[0001] Die Erfindung betriffl eine Hutmutter aus Kunststoff mit Innengewinde für einen mit
komplementärem Außengewinde versehenen Zuganker, insbesondere zur schraubbaren Verbindung
von Betonfertigteilen.
[0002] Aus der DE-PS 30 27 086 ist eine Schraubverbindung bekannt, bei der ein Bauteil mit
Hilfe eines Befestigungsbolzens, der ein metrisches Gewinde aufweist, auf einem Bauteil
aus Beton befestigt werden kann. Dazu ist in dem Betonfertigteil eine Mutter etwa
zur Hälfte eingegossen und sitzt zur anderen Hälfte in einem ebenfalls einbetonierten
hutmutternartigen Element, wobei die Mutter und dieses Element gemeinsam eine Hutmutter
bilden. Die der Aufnahme des Befestigungsbolzens dienende Öffnung der Mutter ist durch
eine als Platzhalter dienende verlorene Hülse im Betonteil vor dem Eindringen von
Beton in das Gewinde der Mutter geschützt. Die andere Mutternseite wird von dem hutmutterartigen
Element abgedeckt, so daß auch hier kein Beton in die Mutter eindringen kann. Die
Platzhalterhülse soll zugleich der Panzerung des Betondurchganges dienen und auch
lastverteilend für das auf das Betonfertigteil drückende, zu befestigende Element
dienen. Das Drehmoment soll von der Mutter durch ihre äußere Sechskantform auf das
Betonteil übertragen werden. Da die Mutter offensichtlich aus Metall besteht, kann
sie beim Einschrauben des Bolzens nicht gespreizt werden.
[0003] Aus der DE-Gebrauchsmusterschrift 19 39 670 ist bekannt, in Betonschwellen Dübel
aus Kunststoff, z.B. Polyäthylen einzugießen, um anschließend auf dieser Schwelle
mit Hilfe einer Schwellenschraube, die ein Spitzgewinde aufweist, ein Teil, z.B. einen
Schienenfuß zu befestigen. Die Außenkontur dieses Dübels entspricht im wesentlichen
der Innenkontur des Dübels, so daß sich eine gleichmäßige Wanddicke und somit auch
außen eine Schraubenform des Dübelumfanges ergibt. Zum Einführen der Schwellenschraube
weist der Dübel zu seiner Öffnung hin ein im Durchmesser bis auf den Außendurchmesser
der einzusetzenden Schraube vergrößerten zylindrischen und kegligen Ansatz auf, der
seinerseits am Außenumfang eine konzentrische Rippenstruktur haben kann. Über den
Außenumfang sind in Achsrichtung jeweils um 90° versetzte, in einer Achse in etliche
Abschnitte geteilte und in Längsrichtung gegeneinander versetzte Abstandshalter angebracht.
Diese sollen sowohl ein vertikales Positionieren des Dübels in der Betonschwelle ermöglichen,
als auch einen entsprechenden Widerstand gegen das Verdrehen des Dübels bei Einsetzen
der Schwellenschraube aufnehmen. Damit beim Einbetonieren kein Beton in den Dübel
dringen kann, weist dieser Dübel einen Boden auf. Die gesamte Kunststoffhülse ist
einteilig ausgebildet. Dieser Reparaturdübel hat mehrere Nachteile. Durch die Form
des Innen- und Außengewindes ergibt sich eine hohe Kerbwirkung, so daß der Auszugswiderstand
formbedingt relativ gering ist. Durch die Wahl des Materials, nämlich relativ weiches
Polyäthylen, ist die Hülse zudem dehnbar und verformt sich unter Zugbelastung. Ein
weiteres Problem bilden die vier Flügel, die beim üblichen Spritzgießen in Serienfertigung
ein mehrfach geteiltes Werkzeug erfordern, das zudem noch mit Hinterschnitten versehen
sein muß, da die Rippen mehrfach unterteilt sind.
[0004] Für die Serienfertigung ist ein Dübel gemäß DE-PS 30 39 931 ausgebildet worden, der
innen ein Spitzgewinde, außen jedoch ein Rundgewinde aufweist und so einen sogenannten
Wellendübel bildet, der in eine Schalung für ein Betonfertigteil einsetzbar ist und
zugleich die wesentlichen Anforderungen an den Spritzguß erfüllt. Ein derartiger Dübel
läßt sich mit einem zweigeteilten Spritzgußwerkzeug herstellen. Für den Einbau in
ein zu vergießendes Betonfertigteil müßten jedoch die Öffnung und der Boden mit Dichtungen
versehen werden.
