I. Anwendungsgebiet
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Erstellen von Bohrlöchern und insbesondere
zum Verlegen von Leitungen in diesen Bohrlöchern im Boden, ohne den Boden aufgraben
zu müssen.
II. Technischer Hintergrund
[0002] Jedes Wohn- und Geschäftsgebäude wird über eine Vielzahl von unterirdisch verlegten
Leitungen ver- und entsorgt, sei es mit Wasser, Gas, elektrischem Strom etc.
[0003] Früher wurden zum Verlegen derartiger Leitungen im Boden Gräben ausgeschachtet, die
Leitungen darin verlegt und die Gräben anschließend wieder verfüllt. Im freien Gelände
sind die Folgekosten für die Wiederherstellung der Bodenoberfläche hierfür relativ
gering. Wenn sich dieser Vorgang dagegen in einer Ortschaft mit geteerten Straßen,
gepflasterten Gehwegen und ähnlichem vollziehen soll, steigen die durch die Wiederherstellung
der Bodenoberfläche bedingten Kosten drastisch an, und verteuern damit diese konventionelle
Methode der Leitungsverlegung ganz besonders.
[0004] Deshalb ist es bereits bekannt, Leitungen zu verlegen, ohne einen Graben entlang
der gesamten Leitungslänge aufgraben zu müssen.
[0005] Dabei wird mit einem Bohrgerät ein Bohrgestänge, welches sich aus einer Vielzahl
hintereinander gesetzter, in der Regel miteinander verschraubter, jeweils mehrerer
Meter langer, Bohrstangen zusammensetzt, von der Bodenoberfläche aus flach schräg
in den Untergrund gebohrt. Die Richtung des Bohrfortschritts, also des am vorderen
Ende des Bohrgestänges vorhandenen Bohrkopfes, kann dabei relativ gut gesteuert werden,
so daß die Bohrung zunächst flach schräg nach unten geführt wird, bis die geforderte
Soll-Tiefe erreicht ist, und dann im wesentlichen horizontal weitergebohrt wird, und
zwar wiederum unter Steuerung des Bohrkopfes in die gewünschte Richtung.
[0006] Die zu verlegende Rohrleitung wird dadurch in das Bohrloch eingebracht, daß nach
Fertigstellen der Bohrung und vor dem Zurückziehen des Bohrgestänges die einzuziehende
Rohrleitung, meist eine etwas flexible Stahl- oder Kunststoffleitung, mittels einer
speziellen Vorrichtung am vorderen Ende des Bohrgestänges befestigt und damit beim
schrittweisen Zurückziehen des Bohrgestänges die zu verlegende Leitung in das vorhandene
Bohrloch eingezogen wird.
[0007] Dabei wird das Bohrgestänge von einem am hinteren Ende stirnseitig am Bohrgestänge
befestigten Bohrantrieb vorwärtsgeschoben und zusätzlich in der Regel das Bohrgestänge
rotierend angetrieben und/oder durch Austritt von Wasser unter hohem Druck aus dem
Bohrkopf das vor dem Bohrkopf befindliche Material herausgespült, meist durch eine
hohle Durchgangsöffnung im Bohrgestänge.
[0008] Dieses Verfahren wird vor allem zum Verlegen von Leitungen über größere Strecken,
beispielsweise 100 m oder mehrere Hundert Meter, verwendet, so daß die für eine durchgängig
in der Tiefe zu verlegende Leitung nicht nutzbare Anfangsstrecke, auf welcher die
Bohrung erst ihre Soll-Tiefe erreicht, einen vertretbaren Aufwand darstellt. Zusätzlich
ist das hierfür verwendete Bohrgerät, welches unter anderem eine schräg nach unten
weisende Lafette zum Führen des Bohrgestänges aufweisen muß, groß und mindestens zwei
Tonnen schwer, da das Gewicht des Bohrgerätes teilweise als Wiederlager für die Kraft
zum Vorwärtspressen des Bohrgestänges dient.
[0009] Gerade beim Anschluß von Gebäuden besteht jedoch ein spezielles Problem:
[0010] Der meist unter der Straße verlaufende Hauptstrang einer Versorgungsleitung, beispielsweise
einer Gas-, Wasser- oder Stromleitung, soll über eine hiervon quer abzweigende Hausanschlußleitung
eines der an der Straße stehenden Gebäude erschließen.
[0011] Dabei ist es auch heute noch üblich, diese Hausanschlußleitungen durch Ausschachten
eines Grabens konventionell zu verlegen, da an den Enden dieser Hausanschlußleitung,
nämlich am Verbindungspunkt mit dem Hauptstrang der Versorgungsleitung einerseits
und am Durchbruch durch die Kellerwand des Hauses andererseits, ohnehin Platz und
Zugänglichkeit für manuelle Arbeiten vorhanden sein muß, und der größte Teil des auszuhebenden
Grabens ohnehin nur über das Grundstück des in der Regel noch in der Bauphase befindlichen
Gebäudes verläuft, so daß keine großen Oberflächenarbeiten anfallen. Allerdings wird
über einen Teil des Grabens die fertig erstellte Straßenoberfläche zerstört und muß
anschließend wieder sorgfältig instandgesetzt werden, wobei insbesondere bei Teerungsarbeiten
dies nie mehr wieder den Originalzustand wie bei einer durchgängig geteerten Straße
ergibt.
[0012] Es wäre daher wünschenswert, auch für diesen und ähnliche Anwendungsfälle ein Verfahren
bzw. eine Vorrichtung zur Verfügung zu haben, welche in der Bodenoberfläche z. B.
im Bereich der geteerten oder gepflasterten Straße nur ein minimal kleines Loch erfordert,
und nicht einen Graben über die gesamte Länge der zu verlegenden Leitung, z. B. der
Hausanschlußleitung.
[0013] Das bisher bekannte Bohrverfahren mit dem Eindringen der Bohrung flach schräg in
den Untergrund ist gerade für das vorbeschriebene Erstellen von Hausanschlußleitungen
aus verschiedenen Gründen nicht geeignet:
[0014] Mit dem bekannten Verfahren kann zwar die Bohrung relativ genau gesteuert werden,
aber es ist nicht möglich, einerseits mit der einzubringenden Bohrung möglichst nah
an der anzuschließenden Hauptleitung vorbeizubohren, ohne nicht gleichzeitig das Risiko
einzugehen, diese Leitung beim Bohren zu beschädigen.
[0015] Darüber hinaus müßte das Einbringen der Bohrung in den Untergrund an einer von dem
Hauptstrang relativ weit seitlich versetzten Position aus erfolgen. Das Aufstellen
des Bohrgerätes würde damit entweder auf der gegenüberliegenden Straßenseite erfolgen
und damit eine komplette Straßenseite sperren, oder - da die dadurch entstehende Querenffernung
in der Regel nicht ausreichend sein dürfte - in dem im anzuschließenden Haus gegenüberliegenden
Grundstück. Dies würde bedeuten, daß man mit einem z. B. 2 t schweren Bohrgerät in
ein angelegtes Gartengrundstück einfahren müßte. Die dabei entstehenden Zerstörungen
und Wiedererstellungsarbeiten lassen bereits aus Kostengründen diese Methode ausscheiden,
wobei in der Praxis hierzu auch nicht noch die notwendige Zustimmung des Grundstückseigentümers
zu erhalten wäre.
