[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Einfädeln von Rohren oder Stangen in
ein Ziehaggregat mit umlaufenden Ketten, die das Werkstück am äußeren Umfang greifen
und kontinuierlich durch einen dem Ziehaggregat zugeordneten, in einem Ziehringhalter
angeordneten Ziehring ziehen, sowie mit einer aus der Ziehachse entfernbaren Zange
zum Erfassen der am Rohr- oder Stangenanfang ausgebildeten Ziehangel und Führen des
Rohr- oder Stangenanfanges in die Ziehvorrichtung.
[0002] Vorstehende Vorrichtungen werden an als Kettenziehmaschinen ausgeführte KontiZiehmaschinen,
vorzugsweise für Kupferrohre, eingesetzt (EP 0548723 B1).
[0003] Um den Ziehprozeß in einer Konti-Ziehmaschine einzuleiten, ist es nach dem Stand
der Technik bei Rohren üblich, den angespitzten Rohranfang, die sogenannte Angel,
in mehreren Schritten soweit auszuziehen, bis die eigentlichen Zieheinrichtungen in
der Lage sind, das Rohr mit den Ketten der Kettenziehmaschine voll zu erfassen, um
die Ziehkraft auf das Rohr aufbringen zu können. So beschreibt die europäische Patentanmeldung
EP 0645200 A1 eine Vorrichtung, mit der das Rohr auf dem ersten Stück vorgezogen,
d.h. in Durchmesser und Wand reduziert wird, um den Rohranfang in der entsprechenden
Länge den umlaufenden Ketten zuzuführen, damit diese bereits beim Anziehen auf ihrer
gesamten Länge das Rohr greifen. Naturgemäß ist dieser Vorgang mit Verlustzeiten verbunden
und stellt eine deutliche Beschränkung der Leistungsfähigkeit bekannter Konti-Ziehmaschinen
dar. Darüber hinaus müssen den bekannten Maschinen Hilfseinrichtungen zugeordnet sein,
die innerhalb des Zyklus für das Ziehen eines Rohres zum Einsatz kommen und die Anlage
nicht nur verkomplizieren und damit verteuern, sondern auch in ihrer Leistungsfähigkeit
behindern.
[0004] Eine bekannte Vorrichtung zum Einfädeln von Rohren in eine Ziehvorrichtung mit mindestens
zwei hintereinander angeordneten Kettenziehmaschinen beschreibt je eine hinter jeder
Kettenziehmaschine angeordnete, aus einer Ruheposition seitlich von und außerhalb
der Ziehlinie in einer Arbeitsposition verschwenkbare Zange zum Ergreifen der am Rohranfang
ausgebildeten Ziehangel, die in Ziehrichtung zwischen die radial auseinanderbewegten
Treibketten der Kettenziehmaschinen bewegbar ist, u.z. bei laufendem Betrieb.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ausgehend von dem bekannten Stand der
Technik die bekannte Vorrichtung zum Einfädeln des Anfanges von Rohren oder Stangen
in ein Ziehaggregat so weiterzubilden, daß die Zeiten für den verfahrensbedingten
Einfädelvorgang und das Vorziehen der Rohre oder Stangen wesentlich reduziert und
die Ziehaggregate ohne Absenkung oder nur mit geringfügiger Absenkung der Ziehgeschwindigkeit
durchlaufen werden können. Ein Arbeitsverfahren für eine solche Vorrichtung soll bereitgestellt
werden.
[0006] Zur Lösung der Aufgabe wird eine Vorrichtung zum Einfädeln von Rohren oder Stangen
in ein Ziehaggregat gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1 vorgeschlagen, die
dadurch gekennzeichnet ist, daß der Ziehringhalter zusammen mit dem Ziehring in und
entgegen der Ziehrichtung um einen mindestens der Einspannlänge der umlaufenden Kette
des Ziehaggregates entsprechenden Weg verschiebbar geführt ist, daß die mechanisch
schließende und öffnende Zange in einem Zangenwagen angeordnet ist, der parallel zur
Ziehrichtung unabhängig vom Ziehringhalter linear angetrieben zwischen Ziehring und
Ziehaggregat verschiebbar ist, und daß das Rohr oder die Stange auf der dem Ziehring
und dem Ziehaggregat abgewandten Seite zwischen Treibrollen eingespannt ist.
