[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Gas- und Dampfturbinenanlage gemaß dem Oberbegriff
des Anspruchs 1. Eine derartige Anlage ist aus den Patentschriften DE 38 15 536 C1
und US 4,852,344 bekannt.
[0002] Bei der Kombination eines Dampfturbinenprozesses und eines Gasturbinenprozesses gibt
es prinzipiell zwei Möglichkeiten, das Abgas aus der Gasturbine zur Dampferzeugung
zu nutzen. Wie in dem Aufsatz "Kombinierte Gas-/Dampfturbinenprozesse" in Brennstoff-Warme-Kraft
(BWK) 31 (1979), Nr. 5, Mai, beschrieben, dienen bei einem möglichen Kombiprozeß mit
nachgeschaltetem Dampferzeuger die sauerstoffreichen Abgase der Gasturbine als Verbrennungsluft
für den fossil befeuerten Dampferzeuger. Bei einem anderen Kombiprozeß mit nachgeschaltetem
Abhitzedampferzeuger werden Gasturbinen- und Dampfturbinenprozeß kombiniert, indem
die Abwarme der Gasturbine im Abhitzedampferzeuger verwertet wird. Ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk
mit Abhitzedampferzeuger und solar beheiztem Dampferzeuger sowie mit einem einer Zusatzbrennkammer
nachgeschalteten fossil beheizten Wärmetauscher ist aus der DE-OS 41 26 036 bekannt.
[0003] Bei einem Kombiprozeß sind die Leistungen der Dampfturbine und der Gasturbine sowie
des befeuerten Dampferzeugers voneinander abhängig, so daß sie bei einer Auslegung
einer derartigen Anlage aufeinander abgestimmt werden müssen. Dies gilt nicht nur
bei einer Nachrüstung einer bereits bestehenden Dampfturbinenanlage, sondern auch
für eine Neuanlage. Die Abstimmung erfolgt dabei üblicherweise derart, daß bei Nennlastbetrieb
der Sauerstoffbedarf des gefeuerten Dampferzeugers durch die Abgase der Gasturbine
gedeckt werden kann. Es werden allerdings Gasturbinen mit nur wenigen unterschiedlichen
Leistungsgrößen, beispielsweise mit 50 MW, 150 MW oder 200 MW, hergestellt und angeboten,
so daß deren Anpassung an die Leistung der Dampfturbine und die des Dampferzeugers
äußerst schwierig ist. Daher liefert - bei einer vorgegebenen Anlagengröße - die Gasturbine
im Vergleich zur als Verbrennungsluft benötigten Abgasmenge für den gefeuerten Dampferzeuger
im Vollastbereich entweder eine zu große oder eine zu kleine Abgasmenge. Bei einer
zu kleinen Abgasmenge ist im Vollastbereich nur ein geringer Wirkungsgrad der Anlage
zu erreichen, der dann im Teillastbereich besser wird.
[0004] Dagegen kann eine zu große Abgasmenge aus der Gasturbine dazu führen, daß im Falle
eines Kombiprozesses, bei dem die überschüssigen Abgase aus der Gasturbine an einer
Brennkammer des gefeuerten Dampferzeugers vorbei zu einem Kessel- oder Speisewasservorwärmer
(Economizer) geleitet werden, dieser durch den zu hohen Wärmeeintrag in unerwünschter
Weise bereits in die Verdampfung gerät. Oder es muß bei einer zu großen Abgasmenge
im Teillastbereich bereits zu einem frühen Zeitpunkt die Leistung der Gasturbine reduziert
werden. Mit zunehmender Reduzierung der Leistung der Gasturbine nimmt allerdings der
Wirkungsgrad der Anlage im Teillastbereich ab. Mit anderen Worten: In beiden Fällen
ist der erzielte Gesamtwirkungsgrad nur begrenzt. Insbesondere bei der Nachrüstung
einer bereits bestehenden Dampfturbinenanlage muß daher auf einen Leistungszuwachs
aus der Gasturbine verzichtet werden, wenn die Abgaswärme der Gasturbine nicht vollständig
genutzt oder ein akzeptables Teillastverhalten nicht erreicht werden kann.
