[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum maschinellen Versehen eines Artikels mit
einer Reliefstickerei durch Auflegen eines wasserlöslichen Unterlagsmaterials auf
diesen Artikel vor dem Sticken und Auflösen des Unterlagsmaterials in einem Wasserbad
nach dem Sticken.
[0002] Es ist seit langem bekannt, Artikel aus textilem Gewebe, Leder, Kunststoff und dergleichen
maschinell mit einem gestickten Motiv zu versehen. Das gestickte Motiv ist nur wenig
erhaben über die Fläche des Artikels. Soll das Motiv besonders prägnant aus der Fläche
des Artikels hervortreten, verwendet man hingegen ein Reliefstickverfahren.
[0003] Ein deutlich erhabenes, also reliefartig aus der Ebene des Artikels hervortretenden
Motiv erhält man nach einem bekannten Verfahren dadurch, dass man auf den Artikel
vor dem Sticken eine flächige Unterlage geeigneter Dicke, häufig einen dünnen Schaumstoff,
auflegt. Beim anschliessenden Sticken wird zumindest längs der Konturen des Motivs
die Folge der Stickstiche (entweder bereits während des Stickens oder in einem letzten
Stickgang ohne Stickgarn) so eng gewählt, dass das über die Motivkonturen überstehende
Unterlagsmaterial sich wegen seiner starken Perforierung anschliessend leicht abtrennen
lässt. Dieses bekannte Verfahren zur Erzeugung einer Reliefstickerei ist jedoch zeitaufwendig,
vor allem bei komplexen Motiven mit zahlreichen Konturen, denn das überstehende Unterlagsmaterial
muss von Hand entfernt werden und fällt dabei auch in Form von kleinen und kleinsten
Fragmenten an, dies jedoch bei der Serienproduktion solcher Reliefstickereien in großen
Mengen, die zum Teil auch Entsorgungsprobleme bereiten.
[0004] Aus der DE 43 43 230 A1 ist es bekannt, als Unterlage eine oder mehrere Lagen Gelatinefolie
zu verwenden. Zu deren Entfernung wird der bestickte Artikel dann in ein Wasserbad
eingelegt. Dies ist jedoch keine für die Herstellung von Artikeln mit Reliefstickerei
im industriellen Maßstab brauchbare Alternative zu dem zuvor geschilderten Verfahren,
denn wie es in der genannten Druckschrift ausdrücklich heißt, dauert es schon bei
Verwendung nur einer Lage Gelatinefolie etwa 36 Stunden, bis sich diese Gelatinefolie
aufgelöst hat.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der einleitend angegebenen
Gattung zu schaffen, das zeitsparender und kostengünstiger als das bisher bekannte
Reliefstickverfahren ist.
[0006] Diese Aufgabe ist erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das Unterlagsmaterial aus Papier
oder Pappe besteht und daß das Auflösen des Unterlagsmaterials mittels Ultraschall
unterstützt wird.
[0007] Die Erfindung stellt damit erstmals ein im industriellen Maßstab brauchbares Verfahren
zur Erzeugung einer Reliefstickerei auf einem Artikel zur Verfügung. Gegenüber dem
bekannten Verfahren, das mit Schaumstoff als Unterlagsmaterial arbeitet, hat das Verfahren
nach der Erfindung den Vorteil, daß nahezu beliebig komplizierte Motive mit zahlreichen
kleinen, jedoch reliefartig hervortretenden Motivelementen bestickt werden können.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß sich unter der fertigen Reliefstickerei keinerlei
Unterlagsmaterial mehr befindet, während der bisher verwendete Schaumstoff unter der
Reliefstickerei verblieb und sich im Laufe des Gebrauchs des Artikels, z.B. beim Waschen
oder chemischen Reinigen, zersetzte und in Form von kleinen Partikeln die Reinigungsflotte
und den Artikel selbst verschmutzte. Gegenüber dem mit Gelatinefolie arbeitenden,
bekannten Verfahren hat das Verfahren nach der Erfindung den Vorteil, daß das Unterlagsmaterial
preiswert und chemisch neutral ist, sowie sich - anders als aufgelöste Gelatine -
aus dem Wasserbad mit physikalischen Methoden abscheiden läßt, so daß der Wasserverbrauch
erheblich sinkt und kein belastetes Abwasser anfällt. Ggfs. kann bei dem Verfahren
nach der Erfindung sogar mit einem geschlossenen Wasserkreislauf gearbeitet werden.
Der Hauptvorteil des vorgeschlagenen Verfahrens besteht aber in dessen industrieller
Anwendbarkeit, da sich die Zeit zum Herauslösen des Unterlagsmaterials unter der Reliefstickerei
von 36 und mehr Stunden auf wenige Minuten verkürzt.
[0008] Das Auflösen des Unterlagsmaterials läßt sich gemäß Anspruch 2 dadurch noch weiter
beschleunigen, daß das Wasserbad erwärmt und/oder in Bewegung versetzt wird.
[0009] Gemäß Anspruch 3 kann zur weiteren Beschleunigung des Verfahrens das Auflösen und
Ausspülen des Unterlagsmaterials in einem beheizbaren Ultraschall-Reinigungsbad vorgenommen
werden.
[0010] Als besonders geeignetes und daher bevorzugtes Unterlagsmaterial hat sich gemäß Anspruch
4 Reispapier bewährt. Am besten verwendet man mehrere Lagen, deren Zahl sich nach
der gewünschten Erhabenheit der Stickerei richtet.
[0011] Das Verfahren nach der Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnung näher erläutert,
die in schematisierter Form ein nicht beschränkendes Ausführungsbeispiel veranschaulicht.
