[0001] Die Erfindung betrifft einen Zylinder einer Rotationsdruckmaschine und ein Verfahren
zum Anheben einer Platte gemäß dem Oberbegriff der Ansprüche 1 und 8.
[0002] Die DE 43 03 381 A1 zeigt einen Plattenzylinder mit einer Einrichtung zum Anheben
einer Druckplatte mittels Druckluft. Dazu sind in einer Mantelfläche des Plattenzylinders
unterhalb der anzuhebenden Druckplatte Öffnungen angebracht, die mit Druckluft beaufschlagbar
sind.
Nachteilig an diesem Plattenzylinder ist, daß durch die in der Mantelfläche angeordneten
Öffnungen Unregelmäßigkeiten im Druckbild auftreten können bzw. die druckfreie Zone
vergrößert wird.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Zylinder und ein Verfahren zum Anheben
einer Platte zu schaffen.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des kennzeichnenden Teiles
der Ansprüche 1 und 8 gelöst.
[0005] Die mit der Erfindung erzielbaren Vorteile bestehen insbesondere darin, daß durch
die Anordnung von Druckmittelzuführungen im Kanal eine druckfreie Zone nicht vergrößert
wird.
[0006] Während des Abhebevorganges vergrößern sich Öffnungen aus denen beispielsweise Falschluft
entweichen kann nicht wesentlich, weshalb nur eine minimale Menge von Druckmittel
benötigt wird. Deshalb können die Querschnitte der Leitungen zum Zuführen von Druckmittel
klein gehalten werden.
In vorteilhafter Weise kann ein Ende der Platte vollständig aus dem Schlitz entfernt
werden.
Zudem ist eine Zuführung des Druckmittels äußerst einfach ausgeführt.
[0007] Der erfindungsgemäße Zylinder ist in der Zeichnung dargestellt und wird im folgenden
näher beschrieben.
[0008] Es zeigen
- Fig. 1
- einen schematischen Schnitt durch einen Zylinder in einem ersten Ausführungsbeispiel;
- Fig. 2
- einen schematischen Schnitt durch den Zylinder in einem zweiten Ausführungsbeispiel;
- Fig. 3
- einen schematischen Schnitt durch den Zylinder in einem dritten Ausführungsbeispiel;
- Fig. 4
- einen schematischen Schnitt durch den Zylinder in einem vierten Ausführungsbeispiel;
- Fig. 5
- einen schematischen Schnitt durch den Zylinder in einem fünften Ausführungsbeispiel.
[0009] Ein Zylinder 1 einer Rotationsdruckmaschine ist zur Aufnahme von biegsamen Platten
2 mit abgekanteten Enden 3, 4 mit mindestens einem parallel zu seiner Drehachse verlaufenden,
sich von einer Mantelfläche 6 des Zylinders 1 in sein Inneres 7 erstreckenden, engen
Kanal 8 versehen.
Bei der Platte 2 mit einer Dicke d2, z. B. d2 = 0,3 mm, handelt es sich vorzugsweise
um Druckplatten, z. B. für den Flachdruck oder Hochdruck (insbesondere Flexodruck,
d.h. Trägerplatten mit Kunststoffschicht) oder um Trägerplatten mit z. B. darauf befestigten
Gummitüchern. Das vorlaufende Ende 3 und nachlaufende Ende 4 weisen jeweils einen
abgekanteten Schenkel 9, 11 auf.
