(19)
(11) EP 0 822 385 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(88) Veröffentlichungstag A3:
04.02.1998  Patentblatt  1998/06

(43) Veröffentlichungstag:
04.02.1998  Patentblatt  1998/06

(21) Anmeldenummer: 97110971.5

(22) Anmeldetag:  02.07.1997
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6F42C 19/08
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE

(30) Priorität: 02.08.1996 DE 19631185

(71) Anmelder: Rheinmetall Industrie Aktiengesellschaft
40880 Ratingen (DE)

(72) Erfinder:
  • Thiesen, Stefan, Dr.
    47877 Willich (DE)
  • Lübben, Manfred, Dr.
    29223 Celle (DE)
  • Jungbluth, Dieter
    56249 Herschbach (DE)

   


(54) Treibladungsanzünder


(57) Die Erfindung betrifft einen Treibladungsanzünder für patronierte Munition mit einem Anzündrohr (4), in dem sich eine Übertragungsladung (5) befindet, wobei das Anzündrohr (4) ein Anzündöffnungen (9) aufweisendes Mantelrohr (8) und ein zum Schutz der Übertragungsladung (5) gegen äußere Umgebungseinflüsse in dem Mantelrohr (8) angeordnetes dünnwandiges Schutzrohr/Innenliner (10) aufweist, dessen Außenwand bündig an der Innenwand des Mantelrohres (8) anliegt und die Anzündöffnungen (9) verdeckt.
Um zu erreichen, daß der Treibladungsanzünder (1) auch bei rauher Handhabung über einen langen Zeitraum die Übertragungsladung (5) sicher gegen äußere Umgebungseinflüsse abdichtet, schlägt die Erfindung vor, daß das Schutzrohr/Innenliner (10) aus Glas, einer Oxid- oder Glaskeramik, einer Folie aus verzehrbarem Metall oder einem Kunststoffrohr besteht und eine Wandstärke bevorzugt von 0,15 - 0,6 mm aufweist.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft einen Treibladungsanzünder für patronierte Munition mit einem Anzündrohr, in dem sich eine Übertragungsladung befindet.

[0002] In einem derartigen Treibladungsanzünder (TLAnz) müssen die empfindlichen explosiven Elemente der Anzündkette in geschützter, umhüllter Form vorliegen. Die Übertragungsladung dieser Anzündkette aus leicht anzündbarem Pulver, das bereits unter mäßigem Druck sehr schnell abbrennt und die Flamme sehr schnell weiterleitet, liegt gekapselt im metallischen Anzündrohr des TLAnz vor, in dem Anzündverteilerbohrungen über die gesamte Länge verteilt sind. Moderne TLAnz weisen - bezogen auf die Gesamtpatrone - eine maximal mögliche lange des Anzündrohres auf, um die Anzündflamme ungehindert bis in die oberen (vorderen) Treibladungspulverschichten zu bringen und durch die Verteilerbohrungen eine größtmögliche Anzündfläche zur Verfügung zu haben.

[0003] Bei derartigen bekannten TLAnz ist ein erheblicher Aufwand für die Abdichtung der empfindlichen Anzündelemente gegen Umwelteinflüsse erforderlich. So müssen insbesondere die Anzündöffnungen und Gewindeteile des Anzündrohres zuverlässig abgedichtet sein, um die Funktion des TLAnz zu gewährleisten. Sofern die Anzündelemente hingegen nicht ausreichend gegen Feuchtigkeit geschützt sind, treten sofort Versager bzw. Anzündverzögerungen im Abfeuerfall ein. Im Hinblick auf die Forderungen der Abnehmer entsprechender Munition muß die Abdichtung der Übertragungsladung mindestens 10 Jahre in feuchten und feuchtaggressiven Klimaten zuverlässig gewährleistet sein, und zwar selbst dann, wenn die entsprechende Patrone selbst nicht vollständig gegen Feuchtigkeit abgedichtet ist.

