[0001] Die Erfindung betrifft einen Ventiltrieb einer Brennkraftmaschine mit sich an einer
Exzenterwelle abstützenden, von Nocken betätigten und insbesondere als Schwinghebel
ausgebildeten Übertragungsgliedern, wobei der Ventilhubverlauf durch Verdrehen der
Exzenterwelle veränderbar ist. Ein derartiger Ventiltrieb ist unter anderem aus der
DE 42 23 172 C1 oder der DE 42 23 173 A1 bekannt.
[0002] Mittels dieser mehrere Exzenter aufweisenden Exzenterwelle, wobei jeweils ein Exzenter
für einen Schwinghebel, welcher zumindest ein Brennkraftmaschinen-Hubventil betätigt,
vorgesehen ist und wobei zumindest zwei Brennkraftmaschinen-Zylinder in Reihe angeordnet
sind, kann der Ventilhubverlauf, d. h. insbesondere der maximal erreichbare Ventilhub
aller dieser beispielsweise als Einlaßventile ausgebildeten Hubventile gleichzeitig
verändert werden. Da diese Hubventile jedoch wie üblich und dem Fachmann bekannt gegen
die Kraft einer sogenannten Ventilschließfeder geöffnet werden müssen, muß auch bei
einem Verdrehen der Exzenterwelle im Sinne einer Ventilhubvergrößerung stets ein gewisser
Anteil dieser Ventilschließfeder-Kraft überwunden werden. Bei einer mehrzylindrigen
Brennkraftmaschine mit einer einzigen Exzenterwelle für die in Reihe angeordneten
Zylinder wird sich nämlich stets zumindest für einen dieser Zylinder der Nocken außerhalb
seiner Grundkreisphase, in welcher das Hubventil geschlossen ist, befinden. Zum gewünschten
Verdrehen der Exzenterwelle kann dabei ein beispielsweise als Elektromotor ausgebildeter
Stellmotor vorgesehen sein, der von einer geeigneten Steuerelektronik entsprechend
angesteuert wird. Soll nun die Exzenterwelle von diesem Stellmotor verdreht werden
und zwar aus einer Position heraus, in der ein geringer Ventilhub erzeugt wird hin
zu einer Position, die den maximal möglichen Ventilhub ergibt, so ist aufgrund der
Ventilschließfeder-Kräfte hierfür ein relativ hohes Drehmoment vonnöten, was einen
unverhältnismäßig starken und somit großen Stellmotor/Elektromotor erfordert.
[0003] Maßnahmen aufzuzeigen, mit Hilfe derer das erforderliche Drehmoment zum Verdrehen
der Exzenterwelle aus einer Position geringen Ventilhubs heraus hin zu einer Position
größeren Ventilhubes verringert werden kann, ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung.
Zur Lösung dieser Aufgabe ist vorgesehen, daß neben dem Stellmotor an der Exzenterwelle
ein insbesondere als Federelement ausgebildetes Kraftspeicherelement angreift, welches
bei einer gewünschten Verdrehung der Exzenterwelle in Richtung auf einen größeren
Ventilhub den Stellmotor unterstützt. Vorteilhafte Aus- und Weiterbildungen sind Inhalt
der Unter-ansprüche.
[0004] Zur näheren Erläuterung der Erfindung wird zunächst auf Fig. 1 verwiesen, die in
einem Diagramm das zum Verdrehen der Exzenterwelle erforderliche Drehmoment in Abhängigkeit
von den jeweiligen Exzenterwellen-Positionen zeigt.
[0005] In Fig. 2 ist dann ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt,
und zwar eine Exzenterwelle mit integriertem Federelement, wobei Fig. 2a den Ausschnitt
A und Fig. 2b den Ausschnitt B aus Fig. 2 zeigt.
[0006] Bezüglich der konstruktiven Ausgestaltung eines Ventiltriebs nach dem Oberbegriff
des Anspruchs 1 wird in vollem Umfang auf die beiden eingangs genannten Schriften
DE 42 23 172 C1 sowie DE 42 23 173 A1 Bezug genommen, wobei sich die vorliegende Erfindung
selbstverständlich auch auf andere Ventiltriebe mit zumindest einer Exzenterwelle,
an der sich von Nocken betätigte Übertragungsglieder abstützen, anwendbar ist. Dabei
ist - wie bereits kurz erläutert - durch Verdrehen der Exzenterwelle der Ventilhub
bzw. Ventilhubverlauf der von den Schwinghebeln betätigten Hubventile veränderbar.
