[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Adhäsiv als Haftvermittler zwischen elastischen
und starren Materialien.
[0002] Ein wichtiges werkstoffkundliches Problem besteht in der Verbindung zwischen chemisch
unterschiedlichen Massen, wie z.B. elastischem Material und starren Oberflächen wie
Glas, Metall oder Kunststoff. In der Zahnmedizin stellt sich dieses Problem beispielsweise
wenn Metall oder Kunststoff mit Silikon verklebt werden soll. Diese Problematik tritt
vornehmlich bei der Haftung von Abformmaterialien auf metallenen bzw. methacrylathaltigen
(individuellen, d.h. speziell für den Patienten angefertigten) Abformlöffeln oder
bei der Haftung von Unterfütterungsmaterialien auf Prothesenkunststoffen zur permanenten
Unterfütterung herausnehmbaren Zahnersatzes auf.
[0003] Die Abformung dient in der zahnärztlichen Prothetik zur Herstellung eines Negativs
der Zahnhartsubstanz sowie des umgebenden Gewebes. Das aus diesem Negativ durch Ausgießen
mit Gips oder geeigneten Kunststoffen angefertigte sogenannte Meistermodell bildet
die Grundlage für die prothetische Versorgung des Patienten. Da die Paßgenauigkeit
der zahntechnischen Arbeit maßgeblich von der Präzision des Modells und somit der
Abformung abhängt, muß die Abdrucknahme exakt und zuverlässig erfolgen. Um dies zu
gewährleisten, muß der Abformwerkstoff vor dem Entfernen der Abformung aus dem Mund
und während der Modellherstellung eine feste Verbindung zum Abformmasseträger aufweisen.
Mechanische Beanspruchungen, die durch das Abziehen über unter sich gehende Stellen
oder durch Haftung an Zähnen sowie Weichteilen bedingt sind, wirken sich nicht nur
auf das Material selbst, sondern auch auf die Haftung des Materials am Abformlöffel
aus. Behält die Abformmasse nicht ihren Platz im Löffel oder kehrt sie nicht vollkommen
in ihre Ausgangslage zurück, so wird die gesamte Abformung verzerrt. Die zahntechnische
Arbeit wird dadurch ungenau und muß gegebenenfalls wiederholt werden.
[0004] Um die Haftung zu erhöhen, kommen perforierte oder mit Retentionskanten versehene
Abformlöffel zum Einsatz. Hier zeigen neueste Untersuchungen, daß die Fehlerrate bei
Abdrucknahmen mit perforierten Abformlöffeln höher ist als beim Einsatz unperforierter
Abformlöffel, da ein vollständiges Rückstellen der elastischen Materialien für eine
exakte Abformung unabdingbar ist. Dieses Rückstellen kann aber durch das Durchziehen
der Abfomunasse durch die Perforationslöcher negativ beeinträchtigt werden. Zudem
wirken Löffelperforationen klinisch unkalkulierbar und können zu verfälschten Modellen
führen. Untersuchungen von A. H. L. Tjan et al. [J. Prosth. Dent.
58, 175 (1987)] zeigen eindeutig, daß Perforationen den unveränderten Sitz der Abformmassen
über einen längeren Zeitraum nicht gewährleisten. Aus diesem Grund ist die Verwendung
perforierter Abformlöffel umstritten.
[0005] Die Zuverlässigkeit der Haftung und die Haftkräfte von Abformmaterial auf mit Retentionskanten
versehenen Abformlöffeln wird gegenüber den perforierten Abformlöffeln zwar als höher
beurteilt, dennoch ist auch deren Verwendung unzulänglich.