[0007] Mit einer erfindungsgemäßen Vorrichtung läßt sich die am Rohr- oder Stangenanfang
ausgebildete Ziehangel greifen und das Rohr oder die Stange nach dem Reduzieren eines
Anfangsbereiches in die Ketten des Ziehaggregates einführen, so daß diese, ohne angehalten
werden zu müssen, den Ziehvorgang fortsetzen.
[0008] In einer günstigen Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, daß zum Verschieben
des Ziehringhalters und/oder des Zangenwagens Kolben-Zylindereinheiten vorgesehen
sind, die parallel zum Rohr oder der Stange ausgerichtet einerseits an einem Festpunkt
und andererseits am Ziehringhalter bzw. Zangenwagen befestigt sind. Die Verwendung
von Kolben-Zylindereinheiten als Verschiebeantrieb vereinfacht die Vorrichtung und
verbessert die Funktionsfähigkeit. Zudem lassen sich die Kolben-Zylindereinheiten
leicht steuern, wobei kurze Verfahrzeiten möglich sind.
[0009] In einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, daß der Ziehringhalter
und der Zangenwagen an parallel zur Ziehrichtung verlaufenden Führungsbahnen abgestützt
verfahrbar sind. Derartige Führungsbahnen können sowohl Gleitflächen als auch Rollbahnen
für Räder am Ziehringhalter bzw. am Zangenwagen sein, also einfache Bauteile, die
funktionssicher und kostengünstig das Ziel der Erfindung verwirklichen helfen.
[0010] Weiterhin wird die Aufgabe auch gelöst durch ein Arbeitsverfahren zum Einfädeln von
Rohren oder Stangen in ein Ziehaggregat gemäß der beanspruchten Vorrichtung, gekennzeichnet
durch die folgenden Schritte:
a) Vor Ziehbeginn wird der Ziehringhalter zusammen mit dem Ziehring in einem solchen
Abstand vor dem Ziehaggregat positioniert, daß der Verschiebeweg des Ziehringhalters
mindestens der Einspannlänge der umlaufenden Kette des Ziehaggregates entspricht,
b) der Zangenwagen wird so verfahren, daß die Zange in Ziehrichtung hinter dem Ziehring
positioniert ist,
c) die Treibrollen stoßen das Rohr oder die Stange mit der Ziehangel in den Ziehring
ein,
d) die Zange wird geschlossen und durch Verfahren des Zangenwagens wird das Rohr oder
die Stange in Richtung Ziehaggregat mitgenommen und dabei reduziert,
e) die Zange wird geöffnet und aus der Ziehlinie verschwenkt,
f) der Ziehringhalter fährt mit dem Ziehring in seine Endstellung vor dem Ziehaggregat
und nimmt das Rohr oder die Stange, von den Treibrollen unterstützt, mit, bis eine
ausreichende Länge des reduzierten Rohr- oder Stangenanfanges zwischen die umlaufenden
Ketten des Ziehaggregates gelangt ist,
g) die umlaufenden Ketten des Ziehaggregates übernehmen das Ziehen des Rohres oder
der Stange.
[0011] In einer günstigen Ausgestaltung des Arbeitsverfahrens ist vorgesehen, daß der Zangenwagen
vor Beginn und der Ziehringhalter während des Ziehvorganges in ihre Ausgangsstellungen
zurückgefahren werden.
[0012] Mit der vorgeschlagenen Vorrichtung und dem damit auszuführenden Arbeitsverfahren
läßt sich das Vorziehen des Rohres oder der Stange so gestalten, daß die Nebenzeiten
äußerst gering sind und die kontinuierliche Ziehmaschine während des Vorziehens nicht
anzuhalten braucht, sondern mit nicht oder nur wenig abgesenkter Ziehgeschwindigkeit
durchlaufen kann.
[0013] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung an einer Konti-Rohr-Ziehmaschine wird in der
Zeichnung dargestellt und nachfolgend beschrieben. Es zeigt:
- Figur 1
- den Start des Einfädelvorganges in das Ziehaggregat,
- Figur 2
- das Reduzieren des Rohranfanges vor dem Einfädeln in das Ziehaggregat und
- Figur 3
- die Vorrichtung mit in das Ziehaggregat eingefädeltem Rohranfang.
