[0001] Die Erfindung betrifft eine Zweiwalzenmaschine, insbesondere eine Hochdruckwalzenpresse
zur Druckbehandlung körnigen Gutes mit zwei gegenläufig rotierbaren und durch einen
Walzenspalt voneinander getrennten Walzen, zwischen die das körnige Gut eingezogen
und einer Gutbettdruckzerkleinerung unterworfen wird mit einem Gutaufgabeschacht oberhalb
des Walzenspaltes.
[0002] Weiterhin betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Druckzerkleinerung körnigen Gutes
mit einer solchen Zweiwalzenmaschine.
[0003] Beim Betrieb der Hochdruckwalzenpresse zum Verdichten bzw. zur Druckzerkleinerung
körnigen Gutes wird das dem Walzenspalt zugeführte Schüttgut von den gegenläufig rotierenden
Walzen erfaßt und durch Reibung (Reibung innerhalb des Schüttgutes und Reibung zwischen
Schüttgut und der Walzenoberfläche) in den Walzenspalt eingezogen. Dabei werden die
einzelnen Partikel des eingezogenen Schüttgutes in einem Gutbett, d.h. in einer zwischen
den beiden Walzenoberflächen zusammengedrückten Materialschüttung bei Anwendung hohen
Drucks gegenseitig zerdrückt, so daß man hierbei von der Gutbettzerkleinerung spricht
(DE-PS 27 08 053). Das Produkt dieser Druckbehandlung sind Agglomerate aus zerkleinertem
Schüttgut, die sich anschließend mit geringem mechanischen Aufwand aufschließen lassen.
[0004] Eine entsprechend hohe Reibung für das Zustandekommen einer Hochdruckgutbettzerkleinerung
ist von der Beschaffenheit des zu zerkleinernden Materials (Sprödigkeit, Kornaufbau,
Kornform) und von der Ausführung der Walzenoberfläche abhängig. Insbesondere ist die
maximale Korngröße, die von den Walzen noch eingezogen werden kann, begrenzt. So sollte
bei hochverschleißfest ausgeführten Walzenoberflächen das maximale Aufgabekorn kleiner
als der Walzenspalt sein. Bei normaler Ausführung der Walzenoberflächen sollte die
Aufgabekorngröße den zweifachen Wert des Walzenspaltes nicht überschreiten.
[0005] Um diese Forderung zu erfüllen, wird in der EP-A- 0 278 858 vorgeschlagen, der Hochdruckwalzenpresse
ein Brechwalzwerk vorzuschalten, in dem das gesamte Schüttgut vorzerkleinert wird.
Nachteilig bei diesem Verfahren ist, daß das gesamte Schüttgut, also auch Partikel
mit genügend kleiner Korngröße durch das Brechwalzwerk geführt wird, wodurch der Energiebedarf
des gesamten Verfahrens unnötig vergrößert wird und weiter, daß mit dem Brechwalzwerk
als eigenständige Maschine der maschinelle Aufwand für die Hochdruckzerkleinerung
zunimmt.
[0006] Es ist Aufgabe der Erfindung, bei der Druckzerkleinerung körnigen Gutes im Walzenspalt
einer Walzenmaschine insbesondere Zweiwalzenpresse sicherzustellen, daß dem Walzenspalt
stets nur ein Schüttgut zugeführt wird, das frei von unerwünscht großen Einzelpartikeln
ist.
[0007] Die gestellte Aufgabe wird anlagenmäßig mit den Merkmalen des Kennzeichnungsteils
des Anspruchs 1 und verfahrensmäßig mit den Maßnahmen des Kennzeichnungsteils des
Anspruchs 9 gelöst.
[0008] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0009] Durch die Maßnahme der Erfindung, im Gutaufgabeschacht der Zweiwalzenmaschine, inbesondere
der Hochdruckwalzenpresse, eine Siebvorrichtung anzuordnen, deren Siebüberlauf im
Brechspalt einer Brechwalze, die diesen Brechspalt mit einer der beiden Walzen der
Zweiwalzenmaschine bildet, auf eine Korngröße zerkleinert wird, die problemlos von
der Zweiwalzenmaschine eingezogen werden kann, wird der Zweiwalzenmaschine ein für
die Druckbehandlung optimales Schüttgut angeboten.
[0010] Die auf diese erfindungsgemäße Weise gestaltete Zweiwalzenmaschine stellt eine kompakte
Einheit dar, in der mit minimalen Investitions- und Betriebskosten eine Vorabsiebung,
eine partielle Vorzerkleinerung und schließlich die gewünschte Gutbettdruckzerkleinerung
erfolgt. Da die Absiebung und die Vorzerkleinerung im Gutaufgabeschacht durchgeführt
wird, ist für beide Verfahrensschritte keine separate Aufgabevorrichtung, keine separate
Austragsvorrichtung sowie, da sich diese Verfahrensschritte im nach außen geschlossenen
Gutaufgabeschacht abspielen, keine sonst aufwendige Entstaubung erforderlich.
