[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Halten von Ausrüstungsteilen im oberen
Bereich von Passagierkabinen, insbesondere von Gepäckablagen in Flugzeugpassagierkabinen,
die mit Befestigungsmitteln an der Rumpfstruktur befestigt sind.
[0002] Gepäckablagen in Verkehrsflugzeugen werden üblicherweise mittels festen Verbindungen,
beispielsweise Beschläge, Bolzen, Stangen an der Rumpfstruktur des Flugzeuges befestigt.
Befestigungsstellen an der Rumpfstruktur sind Spante, Stringer oder die Rumpfhaut.
Die Befestigung genügt dabei den einschlägigen Sicherheitsvorschriften, insbesondere
für Extrembelastungen, die während sogenannter "emergency landing conditions" auftreten.
Damit wird sichergestellt, daß auch unter den Extrembelastungen die Gepäckablagen
an ihrem vorgesehenen Ort verbleiben und eine Verletzungsgefahr für Passagiere durch
herunterfallende Gepäckstücke oder Gepäckablagenteile minimiert und so den Passagieren
ein Höchstmaß an Sicherheit geboten wird. Es verbleibt jedoch ein Restrisiko, da unter
den extremen Umständen einer Notlandung die Belastungen höher sein können, als in
den Vorschriften angegeben. In solchen Fällen ist ein Herunterfallen der Gepäckablagen
und damit eine Verletzungsgefahr für die Passagiere nicht vollständig auszuschließen.
Eine Auslegung der herkömmlichen Befestigungsmittel für höhere Belastungen würde einen
erheblichen Konstruktions- und Änderungsaufwand bedeuten und auch nur mit einem höheren
Gewicht der Befestigungmittel sowie der angeschlossenen Struktur zu realisieren sein.
[0003] Demgemäß liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine gattungsgemäße Vorrichtung
so auszubilden, daß Ausrüstungsteile innerhalb der Passagierkabine wie Gepäckablagen
bzw. Teile von Gepäckablagen insbesondere bei Extrembelastungen nicht herunterfallen.
Für die Menschen an Bord eines Flugzeuges ist mit kostengünstigen und unaufwendigen
Mitteln eine Minimierung des Restrisikos und damit ein Höchstmaß an Sicherheit und
ein wirksamer Schutz vor schweren Verletzungen durch herunterfallende Ausrüstungsteile
zu realisieren.
[0004] Diese Aufgabe wird mit den in Patentanspruch 1 angegebenen Maßnahmen gelöst.
[0005] Weiterbildungen und zweckmäßige Ausgestaltungen ergeben sich aus den Unteransprüchen
2 - 8.
[0006] Die Erfindung wird nachstehend beschrieben, wobei die Ausbildung der Vorrichtung
anhand des in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert ist.
In den Figuren sind gleiche Bauteile mit gleichen Bezugszeichen versehen.
[0007] Die Zeichnung zeigt
- in Fig. 1
- ein Querschnitt einer Passagierkabine eines Flugzeuges in der im oberen Bereich Gepäckablagen
angeordnet sind und
- in Fig. 2
- eine Darstellung einer an der Rumpfstruktur eines Flugzeuges im seitlichen Bereich
angeordneten Gepäckablage.
[0008] In Fig. 1 ist eine Passagierkabine 1 eines Flugzeuges 2 im Querschnitt dargestellt.
Die Passagierkabine 1 ist im Oberdeck des Flugzeuges 2 angeordnet. Verkleidungen und
Ausrüstungsteile, die zur Ausstattung der Passagierkabine gehören, sind am Flugzeug
2 unter anderem an der oberen Rumpfschale 3 befestigt. Seitliche Gepäckablagen 4,
5 und mittlere Gepäckablagen 6, 7 sind innerhalb der Passagierkabine 1 im Bereich
oberhalb von Passagieren bzw. Passagiersitzen angeordnet. Die Gepäckablagen 4, 5,
6, 7 sind mittels Befestigungselementen mit der Rumpfstruktur verbunden. Befestigungselemente
können unter anderem Beschläge, Bolzen oder Stangen sein, die eine starre Verbindung
zwischen Rumpfstruktur und Gepäckablage realisieren. Die seitlichen Gepäckablagen
4 bzw. 5 sind an jeweils drei Anschlußpunkten 8a, 8b, 8c bzw. 9a, 9b, 9c an der Rumpfstruktur
3 befestigt. Die Anschlußpunkte 8a und 9a stellen mit Beschlägen und Bolzen eine Verbindung
zwischen Spant und Gepäckablage her und sichern die Gepäckablage 4 bzw. 5 vornehmlich
in senkrechter Richtung. Die Anschlußpunkte 8b und 9b stellen mit Beschlägen, Stangen
und Bolzen eine Verbindung zwischen Spant und Gepäckablage 4 bzw. 5 her und sichern
die Gepäckablage 4 bzw. 5 vornehmlich in waagerechter Richtung. Die Anschlußpunkte
8c und 9c stellen mit Beschlägen, Stangen und Bolzen eine Verbindung zwischen Stringer,
Rumpfhaut und der Gepäckablage 4 bzw. 5 her und sichern die Gepäckablage 4 bzw. 5
in Flugzeuglängsrichtung. Die mittleren Gepäckablagen 6 und 7 sind im Mittelbereich
an der Rumpfoberschale 3 entlang der Flugzeuglängsachse angeordnet. An einem Spant
in diesem Bereich ist vorzugsweise eine Y-Strebe 12 befestigt, die unter anderem zum
Halten von Deckenverkleidungsteilen 14, 15 genutzt wird. Ein Beschlag 13, der die
Verbindung zu den mittleren Gepäckablagen 6 und 7 herstellt, ist an der Y-Strebe 12
ebenfalls angeordnet. Der Beschlag 13 weist nach unten gerichtete Haltearme 16, 17
auf, an denen jeweils an Anschlußpunkten 10 oder 11 eine mittlere Gepäckablage 6 oder
7 hängt. Darüber hinaus werden die mittleren Gepäckablagen 6 und 7 durch Beschläge,
Stangen und Bolzen an Stringern und Rumpfhaut im oberen Bereich der Rumpfstruktur
3 befestigt und so in Flugzeuglängsrichtung gesichert.
