TECHNISCHES GEBIET
[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf die elektrische Energieumwandlung mittels
Drehstromtransformatoren in elektrischen Netzwerken. Sie betrifft einen Drehstromransformator,
wie er im Oberbegriff des ersten Anspruchs beschrieben ist.
TECHNOLOGISCHER HINTERGRUND UND STAND DER TECHNIK
[0002] In vermaschten elektrischen Energieversorgungsnetzen oder Ringnetzen besteht vielfach
die Aufgabe, die Stromverteilung im Netz zu ändern, um einen Zweig vor Überlastung
zu schützen oder um einen möglichst guten Wirkungsgrad in der Gesamtstromverteilung,
also kleinste Netzverluste, zu erreichen. Dies wird dadurch möglich, dass man in das
Ringnetz eine Spannung einfügt, die Kreisströme bewirkt. Die Überlagerung der bisherigen
Netzströmen mit diesen Kreisströmen ergibt eine geänderte Stromverteilung im Netz
und damit auch in den im Netz installierten, parallel betriebenen Transformatoren.
[0003] Das Hinzufügen einer Zusatzspannung U
z in einem Netzzweig kann innerhalb des Netzes sowohl die Wirkleistungsverteilung wie
auch die Blindleistungsverteilung in gewünschter Weise beeinflussen. Hierfür weist
die Zusatzspannung U
z eine sogenannte Längskomponente auf, welche mit der Netzspannung in Phase liegt,
und eine Querkomponente, die gegen die Netzspannung 90° phasenverschoben ist. Eine
Änderung der Längskomponente nimmt Einfluss auf die Blindleistungsverteilung im Netz
und die Variation der Querkomponente steuert den Wirkleistungsfluss.
[0004] Eine nach dem obigen Prinzip wirkende Zusatzspannung U
z wird üblicherweise in Drehstromnetzen mittels dreiphasiger Spartransformatoren realisiert,
wie beispielsweise in "Elektrische Maschinen" von Bödefeld/Sequenz, Springer Verlag
1971, auf den Seiten 86ff beschrieben ist. Für eine Steuerung der Längskomponente
kommt ein normaler Stern-Spartransformator mit verschiedenen Spannungsabgriffen zum
Einsatz, welcher im folgenden Längsregeltransformator genannt wird. Die Steuerung
der Querkomponete wird meistens mit einem ebenfalls als Serientransformator ausgebildeten
Dreieck-Spartransformator, einem sogenannten Querregeltransformator, vorgenommen.
Dementsprechend werden für eine kombinierte Längs- und Querregelung in einem Netzzweig
ein Haupttransformator mit einem Längsregeltransformator und einem Querregeltransformator
in Serie geschaltet. Der Haupttransformator dient der Kopplung des Oberspannungsnetzes
und des Unterspannungsnetzes und die in Serie geschalteten Längs- und Querregeltransformatoren
erlauben durch Regelung eine verlustärmere und damit wirtschaftlichere Ausnutzung
von parallelgeschalteten Transformatoren. Nachteilig an der beschriebenen Serienschaltung
sind allerdings die hohen Erstellungskosten für die zusätzlichen Regeltransformatoren
und ihr umfangreicher Platzbedarf. Desweiteren sind Längs- und Querregeltransformatoren
ebenfalls verlustbehaftet und weisen namentlich Kupfer- und Eisenverlust auf.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Drehstromtransformator der eingangs
genannten Art dahingehend weiterzuentwickeln, dass er eine einfachere und kostengünstigere
Längs- und Querregelung zur geeigneten Lastverteilung in einem elektrischen Netz ermöglicht,
wobei der für die Längs- und Querregelung benötigte Platzbedarf reduziert, und im
Vergleich zum Stand der Technik eine Reduktion der Netzverlustleistung erzielt werden
soll.
[0006] Erfindungsgemäss wird diese Aufgabe durch die Merkmale des ersten Anspruchs gelöst.
[0007] Der Kern der Erfindung ist darin zu sehen, dass innerhalb eines Drehstromtransformatorgehäuses
sowohl die geforderte Energieübertragung zwischen zwei galvanisch getrennten Netzen
vorgenommen wird als auch eine gewünschte Längs- und Querregelung zur Blind- und Wirkleistungsverteilung
in einem Energienetz vorgenommen wird. Hierfür wird zu einer primärseitigen oder einer
sekundärseitigen Phasenspannung eine stufenweise einstellbare Längsspannung, und jeweils
eine stufenweise einstellbare Querspannung der beiden benachbarten Phasen addiert.
