[0001] Die Erfindung betrifft einen Treibladungsanzünder für patronierte Munition mit einem
Anzündrohr, in dem sich eine Übertragungsladung befindet.
[0002] In einem derartigen Treibladungsanzünder (TLAnz) müssen die empfindlichen explosiven
Elemente der Anzündkette in geschützter, umhüllter Form vorliegen. Die Übertragungsladung
dieser Anzündkette aus leicht anzündbarem Pulver, das bereits unter mäßigem Druck
sehr schnell abbrennt und die Flamme sehr schnell weiterleitet, liegt gekapselt im
metallischen Anzündrohr des TLAnz vor, in dem Anzündverteilerbohrungen über die gesamte
Länge verteilt sind. Moderne TLAnz weisen - bezogen auf die Gesamtpatrone - eine maximal
mögliche lange des Anzündrohres auf, um die Anzündflamme ungehindert bis in die oberen
(vorderen) Treibladungspulverschichten zu bringen und durch die Verteilerbohrungen
eine größtmögliche Anzündfläche zur Verfügung zu haben.
[0003] Bei derartigen bekannten TLAnz ist ein erheblicher Aufwand für die Abdichtung der
empfindlichen Anzündelemente gegen Umwelteinflüsse erforderlich. So müssen insbesondere
die Anzündöffnungen und Gewindeteile des Anzündrohres zuverlässig abgedichtet sein,
um die Funktion des TLAnz zu gewährleisten. Sofern die Anzündelemente hingegen nicht
ausreichend gegen Feuchtigkeit geschützt sind, treten sofort Versager bzw. Anzündverzögerungen
im Abfeuerfall ein. Im Hinblick auf die Forderungen der Abnehmer entsprechender Munition
muß die Abdichtung der Übertragungsladung mindestens 10 Jahre in feuchten und feuchtaggressiven
Klimaten zuverlässig gewährleistet sein, und zwar selbst dann, wenn die entsprechende
Patrone selbst nicht vollständig gegen Feuchtigkeit abgedichtet ist.
[0004] Aus der US-PS 2,446,187 ist ein TLAnz bekannt, bei dem zum Schutz der Verstärkerladung
gegen äußere Umgebungseinflüsse innerhalb des Mantelrohres ein dünnwandiges Schutzrohr
aus einer Blei-Zinn-Legierung angeordnet ist. Das Schutzrohr liegt dabei bündig an
der Innenwand des Mantelrohres an, so daß die Anzündöffnungen verdeckt sind. Im Aktivierungsfall
des Anzünders stanzt der Druckstoß das Schutzrohr an den Anzündöffnungen aus. Jedoch
wird die Anzündflamme durch den gleichzeitig einsetzenden Schmelzvorgang der Blei-Zinn-Legierung
durch Energieentzug geschwächt, aus der eine Verzögerung der Flammenausbreitung durch
die Anzündöffnungen in das Treibladungspulver hinein folgt. Diese Verzögerung wird
zeitlich meßbar, so daß kurze geforderte Anzündzeiten (weiter unter 50 ms) nicht erzielt
werden.
[0005] Außerdem weist ein TLAnz dieser Bauart den Nachteil auf, daß das Material des Schutzrohres
Bleibestandteile enthält, die bei der Anzündung der Patrone frei werden und als Gift-
und Schadstoffe in die Umgebung gelangen. Schließlich dürfte die Verwendung eines
derartigen Schutzrohres aus einer Metallegierung zu einer unzulässigen Erhöhung des
Innendruckes des Treibladunganzünders führen.
[0006] Aus der EP-0 392 533 B1 und der DE-37 01 145 A1 sind Treibladungsanzünder mit Anzündrohren
bekannt, bei denen die Anzündöffnungen durch außenseitig auf dem jeweiligen Mantelrohr
aufgebrachte Kunststoffschläuche verdeckt werden.