[0006] Ziel für die Metall/Silikon- oder Kunststoff/Silikon-Verbundverfahren in der Zahnmedizin
ist es, eine dem Metall/Keramik-Verbund vergleichbare chemische Anbindung dieser Werkstoffe
zu erreichen, da nur so eine kraftschlüssige Verbindung der Werkstoffe entsteht. Dies
wird zum Teil durch eine geeignete Oberflächenkonditionierung in unterschiedlichen
Verfahren realisiert. Diese Verfahren lassen sich je nach Art der aufgebrachten Verbundschicht
in anorganische Verfahren, wie die Silikatisierungsmethoden Silicoater®, Silicoater®-MD,
Rocatec® und in organische Verbundverfahren, wie Spektra Link, Zeta HLC-Bond oder
Kevloc®, einteilen [Dental-Labor XLIV
12, 2045 (1996)]. Bei allen diesen Verfahren, beispielsweise in den Druckschriften US
4 364 731, DE 3 403 894 oder DE 3 802 043 beschrieben, ist es Stand der Technik, daß
eine mechanische Oberflächenvorbehandlung durchgeführt wird oder eine zusätzliche
Verbundschicht aufgebracht wird. Dies ist mit einem erheblichen apparativen als auch
zeitlichen Aufwand verbunden. Eine Vorbehandlung eines metallenen Abformlöffels nach
den oben angeführten Verfahren kann zudem zu einem extrem starken Verbund zwischen
Abformmasse und Abformmassenträger führen. Dieser kann so stark sein, daß die Abdruckmasse
nicht mehr vom Metall entfernt werden kann, so daß der Abformlöffel nicht mehr verwendet
werden kann.
[0007] Nach dem Stand der Technik wird zur sicheren Haftvermittlung die Verwendung von Adhäsiven
empfohlen, die einen zuverlässigen Verbund zwischen Abformmasse und Metall gewährleisten,
die aber nach Beendigung der zahntechnischen Arbeit leicht mit einem handelsüblichen
Lösemittel zu entfernen sind. Die zum heutigen Zeitpunkt auf dem Markt befindlichen
Haftlacke verbessern die Haftung zwar nicht grundsätzlich, sind den Perforationen
aber überlegen. Nach neuesten Untersuchungen [Swiss Dent
11-S, 55 (1996)] ist für das Gelingen einer verzerrungsfreien Abformung mit hoher Genauigkeit
die Verwendung eines Adhäsivs sogar obligatorisch. Die Haftkräfte am Abformlöffel
sind allerdings produktabhängig recht unterschiedlich. Bei allen Abformungen wird
darauf hingewiesen, stets die Herstellerkombination Abformwerkstoff - Adhäsiv zu verwenden,
um eine gute Haftung zu erreichen.
[0008] Eine willkürliche oder von den veränderlichen Anforderungen abhängige Materialkombination
erzielt nicht den gewünschten Erfolg.
[0009] Ein weiterer Nachteil handelsüblicher Haftlacke ist deren sogenannter Kaugummi-Effekt
[TZB
11, 426 (1996)]. Dieser Effekt täuscht mehr den unverrückbaren Sitz der Abformmasse
durch das Adhäsiv vor, als ihn tatsächlich zu gewährleisten.
[0010] Aus klinischer Sicht sind für eine zuverlässige Haftvermittlung zwischen Metallabformlöffel
und Abformmasse nach neuesten Untersuchungen von Welker, D. et al. [TZB
11, 426 (1996)] Haftkräfte, gemessen als Scherfestigkeit, von mindestens 40 N/cm
2 erforderlich. Eine Obergrenze der Haftvermittlung wird lediglich durch die Entfembarkeit
des Abformmaterials vom Konfektionslöffel nach Beendigung der Arbeit definiert.
[0011] In der DE-PS 42 28 530 wird die Haftung zwischen Metall-, Keramik-, Glas-, Polymer-Kunststoff-Verbunden
beschrieben, die aus der Verwendung eines 1-Komponentenhaftvermittlers, der keine
zusätzlichen Haftvermittlerlösungen benötigt, resultieren. Nachteilig wirkt sich hierbei
jedoch aus, daß zur Erzielung der gewünschten Haftung die Verbundschicht einer Wärmebehandlung
unterzogen werden muß.
[0012] Neben der beispielhaft dargestellten zu verbessernden temporären Haftvermittlung
zwischen Abformmaterialien und Metallen oder individuellen Abformlöffeln ist auch
die permanente Haftung von Silikonmaterialien auf Prothesenkunststoffen ein weiteres
wichtiges zahnmedizinisches Problem.