Das zum Verdrehen der Exzenterwelle erforderliche Drehmoment ist qualitativ in Fig.
1 dargestellt.
[0007] Auf der Abszisse dieses Diagrammes ist der Verdrehwinkel der Exzenterwelle aufgetragen,
wobei ein Verdrehwinkel von 0° dem minimal möglichen Ventilhub - hier kann es sich
beispielsweise um einen Nullhub handeln, d. h. das Hubventil wird überhaupt nicht
geöffnet - entspricht, während sich bei einem Verdrehwinkel von 180° der maximal mögliche
Ventilhub ergibt. Auf der Ordinate dieses Diagrammes ist (qualitativ) das erforderliche
Drehmoment zum Verdrehen der Exzenterwelle in eine gewünschte Position auf-getragen.
Die verschiedenen Kurvenverläufe 1 bis 5 in diesem Diagramm werden im folgenden erläutert:
[0008] Die Kurve 1 gibt dasjenige Drehmoment an, welches erforderlich ist, die Exzenterwelle
(beispielsweise nach der DE 42 23 172 C1) ohne irgendwelche Zusatzmaßnahmen von der
Position 0°, d. h. von der Position des minimal möglichen Ventilhubes, in jede andere
Position bis hin zur Position 180°, d. h. derjenigen des maximal möglichen Ventilhubes,
zu verdrehen. Zu überwinden sind hierbei zunächst Reibungsverluste, so daß diese Kurve
1 zwangsläufig bei einem Drehmomentwert > "0" startet. Mit zunehmendem Verdrehwinkel
und somit zunehmendem Ventilhub ist eine immer weiter ansteigende Ventilschließfeder-Kraft
zu überwinden, weshalb zum Erreichen der Exzenterwellenposition von 180° ein Drehmomentwert
M'
max erforderlich ist. Dieses erforderliche Drehmoment kann grundsätzlich von einem Stellmotor,
beispielsweise Elektromotor aufgebracht werden.
[0009] Soll anschließend ausgehend von dieser Exzenterwellenposition 180° oder auch von
einer Position im Bereich zwischen 0° und 180° der Ventilhub wieder reduziert werden,
so ist hierfür ein Drehmoment entsprechend der Kurve 2, ausgehend vom jeweiligen Startwert
erforderlich. Wegen des Zurückdrehens der Exzenterwelle sind hierbei negative Drehmomentwerte
aufzubringen, bzw. der Stellmotor oder Elektromotor dreht in der entgegengesetzten
Richtung. Der Betrag des aufzubringenden Drehmomentes ist hierbei geringer, da beim
Zurückdrehen der Exzenterwelle die Ventilschließfeder-Kräfte die Reibungswiderstände
zumindest teilweise kompensieren, während beim Verdrehen von 0° in Richtung auf 180°
die zunehmenden Ventilschließfeder-Kräfte additiv zu den Reibungswiderständen hinzukommen.
Üblicherweise sind dabei die Reibungswiderstände im System so hoch, daß die einmal
positionierte Exzenterwelle ihre jeweilige Position beibehält, d.h. die Exzenterwelle
wird allein durch die Ventilschließfeder-Kräfte nicht verdreht.
[0010] Da der Betrag des Drehmomentwertes M'
max relativ hoch ist, wäre zum Positionieren der Exzenterwelle ohne irgendwelche Zusatzmaßnahmen
ein relativ starker Elektromotor vonnöten. Um den Betrag des maximal benötigen Drehmomentes
zu reduzieren, ist nun erfindungsgemäß ein Federelement bzw. Kraftspeicherelement
vorgesehen, welches die Exzenterwelle seinerseits zu verdrehen trachtet, und zwar
in Richtung auf einen größeren Ventilhub hin. Dieses Federelement unterstützt somit
den Stellmotor bei einer Verdrehbewegung der Exzenterwelle in Richtung auf einen größeren
Ventilhub, so daß das vom Stellmotor aufzubringende Drehmoment dementsprechend reduziert
wird. Mit einem derartigen Federelement er-geben sich dann zum Verdrehen der Exzenterwelle
die Kurvenverläufe 3 und 4,und zwar mit der weiter in das Diagramm eingezeichneten
Kurve 5, welche das vom Federelement auf die Exzenterwelle aufgebrachte Dreh-moment
für sich alleine darstellt. Eine Addition der Kurven 1 und 5 ergibt somit die Kurve
3, eine Addition der Kurven 2 und 5 die Kurve 4.
