetzvorgangs zur Ausbildung des bei lithographischen
Druckplatten geforderten gleichmässigen Rauheitsmusters. Die Vorteile, die sich bei
Verwendung des erfindungsgemäss hergestellten Bandes ergeben, sind die folgenden:
- Gleichmässige Aetzstruktur als Folge einer hohen Dichte möglicher Aetzangriffspunkte
an der Oberfläche
- Aetzen in einem HNO3-Elektrolyten unter kritischen, elektrochemischen Prozessbedingungen
- Ausdehnung der Aetzparameter in den Bereich niedriger Ladungsdichte und damit Einsparung
von elektrischer Energie
- Verhinderung von Aetzfehlern in HNO3-Elektrolyten als Folge unerwünschter Passivierungsreaktionen
- Bildung eines dichten Netzes von Rissen in der Oxidschicht im Passivitätsbereich des
anodischen Potentials durch eine hohe Dichte kleiner intermetallischer Partikel mit
Ungleichgewichtsstrukturen
- Bildung eines dichten Netzes von Fehlstellen in der natürlichen Oxidschicht im Passivitätsbereich
des anodischen Potentials als Folge einer geringen Korngrösse mit vielen Korngrenzendurchstosspunkten
in der Oxidschicht.
[0024] Die Vorteilhaftigkeit eines erfindungsgemäss hergestellten Bandmaterials gegenüber
einem Bandmaterial aus konventioneller Fertigung ergibt sich aus den nachfolgend zusammengestellten
Untersuchungsergebnissen zum Oberflächenzustand der Bänder, der -- wie vorstehend
erwähnt -- das Aetzverhalten entscheidend beeinflusst. Das im Vergleich zu herkömmlichen
Druckplatten verbesserte Aetzverhalten erfindungsgemäss hergestellter Druckplatten
wird an zwei Beispielen erläutert und durch SEM-Aufnahmen dokumentiert; es zeigen
bei 1000-facher Vergrösserung
- Fig. 1 und 2
- die Aetzstruktur konventionell hergestellter Druckplatten;
- Fig. 3
- die Aetzstruktur einer erfindungsgemäss hergestellten Druckplatte.
[0025] Als Werkstoff für die vergleichenden Versuche diente die Legierung AA 1050 (Al99.5).
Die herkömmliche Herstellung eines Bandes mit einer Enddicke von 0,3 mm erfolgte über
konventionellen Strangguss mit einer Zwischenglühung bei einer Dicke von 2,5 mm und
anschliessendem Kaltwalzen auf Enddicke.
[0026] Zur erfindungsgemässen Herstellung eines Bandes von 0,3 mm Dicke wurde zunächst zwischen
den Giesswalzen einer Bandgiessmaschine ein Band mit einer Dicke von 2,5 mm gegossen.
Das derart gegossene Band wurde anschliessend ohne Zwischenglühung auf Enddicke kaltgewalzt.
[0027] In der Oberfläche der Bleche mit der Enddicke von 0,3 mm wurde die nachstehende Teilchenzahl
intermetallischer Phasen pro Flächeneinheit ermittelt:
| Bandgussmaterial: |
6250 Teilchen/mm2 |
| Stranggussmaterial: |
3400 Teilchen/mm2 |
[0028] Die gleiche Messung im oberflächennahen Querschnitt führte zu folgendem Ergebnis:
| Bandgussmaterial: |
74000 Teilchen/mm2 |
| Stranggussmaterial: |
17500 Teilchen/mm2 |
[0029] In beiden Fällen handelte es sich um AlFeSi-haltige Phasen, deren Grösse und Verteilung
während der Erstarrung in den oberflächennahen Bereichen durch stark unterschiedliche
Erstarrungsgeschwindigkeit gegeben ist. Die höhere Flächendichte der Teilchen im Querschnitt
ergibt sich durch das Plattwalzen der Körner.