III. Darstellung der Erfindung
a) Technische Aufgabe
[0016] Es ist daher die Aufgabe gemäß der Erfindung, ein Verfahren sowie eine Vorrichtung
zu schaffen, um derartige im wesentlichen horizontale Bohrlöcher und darin zu verlegende
Leitungen mit geringstmöglicher Beschädigung der Oberfläche, insbesondere nur einer
relativ kleinen Öffnung in der Bodenoberfläche, vorzugsweise im Bereich des Anschlusses
zwischen Hauptstrang und abzweigender Leitung, herstellen zu können.
b) Lösung der Aufgabe
[0017] Diese Aufgabe wird durch die kennzeichnenden Merkmale der Ansprüche 1 und 9 gelöst.
Vorteilhafte Ausführungsformen ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0018] Durch das Einbringen eines vertikalen Startschachtes im Bereich des anzuschließenden
Hauptstranges werden zwei Probleme gleichzeitig gelöst:
[0019] Einerseits wird hier Freiraum geschaffen für die nach Verlegen der Hausanschlußleitung
manuell durchzuführende Verbindung von Hauptstrang und Hausanschlußleitung. Der Startschacht
wird dabei entweder konventionell mittels eines Baggers ausgehoben, oder mit einem
speziellen Verfahren mittels Ausspülen senkrecht in die Tiefe getrieben, was deshalb
sinnvoll ist, weil der Startschacht sich bis etwas unterhalb der anzuschließenden
Hauptstranges erstrecken muß. Bei mechanischem Ausheben des Startschachtes mit Baggerschaufel
etc. kann dabei dieser Hauptstrang leicht beschädigt werden, oder es muß umständlich
und langsam ab einer gewissen Tiefe von Hand ausgeschachtet werden.
[0020] Dies ist angesichts eines Querschnittes des Startschachtes an der Oberfläche und
auch im Erdboden von ca. 70 x 40 cm in der Horizontalen, einer Tiefe von jedoch 1
m bis 1,50 m nur schwierig zu realisieren.
[0021] Das zweite zu lösende Problem besteht im unmittelbar benachbarten Verlauf des anzuschließenden
Hauptstranges und der einzubringenden Hauptanschlußleitung quer zueinander, also ein
Anbringen der Hauptanschlußleitung unmittelbar über oder unterhalb des Hauptstranges,
um die beiden Leitungen anschließend mit Hilfe eines passenden T-Stückes oder anderen
Adapters auf einfache Art und Weise und ohne Längenüberbrückung miteinander verbinden
zu können.
[0022] Wenn von einem offenen Startschacht aus, durch welchen der Hauptstrang hindurchverläuft,
die Bohrung begonnen wird, kann das Bohrloch unmittelbar, also nur Millimeter, oberhalb
oder unterhalb des Hauptstranges quer abstrebend begonnen werden, und zwar vorzugsweise
von der dem Hauptstrang gegenüberliegenden Seite des Startschachtes aus.
[0023] Das Arbeiten von einem Startschacht aus ermöglicht es weiterhin, die Leitung in einer
im wesentlichen geraden Verbindungslinie zwischen dem Abzweigungspunkt vom Hauptstrang
und dem Endpunkt der Hausanschlußleitung im Gebäude herzustellen. Vom Startschacht
aus kann also bereits in dieser Richtung, in der Regel einer horizontalen Richtung,
der Vortrieb begonnen werden, so daß während der Bohrung nur sehr geringe Richtungsbeeinflussungen
notwendig sind. Dies ermöglicht es, ein Bohrgestänge zu verwenden, welches relativ
starr ist.
[0024] Dies wiederum gibt die Möglichkeit, das Bohrgestänge auch aus sehr kurzen, miteinander
zu verschraubenden Bohrstangen herzustellen:
[0025] Eine einzelne Bohrstange ist nur in ihrem mittleren Bereich, also nicht im Bereich
ihrer stirnseitigen Verschraubungen mit den beiden benachbarten Bohrstangen, flexibel.
Die Verschraubung selbst darf keinesfalls spielbehaftet sein, da hierdurch die Richtungssteuerbarkeit
des gesamten Bohrgestänges zunichtegemacht würde. Da im Bereich der spielfreien Verschraubung
selbst ein aus Rohren bestehendes Bohrgestänge sehr viel steifer ist als in dem mittleren
Bereich der einzelnen Bohrstangen, ist das Bohrgestänge im Bereich seiner Verschraubungen
als kaum seitenbeweglich zu betrachten.
[0026] Entsprechend ist ein Bohrgestänge, welches sich aus Bohrstangen zusammensetzt, deren
am Anfangs- und Endbereich vorhandene Verschraubungen ca. 20-25 % der Gesamtlänge
jeder Bohrstange ausmachen, als insgesamt wenig elastisch in Querrichtung anzusehen.
[0027] Da im vorgenannten Fall nur eine sehr geringe Seitenauslenkung der Bohrung notwendig
ist, kann das Bohrgestänge also aus sehr vielen einzelnen, sehr kurzen Bohrstangen
zusammengesetzt werden. Dies ermöglicht es, von einem Startschacht aus, dessen Querschnitt
in der Tiefe nicht größer ist als der vorgegebene kleine Querschnitt in der Bodenoberfläche,
einen horizontalen Bohrungsfortschritt mit einem Bohrgestänge zu erzielen, dessen
einzelne Bohrstangen in der Richtung der Bohrachse an das hintere Ende des vorhandenen
Bohrgestänges angesetzt werden. Dadurch müssen die einzelnen Bohrstangen deutlich
kürzer sein als die in der Horizontalen gemessene Länge des Querschnittes des Startschachtes.
[0028] Weiterhin ist es nicht sinnvoll, bei Arbeiten von einem derartigen Startschacht aus
die Bohrung voranzutreiben durch Ausspülen mittels unter Hochdruck vom Bohrkopf aus
in den Boden eingebrachten Wassers. Dieses Wasser würde sich an der Rückseite des
Bohrgestänges, also im Startschacht, sammeln, und die anschließenden Arbeiten zur
Verbindung von Hauptstrang und Hausanschlußleitung unmöglich machen, ohne vorher das
gesamte Wasser abzupumpen etc.
[0029] Durch die Verwendung eines sehr stabilen Bohrgestänges, insbesondere durch Bohrstangen
aus Vollmaterial oder zumindest aus Rohren mit sehr großer Wanddicke, ist es möglich,
die Bohrung primär, insbesondere ausschließlich, durch Vorwärtspressen des Bohrgestänges
zu erstellen. Dies ist besonders für Arbeiten von einem Startschacht aus geeignet,
da sich der Bohrantrieb, welcher das Bohrgestänge vorwärtspressen muß, gut an der
gegenüberliegenden Wand des Startschachtes abstützen kann.