[0004] Aus der US-PS 2,446,187 ist ein TLAnz bekannt, bei dem zum Schutz der Verstärkerladung gegen äußere Umgebungseinflüsse innerhalb des Mantelrohres ein dünnwandiges Schutzrohr aus einer Blei-Zinn-Legierung angeordnet ist. Das Schutzrohr liegt dabei bündig an der Innenwand des Mantelrohres an, so daß die Anzündöffnungen verdeckt sind. Im Aktivierungsfall des Anzünders stanzt der Druckstoß das Schutzrohr an den Anzündöffnungen aus. Jedoch wird die Anzündflamme durch den gleichzeitig einsetzenden Schmelzvorgang der Blei-Zinn-Legierung durch Energieentzug geschwächt, aus der eine Verzögerung der Flammenausbreitung durch die Anzündöffnungen in das Treibladungspulver hinein folgt. Diese Verzögerung wird zeitlich meßbar, so daß kurze geforderte Anzündzeiten (weiter unter 50 ms) nicht erzielt werden.

[0005] Außerdem weist ein TLAnz dieser Bauart den Nachteil auf, daß das Material des Schutzrohres Bleibestandteile enthält, die bei der Anzündung der Patrone frei werden und als Gift- und Schadstoffe in die Umgebung gelangen. Schließlich dürfte die Verwendung eines derartigen Schutzrohres aus einer Metallegierung zu einer unzulässigen Erhöhung des Innendruckes des Treibladunganzünders führen.

[0006] Aus der EP-0 392 533 B1 und der DE-37 01 145 A1 sind Treibladungsanzünder mit Anzündrohren bekannt, bei denen die Anzündöffnungen durch außenseitig auf dem jeweiligen Mantelrohr aufgebrachte Kunststoffschläuche verdeckt werden.

[0007] Nachteilig bei diesen TLAnz ist, daß der jeweilige Kunststoffschlauch bei mechanischen Belastungen der Patrone (z.B. bei den bei der Laborierung vorgenommenen Rüttelvorgängen) beschädigt werden kann, denn die Kanten der harten Treibladungspulverkörner in der Hauptladung der Patrone sind in der läge, durch Reib- und Anritzvorgänge den Schlauch abzunutzen und zu beschädigen, so daß der Schutz gegen das Eindringen von Feuchtigkeit in den TLAnz versagt.

[0008] Aus der DE-34 16 736 C2 ist ein TLAnz bekannt, bei dem innerhalb des Mantelrohres eine aus einer Kunststoff-Schrumpffolie bestehende Schutzhülle angeordnet ist, welche die aus mehreren Ringtabletten bestehende Übertragungsladung zusammehält und fest umschließt. Im Anzündvorgang wird die Weiterleitung der Anzündflamme gehemmt, weil die Sperrwirkung des umschließenden Kunststoffs eine verzögerungsfreie schnelle Anzündung der gesamten Übertragungsladung vereitelt, so daß eine Zunahme der Anzündzeit gemessen wird.

[0009] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, einen Treibladungsanzünder anzugeben, der ein Anzündrohr mit innenseitig angeordnetem Schutzrohr besitzt, welches bei rauher Handhabung sowie bei schockartigen Temperaturänderungen und erhöhter Feuchtelagerung, über einen Zeitraum größer > 10 Jahre die Verstärkerladung sicher gegen äußere Umgebungseinflüsse abdichtet.

[0010] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung offenbaren die Unteransprüche.

[0011] Im wesentlichen liegt der Erfindung der Gedanke zugrunde, ein Schutzrohr zu verwenden, das innenseitig eng an dem Mantelrohr des Anzündrohres anliegt und aus einem dünnwandigen Material besteht, so daß der Rohrquerschnitt weitestgehend offen für den Durchgang und die Weiterleitung der Anzündung bleibt. Derartige Forderungen erfüllen insbesondere Schutzrohre aus dünnwandiger Glas-, Oxid- oder Glaskeramik, oder Innenliner aus Kunststoff mit Wandstärken zwischen 0,1 und 0,8 mm.

[0012] Als besonders vorteilhaft haben sich bei der Kunststoffanwendung Ausführungsformen der Erfindung erwiesen, bei denen das Schutzrohr der Innenliner aus einer Klebfolie, einer Blasfolie oder aus einer Kombination derartiger Folien aus Kunststoff besteht, die in das Anzündrohr einzubringen sind.

[0013] Es hat sich ferner als vorteilhaft erwiesen, das Schutzrohr im Bereich der Anzündöffnungen mit Sollbruchstellen zu versehen.

[0014] In einem weiteren vorteilhaften Falle der Anwendung kann ein Innenliner aus einem nach dem Rotationsgußverfahren oder der Blasformung hergestellten Kunststoffrohr aus Polypropylen (PP) oder Polyetylen (PE) bestehen, wobei die Herstellung des Schutzrohres in dem Anzündrohr selbst erfolgt.