[0014] In Figur 1 ist mit 1 der Ziehringhalter bezeichnet, der zusammen mit dem in ihm aufgenommenen
Ziehring 2 an einer Führungsbahn 3 linear hin- und herbewegbar ist. Zur Bewegung dient
der Antrieb 4, der als Kolben-Zylindereinheit ausgebildet ist, welche einerseits an
einem Fixpunkt, beispielsweise dem Rahmen der Maschine und andererseits mit der Kolbenstangenseite
am Ziehringhalter angelenkt ist. Mit 5 ist das Ziehaggregat bezeichnet, das als Kettenziehmaschine
mit umlaufenden Ketten 6 ausgebildet ist. Die Ketten laufen in Pfeilrichtung um.
[0015] Das Bezugszeichen 7 bezeichnet eine Führungsbahn für einen Zangenwagen 9, der mit
einem ebenfalls als Kolben-Zylindereinheit ausgebildeten Antrieb 8 in Verbindung steht
und von diesem entlang der Führungsbahn 7 bewegbar ist. Der Zangenwagen 9 trägt die
Zange 10, die mit dem Zangenwagen 9 derart verschwenkbar verbunden ist, daß sie aus
der Ziehlinie der Vorrichtung weggeschwenkt werden kann.
[0016] Mit 11 ist das zu ziehende Rohr bezeichnet, das zwischen den Treibrollen 13 in Ziehrichtung
bewegbar eingespannt ist und das an seinem vorderen Ende mit einer Ziehangel 12 versehen
ist, die von der Zange 10 des Zangenwagens erfaßbar ist. Wie in Figur 1 erkennbar,
ist die Ziehangel 12 durch den Ziehring hindurchgesteckt und von der Zange 10 ergriffen.
[0017] Anhand der Zeichnungsfiguren 1 bis 3 wird nun die Funktionsweise der erfindungsgemäßen
Vorrichtung beschrieben:
[0018] Wie in Figur 1 erkennbar, wird der Ziehringhalter 1 mit dem Ziehring 2 in seiner
Führungsbahn 3 mit dem Antrieb 4 in seiner Ausgangsstellung so weit vor dem Ziehaggregat
5 entfernt positioniert, daß die verschiebende Länge L mindestens der Einspannlänge
L1 der umlaufenden Ketten 6 des Ziehaggregates 5 entspricht. Der in der Führungsbahn
7 geführte und mit dem zweiten Antrieb 8 angetriebenen Zangenwagen 9, der die mechanisch
zu schließende und zu öffnende Zange 10 trägt, wird in seiner Grundstellung (Figur
1) in Ziehrichtung gesehen hinter dem Ziehringhalter 1 positioniert. Das mit seiner
Ziehangel 12 versehene Rohr 11 wird mit Hilfe der Treibrollen 13 soweit in den Ziehring
2 eingestoßen, so daß die Ziehangel 12 an der dem Ziehaggregat 5 zugewandten Seite
aus dem Ziehring 2 hinausragt. Das hinausragende Ende der Ziehangel 12 wird von der
Zange 10 ergriffen, gleichzeitig setzt sich der Zangenwagen 9 in Pfeilrichtung in
Richtung Ziehaggregat 5 in Bewegung, wobei die Zange 10 das Rohr 11 mitnimmt und das
Rohr auf einer dem Weg des Zangenwagens 9 entsprechenden Länge durch den Ziehring
2 reduziert. Die Endstellung des Ziehwagens 9 ist in der Figur 2 dargestellt.
[0019] Nach dem Öffnen der Zange 10 und deren Wegschwenken zur Seite oder nach unten fährt
der Zangenwagen 9 in seine Grundstellung zurück. Gleichzeitig fährt der Ziehringhalter
1 in Ziehrichtung auf das Ziehaggregat zu, wobei das Rohr 11, unterstützt durch die
Treibrollen 13, mitgenommen wird. Dabei gelangt, wie in Figur 3 dargestellt, der reduzierte
Rohranfang 14 zwischen die Ketten 6 des Ziehaggregates und wird, von diesen ergriffen,
weitergezogen. Günstigerweise fährt der Ziehringhalter 1 während des Ziehens in seine
Grundstellung (Figur 1) zurück und steht für einen neuen Einfädelvorgang zur Verfügung.