[0007] Nachteilig bei diesen TLAnz ist, daß der jeweilige Kunststoffschlauch bei mechanischen
Belastungen der Patrone (z.B. bei den bei der Laborierung vorgenommenen Rüttelvorgängen)
beschädigt werden kann, denn die Kanten der harten Treibladungspulverkörner in der
Hauptladung der Patrone sind in der läge, durch Reib- und Anritzvorgänge den Schlauch
abzunutzen und zu beschädigen, so daß der Schutz gegen das Eindringen von Feuchtigkeit
in den TLAnz versagt.
[0008] Aus der DE-34 16 736 C2 ist ein TLAnz bekannt, bei dem innerhalb des Mantelrohres
eine aus einer Kunststoff-Schrumpffolie bestehende Schutzhülle angeordnet ist, welche
die aus mehreren Ringtabletten bestehende Übertragungsladung zusammehält und fest
umschließt. Im Anzündvorgang wird die Weiterleitung der Anzündflamme gehemmt, weil
die Sperrwirkung des umschließenden Kunststoffs eine verzögerungsfreie schnelle Anzündung
der gesamten Übertragungsladung vereitelt, so daß eine Zunahme der Anzündzeit gemessen
wird.
[0009] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, einen Treibladungsanzünder
anzugeben, der ein Anzündrohr mit innenseitig angeordnetem Schutzrohr besitzt, welches
bei rauher Handhabung sowie bei schockartigen Temperaturänderungen und erhöhter Feuchtelagerung,
über einen Zeitraum größer > 10 Jahre die Verstärkerladung sicher gegen äußere Umgebungseinflüsse
abdichtet.
[0010] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Weitere vorteilhafte
Ausgestaltungen der Erfindung offenbaren die Unteransprüche.
[0011] Im wesentlichen liegt der Erfindung der Gedanke zugrunde, ein Schutzrohr zu verwenden,
das innenseitig eng an dem Mantelrohr des Anzündrohres anliegt und aus einem dünnwandigen
Material besteht, so daß der Rohrquerschnitt weitestgehend offen für den Durchgang
und die Weiterleitung der Anzündung bleibt. Derartige Forderungen erfüllen insbesondere
Schutzrohre aus dünnwandiger Glas-, Oxid- oder Glaskeramik, oder Innenliner aus Kunststoff
mit Wandstärken zwischen 0,1 und 0,8 mm.
[0012] Als besonders vorteilhaft haben sich bei der Kunststoffanwendung Ausführungsformen
der Erfindung erwiesen, bei denen das Schutzrohr der Innenliner aus einer Klebfolie,
einer Blasfolie oder aus einer Kombination derartiger Folien aus Kunststoff besteht,
die in das Anzündrohr einzubringen sind.
[0013] Es hat sich ferner als vorteilhaft erwiesen, das Schutzrohr im Bereich der Anzündöffnungen
mit Sollbruchstellen zu versehen.
[0014] In einem weiteren vorteilhaften Falle der Anwendung kann ein Innenliner aus einem
nach dem Rotationsgußverfahren oder der Blasformung hergestellten Kunststoffrohr aus
Polypropylen (PP) oder Polyetylen (PE) bestehen, wobei die Herstellung des Schutzrohres
in dem Anzündrohr selbst erfolgt.
[0015] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform besteht das Schutzrohr aus einer
Mischmetallfolie, die mit einem Überzugslack geschützt ist. Metallisches Cer ist Hauptbestandteil
der Mischmetallegierung.
[0016] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus dem folgenden anhand
einer Figur erläuterten Ausführungsbeispiel. Dabei zeigt die Fig. den Längsschnitt
eines erfindungsgemäßen Treibladungsanzünders, wie er beispielsweise bei patronierter
Panzermunition verwendbar ist.
[0017] Der mit 1 bezeichnete Treibladungsanzünder bestht im wesentlichen aus einem Kopfteil
2 und einem sich daran in Richtung der Längsachse 3 des Anzünders 1 anschließenden
Anzündrohr 4. Das Kopfteil 2, welches ein nicht dargestelltes Anzündhütchen sowie
eine Verstärkerladung 7 enthält, ist mit einem Außengewinde 6 zum Einschrauben des
Treibladungsanzünders 1 in den Boden der entsprechenden Patrone (nicht dargestellt)
versehen.