[0005] Im Gegensatz zum Kombiprozeß mit nachgeschaltetem gefeuerten Dampferzeuger eignet
sich der Kombiprozeß mit nachgeschaltetem Abhitzedampferzeuger besonders zur Nachrüstung
einer bereits bestehenden Gasturbinenanlage. Bei einer Neuanlage werden üblicherweise
eine Anzahl von Gasturbinen mit einer entsprechenden Anzahl von Abhitzedampferzeugern
auf eine gemeinsame Dampfturbine geschaltet. Da sich bei diesem Kombiprozeß die Dampferzeugung
auf eine reine Abhitzenutzung beschränkt, ist der Gesamtwirkungsgrad der Anlage ebenfalls
nur begrenzt.
[0006] Darüber hinaus ist es auch bei diesem Kombiprozeß problematisch, bei einem erforderlichen
oder gewünschten Austausch der Gasturbine gegen eine Gasturbine mit vergleichsweise
hoher Leistung ein geeignetes Gasturbinen-Modell zu finden. Denn bei einer vorgegebenen
Leistung der Dampfturbine und damit vorgegebener Auslegung des Abhitzedampferzeugers
wäre der Wärmeeintrag mit dem Abgas aus einer vergleichsweise großen Gasturbine in
den Abhitzedampferzeuger zu groß, so daß insbesondere in innerhalb des Dampferzeugers
angeordneten Vorwärmern (Economizer) in unerwünschter Weise bereits eine Verdampfung
stattfinden würde.
[0007] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Gas- und Dampfturbinenanlage
anzugeben, bei der bei gleichzeitig besonders hohem Gesamtwirkungsgrad der Einsatz
einer aus einer Vielzahl von Gasturbinen unterschiedlicher Leistungsgröße frei wählbaren
Gasturbine möglich ist.
[0008] Bezüglich der Gas- und Dampfturbinenanlage der eingangs genannten Art wird diese
Aufgabe erfindungsgemäß gelost durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1.
[0009] In den Wasser-Dampf-Kreislauf der Dampfturbine ist ein fossil gefeuerter Dampferzeuger
geschaltet, dem wasser-/dampfseitig ein Abhitzedampferzeuger parallel geschaltet ist,
wobei sowohl der gefeuerte Dampferzeuger über eine erste Teilstromleitung als auch
der Abhitzedampferzeuger über eine zweite Teilstromleitung der Gasturbine abgasseitig
nachgeschaltet sind. Dabei erfolgt die Vorwärmung des Speisewassers für beide Dampferzeuger
mehrstufig.
[0010] Zur Dampferzeugung wird ein erster Teilstrom des Abgases aus der Gasturbine für die
Verbrennung eines fossilen Brennstoffs verwendet. Ein zweiter Teilstrom des Abgases
aus der Gasturbine wird zur Abhitzedampferzeugung genutzt, wobei sowohl die Dampferzeugung
durch Verbrennung des fossilen Brennstoffs als auch die Abhitzedampferzeugung in einem
gemeinsamen Wasser-Dampf-Kreislauf der Dampfturbine erfolgt. Dabei wird vorteilhafterweise
unter hohem Druck stehendes Speisewasser des Wasser-Dampf-Kreislaufs in Teilströmen
vorgewärmt, wobei die Vorwärmung eines ersten Teilstroms des Speisewassers mittels
bei der Verbrennung des fossilen Brennstoffs entstehendem Rauchgas erfolgt. Die Vorwärmung
eines zweiten Teilstroms des Speisewassers erfolgt mittels des zweiten, den Abhitzedampferzeuger
durchströmenden Teilstroms des Abgases aus der Gasturbine. Ein dritter Teilstrom des
Speisewassers wird mittels Anzapfdampf aus der Dampfturbine vorgewärmt. Dabei erfolgt
die Vorwärmung der drei Teilströme des Speisewassers zweckmäßigerweise mehrstufig,
wobei die Vorwärmung des ersten Teilstroms und des dritten Teilstroms in einer diesen
gemeinsamen zweiten Vorwärmstufe mittels des bei der Verbrennung des fossilen Brennstoffs
entstehenden Rauchgases erfolgt.