[0030] Ein Rotieren des Bohrgestänges, um das Bodenmaterial vor dem Bohrkopf abzuschaben
bzw. aufzulockern, ist dabei nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Ein Drehen des Bohrgestänges
um weniger als 360° muß jedoch möglich sein, da über eine an der Spitze des Bohrgestänges
vorhandene, asymmetrische Schräge und deren Winkellage bezüglich der Bohrachse die
Richtung der Bohrvorschubes gesteuert wird.
[0031] Durch das Ansetzen der Bohrstange in Richtung der Bohrachse, welche im wesentlichen
horizontal verläuft, ist es weiterhin möglich, die neu hinzuzufügenden bzw. zu entnehmenden
Bohrstangen bereits in dieser horizontalen Lage von einem Vorratsmagazin aus in den
Startschacht einzubringen bzw. zu entfernen. Dadurch werden Schwierigkeiten aufgrund
Richtungsänderung der Bohrstangen bei der Zuführung wie Verklemmen etc. weitestgehend
vermieden.
[0032] Mittels eines Bohrstangenwechslers, der über einen eigenen Wechslermotor verfügt,
werden die hinzuzufügenden Bohrstangen jeweils auf das hintere Ende des Bohrgestänges
aufgeschraubt. Vorzugsweise erfolgt vorher bereits mit Hilfe des Wechslermotors und
des daran befestigten Gewindestutzens auch die Aufnahme aus dem höherliegenden Bohrstangenmagazin.
[0033] Der Bohrantrieb selbst, der - wie vorher beschrieben - primär oder ausschließlich
ein Vorwärtspressen in Richtung der Bohrachse vornimmt, ist im Startschacht parallel
zur Bohrachse längs hin- und herverschiebbar, und zwar wenigstens um die Länge einer
einzelnen Bohrstange. Vorzugsweise verfährt der Bohrantrieb zwischen einer vorgeschobenen
Position, die unmittelbar am Beginn des Bohrloches im Startschacht liegt, und einer
zurückgezogenen Position, die in der Nähe der an der gegenüberliegenden Wandung angeordneten
Bohrstangenwechseleinrichtung angeordnet ist, hin und her.
[0034] Sowohl der Bohrstangenwechsler als auch der Bohrantrieb sind vorzugsweise innerhalb
eines Bohrturmes angeordnet, welcher aus einem Gitterwerk aus Metallrohren besteht
und vorzugsweise an seinen Umfangswänden mit Platten gegen ein Hereinfallen von Erdreich
in den Startschacht verkleidet ist. Dieser Bohrturm wird im Ganzen, beispielsweise
mittels einer Handwinde, von oben her in den Startschacht abgesenkt. Da sich der Startschacht
und auch der Bohrturm während des Einbringens der Bohrung bis unterhalb des durch
den Startschacht verlaufenden Hauptstranges erstreckt, sind im Bohrturm und dessen
Wandungen auf der Seite des Hauptstranges entsprechende, von unten im Bohrturm her
offene, Aussparungen vorzusehen.
[0035] Vorzugsweise wird dabei der Startschacht so eingebracht, daß sich der an zuschließende
Hauptstrang unter dem Bohrstangenwechsler befindet, während sich der wesentlich mehr
Raum beanspruchende Bohrantrieb zwischen dem Hauptstrang und der gegenüberliegenden
Wandung des Startschachtes, in welche die Bohrung einzubringen ist, befindet. Dabei
kann sich das Gehäuse des Bohrantriebes bis unterhalb der Unterkante des Hauptstranges
erstrecken.
[0036] Das Bohrstangenmagazin besteht in einer vertikalen oder schrägen Rutsche, in welcher
die Bohrstangen übereinander liegen. In der untersten Position ist die Rutsche stirnseitig
offen zur Entnahme der untersten Bohrstange aus dem Magazin. In dieser Entnahmeposition
befindet sich die Bohrstange im wesentlichen vertikal über der Bohrachse, und kann
daher von dem vertikal gegenüber dem Bohrturm verfahrbaren Bohrstangenwechsler entnommen
werden:
[0037] Hierzu wird der Wechselschlitten, auf dem sich auch der Wechslermotor befindet, bis
auf die Höhe der Entnahmeposition angehoben, der auf der Motorachse des Wechslermotors
befindliche Gewindestutzen eine vorbestimmte Zeitdauer lang in die der Entnahmeposition
des Bohrstangenmagazins befindliche Bohrstange eingeschraubt (wobei die Bohrstange
durch die darauflastenden anderen Bohrstangen oder ein zusätzliches Gewicht am Mitdrehen
gehindert wird) und durch Verfahren des Wechslermotors mit Gewindestutzen entlang
dem Wechslerschlitten in horizontaler Richtung aus dem Magazin entnommen. Nach dem
Absenken bis auf die Bohrachse wird durch Drehung in Gegenrichtung und Vorwärtsschieben
des Wechslermotors mit der Bohrstange diese Bohrstange auf das hintere Ende des in
der Bohrung befindlichen Bohrgestänges aufgeschraubt. Das Bohrstangenmagazin endet
vorzugsweise im Bohrturm unterhalb der Bodenoberfläche, beginnt aber oberhalb der
Bodenoberfläche und kann dabei zusätzlich schräg aus dem Gestänge des Bohrturmes herausragen,
für eine leichtere Beschickung von Hand mit zusätzlichen Bohrstangen.
[0038] Der Bohrturm selbst wird innerhalb des Startschachtes durch horizontal wirkende hydraulische
Klemmzylinder verklemmt, um nicht nur hortizontal, sondern auch vertikal die einmal
definiert eingenommene Position für das Einbringen der Bohrung auch zu halten.
c) Ausführungsbeispiele
[0039] Eine Ausführungsform gemäß der Erfindung ist im folgenden anhand der Figuren beispielhaft
näher beschrieben. Es zeigen:
- Fig. 1:
- das erfindungsgemäße Bohrgerät in der Seitenansicht,
- Fig. 2:
- das Gerät gemäß Fig. 1 von vorne in Blickrichtung der Bohrachse, und
- Fig. 3:
- das Gerät in der Aufsicht von oben.
[0040] Bei den Figuren 1 und 2 zeigen die Figuren 1a bzw. 2a jeweils den unteren, im Startschacht
2, befindlichen Teil der Vorrichtung, während die Figuren 1b bzw. 2b den oberen, teilweise
über die Bodenoberfläche 5 hinausragenden Teil zeigen.
[0041] Die Elemente des Bohrgerätes sind dabei innerhalb eines aus Metallprofilen gefertigten
Bohrturmes 11 untergebracht, dessen Außenflächen vorzugsweise - in den Zeichnungen
nicht dargestellt - mit Metallplatten beplankt sind, um nach dem Absenken des Bohrturmes
11 in den Startschacht 2 ein Hereinfallen von Bodenmaterial in den Bohrturm 11 zu
verhindern.