[0008] Die Vorteile der Erfindung sind unter anderem darin zu sehen, dass die sonst zwecks
regelbarer Blind- und Wirkleistungsverteilung separat in Reihe zu einem Haupttransformator
geschalteten Läng- und Querregeltransformatoren lediglich auf wenige Zusatzwicklungen
im Haupttransformator reduziert werden. Durch diese Massnahme werden sowohl Baukosten
wie auch Betriebskosten reduziert. An dieser Stelle umfassen die Ersparnisse bei den
Baukosten die kostenintensiven Transformatorkerne, das Wicklungskupfer und die nötige
Stellfläche der zusätzlichen Transformatoren. Betriebskostenersparnisse sind vor allem
durch die geringeren Eisen- und Kupferverluste zu verzeichnen.
[0009] Ausführungsbeispiele der Erfindung sowie die damit erzielbaren Vorteile werden nachfolgend
anhand der Zeichnungen erläutert.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNG
[0010] In der Zeichnung sind Ausführungsbeispiele der Erfindung schematisch dargestellt,
und zwar zeigen:
- Fig. 1
- einen Längsschnitt eines Drehstromtransformators mit Längs- und Querregelwicklungen;
- Fig. 2
- eine alternative Ausführungsform des Drehstromtransformators;
[0011] Es sind nur die für das Verständnis der Erfindung wesentlichen Elemente gezeigt.
WEG ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
[0012] In Fig. 1 ist mit E der Eisenkern eines Drehstromtransformators vom Kerntransformatortyp
bezeichnet. Dieser Drehstromtransformator weist drei Primärwicklungen U
pw, V
pw und W
pw mit den drei Phasenspannungen U
p, V
p und W
p auf und weiterhin weist der Transformator drei Sekundärwicklungen U
SW, V
SW und W
SW mit den drei Phasenspannugen U
s, V
s und W
s auf. Auf jedem Eisenkernschenkel sind pro Phase U, V, W des weiteren jeweils eine
Längsregelwicklung U
L, V
L und W
L und jeweils zwei Querregelwicklungen angeordnet, nämlich U
Q1, U
Q2 in der Phase U, V
Q1, V
Q2 in der Phase V und W
Q1, W
Q2 in der Phase W.
[0013] Wie bereits erläutert wurde, dienen Längs- und Querregeltransformatoren der gezielten
Blind- und Wirkleistungsverteilung in einem Energieverteilungsnetz. Erfindungsgemäss
wird diese Blind- und Wirkleistungsverteilung durch geeignete elektrische Verbindungen
der Längsregelwicklungen U
L, V
L und W
L und der Querregelwicklungen, U
Q1, U
Q2, V
Q1, V
Q2, W
Q1, W
Q2 mit den Primär- und Sekundärwicklungen U
PW, V
PW, W
PW, U
SW, V
SW und W
SW erreicht. Die nötigen Regelverfahren zur Blind- und Wirkleistungsverteilung sind
hinlänglich in Verbindung mit der Verwendung herkömmlicher Längs- und Querregeltransformatoren
bekannt, so dass diese Regelverfahren an sich im folgenden nicht näher erläutert werden.
Die Erfindung betrifft vorrangig eine elektrische Schaltung, an welcher herkömmliche
Regelverfahren zur Anwendung gelangen können.
[0014] Wie in Fig. 1 gezeigt wird, ist die Sekundärwicklung U
sw der Phase U über einen Stufenschalter 1 mit einer in gleicher Phase liegenden, aus
einer Anzahl Teilwicklungen bestehenden, Längsregelwicklung U
L verbunden. Die beiden Sekundärwicklungen V
SW und W
SW der benachbarten Phasen V und W sind entsprechend der Installation in Phase U mit
den Längsregelwicklungen V
L und W
L elektrisch über den Stufenschalter 1 verbunden. Der installierte Stufenschalter 1
ist somit in allen drei Phasen U, V, W mit entsprechenden Stufenkontakten zur Ansteuerung
der jeweiligen Teilwicklungen der Längsregelwicklungen U
L, V
L und W
L ausgerüstet, die eine in Grenzen stufenweise Variation der entsprechenden Phasenspannungen
U
s, V
s und W
s erlaubt. Hierbei werden alle Phasen gleichzeitig mit nur einem Stufenschalter 1 um
den gleichen Betrag m in p.u. mittels Regelung variiert. Der zur Phasenspannung U
s addierte Spannungsanteil der Längsregelwicklungen U
L mit der Grösse m*U
s kann also je nach gewähltem Schaltstellung des Stufenschalters 1 positiv oder negativ
sein, so dass die resultierende Phasenspannung vergrössert oder verkleinert wird.