[0011] Die Erfindung geht dabei von der Überlegung aus, daß durch die Kombination der reinen
Abhitzenutzung und der Nutzung als Verbrennungsluft eine Aufteilung dieser Nutzungsarten
des Abgases aus der Gasturbine unabhängig von deren Leistungsgroße hinsichtlich des
Gesamtwirkungsgrades der Anlage bestmöglich abstimmbar ist, wenn zusätzlich die im
Abgas aus der Gasturbine und im bei der Verbrennung des fossilen Brennstoffs entstehenden
Rauchgas enthaltene und zur Dampferzeugung nicht mehr verwertbare Restwärme zur Speisewasservorwärmung
genutzt wird.
[0012] In dem gefeuerten Dampferzeuger kann vorteilhafterweise ein großes Brennstoffspektrum
zum Einsatz kommen. So können beispielsweise als fossiler Brennstoff Öl, Gas, Kohle
oder Sonderbrennstoffe, wie z.B. Müll, Holz oder Altöl verwendet werden. Da bei der
Verwendung von z.B. Kohle als Brennstoff für den gefeuerten Dampferzeuger die Abgastemperatur
hinter der Gasturbine mit etwa 500° C für eine Kohletrocknung unter Umständen zu hoch
ist, kann zweckmäßigerweise dem als Verbrennungsluft dienenden ersten Teilstrom des
Abgases aus der Gasturbine ein Kaltluftstrom zugemischt werden.
[0013] Das noch sauerstoffhaltige Abgas aus der Gasturbine mit beispielsweise 15% Sauerstoffgehalt
dient als alleinige Verbrennungsluft für die im gefeuerten Dampferzeuger zu verbrennenden
fossilen Brennstoffe, wobei der gefeuerte Dampferzeuger zweckmäßigerweise nur mit
der zur Verbrennung erforderlichen Abgasmenge beaufschlagt wird. Eine eventuell vorgesehene
Rauchgasreinigungsanlage muß daher nur für den ersten Teilstrom des Abgases aus der
Gasturbine und nicht für die gesamte Abgasmenge ausgelegt werden, wobei dieser als
Verbrennungsluft dienende erste Teilstrom des Abgases aus der Gasturbine zusammen
mit dem bei der Verbrennung des fossilen Brennstoffs entstehenden Rauchgas gereinigt
wird.
[0014] In zweckmäßiger Ausgestaltung ist dem gefeuerten Dampferzeuger rauchgasseitig eine
Rauchgasreinigungsanlage nachgeschaltet. Da die Rauchgasreinigungsanlage lediglich
für den ersten Teilstrom des Abgases aus der Gasturbine und für die im fossil gefeuerten
Dampferzeuger erzeugte Rauchgasmenge ausgelegt werden muß, treten weder bei einer
Neuanlage noch bei einer Nachrüstung einer Altanlage Probleme hinsichtlich einer erforderlichen
Begrenzung der Größe der Reinigungsanlage aus Platzgründen auf. Eine unerwünschte
Reduzierung der Dampferzeugerleistung im Falle einer nachzurüstenden Reinigungsanlage,
die aufgrund der Platzverhältnisse vor Ort nur für ein begrenztes Abgasvolumen ausreichend
ist, ist daher nicht erforderlich.
[0015] Um die im Rauchgas aus dem gefeuerten Dampferzeuger im ersten Teilstrom des Abgases
aus der Gasturbine noch enthaltene Restwärme möglichst vollständig nutzen zu können,
ist dem gefeuerten Dampferzeuger eine Hintereinanderschaltung aus zwei rauchgasbeheizten
Hochdruckvorwärmern wasser-/dampfseitig vorgeschaltet. Dabei wird in einem ersten
Hochdruckvorwärmer oder Kessel-Economizer das gesamte dem gefeuerten Dampferzeuger
zugeführte Speisewasser vorgewärmt, während in einem zweiten dem Kessel-Economizer
rauchgasseitig nachgeschalteten zweiten Hochdruckvorwärmer oder Kessel-Teileconomizer
lediglich der erste Teilstrom des Speisewassers vorgewärmt wird.
[0016] Der Dampfturbinenprozeß kann aus einer oder mehreren Druckstufen aufgebaut sein.