[0042] Der Bohrturm 11 wird beispielsweise mittels einer - in den Zeichnungen nicht dargestellten
- Handwinde in den Startschacht 2 abgesenkt, und kann zu diesem Zweck etwa in einem
über dem Startschacht abgestellten Hilfsrahmen mit Hilfe von Führungsrollen, Gleitbahnen
etc. vertikal geführt werden.
[0043] Im unteren Teil der Fig. 1a ist horizontal verlaufend die Bohrachse 3 und das in
der linken Seitenwand eingebrachte Bohrloch 1 zu erkennen. In dieses Bohrloch 1 soll
später eine Stichleitung eingezogen werden, welche mit dem hierzu quer durch den unteren
Teil des Startschachtes 2 verlaufenden Hauptstrang 8 einer Versorgungsleitung mit
Hilfe einer Muffe etc. verbunden werden kann.
[0044] Zu diesem Zweck verläuft das Bohrloch 3 und damit die spätere Anschlußleitung knapp
oberhalb des Hauptstranges 8 von dem zwei mögliche unterschiedliche Größen in Fig.
1a dargestellt sind. Der Bohrturm 11 weist im Bereich des Hauptstranges 8 von unten
her offene Aussparungen in seinen Seitenwänden auf, um mit seiner Unterkante bis unterhalb
des Hauptstranges 8 abgesenkt werden zu können.
[0045] Die wesentlichen Elemente der erfindungsgemäßen Vorrichtung sind alle am bzw. innerhalb
des Bohrturmes 11 untergebracht:
[0046] Zum einen der Bohrantrieb 9, welcher das Bohrgestänge nach links in Richtung der
Bohrachse 3 vorwärtspreßt bzw. beim Herausnehmen des Bohrgestänges aus dem Bohrloch
3 das Bohrgestänge 6 wieder zurückzieht, weiter der sich vertikal erstreckende Bohrstangenwechsler
12, welcher das im Bohrloch 3 befindliche Bohrgestänge 6 durch Ansetzen von zusätzlichen
Bohrstangen 7 an dessen hinteren Ende schrittweise verlängert bzw. beim Zurückziehen
des Bohrgestänges 6 schrittweise verkürzt sowie das Bohrstangenmagazin 19, in welchem
die am Bohrgestänge 6 anzusetzenden Bohrstangen 7 bevorratet werden bzw. die Schrägrutsche
24, in welche die vom Bohrgestänge 6 abgenommenen Bohrstangen hineinfallen und seitlich
aus dem Bohrturm 7 oberhalb der Bodenoberfläche 5 herausrutschen, um dort vom Bedienpersonal
gereinigt, auf Beschädigungen überprüft und für erneute Verwendung eingefettet zu
werden.
[0047] Auf der Bohrachse 3 ist aus Übersichtlichkeitsgründen in den Figuren 1 und 2 kein
Bohrgestänge eingezeichnet, jedoch in Fig. 3. Dabei ist zu erkennen, daß sich das
Bohrgestänge 6 aus hintereinander gesetzten, stirnseitig miteinander verschraubten
Bohrstangen 7 zusammensetzt, wie eine davon auch in Fig. 1a, aufgeschraubt auf den
Gewindestutzen 34 des Wechslermotors 13, dargestellt ist.
[0048] Jede Gewindestange 7 weist dabei an ihrem Außenumfang eine Ringnut 18 auf.
[0049] Wie in Fig. 1a zu erkennen, bewegt sich der Bohrstangenwechsler 12 im wesentlichen
vertikal oberhalb des Hauptstranges 8. Die mittels des Bohrstangenwechslers 12 transportierte
Bohrstange 7d bewegt sich dabei innerhalb einer im wesentlichen vertikalen Transportschneise
10. Der Bohrantrieb 9 ist auf der Bohrachse 3 entlang von Führungen 29 mit Hilfe von
Hydraulikkolben 30 verschiebbar. Zum Vorwärtspressen des Bohrgestänges 6 und damit
zum Vorwärtstreiben der Bohrung ergreift der Bohrantrieb 9 die hinterste, noch im
Bereich des Bohrturmes 11 positionierte Bohrstange 7 des Bohrgestänges 6, und der
gesamte Bohrantrieb 9 wird über die in Fig. 1a dargestellte Position hinaus nach links
verschoben. Der Bohrantrieb 9 bewegt sich damit zwischen der in Fig. 1a linken Wand
des Startschachtes 2 und dem Hauptstrang 8, welche nahe der gegenüberliegenden Schachtwand
angeordnet ist, hin und her.
[0050] Der Bohrantrieb 9 kann neben einer Axialbewegung in Richtung der Bohrachse 3 das
Bohrgestänge auch zusätzlich drehen, und zwar sowohl während der Linearbewegung oder
auch separat. Zu diesem Zweck ist die das Bohrgestänge haltende Drehbacke 33 des Bohrantriebes
9 gegenüber dessen Gehäuse 35 koaxial zur Bohrachse 3 drehbar bzw. schwenkbar. Dies
dient der Richtungssteuerung im Zusammenwirken mit einer an der Spitze des Bohrgestänges
asymmetrisch angeordneten Schräge.
[0051] Weiterhin weist der Bohrantrieb einen vor der Drehbacke 33 angeordnete Losbrechbacke
32 auf, welche das Bohrgestänge drehfest gegenüber dem Gehäuse 35 des Bohrantriebes
halten kann.
[0052] Eine weitere Klemmbacke 21 ist in unmittelbarer Nähe des Bohrloches 3 bezüglich des
Bohrgestänges 6 fest am Bohrturm 11 angeordnet. Auch diese Klemmbacke 21 besteht -
wie besser anhand Fig. 2a zu erkennen, aus zwei quer gegen das Bohrgestänge gerichteten
einzelnen Backen, die jeweils, oder gemeinsam mittels eines Hydraulikzylinders 21',
welcher mit seinem einen Ende fest gegenüber dem Bohrturm 11 gelagert ist, betrieben
werden.
[0053] Am unteren Ende des Bohrturmes 11, noch unterhalb des Bohrantriebes 9 und des Hauptstranges
8, sind in Richtung der Bohrachse 3 verlaufende Klemmzylinder 22a, 22b am Bohrturm
11 fest angeordnet, welche am freien Ende ihrer Kolbenstange eine Preßplatte 25 aufweisen.
Da in diesem Bereich der Bohrturm 11 keine Außenbeplankung aufweist, wird durch Ausfahren
der notfalls in der Regel hydraulisch betriebenen Kolbenstangen dieser Klemmzylinder
22 deren Preßplatten 25 gegen die Wand des Startschachtes 2 gepreßt und damit der
Bohrturm 11 gegen die gegenüberliegende Wandung des Startschachtes 2. Damit wird der
gesamte Bohrturm 11 im Startschacht 2 fixiert, was für die Fluchtung der durch den
Bohrantrieb 9 bezüglich des Bohrturmes 11 definierten Bohrachse 3 gegenüber dem begonnenen
Bohrloch 1 wichtig ist.
