[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung von Beuteln
mit Tragegriffen.
[0002] Beutel aus Papier oder Kunststoff, die beispielsweise im Einzelhandel als Tragetaschen
verwendet werden, sind üblicherweise mit je zwei Tragegriffen versehen, die an den
gegenüberliegenden Wänden des Beutels angebracht sind. Die Tragegriffe bestehen zumeist
aus zu mehreren Lagen gefalteten Streifen aus Papier oder Kunststoff, die durch zweimaliges
rechtwinkliges Umfalten zu einem U geformt und mit den freien Enden ihrer freien Schenkel
an die Beutelwand angeklebt oder angeschweißt sind.
[0003] Verfahren und Vorrichtungen zum Herstellen der Beutel als solche sind in vielfältigen
Ausführungsformen bekannt. Beispielsweise wird in US-A-3 439 591 ein Verfahren beschrieben,
bei dem die Beutel aus einem endlosen Schlauch hergestellt werden, der in Abschnitte
geeigneter Länge aufgeteilt wird. Aus jedem Abschnitt wird durch Einfalten und Verkleben
eines Endes ein Beutel mit geschlossenem Boden gebildet.
[0004] Beispiele für Vorrichtungen zum Herstellen und Anlegen der Tragegriffe werden beschrieben
in US-A-3 613 523, US-A-5 298 007 und DE-U-94 14 380. Die Tragegriffe werden entweder
an den fertigen Beutelin angebracht oder bereits vor Fertigstellung der Beutel an
dem endlosen Ausgangsmaterial angebracht, bevor oder nachdem dieses zu einem Schlauch
geschlossen wird. Die Griffanlegevorrichtungen sind zumeist symmetrisch oberhalb und
unterhalb der Transportbahn für die Beutel angeordnet, so daß die Tragegriffe von
entgegengesetzten Seiten her an den Beuteln angebracht werden können. Jeder Griffanlegevorrichtung
ist bisher eine Abrolleinrichtung zugeordnet, mit der das Ausgangsmaterial für den
betreffenden Tragegriff in der Form eines endlosen Streifens von einer Rolle abgezogen
wird. Die Breite dieses Streifens Ist von der Breite des gewünschten Tragegriffes
und von der Anzahl der Materiallagen dieses Tragegriffes abhängig und liegt typischerweise
in der Größenordnung von etwa 8 cm. Die Rolle, von der dieser Streifen abgezogen wird,
hat einen relativ großen Anfangsdurchmesser, beispielsweise in der Größenordnung von
1 m, damit allzu häufige Betriebsunterbrechungen durch Rollenwechsel vermieden werden.
Aufgrund des ungünstigen Verhältnisses zwischen Rollenbreite und Rollendurchmesser
sind die Rollen relativ instabil und deshalb schwer zu handhaben.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zum Herstellen von Beuteln mit Tragegriffen
zu schaffen, das eine einfache und sichere Handhabung des Ausgangsmaterials für die
Tragegriffe gestattet.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch das in Patentanspruch 1 angegebene Verfahren
gelöst. Eine zweckmäßige Vorrichtung zur Durchführung dieses Verfahrens ist Gegenstand
des unabhängigen Anspruchs 3.
[0007] Erfindungsgemäß wird das Ausgangsmaterial für die mehreren zu einem Beutel gehörenden
Tragegriffe zunächst in der Form eines einzigen Materialstreifens zugeführt, der dann
kontinuierlich in mehrere parallele Teilstreifen für die einzelnen Tragegriffe aufgeteilt
wird.
[0008] Da an jedem Beutel mindestens zwei Tragegriffe angebracht werden, ist die Breite
der Rolle, von der bei dem erfindungsgemäßen Verfahren der Materialstreifen abgezogen
wird, mindestens doppelt so groß wie beim Stand der Technik, so daß bei gleichem Rollendurchmesser
eine wesentlich höhere Stabilität der Rolle erreicht und damit eine wesentlich einfachere
Handhabung ermöglicht wird.
[0009] Weiterhin wird durch das erfindungsgemäße Verfahren eine beträchtliche Vereinfachung
der Vorrichtung ermöglicht, da nur noch eine einzige Abrollvorrichtung für das Ausgangsmaterial
für sämtliche Tragegriffe benötigt wird. Wenn das Ausgangsmaterial für die Tragegriffe
verbraucht ist, kann mit nur einem einzigen Rollenwechsel das Ausgangsmaterial für
sämtliche Griffanlegevorrichtungen wieder ergänzt werden. Hierdurch läßt sich nicht
nur die Dauer der für den Rollenwechsel benötigten Betriebsunterbrechung verkürzen,
sondern es wird auch die Anzahl dieser Betriebsunterbrechungen vermindert, weil bei
dem erfindungsgemäßen Verfahren - anders als beim Stand der Technik - sichergestellt
ist, daß das Material für die mehreren Griffanlegevorrichtungen stets genau zum selben
Zeitpunkt erschöpft ist.