Zweckmäßigerweise ist ein Zweidrucksystem mit Zwischenüberhitzung und Kondensatvorwärmung
vorgesehen. Dazu umfaßt der Abhitzedampferzeuger einen Kondensatvorwärmer und diesem
abgasseitig vorgeschaltete Mitteldruckheizflächen mit einem Zwischenüberhitzer sowie
vorteilhafterweise zu diesen abgasseitig mindestens zum Teil parallel angeordnete
und wasser-/dampfseitig parallel geschaltete Hochdruckheizflächen. Der im Abhitzedampferzeuger
angeordnete Zwischenüberhitzer ist einem zweckmäßigerweise vorgesehenen weiteren Zwischenüberhitzer
des gefeuerten Dampferzeugers wasser-/dampfseitig parallel geschaltet.
[0017] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin, daß durch die
Kombination eines gefeuerten Dampferzeugers und eines Abhitzedampferzeugers bei gleichzeitiger
Aufteilung des Abgases aus der Gasturbine in den Dampferzeugern zugeführte Teilströme
nicht nur im gefeuerten Dampferzeuger ein großes Brennstoffspektrum, z.B. Kohle, Schweröl,
Schwachgase oder Sonderbrennstoffe, wie z.B. Müll, Holz oder Altöl, zum Einsatz kommen
kann. Vielmehr kann bei einer sinkenden Kesselleistung des gefeuerten Dampferzeugers
infolge eines Brennstoffumbaus von z.B. Öl auf Kohle oder infolge eines Umbaus auf
eine stickoxidarme Feuerung dennoch eine besonders hohe Dampfturbinenleistung und
damit ein höherer Anlagenwirkungsgrad aufgrund der zusätzlichen Dampferzeugerleistung
aus dem Abhitzedampferzeuger aufrechterhalten werden.
[0018] Da der gefeuerte Dampferzeuger nur mit dem zur Verbrennung erforderlichen Abgas aus
der Gasturbine beaufschlagt wird, ist auch bei beengten Platzverhältnissen die Aufstellung
oder Nachrüstung einer Rauchgasreinigungsanlage unproblematisch, da die Rauchgasreinigungsanlage
nur für einen Teilstrom des Abgases aus der Gasturbine und nicht für die gesamte Abgasmenge
ausgelegt werden muß. Darüber hinaus können bei Altanlagen mit hohen Leistungsreserven
der Dampfturbinenanlage diese Leistungsreserven über die zusätzliche Dampfproduktion
im Abhitzedampferzeuger genutzt werden.
[0019] Da die gesamten Abgase der Gasturbine nahezu verlustfrei genutzt werden, wird ein
besonders hoher Gesamtnutzungsgrad der Anlage erzielt. Insbesondere kann bei Ersatz
eines älteren Gasturbinen-Modells durch ein modernes Aggregat mit einem vergleichsweise
hohen Abhitzeangebot diese Abhitze oder überschüssige Restwärme bestmöglich im Abhitzedampferzeuger
genutzt werden.
[0020] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand einer Zeichnung näher erläutert.
Darin zeigt die Figur ein Schaltschema einer kombinierten Gas- und Dampfturbinenanlage
mit der Gasturbine nachgeschaltet sowohl einem fossil gefeuerten Dampferzeuger als
auch einem Abhitzedampferzeuger.
[0021] Die Gas- und Dampfturbinenanlage 1 gemäß der Figur umfaßt eine Gasturbinenanlage
mit einer Gasturbine 2 mit angekoppeltem Luftverdichter 3 und eine der Gasturbine
2 vorgeschaltete Brennkammer 4, die an eine Frischluftleitung 5 des Luftverdichters
3 angeschlossen ist. In die Brennkammer 4 der Gasturbine 2 mündet eine Brennstoff-
oder Brenngasleitung 6. Die Gasturbine 2 und der Luftverdichter 3 sowie ein Generator
7 sitzen auf einer gemeinsamen Welle 8.
[0022] Die Gas- und Dampfturbinenanlage 1 umfaßt weiter eine Dampfturbinenanlage mit einer
Dampfturbine 10 mit angekoppeltem Generator 11 und in einem Wasser-Dampf-Kreislauf
12 einen der Dampfturbine 10 nachgeschalteten Kondensator 13 sowie einen gefeuerten
Dampferzeuger 14 und einen Abhitzedampferzeuger 15.
[0023] Die Dampfturbine 10 besteht aus einem Hochdruckteil 10a und einem Mitteldruckteil
10b sowie einem Niederdruckteil 10c, die über eine gemeinsame Welle 16 den Generator
11 antreiben.