[0010] Im vorliegenden Beispiel weist der Kanal 8 annähernd dreieckförmigen Querschnitt
auf. Der Kanal 8 kann auch im Querschnitt annähernd rechteckig, in Form eines Schlitzes
12, ausgebildet sein (Fig. 4). Eine Breite b8 bzw. b12 des Querschnittes des Kanales
8 bzw. Schlitzes 12 weist an seinem Anfang 13 etwas mehr als die doppelte Dicke d2
der Platte 2 auf, d.h. beispielsweise b8 = 1 mm. Der Kanal 8 bzw. der Schlitz 12 ist
bezüglich einer an der Mantelfläche 6 im Bereich des Kanales 8 bzw. Schlitzes 9 anliegenden
Tangente 14 um einen Neigungswinkel Alpha, z. B. Alpha = 45°, geneigt. Am Ende des
Kanales 8 bzw. Schlitzes 12 ist eine parallel zu dem Kanal 8 verlaufende Bohrung 16
in dem Zylinder 1 angebracht. Der Kanal 8 bzw. Schlitz 12 tangiert die Bohrung 16
in Form einer Sehne, so daß die Bohrung 16 mit dem Kanal 8 bzw. Schlitz 12 in Verbindung
steht. In dieser Bohrung 16 ist ein Schwenkhebel 17, der im vorliegenden Ausführungsbeispiel
als eine Welle 17 mit einem Radius r17, z. B. r17 = 15 mm, ausgeführt ist, schwenkbar
zentrisch gelagert. Diese Welle 17 ist in axialer Richtung mit mehreren von radial
nach außen wirkenden, gefederten Druckstücken 18 versehen. Die Druckstücke 18 sind
so in der Welle 17 befestigt, daß deren Drucknocken 19 über eine Mantelfläche 21 der
Welle 17 hinaus federnd wirken können. Im dargestellten Beispiel sind die Drucknocken
19 zylinderförmig ausgestaltet, so daß sich für jeden Drucknocken 19 beispielsweise
eine linienförmige Berührzone ergibt. Es ist beispielsweise auch möglich, die Drucknocken
18 an ihrem äußeren Ende mit einer Kugelkuppe zu versehen.
[0011] In einem ersten Ausführungsbeispiel ist der Kanal 8 dreieckförmig ausgeführt und
wird zur Aufnahme des vorlaufenden Endes 3 der Platte 2 von einer um den Öffnungswinkel
Alpha geneigten Seitenfläche 22 begrenzt, während eine gegenüberliegende Seitenfläche
23 senkrecht auf die Tangente 14 gerichtet ist, d.h. sich in radialer Richtung erstreckt.
In diesem von den beiden Seitenflächen 22, 23 und Welle 17 begrenzten, im Querschnitt
dreieckförmigen Raum 24 ist eine Druckmittelzuführung 26 angeordnet. Dieser Raum kann
auch noch zusätzlich an seinen Stirnseiten geschlossen sein.
Diese Druckmittelzuführung 26 ist beispielsweise als Rohr 26 oder Schlauch mit kreisförmigem
Querschnitt ausgeführt und ist in Längsrichtung mit einer Vielzahl von Austrittsöffnungen
27 versehen. An mindestens einem Ende der Druckmittelzuführung 26 ist ein nichtdargestellter
Anschluß zur Zufuhr eines Druckmittels, vorzugsweise Druckluft, vorgesehen. Dieser
Anschluß kann permanent mit einem Drehübertrager verbunden sein, so daß in jeder Stellung
des Zylinders 1 Druckmittel dem Kanal 8 zugeführt werden kann. Es ist aber auch möglich,
die Druckmittelzuführung nur zeitweise mit einer ortsfesten Druckmittelquelle zu verbinden.
[0012] Diese als Rohr 26 ausgebildete Druckmittelzuführung 26 kann auch in der Welle 17
angeordnet sein (Fig. 2). Dazu weist die Welle 17 beispielsweise im Bereich ihrer
Mantelfläche 21 eine sich axial erstreckende, U-förmige Nut 28 auf, die in radialer
Richtung der Welle 17 weist und nach außen offen ist. Diese U-förmige Nut 28 ist derart
angeordnet, daß in ungeklemmter Stellung der Welle 17 die Austrittsöffnungen 27 des
Rohres 26 das Druckmittel direkt in den Kanal 8 münden. Die Druckstücke 18 und die
U-förmige Nut schließen deshalb beispielsweise einen Öffnungswinkel Beta, z. B. Beta
= 35° ein.
[0013] Die Druckmittelzuführung 26 kann - wie in einem dritten Ausführungsbeispiel (Fig.
3) angedeutet - auch in der Welle 17 integriert sein. Dazu ist beispielsweise die
Welle 17 mit einer sich axial erstreckenden Bohrung 29 versehen, die mit in den Kanal
8 mündenden Austrittsöffnungen 31 verbunden ist.