[0013] In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Untersuchungen und Vorschläge gemacht worden,
Kunststoffe haftfest mit Silikonmaterialien zu verbinden. Vor allem im Dentalbereich
ist eine solche Haftvermittlung maßgeblich für das Gelingen der permanenten Unterfütterung
von Prothesen, die vornehmlich aus Polymethyl(meth)acrylat (PMMA) bestehen, verantwortlich.
Eine permanente Unterfütterung kann erforderlich werden, wenn eine Prothese einer
veränderten Kiefersituation, z.B. durch Rückbildung des Kieferkamms, anzupassen ist.
In bezug auf die Anforderungen eines dauerhaft weichbleibenden Uriterfiitterungsmaterials
sind Silikone, aufgrund ihrer vorteilhaften Eigenschaften, wie dauerhafter Elastizität
und Feuchtigkeitsbeständigkeit, besonders gut geeignet [Quintessenz Zahntech.
23, 5, 675-680, (1997)]. Da sie als primär weiche Werkstoffe nicht über zugesetzte Weichmacher
oder monomere (Meth)acrylate verfügen, lassen sie sich zusätzlich als Prothesenschutzschicht
für die Versorgung von Patienten einsetzen, bei denen eine Unverträglichkeit des Prothesenkunststoffes
bekannt ist. Darüber hinaus lassen sich Silikone auch zur Unterstützung des Heilprozesses
in der Implantologie verwenden. Als äußerst unbefriedigend erweist sich zur Zeit jedoch
deren Haftung am Prothesenkunststoff.
[0014] Nach dem Stand der Technik werden für diese Zwecke meist Adhäsive verwendet, deren
Nachteil darin besteht, daß das Unterfiitterungsmaterial frühestens nach einer Ablüftungszeit
von ca. einer Stunde aufgetragen werden kann. Alternativ kann das Aufbringen des Haftvermittlers
durch sogenanntes Einbrennen bei erhöhter Temperatur durchgeführt werden, wie es in
der Patentanmeldung EP 0 349 897 beschrieben wird. Beide Vorgehensweisen sind mit
hohem Zeitaufwand und Unannehmlichkeiten für den Patienten verbunden. Vorteilhaft
wäre daher die Verwendung eines Haftvermittlers, der das sofortige Aufbringen des
Unterfütterungsmaterials auf die aufgetragene Haftvermittlerschicht ermöglicht.
[0015] Neuere Entwicklungen, wie sie im Patent DE 44 14 837 beschrieben sind, tragen diesen
Forderungen nur zum Teil Rechnung. Bei dem Haftsystem, das im Patent DE 44 14 837
beansprucht wird, handelt es sich um einen 2-komponentigen, mit Silan versetzten Reaktionsklebstoff,
der nach Auftragen auf die vorbehandelte Prothesenoberfläche direkt mit einem additionsvemetzenden
Silikon (A-Silikon) umgesetzt werden kann. Bei diesem Verfahren lassen sich jedoch
Dosier-, Misch-, Verarbeitungs- und Anwendungsfehler nicht ausschließen. Darüber hinaus
muß durch eine unvollständige Umsetzung der Reaktionsteilnehmer mit dem Vorhandensein
von toxikologisch bedenklichen Restmonomeren, wie beispielsweise Isocyanaten, gerechnet
werden. Für den Anwender wirkt sich zudem bei Verwendung eines 2-komponentigen Haftvermittlers
der Zeitaufwand negativ aus.
[0016] In den Druckschriften DE 38 04 154, DE 44 14 982, EP 685 547 und EP 384 401 werden
Silikon-, PMMA- oder Polyvinylacetat-Haftklebezusammensetzungen mit hoher Klebrigkeit
beschrieben, die sich jedoch durch Aushärtungsmechanismen, Wärmebehandlungen und lange
Einwirkzeiten der Klebstoffzusammensetzung nachteilig auf eine schnelle und somit
patienten- sowie anwenderfreundliche Haftvermittlung auswirken. Bei den in diesen
Druckschriften beschriebenen Haftvermittlern werden die reaktiven, zu einer Bindung
zwischen Silikon und Kunststoff führenden chemischen funktionellen Gruppen erst während
des Einwirkvorganges, z.B. durch Hydrolyse, gebildet.
[0017] In der Druckschrift US 3 785 054 wird ein Prothesenunterfütterungsmaterial beansprucht,
in das die haftvermittelnden Substanzen unter hoher Temperatur (mindestens 60 °C)
bereits mit eingearbeitet sind.
