[0001] Die Erfindung betrifft eine Überbrückungsvorrichtung für Fugenspalte zwischen Bauwerksteilen,
mit einer den Fugenspalt überbrückenden Dehnfugenkonstruktion, welche beiderseits
des Fugenspaltes an den Bauwerksteilen befestigbar ist.
[0002] Zur Überbrückung von Fugenspalten bzw. Dehnfugen zwischen zwei Bauwerksteilen - z.B.
zwischen einer Brücke und deren Stütze oder Widerlager - sind verschiedene Lösungen
bekannt. Im Alltagsbetrieb haben sich diese Lösungen bewährt, allerdings besteht das
Problem, daß die u.U. recht aufwendigen und kostspieligen Dehnfugenkonstruktionen
und die angrenzenden Bauwerksteile, wie der Brückenkörper und die Widerlager, in Ausnahmesituationen,
z.B. bei einem Erdbeben, zerstört werden können. Die Erfindung zielt darauf ab, dieses
Problem zu beheben.
[0003] Die Erfindung erreicht dieses Ziel durch den Gegenstand des Anspruches 1. Gegenüber
dem gattungsgemäßen Stand der Technik zeichnet sich die Erfindung dadurch aus, daß
wenigstens zwischen einem der Bauwerksteile und der Dehnfugenkonstruktion eine Sicherungseinrichtung
angeordnet ist, welche derart ausgebildet ist, daß die Dehnfugenkonstruktion bei Überschreiten
einer auf die Dehnfugenkonstruktion wirkenden Grenzkraft (also bei Bewegungen der
Bauwerksteile relativ zueinander) aus dem Fugenspalt herausgeführt wird, z.B. herausgleitet.
[0004] Die Erfindung setzt beim Erkennen der Notwendigkeit nach einem Zerstörungsschutz
gegen übergroße Kräfte, wie sie z.B. durch Erdreichverschiebungen bei Erdbeben ausgelöst
werden können, an und realisiert diesen Schutz durch ein

separates" Element, welches im Alltagsbetrieb fest derart zwischen Dehnfugenkonstruktion
und Bauwerksteil angeordnet ist, daß die Dehnfugenkonstruktion im Alltagsbetrieb sicher
im Fugenspalt verbleibt, bei Überschreiten einer Grenzkraft aber mit den angrenzenden
Bauwerksteilen gegen Zerstörung gesichert ist. Nach dem Erdbeben geht die Konstruktion
in die Ausgangslage zurück und ermöglicht somit ein Überfahren durch Notfallfahrzeuge.
[0005] Eine besonders bevorzugte Ausführungsform der Erfindung zeichnet sich dadurch aus,
daß die Sicherungseinrichtung als zwischen Einsatzteil und Bauteil angeordnete Gleitrampeneinrichtung
ausgebildet ist. Eine Gleitrampe ist eine baulich besonders einfache Möglichkeit der
Realisierung eines wirksamen Erdbebenschutzes, die dennoch in wirksamer Weise bei
zu großen Bewegungen der Bauteile relativ zueinander (z.B. > 250 mm) die Dehnfugenkonstruktion
aus dem Fugenspalt führt. Mittels Schweißnähten oder einer anderen, in Hinsicht auf
die Festigkeit zumindest ungefähr definierbaren Verbindung zwischen den Gleitrampenteilen
wird gewährleistet, daß die Fuge nur bei Überschreiten einer vorgegebenen Grenzbedingung
- also in einer Ausnahmesituation wie einem Erdbeben - aus dem Spalt gleitet.
[0006] Nach einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist die Sicherungseinrichtung
als eine zwischen die Überbrückungs-Dehnfugenkonstruktion und das Bauwerksteil einbringbare
Sicherungsbox ausgebildet.
[0007] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindungen sind in den übrigen Unteransprüchen
angegeben.
[0008] Nachfolgend wird ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der Erfindung unter Bezug auf
die Zeichnung näher beschrieben, wobei auch weitere Vorteile und Wirkungen der Erfindung
deutlich werden. Es zeigen:
- Fig. 1A - 1B
- verschiedene Schnittansichten eines ersten Ausführungsbeispiels der Erfindung (Schnitte
A-A; B-B);
- Fig. 2A - C
- verschiedene Schnittansichten eines zweiten Ausführungsbeispiels der Erfindung (Schnitte
A-A; B-B, C-C);
- Fig. 3A - C
- verschiedene Schnittansichten eines dritten Ausführungsbeispiels der Erfindung (Schnitte
A-A; B-B; C-C).
[0009] Zunächst sei Fig. 1 beschrieben. Fig. 1B zeigt ein erstes Ausführungsbeispiel der
Erfindung in einer Schnittansicht senkrecht zu einem Fugenspalt 1, Fig. 1A zeigt einen
Schnitt in einer im Spalt liegenden Ebene.