[0024] Zum Zuführen von in der Gasturbine 2 entspanntem Arbeitsmittel oder Abgas A in den
gefeuerten Dampferzeuger 14 ist eine erste Teilstromleitung 18 an einen Eingang 14a
des gefeuerten Dampferzeugers 14 angeschlossen. Ein über die Teilstromleitung 18 geführter
erster Teilstrom t
1 des Abgases A aus der Gasturbine 2 mit einem Sauerstoffgehalt von ca. 15% dient als
Verbrennungsluft bei der Verbrennung eines gasförmigen, flüssigen oder festen Brennstoffs
B. Dieser wird über eine mit einem Eingang 14b des gefeuerten Dampferzeugers 14 verbundene
Brennstoffleitung 20 in den gefeuerten Dampferzeuger 14 geführt. Zum Einstellen des
ersten Teilstroms t
1 ist eine in die Teilstromleitung 18 geschaltete Steuerklappe 22 vorgesehen. Bei der
Verbrennung des fossilen Brennstoffs B entstehendes Rauchgas R sowie der als Verbrennungsluft
dienende Teilstrom t
1 des Abgases A aus der Gasturbine 2 verlassen den gefeuerten Dampferzeuger 14 über
eine Rauchgasleitung 24 und nach deren Reinigung in einer Reinigungsanlage 26 in Richtung
auf einen (nicht dargestellten) Kamin. Die Rauchgasreinigungsanlage 26 umfaßt in nicht
näher dargestellter Art eine Rauchgasentschwefelungseinrichtung und eine Entstickungseinrichtung
(DeNO
x-Anlage) sowie eine Entstaubungseinrichtung. Zum Zuführen eines zweiten Teilstroms
t
2 des Abgases A aus der Gasturbine 2 in den Abhitzedampferzeuger 15 ist eine zweite
Teilstromleitung 28 mit einer Steuerklappe 29 an einen Eingang 15a des Abhitzedampferzeugers
15 angeschlossen. Der Teilstrom t
2 des entspannten Abgases A aus der Gasturbine 2 verläßt den Abhitzedampferzeuger 15
über dessen Ausgang 15b in Richtung auf den Kamin.
[0025] Über eine dritte Teilstromleitung oder Bypassleitung 30 mit einer Klappe 32 wird
- z.B. beim An- und Abfahren der Anlage 1 - das weder für den gefeuerten Dampferzeuger
14 noch für den Abhitzedampferzeuger 15 benötigte Abgas A aus der Gasturbine 2 geführt.
Insbesondere dient diese Bypassleitung 30 jedoch zum Abführen des Abgases A aus der
Gasturbine 2, wenn diese im sogenannten Single-Cycle-Betrieb allein betrieben wird.
[0026] In die Teilstromleitung t
1 mündet eine Frischluftleitung 34, in die ein Gebläse 36 und ein dampfbeheizter Wärmetauscher
38 sowie eine Klappe 40 geschaltet sind. Über diese Frischluftleitung 34 kann im Vergleich
zum Abgas A aus der Gasturbine 2 kalte Frischluft KL dem Teilstrom t
1 des Abgases A aus der Gasturbine 2 zugemischt werden.
