[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bestimmung von Bestandteilen einer Probe
mit meßtechnischer Erfassung des Zeitverlaufes mindestens eines physikalischen Parameters,
beispielsweise der Trübung oder der Impedanz, wobei aus den ermittelten Werten Kenngrößen
abgeleitet und einem Neuralen Netz zugeführt werden. Zur Bestimmung von Blut- oder
Harnwerten ist es aus der EP-A1-581 023 bekannt, von Meßwerten R ausgehend, ein analytisches
Resultat A zu bestimmen. Die Meßwerte bzw. auch die daraus abgeleiteten Kennwerte
("Meßresultate") werden an den Eingang eines Neuralen Netzes gelegt. Der Ausgangswert
A entspricht z.B. der Konzentration eines bestimmten gelösten Stoffes. Dabei werden
auch zeitliche Veränderungen der Meßwerte R berücksichtigt.
[0002] Zur Bestimmung der Zellkonzentration von Mikroorganismen in Proben, wie sie beispielsweise
von Lebensmittelprüfanstalten gezogen oder im Bereich der Nahrungsmittelindustrie
sowie etwa auch in der Milchwirtschaft von den Unternehmen selbst durchgeführt wird,
bedient man sich weitgehend automatisierter verfahren und Vorrichtungen, um die hohe
Anzahl von Proben in rationeller Weise meßtechnisch zu erfassen. So werden Proben
in Thermoblöcken oder Klimakammern bei Temperaturen, die auf die Messungen abgestimmt
sind, aufgestellt und Parameter wie der Trübungsgrad, der pH-Wert, die elektrische
Leitfähigkeit und bzw. oder die Impedanz optisch bzw. durch Sensoren, wie beispielsweise
Elektroden, in der bebrüteten Kulturflüssigkeit zyklisch gemessen. Die Messungen werden
über einen Rechner gesteuert und automatisch durchgeführt. Ausgewertet werden zeitliche
Veränderungen dieser Parameter durch Kurven über der Zeitachse. Charakteristisch ist
vielfach jene Zeit (Detektionszeit t
s), zu der die durch das Keimwachstum verursachte Veränderung eines der Parameter einen
vorgegebenen Schwellwert erreicht. Die Funktion C(t
s) der Zellkonzentration C in Abhängigkeit von der Detektionszeit (t
s) hängt von der Keimart ab, jedoch spielen auch eine Reihe von Kulturparametern eine
Rolle. Die Konzentrationen der Stoffe, welche die Nährlösung enthält, die Temperatur
der Bebrütung und andere biologische und technologische Parameter können die Zellkonzentration
maßgebend beeinflussen. Der jeweilige Anwender ist damit gezwungen, die Funktion betriebsspezifisch
selbst zu bestimmen.
[0003] Die Effizienz der resultierenden Kalibrierfunktion C(t
s) wird ihrerseits durch kausal kaum beschreibbare Artefakte beieinflußt. Aufgrund
systematischer Einflüsse können letztere weitgehend reproduzierbar ausfallen. Durch
eine einfache Korrektur von C(t
s) können sie aber kaum unwirksam gemacht werden.
[0004] Aufgrund unterschiedlicher physikalischer Mechanismen erbringen die einzelnen Parameter
oftmals stark differierende Detektionszeiten (t
s). Vorteilhafterweise wählt man zur Detektion eines bestimmten Keimes jenen Parameter,
der erfahrungsgemäß kürzestes t
s erbringt. Bei der Auswahl ergeben sich dabei Kompromisse wegen konzentrationsabhängiger
Optima, wegen unterschiedlicher meßtechnischer Vor- und Nachteile usw. Vor allem aber
bleibt bei Übergang von einem zu einem anderen Parameter der Informationsgehalt des
ersten ungenutzt. Die Gesamtheit der Informationen auszunützen scheitert meist daran,
daß komplexe Zusammenhänge sich einer definierten Beschreibbarkeit entziehen.