[0054] Auf der vom Bohrantrieb 9 gegenüberliegenden Seite im Startschacht 2 ist der Bohrstangenwechsler
12 oberhalb des Hauptstranges 8 angeordnet. Der Bohrstangenwechsler 12 besteht dabei
im wesentlichen aus einem Wechslermotor 13 mit einem Gewindestutzen 34, der vorzugsweise
direkt auf der Abtriebswelle des Wechslermotors 13 angeordnet ist. Dieser Gewindestutzen
13 ist mit einem passenden Gewinde ausgestattet, um auf das auf die hintere Stirnseite
der Bohrstangen 7 angeordnete Gewinde zum Verbinden der einzelnen Bohrstangen miteinander
aufgeschraubt werden zu können. Wie in Fig. 1a ersichtlich, handelt es sich dabei
vorzugsweise um ein entlang einer Kegelfläche aufgebrachtes Außengewinde an der Bohrstange
7, wobei vorzugsweise eine runde Gewindeform verwendet wird, um Beschädigungen weitestgehend
zu vermeiden. Entsprechend weist der Gewindestutzen 34 ein hierzu konträres Innengewinde
auf, und der Wechslermotor 13 ist mit seiner Rotationsachse parallel zur Bohrachse
3 des Bohrantriebes 9 orientiert. Der Wechslermotor 3 kann dabei sowohl in Richtung
der Bohrachse 3 als auch quer hierzu, vertikal entlang des Bohrturmes 11, bewegt werden:
[0055] Zu diesem Zweck ist der Wechslermotor 13 auf einem Motorrahmen 16 befestigt. Der
Motorrahmen 16 ist mittels Rollen 36, die an ihrem Außenumfang eine Ringnut aufweisen,
entlang von zwei vorzugsweise vertikal beabstandeten, vorzugsweise Rundstangen als
Motorrahmenführungen 17 entlang der Bohrachse 3 verfahrbar. Die Motorrahmenführungen
17 sind dabei wiederum auf einem Wechslerschlitten 14 befestigt, welcher mittels vorzugsweise
analog ausgebildeter Rollen 39 in vertikaler Richtung entlang von stangenförmigen
Schlittenführungen 15 verfahrbar ist, welche in Richtung der Bohrachse 3 beabstandet
im Bohrturm 11, in der Nähe der von dem Bohrantrieb 9 gegenüberliegenden Stirnseite,
angeordnet sind.
[0056] Der Wechslermotor 13 kann mit Hilfe des Wechslerschlittens 14 in vertikaler Richtung
so verfahren werden, daß er mit seiner Rotationsachse in der untersten Position mit
der Bohrachse 3 fluchtet, und in seiner obersten Position - wie am besten in Fig.
2b zu erkennen - mit einem im oberen Bereich des Bohrturmes 11 angeordneten Greifer
23, der wiederum mittels eines - vorzugsweise doppelt wirkenden - Hydraulikzylinders
23' betätigt wird. Zwischen diesen beiden Endpositionen, vorzugsweise noch unterhalb
des Niveaus der Bodenoberfläche 5, jedenfalls oberhalb der Bohrachse 3, befindet sich
auf dem Bewegungsweg des Wechslermotors 13 die Entnahmeposition eines Magazins 19
für neue, am Bohrgestänge 6 anzusetzende Bohrstangen 7a, 7b, 7c. Dieses Magazin 19
besteht im wesentlichen aus einer hohlprofilartigen Umfassung 20, welche schräg ansteigend
bis maximal vertikal angeordnet ist, und in welche die Bohrstangen 7 von oben her
eingefüllt werden.
[0057] An ihrem unteren Ende weist die Umfassung 20 einen Anschlag für die unterste Bohrstange
7a auf und die Umfassung 20 ist auf der dem Wechslermotor 13 zugewandten Stirnseite
der untersten Bohrstange 7a offen.
[0058] Das Magazin 19 ragt dabei vorzugsweise bis über das Niveau der Bodenoberfläche 5
auf und erstreckt sich dabei bzw. seitlich aus dem Bohrturm 11 heraus, um vom Bedienpersonal
leichter mit Bohrstangen 7 gefüllt werden zu können.
[0059] Wenn sich der Wechslermotor 13 fluchtend zu der in der Entnahmeposition im Magazin
19 aufgenommenen Bohrstange 7a befindet, kann der Wechslermotor 13 durch Längsbewegung
entlang seiner Rotationsachse und gleichzeitige Drehung des Gewindestutzens 34 auf
die Bohrstange 7a geschraubt werden. Diese wird dabei am Mitdrehen gehindert durch
das Gewicht der auf ihr lastenden, darüber liegenden Bohrstangen sowie ggf. eines
zusätzlich in dem Magazin 19 abgelegten Gewichtes 42. Durch Zurückfahren des Wechslermotors
13 zusammen mit der Bohrstange 7a entlang der Rotationsachse des Wechslermotors 13
wird die Bohrstange 7a aus dem Magazin 19 entnommen und kann an das Bohrgestänge 6
angefügt werden.
[0060] Oberhalb des unteren Endes des Magazins 19 ist im vertikalen Bewegungsweg der mittels
des Bohrstangenwechslers 12 transportierten Bohrstangen unterhalb des Greifers 23
eine Schrägrutsche 24 so angeordnet, daß deren hochliegendes Ende noch unterhalb des
Greifers 23 liegt. Ein mittels des Bohrstangenwechslers 12 nach oben in den Greifer
23 hinein beförderte Bohrstange 7 drückt dabei die Schrägrutsche 24, welche um eine
Schwenkachse aus diesem Bewegungsweg herausgeklappt werden kann, zur Seite. Anschließend
kippt die Schrägrutsche 24 aufgrund der Schwerkraft in die in Fig. 2b dargestellte
Funktionslage zurück. In dieser Funktionslage fallen zunächst vom Greifer 23 gehaltene
Bohrstangen 7k nach dem Loslassen in die Schrägrutsche 24 hinein und rollen entlang
dieser Schrägrutsche seitlich aus dem Bohrturm 11 heraus, wo sie vom Bedienungspersonal
für die Reinigung und Weiterbearbeitung entgegengenommen werden.
[0061] Die Funktion der erfindungsgemäßen Vorrichtung wird im folgenden anhand der Figuren
beschrieben.
[0062] Es wird von einer bereits begonnenen Bohrung ausgegangen, die weiter vorangetrieben
werden soll.
[0063] In diesem Fall fährt der Wechslerschlitten 14 des Bohrstangenwechslers 12 nach oben
zur Entnahme einer neuen Bohrstange 7a aus dem Magazin 19. Dabei befindet sich der
Motorrahmen 16 mit dem Wechslermotor 13 in der horizontal am weitesten vom Bohrloch
zurückgezogenen Position, also am rechten Rand des Startschachtes 2 in Fig. 1a.
