[0001] Die Erfindung betrifft eine dekorative Furnierholzplatte mit einer rückseitig aufgebrachten
Kaschierung und ein Verfahren zum Herstellen einer solchen Furnierholzplatte.
[0002] Dekorative Furnierholzplatten erfreuen sich dank ihrer universalen Verwendbarkeit
großer Beliebtheit. So werden dekorative Furnierholzplatten auf den Vorderseiten von
Möbelgegenständen, z. B. Bauernschränken, Jagdschränken usw., aufgebracht. Darüber
hinaus sind dekorative Furnierhölzer auch als Umleimer für Arbeitsplatten oder Tische
gebräuchlich. Der dekorative Effekt bei den Furnierholzplatten wird bisher durch eine
besonders ansprechende Lackierung der Vorderseite der Furnierholzplatte erreicht.
Darüber hinaus sind auch Furnierholzplatten bekannt, bei denen auf der Vorderseite
mittels geeigneter Werkzeuge Bilder eingebrannt sind. Andere dekorative Furnierholzplatten
zeichnen sich durch eine auf der Vorderseite aufgebrachte bunte Bemalung aus. Schließlich
sind weitere Furnierholzplatten bekannt, bei denen der dekorative Effekt durch die
Verwendung unterschiedlicher Hölzer erreicht wird.
[0003] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, den dekorativen Effekt für
Furnierholzplatten auf völlig andere Weise zu erreichen sowie ein Verfahren zum Herstellen
für eine solche Furnierholzplatte anzugeben.
[0004] Die Erfindung beruht im wesentlichen darauf, die Furnierholzplatte stirnseitig mit
einem dekorativen Stickmuster zu versehen. Hierfür wird die mit einer Kaschierung
auf der Rückseite versehene Furnierholzplatte mit einer herkömmlichen Stickmaschine
unter vorzugsweiser Verwendung von kugelförmigen Nadelspitzen bestickt. Als geeignete
Garne für das Stickmuster haben sich Kunststoffgarne erwiesen.
[0005] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Herstellen einer dekorativen Furnierholzplatte
besteht im wesentlichen in nachfolgenden Verfahrensschritten:
- Bereitstellen einer Furnierholzplatte mit einer rückseitig bereits aufgebrachten Kaschierung;
- Besticken der Vorderseite der Furnierholzplatte mit einem vorgegebenen Stickmuster
unter Verwendung von Kunststoffgarnen;
- Aufbringen einer Ausgleichsbeschichtung auf der Rückseite der bestickten Furnierholzplatte.
[0006] Das Besticken der kaschierten Furnierholzplatte kann mit handelsüblichen Stickereimaschinen
bewerkstelligt werden. Es hat sich jedoch als vorteilhaft erwiesen, Sticknadeln mit
Kugelspitzen zu verwenden. Geeignete Sticknadeln sind z. B. die unter der Bezeichnung
SES und SUK von der Firma Ferd. Schmetz GmbH, Herzogenrath, Deutschland zu verwenden.
Ähnliche Nadeltypen werden auch von anderen Nadelherstellern angeboten. Beispielsweise
kann auch die Nadel GEBEDUR 1738/FFG von der Firma Groz-Beckert verwendet werden.
[0007] Geeignete Stickmaschinen zum Besticken der kaschierten Furnierholzplatten nach der
Erfindung werden beispielsweise von der Firma ZSK Stickmaschinengesellschaft mbH,
Krefeld, Deutschland, unter der Bezeichnung X1515 und XL1815 angeboten. Der Arbeitsvorgang
zum Besticken der kaschierten Furnierholzplatten ist der gleiche wie bei der normalen
Stickerei, also der Bestickung von Stoffen. Allerdings hat es sich als günstig erwiesen,
die Maschinengeschwindigkeit auf etwa 300 bis etwa 500, vorzugsweise 400 Stiche/Minute
zu reduzieren, da hierbei die Furnierholzplatte am wenigsten Schäden oder Risse erleidet.
[0008] Um ein gutes Stickbild (Optik) zu erreichen, ist auch die Fadenspannungs-Einstellung
sehr wichtig. Die Fadenspannung des Untergarns darf nicht zu hart sein, die Spannung
des Obergarns sollte etwas weicher sein wie bei der Bestickung von Stoffen.
[0009] Auch ist bei der Mustergestaltung bzw. der Programmherstellung für den Stickablauf
darauf zu achten, daß die Stickrichtung der Fadenlage mehr Stiche vertikal zur Holzmaserung
beinhaltet als in der horizontalen Maserung. Dadurch wird die Splitterung des Furnierholzes
in Verbindung mit der Kaschierung des Holzes sehr vermindert bzw. ausgeschlossen.