[0005] Die schon erwähnte Abhängigkeit eines Parameters von der Zeit bietet prinzipiell
die Möglichkeit, aus dem Funktionsverlauf auf die Keimart rückzuschließen. Die Erkennung
relevanter Charakteristika erfordert rein visuell viel Erfahrung und ist auf automatischer
Weise sehr schwierig, da komplexe Probleme der Mustererkennung vorliegen.
[0006] Eine Möglichkeit, vermehrte Information zu erarbeiten, ergibt sich aus Mehrfachansätzen
in unterschiedlichen Nährmedien bzw. bei unterschiedlichen chemophysikalischen Bedingungen
(z.B. unterschiedlicher Pufferung). Das Problem der effektiven Auswertung fällt dabei
aber noch größer aus.
[0007] Die Erstellung von Algorithmen zur Ableitung von logischen Schlüssen aus dem Informations-Überangebot
entartet - insbesondere wegen des Mitwirkens betriebsspezifischer Paramter und Artefakte
- zu einem im Rechner kaum lösbaren Problem. Daher begnügt man sich mit der selbsttätigen
Aufzeichnung der Parameter über der Zeitachse bei entsprechender Zyklus- und Temperatursteuerung
des Systems. Die Auswertung obliegt der Erfahrung des Menschen. Im Falle einer vorgegebenen
Keimart wird sie häufig dadurch unterstützt, daß die betriebsspezifische selbst bestimmte
Kalibrierfunktion im Rechner implementiert wird. Anstelle der Detektionszeit wird
dabei vielfach auch vom Auftreten eines vorgebbaren zeitlichen Anstieges des ausgewerteten
Parameters ausgegangen. Die dermaßen automatisierte Auswertung basiert damit aber
auf der Nutzung einer einzigen Kenngröße und läßt den von der Gesamtheit des Zeitverlaufes
- bzw. der Zeitverläufe aller meßtechnisch erfaßten Parameter - repräsentierten hohen
Informationsgehalt ungenutzt.
[0008] Die Erfindung zielt darauf ab, den gesamten hier vorliegenden Informationsgehalt
ohne Inanspruchnahme der menschlichen Erfahrung auf automatische Weise zu nutzen und
die Zuverlässigkeit der Zellkonzentrationsbestimmung damit entscheidend zu steigern.
Dies wird dadurch erreicht, daß zur Bestimmung von Zellkonzentrationen, insbesondere
des Wachstums von Mikroorganismenkulturen in bebrüteten Meßgefäßen, als Kenngrößen
des oder der zeitabhängigen Parameter Zeitwerte, zu denen bestimmte Ereignisse, wie
Schwellwertüberschreitungen, Wendepunkte oder Extrema, auftreten, als Schar bzw. Scharen
von Eingangsgrößen dem Neuralen Netz zugeführt werden. Es werden also vorzugsweise
nicht die zu unterschiedlichen Meßzeitpunkten t
1 ..... t
n auftretenden Meßwerte P genutzt, sondern die bestimmten Ereignissen (z.B. Überschreitungen
von Schwellwerten P
1 ..... P
n) entsprechenden Zeitwerte zu denen bestimmte Kurvencharakteristika (z.B. Wendepunkte,
Maxima etc.) auftreten. An das Neurale Netz werden somit erfindungsgemäß spezifische
Zeitwerte t
x (und darüber hinaus auch Codezahlen C
x) gelegt. Es ist zweckmäßig, wenn bei Mehrfachansätzen zur Bestimmung sowohl der Zellkonzentrationen
als auch der Art der Mikroorganismen dem Neuralen Netz entsprechend viele Scharen
von Zeitwerten gleichzeitig zugeführt werden, bei einem Doppelansatz und zwei Parametern
also insgesamt vier Scharen. Ferner sieht die Erfindung vor, daß dem Netz zur Berücksichtigung
von während der Meßzeit nicht ereichten Schwellwerten oder Wendepunkten statt den
Zeitwerten vorzugsweise die zu ihnen inversen Reaktionsschnellen

zugeführt werden. Es kann nämlich das Problem auftreten, daß einzelne Kennwerte während
der vorgesehenen Meßzeit nicht detektiert werden. Eine Ursache dafür kann sein, daß
die betreffenden Organismen nur sehr langsam anwachsen, eine andere, daß der betrachtete
Parameter sich trotz starkem Anwachsen der Organismen sich so schwach verändert, daß
ein hoch angesetzter Schwellwert prinzipiell nie erreicht wird. Der entsprechende,
dem Netz zugeführte Zeitwert t entartet damit zu Unendlich. Insbesondere für derartige
Anwendungsbereiche ist demnach vorgesehen, dem Netz statt der Zeitwerte t die dazu
reziproken Reaktionsschnellen

zuzuführen. Als Vorteil ergibt sich, daß der Wertebereich von r prinzipiell endlich
groß ist. Es können zur Klassifizierung auch der Art der Mikroorganismen dem Netz
auch die Differenzen der Reaktionsschnellen von Kennwerten unterschiedlicher Parameter
zugeführt werden.