[0005] Aus dem deutschen Gebrauchsmuster 76 23 020 ist auch bekannt, Reparaturdübel für
Holzschwellen aus Polyamid oder Polyäthylen auszubilden. Diese Dübel können allerdings
wegen ihrer Kompressibilität und ihrer Längsschlitze lediglich für den Einsatz in
Holzbauwerken Verwendung finden. Insgesamt sind diese Holzdübel durch ihre Form sehr
weich. Der Außenumfang der Dübel kann generell rund oder polygonal ausgebildet sein,
weist in jedem Fall aber ein mit geringer Steigung versehenes Sägezahngewinde auf.
[0006] Allen Dübeln ist gemeinsam, daß sie entweder materialbedingt oder formbedingt eine
relativ geringe Ausreißfestigkeit oder Zugbelastbarkeit haben und sich zudem stark
dehnen. Bei der Metallmutter ist mit Kontaktkorrosion zu rechnen. Diese Metallmutter
kann bei Bedarf ausgetauscht werden, was bei fest eingebauten und auf Lebensdauer
berechneten sonstigen Betonfertigteilen, insbesondere Gebäudeteilen oder Tunneln nicht
möglich ist, die unter dauernder statischer Last stehen.
[0007] Von daher liegt der Erfindung das Problem zugrunde, eine Schraubverbindung aus Bolzen
und Mutter und eine dafür verwendbare Hutmutter zu finden, die eine der Lebensdauer
des Bauwerkes entsprechende Lebensdauer hat und ohne besondere Montageprobleme auch
von ungeübten Kräften benutzt werden kann. Ferner soll die mit der Hutmutter realisierte
Schaubverbindung auch eine hohe Ausreißfestigkeit und Zugbelastung im eingebauten
Zustand aufweisen. Darüber hinaus soll die Hutmutter einfach herstellbar sein.
[0008] Das Problem wird erfindungsgemäß durch die Ansprüche 1 und 5 gelöst. Weiterbildungen
der Erfindung sind in den Unteransprüchen erfaßt.
[0009] Die einbetonierbare Hutmutter aus Polyamid mit einer Beimischung von 10 bis 45 Gew.-%
an Glasfasern und UV-Stabilisatoren weist ein Innengewinde für komplementär ausgebildete
Zuganker mit Trapez- oder Rundgewinde auf sowie einen im wesentlichen zylindrischen,
konzentrischen Außenumfang, der in einer Längsmittelebene von zwei sich radial über
den Umfang hinaus erstreckenden, von der Öffnung und dem Boden der Hutmutter beabstandeten
Rippen, sowie von einer Vielzahl in Achsrichtung der Hutmutter hintereinander gelegenen
Rücksprüngen unterbrochen wird, von denen wenigstens einer zwischen der Rippe und
der Öffnung angeordnet ist, wobei die Zahl der Rücksprünge in definiertem Verhältnis
zur Zahl gleichförmiger Gänge des Innengewindes steht.
[0010] Die Erfindung geht von der Erkenntnis aus, daß Polyamid kein Wasser aufnimmt und
im wesentlichen hydrolysebeständig ist. Durch Zusatz von Glasfasern kann auch die
Dauerstandfestigkeit gesteigert und die Dehnung nochmals reduziert werden. Durch eine
Beimischung von 10 bis 45 %, vorzugsweise etwa 25 bis 40 % Glasfasern sowie von Ruß
oder anderen geeigneten Materialien zur UV-Stabilisierung während der Lagerzeit und
gegebenenfalls weiteren Zusätzen zu dem Masterbatch, der auch den UV-Stabilisator
enthält, kann bei der Fertigung der Hutmutter Einfluß auf die Dauerstandfestigkeit
genommen werden.
[0011] Es ist aus dem Stand der Technik bekannt, derartige Hutmuttern formschlüssig und
reibschlüssig während des Einbetonierens in dem Betonfertigteil zu verankern, wobei
der Formschluß durch entsprechende Hinterschnitte an der Außenkontur der Hutmutter
analog der aus dem Stand der Technik bekannten Dübel für Betonschwellen auszubilden
ist.
