[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Schutzschichten einheitlicher
Farbtönung auf gewalzten Flacherzeugnissen aus Titanzink in der Form von Bändern,
Blechen und Streifen zur Verwendung im Bauwesen.
[0002] In der Atmosphäre reagiert die Oberfläche von Titanzink zunächst unter Bildung von
Zinkoxid mit dem Sauerstoff in der Luft. Durch Einwirkung von Regen und Feuchtigkeit
bildet sich dann Zinkhydroxid, welches durch die Reaktion mit dem Kohlendioxid der
Luft zu einer dichten, festhaftenden und wasserunlöslichen Schutzschicht zu basischem
Zinkcarbonat, der sogenannten Patina, umgewandelt wird. Diese Schutzschicht ist im
allgemeinen verantwortlich für den hohen Korrosionswiderstand des Titanzinks. Gemäß
DIN EN 988 besteht Titanzink aus 0,06 bis 0,2 Gew.% Titan, max. 0,015 Gew.% Aluminium,
0,08 bis 1,0 Gew.% Kupfer, Rest Zink 99,995 Gew.%.
[0003] Das unter ungünstigen Gegebenheiten die Atmosphäre verunreinigende Schwefeldioxid
beeinträchtigt bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von über 70 % die Bildung der
Schutzschicht des Titanzinks. Die Schutzschicht ergänzt sich bei Abtragung oder Beschädigung
durch einen dieser Abtragung entsprechenden Verbrauch von Zink. Die Aggressivität
der örtlichen Atmosphäre ist unterschiedlich und damit auch die Intensität der atmosphärischen
Korrosion.
[0004] Die Ausbildung der Schutzschicht aus basischem Zinkcarbonat benötigt je nach Jahreszeit,
Klima und Umweltbedingungen einen mehr oder minder langen Zeitraum, wobei die Ausbildung
der Zinkcarbonatschicht nicht regelmäßig erfolgt und dadurch ein optisch negativer
Eindruck entsteht.
[0005] Es ist deshalb in der DE-C-2 757 592 ein Verfahren zur Herstellung von dunkelgrauen
bis schwarzen Schichten einer einheitlichen Farbtönung auf Blechen und Bändern aus
Titanzink beschrieben, bei dem diese in einer Lösung, bestehend aus 60 bis 90 Vol.%
Wasser, 10 bis 40 Vol.% Salpetersäure und 5 bis 10 Vol.% Schwefelsäure behandelt werden.
Mit diesem Verfahren gelingt es, die aus Titanzink bestehenden Bleche, Bänder und
Streifen von Anfang an mit einer Schicht zu versehen, die den Oberflächen den optischen
Eindruck ähnlich einer natürlichen Patina verleiht. Nachteilig ist jedoch, daß es
beispielsweise bei fehlerhafter Stapelung der Bänder, Bleche und Streifen oder bei
ungünstigen Witterungseinflüssen zu Zinkhydroxidbildung, dem sogenannten Weißrost,
kommt, der die einheitliche Farbtönung der Oberfläche erheblich beeinträchtigt.
[0006] Es ist die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein Verfahren bereitzustellen, mit
dem die durch Beizen erzeugten grauen bis schwarzen Schichten einheitlicher Farbtönung
auch unter ungünstigen Gegebenheiten, wie z. B. Luftabschluß, nicht zerstört werden.
[0007] Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt durch die im Anspruch 1 aufgeführten Verfahresmaßnahmen.
[0008] Die Ansprüche 2 bis 8 enthalten vorzugsweise und/oder weitere Ausgestaltungsmöglichkeiten
des Verfahrens nach Anspruch 1.
[0009] Die Geschwindigkeit der Beizreaktion ist im wesentlichen abhängig von dem Gehalt
an freier Säure. Die Reduktion der Salpetersäure ist die dominierende Reaktion und
verhindert eine Wasserstoff-Entwicklung. Einen weiteren Einfluß auf das Beizergebnis
übt das Verhältnis der Säuregehalte aus.
[0010] Die Vorteile der auf erfindungsgemäße Art und Weise behandelten Flacherzeugnisse
aus Titanzink bestehen darin, daß beim Transport bzw. bei der Montage von Bändern,
Blechen und Streifen keine Fingerabdrücke entstehen, das Verformen der Bleche, Bänder
und Streifen ölfrei durchführbar ist, die Passivierungsschicht einen permanenten Korrossionsschutz
auch unter ungünstigsten Bedingungen gewährleistet, so daß auch eine vollkommene Resistenz
gegen alle Wittungseinflüsse gegeben ist. Darüber hinaus ist die Passivierungsschutzschicht
mit diversen Beschichtungssystemen lackierbar.
[0011] Die Erfindung ist nachstehend näher durch ein Ausführungsbeispiel erläutert.
[0012] Ein aus Titanzink bestehendes Band von 0,8 mm Dicke und 600 mm Breite wird durch
Spülen mit einer alkalischen Entfettungslösung bei einer Temperatur von ca. 60 °C
und einem Druck von ca. 2,5 bar entfettet und anschließend in einer Spüle mit Wasser
mit einer Temperatur von 65 °C und einem Druck von 2,5 bar abgespritzt. Zur Unterstützung
des Spülvorgangs und zur Oberflächenaufrauhung wird in der letzten Spülstufe das Band
gebürstet. Anschließend wird das Band in einer Beizanlage mit einer Beizbadtemperatur
von ca. 50 °C, enthaltend eine Mischsäure aus ca. 30 bis 60 g/l Schwefelsäure und
ca. 20 bis 50 g/l Salpetersäure sowie ca. 50 g/l Zink-Ionen behandelt. Das aus der
Beizanlage austretende Band wird wie oben beschrieben mit Wasser gespült. Nach Entfernung
des Restwassers wird auf das Band mittels Walzen ein Gemisch aus 95 % Polymeren und
5 % Chromatlösung aufgebracht und dieser Auftrag bei ca. 80 °C getrocknet. Die Schichtdicke
des erzeugten Films beträgt im trockenen Zustand 1,5 µm. Unter dem Lichtmikroskop
ist die Schicht nicht zu erkennen.