[0009] Die erwähnten Individualwerte als Kenngrößen ermöglichen es, daß dem Neuralen Netz
weitere für mehrere Proben gemeinsam gültige Betriebsbedingungen in Form von physikalischen
Größen wie Temperatur, Begasungsdruck, und von Codezahlen für Nährlösungsart, Meßgefäßtype,
Elektrodentype, Laborant und dergleichen zugeführt werden. Diese weiteren Betriebsbedingungen
können vom Zeitverlauf unabhängig sein. Auch derartige Faktoren können einen Einfluß
auf die Analyse haben. Erst die Tatsache, daß das Netz nicht Kurvenverläufe sondern
Kenngrößen verarbeitet, gestattet die Einzbeziehung der vorgenannten Randbedingungen.
Die tatsächliche Relevanz der letzteren läßt sich mittels des trainierten Neuralen
Netzes überprüfen, indem der Wert des zur Diskussion stehenden Faktors variiert wird.
Bleibt dies ohne Auswirkung auf die Ausgangsgrößen, so kann der Faktor bzw. die Größe
aus der Berücksichtigung ausgeschieden werden. Was das Neurale Netz betrifft, so können
die aus einem keimspezifischen Vortraining resultierenden Netzgewichte durch ein anwenderspezifisches
Nachtraining anwenderspezifisch modifiziert werden. Die vorgenannte Aussage wird insbesondere
auf der Basis des Vor- und Nachtrainings, vorzugsweise aus selbsttätig selektierten
Vergleichsversuchen aus dem Vortrainings- und dem durch sämtliche Kenngrößen ergänzten
Nachtrainingsbereich erhalten.
[0010] Die Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens bei der Meßgefäße vorgesehen sind,
denen Strahlungsquellen und Sensoren, z.B. für Trübungsmessungen, und Elektroden bzw.