[0010] Holz ist naturgemäß ein festes bzw. hartes Grundmaterial und dadurch bildet sich
auch beim Einstechen der Nadel eine Kante an der Oberfläche. Um ein Abschneiden des
Stickgarnes zu vermeiden, sollte daher die Spannung des Stickgarns weicher sein, so
daß diese Kante keinen zu starken Druck gegen das Stickgarn hat im Gegensatz zu Stoffen,
welche beim Besticken sich der Spannung des Garnes durch ihre Dehnbarkeit anpassen.
Es sind deshalb auch Nadeln mit Kugelspitzen zu empfehlen oder zu verwenden, weil
diese die Einstichkante etwas abrundet und dadurch das Stickgarn geschont wird. Auch
haben Kugelspitz-Nadeln den Vorteil, das Splittern des Furnierholzes stark zu vermindern.
Dies ist so zu begründen, daß die Kugelspitze das Material glatt durchdringt, dagegen
eine spitze Nadel wie ein Keil das Furnierholz auseinanderdrückt.
[0011] Als Garnmaterial für das Besticken der kaschierten Furnierholzplatten werden Kunststoffgarne,
insbesondere Polyestergarne verwendet. Diese zeichnen sich durch eine sehr hohe Reißfestigkeit
und eine gute Gleitfähigkeit aus und sind auch nach dem Verarbeiten sehr strapazierfähig.
Polyestergarne sind darüber hinaus hitzeunempfindlich und farbecht. Dies ist von Vorteil,
weil bei der Weiterverarbeitung, wie z. B. Pressen und Verleimen, die Farbe der verwendeten
Garne nicht beeinträchtigt werden darf.
[0012] In einer Weiterbildung der Erfindung kann die kaschierte Furnierholzplatte vor dem
eigentlichen Bestickvorgang vorlackiert und/oder vorgebeizt sein. Nach dem Bestickvorgang
erfolgt vorzugsweise ein Klarlacküberzug zumindest der Vorderseite des Furnieres,
um dieses zu schützen.
[0013] Die erfindungsgemäße zwingende Verwendung einer Kaschierung auf der Rückseite der
Furnierholzplatte vor dem Bestickvorgang, ist deshalb notwendig, weil die Kaschierung
dafür sorgt, daß beim Bestickvorgang die Furnierholzplatte nicht reißt. Die Kaschierung
kann beispielsweise in Form einer Papierschicht realisiert sein, die auf der Rückseite
der Furnierholzplatte aufgebracht wird. Darüber hinaus hat es sich als sehr günstig
erwiesen, als Kaschierung sogenanntes Vulkanfiber zu verwenden.
[0014] Da auf der Rückseite der bestickten Furnierholzplatte die Kunststoffgarne zwingend
heraustreten und somit für eine unebene Rückseite der kaschierten Furnierholzplatte
sorgen, liegt es im Rahmen der Erfindung, auf der Rückseite der bestickten und kaschierten
Furnierholzplatte eine Ausgleichsbeschichtung vorzusehen, die das Kunststoffgarn abdeckt.
Als Ausgleichsbeschichtung kann beispielsweise eine Holzplatte, eine Kunststoffplatte,
eine Pappschicht oder eine Papierschicht vorgesehen werden.
[0015] In einer anderen Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, daß die der Kaschierung
der Furnierholzplatte abgewandte Seite der Ausgleichsbeschichtung angeschliffen wird,
damit ein späterer Klebevorgang begünstigt wird. Durch das Anschleifen wird nämlich
für eine gewisse Rauhigkeit der Ausgleichsbeschichtung gesorgt; so daß ein aufgebrachter
Kleber hier besser hält.
[0016] Es versteht sich, daß die zu bestickende Furnierholzplatte eine bestimmte Dicke nicht
überschreiten soll, um den Bestickvorgang der Furnierholzplatte überhaupt zu ermöglichen.
Es hat sich als günstig herausgestellt, die Furnierholzplatte etwa zwischen 0,5 bis
30 mm dick zu wählen. Als Holz hat sich Eiche und Ahorn geeignet gezeigt.
[0017] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels im Zusammenhang
mit zwei Figuren näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- die Draufsicht auf eine bestickte Furnierholzplatte, und
- Fig. 2
- die bestickte Furnierholzplatte von Fig. 1 in Schnitt ansicht entlang der in Fig.
1 gezeichneten Schnittlinie II-II.
[0018] In Fig. 1 ist die Draufsicht auf eine bestickte Furnierholzplatte 1 dargestellt.