[0018] In der Druckschrift EP 632 060 wird ein auf einem (Meth)acrylat basierendes Adhäsiv
beschrieben, das vornehmlich durch eine platinkatalysierte Hydrosilylierung hergestellt
werden kann. Die in der Druckschrift beschriebenen Verbindungen und Herstellungsverfahren
führen zu den bekanntermaßen unpolaren Silizium-Kohlenstoff Bindungen im Adhäsiv.
Diese Bindungen sollten die Haftvermittlung gegenüber Wasserangriffen und Hydrolysespaltung
stabiler machen [Silicones - Chemistry and Technology. Vulkan-Verlag Essen (1991)].
[0019] Handelsübliche Adhäsive für Unterfiitterungssilikone sind aufgrund ihres chemischen
Aufbaus ausschließlich für eine Anwendung auf Prothesen aus PMMA geeignet. Da allergische
Reaktionen gegen diese Kunststoffe bzw. einzelne Bestandteile daraus zunehmen, wird
intensiv an der Herstellung von Prothesenkunststoffen gearbeitet, die aufgrund ihres
chemischen Aufbaus nicht zu allergischen Reaktionen führen. Es handelt sich hierbei
um Kunststoffe, z.B. aus einem Methacrytat/Vinylacetat/Vinylchlorid-Copolymer, aus
Polyacetalen, Polyamiden, Polycarbonaten, Polyestern sowie compositähnlichen Urethandiacrylaten
[Quintessenz Zahntechn.
23, 5, 707-720, (1997)]. Die Zugänglichkeit eines Haftvermittlers für die Unterfiitterung
all dieser Kunststoffe mit Silikonen ist wünschenswert.
[0020] Aufgabe der Erfindung ist es deshalb, ein Adhäsiv zur Verfügung zu stellen, daß die
Haftung zwischen elastischen und starren Materialien verbessert, das insbesondere
- zuverlässige Verbunde zwischen elastischen Materialien, z.B. additionsvemetzenden
Silikonen, und jeweils unterschiedlichen starren Materialien ermöglicht,
- universell, bezogen auf die Haftkraft, die Haftzeit und die verwendeten Materialien,
dem jeweiligen Haftproblem Rechnung tragen kann,
- hohe Haftkräfte ermöglicht, die nur von der Zerreißfestigkeit der Materialien begrenzt
werden,
- einen Haftverbund ermöglicht, der bei Bedarf durch Anwendung eines Lösungsmittels
einfach aufzuheben ist,
- das einfach und schnell zu applizieren ist.
[0021] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch das Verfahren gemäß Anspruch 1 gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen des Verfahrens sind in den Ansprüche 2 bis 14 angegeben.
[0022] Ein Vorteil des nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Adhäsivs liegt
in der sich schnell und zuverlässig ausbildenden chemischen Bindung zwischen den zu
verbindenden Materialien. In dem erfindungsgemäßen Adhäsiv sind die zur Haftvermittlung
benötigten reaktiven, zu einer haftfesten und kraftschlüssigen Bindung führenden chemischen
Gruppen im Adhäsiv bereits enthalten, so daß die Einwirkzeit lediglich durch die Verdunstungsgeschwindigkeit
des Lösemittels begrenzt wird. Die chemische Bindung führt zu hohen Haftwerten, die
je nach Einsatzgebiet einzig durch die Zerreißfestigkeit der elastischen Materialien
begrenzt werden. Bei dem Adhäsiv ergeben sich ohne einen aufwendigen Katalysator (vgl.
EP 632 060) Silizium-Sauerstoff-Bindungen, die überraschenderweise ausreichend beständig
für eine kraftschlüssige Haftvermittlung sind. Ein weiterer Vorteil besteht darin,
daß die starre Oberfläche des zu verklebenden Materials nicht notwendigerweise vorbehandelt
werden muß. Der Haftvermittler wird einfach auf die starre, unbehandelte Oberfläche
aufgetragen. Nach dem Ablüften kann unmittelbar das Silikon aufgetragen werden. Eine
zeit- und apparativaufwendige Wärmebehandlung entfällt ebenfalls. Es kommt somit bei
Verwendung des erfindungsgemäßen Haftmittels zu einer anwendungsfreundlichen Zeitersparnis.