[0027] Der Abhitzedampferzeuger 15 umfaßt als Heizflächen einen Vorwärmer 42, zwischen dessen
Ein- und Ausgang eine Umwälzpumpe 44 geschaltet ist. Der Vorwärmer 42 ist eingangsseitig
mit dem Ausgang eines Kondensatvorwärmers 46 verbunden, der seinerseits eingangsseitig
über eine Kondensatpumpe 48 mit dem Kondensator 13 verbunden ist. Der Kondensatvorwärmer
46 wird über eine mit dem Niederdruckteil 10c der Dampfturbine 10 verbundene Anzapfleitung
50 mit Dampf beheizt. Zwei dem Kondensatvorwärmer 46 nachgeschaltete und ebenfalls
über mit dem Niederdruckteil 10c verbundene Anzapfleitungen 52 und 54 beheizte Vorwärmer
56 bzw. 58 sind dem im Abhitzedampferzeuger 15 angeordneten Vorwärmer 42 parallel
geschaltet und ausgangsseitig mit einem Speisewasserbehälter 60 verbunden. Der Abhitzedampferzeuger
15 umfaßt weiter als Heizflächen einen Mitteldruckvorwärmer oder -Economizer 62 und
einen Mitteldruckverdampfer 64 sowie einen Mitteldrucküberhitzer 66, der ausgangsseitig
an eine mit dem Hochdruckteil 10a der Dampfturbine 10 verbundene Dampfleitung 68 und
mit einem Zwischenüberhitzer 70 verbunden ist. Die Mitteldruckheizflächen 62, 64,
66 sind über den Zwischenüberhitzer 70 an eine in den Mitteldruckteil 10b der Dampfturbine
10 mündende Dampfleitung 72 angeschlossen. Die Mitteldruckheizflächen 62, 64, 66 sowie
der Zwischenüberhitzer 70 und der Mitteldruckteil 10b der Dampfturbine 10 bilden somit
eine Mitteldruckstufe des Wasser-Dampf-Kreislaufs 12.
[0028] Der Abhitzedampferzeuger 15 umfaßt ferner in einer Hochdruckstufe als Heizflächen
zwei hintereinander geschaltete Hochdruckvorwärmer oder -Economizer 74 und 75 sowie
einen Hochdruckverdampfer 76 und einen Hochdrucküberhitzer 78. Der Hochdrucküberhitzer
78 ist ausgangsseitig über eine Dampfleitung 80 mit dem Eingang des Hochdruckteils
10a der Dampfturbine 10 verbunden.
[0029] Während der Mitteldruck-Economizer 62 und die Hochdruck-Economizer 74, 75 innerhalb
des Abhitzedampferzeugers 15 im Bereich gleicher Abgastemperatur angeordnet sind,
sind der Hochdruckverdampfer 76 und der Hochdrucküberhitzer 78 in Strömungsrichtung
des Teilstroms t
2 des Abgases A aus der Gasturbine 2 vor der Hintereinanderschaltung aus dem Mitteldruckverdampfer
64 und dem Mitteldrucküberhitzer 66 angeordnet, wobei der Zwischenüberhitzer 70 und
der Hochdrucküberhitzer 78 im Bereich gleicher Abgastemperatur angeordnet sind.
[0030] Der Speisewasserbehälter 60 ist über eine Hochdruckpumpe 82 und eine Wärmetauscheranordnung
mit einer Hintereinanderschaltung aus drei Vorwärmern 84, 86, 88 mit dem gefeuerten
Dampferzeuger 14 verbunden. Der Speisewasserbehälter 60 ist außerdem über eine Mitteldruckpumpe
90 mit dem Mitteldruck-Economizer 62 verbunden.
[0031] Auf der Druckseite der Hochdruckpumpe 82 ist an eine in den gefeuerten Dampferzeuger
14 führende Speisewasserleitung 92 eine Teilstromleitung 92a angeschlossen, die über
einen Kessel-Teileconomizer 94 zwischen den Vorwärmern 86 und 88 an die Speisewasserleitung
92 angeschlossen ist. Diese ist außerdem über eine weitere Teilstromleitung 92b mit
dem Hochdruck-Economizer 74 verbunden. Der Kessel-Teileconomizer 94 und der Vorwärmer
oder Kessel-Economizer 88 sind in die Rauchgasleitung 24 des gefeuerten Dampferzeugers
14 geschaltet.
[0032] Ausgangsseitig ist der gefeuerte Dampferzeuger 14 über einen Hochdrucküberhitzer
96, an den ausgangsseitig die Dampfleitung 80 angeschlossen ist, mit dem Eingang des
Hochdruckteils 10a der Dampfturbine 10 verbunden. Ein dem im Abhitzedampferzeuger
15 angeordneten Zwischenüberhitzer 70 parallel geschalteter Zwischenüberhitzer 98
ist eingangsseitig über die Dampfleitung 68 mit dem Ausgang des Hochdruckteils 10a
und ausgangsseitig mit dem Mitteldruckteil 10b der Dampfturbine 10 verbunden. Die
Vorwärmer 84 und 86 werden über Dampfleitungen 100 und 102 mittels Anzapfdampf aus
dem Mitteldruckteil 10b bzw. dem Hochdruckteil 10a der Dampfturbine 10 beheizt.