[0010] Eine Überbrückungsvorrichtung 2 für den Fugenspalt 1 zwischen Bauwerksteilen 3, 4
weist eine den Fugenspalt 1 überbrückende Dehnfugenkonstruktion 5 auf, welche beiderseits
des Fugenspaltes 1 an den Bauwerksteilen 3, 4 befestigt ist. Die Dehnfugenkonstruktion
5 umfaßt metallische, an den Rändern der jeweiligen Bauwerksteile 3, 4 verankerte,
Randprofile 6, 7 und parallel zu den Randprofilen verlaufende Mittelprofile 8. Die
Mittelprofile 8 sind auf Traversen 9 angeordnet, die den Fugenspalt 1 überbrücken.
Dehnungsstreifen 10 aus einem elastisch nachgiebigen Material überbrücken die verbleibenden,
kleineren Spalte 11 zwischen den Rand- und/oder den Mittelprofilen 6, 7, 8, so daß
geringere - i. allg. thermisch bedingte - Ausdehnungen der Bauwerksteile 3, 4 kompensiert
werden. An der in Fig. 1B linken Seite liegt die Traverse 9 in einem Traversenkasten
12 aus Stahl auf, der Traversenkasten 12 ist wiederum am Boden einer Ausnehmung 13
des Bauwerksteiles 3 angeordnet. Oberhalb des Traversenkastens 12 ist eine Abdeckung
A - z.B. aus Polymerbeton - angebracht, in welche die Randprofile 6,7 eingegossen
sind.
[0011] Zwischen einem der Bauwerksteile - hier ein Brückenteil 4 - und der Dehnfugenkonstruktion
5 ist eine Sicherungseinrichtung 14 angeordnet, welche derart ausgebildet ist, daß
die Dehnfugenkonstruktion 5 bei Überschreiten einer auf die Dehnfugenkonstruktion
5 wirkenden Grenzkraft aus dem Fugenspalt 1 herausgleitet. Bei dem vorliegenden Ausführungsbeispiel
weist die Sicherungseinrichtung 14 eine zwischen Dehnfugenkonstruktion 5 und Brückenteil
4 angeordnete, zweiseitige Gleitrampe 15 mit einer bauwerksseitigen schiefen Stahlebene
16 sowie eine an die schiefe Ebene 16 des Bauwerksteiles 4 angepaßte, weitere schiefe
Stahlebene 17 auf, welche einen Teil einer Stahlrahmenkonstruktion S der Sicherungseinrichtung
14 bildet. Die Sicherungseinrichtung ist hier als eine Art vorgefertigte

Box" ausgeführt, die beliebig austauschbar ist. Die beiden aufeinanderliegenden, schiefen
Ebenen 16, 17 bilden im Zusammenspiel die Gleitrampe 15.
[0012] Die bauwerksseitige schiefe Stahlebene 16 ist an einer Beton-Ankerscheibe 18 angeordnet,
die mittels eines Ankerbügels 19 und weiteren Verankerungsteilen 20 im Bauwerk verankert
ist. Die Verankerung der Dehnfugenkonstruktion 5, der Sicherungseinrichtung 14 und
der Ankerscheibe 18 an den Bauwerksteilen erfolgt zusätzlich z.B. durch Polymerbeton.
[0013] Die Traversen 9 greifen in entsprechend ausgebildete Schächte 21 der Sicherungsboxen
14 ein, wo sie mittels Distanzelementen 22 zwischen Randprofilen 6, 7 und dem Boden
des Schachtes 21 liegen.
[0014] Die Ausführungsbeispiele der Fig. 2 und 3 unterscheiden sich im wesentlichen nur
dadurch, daß in den Stahlrahmen S der Sicherungsbox 14 zum einen ein Stahlkörper 23
(Fig. 2) und zum anderen ein Betonkörper 24 (Fig. 3) eingebracht ist, um der Sicherungsbox
14 Festigkeit zu verleihen.
[0015] Während nach den Fig. 1 bis 3 jeweils nur einseitig des Fugenspaltes 1 Sicherungsboxen
(FUSE-BOX) 14 vorgesehen sind, ist es natürlich auch möglich, diese beidseitig des
Fugenspaltes 1 anzuordnen.
[0016] Zur Funktion der Erfindung sei angemerkt, daß bei einem Erdbeben die Verschweißung
V zwischen den Ebenen 16 und 17 infolge der Bewegungen der Bauwerksteile relativ zueinander
aufbricht, so daß die Dehnfugenkonstruktion 5 aus dem Fugenspalt 1 gleiten kann. Zwar
wird bei dem Beispiel der Fig. 1 - 3 dabei die Straßendecke aufgerissen, dies ist
im Rahmen der Erdbebenschäden allerdings ein vernachlässigbarer, preiswerter Schaden,
der leicht zu beheben ist. Wichtig ist, daß die Dehnfugenkonstruktion 5 und der angrenzende
Bauwerksteil 3, 4 unbeschädigt(er) bleiben, so daß nach dem Erdbeben lediglich noch
die Sicherungsbox 14 wieder zu befestigen bzw. anzuschweissen ist (man erreicht die
Box 14 unkompliziert von oben und unten durch den Spalt hindurch). Schäden durch Erdbeben
sind damit i.allg. auf einfache Weise schnell und billig behebbar.