[0018] Das Anzündrohr 4, welches mit einer Übertragungsladung 5 gefüllt ist, setzt sich
aus einem Mantelrohr 8 aus Stahl mit Anzündöffnungen 9 und der innenseitig angeordneten
Abdichtung in Form eines Innenliners bzw. Schutzrohr 10 zusammen, welches die Anzündöffnungen
9 abdeckt.
[0019] Der Innenliner bzw. das Schutzrohr 10 ist auf der Vorderseite 11 des Anzündrohres
4 geschlossen und auf seiner dem Kopfteil 2 des Treibladungsanzünders 1 zugewandten
Seite 12 mittels einer Dichtung 13 aus einem elastischen Material abgedichtet.
[0020] Im folgenden werden einige Beispiele von Innenlinern bzw. Schutzrohren 10 aus unterschiedlichen
Materialien und deren Einbringung in das Mantelrohr 8 näher erläutert:
1. Verwendung einer eingeklebten Folie als Schutzrohr
[0021] Hierzu wird eine geeignete Kunststoffolie mit einer Wandstärke von maximal 0,25 mm,
die mit einem thermoaktivierbaren Kleber beschichtet ist, in das Mantelrohr 8 eingeführt
und auf eine Temperatur oberhalb 65° C, üblicherweise bis 180° C, erhitzt. Die klebebereite
Folie wird dann auf der Innenseite des Mantelrohres mittels Druckanwendung aufgeklebt.
Als Folienwerkstoffe haben sich insbesondere kaschierte PU/PE-Folien bewährt, die
z.B. mit einem reaktivem 2-Komponenten-PU-Klebstoff beschichte sind. Klebstoffe auf
Basis Polyekloropren, Cyanacrylat usw. sind ebenfalls geeignet.
2. Verwendung einer Blasfolie als Schutzrohr
[0022] Hierzu wird ein Kunststoffschlauch in geschmolzenem Zustand in das Mantelrohr 8 extrudiert.
Ein Formwerkzeug mit einer entsprechenden Anblasöffnung umschließt das Mantelrohr.
Durch eingeblasene Luft wird der Schlauch dann an die Innenwand des Mantelrohres gedrückt
und dort ausgehärtet. Als Schlauchmaterial haben sich thermoplastische Kunststoffe,
wie PE, PP, PET, PMP (Polymethylenpenten), EPDM und deren Co- und Terpolymerisate,
bewährt. Auch Fluorkautschuktypen und thermoplastische Elastomere sind geeignet. Wichtig
bei der Wahl des jeweiligen Materials ist vor allem, daß es eine hohe Sperrwirkung
gegen Feuchtigkeit und Wasser aufweist. Die Wandstärke sollte zwischen 0,15 und 0,6
mm liegen.
3. Verwendung einer Doppelfolie als Schutzrohr
[0023] In diesem Fall handelt es sich um eine Kombination der beiden vorstehend beschriebenen
Schutzrohre. Dabei kann zunächst eine erste Folie in das Mantelrohr innenseitig eingeklebt
und anschließend ein Kunststoffschlauch in das Mantelrohr eingebracht werden.
4. Verwendung eines oxid- oder glaskeramischen Schutzrohes
[0024] Schutzrohre 10, die einseitig geschlossen und selbsttragend sind, müssen hinreichend
stabil sein, um mechanische Belastungen (z.B. Rüttel-, Schlag- und Vibrationsvorgängen)
abzufangen. Als besonders geeignete haben sich Schutzrohre aus einer Oxid- oder Glaskeramik
erwiesen mit einer Wandstärke zwischen 0,3 und 0,6 mm.