Meßwertgeber im Inneren, z.B. für Impedanz- oder pH-Wertmessungen, zugeordnet sind,
wobei die Sensoren, Elektroden bzw. Meßwertgeber an Kennwertdetektoren für die Ermittlung
von Kenngrö-ßen, z.B. von Schwellwerten, Extremwerten oder Wendepunkten, angeschlossen
sind und diese Kennwertdetektoren einer Auswerteschaltung angehören, welche ein Neurales
Netz umfaßt, ist dadurch gekennzeichnet, daß die Meßgefäße für Nährlösungen und Biosubstanzen
in einer temperaturregelbaren Zone, z.B. einem Thermoblock oder einer Klimakammer,
vorgesehen sind, daß als Kennwertdetektoren Schwellwertdetektoren zur Erfassung von
variablen Zeitpunkten (t
s1, t
s2) bei Erreichen eines vorbestimmten Meßwertes und bzw. oder Wendepunktdetektoren zur
ausschließlichen Erfassung von Zeitpunkten (t
w) des Auftretens von Wendepunkten und bzw. oder Extremwertdetektoren zur ausschließlichen
Erfassung von Zeitpunkten des Auftretens von Extremwerten vorgesehen sind und daß
das Neurale Netz für selbsttätige Zuordnungen zur Bestimmung von Umfang und Art der
Mikroorganismen als Funktion der Kenngrößen trainiert ist. Dabei werden alle von den
Kennwertdetektoren kommenden Werte für selbsttätige Zuordnungen genutzt. Abgesehen
von den Eingängen für die Kenngrößen ist es vorteilhaft, wenn die Auswerteschaltung
einen Eingang für insbesondere über eine Tastatur eingegebene zeit- oder schwellwertunabhängige
Daten und Codes umfaßt. Wie schon erwähnt, sind darunter Daten über Art, Herkunft
und Zusammensetzung einer Nährlösung, Umgebungsdaten oder dergleichen Einzelinformationen
zu verstehen. Insbesondere dann, wenn einzelne Meßwerte während der vorgesehenen Meßzeiten
nicht erreicht werden, dann können den Schwellwertdetektoren oder Wendepunktdetektoren
Inverter zur Erfassung der zu den Zeitwerten (t
s1, t
s2, t
w) inversen Reaktionsschnellen (r
s1, r
s2, r
w) nachgeschaltet sein. Für eine Klassifizierung ist es zweckmäßig, wenn den Invertern
Differenzbildner zur Erfassung der Differenzen (r
s1,2 - r
s1,1, r
s2,2 - r
s2,1, r
w,2 - r
w,1, r
w,1 - r
s1,1, r
s2,1 - r
s1,1, r
w,2 - r
s1,2, r
s2,2 - r
s1,2) nachgeschaltet sind.
[0011] Neurale Netze umfassen lernfähige Neuronengruppierungen, die zugeführte Informationen
nicht nur systemgerecht zu einem Ergebnis verarbeiten, sondern die Informationen und
Ergebnisse in ihr eigenes System einbringen, um diese in Zukunft bei einer Datenverarbeitung
mitzuberücksichtigen bzw. das System auch im Programmablauf zu aktualisieren. Es ist
hier zweckmäßig, wenn das Neurale Netz im wesentlichen mit sigmoiden Übertragungsfunktionen,
jedoch mit linearen Übertragungsfunktionen in der Ausgangsschicht ausgeführt ist.
Im Sinne geringer Verarbeitungszeiten bzw. auch kompakter Ausführung des Meßsystems
ist es zweckmäßig, das Neurale Netz hardwaremäßig aufzubauen, es kann aber auch unter
Einsatz eines herkömmlichen Rechners implementiert werden.
[0012] Ausführungsbeispiele zu der erfindungsgemäßen Vorrichtung sind in den Zeichnungen
in Form von Prinzipschaltungen dargestellt. Fig. 1 zeigt ein Prinzipschaltbild einer
Vorrichtung zur Bestimmung der Zellkonzentration, Fig. 2 eine erste und Fig. 3 eine
zweite Möglichkeit der Erweiterung der Anordnung nach Fig. 1.
[0013] In einem beheizbaren Thermoblock 1 z.B. aus Aluminium mit parallelen, senkrechten
Bohrungen sind Meßgefäße 2 eingeschoben, die mikrobiologische Proben in einer Nährlösung
enthalten. Es soll z.B. festgestellt werden, ob schädliche Keime in einer Milchprobe
einer Herkunftsquelle enthalten sind und um welche Keime es sich handelt. In den Meßgefäßen
sind Elektroden 3, 4 z.B. aus Stahl oder ähnliche Sensoren zur Messung der Zeitverläufe,
etwa der elektrischen Leitfähigkeit P
1 und des pH-Werts P
2. Durch einen Multiplexer 5 werden diese hier beispielsweise genannten zwei Parameter
P
1 und P
2 in zyklischer Weise für jeweils zwei benachbarte Meßgefäße 2 erfaßt, die im Sinne
eines Doppelansatzes gleiche Keimtypen, jedoch unterschiedliche Nährlösungen beinhalten.
