[0001] Die Erfindung betrifft eine Turbomaschine mit zumindest einer mehrere Schaufeln tragenden
Rotorscheibe, wobei zur Verhinderung der laminaren Grenzschicht-Ablösung an den Schaufeln
ein Strömungsfluid in Form intermittierender Fluidpulse in die Nähe des Ablösungsgebietes
über in den Schaufeln vorgesehene und in Ausblaseöffnungen an der Schaufeloberfläche
mündende Fluidkanäle eingeblasbar ist. Zum bekannten Stand der Technik wird insbesondere
auf die DE 43 33 865 C2 verwiesen. Bekannten Stand der Technik bildet ferner das ASME-Paper
96-GT-486 mit dem von V. Schulte und HP. Hodson auf der IGTI-Konferenz in Birmingham,
1996, präsentierten Vortrag

Unsteady Wake-Induced Boundary Layer Transistion in High Lift LP turbines", in welchem
von sog.

beruhigten Zonen" gesprochen wird, welche in Grenzschichten auf der Beschaufelung
von Turbomaschinen beobachtet werden können.
[0002] Die relative Bewegung von Rotoren und Statoren in Turbomaschinen führt dazu, daß
die sog. Nachläufe der stromaufwärts liegenden Schaufelreihe mit den Grenzschichten
der Schaufelprofile der stromabwärts liegenden Schaufelreihe in Wechselwirkung treten.
Im Vergleich zur ungestörten Zuströmung kann es dabei zu vielfältigen Veränderungen
der Grenzschichtentwicklung und damit der Profilverluste kommen. Wenn die vorbeifahrenden
(instationären) Nachläufe auf eine überwiegend laminare oder abgelöste Profil-Grenzschicht
treffen, wie dies beispielsweise auf der Saugseite von Niederdruckturbinen bei niedrigen
Reynolds-Zahlen häufig der Fall ist, so wird die Position des Transitionsbeginns auf
der Saugseite periodisch nach vorne wandern. Dies ist durch den erhöhten äußeren Turbulenzgrad
der Nachläufe begründet, wobei experimentell zu beobachten ist (vgl. oben genannte
Literatur), daß eine Position auf der Schaufeloberfläche zuerst eine turbulente Zone
sieht, wonach zunächst eine sog. beruhigte Zone folgt und erst dann die Grenzschicht
wieder in ihren ursprünglichen ungestörten Zustand zurückkehrt. Die sog. beruhigte
Zone ist dabei eine grundsätzlich laminare Zone, da hierin keine turbulenten Schwankungsgrößen
auftreten, wobei jedoch die Wandschubspannung langsam von einem turbulenten Wert auf
einen laminaren Wert zurückschwenkt. Die beruhigte Zone ist folglich ein rein instationäres
Phänomen, das lediglich in instationär zum Umschlag gebrachten Grenzschichten entstehen
kann. Die gegenüber einer

normalen" laminaren Grenzschicht erhöhte Wandschubspannung stabilisiert dabei die
beruhigte Zone, so daß Ablösung und Transition in der beruhigten Zone verzögert werden.
[0003] Diese sog. beruhigten Zonen stellen somit ein spezielles instationäres Grenzschichtphänomen
dar, welches die vorteilhafte Möglichkeit bietet, eine laminare Ablösung z. B. auf
der Saugseite von Niederdruckturbinen zu verhindern, ohne die Grenzschicht voll turbulent
werden zu lassen. Dies erhöht die Stabilität der Grenzschicht im Vergleich zur komplett
laminaren Grenzschicht und verringert somit die Verluste, die bei einer voll turbulenten
Grenzschicht auftreten. Ferner stellt insbesondere in Niederdruckturbinen die sich
unter Umständen nicht wieder anlegende laminare Ablöseblase bei niedrigen Reynolds-Zahlen
ein Risiko für den Wirkungsgrad und eine Grenze für die Schaufelbelastung dar. Die
Kontrolle dieser Ablöseblase ist derzeit schwierig und kann im bisher bekannten Stand
der Technik im wesentlichen nur über die Formgebung der Schaufeln erfolgen.