[0013] Mit zwei Bandabschnitten wurde eine Schwitzwasserprüfung nach DIN 50017 (8 Stunden
incl. Aufwärmen bei 40 °C und 100 % Luftfeuchtigkeit, danach 16 Stunden Abkühlen bei
geöffneter Kammer) durchgeführt. Nach 10maliger Wiederholung dieses Tests konnte keine
Bildung von Zinkhydroxid festgestellt werden. Ein gleichzeitig dem Test unterzogenes
Titanzink-Blech, das nur nach dem Verfahren gemäß DE-C-2 757 592 gebeizt worden war,
zeigte flächenhafte Bildung von Zinkhydroxid.
[0014] Das Tiefziehverhalten der erfindungsgemäß behandelten Bandabschnitte wurde getestet,
indem aus den beiden Bandabschnitten Platinen geschnitten wurden, die mit einer Presse
zur Rohrbogen-Halbschalen tiefgezogen wurden. Es wurden sowohl unbeölte als auch beölte
Platinen tiefgezogen; Abplatzungen der Passivierungsschicht waren an keiner Stelle
erkennbar.
[0015] Zwei weitere Bandabschnitte wurden dem Gitterschnitt-Test nach DIN 53 151 unterzogen;
das Ergebnis für beide Bandabschnitte war G 0, d. h. das Haftvermögen der Beschichtung
ist als sehr gut zu bezeichnen. Ergänzend wurden nach dem Gitterschnitt-Test die Bandabschnitte
einer Runde in der Klimakammer ausgesetzt. Mit bloßem Auge waren keine Veränderungen
der Oberflächen erkennbar. Zusätzlich wurden zwei Bandabschnitte einem Gitterschnitt-Test
mit anschließender Erichsen-Tiefung gemäß DIN 50 101 unterworfen. Es waren keinerlei
Abplatzungen der Schicht zu erkennen.
[0016] Mit zwei weiteren Bandabschnitten wurden Falttests mit einer Faltung um 180 ° durchgeführt
und zwar sowohl längs als auch quer zur Walzrichtung; in beiden Fällen konnten keine
Abplatzungen der Passivierungsschicht erkannt werden.
[0017] Zur Simulierung der Verhältnisse bei fehlerhafter Stapelung wurden mehrere Bandabschnitte
gestapelt. Zwischen je zwei Bandabschnitte wurde ein Tropfen destilliertes Wasser
gegeben und der Stapel dann fest zusammengepreßt, um den Zutritt von Kohlendioxid
zu verhindern. Nach einer Woche wurde der Stapel wieder gelöst.
[0018] Dabei zeigte sich, daß die erfindungsgemäß beschichteten Bleche frei von Zinkhydroxid
geblieben waren, während die zu Vergleichszwecken gestapelten Bleche, die gemäß dem
Verfahren nach DE-C-2 757 592 gebeizt worden waren, in größerem Umfang Zinkhydroxidbildungen
aufwiesen.
[0019] Probebleche von den zwei Bandabschnitten wurden bei erhöhter Temperatur von 60 bis
70 °C unter eine UV-Lampe gelegt, auch nach 5 Wochen war weder ein Abblättern noch
eine Verfärbung der Passivierungsschicht zu erkennen.
1. Verfahren zur Herstellung von Schutzschichten einheitlicher Farbtönung durch Beizen
auf gewalzten Flacherzeugnissen aus Titanzink, in der Form von Bändern, Blechen oder
Streifen zur Verwendung im Bauwesen, dadurch gekennzeichnet, daß die Flacherzeugnisse
in einem Beizbad mit Schwefelsäure und Salpetersäure enthaltender Mischsäure gebeizt
und nach dem Spülen durch Auftragen von chromathaltigem Polymeren unter Bildung einer
Schutzschicht passiviert werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Mischsäure 2 bis 10 Vol.-%
Schwefelsäure und 2 bis 10 Vol.% Salpetersäure enthält, wobei das Mischungsverhältnis
von Schwefelsäure zu Salpetersäure < 3 ist und der Gehalt an freier Säure 25 bis 100
g/l beträgt.
3. Verfahren nach Ansprüche 1 und 2 , dadurch gekennzeichnet, daß das Beizbad 25 bis
80 g/l Zink-Ionen enthält.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das chromhaltige
Polymere aus einer Mischung von 65 bis 98 % Polymerem und 2 bis 35 % Chromat besteht.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das organische
Polymere aus einem Gemisch von Styrol-Acrylat, aliphatischen Polyestern und Polyurethan
besteht.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Beizbad
einer Temperatur von 30 - 80 °C aufweist.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Spülwasser
eine Temperatur von 20 bis 80 °C aufweist.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß das chromathaltige
Polymere durch Aufsprühen, Tauchen, Walzen, Rollen oder dergl. Maßnahmen aufgetragen
wird.
9. Flacherzeugnisse, behandelt nach einem der Ansprüche 1 bis 8, gekennzeichnet durch
eine Schutzschicht aus chromathaltigem Polymeren mit einer Dicke von 0,4 bis 3,0 µm,
vorzugsweise 1 bis 2 µm, wobei die Chromatauflage 5 bis 40 mg/m2 beträgt.