Über einen Thermistor 6 erfolgt die Erfassung der allen Zellen gemeinsamen Temperatur.
Eine Tastatur 7 ermöglicht die Eingabe von Daten über die Nährlösungskomponenten etwa
in Form einer Codezahl K.
[0014] Die Elektroden 3, 4 sind über den genannten Multiplexer 5 mit einer Auswerteschaltung
8 verbunden, die Kennwertdetektoren 9, 10, 11 enthält. Diese selektieren Schwellwerte
in Form von Zeitinformationen t
s1, t
s2, also von Zeitpunkten, da vorbestimmte Schwellwerte etwa der Leitfähigkeit erreicht
werden. Es handelt sich dabei um Schwellwertdetektoren 9, 10 bzw. auch um Wendepunktdetektoren
11, letztere zur Erfassung der Zeiwerte t
w des Auftretens von Wendepunkten bei den Meßwerten. Alle Detektoren 9, 10, 11 sind
vierfach ausgeführt, in Entsprechung zu zwei Parametern P
1, P
2 für jeweils zwei Zellen 2.
[0015] Der Tastatur 7 ist ein Datenspeicher 12 nachgeschaltet, der unter anderem einer eingegebenen
Codezahl K vier, die zwei Nährlösungstypen charakterisierende Konzentrationsgrößen
(n
1 bis n
4) zuordnet.
[0016] Sämtliche aus P
1, P
2, T und K abgeleitete Größen werden innerhalb der Auswerteschaltung 8 einem Neuralen
Netz 13 als Eingangsgrößen zugeführt, womit sich für die Eingangsschicht siebzehn
Neuronen ergeben. Die zwei Neuronen aufweisende Ausgangsschicht liefert als Ausgangsgrößen
die Anfangskonzentrationen C
1 und C
2 von zwei möglichen Keimtypen.
[0017] Die Auswerteschaltung 8 inkludiert ein Informationsladegerät 14, an dessen Eingängen
neben der Rückkoppelung der eben ermittelten Anfangskonzentrationen C
1 und C
2 ferner noch die Trainingsgrößen C
1,T und C
2,T liegen. Letztere können mittels der bekannten Plattengußmethode als Referenzmethode
ermittelt werden. Das Informationsladegerät 14 verarbeitet seine Eingangsgrößen über
einen Trainingsalgorithmus und ist an das Neurale Netz 13 angeschlossen.
[0018] Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß die Eingangsgrößen des Neuralen Netzes in
erster Linie aus der Funktion P(t) abgeleitet werden. Dabei können beispielsweise
die für äquidistante Zeitwerte t anfallenden Werte P als Eingangsgrößen verwendet
werden. Da die Detektionszeit um Größenordnungen differieren kann, wird vorzugsweise
aber die Umkehrfunktion t(P) genutzt, indem z.B. für fünf vorgegebene Schwellwerte
die entsprechenden fünf Werte t
s als Eingangsgrößen verwendet werden. Zwecks Ausnützung möglichst umfangreichen Informationsgehaltes
ist vorgesehen, Scharen von Eingangsgrößen aller meßtechnisch erfaßten Parameter gleichzeitig
zu verarbeiten (z.B. 15 Größen für drei Parameter P
1, P
2, P
3).
[0019] Auch bei der Nutzung der Umkehrfunktion t(P) ergibt sich erfahrungsgemäß das Problem,
daß unterschiedlichen Abschnitten von t(P) verschieden starker Informationsgehalt
zukommt. Zwecks optimaler Nutzung der vorliegenden Information bei vertretbar hohem
Aufwand bezüglich der Anzahl der Eingangsgrößen ist erfindungsgemäß vorgesehen, t
nicht nur für starr vorgegebene Werte P abzuleiten, sondern auch spezifische, durch
einfache Schaltungen bzw. Algorithmen leicht erfaßbare Kennwerte zu nutzen. So werden,
wie bereits ausgeführt, jene Zeitwerte ermittelt, bei denen P ein Maximum, ein Minimum
bzw. einen Wendepunkt aufweist. Bei drei erfaßten Parametern ergeben sich entsprechend
am Eingang des Neuralen Netzes neun weitere Größen, um ein Maximum an Information
zu berücksichtigen.