1. Vorrichtung zum Einfädeln von Rohren oder Stangen in ein Ziehaggregat mit umlaufenden
Ketten, die das Werkstück am äußeren Umfang greifen und kontinuierlich durch einen
dem Ziehaggregat zugeordneten, in einem Ziehringhalter angeordneten Ziehring ziehen,
sowie mit einer aus der Ziehachse entfernbaren Zange zum Erfassen der am Rohr- oder
Stangenanfang ausgebildeten Ziehangel und Führen des Rohranfanges in die Ziehvorrichtung
dadurch gekennzeichnet,
daß der Ziehringhalter (1) zusammen mit dem Ziehring (2) in und entgegen der Ziehrichtung
um einen mindestens der Einspannlänge (L1) der umlaufenden Kette (6) des Ziehaggregates
(5) entsprechenden Weg (L) verschiebbar geführt ist,
daß die mechanisch schließende und öffnende Zange (10) in einem Zangenwagen (9) angeordnet
ist, der parallel zur Ziehrichtung unabhängig vom Ziehringhalter (1) linear angetrieben
zwischen Ziehring (2) und Ziehaggregat (5) verschiebbar ist und daß das Rohr (11)
oder die Stange auf der dem Ziehring (2) und dem Ziehaggregat (5) abgewandten Seite
zwischen Treibrollen (13) eingespannt ist.
2. Vorrichtung zum Einfädeln von Rohren oder Stangen in ein Ziehaggregat mit umlaufenden
Ketten, nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß zum Verschieben des Ziehringhalters (1) und/oder des Zangenwagens (9) Antriebe
(Kolben-Zylindereinheiten 4) vorgesehen sind, die parallel zum Rohr oder der Stange
(11) ausgerichtet einerseits an einem Festpunkt und andererseits am Ziehringhalter
(1) bzw. Zangenwagen (9) befestigt sind.
3. Vorrichtung zum Einfädeln von Rohren oder Stangen in ein Ziehaggregat mit umlaufenden
Ketten, nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Ziehringhalter (1) und der Zangenwagen (9) an parallel zur Ziehrichtung verlaufenden
Führungsbahnen (3,7) abgestützt verfahrbar sind.
4. Arbeitsverfahren zum Einfädeln von Rohren oder Stangen in ein Ziehaggregat mit umlaufenden
Ketten, nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, gekennzeichnet durch folgende
Schritte:
a) vor Ziehbeginn wird der Ziehringhalter zusammen mit dem Ziehring in einem solchen
Abstand vor dem Ziehaggregat positioniert, daß der Verschiebeweg des Ziehringhalters
mindestens der Einspannlänge der umlaufenden Kette des Ziehaggregates entspricht,
b) der Zangenwagen wird so verfahren, daß die Zange in Ziehrichtung hinter dem Ziehring
positioniert ist,
c) die Treibrollen stoßen das Rohr oder die Stange mit der Ziehangel in den Ziehring
ein,
d) die Zange wird geschlossen und durch Verfahren des Zangenwagens wird das Rohr oder
die Stange in Richtung Ziehaggregat mitgenommen und dabei reduziert,
e) die Zange wird geöffnet und aus der Ziehlinie verschwenkt,
f) der Ziehringhalter fährt mit dem Ziehring in seine Endstellung vor dem Ziehaggregat
und nimmt das Rohr oder die Stange, von den Treibrollen unterstützt, mit, bis eine
ausreichende Länge des reduzierte Rohr- oder Stangenanfanges zwischen die umlaufenden
Ketten des Ziehaggregates gelangt ist,
g) die umlaufenden Ketten des Ziehaggregates übernehmen das Ziehen des Rohres oder
der Stange.
5. Arbeitsverfahren zum Einfädeln von Rohren oder Stangen in ein Ziehaggregat mit umlaufenden
Ketten, nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Zangenwagen vor Beginn und der Ziehringhalter während des Ziehvorganges in
ihre Ausgangsstellungen zurückgefahren werden.