[0012] Die erfindungsgemäße Hutmutter genügt darüberhinaus jedoch auch in ihrer Form den
Bedingungen für einen einfachen Spritzguß in geteilter Form. Diese Formteilung wird
entlang einer Längsmittelebene des Kunststoffteiles ausgefüllt, so daß nur eine Teilung
in dieser Längsmittelebene erforderlich ist, um das Kunststoffteil zu entkernen.
[0013] Diese Herstellungsweise kann dadurch unterstützt werden, daß die Rücksprünge spiegelsymmetrisch
zur Längsmittelachse sind und in bevorzugter Form alle Rücksprünge gleich sind. Dies
vereinfacht die Werkzeugherstellung und die Entkernung beim Spritzen, sowie das Spritzen
selbst wegen der gleichmäßig verteilten Materialanteile.
[0014] Die Zahl der Rücksprünge steht in festem Verhältnis bzw. ist proportional zur Zahl
der Gänge des Innengewindes der Hutmutter, soweit diese gleichförmig sind, d.h. tragende
Gewindegänge sind, wobei die Hutmutter etwa 10 bis 50 tragende Gewindegänge hat und
die Zahl der Rücksprünge etwa um den Faktor 2 bis 3 kleiner ist. Diese Zahl der Rücksprünge
läßt daher einen direkten Rückschluß auf die Tragfähigkeit bzw. die Zugbelastbarkeit
der Hutmutter zu. Die zulässige Zugbelastung einer Mutter ergibt sich aus der tragenden
Kreisringfläche eines Gewindeganges x der zulässigen spezifischen Flächenpressung
am Gewindegang x der Zahl der Gewindegänge. Für eine Schraubverbindung eines Betonfertigteiles,
bei dem die Hutmutter im Betonfertigteil verankert ist, ist es jedoch genauso wichtig
zu wissen, wie hoch der Reibschluß bzw. Formschluß der Außenfläche der Hutmutter zum
Betonfertigteil ist. Der Reibschluß ergibt sich aus der Umfangsfläche x der Länge
der Hutmutter, wobei die Länge wiederum ein Synonym für die Zahl der Gewindegänge
ist. Zudem ergibt sich die Belastbarkeit dieser Schraubverbindung zusätzlich aus der
Größe des Formschlusses, d.h. der Tiefe der Hinterschnitte und der sich somit ergebenden
Scherfläche zwischen der Hutmutter und dem Beton bei Zugbelastung. Wenn nun erfindungsgemäß
die Zahl der Rücksprünge der Zahl der Länge entspricht, weil diese Rücksprünge regelmäßig
über die Länge der Hutmutter verteilt sind, so ergibt sich einerseits eine Analogie
zwischen der Länge der Hutmutter und der Zahl der Hinterschneidungen und andererseits
eine Analogie zwischen der Gangzahl und der Zahl der Rücksprünge. Vereinfacht ausgedrückt
entspricht damit die Länge der einmal berechneten Hutmutter ihrer übertragbaren Zugbelastung,
oder andererseits entspricht die Zahl der Hinterschneidungen der Gangzahl und damit
der inneren Zugbelastung der Hutmutter gegen Ausreißfestigkeit und der entsprechenden
Belastbarkeit der Verbindung zwischen Beton und Hutmutter. Damit ist es dem Personal
sowohl auf der Baustelle durch Messen der Hülsenlänge vom Hülseninneren her, als auch
dem Hersteller des Betonfertigteiles durch Begutachtung des Äußeren der Hülse möglich,
ohne nähere Kenntnis die Belastbarkeit der Hülse von vornherein festzustellen.
[0015] Um ein mehrfaches Ein- und Ausfädeln der Schraube in der Hutmutter während des Zusammenbaues
der Betonfertigteile zu ermöglichen, ist das Gewinde der Hutmutter zur Öffnung der
Hutmutter hin mit vergrößertem Durchmesser ausgeführt, so daß eine sanftes Fassen
der Gewindegänge durch den einzuschraubenden Bolzen gewährleistet ist.