[0015] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform besteht das Schutzrohr aus einer Mischmetallfolie, die mit einem Überzugslack geschützt ist. Metallisches Cer ist Hauptbestandteil der Mischmetallegierung.

[0016] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus dem folgenden anhand einer Figur erläuterten Ausführungsbeispiel. Dabei zeigt die Fig. den Längsschnitt eines erfindungsgemäßen Treibladungsanzünders, wie er beispielsweise bei patronierter Panzermunition verwendbar ist.

[0017] Der mit 1 bezeichnete Treibladungsanzünder bestht im wesentlichen aus einem Kopfteil 2 und einem sich daran in Richtung der Längsachse 3 des Anzünders 1 anschließenden Anzündrohr 4. Das Kopfteil 2, welches ein nicht dargestelltes Anzündhütchen sowie eine Verstärkerladung 7 enthält, ist mit einem Außengewinde 6 zum Einschrauben des Treibladungsanzünders 1 in den Boden der entsprechenden Patrone (nicht dargestellt) versehen.

[0018] Das Anzündrohr 4, welches mit einer Übertragungsladung 5 gefüllt ist, setzt sich aus einem Mantelrohr 8 aus Stahl mit Anzündöffnungen 9 und der innenseitig angeordneten Abdichtung in Form eines Innenliners bzw. Schutzrohr 10 zusammen, welches die Anzündöffnungen 9 abdeckt.

[0019] Der Innenliner bzw. das Schutzrohr 10 ist auf der Vorderseite 11 des Anzündrohres 4 geschlossen und auf seiner dem Kopfteil 2 des Treibladungsanzünders 1 zugewandten Seite 12 mittels einer Dichtung 13 aus einem elastischen Material abgedichtet.

[0020] Im folgenden werden einige Beispiele von Innenlinern bzw. Schutzrohren 10 aus unterschiedlichen Materialien und deren Einbringung in das Mantelrohr 8 näher erläutert:

1. Verwendung einer eingeklebten Folie als Schutzrohr



[0021] Hierzu wird eine geeignete Kunststoffolie mit einer Wandstärke von maximal 0,25 mm, die mit einem thermoaktivierbaren Kleber beschichtet ist, in das Mantelrohr 8 eingeführt und auf eine Temperatur oberhalb 65° C, üblicherweise bis 180° C, erhitzt. Die klebebereite Folie wird dann auf der Innenseite des Mantelrohres mittels Druckanwendung aufgeklebt. Als Folienwerkstoffe haben sich insbesondere kaschierte PU/PE-Folien bewährt, die z.B. mit einem reaktivem 2-Komponenten-PU-Klebstoff beschichte sind. Klebstoffe auf Basis Polyekloropren, Cyanacrylat usw. sind ebenfalls geeignet.

2. Verwendung einer Blasfolie als Schutzrohr



[0022] Hierzu wird ein Kunststoffschlauch in geschmolzenem Zustand in das Mantelrohr 8 extrudiert. Ein Formwerkzeug mit einer entsprechenden Anblasöffnung umschließt das Mantelrohr. Durch eingeblasene Luft wird der Schlauch dann an die Innenwand des Mantelrohres gedrückt und dort ausgehärtet. Als Schlauchmaterial haben sich thermoplastische Kunststoffe, wie PE, PP, PET, PMP (Polymethylenpenten), EPDM und deren Co- und Terpolymerisate, bewährt. Auch Fluorkautschuktypen und thermoplastische Elastomere sind geeignet. Wichtig bei der Wahl des jeweiligen Materials ist vor allem, daß es eine hohe Sperrwirkung gegen Feuchtigkeit und Wasser aufweist. Die Wandstärke sollte zwischen 0,15 und 0,6 mm liegen.

3. Verwendung einer Doppelfolie als Schutzrohr



[0023] In diesem Fall handelt es sich um eine Kombination der beiden vorstehend beschriebenen Schutzrohre. Dabei kann zunächst eine erste Folie in das Mantelrohr innenseitig eingeklebt und anschließend ein Kunststoffschlauch in das Mantelrohr eingebracht werden.

4. Verwendung eines oxid- oder glaskeramischen Schutzrohes



[0024] Schutzrohre 10, die einseitig geschlossen und selbsttragend sind, müssen hinreichend stabil sein, um mechanische Belastungen (z.B. Rüttel-, Schlag- und Vibrationsvorgängen) abzufangen. Als besonders geeignete haben sich Schutzrohre aus einer Oxid- oder Glaskeramik erwiesen mit einer Wandstärke zwischen 0,3 und 0,6 mm.