Der Haftvermittler ist als 1-Komponentenmaterial anzuwenden. Gegenüber Mehrflaschenpräparaten
beinhaltet das Einflaschenpräparat den Vorteil einer anwendungsfreundlichen Applikation
und der Vermeidung von Mischungsfehlern.
[0023] Durch Variation der Bestandteile des nach dem erfindungsgemäßen Verfahren gemäß den
Ansprüchen 1 bis 5 hergestellten Adhäsivs ist, wie in einem Baukastensystem (Adhäsivsystem),
eine Anpassung des Adhäsivs an jede individuelle Anforderung bezüglich der Haftvermittlung
möglich. D.h. zum einen, man erreicht eine zuverlässige und kraftschlüssige Haftung
zwischen Silikonen und den gewünschten Materialien wie Metall, Kunststoff, Glas etc.,
zum anderen ist eine Variation der Dauerhaftigkeit der Haftung von permanent bis temporär
einstellbar. Durch gezieltes Mischen der beanspruchten Adhäsivkomponenten wird eine
individuell einstellbare Haftung zwischen elastischen und starren Materialien erreicht.
[0024] Der Einsatz des erfindungsgemäßen Adhäsivs ist nicht generell auf dem Dentalbereich
beschränkt, sondern ist immer dann einzusetzen, wenn eine harte Substanz mit elastischem
Material permanent oder temporär verbunden werden soll. Beispielsweise kann der Haftvermittler
auch bei der Herstellung von Metall-Gummidichtungen in der Apparate- und Anlagentechnik
eingesetzt werden.
[0025] Die Erfindung soll anhand nachstehender Ausführungsbeispiele näher erläutert werden,
ohne sie einzuschränken.
Beispiele
[0026] Adhäsiv 1: Aus Methyl-Methacrylat (MMA) und Hydroxymethyl-Methacrylat (HEMA) im Verhältnis
2:1 wird durch peroxidisch induzierte Polymerisation ein funktionalisiertes Copolymer
erhalten. Hiervon werden 8 Gew.-Teile in 90 Gew.-Teilen 2-Butanon gelöst. Nach optionaler
Zugabe eines Tensids werden 2 Gew.-Teile eines Silikonvernetzers mit mindestens 2
SiH-Gruppen (z.B. Hanse Vernetzer 200, Hanse Chemie, Geesthacht) zugesetzt. Nach 20
h Rühren ist die Umsetzung der Komponenten abgeschlossen.
[0027] Adhäsiv 2: 8 Gew.-Teile eines handelsüblichen Polyurethans (z.B. der Bayer AG, Leverkusen) werden
in 90 Gew.-Teilen 2-Butanon gelöst. Nach optionaler Zugabe eines Tensids werden 2
Gew.-Teile des Silikonvemetzers (z.B. Hanse Vernetzer 200, Hanse Chemie, Geesthacht)
aus Adhäsiv 1 zugesetzt. Nach 20 h Rühren ist die Umsetzung der Komponenten abgeschlossen.
[0028] Adhäsiv 3: 50 Gew.-Teile Adhäsiv 1 werden mit 50 Gew.-Teilen Adhäsiv 2 homogen vermischt.
[0029] Adhäsiv 4: 10 Gew.-Teile Adhäsiv 1 werden mit 90 Gew.-Teilen Adhäsiv 2 homogen vermischt.
Haftversuche:
1) Starre Materialien
[0030] Es werden 1 cm breite Stäbe folgender Materialien verwendet:
kalthärtendes Prothesenreparatur-Material (Paladur®, Firma Kulzer) = PMMA
lichthärtendes Löffelmaterial (Individo® Lux, Firma VOCO GmbH) = IL
V4A-Stahl = S
Polyamid = PA
Urethandiacrylat (Microbase®, Firma Dentsply/DeTrey) = MB
2) Silikone
[0031] Es kommen zum Einsatz:
additionsvernetzendes Abformsilikon (Contrast®, Firma VOCO GmbH) = C additionsvernetzendes
Unterfütterungssilikon (Ufi Gel®C, Firma VOCO GmbH) = U
[0032] Die Materialien werden nach Herstellerangaben verarbeitet.