[0020] Wegen des oben erwähnten Problems der oft nicht durchschaubaren Mitwirkung verschiedenster
Einflußparameter werden weitere Eingangsgrößen angesetzt, die für mehrere Proben gemeinsam
gültige Betriebsbedingungen betreffen, also z.B. die Temperatur oder den Druck einer
allfälligen Probenbegasung. Während diese Parameter durch Sensoren automatisch erfaßt
werden können, wird es sinnvoll sein, die weiteren Informationen händisch als Eingangsgrößen
bzw. Codezahlen vorzugeben. Derartige Codezahlen können, wie beim Ausführungsbeispiel,
die Konzentration verschiedener Nährstoffkomponenten oder Ausgangsbedingungen (und
damit die Ausgangsaktivität des Keims) kennzeichnen. Sie können aber auch scheinbar
bedeutungslose Umstände, wie etwa den jeweiligen Nährlösungs-Hersteller (zur Berücksichtigung
geringer Unterschiede der Komposition) berücksichtigen. Sich als irrelevant ergebende
Eingangsgrößen können später als konstant angesetzt werden.
[0021] Als Netzausgangsgröße wird vorzugsweise die vor allem interessierende, zum Bebrütungsbeginn
(Zeitpunkt t = 0) vorliegende Zellkonzentration C angesetzt. Erfindungsgemäß ist aber
auch vorgesehen, zusätzliche Informationen anzusetzen, insbesondere dann, wenn mehrere
Parameter P zur Verfügung stehen. Beispielsweise werden bei einem Nährmedium, welches
das Wachstum von zwei Keimtypen zuläßt, Größen C
1 und C
2 den jeweiligen Teilkonzentrationen der beiden Keimtypen zugeordnet. Ebenso können
Ausgangsgrößen auch Informationen repräsentieren, die sich aus Abweichungen vom zu
erwartenden Funktionsverlauf ergeben und damit auf spezielle Keimeigenschaften hinweisen.
Entsprechend können diese Abweichungen auch zur Bestimmung verschiedener, in der Nährlösung
vorhandener Stoffe, wie z.B. Hemmstoffe, Wuchsstoffe oder Antibiotika, verwendet werden.
Für den Fall von Mehrfachansätzen ist vorgesehen, ein Netz zu trainieren, dem sämtliche
Informationen aller parallel angesetzten Proben gleichzeitig zugeführt werden. Daß
heißt, daß beispielsweise bei einem Dreifachansatz unter Erfassung von zwei Parametern
sechs Scharen von Eingangsgrößen verarbeitet werden.
[0022] Das Training des Netzes erfolgt grundsätzlich auf der Grundlage von unter standardisierten
Bedingungen erarbeitetem keimspezifischen Erfahrungsmaterial. Die Gewichte (bzw. Biases)
vortrainierter Netze werden unter anwenderspezifischen Bedingungen im Sinne eines
Nachtrainings - unter Einsatz von Kontrollverfahren (z.B. Plattengußverfahren) zur
Bestimmung von C - den speziellen Bedingungen angepaßt.
[0023] Fig. 2 betrifft eine Möglichkeit der Erweiterung des Ausführungsbeispiels nach Fig.
1, die dann sinnvoll ist, wenn einzelne Kennwerte während der vorgesehenen Meßzeit
etwa wegen des langsamen Anwachsenes nicht detektierbar sind bzw. wenn ein Schwellwert
zu hoch angesetzt ist. Dem Neuralen Netz werden dann nicht die zu unendlich entarteten
Zeitwerte t, sondern die dazu reziproken Reaktionsschnellen

zugeführt, die immer endlich groß sind. Zwischen den Kennwertdetektoren 9, 10, 11
und dem Netz 13 werden hier Inverter 15 eingeschaltet, welche die Reaktionsschnellen
r
s1, r
s2, r
w liefern.