Es zeigt:
- Fig. 1
- eine Aufsicht auf ein Stoffstück mit einem in konventioneller Technik gestickten Motiv,
- Fig. 2
- dasselbe Stoffstück, jedoch mit auf einen Teil des Motivs aufgelegtem Unterlagsmaterial,
- Fig. 3
- dasselbe Stoffstück, jedoch nach dem Aufsticken des Buchstabens "D" im Bereich des
Unterlagsmaterials,
- Fig. 4
- das in ein Ultraschallbad verbrachte Stoffstück,
- Fig. 5
- eine im Bereich der Reliefstickerei geschnittene, stark vergrösserte und vereinfachte
Seitenansicht des Stoffstücks,
- Fig. 6
- eine geschnittene Seitenansicht eines nicht stickfesten Gewebes vor der Erzeugung
der Reliefstickerei und
- Fig. 7
- dieselbe Seitenansicht wie Fig. 6, jedoch nach dem Erzeugen der Reliefstickerei.
[0012] Figur 1 zeigt einen Artikel in Form eines stickfesten Stoffstücks 1, auf das maschinell
ein aus einem quadratischen Rahmen und der Ziffer "3" bestehendes Motiv in konventioneller,
"planer" Sticktechnik aufgestickt wurde.
[0013] Um dieses Motiv mit einem reliefartig hervortretenden Buchstaben "D" zu ergänzen,
wird gemäss Figur 2 auf den entsprechenden Flächenbereich ein Unterlagsmaterial 2
aufgelegt. Das Unterlagsmaterial kann aus Reispapier bestehen. In der Regel sind mehrere
Lagen Reispapier erforderlich, um der Reliefstickerei die gewünschte Erhabenheit zu
geben. Versuche haben ergeben, daß mit bis zu dreißig Lagen gearbeitet werden kann,
wenn das Reliefmotiv z.B. um knapp einen Millimeter aus der Fläche des Artikels hervortreten
soll. Mit anderen Unterlagsmaterialien wird analog verfahren.
[0014] Anschliessend wird an der vorgegebenen Stelle der Buchstabe "D" gestickt. Die Sticktechnik
ist als solche bekannt. In der Regel wird mit entsprechend verringerter Spannung des
Oberfadens gearbeitet. Übliche Stickmaschinen erlauben dann eine Erhabenheit bis zu
rund einem Millimeter.
[0015] Der fertige Artikel, in diesem Fall das Stoffstück 1, wird in ein Wasserbad verbracht.
Das Wasser löst das geeignet gewählte Unterlagsmaterial auf. Dieser Vorgang kann erheblich
unterstützt und beschleunigt werden, in dem man in dem Wasserbad eine Strömung, vorzugsweise
eine turbulente Strömung, erzeugt. Besonders bewährt hat sich ein beheizbares und
mit Ultraschall beaufschlagbares Wasserbad 5 wie in Figur 4 angedeutet. Der Artikel
verbleibt in dem Lösungsmittel so lange, bis das Unterlagsmaterial 2 vollständig aufgelöst
und in Suspension gegangen ist. Die Badtemperatur richtet sich nach der Temperaturbeständigkeit
des Artikels, die Behandlungsdauer wird am besten durch Versuch festgestellt und wehrt
am besten so lange, bis das Unterlagsmaterial, zum Beispiel das Reispapier, vollständig
aus dem Artikel herausgelöst ist. Anschliessend wird der Artikel getrocknet, z.B.
zunächst geschleudert und dann an der Luft getrocknet.
[0016] Wie bereits erwähnt, muss der Artikel nicht notwendigerweise aus einem Gewebe bestehen.
Vielmehr kommen alle zum Bestikken geeigneten Trägermaterialien in Betracht. Zu unterscheiden
ist lediglich, ob es sich um einen stickfesten Artikel handelt oder ob die Festigkeit
des Trägermaterials zum Besticken nicht ausreicht. Im ersteren Fall kann der Artikel
unmittelbar bestickt werden. Es ergibt sich dann der in Figur 5 ganz schematisch in
einer vergrösserten Seitenansicht dargestellte Schlingenverlauf. Im Bereich der Reliefstickerei
bildet der Oberfaden "stehende" Schlingen 6.
[0017] Handelt es sich hingegen um einen nichtstickfesten Artikel, z.B. ein Trägermaterial
aus sehr dünnem und/oder weichem Gewebe, so wird der zu bestickende Bereich zunächst
durch eine vollflächige Stickerei, z.B. in dem in Figur 6 schematisch dargestellten
sogenannten Tatamistich 7, verfestigt. Erst dann wird die Reliefstickerei aufgebracht,
wie anhand der Figuren 2 bis 4 erläutert. Figur 7 zeigt wiederum schematisch und in
stark vergrösserter Darstellung den Schlingenverlauf mit den Tatamistichen 7 und den
stehenden Schlingen 6 der Reliefstickerei.
1. Verfahren zum maschinellen Versehen eines Artikels mit einer Reliefstickerei durch
Auflegen eines wasserlöslichen Unterlagsmaterials auf diesen Artikel vor dem Sticken
und Auflösen des Unterlagsmaterials in einem Wasserbad nach dem Sticken, dadurch gekennzeichnet, daß das Unterlagsmaterial aus Papier oder Pappe besteht und daß das Auflösen des
Unterlagsmaterials mittels Ultraschall unterstützt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Wasserbad erwärmt und/oder
in Bewegung versetzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Auflösen und Ausspülen
des Unterlagsmaterials in einem heizbaren Ultraschallreinigungsbad vorgenommen wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Papier
Reispapier ist.