[0064] Der Wechslerschlitten 14 wird dabei entlang der Führungen 15 soweit nach oben gefahren,
bis der Gewindestutzen 34, welcher mit dem Wechslermotor 13 drehgekoppelt ist, mit
dem Gewinde der untersten, in der Entnahmeposition des Magazins 19 befindlichen, Bohrstange
7a fluchtet. Dann wird der Gewindestutzen 34 auf seiner Rotationsachse nach links,
also nach vorne, gegen diese Bohrstange 7a gefahren und vom Wechslermotor 13 drehend
angetrieben, so daß der Gewindestutzen 34 mit der Bohrstange 7a verschraubt wird.
Dieses Aufschrauben wird durch einen Zeitschalter, welcher mit dem Wechslermotor 13
gekoppelt ist, auf eine bestimmte Zeitdauer von einigen Sekunden begrenzt.
[0065] Um ein Greifen der Gewinde des Gewindestutzens 34 und der Bohrstange 7a zu ermöglichen,
muß ein Druck in axialer Richtung vorhanden sein. Zu diesem Zweck wird der Gewindestutzen
34 mit dem Wechslermotor 13 horizontal axial verfahren, indem der Motorrahmen 16 gegenüber
dem Wechslerschlitten 14 in Richtung der Bohrachse 3 entlang der Motorrahmenführungen
17a, 17b verfahren wird. Dies geschieht mit Hilfe eines am Wechslerschlitten 14 befestigten
Hydraulikkolbens 37, welcher den Motorrahmen 16 horizontal verschiebt.
[0066] Da das Aus- und Einfahren dieses Hydraulikkolbens 37 nicht so genau steuerbar ist,
wie es dem Axialfortschritt beim Einschrauben eines Gewindes mit definierter Drehzahl
entspricht, ist zwischen dem Hydraulikkolben 37 und dem dadurch bewegten Motorrahmen
16 wenigstens eine Feder 38, vorzugsweise für beide Bewegungsrichtungen jeweils eine
Feder 38a, 38b zwischengeschaltet, um hier den notwendigen Längenausgleich in Richtung
der Bohrachse 3 zu gewährleisten.
[0067] Um weiterhin Fluchtungsfehler zwischen der Rotationsachse des Gewindestutzens 34
und der im Magazin befindlichen Bohrstange 7a auszugleichen, ist der Gewindestutzen
34 vorzugsweise fest auf der Abtriebswelle des - hydraulischen oder elektrischen -
Wechslermotors 13 angeordnet, dieser Wechslermotor 13 jedoch nicht fest gegenüber
dem Motorrahmen 16 angeordnet, sondern mit Hilfe von Gummilagern beweglich, wodurch
die Rotationsachse des Wechslermotors 13 gegenüber dem Motorrahmen 16 sowohl einen
leichten Querversatz als auch eine Winkeländerung vollziehen kann.
[0068] Die beschriebenen Ausgleichsfunktionen sind nicht nur für das Entnehmen einer Bohrstange
aus dem Magazin 19, sondern vor allem auch für das Ansetzen bzw. Entnehmen einer Bohrstange
auf der Bohrachse an bzw. vom Bohrgestänge 6 notwendig.
[0069] Anschließend wird der Motorrahmen 16 gegenüber dem Wechslerschlitten 14 wiederum
in Richtung der Bohrachse 3 zurückverfahren, wodurch die Bohrstange 7a, die nun auf
dem Gewindestutzen 34 sitzt, aus dem Magazin 19 entnommen wird. Durch vertikales Herabfahren
des Wechslerschlittens 14 entlang der Führungen 15 wird diese Bohrstange 7a - die
in Fig. 1a in dieser Transportstellung als Bohrstange 7d eingezeichnet ist - nach
unten verfahren bis auf die Bohrachse 3.
[0070] Durch Vorwärtsfahren des Motorrahmens 16 gegenüber dem Wechslerschlitten 14 in Fig.
1a nach links wird das vordere stirnseitige Ende 27 dieser Bohrstange mit dem hinteren
Ende der letzten Bohrstange eines bereits im Bohrloch befindlichen Bohrgestänges 6
- wie in Fig. 3 eingezeichnet - in Kontakt gebracht. Durch die gleichzeitige Drehung
des Wechslermotors 13 wird diese neue Bohrstange auf das Bohrgestänge hinten aufgeschraubt
und das Bohrgestänge 6 dadurch verlängert.
[0071] Das Aufschrauben wird solange vollzogen, bis ein mit dem Wechslermotor 13 gekoppelter
Drehmomentsensor ein ausreichend starkes Drehmoment beim Verschrauben meldet. Während
des Verschraubens ist die bisherige letzte Bohrstange des Bohrgestänges 6 mittels
der Drehbacke 33 des Bohrantriebes 9, welcher sich dabei in einer relativ weit nach
links vorgeschobenen Position befindet, drehfest geklemmt.
[0072] Nach dem Ende der Drehung des Wechslermotors 13 wird diese Drehbacke 33 gelöst und
der Bohrantrieb 9 - siehe Fig. 1a und Fig. 3 - nach rechts entlang seiner zwei Führungen
29 soweit zurückverfahren, daß die Drehbacke 33 im Bereich der letzten neu angesetzten
Bohrstange 7 liegt, und von der Drehbacke 33 geklemmt werden kann, um den Gewindestutzen
34 des Bohrstangenwechslers 12 durch Rückwärtsdrehung des Wechslermotors 13 von der
neu angesetzten Bohrstange 7 zu lösen.
[0073] Während dieses Lösens der Klemmbacke 33 und Zurückverfahrens des Bohrantriebes 9
wird das Bohrgestänge 6 in der bisherigen Lage, sowohl axial als auch hinsichtlich
der Drehlage - bezüglich des Bohrloches 1 gehalten, indem die nahe am Bohrloch am
Bohrturm 11 befestigte Klemmbacke 21 das Bohrgestänge 6 klemmt. Beim Abschrauben des
Gewindestutzens 34 wird der Motorrahmen 16 gegenüber dem Wechslerschlitten 14 wiederum
horizontal mittels des Hydraulikkolbens 37 nach hinten verfahren.
[0074] Nun kann - nach Lösen der Klemmbacke 21 - durch Vorwärtsfahren des gesamten Bohrantriebes
9 das Bohrgestänge 6 um die Länge der neuen Bohrstange 7 vorwärtsgepreßt werden, indem
der gesamte Bohrantrieb 9 mit Hilfe seiner vorzugsweise beidseits angeordneten Hydraulikkolben
30 gegenüber dem Bohrturm 11 entlang seiner Führungen 29 vorwärtsgeschoben wird, was
mit einer Kraft von etwa 2 t geschieht. Für die Richtungssteuerung wird das Bohrgestänge
vor dem Vorwärtspressen oder gleichzeitig unter Umständen mittels der Drehbacke 33
des Bohrantriebes 9 etwas um die Bohrachse 3 gedreht. Vor, während oder nach dem Vorwärtsschieben
des Bohrantriebes 9 wird der gesamte Bohrstangenwechsler 12 wiederum nach oben verfahren,
um die nächste Bohrstange 7 aus dem Magazin 19 zu holen. Durch die vielfache Wiederholung
dieses Vorganges wird das Bohrgestänge 6 auf die gewünschte Länge ausgebaut und damit
das Bohrloch 1 bis zum Zielpunkt gesteuert vorwärtsgetrieben.