Die Befestigung der Gepäckablagen 4, 5, 6 und 7 an der Rumpfstruktur ist so ausgelegt,
daß unter anderem auch bei in den Sicherheitsvorschriften vorgegebenen Extrembelastungen
die Gepäckablagen 4, 5, 6 und 7 an ihrem vorgesehenen Ort verbleiben. Es verbleibt
jedoch ein Restrisiko, da unter extremen Bedingungen auch Belastungen auftreten können,
die größer sind als in den Vorschriften angegeben. Zur Minimierung dieses Restrisikos
werden die Gepäckablagen 4, 5, 6 und 7 erfindungsgemäß durch zusätzliche Haltemittel
gesichert. Die Haltemittel 18 und 19 dienen zur Sicherung der mittleren Gepäckablagen
6 und 7 und die Haltemittel 22 und 23 sind zur Sicherung der seitlichen Gepäckablage
4 vorgesehen, wie in Fig. 1 ersichtlich. Haltemittel für die seitliche Gepäckablage
5 sind nicht gezeigt, entsprechen aber der an der Gepäckablage 4 vorgesehenen Anordnung.
Erfindungsgemäß sind die Haltemittel als Sicherheitsseile, Sicherheitsbänder oder
Sicherheitsgurte ausgebildet, die einerseits mit der Rumpfstruktur 3 und andererseits
mit den Gepäckablagen 4, 5, 6 und 7 verbunden sind. Die Seile, Bänder oder Gurte sind
in der bevorzugten Ausgestaltung aus Kunstoffmaterialien, beispielsweise Polyamid
gefertigt. Die Kunststoffmaterialien bieten sich wegen des Gewichtsvorteils und der
Möglichkeit der Energieaufnahme durch große plastische Verformungen an, wobei sie
so auszuwählen sind, daß die Brandschutzvorschriften für Flugzeuginnenräume eingehalten
werden.
Es ist vorgesehen, daß die Haltemittel im Normalbelastungszustand nicht belastet sind
und erst bei Auftreten einer Extrembelastung, die zum Bruch der regulären Befestigungselemente
und damit zum Herunterfallen der Gepäckablage 4, 5, 6 und 7 führen würde, die Haltemittel
wirken.
In Fig. 1 sind die Sicherheitsseile 18 und 19 ersichtlich, wobei jeweils ein Seil
18 oder 19 für eine mittlere Gepäckablage 6 oder 7 vorgesehen ist. Zur Fixierung der
Seile 18, 19 ist vorzugsweise eine gekreuzte Anordnung der Seile vorzusehen. Eine
Verwendung von mehreren Seilen je Gepäckablage ist ebenfalls möglich, wie die Sicherheitsseile
22 und 23 für die seitliche Gepäckablage 4 zeigen. Diese Ausführung ist als Einzelheit
in Fig. 2 gezeigt, welche im Anschluß an die Beschreibung der Fig. 1 näher erläutert
wird.