[0025] Ein derartiges Rohr ist vom Anzündstück her gesehen offen und daher am Kopfteil 2 mit einer aus- oder eingeklappten, verdickten Krempe, die eine Nutrille aufweist, ausgestattet. Die Nut kann einen abdichtenden O-Ring oder einen federnden Abdichtring aufnehmen. Die Vorderseite 11 des Mantelrohres 8 läuft in abgeschlossener Bauweise aus. Zur Sicherung eines festen Sitzes des Schutzrohres 10 im Bereich der Vorderseite 11 kann dort ebenfalls eine federndes Ringelement aus Weichgummi vorgesehen werden.

[0026] Oxidkeramische Werkstoffe auf der Basis von Zirkonoxid oder mit Zirkonoxid stabilisiertem Aluminiumoxid weisen ein gutes Biegeverhalten auf und können für erhöhte mechanische Belastungen benutzt werden.

[0027] Sofern die Wandstärke < 0,3 mm ist, hat sich bei derartigen Schutzrohren ein Verbund mit der Innenseite des Mantelrohres 8 bewährt. Derartige dünnwandige Rohre werden vorteilhafterweise mit einer Siliconschicht überzogen, die im Klebverbund mit dem Mantelrohr steht, so daß eine stabile Abstützung vorliegt.

[0028] Die Erfindung ist nicht auf die vorstehend beschriebenen Ausführungsbeispiele beschränkt. So können insbesondere die aus Kunststoff bestehenden Schutzrohre beispielsweise nicht nur durch Blasformen oder Rotationsguß, sondern auch durch Spritzgießen oder andere Extrudiertechniken hergestellt werden.

Bezugszeichenliste



[0029] 
1
Treibladungsanzünder
2
Kopfteil
3
Längsachse
4
Anzündrohr
5
Übertragungsladung
6
Außengewinde
7
Verstärkerladung
8
Mantelrohr
9
Anzündöffnungen
10
Schutzrohr/Innenliner
11
Vorderseite
12
Kopfteil zugewandte Seite des Schutzrohres 10
13
Dichtung



Ansprüche

1. Treibladungsanzünder für patronierte Munition mit einem Anzündrohr (4), in dem sich eine Übertragungsladung (5) befindet, wobei

a) das Anzündrohr (4) ein Anzündöffnungen (9) aufweisendes Mantelrohr (8) und ein zum Schutz der Übertragungsladung (5) gegen äußere Umgebungseinflüsse angeordnetes dünnwandiges Schutzrohr (10) aufweist, dessen Außenwand bündig an der Innenwand des Mantelrohres (8) anliegt und die Anzündöffnungen (9) verdeckt,

b) das Schutzrohr (10) aus Glas, einer Oxid- oder Glaskeramik, einer Folie aus Metall oder einer Metallegierung, aus Kunststoff nach unterschiedlichen Verarbeitungsverfahren hergestellt, besteht und

c) das Schutzrohr/Innenliner (10) eine Wandstärke zwischen 0,1 und 0,8 mm aufweist.


 
2. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr (10) zusätzlich mit einem dünnen Siliconfilm überzogen ist.
 
3. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr (10) vor den Anzündöffnungen (9) mit Sollbruchstellen versehen ist.
 
4. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr als Innenliner (10) aus einer Klebfolie aus Kunststoff besteht.
 
5. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr als Innenliner (10) aus einer Blasfolie aus Kunststoff besteht.
 
6. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr als Innenliner (10) aus zwei Kunststoffolien besteht, wobei es sich bei der ersten Folie um eine Klebfolie und bei der zweiten Folie um eine Blasfolie handelt.
 
7. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr (10) aus einem verzehrbaren Metall oder einer verzehrbaren Metallegierung in Folienform besteht.
 
8. Treibladungsanzünder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr (10) aus einem nach dem Rotationsgußverfahren oder durch Blasformung hergestellten Kunststoffrohr aus PP oder PE besteht, wobei die Herstellung des Schutzrohres (10) in dem Mantelrohr (8) erfolgt.
 
9. Treibladungsanzünder nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr (10) eine Wandstärke, bevorzugt zwischen 0,15mm bis 0,6 mm besitzt.
 




Zeichnung







Recherchenbericht