[0030] Der zweite wesentliche Gefügeparameter, die Korngrösse, wurde bei der Zwischendicke
von 2,5 mm ermittelt. Hierbei ist zu beachten, dass das Bandgussmaterial eigentlich
in einem leicht verformten Gusszustand vorliegt, wogegen das Stranggussmaterial bei
dieser Dicke nach einer Weichglühung im rekristallisierten Zustand vorliegt. Somit
werden zwei repräsentative Korngrössen miteinander verglichen, da von dieser Dicke
die gleichen Abwalzgrade zum Endzustand vorgenommen werden. Die Messung der Anzahl
Körner pro Flächeneinheit an der Bandoberfläche bzw. im oberflächennahen Querschnitt
haben zu den folgenden Ergebnissen geführt:
| |
Oberfläche |
Querschnitt |
| Bandgussmaterial: |
20000 Körner/mm2 |
48000 Körner/mm2 |
| Stranggussmaterial: |
250 Körner/mm2 |
520 Körner/mm2 |
[0031] Die feinen Körner des Bandgussmaterials sind grösstenteils auf Subkornbildung zurückzuführen,
deren mittlere Grösse bei ca. 5 µm liegt, während das Rekristallisationskorn nach
Coilglühung bei konventioneller Fertigung eine mittlere Grösse von ca. 70 µm aufweist.
[0032] Wie oben erwähnt, erfolgt die weitere Verarbeitung des Stranggussbandes und des erfindungsgemäss
gegossenen Bandes durch Kaltwalzen auf die gewünschte Enddicke des Lithobandes im
Dickenbereich von 0,2 bis 0,3mm. Eine wesentliche Eigenschaft des Lithobandes ergibt
sich nun aus dem nachfolgenden Prozessschritt, der elektrochemischen Aufrauhung, welche
eine möglichst gleichmässige Aetzstruktur auf der Oberfläche erzeugen sollte. Dafür
werden einerseits Elektrolyte aus verdünnter Salzsäure (HCL) und andererseits Elektrolyte
aus verdünnter Salpetersäure (HNO
3) verwendet, die je nach dem gewünschten Plattentyp ein charakteristisches Aetzbild
unter Einwirkung von Wechselstrom erzeugen.
[0033] Wird nun eine Aetzung im Salpetersäure-Elektrolyten vorgenommen, so zeigt die Praxis,
dass eine gleichmässige Aetzstruktur nur unter Einhaltung gewisser Aetzparameter zu
erreichen ist. Wird zum Beispiel aus wirtschaftlichen Gründen eine zu geringe Ladungsmenge
(Coulomb) aufgewendet, so ergeben sich unregelmässige Aetzbilder mit meist streifenartigen
Stellen, an denen kein Aetzangriff stattfand. Wird unter diesen kritischen Bedingungen
geätzt, so kommen alle feinen Unterschiede in der Gefügestruktur des Substrates (Lithobandes)
zum Vorschein und man kann eine Klassierung der verwendeten Lithowerkstoffe feststellen.
[0034] Die Ursache für die Empfindlichkeit des HNO
3-Elektrolyten auf das elektrochemische Aetzverhalten von Aluminium liegt in seinem
anodischen Passivbereich (Passivoxid) und der damit verbundenen erschwerten Keimbildung
von Aetzgrübchen (pits). Erst bei einem anodischen Durchbruchspotential von +1,65
V (SCE) wird dieser Passivbereich durch die Bildung von Aetzgrübchen überwunden, während
die pit-Bildung in HCL bereits am Korrosionspotential von -0,65 V (SCE) einsetzt.
Dies hat bei anodischer Strombelastung im HNO
3-Elektrolyten zur Folge, dass die im Gefüge vorhandenen intermetallischen Phasen zuerst
im Potentialbereich -0,5 bis -0,3 V (SCE) aufgelöst werden, bevor die Aluminium-Matrix
angegriffen wird und "pitting" entsteht. Die Verteilung dieser intermetallischen Phase
bildet nun ein erstes Netzwerk von pits auf der geätzten Oberfläche und es ist deshalb
wesentlich, in welcher Flächendichte diese Phasen auf der Oberfläche vorhanden sind.
[0035] Die erfindungsgemäss verbesserte Gefügestruktur wird nun offensichtlich, da durch
die hohe Flächendichte an intermetallischen Phasen viele erste Angriffspunkte auf
der noch passiven Aluminium-Oberfläche erzeugt werden.
[0036] Im selben Sinne ist die zweite struktuelle Verbesserung des feinen Kornes zu werten.
Korngrenzen stellen immer Schwachstellen im natürlichen Oxidfilm von Aluminium dar.