[0010] Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den
Unteransprüchen.
[0011] Durch die in den Unteransprüchen angegebenen Merkmale wird insbesondere mit einfachen
Mitteln sichergestellt, daß der Ausgangsmaterialstreifen und die daraus gebildeten
Teilstreifen stets die richtige Zugspannung haben und daß die Teilstreifen der Gesamtanlage
synchron, mit der durch den Arbeitstakt der Gesamtanlage geforderten Geschwindigkeit
zugeführt werden.
[0012] Im folgenden wird ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der Zeichnung
näher erläutert.
[0013] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Seitenansicht einer Vorrichtung zum Zuführen des Ausgangsmaterials
für die Tragegriffe; und
- Fig. 2
- die Vorrichtung nach Figur 1 in der Draufsicht.
[0014] In Figur 1 ist von einer Anlage zur Herstellung von Beuteln mit Tragegriifen lediglich
eine Griffanlegestation 10 gezeigt, die in der Richtung senkrecht zur Zeichenebene
von den Beuteln 12 durchlaufen wird. Im gezeigten Beispiel soll der Einfachheit halber
angenommen werden, daß die Tragegriffe an den im übrigen bereits fertigen Beuteln
12 angebracht werden. Wahlweise Ist es jedoch auch möglich, die Tragegriffe etwa an
dem schlauchförmigen Ausgangsmaterial für die Beutel anzubringen, bevor daraus die
einzelnen Beutel 12 hergestellt werden.
[0015] Die Griffanlegestation 10 weist eine obere Griffanlegevorrichtung 14 und eine spiegelbildlich
dazu ausgebildete untere Griffanlegevorrichtung 16 auf. Die Griffanlegevorrichtungen
sind hier nur als Block dargestellt, da ihre Konstruktion als solche bekannt ist.
[0016] Den beiden Griffanlegevorrichtungen 14 und 16 ist eine gemeinsame Abrolleinheit 18
zugeordnet, in der ein Ausgangsmaterialstreifen 20 (z.B. Papier) von einer Rolle 22
abgezogen wird. Der Ausgangsmaterialstreifen 20 hat im gezeigten Beispiel eine Breite
von etwa 16 cm. Die Rolle 22 hat einen Anfangsdurchmesser von beispielsweise 1 m und
ist drehfest auf eine Spindel 24 aufgesteckt, die bremsbar und wahlweise auch antreibbar
in einem Antriebsgehäuse 26 (Figur 2) gelagert ist.
[0017] Ein Tänzersystem mit Umlenkwalzen 28 und einer Tänzerwalze 30 wirkt über einen Regler
32 auf die Bremse der Spindel 24, so daß die Zugspannung des Ausgangsmaterialstreifens
20 auf beispielsweise 100 N geregelt wird.
[0018] Eine der Tänzeranordnung nachgeschaltete Längsschneideinrichtung mit einer Messerrolle
34 und einer Gegenmessertolle 36 teilt den Ausgangsmaterialstreifen 20 längs seiner
Mittellinie in zwei parallele Teilstreifen 38, 40 auf, die an Umlenkrollen 42 nach
oben bzw. nach unten umgelenkt werden. Der obere Tellstreifen 38 läuft über eine weitere
Umlenkrolle 44 zu einem durch zwei Klemmrollen gebildeten Bahnzug 46, dessen Antrieb
direkt mit der oberen Griffanlegevorrichtung 14 gekoppelt ist, so daß der Teilstreifen
38 bedarfsgerecht zugeführt werden kann. In der oberen Griffanlegevorrichtung 14 wird
der Teilstreifen 38 dann zu U-förmig gefalteten Tragegriffen 48 weiter verarbeitet,
die auf die Oberseite jedes Beutels 12 aufgeklebt werden, wie in Figur 2 zu erkennen
ist.
[0019] In entsprechender Weise wird der untere Teilstreifen 40 in der unteren Griffanlegevorrichtung
16 zu Tragegriffen verarbeitet, die an der (in Figur 2 nicht erkennbaren) unteren
Wand jedes Beutels 12 angebracht werden. Die beiden Griffanlegevorrichtungen 14 und
16 arbeiten synchron.
[0020] Für den unteren Teilstreifen 40 ist jedoch ein Bahnzug 50 vorgesehen, der unabhängig
von der unteren Griffanlegevorrichtung 16 durch einen Motor 52 angetrieben wird. Die
Geschwindigkeit des Motors 52 wird durch einen Regler 54 geregelt, der mit Hilfe einer
Meßrolle 56 die Zugspannung des unteren Teilstreifens 40 abtastet. Die Zugspannung
des Teilstreifens 40 wird auf diese Weise auf einen konstanten Wert (im beschriebenen
Beispiel 50 N) geregelt, der genau der Hälfte der Zugspannung des Ausgangsmaterialstreifens
20 entspricht.