Mit der Regelkorrektur der Längsregelwicklungen betragen die resultierenden Sekundärspannungen
U
s+m*U
p, V
s+m*V
p und W
s+m*W
p.
[0015] Eine geregelte Änderung der Stellung des Stufenschalters 1 wird in einem Energieverteilungsnetz
mit mehreren parallelbetriebenen Drehstromtransformatoren zur Verminderung des Blindstromaustausches
und der damit verbundenen Verluste eingesetzt.
[0016] Die Primärwicklung U
pw der Phase U ist in Hintereinanderschaltung mit den Querregelwicklungen V
Q1 und W
Q2 verbunden. Auch hier werden die an den Querregelwicklungen V
Q1 und W
Q2 anstehenden Spannungen über einen Stufenschalter 2 an entsprechenden Teilwicklungen
der Querregelwicklungen abgegriffen, wobei die Beträge der Spannugen gleich gross
sind, nämlich n*V
p und n*W
p, und stufenweise variierbar zwischen n in p.u..
[0017] Die Phasenwinkel der an V
Q1 und W
Q2 anstehenden Spannungen sind gemäss Schaltschema und Stellung des Stufenschalters
2 beide voreilend oder beide nacheilend bezüglich der Phasenspannung U
p. Dies liegt daran, dass beispielsweise die Spannung an V
Q1 bei einer gewählten Stufenschalterstellung phasengleich mit der Phasenspannug V
p abgegriffen wird, während die hinzuaddierte Spannung an W
Q2 zur Phasenspannung W
p in Phasenopposition steht. Es treten also bezogen auf Up lediglich die Kombinationen
60°-voreilende Spannung an V
Q1 mit 120°-voreilender Spannung an W
Q2 auf, oder 60°-nacheilende Spannung an W
Q2 mit 120°-nacheilender Spannung an V
Q1, und die resultierende Spannung ergib sich dann zu U
p+n*(V
p-W
p). Die Addition der Spannungen an den Querwicklungen ergibt aufgrund Betragsgleichheit
und der aufgezeigten Wahl der Phasenwinkel immer eine zu U
p senkrecht stehende, sogenannte Querspannung, die, einer geeigneten Regelung folgend,
entweder 90°-voreilend oder 90°-nacheilend ist. Diese Querspannung wird der Phasenspannung
U
p hinzuaddiert, wodurch sich die resultierende Spannung in Betrag und Phase von U
p unterscheidet. Diese erzielte Phasenverschiebung führt zu einer bevorzugten Wirkleistungsverteilung
und zu reduzierten Verlusten.
[0018] Entsprechend der Installation an der Primärwicklung U
pw sind auch V
pw und W
pw über den Stufenschalter 2 mit den entsprechenden Querregelwicklungen der benachbarten
Phasen verbunden. So ist V
pw angeschlossen an den Querregelwicklungen W
Q1, und U
Q2, und W
pw ist verbunden mit U
Q1 und V
Q2, und die resulierenden Spannungen ergeben sich zu V
p+n*(W
p-U
p) und W
p+n*(U
p-V
p).
[0019] Alle Spannugsabgriffe an den Querregelwicklungen U
Q1, U
Q2, V
Q1, V
Q2, W
Q1, W
Q2 werden über den einen Stufenschalter 2 bedient und sie sind betragsmässig gleich
gross, nämlich n*U
p, n*V
p und n*W
p.