3) Vorbereitung der Prüfkörper
[0033] Die Klebefläche (1 cm x 1 cm) wird durch eine Markierung im Abstand von 1 cm vom
Rand aus festgelegt. Die Kunststoffe werden folgendermaßen vorbereitet: Oberflächenanrauhung
durch Sandstrahlen mit Edelkorund, Säubern der Oberfläche mit Isopropanol. Die Stahlstäbe
werden lediglich mit Isopropanol abgewischt. Anschließend wird das Adhäsiv in dünner
Schicht aufgetragen. Nach 1 Minute kann Silikon auf die zu verklebende Fläche aufgebracht
werden. Nun wird der mit Silikon beschichtete Prüfkörper in Linie so auf einen zweiten
mit Adhäsiv versehenen Stab gepreßt, daß eine überlappende Verklebung mit einer Silikonschichtdicke
von ca. 0,1 mm resultierte. Das Silikon wird anschließend nach Herstellerangaben ausgehärtet.
Überschüssiges Material wird mit einem Skalpell entfernt.
4) Durchführung und Auswertung
[0034] Als Prüfgerät dient eine Universalprüfmaschine der Firma Zwick, versehen mit Zugspannklammern.
Die Prüfkörper werden vorsichtig eingespannt und mit einer Geschwindigkeit von 5 mm/Min.
auseinandergezogen. Aus jeweils fünf Prüflcörpern wird der Mittelwert für die Scherfestigkeit
ermittelt.
5) Ergebnisse
[0035]
| Beispiel-Nr. |
Prüfkörper aus |
Silikon |
Adhäsiv |
Scherfestigkeit |
| 1 |
PMMA |
U |
1 |
120 N/Cm2 |
| 2 |
PMMA |
U |
2 |
82 N/cm2 |
| 3 |
PMMA |
U |
3 |
81 N/cm2 |
| 4 |
PMMA |
U |
4 |
157 N/cm2 |
| 5 |
IL |
C |
1 |
24 N/cm2 |
| 6 |
IL |
C |
2 |
10 N/cm2 |
| 7 |
IL |
C |
3 |
8 N/cm2 |
| 8 |
IL |
C |
4 |
7N/cm2 |
| 9 |
S |
C |
1 |
25 N/cm2 |
| 10 |
S |
C |
2 |
81 N/cm2 |
| 11 |
S |
C |
3 |
58 N/cm2 |
| 12 |
S |
C |
4 |
78 N/cm2 |
| 13 |
PA |
C |
2 |
135 N/cm2 |
| 14* |
MB |
U |
1 |
125 N/cm2 |
| 15* |
MB |
U |
4 |
285 N/cm2 |
| *Zugversuch nach 24h Wasserlagerung bei 37 °C |
[0036] Zur besseren Ansicht und Veranschaulichung ist das Ergebnis dieser Haftuntersuchungen
graphisch dargestellt (s. Grafik 1).
[0037] Anhand der in den Beispielen dargestellten Mischungsreihe kann beispielsweise die
Lösung eines Haftproblems einfach abgelesen werden. Wird beispielsweise eine Haftvermittlung
zwischen Metall (Stahl) und A-Silikon für eine zeitlich begrenzte Haftung mit Haftwerten
zwischen 40 bis 60 N/cm
2 gesucht, so genügt ein Blick auf das Haftprofil (s. Grafik 1) um die Auswahl eines
geeigneten Adhäsivs zu treffen (hier: Adhäsiv 3).
[0038] Die Beispiele zeigen sehr deutlich, daß die Haftkräfte des erfindungsgemäßen Haftvermittlers
nach dem Baukastenprinzip für die verschiedensten Materialien individuell einstellbar
sind und darüber hinaus einen kraftschlüssigen und zuverlässigen Hanverbund sicherstellen.