Je feiner das Korn, umso mehr Störstellen werden im darüberliegenden Oxidfilm erzeugt
und umso höher ist die Keimbildungsrate für die Entstehung von Aetzgrübchen.
[0037] An zwei Beispielen wird nun das erfindungsgemäss verbesserte Aetzverhalten demonstriert:
Beispiel 1
[0038]
| Elektrolyt: |
20 g/l HNO3 |
| 1 g/l Al |
| Raumtemperatur |
| Substratmaterial: |
AA 1050, in beiden Fällen identische Zusammensetzung |
| Gegenelektrode: |
Probenmaterial |
[0039] Konventionell hergestelltes Lithoblech benötigte eine bei konstanter Spannung gemessene
Ladungsmenge von mindestens 480 Coulomb/dm
2, entsprechend einer Aetzdauer von 60 sec bei einer Anfangsstromdichte von 20 A/dm
2, um eine gleichmässige Aetzstruktur zu erzeugen.
[0040] Hingegen benötigte das erfindungsgemäss hergestellte Lithoblech nur eine Ladungsmenge
von 360 Coulomb/dm
2 für die Bildung einer homogenen Aetzstruktur. Die Anfangsstromdichte war 17A/dm
2 und die Aetzdauer 55 sec.
Beispiel 2
[0041] Die im gleichen Elektrolyten und unter Bedingungen wie im Beispiel 1 erzeugten Aetzstrukturen
zeigten in Abhängigkeit der aufgewendeten Ladungsmenge folgendes, durch die Bilder
der Fig. 1 bis 3 dokumentiertes Verhalten:
| Fig. 1: 450 Coulomb/dm2, |
konventionell hergestelltes Lithoblech |
| Fig. 2: 410 Coulomb/dm2, |
konventionell hergestelltes Lithoblech |
| Fig. 3: 380 Coulomb/dm2, |
erfindungsgemäss hergestelltes Lithoblech |
1. Verfahren zur Herstellung eines Bandes aus Aluminium oder einer Aluminiumlegierung
für elektrolytisch aufgerauhte, lithographische Druckplatten, wobei die Legierung
kontinuierlich zu einem Band gegossen und das gegossene Band nachfolgend auf Enddicke
gewalzt wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Walzen auf Enddicke mit einem Abwalzgrad von mindestens 90% und ohne weitere Wärmezufuhr
durchgeführt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das gegossene Band ohne Zwischenglühung
auf Enddicke kaltgewalzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Dicke des gegossenen
Bandes max. 5 mm, vorzugsweise max. 4 mm, beträgt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Dicke des gegossenen Bandes
max. 3 mm, vorzugsweise etwa 2,5 bis 2,8 mm, beträgt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung
im Giesswalzspalt zwischen gekühlten Walzen einer Bandgiessmaschine zu dem Band gegossen
und durch Kaltwalzen weiterverarbeitet wird, so dass die vorteilhafte Gefügestruktur
in den oberflächennahen Bereichen infolge rascher Erstarrung erhalten bleibt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass dem im Giesswalzspalt erstarrten
und teilweise warmverformten Band zur Vermeidung einer Kornvergröberung keine weitere
Wärme zugeführt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass am gegossenen Band vor dem
Walzen auf Enddicke unmittelbar nach dem Austritt aus dem Giesswalzspalt ein Warmwalzstich
durchgeführt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass eine Legierung
aus der Reihe AA 1xxx, AA 3xxx oder AA 8xxx zu dem Band gegossen wird.
9. Lithographische Druckplatte mit elektrolytisch aufgerauhter Oberfläche, dadurch gekennzeichnet,
dass sie aus einem mit den Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8 hergestellten
Band gefertigt ist und nach elektrolytischem Aetzen in einem HNO3-Elektrolyten eine im Vergleich zu konventionell hergestellten Druckplatten verbesserte
Aetzstruktur bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch aufweist.
10. Lithographische Druckplatte mit elektrolytisch aufgerauhter Oberfläche, dadurch gekennzeichnet,
dass sie aus einem mit dem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8 hergestellten
Band gefertigt ist und nach dem Einbrennen eines photosensitiven Lackes eine im Vergleich
zu konventionell hergestellten Druckplatten höhere Festigkeit aufweist.