[0020] Die Fig. 2 zeigt eine alternative Ausführungsvariante der Erfindung. Die Längsregelung
wird hier an den Primärseite des Drehstromtransformators vorgenommen und die Querregelung
an der Sekundärseite. Dementsprechend ist die Primärwicklung U
PW über den Stufenschalter 1 mit der Längsregelwicklung U
L verbunden und die Sekundärwicklung U
SW über den Stufenschalter 2 mit den Querregelwicklungen V
Q1 und W
Q2 der benachbarten Phasen. Durch zyklisches Drehen ergeben sich die Verbindungen der
beiden anderen Phasen. Die Längsregelwicklung V
L ist über den Stufenschalter 1 mit der Primärwicklung V
pw verbunden, der Stufenschalter 2 verbindet die Sekundärwicklung V
sw mit den Querregelwicklungen W
Q1 und W
Q2. In Phase W ist die Längsregelwicklung U
L über den Stufenschalter 1 mit der Prmärwicklung W
pw, und die Sekundärwicklung U
sw mit den Querregelwicklungen U
Q1 und U
Q2 verbunden.
Das Wirkprinzip dieser Alternativlösung ist gleich dem der in Fig. 1 dargestellten
ersten Lösung.
[0021] Denkbar im Sinn der Erfindung ist auch eine kombinierte Quer- und Längsregelung ausschliesslich
auf der Primärseite oder auf der Sekundärseite des Drehstromtransformators. Desweiteren
ist die erfindungsgemässe Schaltungsanordnung zweifelsohne auch in anderen Transformatortypen,
wie Fünfschenkeltransformator oder Manteltransformator denkbar, wobei selbstverständlich
auch andere Wicklungsanordnungen wie die in den Ausführungsbeispielen gezeigten Stern-Stern-Schaltungen
möglich sind. Dabei ist die konzentrische Anordnung aller Einzelwicklungen weder zwingend
notwendig noch ist deren Lage radiale Verteilung auf einem Schenkel des Eisengestells
vorgeschrieben.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0022]
- U, V, W
- Phasen
- Up, Vp, Wp
- primärseitige Phasespannungen
- Us, Vs, Ws
- primärseitige Phasespannungen
- UPW, VPW, WPW
- Primärwicklungen
- USW, VSW, WSW
- Sekundärwicklungen
- UL, VL, WL
- Längsregelwicklungen
- UQ1, VQ1, WQ1
- Querregelwicklungen
- UQ2, VQ2, WQ2
- Querregelwicklungen
- E
- Eisenkern
- 1, 2
- Stufenschalter
1. Drehstromtransformator, der pro Phase (U, V, W) mindestens eine primärseitige Wicklung
(Upw, Vpw, Wpw) und mindestens eine sekundärseitige Wicklung (USW, VSW, WSW) aufweist, welche auf einem Schenkel eines Eisenkerns (E) installiert sind, wobei
der Drehstromtransformator für den Einsatz in einem elektrischen Energieübertragungsnetz
mit einer Längs- und/oder einer Querregelung zur Erzielung einer geeigneten Blind-
und/oder Wirkleistungstverteilung versehen ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass an jedem Schenkel pro Phase (U, V, W) mindestens eine Längsregelwicklung (UL, VL, WL) und/oder mindestens zwei Querregelwicklungen (UQ1, VQ1, WQ1, UQ2, VQ2, WQ2) mit der primärseitigen Wicklung (Upw, Vpw, Wpw) und/oder der sekundärseitigen Wicklung (Usw, Vsw, Wsw) in Wirkverbindung stehen.
2. Drehstromtransformator nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Längsregelwicklung (UL, VL, WL) entweder mit der auf dem gleichen Schenkel einer Phase (U, V, W) angeordneten primärseitigen
(UPW, VPW, WPW) oder der sekundärseitigen Wicklung (Usw, Vsw, Wsw) elektrisch verbunden ist.
3. Drehstromtransformator nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass entweder die primärseitige (UPW, VPW, WPW) oder die sekundärseitige Wicklung (USW, VSW, WSW), welche auf dem Schenkel einer Phase (U, V, W) angeordnet sind, elektrisch mit mindestens
jeweils einer Querregelwicklungen (UQ1, VQ1, WQ1, UQ2, VQ2, WQ2) der beiden benachbarten Phasen (U, V, W) verbunden ist.
4. Drehstromtransformator nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Längsregelwicklung (UL, VL, WL) und die Querregelwicklungen (UQ1, VQ1, WQ1, UQ2, VQ2, WQ2) aus Teilwicklungen bestehen.