1. Verfahren zum Herstellen eines Adhäsivs, dadurch gekennzeichnet, daß in einem Lösungsmittel eine oder mehrere Polymerverbindungen enthaltend ein MMA/HEMA
Copolymer mit einem mindestens zwei SiH-Gruppen aufweisenden Silikonvernetzer umgesetzt
werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein erstes Adhäsiv aus einer Umsetzung eines ein MMA/HEMA Copolymer mit einem mindestens
zwei SiH-Gruppen aufweisenden Silikonvemetzer und ein zweites Adhäsiv aus einer Umsetzung
mit oder ohne Katalysator eines Polyurethans mit einem mindestens zwei SiH-Gruppen
aufweisenden Silikonvemetzer gemischt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 2, bei dem die Mischung aus etwa 50 bis 10 Gewichtsteilen
des ersten Adhäsivs und im übrigen aus dem zweiten Adhäsiv besteht.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Lösungsmittel zu halogenierten Kohlenwasserstoffen, Alkoholen, Ketonen, Estern
oder aromatische Verbindungen oder einer Mischung daraus gehört.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Lösungsmittel zusätzlich Additive, Stabilisatoren und/oder Füllstoffe enthält.
6. Verfahren zum Herstellen eines Adhäsivsystems, dadurch gekennzeichnet, daß verschiedene Haftvermittlungseigenschaften aufweisende Adhäsive gemäß den Ansprüchen
1 bis 5 hergestellt werden.
7. Verwendung eines gemäß einen der Ansprüche 1 bis 6 herstellbaren Adhäsivs, dadurch gekennzeichnet, daß es als Haftvermittler zwischen starren und elastischen Materialien eingesetzt wird,
wobei das starre Material vorzugsweise Glas, Kunststoff oder Metall ist.
8. Verwendung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß eine unbehandelte oder gegebenenfalls vorbehandelte Oberfläche aus starrem Material
mit dem Adhäsiv bestrichen und nach Ablüften des Lösungsmittels das zum Verbund zu
bringende elastische Material aufgetragen wird.
9. Verwendung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß das elastische Material unmittelbar nach Ablüften des Lösungsmittels aufgetragen
wird.
10. Verwendung nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die zu verbindenden Materialien ein Metall und ein A-Silikon sind.
11. Verwendung nach einem der Ansprüche 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß das Adhäsiv als Haftvermittler im Dentalbereich zur temporären Haftung von Abformmaterialien
auf metallenen Abformlöffeln dient.
12. Verwendung nach einem der Ansprüche 7 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die zu verbindenden Materialien ein PMMA-enthaltendes Material und ein bei Raumtemperatur
aushärtendes (RTV) Silikon sind.
13. Verwendung eines Adhäsivs nach einem der Ansprüche 7, 8, 9 oder 12, dadurch gekennzeichnet, daß mittels des Adhäsivs im Dentalbereich Prothesen mit Silikonmaterialien permanent
unterfüttert werden.
14. Verwendung nach einem der Ansprüche 7, 8, 9 oder 12, dadurch gekennzeichnet, daß das Adhäsiv als Haftvermittler im Dentalbereich zur temporären Haftung von Abformmaterialien
auf individuellen Abformlöffeln dient.
1. A method for producing an adhesive, characterized in that in a solvent, one or more polymeric compounds comprising an MMA/HEMA copolymer are
reacted with a silicone cross linking agent comprising at least two SiH-groups.
2. The method according to claim 1, characterized in that a first adhesive from a conversion of an MMA/HEMA copolymer with a silicone cross
linking agent comprising at least two SiH-groups is mixed with a second adhesive from
a conversion, with or without a catalyst, of a polyurethane with a silicone cross
linking agent comprising at least two SiH-groups.
3. The method according to claim 2, in which the mixture is composed of approximately
50 to 10 parts by weight of the first adhesive and the remainder of the second adhesive.
4. The method according to any of the claims 1 to 3, characterized in that the solvent belongs to halogenated hydrocarbons, alcohols, ketones, esters or aromatic
compounds, or a mixture thereof.
5. The method according to any of the claims 1 to 4, characterized in that the solvent in addition contains additives, stabilizers and/or fillers.
6. A method for producing an adhesive system, characterized in that adhesives comprising different coupling agent characteristics are produced according
to the claims 1 to 5.
7. Usage of an adhesive producible according to any of the claims 1 to 6, characterized in that it is used as coupling agent between rigid and elastic materials, wherein the rigid
material is preferably glass, plastic, or metal.