[0033] Beim Betrieb der kombinierten Gas- und Dampfturbinenanlage 1 wird der Brennkammer
4 der Gasturbine 2 in nicht näher dargestellter Art und Weise ein Brennstoff B' über
die Brennstoffleitung 6 zugeführt. Der Brennstoff B' wird in der Brennkammer 4 mit
verdichteter Frischluft L aus dem Luftverdichter 3 verbrannt. Das bei der Verbrennung
entstehende heiße Verbrennungsgas V wird über eine Gasleitung 6a in die Gasturbine
2 geleitet. Dort entspannt es sich und treibt dabei die Gasturbine 2 an, die wiederum
den Luftverdichter 3 und den Generator 7 antreibt. Das aus der Gasturbine 2 austretende
heiße Abgas A wird im ersten Teilstrom t
1 über die Teilstromleitung 18 als Verbrennungsluft in den gefeuerten Dampferzeuger
14 geleitet. Der zweite Teilstrom t
2 des heißen Abgases A aus der Gasturbine 2 wird über die Teilstromleitung 28 und durch
den Abhitzedampferzeuger 15 geführt.
[0034] Das unter Zufuhr des Teilstroms t
1 des Abgases A aus der Gasturbine 2 bei der Verbrennung des fossilen Brennstoffs B
entstehende heiße Rauchgas R dient dort zur Dampferzeugung und verläßt anschließend
den gefeuerten Dampfturbine 14 über die Rauchgasleitung 24 in Richtung auf die Rauchgasreinigungsanlage
26, wobei es zuvor zunächst im Kessel-Economizer 88 und anschließend im Kessel-Teileconomizer
94 durch Wärmetausch mit Speisewasser aus dem Speisewasserbehälter 60 abgekühlt worden
ist.
[0035] Die Vorwärmung des Speisewassers erfolgt in drei Teilströmen S
1 bis S
3. Dabei wird ein erster, mittels eines in die Teilstromleitung 92a geschalteten Ventils
104 einstellbarer Teilstrom S
1 des unter hohem Druck stehenden Speisewassers durch den Kessel-Teileconomizer 94
geführt und mittels des Rauchgases R und des Teilstroms t
1 des Abgases A der Gasturbine 2 vorgewärmt. Ein zweiter, mittels eines in die Teilstromleitung
92b geschalteten Ventils 106 einstellbarer Teilstrom S
2 wird durch die Hochdruck-Economizer 74 und 75 geführt und durch Wärmetausch mit dem
zweiten Teilstrom t
2 des Abgases A aus der Gasturbine 2 vorgewärmt. Die Vorwärmung eines dritten, mittels
eines in die Speisewasserleitung 92 geschalteten Ventils 108 einstellbaren Teilstroms
S
3 des unter hohem Druck stehenden Speisewassers erfolgt in den Vorwärmern 84 und 86
mittels Anzapfdampf aus der Dampfturbine 10.
[0036] Die Vorwärmung des Speisewassers sowohl für den gefeuerten Dampferzeuger 14 als auch
für den Abhitzedampferzeuger 15 erfolgt somit jeweils mehrstufig. Dabei erfolgt eine
zweistufige Vorwärmung des Speisewasserteilstroms S
2 innerhalb des Abhitzedampferzeugers 15 in den wasser-/dampfseitig hintereinander
geschalteten Hochdruck-Economizern 74 und 75. Das Speisewasser für den gefeuerten
Dampferzeuger 15 wird in drei Stufen vorgewärmt. Dabei wird der zunächst in den Vorwärmern
84 und 86 zweistufig vorgewärmte dritte Teilstrom S
3 anschließend zusammen mit dem im Kessel-Teileconomizer 94 parallel vorgewärmten Teilstrom
S
1 im Kessel-Economizer 88 in der gemeinsamen dritten Stufe vorgewärmt. Diese mehrstufige
Vorwärmung des Speisewassers in drei Teilströmen S
1 bis S
3 ermöglicht eine besonders vorteilhafte Verteilung oder Aufteilung des Speisewassers
auf die beiden Dampferzeuger 14 und 15, so daß eine unerwünschte Verdampfung innerhalb
deren gasbeheizten Vorwärmern 74, 75 bzw. 88, 94 infolge eines erhöhten Wärmeeintrags
aus den Teilströmen t
1 und t
2 des Abgases A aus der Gasturbine 2 sowie aus dem Rauchgas R auch bei Einsatz einer
besonders leistungsstarken Gasturbine 2 praktisch vermieden ist.