[0011] Die Kurve 3 gibt an, welches Drehmoment aufzubringen ist, um die Exzenterwelle von
0° auf 180° zu verdrehen, d. h. von der Position des minimalen Ventilhubes hin zur
Position des maximal möglichen Ventilhubes. Man erkennt, daß ein gegenüber dem Betrag
M'
max deutlich geringerer Betrag M
max erforderlich ist, um die Exzenterwelle beispielsweise von der Position 90° zur Position
180° zu verdrehen (diese genannten Werte sind selbstver-ständlich nur beispielhaft).
Das vom Stellmotor zum Verdrehen der Exzenter-welle aufzubringende Drehmoment ist
daher deutlich geringer, so daß einkleinerer Stellmotor/Elektromotor zum Einsatz kommen
kann.
Wie ersichtlich schneidet diese Kurve 3 bei der Position van ca. 52 Winkelgraden die
Abszisse, was bedeutet, daß auf dieser Kurve 3 von links her kommend überhaupt kein
zusätzliches Drehmoment eines Stellmotores erforderlich ist, um die Exzenterwelle
in diese Position 52° zu bringen. Beispielsweise ausgehend von der Position 0° wird
somit die Exzenterwelle alleine durch das Federelement in die Position 52° verdreht.
Da diese Exzenterwellenposition 52° einem Ventilhub entspricht, der größer ist als
der minimal mögliche Ventilhub, wird somit vorteilhafterweise die Exzenterwelle allein
durch das Federelement in diese Position gebracht, die einen größeren als den minimalen
Ventilhub ergibt. Vorteilhafterweise stellt sich somit auch bei einem Ausfall des
Stellmotores zum Verdrehen der Exzenterwelle stets ein gewisser Ventilhub ein, der
ausreichend ist, die Brennkraftmaschine in noch befriedigendem Maße zu betreiben.
Um dann ausgehend von dieser Position des sogenannten Null-Drehmomentes den maximal
möglichen Ventilhub und somit die Exzenterwellenposition 180° zu erreichen, wird ein
Drehmoment M
max benötigt, welches deutlich geringer ist als das Drehmoment M'
max.
[0012] Um danach ausgehend von dieser Position des maximal möglichen Ventilhubes wieder
auf die Position des minimalen Ventilhubes zu gelangen, wird ein Drehmomentverlauf
entsprechend der Kurve 4 benötigt. Der Betrag dieses dann negativen Drehmomentes wegen
des Zurückdrehens der Exzenterwelle ist jedoch ebenfalls nicht größer als der Betrag
M
max, da - wie bereits erläutert - beim Zurückdrehen der Exzenterwelle hin zu geringerem
Ventilhub die Reibungsverluste teilweise durch die abnehmenden Ventilschließfeder-Kräfte
kompensiert werden. Im übrigen muß aufgrund der Krafteinwirkung durch das Federelement
ein negatives Drehmoment auf-gebracht werden, um ausgehend von der Position des minimalen
Ventil-hubes bei einem Exzenterwellenwinkel von 0° die sog. Null-Drehmoment-position
bei ca. 52° zu erreichen, d.h um auf der Kurve 3 von der Stellung 0° zur Stellung
52° nach rechts zu gelangen.
[0013] Eine konstruktive Ausführungsform für das den Stellmotor der Exzenterwelle beim Verdrehen
derselben hin in eine Position größeren Ventilhubes unterstützende Federelement bzw
Kraftspeicherelement ist zusammmen mit der mit der Bezugsziffer 11 bezeichneten Exzenterwelle
in den Fig. 2, 2a, 2b dargestellt, wobei die linksseitig der Bruchlinie 9 liegende
geschnitten dargestellte Exzenterwellen-Hälfte gegenüber der rechtsseitigen um 90°
verdreht ist. Der Einfachheit halber nicht dargestellt ist der beispielsweise als
Elektromotor ausgebildete Stellmotor zum Positionieren der Exzenterwelle 11, jedoch
kann dieser in jeder dem Fachmann geläufigen Weise angeordnet sein.