[0024] Bei Auswertung der Reaktionsschnellen r ergibt sich letztlich auch eine einfache
Möglichkeit zur Klassifizierung mehrerer Keimarten, auch ohne Mehrfachansatz. Unterschiedliche
Arten - bzw. die interessierende Art und nicht interessierende Begleitkeime - sind
meist dadurch unterscheidbar, daß die Schwellwerte oder Wendepunkte der einzelnen
Parameter P in spezifischer Weise zu versetzten Zeitpunkten t und damit auch mit unterschiedlichen
Reaktionsschnellen r ausfallen. Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dem Netz die Differenzen
der Reaktionsschnellen zuzuführen, die sich zwischen den einzelnen Parametern ergeben.
Für drei erfaßte Parameter P
1, P
2 und P
3 werden dem Netz also beispielsweise für drei Kennwerte die sechs auf P
1 bezogenen Differenzen r
s1,2 - r
s1,1, r
s1,3 -r
s1,1, r
s2,2 - r
s2,1, r
s2,3 - r
s2,1, r
w,2 - r
w,1, r
w,3 - r
w,1 zugeführt. Zusätzlich können dem Netz erfindungsgemäß auch die innerhalb eines Parameters
auftretenden Differenzen r
w,1 - r
s1,1, r
s2,1 - r
s1,1, r
w,2 - r
s1,2, r
s2,2 - r
s1,2, r
w,3 -r
s1,3, r
s2,3 - r
s1,3 zugeführt werden. Letzteres ermöglicht grobe Klassifizierungen selbst dann, wenn
nur ein einziger Parameter erfaßt wird.
[0025] Als Netzausgang kann - wie oben beschrieben - jeder Keimart eine Anfangskonzentration
C zugeordnet werden. Bei einer Klassifizierung bezüglich vier verschiedener Keimarten
entsprechend C
1 bis C
4 wird bei Vorliegen der Keimart 2 damit C
2 endlich ausfallen. C
1, C
3 und C
4 hingegen werden gegen Null tendieren. Interessiert - wie im Falle von Salmonellen
- nur eine Ja/Nein-Entscheidung im Sinne von "Vorliegen von Salmonellen" bzw. "kein
Vorliegen", so kann dem ersten Fall beim Training C
1 = 100, C
2 = 0 und dem zweiten Fall C
1 = 0, C
2 = 100 zugeordnet werden. Beim Betrieb des Netzes kommt der dann kontinuierlich genutzten
Skala 0 .... 100 die Bedeutung der Verläßlichkeit (Wahrscheinlichkeit) einer getroffenen
Klassifizierung zu.
[0026] Bild 3 zeigt eine Möglichkeit der entsprechenden Erweiterung des Ausführungsbeispiels
von Bild 2 bzw. Bild 1. Zwischen den Invertern 15 und dem Netz 13 werden hier Differenzbildner
16 eingeschaltet, welche für den hier skizzierten Fall von zwei Parametern P
1 und P
2 die Differenzen r
s1,2 -r
s1,1, r
s2,2 - r
s2,1, r
w,2 - r
w,1 der Reaktionsschnellen r
s1, r
s2, r
w liefern. Die Möglichkeit, auch innerhalb eines Parameters - z.B. P
2 - Differenzen anzusetzen, ist am Beispiel der Differenz r
s2,2 - r
s1,2 dargestellt.