[0004] Da die soeben kurz beschriebenen beruhigten Zonen eine verlustsenkende Wirkung haben,
während die durch die Nachläufe induzierten turbulenten Zonen dazu tendieren, die
Verluste zu erhöhen, wird angestrebt, mit geeigneten Maßnahmen derartige beruhigte
Zonen zu erzeugen, um diese dann als wirkungsgradoptimales Mittel zur Unterdrückung
von verlustreichen laminaren Ablöseblasen einsetzen zu können.
So können bekanntermasßen die vorteilhatten beruhigten Zonen durch gezielte aktive
Grenzschichtmaßnahmen erzeugt werden. Im Stand der Technik bereits bekannt ist eine
Grenzschichtanfachung zur Verhinderung von Ablöseblasen, und zwar durch Einblasen
von Strömungsfluid in das Ablösungsgebiet über in den Schaufeln vorgesehenen und an
der Schaufeloberfläche mündende Fluidkanäle (vgl. DE 30 43 567 C2 und DE 35 05 823
A1). Hierbei handelt es sich jedoch um quasi stationäre Maßnahmen.
[0005] Ferner ist es aus der oben genannten DE 43 33 865 C1 bekannt, hierfür instationäre
Maßnahmen zu ergerifen, indem die Einblasung in Form intermittierender Fluidpulse
erfolgt, was zur Folge hat, daß die Grenzschicht nicht voll turbulent wird, sondern
nur zeitweise turbulent und zeitweise auch beruhigt wird. Dies erzeugt gegenüber stationären
Maßnahmen wesentlich geringere Verluste, da die beruhigte Grenzschicht bezüglich der
Verlusterzeugung einer laminaren Grenzschicht gleichgesetzt werden kann.
[0006] Bei der DE 43 33 865 C1 ist zur Erzeugung der intermittierenden Fluidpulse in jeder
Schaufel bzw. in jedem Schaufelblatt der Turbomaschine ein als schwingungsfähige Blattfeder
ausgebildetes Ventil vorgesehen, welches die an der Schaufeloberfläche mündenden Fluidkanäle,
über welche das Strömungsfluid in die Grenzschicht eingeblasen wird, periodisch öffnet
und schließt. Durch dieses quasi taktend arbeitende Ventil werden somit die gewünschten
Fluidpulse erzeugt.
[0007] Theoretisch ist diese bekannte Lösung zwar realisierbar und wirkt grundsätzlich auch
überzeugend, jedoch ist diese Maßnahme, die an einer Rotorscheibe mit einer Vielzahl
von Turbomaschinen-Schaufeln ebenso eine vielzahl derartiger taktend arbeitender Ventile
benötigt, in der Praxis nicht umsetzbar.
[0008] Eine demgegenüber vereinfachte Lösung aufzuzeigen, mit Hilfe derer Fluidpulse an
einer Schaufeln tragenden Rotorscheibe einer Turbomaschine praxisnah, d.h. technisch
einfach umsetzbar, erzeugt werden können, ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung.
Zur Lösung dieser Aufgabe ist vorgesehen, daß stirnseitig der Rotorscheibe ein stationärer
Ring mit zumindest einer Durchtrittsöffnung vorgesehen ist, mit welcher die in der
vorbeieilenden Scheibe vorgesehenen Eintrittsöffnungen für die Schaufel-Fluidkanäle
periodisch zur Deckung kommen, um hierdurch das Strömungsfluid aus einem vor der Rotorscheibe
liegenden Raum in intermittierender Form als Fluidpulse über die zumindest eine Durchtrittsöffnung
in die Fluidkanäle gelangen zu lassen.
Vorteilhafte Aus- und Weiterbildungen sind Inhalt der Unteransprüche.
[0009] Anders als bei der Entstehung durch instationäre Nachläufe erlaubt es die erfindungsgemäße
Erzeugung der beruhigten Zonen durch aktive Maßnahmen, die Frequenz der Grenzschichtanfachung
sowie deren Position im Hinblick auf geringste Verluste zu optimieren. Die für die
intermittierende Grenzschichtanfachung intermittierend in das Ablösungsgebiet eingeblasenen
Fluidpulse führen dabei jeweils nur zu einer kurzzeitigen Beeinflussung der Grenzschicht
auf der Schaufeloberfläche und stellen für sich betrachtet einen vernachlässigbar
geringen Massenstrom dar. Ein bevorzugter Einsatz der Erfindung liegt bei sehr niedrigen
Reynolds-Zahlen und kann insbesondere zunächst in Niederdruckturbinen vorgesehen werden.