[0014] Beim bevorzugten Ausführungsbeispiel nach Fig.2 ist das mit der Bezugsziffer 10 bezeichnete
Federelement als tordierte Drehstabfeder ausgebildet und innerhalb der hohlen Exzenterwelle
11 längs deren Achse angeordnet. Diese Drehstabfeder 10 ist jeweils endseitig mittels
zweier Halbschalenelemente 12 an der Exzenterwelle 11 einerseits und an einem starren
Bauelement der Brennkraftmaschine andererseits befestigt, wobei die Fixierung der
Drehstabfeder 10 in den Halbschalenelementen 12 wie er-sichtlich jeweils formschlüssig
ausgebildet ist. Die gebogenen Enden des Federelementes 10 sind somit formschlüssig
von den miteiander zusammenwirkenden Halbschalenelementen 12 aufgenommen.
[0015] Die gemäß Fig.2 linksseitige Befestigung des Federelementes 10 an der Exzenterwelle
11 ist als Einzelheit A in Fig. 2a nochmals detailliert dargestellt. Man erkennt die
beiden Halbschalenelemente 12, welche die Drehstabfeder 10 zwischen sich aufnehmen,
und mittels einer Schraube 13 miteinander verbunden sind. Dabei sind die beiden Halbschalenelemente
12 wiederum durch Madenschrauben 14 in der Exzenterwelle 11 fixiert.
Rechtsseitig gemäß Einzelheit B ragt das Federelement 10 über die Exzenterwelle 11
hinaus. Auch hier sind zwei durch eine Schraube 13 miteinander verbundene Halbschalenelemente
12 vorgesehen, die die Drehstabfeder 10 formschlüssig zwischen sich aufnehmen. Diese
Halbschalenelemente 12 sind dann mittels eines geeigneten Halteelementes 15 in sogenannten
Lagerabschnitten 16 für die Exzenterwelle 11, welche Bestandteil der Brennkraftmaschine
sind, fixiert.
[0016] Rechtsseitig bezüglich der Exzenterwelle 11 nach Fig. 2 ist das Federelement 10 somit
drehfest mit der Brennkraftmaschine verbunden, linksseitig ist diese tordierte Drehstabfeder
10 jedoch drehfest mit der Exzenterwelle 11 verbunden. Auf diese Weise ist es möglich,
mittels dieses Federelementes 10 der Exzentenwelle 11 ein derartiges zumindest unterstützendes
Drehmoment aufzuprägen, daß die Exzenterwelle wie beschrieben in eine Position verdreht
wird, welche ausgehend von der aktuellen Postion einen größeren Ventilhub ergibt.
Dabei können selbstverständlich eine Vielzahl von Details insbesondere konstruktiver
Art durchaus abweichend vom beschriebenen Ausführungsbeispiel gestaltet sein, ohne
den Inhalt der Patentansprüche zu verlassen. Insbesondere kann auch ein anderes Federelement
bzw. allgemein Kraftspeicherelement als die Drehstabfeder 10 zum Einsatz kommen.
1. Ventiltrieb einer Brennkraftmaschine mit sich an einer Exzenterwelle (11) abstützenden,
von Nocken betätigten und insbesondere als Schwinghebel ausgebildeten Übertragungsgliedern,
wobei der Ventilhub durch Verdrehen der Exzenterwelle (11) veränderbar ist,
gekennzeichnet durch einen die Exzenterwelle (11) positionierenden Stellmotor sowie
durch ein an der Exzenterwelle (11) angreifendes, insbesondere als Federelement (10)
ausgebildetes Kraftspeicherelement, welches bei einer gewünschten Verdrehung der Exzenterwelle
(11) in Richtung auf einen größeren Ventilhub den Stellmotor unterstützt.
2. Ventiltrieb nach Anspruch 1
dadurch gekennzeichnet, daß das insbesondere als Federelement (10) ausgebildete Kraftspeicherelement
die Exzenterwelle (11) ohne Einwirkung des Stellmotors in eine solche Position zu
bewegen versucht, welche einen größeren als den minimal möglichen Ventilhub ergibt.
3. Ventiltrieb nach Anspruch 1 oder 2
dadurch gekennzeichnet, daß das Federelement (10) als innerhalb der hohlen Exzenterwelle
(11) angeordnete tordierte Drehstabfeder ausgebildet ist.
4. Ventiltrieb nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, daß die Drehstabfeder (10) an ihren beiden Enden formschlüssig
jeweils mittels zweier Halbschalenelemente (12) fixiert ist , und zwar einerseits
an einem Endabschnitt der Exzenterwelle (11) und am gegenüberliegenden Exzenterwellenende
außerhalb derselben in einem Exzenterwellen-Lagerabschnitt (16).