Zusätzlich oder anstelle der in der Welle 17 integrierten Bohrung 29 können auch die
Drucknocken 19 in Längsrichtung mit einer Bohrung 34 und mit von dieser ausgehenden,
radial nach außen weisenden Austrittsöffnungen 36 versehen sein. Diese Bohrungen 34
der Drucknocken 19 sind untereinander mittels eines flexiblen Rohres beispielsweise
mittels eines Schlauches verbunden.
Auch ist es möglich, zusätzlich oder anstelle der Bohrungen 29, 34 in einer Aussparung
37 einer nachlaufenden Seitenfläche des Kanals 8 ein Rohr 38 mit in den Kanal 8 führenden
Austrittsöffnungen 39 anzuordnen.
[0014] In einem vierten Ausführungsbeispiel weist der Kanal 8 rechteckförmigen Querschnitt
auf und ist somit als Schlitz 12, der zusätzlich stirnseitig geschlossen sein kann,
ausgeführt. An seinem innen liegenden Ende 32 ist der Schlitz 8 mit einer Druckmittelzuführung
versehen. Diese kann im einfachsten Fall aus einer oder zwei an einer oder beiden
Stirnflächen des Zylinders 1 angeordneten Bohrungen 33 bestehen, an denen eine Druckmittelquelle
angeschlossen wird. Es ist aber auch möglich, das untere Ende 32 des Schlitzes 8 zu
vergrößern und daran beispielsweise ein Rohr 26 mit Austrittsöffnungen 27 entsprechend
dem ersten Ausführungsbeispiel einzulegen.
[0015] In einem fünften Ausführungsbeispiel sind Austrittsöffnungen 41 an die Mantelfläche
6 des Zylinders 1 anschließend, d. h. im beispielsweise abgerundeten oder angefasten
Übergangsbereich von der Mantelfläche 6 zu der Seitenfläche 23 des Kanals 8 angeordnet.
Die Austrittsöffnungen 41 wirken auf die Platte 2 im Bereich des Biegeradius des nachlaufenden,
abgekanteten Endes 4 der Platte 2.
[0016] Die Austrittsöffnungen 41 sind mit einer axial verlaufenden Druckmittelzuführung
42 verbunden.
[0017] Es ist auch möglich, z. B. bei einem Zylinder 1 der eine Mehrzahl von Platten 2 in
axialer Richtung trägt, mehrere dieser Druckmittelzuführungen 26 anzuordnet, wobei
dann jedem Abschnitt des Kanals 8 der beispielsweise einer Platte 2 zugeordnet ist,
eine eigene Druckmittelzuführung 26 zugeordnet ist. Vorzugsweise ist der Kanal 8 dann
in axialer Richtung in einzelne Abschnitte unterteilt, so daß einzelne Räume 24, d.h.
Kammern gebildet werden.
[0018] Eine Summe der Querschnitte aller Zuführöffnungen ist auf die Summe der Querschnitte
aller Öffnungen aus denen Falschluft entweichen kann, angepaßt, vorzugsweise sind
die Zuführöffnungen größer als die Falschluftöffnungen ausgebildet. Eine Öffnung aus
der Falschluft entweichen kann, ist beispielsweise der Spalt, der sich zwischen den
beiden Schenkeln 9, 11 der Platte 2 infolge der etwas größeren Breite 8 des Kanales
8 ergeben kann.
[0019] Die Funktionsweise der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist folgendermaßen:
[0020] Zum Entfernen der Platte 2 wird die Welle 17 von ihrer Klemmstellung in ihre Lösestellung
im Uhrzeigersinn geschwenkt , worauf die Drucknocken 19 die Schenkel 9, 11 der Enden
3, 4 freigeben. Die Drucknocken 19 werden in die Bohrung 16 geführt, in der sich die
Drucknocken 17 an der Mantelfläche der Bohrung 16 abstützen.
[0021] Ist die Druckmittelzuführung der Welle 17 zugeordnet, gelangen die Austrittsöffnungen
der Welle 17 in den Bereich des Kanales 8.