[0016] Die Schraubverbindung sollte so gestaltet sein, daß bei der Verbindung zweier Betonfertigteile
das eine von der Schraube durchdrungen wird, während das andere als Verankerungsteil,
d.h. die in dem Betonfertigteil sitzende Hutmutter als Verankerung dient. Um ein gleichmäßiges
Tragen der Schraubverbindung sicherzustellen, sollte die Schraube eine geringere Dehnung
haben als die Hutmutter damit stets alle Gewindegänge gleichmäßig belastet werden,
wenn es überhaupt zu einer Dehnung kommt.
[0017] Versuche haben gezeigt, daß bei der Wahl des erfindungsgemäßen Materials die Hülse
tatsächlich proportional zu ihrer Länge eine proportionale Zugbelastbarkeit aufnehmen
kann. Dabei ist die Hülse so berechnet, daß im Bruchfalle die Hülse aus dem Betonteil
gerissen wird und nicht innerhalb der Gewindegänge abschert.
[0018] Anhand eines Ausführungsbeispieles soll die Erfindung näher erläutert werden.
[0019] Es zeigen:
Fig. 1 eine erfindungsgemäße Hutmutter im halbseitigen Längsschnitt;
Fig. 2 die Hutmutter gemäß Fig. 1 in Ansicht "U".
[0020] Die Hutmutter mit im wesentlichen zylindrischer Außenkontur 1 weist regelmäßige konzentrische
Rücksprünge 2 auf, die sich zwischen der in Längsmittelebene 10 (Fig. 2) gelegenen
beiden Rippen 3 um jeweils den halben Umfang der Hutmutter erstrecken. Einer dieser
Rücksprünge, mit der Ziffer 9 bezeichnet, liegt zwischen der Öffnung 5 der Hutmutter
und dem Beginn der Rippe 3, um einen vollständigen Formschluß im nicht dargestellten
Betonfertigteil erzeugen zu können. Die Rippe 3 ist aus dem gleichen Grunde auch von
dem Boden 4 der Hutmutter beabstandet. Innenseitig weist die Hutmutter ein Rundgewinde
6 auf, das zur Öffnung 5 der Mutter hin als vergrößertes Gewinde 7 ausgebildet ist,
wobei der Kerndurchmesser dieses Gewindeteiles als Konus 8 ausgebildet ist. Die gesamte
Hutmutter ist einstückig aus Polyamid mit einer Beimischung von 30 % Glasfaser und
1% Ruß in einer Spritzgußform hergestellt worden, die in Längsmittelebene 10 geteilt
ist.
1. Einbetonierbare Hutmutter aus Polyamid mit einer Beimischung von 10 bis 45 Gew.-%
an Glasfasern und UV-Stabilisatoren und mit Innengewinde (6) für komplementär ausgebildete
Zuganker mit Trapez- oder Rundgewinde, mit einem im wesentlichen zylindrischen Außenumfang
(1), der in einer Längsmittelebene (10) von zwei sich radial über den Umfang (1) hinaus
erstreckenden, von Öffnung (5) und Boden (4) der Hutmutter beabstandeten Rippen (3),
sowie von einer Vielzahl in Achsrichtung der Hutmutter hintereinander gelegenen Rücksprüngen
(2) unterbrochen wird, von denen wenigstens einer (9) zwischen der Rippe (3) und der
Öffnung (5) angeordnet ist, wobei die Zahl der Rücksprünge in definiertem Verhältnis
zur Zahl gleichförmiger Gänge des Innengewindes steht.
2. Hutmutter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein bis vier der an die Öffnung
(5) grenzenden Gewindegänge (7) des Innengewindes (6) zur Öffnung hin einen sich stetig
vergrößernden Durchmesser (8) haben.
3. Hutmutter nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Rücksprünge (2)
spiegelsymmetrisch zur Längsmittelebene (10) ausgebildet sind.
4. Hutmutter nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß alle Rücksprünge
(2) die gleiche Form haben.
5. Schraubverbindung für miteinander zu verbindende Betonfertigteile, von denen mindestens
eines eine einbetonierte Hutmutter nach einem der Ansprüche 1 bis 4 aufweist und die
Schraube ein zur Hutmutter komplementäres Trapez- oder Rundgewinde am Außenumfang
aufweist, dadurch gekennzeichnet, daß die Dehnbarkeit des Bolzens geringer als die
Dehnbarkeit der Hutmutter ist.
6. Einbetonierbare Hutmutter und Schraubverbindungen, gekennzeichnet durch alle neuen
Merkmale oder Kombinationen von offenbarten Merkmalen.