[0037] Der im Abhitzedampferzeuger 15 im Hochdruckverdampfer 76 erzeugte und im Hochdrucküberhitzer
78 überhitzte Dampf wird zusammen mit dem im gefeuerten Dampferzeuger 14 erzeugten
und im Überhitzer 96 überhitzten Dampf in den Hochdruckteil 10a der Dampfturbine 10
geführt. Der in dem Hochdruckteil 10a teilentspannte Dampf wird zum Teil in dem im
Abhitzedampferzeuger 15 angeordneten Überhitzer 70 und zum Teil im Zwischenüberhitzer
98 des gefeuerten Dampferzeugers 14 erneut überhitzt und anschließend dem Mitteldruckteil
10b der Dampfturbine 10 zugeführt. Der im Mitteldruckteil 10b weiter entspannte Dampf
wird zum Teil zur Aufwärmung des Speisewassers im Speisewasserbehälter 60 und zum
Teil zur Vorwärmung des durch den Vorwärmer 84 geführten Speisewasserteilstroms S
3 genutzt sowie zum Teil direkt in den Niederdruckteil 10c der Dampfturbine 10 geführt.
Der im Niederdruckteil 10c entspannte Dampf wird über die Anzapfleitungen 50 bis 54
zur Vorwärmung von in den Speisewasserbehälter 60 geführtem Kondensat K genutzt. Der
aus dem Niederdruckteil 10c austretende Dampf wird im Kondensator 13 kondensiert und
als Kondensat K über die Kondensatpumpe 48 und die Vorwärmer 46, 56 und 58 in den
Speisewasserbehälter 60 gefördert. Somit ist der dem gefeuerten Dampferzeuger 14 und
dem Abhitzedampferzeuger 15 gemeinsame Wasser-Dampf-Kreislauf 12 geschlossen.
1. Gas- und Dampfturbinenanlage mit einem in einen Wasser-Dampf-Kreislauf (12) der Dampfturbine
(10) geschalteten fossil gefeuerten Dampferzeuger (14), dem wasser-/dampfseitig ein
Abhitzedampferzeuger (15) parallel geschaltet ist, wobei sowohl der gefeuerte Dampferzeuger
(14) über eine erste Teilstromleitung (18) als auch der Abhitzedampferzeuger (15)
über eine zweite Teilstromleitung (28) der Gasturbine (2) abgasseitig nachgeschaltet
sind,
gekennzeichnet durch eine Anzahl von Vorwärmern (74, 75, 84, 86, 88, 94) zur mehrstufigen Vorwärmung von
Speisewasser (S1 bis S3) sowohl für den gefeuerten Dampferzeuger (14) als auch für den Abhitzedampferzeuger
(15).
2. Gas- und Dampfturbinenanlage nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß dem gefeuerten Dampferzeuger (14) rauchgasseitig eine Rauchgasreinigungsanlage
(26) nachgeschaltet ist.
3. Gas- und Dampfturbinenanlage nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß dem gefeuerten Dampferzeuger (14) eine Hintereinanderschaltung aus zwei rauchgasbeheizten
Kessel-Vorwärmern (88, 94) wasser-/dampfseitig vorgeschaltet ist.
4. Gas- und Dampfturbinenanlage nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß der Abhitzedampferzeuger (15) Heizflächen (42) zur Kondensatvorwärmung und diesen
abgasseitig vorgeschaltete Mitteldruck-Heizflächen (62, 64, 66) mit einem Zwischenüberhitzer
(70) sowie zu diesen abgasseitig mindestens zum Teil parallel angeordnete und wasser-/dampfseitig
parallel geschaltete Hochdruckheizflächen (74, 75, 76, 78) umfaßt.
5. Gas- und Dampfturbinenanlage nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß der gefeuerte Dampferzeuger (14) über mindestens einen mittels Dampf aus der
Dampfturbine (10) beheizten Vorwärmer (84, 86) mit einem Speisewasserbehälter (60)
verbunden ist.