Die Druckmittelzuführung 26 wird nun mit Druckmittel beaufschlagt, wodurch in den
Kanal 8 Druckmittel gelangt und in dem Kanal 8 ein Druck aufgebaut wird. Somit wirkt
der Kanal 8 als Druckkammer. Das Druckmittel wirkt auf das abgekantete Ende 4 der
Platte und schiebt den Schenkel 11 des nachlaufenden Endes 4 aus dem Kanal 8. Das
nachlaufende Ende 4 der Platte 2 wird somit von der Mantelfläche 6 des Zylinders 1
gelöst. Vorzugsweise wird solange Druckmittel zugeführt bis der Schenkel 11 vollständig
aus dem Kanal 8 herausgeschoben ist.
Bezugszeichenliste
[0022]
- 1
- Zylinder
- 2
- Platte
- 3
- Ende, vorlaufend
- 4
- Ende, nachlaufend
- 5
- -
- 6
- Mantelfläche (1)
- 7
- Inneres (1)
- 8
- Kanal
- 9
- Schenkel (3)
- 10
- -
- 11
- Schenkel (4)
- 12
- Schlitz
- 13
- Anfang (8; 12)
- 14
- Tangente
- 15
- -
- 16
- Bohrung
- 17
- Welle
- 18
- Druckstück
- 19
- Drucknocken
- 20
- -
- 21
- Mantelfläche
- 22
- Seitenfläche (8)
- 23
- Seitenfläche (8)
- 24
- Raum
- 25
- -
- 26
- Druckmittelzuführung, Rohr
- 27
- Austrittsöffnung (26)
- 28
- Nut (17)
- 29
- Bohrung
- 30
- -
- 31
- Austrittsöffnung
- 32
- Ende (12)
- 33
- Bohrung
- 34
- Bohrung (19)
- 35
- -
- 36
- Austrittsöffnung (34)
- 37
- Aussparung
- 38
- Rohr
- 39
- Austrittsöffnung (38)
- 40
- -
- 41
- Austrittsöffnung (38)
- 42
- Druckmittelzuführung
- b8
- Breite des Kanals (8)
- d2
- Dicke der Platte (2)
- Alpha
- Neigungswinkel
- Beta
- Öffnungswinkel
1. Zylinder (1) einer Rotationsdruckmaschine mit Austrittsöffnungen (27; 31) zur Zufuhr
eines Druckmittels um eine biegsame Platte (2) von einer Mantelfläche (6) des Zylinders
(1) abzuheben, wobei Enden (3; 4) der Platte (2) in einem Kanal (8; 12) angeordnet
sind, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens eine in den Kanal (8; 12) mündende Austrittsöffnung
(27; 31) angeordnet ist.
2. Zylinder (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens eine mit dem
Kanal (8; 12) verbundene Zuführung für Druckmittel an mindestens einer Stirnfläche
des Zylinders (1) vorgesehen ist.
3. Zylinder (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in dem Kanal (8; 12) eine
sich axial erstreckende Druckmittelzuführung (26; 33) mit einer Vielzahl von Austrittsöffnungen
(27; 31) angeordnet ist.
4. Zylinder (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Kanal (8) als Schlitz
(12) ausgebildet ist und daß mindestens eine Austrittsöffnung zum Zuführen von Druckmittel
im Bereich eines innen liegenden Endes (32) des Schlitzes (12) angeordnet ist.
5. Zylinder (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß eine Welle (17) zum Klemmen
der Enden (3; 4) vorgesehen ist und daß in der Welle (17) Austrittsöffnungen (31)
zum Zuführen von Druckmittel vorgesehen sind.
6. Zylinder (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Platte (2) eine Druckplatte
vorgesehen ist.
7. Zylinder (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Platte (2) eine mit
einem Gummituch beschichtete Trägerplatte vorgesehen ist.
8. Verfahren zum Anheben einer Platte (2) von einer Mantelfläche (6) eines Zylinders
(1) mittels eines direkt auf die Platte wirkenden Druckmittels, wobei Enden (3; 4)
der Platte (2) von einem Kanal (8; 12) aufgenommen werden, dadurch gekennzeichnet,
daß das Druckmittel in den Kanal (8; 12) eingeleitet wird.