[0075] Insbesondere wenn das Bohrgestänge 6 vom Bohrantrieb 9 lediglich mittels Kraftschluß
sowohl für die Axialbewegung, als auch für die Drehbewegung gehalten wird, kann es
vorkommen, daß unerwünschterweise das Bohrgestänge 6 gegenüber der Klemmbacke 33 des
Bohrantriebes 9, oder auch gegenüber dem am Bohrturm 11 befestigten Klemmbacke 21
durchrutscht.
[0076] Um dies zu bemerken, und anschließend auch die Soll-Lage zwischen Bohrantrieb 9 und
dem Bohrgestänge 6 wieder einnehmen zu können, sind am Bohrantrieb 9, vorzugsweise
an dessen Gehäuse 35, wenigstens ein Sensor 28, vorzugsweise jedoch drei Sensoren
28a, 28b, 28c angeordnet. Diese vorzugsweise als Indukivsensoren ausgebildete Sensoren
28 stellen die axiale Relativlage zu der im Bereich des Bohrantriebes 9 befindlichen
Bohrstange 7 fest, indem der eine Sensor 28a reagiert, wenn ihm die Ringnut 18 dieser
Bohrstange 7 genau gegenüber liegt. Falls das Bohrgestänge 6 in Richtung der Bohrachse
3 gegenüber dem Bohrantrieb 9 durchrutscht, verläßt die Ringnut 18 den Bereich dieses
Sensors 28a, und dieser gibt ein Fehlersignal ab.
[0077] Da auf beiden Seiten in Richtung der Bohrachse 3 benachbart die beiden anderen Sensoren
28b, 28c angeordnet sind, muß die Ringnut 18 einen der beiden Sensoren 28b, 28c überlaufen
haben, welcher ein entsprechendes Signal produziert hat. Dadurch ist die Verschieberichtung
des Bohrgestänges 6 gegenüber dem Bohrantrieb 9 bekannt und - vorzugsweise nach Fixierung
des Bohrgestänges 6 im Bohrloch 1 mittels der fest am Bohrturm angeordneten Klemmbacke
21 - wird der Bohrantrieb 9 wieder so in Richtung der Bohrachse 3 verfahren, daß der
Sensor 28a der Ringnut 18 gegenüberliegt, also die Soll-Lage wieder eingenommen wird.
[0078] Das Entnehmen des Bohrgestänges 6 aus dem Bohrloch 1 durch Zurückziehen - wobei in
der Regel gleichzeitig die gewünschte Leitung durch Befestigung am vorderen Ende des
Bohrgestänges 6 in das Bohrloch 1 eingezogen wird - geht wie folgt vor sich:
[0079] Zunächst ist am Bohrantrieb 9 ein nicht dargestellter Abstreifer, meist bestehend
aus einer oder mehreren Gummilippen oder einer Gummitülle, vorgesehen, um das aus
dem Bohrloch 1 zurückgezogene Bohrgestänge 6 grob zu reinigen.
[0080] Bei Beginn des Rückzugsvorganges hält die Klemmbacke 33 des Bohrantriebes 9 die hinterste
Bohrstange des Bohrgestänges 6, wobei sich der Bohrantrieb 9 in der gegen das Bohrloch
1 vorgeschobenen Position am linken Rand des Startschachtes 1 in Fig. 1a, befindet.
[0081] Von dieser Position aus wird der Bohrantrieb 9 nach rechts um die Länge einer Bohrstange
7 zurückgezogen, dann das Bohrgestänge 6 im Bohrloch 1 fixiert, indem die am Bohrturm
11 angeordnete Klemmbacke 21 die nun vorletzte oder eine weiter vorne liegende Bohrstange
des Bohrgestänges 6 fixiert.
[0082] Dann wird die vorletzte Bohrstange des Bohrgestänges 6 von der Losbrechbacke 32 geklemmt.
Anschließend wird der Gewindestutzen 34 - bei dieser Bauweise zusammen mit dem Wechslermotor
13 - in fluchtende Lage mit der Bohrachse 3 gebracht und dann mittels der vorbeschriebenen
Mittel auf das hintere Ende des Bohrgestänges 6 aufgeschraubt, indem der Gewindestutzen
34 vorwärts, also in der Regel im Uhrzeigersinn, gedreht und gleichzeitig durch die
vorbeschriebenen Mittel nach vorne gegen das hintere Ende verfahren wird, bis eine
ausreichend feste Verschraubung zwischen dem Gewindestutzen 34 des Bohrstangenwechslers
12 und der letzten Bohrstange 6 gegeben ist, was insbesondere durch Drehmomentüberwachung
bei diesem Aufschrauben kontrolliert wird. Nun wird die Drehbacke 33 um die Bohrachse
3 um etwa ½ Umdrehung nach links, also in Öffnungsrichtung des Gewindes, gedreht,
wodurch die Gewindeverschraubung zwischen der letzten und der vorletzten Bohrstange
des Bohrgestänges 6 aufgebrochen wird.
[0083] Nun entläßt die Drehbacke 33 des Bohrantriebes 9 diese letzte Bohrstange 7 und fährt
gegen das Bohrloch 1 nach vorne, um die nunmehr letzte Bohrstange des Bohrgestänges
6 zu ergreifen und wiederum soweit aus dem Bohrloch heraus zurückzuziehen, daß sie
wie vorbeschrieben vom Bohrgestänge 6 entfernt werden kann. Gleichzeitig oder anschließend
wird die aufgebrochene Verschraubung durch den Gewindestutzen 34 und Wechslermotor
13 zusammen mit der darauf befindlichen ursprünglich letzten Gewindestange durch Drehen
des Gewindes in Rückwärtsrichtung (Linksdrehen) und gleichzeitig im Verfahren des
Bohrstangenwechslers nach hinten, vom Bohrgestänge weg, vollständig gelöst. Vorher
oder gleichzeitig wird die auf dem Gewindestutzen 34 befindliche Bohrstange durch
Hochfahren des Wechslerschlittens 14 und eventuell gleichzeitiges Nachlinksverfahren
des Motorrahmens 16 gegenüber dem Wechslerschlitten 14 - in den Greifbereich des Greifers
23 im oberen Bereich des Bohrturmes 11 gebracht. Zu diesem Zweck muß das Magazin 19
aus dem vertikalen Bewegungsweg der Bohrstange herausgenommen werden durch Hochziehen
oder Wegklappen des Magazins 19 gegenüber dem Bohrturm 11. Weiterhin drückt die so
transportierte Bohrstange vor Erreichen des Greifers 23 die schwenkbar gelagerte Schrägrutsche
24 aus ihrem Bewegungsweg zur Seite.