Dort ist es möglich, mit Hilfe dieser Erfindung den Arbeitsbereich herkömmlicher Schaufel-Profile
zu noch niedrigeren Reynolds-Zahlen zu erweitern, oder Hochauftriebsprofile einzusetzen,
welche ohne Einsatz der vorliegenden Erfindung einen nicht aktzeptablen Wirkungsgrad
durch eine zu große, möglicherweise sich nicht wieder anlegende Ablösung haben. Der
Einsatz von Hochauftriebsprofilen hat deutliche Gewichts- und Kostenvorteile, da hiermit
eine generelle Verringerung der Schaufelzahl möglich ist.
[0010] Optimiert werden kann die Einblase-Frequenz der intermittierenden Fluidpulse bevorzugt
im Hinblick auf den aerodynamischen Auslegungspunkt der Turbomaschine. Dabei kann
die Einblase-Frequenz in der Größenordnung der Blatt-Folgefrequenz einer die Schaufeln
tragenden Rotor- oder Statorscheibe liegen.
[0011] Ohne spezielle Ansteuerung realisierbar und nur einen geringen Zusatzaufwand erfordernd
ist die erfindungsgemäße, im folgenden beschriebene und in der beigefügten Prinzipskizze
gezeigte Anordnung an einer Turbomaschinen-Rotorscheibe wobei zur Verhinderung der
laminaren Grenzschicht-Ablösung an den Schaufeln ein Strömungsfluid in Form intermittierender
Fluidpulse in die Nähe des Ablösungsgebietes über in den Schaufeln vorgesehene und
in Ausblaseöffnungen an der Schaufeloberfläche mündende Fluidkanäle eingeblasbar ist
[0012] Dabei zeigt Fig. 1 u.a. eine Schaufel eines Turbinen-Rotors mit davorliegender Stator-Schaufel,
Fig. 2 die Ansicht A-A aus Fig. 1 und Fig. 3 den Schnitt B-B aus Fig. 1.
[0013] In einem Strömungskanal 1 - dieser wird gemäß dem gezeigten Pfeil durchströmt - einer
Turbomaschine befinden sich wie üblich ringförmig angeordnet und dabei eine sog. Statorscheibe
bildend mehrere Stator-Schaufeln, von denen eine dargestellt und mit der Bezugsziffer
2 bezeichnet ist. Stromab dieser Stator-Schaufel 2 erkennt man eine Rotor-Schaufel
3, von welchen sich ebenfalls mehrere ringförmig angeordnet auf einer Turbomaschinen-Rotorscheibe
4 befinden. Auf der Oberfläche der Schaufeln 3 sind schaufelsaugseitig Ausblaseöffnungen
5 vorgesehen, die mit einem Fluidkanal 6, der innerhalb der Schaufel 3 verläuft, in
Verbindung stehen. Jeder Fluidkanal 6 einer Rotorschaufel 3 setzt sich dabei in der
Rotorscheibe 4 fort und wird darin zur Stirnseite 4' der Rotorscheibe geführt, wo
er in Form einer Eintrittsöffnung 7 mündet.