1. Verfahren zur Bestimmung von Bestandteilen einer Probe mit meßtechnischer Erfassung
des Zeitverlaufes mindestens eines physikalischen Parameters, beispielsweise der Trübung
oder der Impedanz, wobei aus den ermittelten Werten Kenngrößen abgeleitet und einem
Neuralen Netz zugeführt werden, dadurch gekennzeichnet, daß zur Bestimmung von Zellkonzentrationen, insbesondere des Wachstums von Mikroorganismenkulturen
in bebrüteten Meßgefäßen, als Kenngrößen des oder der zeitabhängigen Parameter Zeitwerte,
zu denen bestimmte Ereignisse, wie Schwellwertüberschreitungen, Wendepunkte oder Extrema,
auftreten, als Schar bzw. Scharen von Eingangsgrößen dem Neuralen Netz zugeführt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß bei Mehrfachansätzen zur Bestimmung sowohl der Zellkonzentrationen als auch der
Art der Mikroorganismen dem Neuralen Netz entsprechend viele Scharen von Zeitwerten
gleichzeitig zugeführt werden, bei einem Doppelansatz und zwei Parametern also insgesamt
vier Scharen.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß dem Netz zur Berücksichtigung von während der Meßzeit nicht erreichten Schwellwerten
oder Wendepunkten statt den Zeitwerten vorzugsweise die zu ihnen inversen Reaktionsschnellen
zugeführt werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß zur Klassifizierung auch der Art der Mikroorganismen dem Netz auch die Differenzen
der Reaktionsschnellen von Kennwerten unterschiedlicher Parameter zugeführt werden.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß dem Neuralen Netz weitere für mehrere Proben gemeinsam gültige Betriebsbedingungen
in Form von physikalischen Größen, wie Temperatur oder Begasungsdruck, und in Form
von Codezahlen für Nährlösungsart, Meßgefäßtype, Elektrodentype, Laborant u. dgl.
zugeführt werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß ein keimspezifisches Vortraining vorgenommen wird und unter Einsatz einer Referenzmethode
ein anwenderspezifisches Nachtraining erfolgt.
7. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 6, bei
der Meßgefäße vorgesehen sind, denen Strahlungsquellen und Sensoren, z.B. für Trübungsmessungen,
und Elektroden bzw. Meßwertgeber im Inneren, z.B. für Impedanz- oder pH-Wertmessungen,
zugeordnet sind, wobei die Sensoren, Elektroden bzw. Meßwertgeber an Kennwertdetektoren
für die Ermittlung von Kenngrößen, z.B. von Schwellwerten, Extremwerten oder Wendepunkten,
angeschlossen sind und diese Kennwertdetektoren einer Auswerteschaltung angehören,
welche ein Neurales Netz umfaßt, dadurch gekennzeichnet, daß die Meßgefäße (2) für Nährlösungen und Biosubstanzen in einer temperaturregelbaren
Zone, z.B. einem Thermoblock (1) oder einer Klimakammer, vorgesehen sind, daß als
Kennwertdetektoren (9, 10, 11) Schwellwertdetektoren (9, 10) zur Erfassung von variablen
Zeitpunkten (ts1, ts2) bei Erreichen eines vorbestimmten Meßwertes und bzw. oder Wendepunktdetektoren (11)
zur Erfassung von Zeitpunkten (tw) des Auftretens von Wendepunkten und bzw. oder Extremwertdetektoren zur Erfassung
von Zeitpunkten des Auftretens von Extremwerten vorgesehen sind und daß das Neurale
Netz (13) für selbsttätige Zuordnungen zur Bestimmung von Umfang und Art der Mikroorganismen
als Funktion der Kenngrößen trainiert ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Auswerteschaltung (8) einen Eingang für insbesondere über eine Tastatur (7)
eingegebene zeit- oder schwellwertungabhänige Daten und Codes umfaßt.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß den Schwellwertdetektoren (9, 10) oder Wendepunktdetektoren (11) Inverter (15)
zur Erfassung der zu den Zeitwerten (ts1, ts2, tw) inversen Raktionsschnellen (rs1, rs2, rw) nachgeschaltet sind.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß den Invertern (15) Differenzbildner (16) zur Erfassung von Reaktionsschnellen-Differenzen
(rs1,2 - rs1,1, rs2,2 -rs2,1, rw,2 - rw,1, rw,1 - rs1,1, rs2,1 - rs1,1, rw,2 -rs1,2, rs2,2 - rs1,2) nachgeschaltet sind.