Das Sicherheitsseil 18 bzw. 19 ist als ein die Gepäckablage 6 bzw. 7 umschlingender
Seilring ausgebildet. Als Befestigung an der Rumpfstruktur 3 sind vorteilhaft vorhandene
Aussparungen bzw. Ausnehmungen an den Spanten oder vorhandene Öffnungen der Rumpfstrukturteile
zu nutzen. Somit ist es möglich, daß die Haltemittel als Sicherheitseinrichtung ohne
weitreichende Änderungen der bestehenden Konstruktion auch nachträglich in eine Passagierkabine
eingebracht werden können, wobei das zusätzliche Gewicht dieser Sicherheitseinrichtung
nur minimal ist. Die Sicherheitsseile 18 und 19 können mit üblichen Verbindungselementen,
wie Schlaufen und Karabinerhaken versehen sein. Damit kann ein um die Gepäckablage
geführter Seilring realisiert werden oder direkt das Sicherheitsseil an den Seitenwänden
der Gepäckablage befestigt werden. Bei der in Fig. 1 gezeigten Lösung ist für die
mittleren Gepäckablagen 6 und 7 ein entsprechender Seilring 18, 19 je Gepäckablage
mit der Rumpfstruktur 3 verbunden und unterhalb der Gepäckablage 6 und 7 entlang vorhandener
Längsprofile 20 und 21 so verlegt, daß eine Fixierung des Seilringes 18 oder 19 unterhalb
der Gepäckablage 6 oder 7 erfolgt. Diese zusätzliche Sicherung der Gepäckablagen 6
und 7 ist im Falle der Normalbelastung nicht aktiv. Erst wenn beispielsweise im Falle
eines Crashs die Befestigungselemente nicht halten und die Gepäckablage 6 bzw. 7 herunterfallen
würde, fängt der Seilring 18 bzw. 19 das Teil ab. Die Haltemittel müssen dafür in
der Lage sein, durch bleibende Verformung Energie aufzunehmen und so die Spitzenlasten
zu reduzieren. Ebenso ist das Risiko des Versagens der Flugzeugstruktur an den Befestigungsstellen
der Haltemittel infolge der elastischen Krafteinleitung verringert.
[0009] In Fig. 2 ist eine seitliche Gepäckablage 4 als Einzelheit gezeigt. Die Gepäckablage
4 ist am Anschlußpunkt 8a mittels einer Beschlag-Bolzen-Verbindung und an den Anschlußpunkten
8b, 8c mittels einer Beschlag-Bolzen-Stangen-Verbindung an der Rumpfoberschale 3 befestigt.
Weiterhin sind Haltemittel 22, 23 vorgesehen, die eine weitere Verbindung zwischen
Rumpfoberschale 3 und Gepäckablage 4 schafft. Die Gepäckablage 4 ist mit den Haltemitteln
22, 23 an der Rumpfoberschale 3 befestigt, wobei vorhandene Öffnungen 24, 25 zwischen
Rumpfhaut, Spant und Clip ausgenutzt werden. Die Haltemittel 22 und 23 sind in dieser
Ausgestaltung jeweils als ein Seilring ausgebildet und verlaufen unterhalb des Bodens
der Gepäckablage entlang von Halteschienen 26, 27, die für die unterhalb der Gepäckablage
4 angeordneten Passagierversorgungseinheiten (sogenannten PSU's) vorgesehen sind.
Die Seilringe 22 und 23 bzw. Sicherheitsseile anderer Art können auch unter Ausnutzung
vorhandener Öffnungen und Fixierpunkte der Flugzeugstruktur in einer anderen Weise
um die Gepäckablage geführt werden. Wesentlich ist, daß eine Vorrichtung zum Halten
realisiert ist, die im Normalbelastungszustand nicht aktiv ist und erst bei Abreißen
der üblichen Befestigungsmittel wirkt.
1. Vorrichtung zum Halten von Ausrüstungsteilen im oberen Bereich von Passagierkabinen,
insbesondere von Gepäckablagen in Flugzeugpassagierkabinen, die mit Befestigungselementen
an der Rumpfstruktur befestigt sind, dadurch gekennzeichnet, daß Haltemittel (18, 19, 22, 23) vorgesehen sind, die mit der Rumpfstruktur (3) und den
Ausrüstungsteilen (4, 5, 6, 7) verbunden sind und eine solche Wirkverbindung bilden,
daß sie im Normalbelastungszustand nicht belastet sind und im Extrembelastungszustand
nach Versagen wenigstens eines Befestigungselementes (8a, 8b, 8c; 9a, 9b, 9c; 10,
11) die Ausrüstungsteile (4, 5, 6, 7) in der vorgegebenen Position halten.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Haltemittel (18, 19, 22, 23) als Sicherheitsseile, -bänder oder -gurte ausgebildet
sind.
3. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Haltemittel (18, 19, 22, 23) mit Verbindungselementen, wie Schlaufen und Karabinerhaken
versehen sind.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Haltemittel (18, 19, 22, 23) zumindest einen die Gepäckablage umschlingenden Seilring
bilden und entlang (vorhandener) Längsprofile (20, 21, 26, 27) unterhalb der Gepäckablage
(4, 5, 6, 7) führbar sind.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Haltemittel (18, 19, 22, 23) an den Seitenteilen der Gepäckablage befestigbar
sind.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Haltemittel (18, 19, 22, 23) an Ausnehmungen bzw. Öffnungen (24, 25) in Strukturteilen
befestigbar sind.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Haltemittel (18, 19) an den an Strukturteilen vorhandenen Befestigungselementen
(12) für Verkleidungen (14, 15) oder Ausrüstungen befestigbar sind.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Haltemittel (18, 19) mit zusätzlichen Befestigungselementen an der Rumpfstruktur
(3) befestigbar sind.