[0084] Nach dem Schließen des Greifers 23 mit Hilfe dessen Kolben 23' wird die Bohrstange
7k wie in Fig. 2b ersichtlich vom Greifer 23 gehalten, und der Gewindestutzen 34 kann
durch Rückwärtsdrehen des Wechslermotors 13 und gleichzeitige Rückwärtsverfahrung
des Motorrahmens 16 gegenüber dem Schlitten 14 gelöst werden.
[0085] Durch Öffnen des Greifers 23 fällt diese Bohrstange 7k in die inzwischen aufgrund
der Schwerkraft in die in Fig. 2b zurückgefallene Schrägrutsche 24 und rollt entlang
dieser Schrägrutsche seitlich aus dem Bohrturm 11 heraus für die weitere Behandlung
durch das Bedienungspersonal.
[0086] Gleichzeitig oder anschließend wird der Bohrstangenwechsler 12 nach unten verfahren
zum Entnehmen der nächsten Bohrstange vom Bohrgestänge 6.
1. Verfahren zum Erstellen von langen, im wesentlichen horizontalen Bohrlöchern (1) im
Boden, von einem in der Tiefe liegenden, vorgegebenen Startpunkt aus, mit einem Bohrantrieb
(9), sowie einem aus einer Vielzahl von Bohrstangen (7) bestehenden Bohrgestänge (6),
dadurch gekennzeichnet, daß
- von einem im wesentlichen vertikalen Startschacht (2) aus das Bohrloch (1) direkt
in der gewünschten Tiefe und Richtung (Bohrachse 3) begonnen wird,
- beim Einbringen des Startschachtes (2) dessen Querschnitt (4) gegenüber der Größe
des Querschnittes an der Bodenoberfläche (5) nicht erweitert wird, und
- die dem Bohrgestänge (6) hinzuzufügende bzw. von diesem zu entfernenden Bohrstangen
(7) in der der Bohrachse (3) entsprechenden horizontalen Lage in den Startschacht
(2) abgesenkt bzw. aus diesem herausgehoben werden, wobei das Ansetzen bzw. Entfernen
an bzw. von dem Bohrgestänge (6) im Startschacht (2) auf der Bohrachse (3) geschieht.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
das Bohrgestänge (8) mit dem Bohrantrieb (9) lediglich mittels Kraftschluß verbunden
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
das Bohrgestänge (6) mit dem Bohrantrieb (9) wenigstens in Längsrichtung des Bohrloches
(1) formschlüssig am Außenumfang des Bohrgestänges (6) gehalten wird.
4. Vorrichtung zum Erstellen eines langen, im wesentlichen horizontalen Bohrloches von
einem in der Tiefe liegenden, vorgegebenen Startpunkt aus, mit einem Bohrantrieb (9),
sowie einem aus einer Vielzahl von Bohrstangen (7) bestehenden Bohrgestänge (6),
dadurch gekennzeichnet, daß
- die Vorrichtung einen in einen vertikalen Startschacht (2) im Boden wenigstens teilweise
absenkbaren Bohrturm (11) umfaßt,
- die einzelnen Bohrstangen (7a, 7b, 7c) des Bohrgestänges (6) kürzer sind als die
größere Längserstreckung des freien horizontalen Querschnittes (4') im Inneren des
Bohrturmes (11).
5. Vorrichtung nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Bohrstangen (7a, 7b, 7c) in jeweils gleicher axialer Position vom Außenumfang
her radial nach innen ragende Vertiefungen, insbesondere eine umlaufende Ringnut (18),
aufweisen.
6. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Vorrichtungsansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
- der Bohrantrieb (9) eventuell einen Sensor (28) zur Kontrolle der Soll-Lage der
vom Bohrantrieb gehaltenen Bohrstange (7) und damit des Bohrgestänges (6) in axialer
Richtung gegenüber dem Bohrantrieb (9) umfaßt, und
- die Sensoren (28) auf die Ausnehmungen bzw. Ringnut (18) der Bohrstange (7) ansprechen.
7. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Vorrichtungsansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
- der Bohrstangenwechsler (12) einen vorzugsweise hydraulisch angetriebenen Wechslermotor
(13) umfaßt, welcher fest auf einem Motorrahmen (16) angeordnet ist, wobei der Motorrahmen
(16) entlang von Motorrahmenführungen (17) entlang der im wesentlichen horizontalen
Bohrachse (3) gegenüber einem Wechslerschlitten (14) verfahrbar ist, und
- der Wechslerschlitten (14) entlang im wesentlichen vertikaler Schlittenführungen
(15) gegenüber dem Bohrturm (11) verfahrbar ist, um den Wechslermotor (13) zwischen
der Bohrachse (3) und einem Magazin (19) für Bohrstangen (7) hin- und herbewegen zu
können.
8. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Vorrichtungsansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Motorrahmen (16) zusammen mit dem Wechslermotor (13) gegenüber dem Wechslerschlitten
(14) mit Hilfe wenigstens eines Hydraulikkolbens (37) verfahrbar ist, wobei der Hydraulikkolben
(37) an dem Motorrahmen (16) mittels wenigstens einer dazwischen angeordneten Feder
(38) als Längenausgleich angreift.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Motorrahmenführungen (17) zum Verfahren des Motorrahmens (16) gegenüber dem Wechslerschlitten
(14) in Querrichtung einseitig gegenüber der Bohrachse (3) stark beabstandet angeordnet
ist.
10. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Vorrichtungsansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Wechslermotor (13) für das Ansetzen bzw. Lösen einer zusätzlichen Bohrstange (7)
am bzw. vom Bohrgestänge (6) über ein Zeitschaltglied verfügt.
11. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Vorrichtungsansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
am Bohrturm (11) unmittelbar am Bohrloch (1) ein fest angeordneter Klemmbacken (21)
zur Fixierung des Bohrgestänges (6) in axialer Richtung angeordnet ist.
12. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Vorrichtungsansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Bohrturm (11), vorzugsweise unterhalb der Bohrachse (3), wenigstens einen in Richtung
der Bohrachse (3) verlaufenden Klemmzylinder (22) aufweist, mit welchen der Bohrturm
(11) im Startschacht (2) verklemmt werden kann.
13. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Vorrichtungsansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
im Bereich des Bohrstangenwechslers am oberen Ende des Verfahrweges dessen Wechslerschlitten
(14) eine Halteeinheit, insbesondere in Form eines nach unten offenen Greifers (23),
angeordnet ist zum Halten der Bohrstange (7) während des Herausdrehens des Gewindestutzens
(34) des Wechslermotors (13) zum Ablegen der Bohrstange (7) nach deren Entfernung.
14. Vorrichtung nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Greifer (23) oberhalb einer klappbaren Schrägrutsche (24) angeordnet ist, welche
um eine Achse so klappbar ist, daß sie durch eine von unterhalb mittels des Bohrstangenwechslers
(12) herantransportierte Bohrstange (7) aus dem Bewegungsweg dieser Bohrstange (7)
zwischen der Bohrachse (3) und dem darüber angeordneten Greifer (23) herausklappbar
ist.