[0014] In Anströmrichtung bezüglich der Schaufel 3 befindet sich vor der Stirnseite 4' der
Rotorscheibe 4 ein stationärer Ring 8, der zumindest eine, bevorzugt jedoch über seinem
Umfang verteilt mehrere Durchtrittsöffnungen 9 aufweist, oberhalb sowie unterhalb
derer jeweils eine Dichtung 10 zur Rotorscheibe 4 hin vorgesehen ist. Der im Raum
11 zwischen der gezeigten Rotorscheibe 4 sowie der nicht gezeigten, in Strömungsrichtung
davorliegenden Rotorscheibe herrschende Totaldruck ist höher als der im Bereich der
Ausblaseöffnung öffnung 5 anliegende statische Druck. Dies bewirkt, daß zu dem Zeitpunkt,
zu welchem die Eintrittsöffnung 7 der am stationären Ring 8 vorbeieilenden Rotorscheibe
4 mit einer Durchtrittsöffnung 9 im stationären Ring zur Deckung kommt, ein kurzer
Fluidpuls des im Raum 11 befindlichen Strömungsfluids in den entsprechenden Fluidkanal
6 gelangen kann. Dieser Fluidpuls 6 setzt sich dann im Fluidkanal 6 zu den Austrittsöffnungen
5 hin fort, gelangt über diese Austrittsöffnungen 5 auf die Schaufeloberfläche und
veranlaßt dort die beschriebene aktive Grenzschichtanfachung. Da aufgrund des Vorbeieilens
der Rotorscheibe 4 an der Durchtrittsöffnung 9 dieses In-Deckung-Kommen mit der Eintrittsöffnung
7 lediglich sehr kurzzeitig ist, wird auch tatsächlich nur der erwünschte kurze Fluidpuls
erzeugt. Durch die relative Bewegung der Eintrittsöffnung 7 gegenüber der Durchtrittsöffnung
9 wird somit mit einer Frequenz, die abhängig ist von der Drehzahl der Rotorscheibe
4 sowie von der Anzahl der Durchtrittsöffnungen 9 im stationären Ring ein intermittierender
Lufteintritt in den Fluidkanal 6 ermöglicht. Die Dauer des Fluidpulses hängt dabei
von der Größe jeder Durchtrittsöffnung 9 insbesondere in Umfangsrichtung ab.
[0015] Wie bereits erwähnt, können auf dem stationären Ring 8 über dessen Umfang verteilt
mehrere Durchtrittsöffnungen 9 vorgesehen sein, um die gewünschte Frequenz der intermittierenden
Fluidpulse zu erzeugen. Diese mehreren Durchtrittsöffnungen 9 werden auch aus Fig.
2 ersichtlich. Ebenso wie die Zahl dieser Durchtrittsöffnungen 9 kann auch die Zahl
der Ausblaseöffnungen 5 sowie deren Position im Hinblick auf die gewünschten Ergebnisse
optimiert werden. Sinnvollerweise werden jedoch diese Ausblaseöffnungen 5 in einer
im wesentlichen radial verlaufenden Reihe entsprechend dem im wesentlichen in radialer
Richtung verlaufenden Fluidkanal 6 mit genau bestimmter Teilung und Durchmesser an
einer genau bestimmten axialen Position angebracht. Dabei sind selbstverständlich
eine Vielzahl von Abwandlungen vom gezeigten Ausführungsbeispiel möglich, ohne den
Inhalt der Patentansprüche zu verlassen.
1. Turbomaschine mit zumindest einer mehrere Schaufeln (3) tragenden Rotorscheibe (4),
wobei zur Verhinderung der laminaren Grenzschicht-Ablösung an den Schaufeln ein Strömungsfluid
in Form intermittierender Fluidpulse in die Nähe des Ablösungsgebietes über in den
Schaufeln (3) vorgesehene und in Ausblaseöffnungen (5) an der Schaufeloberfläche mündende
Fluidkanäle (6) eingeblasbar ist,
dadurch gekennzeichnet, daß stirnseitig der Rotorscheibe (4) ein stationärer Ring
(8) mit zumindest einer Durchtrittsöffnung (9) vorgesehen ist, mit welcher die in
der vorbeieilenden Scheibe (4) vorgesehenen Eintriftsöffnungen (7) für die Schaufel-Fluidkanäle
(6) periodisch zur Deckung kommen, um hierdurch das Strömungsfluid aus einem vor der
Rotorscheibe liegenden Raum (11) in intermittierender Form als Fluidpulse über die
zumindest eine Durchtrittsöffnung (9) in die Fluidkanäle (6) gelangen zu lassen.
2. Turbomaschine nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß die Größe und/ oder die Anzahl der Durchtrittsöffnungen
(9) im stationären Ring (8) im Hinblick auf eine gewünschte Einblase-Frequenz der
intermittierenden Fluidpulse ausgelegt ist.
3. Turbomaschine nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die Einblase-Frequenz in der Größenordnung der Blatt-Folgefrequenz
einer die Schaufeln (2, 3) tragenden Rotorscheibe (4) oder Statorscheibe liegt und
im Hinblick auf den aerodynamischen Auslegungspunkt der Turbomaschine optimiert ist.