[0011] Gemäß der Erfindung kann die Siebvorrichtung aus einem Vibrationssieb, einer Siebrinne
oder einem statischen Siebrost bestehen. Welche Siebvorrichtung zur Anwendung gelangt,
ist von der zu lösenden Aufgabe, die aufgrund der Beschaffenheit des körnigen Gutes
von der Siebvorrichtung zu lösen ist, abhängig. Wichtig ist, daß das Siebunterkorn
eine Korngröße aufweist, die maximal nur das 2- bis 2,5-fache des Walzenspaltes beträgt.
In speziellen Fällen, beispielsweise bei hochverschleißfest ausgeführten Walzenoberflächen,
sollte die Siebvorrichtung in der Lage sein, einen Siebunterlauf zu erzeugen, dessen
maximale Korngröße gleich groß oder kleiner als die Spaltweite der Zweiwalzenmaschine
ist.
[0012] Das Siebgut, das von der Siebvorrichtung als Überkorn vom übrigen körnigen Gut abgetrennt
wird, wird innerhalb des Gutaufgabeschachtes vom Brechspalt zwischen der Brechwalze
und einer der Walzen der Zweiwalzenmaschine erfaßt und auf die Korngröße zerkleinert,
die der Siebspaltweite der Siebvorrichtung entspricht und die für eine problemlose
Aufgabe auf die Zweiwalzenmaschine erforderlich ist.
[0013] Zu diesem Zweck wird die Brechwalze durch einen separaten Antrieb auf eine Umfangsgeschwindigkeit
angetrieben, die der Umfangsgeschwindigkeit der Walze der Zweiwalzenmaschine entspricht
oder aber der Antrieb der Brechwalze erfolgt durch Kraftschluß über die zu zerkleinernden
Überkörner, die sich im Brechspalt befinden, mit der Walze der Zweiwalzenmaschine,
d.h. die Brechwalze arbeitet dann als Schleppwalze und dreht sich nur dann, wenn zu
zerkleinerndes Überkorn in den Brechspalt gelangt.
[0014] Je nach der Menge des zu zerkleinernden Überkorns kann die Breite der Brechwalze
der Breite der Walze der Zweiwalzenmaschine entsprechen. Sie kann aber auch wesentlich
schmäler ausgeführt sein, so daß die Breite dann beispielsweise nur einem Viertel
der Walzenbreite entspricht.
[0015] Weitere Einzelheiten, Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus den nachfolgenden
Erläuterungen zu einem in einer Zeichnungsfigur dargestellten Ausführungsbeispiel.
[0016] Die Zeichnungsfigur zeigt den vertikalen Schnitt durch eine Zweiwalzenmaschine zur
Druckzerkleinerung körnigen Gutes.
[0017] Die schematische Zeichnungsfigur zeigt eine Zweiwalzenmaschine bzw. Hochdruck-Walzenpresse
10 zur Druckbehandlung (Gutbettzerkleinerung) von körnigem Gut mit zwei gegenläufig
rotierbaren (die Antriebe sind nicht eingezeichnet) Walzen 12, 13, die über ihre Wellen
26, 27 und Lager 22, 23 in einem Maschinenrahmen 11 gelagert sind. Dieser Maschinenrahmen
11 trägt oberhalb der beiden Walzen 12, 13 einen Gutaufgabeschacht 15, in dem oben
über eine Öffnung das zu zerkleinernde körnige Gut 17 aufgegeben wird.
[0018] Innerhalb des Gutaufgabeschachtes 15 ist eine Siebvorrichtung 16 angeordnet, durch
die das Aufgabegut 17 abgesiebt und in den Siebüberlauf 18 und in den Siebunterlauf
25 aufgetrennt wird. Während der Siebunterlauf 25 direkt nach unten in den Walzenspalt
20 der Zweiwalzenmaschine fällt, rutscht der Siebüberlauf 18 über die Siebvorrichtung
16 und über ein Leitblech 28 in den Brechspalt 19, der von der Walze 13 und der Brechwalze
14 gebildet wird, und wird dort auf die gewünschte Korngröße - sie entspricht der
Siebmaschenweite - zerkleinert.