[0025] Ein derartiges Rohr ist vom Anzündstück her gesehen offen und daher am Kopfteil 2
mit einer aus- oder eingeklappten, verdickten Krempe, die eine Nutrille aufweist,
ausgestattet. Die Nut kann einen abdichtenden O-Ring oder einen federnden Abdichtring
aufnehmen. Die Vorderseite 11 des Mantelrohres 8 läuft in abgeschlossener Bauweise
aus. Zur Sicherung eines festen Sitzes des Schutzrohres 10 im Bereich der Vorderseite
11 kann dort ebenfalls eine federndes Ringelement aus Weichgummi vorgesehen werden.
[0026] Oxidkeramische Werkstoffe auf der Basis von Zirkonoxid oder mit Zirkonoxid stabilisiertem
Aluminiumoxid weisen ein gutes Biegeverhalten auf und können für erhöhte mechanische
Belastungen benutzt werden.
[0027] Sofern die Wandstärke < 0,3 mm ist, hat sich bei derartigen Schutzrohren ein Verbund
mit der Innenseite des Mantelrohres 8 bewährt. Derartige dünnwandige Rohre werden
vorteilhafterweise mit einer Siliconschicht überzogen, die im Klebverbund mit dem
Mantelrohr steht, so daß eine stabile Abstützung vorliegt.
[0028] Die Erfindung ist nicht auf die vorstehend beschriebenen Ausführungsbeispiele beschränkt.
So können insbesondere die aus Kunststoff bestehenden Schutzrohre beispielsweise nicht
nur durch Blasformen oder Rotationsguß, sondern auch durch Spritzgießen oder andere
Extrudiertechniken hergestellt werden.
Bezugszeichenliste
[0029]
- 1
- Treibladungsanzünder
- 2
- Kopfteil
- 3
- Längsachse
- 4
- Anzündrohr
- 5
- Übertragungsladung
- 6
- Außengewinde
- 7
- Verstärkerladung
- 8
- Mantelrohr
- 9
- Anzündöffnungen
- 10
- Schutzrohr/Innenliner
- 11
- Vorderseite
- 12
- Kopfteil zugewandte Seite des Schutzrohres 10
- 13
- Dichtung
1. Treibladungsanzünder für patronierte Munition mit einem Anzündrohr (4), in dem sich
eine Übertragungsladung (5) befindet, wobei
a) das Anzündrohr (4) ein Anzündöffnungen (9) aufweisendes Mantelrohr (8) und ein
zum Schutz der Übertragungsladung (5) gegen äußere Umgebungseinflüsse angeordnetes
dünnwandiges Schutzrohr (10) aufweist, dessen Außenwand bündig an der Innenwand des
Mantelrohres (8) anliegt und die Anzündöffnungen (9) verdeckt,
b) das Schutzrohr (10) aus Glas, einer Oxid- oder Glaskeramik, einer Folie aus Metall
oder einer Metallegierung, aus Kunststoff nach unterschiedlichen Verarbeitungsverfahren
hergestellt, besteht und
c) das Schutzrohr/Innenliner (10) eine Wandstärke zwischen 0,1 und 0,8 mm aufweist.
2. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr (10) zusätzlich mit einem dünnen Siliconfilm überzogen ist.
3. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr (10) vor den Anzündöffnungen (9) mit Sollbruchstellen versehen
ist.
4. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr als Innenliner (10) aus einer Klebfolie aus Kunststoff besteht.
5. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr als Innenliner (10) aus einer Blasfolie aus Kunststoff besteht.
6. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr als Innenliner (10) aus zwei Kunststoffolien besteht, wobei es
sich bei der ersten Folie um eine Klebfolie und bei der zweiten Folie um eine Blasfolie
handelt.
7. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr (10) aus einem verzehrbaren Metall oder einer verzehrbaren Metallegierung
in Folienform besteht.
8. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr (10) aus einem nach dem Rotationsgußverfahren oder durch Blasformung
hergestellten Kunststoffrohr aus PP oder PE besteht, wobei die Herstellung des Schutzrohres
(10) in dem Mantelrohr (8) erfolgt.
9. Treibladungsanzünder nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr (10) eine Wandstärke, bevorzugt zwischen 0,15mm bis 0,6 mm besitzt.