8. Usage according to claim 7, characterized in that an untreated or if applicable a pretreated surface of a rigid material is coated
with the adhesive and after evaporation of the solvent, the elastic material to be
adhered is added.
9. Usage according to claim 8, characterized in that the elastic material is added immediately after evaporation of the solvent.
10. Usage according to any of the claims 7 to 9, characterized in that the materials to be connected are a metal and an A-silicone.
11. Usage according to any of the claims 7 to 10, characterized in that the adhesive serves as adhesive agent in the dental field for a temporary adhesion
of moulding materials on metallic impression-taking trays.
12. Usage according to any of the claims 7 to 11, characterized in that the materials to be adhered are a material comprising a PMMA-containing material
and a (RTV) silicone curing at room temperature.
13. Usage of an adhesive according to any of the claims 7, 8, 9 or 12, characterized in that by means of the adhesive, prostheses in the dental field are permanently padded with
silicone materials.
14. Usage according to any of the claims 7, 8, 9 or 12, characterized in that the adhesive serves as coupling agent in the dental field for a temporary adhesion
of moulding materials on individual impression-taking trays.
1. Procédé de préparation d'un adhésif, caractérisé en ce qu'on fait réagir, dans un solvant, un ou plusieurs composés polymères contenant un copolymère
MMA/HEMA avec un agent réticulant de silicone comportant au moins deux groupes SiH.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'on mélange un premier adhésif obtenu par réaction d'un copolymère MMA/HEMA avec un
agent réticulant de silicone comportant au moins deux groupes SiH et un deuxième adhésif
obtenu par réaction d'un polyuréthane avec un agent réticulant de silicone comportant
au moins deux groupes SiH en présence ou non d'un catalyseur.
3. Procédé selon la revendication 2, dans lequel le mélange est constitué d'environ 50
à 10 parties en poids du premier adhésif, et dans une proportion restante du second
adhésif.
4. Procédé selon une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que le solvant est choisi dans le groupe constitué des hydrocarbures halogénés, des alcools,
des cétones, des esters et des composés aromatiques ou est un mélange d'entre eux.
5. Procédé selon une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que le solvant contient en plus des additifs, des agents stabilisants et/ou des charges.
6. Procédé de préparation d'un système adhésif, caractérisé en ce qu'on prépare selon les revendications 1 à 5 des adhésifs présentant des propriétés d'adhésion
différentes.
7. Utilisation d'un adhésif pouvant être préparé selon une des revendications 1 à 6,
caractérisée en ce qu'on l'utilise en tant qu'agent d'adhésion entre des matériaux rigides et des matériaux
souples, le matériau rigide étant de préférence du verre, de la matière plastique
ou du métal.
8. Utilisation selon la revendication 7, caractérisée en ce qu'on enduit avec l'adhésif une surface non-traitée ou éventuellement pré-traitée constituée
d'un matériau rigide et, après évaporation du solvant, on applique le matériau souple
à assembler.
9. Utilisation selon la revendication 8, caractérisée en ce qu'on applique le matériau souple immédiatement après évaporation du solvant.
10. Utilisation selon une des revendications 7 à 9, caractérisée en ce que les matériaux à joindre sont un métal et un silicone A.
11. Utilisation selon une des revendications 7 à 10, caractérisée en ce que l'adhésif sert, à titre d'agent d'adhésion, dans le domaine dentaire, à faire adhérer
temporairement les matériaux de moulage sur des cuillers de moulage métalliques.
12. Utilisation selon une des revendications 7 à 11, caractérisée en ce les matériaux à assembler sont un matériau contenant du PMMA et un silicone durcissant
à température ambiante (vulcanisant à température ambiante).
13. Utilisation selon une des revendications 7, 8, 9 ou 12, caractérisée en ce qu'on garnit à titre permanent, dans le domaine dentaire, des prothèses avec des matériaux
de silicone au moyen de l'adhésif.
14. Utilisation selon une des revendications 7, 8, 9 ou 12, caractérisée en ce que l'adhésif sert, à titre d'agent d'adhésion, dans le domaine dentaire, à procurer
une adhérence temporaire de matériaux de moulage sur des cuillers de moulage individuelles.