[0019] Die Brechwalze 14 mit ihrem Lager 24 und ihrer Welle 29 ist gleichfalls im Maschinenrahmen
11 gelagert und zwar so, daß sie schräg nach oben oder schräg nach unten verschoben
werden kann, um auf diese Weise den Brechspalt 19 den jeweiligen Erfordernissen anpassen
und verändern zu können.
[0020] Da der Brechvorgang selbst keine Hochdruck- bzw. Gutbettzerkleinerung ist, ist das
Lager 24 für die erforderlichen kleinen Lagerkräfte entsprechend dimensioniert und
auch der Antrieb der Brechwalze ist entsprechend klein ausgelegt, wenn nicht, wie
in einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung vorgeschlagen wird, die Brechwalze
14 als Schleppwalze durch die Walze 13 angetrieben wird.
[0021] Der im Brechspalt 19 zerkleinerte Siebüberlauf 18 fällt nun ebenfalls in den Walzenspalt
20 der Zweiwalzenmaschine 10, wo das zerkleinerte Gut nun gemeinsam mit dem abgesiebten
Siebunterlauf 25 einer Hochdruckbeanspruchung, d.h. einer Gutbettzerkleinerung unterworfen
wird und in Form von Agglomeraten 21 unten aus dem Walzenspalt 20 ausgetragen wird.
[0022] Das dargestellte Beispiel stellt nur eine mögliche Ausführungsform des Gutaufgabeschachtes
und eine mögliche Anordnung der im Gutaufgabeschacht angeordneten Maschinenteile Siebvorrichtung
und Brechwalze dar, die aber je nach Materialeigenschaften und Anforderung an den
Sieb- und Brechvorgang entsprechend verändert werden kann.
1. Zweiwalzenmaschine, insbesondere Hochdruckwalzenpresse zur Druckbehandlung körnigen
Gutes mit zwei gegenläufig rotierbaren und durch einen Walzenspalt voneinander getrennten
Walzen, zwischen die das körnige Gut eingezogen und einer Gutbettdruckzerkleinerung
unterworfen wird mit einem Gutaufgabeschacht oberhalb des Walzenspaltes,
gekennzeichnet durch
a) eine im Gutaufgabeschacht (15) angeordnete Siebvorrichtung (16), die das körnige
Gut (17) vor seinem Eintritt in den Walzenspalt (20) absiebt, wobei die vorgewählte
Siebspaltweite von kleiner 1- bis zum 2,5-fachen des Walzenspaltes (20) beträgt,
b) eine im Gutaufgabeschacht (15) unterhalb der Siebvorrichtung (16) und seitlich
oberhalb einer Walze (13) angeordnete Brechwalze (14), die mit der Walze (13) einen
Brechspalt (19) bildet.
2. Zweiwalzenmaschine (10) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß die Siebvorrichtung (16) ein Vibrationssieb ist.
3. Zweiwalzenmaschine (10) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß die Siebvorrichtung (16) eine Siebrinne ist.
4. Zweiwalzenmaschine (10) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß die Siebvorrichtung (16) ein statischer Siebrost ist.
5. Zweiwalzenmaschine (10) nach Anspruch 1, 2, 3 oder 4,
dadurch gekennzeichnet, daß die Breite der Brechwalze (14) der Breite der Walze (13) entspricht.
6. Zweiwalzenmaschine (10) nach Anspruch 1, 2, 3 oder 4,
dadurch gekennzeichnet, daß die Breite der Brechwalze (14) kleiner als die Breite der Walze (13) ist.
7. Zweiwalzenmaschine (10) nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß der Antrieb der Brechwalze (14) über im Brechspalt (19) befindliches Siebüberlaufkorn
(18), das einen Kraftschluß herstellt, durch die Walze (13) erfolgt.
8. Zweiwalzenmaschine (10) nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß die Brechwalze (14) einen separaten Antrieb aufweist.
9. Verfahren zur Druckbehandlung körnigen Gutes im Walzenspalt (20) einer Zweiwalzenmaschine
(10) nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das körnige Gut (17) im Gutaufgabeschacht (15) der Zweiwalzenmaschine (10) abgesiebt
wird, daß das Überkorn (18) der Absiebung im Brechspalt (19), der von der Brechwalze
(14) und der Walze (13) gebildet wird, zerkleinert und das zerkleinerte Überkorn (18)
und das Unterkorn (25) der Absiebung gemeinsam im Walzenspalt (20) der Zweiwalzenmaschine
einer Druckbehandlung unterworfen wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, daß das Überkorn (18) durch Einstellung der Breite des Brechspaltes (19) auf eine
Korngröße von kleiner 1-fach, z.B. 0,8-fach, bis zum 2,5-fachen des Walzenspaltes
(20) durch die Brechwalze (14) vorzerkleinert wird.