[0021] Die Differenz zwischen der Zugspannung des Ausgangsmaterialstreifens 20 und der Zugspannung
des Teilstreifens 40 ist die Zugspannung des anderen Teilstreifens 38. Durch das beschriebene
Regelsystem wird somit sichergestellt, daß die beiden Teilstreifen 38 und 40 stets
dieselbe Zugspannung haben und es somit nicht zu einem Verzug des Ausgangsmaterialstreifens
vor der Längsschneideinrichtung 34, 36 kommt. Da beide Teilstreifen 38, 40 somit auch
dieselbe Geschwindigkeit haben, wird auch der untere Teilstreifen 40 bedarfsgerecht
der unteren Griffanlegevorrichtung 16 zugeführt, ohne daß geringfügige konstruktionsbedingte
Unterschiede zwischen den beiden Griffanlegevorrichtungen 14, 16 zu einer Akkumulation
von Zugspannungsunterschieden führen.
[0022] Das oben beschriebene Ausführungsbeispiel kann auf vielfältige Weise abgewandelt
werden. Beispielsweise ist es möglich, den Ausgangsmaterialstreifen 20 in mehr als
zwei Teilstreifen aufzuteilen, wenn an einem Beutel mehr als zwei Tragegriffe angebracht
werden sollen oder wenn jeder Tragegriff aus mehreren getrennten Streifen besteht.
In diesem Fall ist der Bahnzug für einen Teilstreifen mit der zugehörigen Griffanlegevorrichtung
gekoppelt, und die Bahnzüge für die anderen Teilstreifen werden geregelt, wie oben
für den Teilstreifen 40 beschrieben wurde. Das Zugspannungsverhältnis ist dabei von
der Anzahl der Teilstreifen und, falls die Teilstreifen unterschiedliche Breiten aufweisen,
auch vom Breitenverhältnis abhängig.
1. Verfahren zur Herstellung von Beuteln (12) mit Tragegriffen (48), bei dem das Ausgangsmaterial
für die Tragegriffe als Endlosmaterial zugeführt wird und mindestens zwei Tragegriffe
an Jedem fertigen oder noch unfertigen Beutel angebracht werden, dadurch gekennzeichnet, daß das Ausgangsmaterial für die mehreren zu einem Beutel (12) gehörenden Tragegriffe
(48) zunächst in der Form eines einzigen Materialstreifens (20) zugeführt wird, der
dann kontinuierlich in mehrere parallele Teilstreifen (38, 40) für die einzelnen Tragegriffe
aufgeteilt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Zugspannung des Ausgangsmaterialstreifens (20) geregelt wird, daß die Einzugsgeschwindigkeit
für einen Teilstreifen (38) durch die Arbeitsgeschwindigkeit einer zugehörigen Griffanlegevorrichtung
(14) bestimmt wird und daß die Zugspannung des oder der anderen Teilstreifen (40)
auf einen Wert geregelt wird, der in einem vorgegebenen Verhältnis zur Zugspannung
des Ausgangsmaterialstreifens (20) steht.
3. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 oder 2, mit wenigstens
zwei synchron arbeitenden Griffanlegevorrichtungen (14, 16), dadurch gekennzeichnet, daß den Griffanlegevorrichtungen eine gemeinsame Abrolleinheit (18) zugeordnet ist,
mit der ein Ausgangsmaterialstreifen (20) von einer Rolle (22) abgezogen wird, und
daß der Abrolleinheit eine Längsschneideinrichtung (34, 36) nachgeschaltet ist, die
den Ausgangsmaterialstreifen (20) in mehrere parallele Teilstreifen (38, 40) aufteilt,
die jeweils einer der Griffanlegevorrichtungen (14, 16) zugeführt werden.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Längsschneideinrichtung (34, 36) eine Einrichtung (30, 32) zur Regelung
der Zugspannung des Ausgangsmaterialstreifens (20) vorgeschaltet ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Regeleingriff über eine Bremse oder einen Antrieb für eine die Rolle (22)
tragende Spindel (24) erfolgt.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Antrieb eines Bahnzugs (46) zum Zuführen eines Teilstreifens (38) zu einer
der Griffanlegevorrichtungen (14) direkt mit dieser Griffanlegevorrichtung gekoppelt
ist.
7. Vorrichtung nach den Ansprüchen 4 und 6, dadurch gekennzeichnet, daß ein oder mehrere Bahnzüge (50) zum Zuführen des oder der übrigen Teilstreifen
(40) zu den übrigen Griffanlegevorrichtungen (16) jeweils gesondert durch einen Motor
(52) antreibbar sind, deren Geschwindigkeit zugspannungsabhängig regelbar ist.