[0017] Natürlich ist es auch denkbar, statt der Schweißkonstruktion eine andere austauschbare
Verbindungsart, z.B. eine Mutter/Bolzen- oder Nietkonstruktion oder dergleichen zu
wählen, bei welcher nach dem Schadensereignis lediglich die Verbindungselemente auszutauschen
wären.
Bezugszeichenliste
[0018]
- Fugenspalt
- 1
- Überbrückungsvorrichtung
- 2
- Bauwerksteile
- 3, 4
- Dehnfugenkonstruktion
- 5
- Randprofile
- 6, 7
- Mittelprofile
- 8
- Traversen
- 9
- Dehnungsstreifen
- 10
- Spalte
- 11
- Traversenkasten
- 12
- Ausnehmung
- 13
- Sicherungseinrichtung bzw. -box
- 14
- Gleitrampe
- 15
- schiefe Ebenen
- 16, 17
- Ankerscheibe
- 18
- Ankerbügel
- 19
- Verankerungsteile
- 20
- Schächte
- 21
- Distanzelemente
- 22
- Stahlkörper
- 23
- Betonkörper
- 24
- Stahlrahmen
- S
- Verschweißung
- V
- Abdeckung
- A
1. Überbrückungsvorrichtung (2) für Fugenspalte (1) zwischen Bauwerksteilen (3, 4), mit
einer den Fugenspalt (1) überbrückenden Dehnfugenkonstruktion (5), welche beiderseits
des Fugenspaltes (1) an den Bauwerksteilen (3, 4) befestigbar ist, dadurch gekennzeichnet, daß wenigstens zwischen einem der Bauwerksteile (3, 4) und der Dehnfugenkonstruktion
(5) eine Sicherungseinrichtung (14) angeordnet ist, welche derart ausgebildet ist,
daß die Dehnfugenkonstruktion (5) bei Überschreiten einer zwischen den Bauwerksteilen
(3, 4) wirkenden Grenzkraft aus dem Fugenspalt herausgeführt wird.
2. Überbrückungsvorrichtung für Fugenspalte nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Sicherungseinrichtung (14) als zwischen Dehnfugenkonstruktion (5) und Bauwerksteil
(3, 4) angeordnete Gleitrampe (15) ausgebildet ist.
3. Überbrückungsvorrichtung für Fugenspalte nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Sicherungseinrichtung als zwischen Dehnfugenkonstruktion (5) und Bauwerksteil
einbaubare Sicherungsbox (14) ausgebildet ist.
4. Überbrückungsvorrichtung für Fugenspalte nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Sicherungsbox (14) einen Stahlrahmen (S) aufweist, welcher mit dem Bauwerksteil
verbunden - insbesondere verschweißt - ist.
5. Überbrückungsvorrichtung für Fugenspalte nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Sicherungsbox (14) mit Beton, Stahl oder Kunststoff gefüllt ist.
6. Überbrückungsvorrichtung für Fugenspalte nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß bauwerksseitig eine schiefe Ebene (16) angeordnet ist.
7. Überbrückungsvorrichtung für Dehnfugen nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß an der Sicherungsbox (14) eine an die schiefe Ebene des Bauwerksteiles (16) angepaßte
schiefe Ebene (17) angeordnet ist, so daß die beiden Ebenen (16, 17) im Zusammenspiel
die Gleitrampe (15) bilden.
8. Überbrückungsvorrichtung für Fugenspalte nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die bauwerksseitige schiefe Ebene (16) als mit Stahl beschichtete Ankerscheibe (18)
ausgebildet ist.
9. Überbrückungsvorrichtung für Fugenspalte nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Ankerscheibe (18) mittels eines Ankerbügels (19) und ggf. weiteren Verankerungsteilen
(20) im Bauwerk (3, 4) verankert ist.
10. Überbrückungsvorrichtung für Fugenspalte nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Dehnfugenkonstruktion (5) folgendes aufweist:
a) metallische, an den jeweiligen Bauwerksteilen verankerte, Bandprofile (6, 7),
b) parallel zu den Bandprofilen (6, 7) verlaufende Mittelprofile (8), wobei
c) die Mittelprofile (8) auf wenigstens einer, den Fugenspalt (1) überbrückenden,
Traverse (9) angeordnet sind, und
d) Dehnungsstreifen (10) aus einem elastisch nachgiebigen Material, welche die Spalte
(11) zwischen den Band- und/oder den Mittelprofilen (6, 7, 8) überbrücken.
11. Überbrückungsvorrichtung für Fugenspalte nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Traversen (9) in entsprechend ausgebildete Schächte (21) der Sicherungsboxen
(14) eingreifen.
12. Überbrückungsvorrichtung für Fugenspalte nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Verankerung der Dehnfugenkonstruktion (5), der Sicherungseinrichtung (14) und/oder
der Ankerscheibe (18) an den Bauwerksteilen in Polymerbeton erfolgt.