Die Furnierholzplatte 1, deren Holzmaserung andeutungsweise erkennbar ist, kann beispielsweise
eine Platte aus Ahorn oder Eiche sein, die etwa 0,6 bis 1,0 mm dick ist. Auf der Vorderseite
dieser Furnierholzplatte 1 ist ein Stickmuster 5 aufgebracht. Für das Stickmuster
5 werden erfindungsgemäß Kunststoffgarne, insbesondere Polyestergarne eingesetzt.
[0019] Wie die Schnittansicht von Fig. 2 deutlich zeigt durchdringt das Kunstoffgarn des
Stickmusters 5 sowohl die Furnierholzplatte 1 als auch die an der Unterseite der Furnierholzplatte
1 aufgebrachte Kaschierung 3. Die Kaschierung 3 kann beispielsweise aus Papier oder
ähnlichem Material bestehen. Als Kaschierung 3 hat sich auch eine Vulkanfiberschicht
als günstig erwiesen.
[0020] Da das Kunststoffgarn für das Stickmuster 5 sowohl die Furnierholzplatte 1 als auch
die Kaschierung 3 durchdringt, zeigen sich auf der kaschierten Seite der Furnierholzplatte
1 Erhebungen, die durch das Kunststoffgarn bedingt und für eine Weiterverarbeitung
ungünstig sind. Zum Ausgleich dieser Erhebungen wird auf die Kaschierung 3 eine Ausgleichsbeschichtung
7 aufgebracht. Diese Ausgleichsbeschichtung kann beispielsweise eine Holzplatte, eine
Kunststoffplatte, eine Pappschicht oder eine ähnliche Schicht sein. Durch die Ausgleichsbeschichtung
7 wird eine ebene Unterseite der gesamten dekorativen Furnierholzplatte 1 samt Kaschierung
3 und Ausgleichsbeschichtung 7 erreicht, so daß eine einfache Weiterverarbeitung der
gesamten Einheit möglich ist. Diese Einheit kann beispielsweiese auf Möbelplatten
aufgeklebt werden.
[0021] Sofern die Furnierholzplatte 1 als Umleimer ausgebildet ist, kann die Furnierholzplatte
1 auch an Tischkanten oder dergleichen aufgeklebt werden. Damit der auf der Rückseite
der Ausgleichsbeschichtung 7 aufzubringende Klebstoff besser haftet, bietet es sich
an, die freie Fläche der Ausgleichsbeschichtung 7 aufzurauhen, beispielsweise dadurch,
daß diese Fläche der Ausgleichsbeschichtung 7 angeschliffen wird.
[0022] Es versteht sich, daß vor dem eigentlichen Bestickvorgang der Furnierholzplatte 1
diese in beliebiger Art und Weise vorbehandelt sein kann. So kann beispielsweise die
Furnierholzplatte 1 auf ihrer Vorderseite vorlackiert oder vorgebeizt sein. Nach dem
Aufbringen des Stickmusters 5 sollte zumindest die Vorderseite der Furnierholzplatte
1 mit einem Klarlack versehen werden. Dieser Klarlack schützt sowohl das Stickmuster
5 als auch die Vorderseite der Furnierholzplatte 1.
Bezugszeichenliste
[0023]
- 1
- Furnierholzplatte
- 3
- Kaschierung
- 5
- Stickmuster
- 7
- Ausgleichsbeschichtung
1. Verfahren zum Herstellen eines dekorativen Furnierholzes mit folgenden Verfahrensschritten:
- Bereitstellen einer Furnierholzplatte (1) mit einer rückseitig bereits aufgebrachten
Kaschierung (3);
- Besticken der Vorderseite der Furnierholzplatte (1) mit einem vorgegebenen Stickmuster
(5) unter Verwendung von Kunststoffgarnen;
- Aufbringen einer Ausgleichsbeschichtung (7) auf der Rückseite der bestickten Furnierholzplatte
(1).
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zum Besticken der Furnierholzplatte
(1) Polyestergarne verwendet werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Besticken der Furnierholzplatte
(1) auf einer herkömmlichen Stickmaschine unter Verwendung von Sticknadeln mit Kugelspitzen
durchgeführt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Maschinengeschwindigkeit
zwischen etwa 300 bis 500, vorzugsweise 400, Stiche/Minute durchführt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, daß die bereitgestellte und bereits kaschierte
Furnierholzplatte (1) vor dem Bestickvorgang bereits lackiert und/oder gebeizt ist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß nach dem Besticken
der Vorderseite der Furnierholzplatte (1) zumindest die Vorderseite der Furnierholzplatte
(1) mit einem Klarlack überzogen wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß als Ausgleichsbeschichtung
auf der Rückseite der bereits bestickten Furnierholzplatte (1) eine Holzplatte, eine
Kunststoffplatte, eine Pappschicht, eine Papierschicht oder dergleichen aufgebracht
wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die freie
Seite der Ausgleichsbeschichtung (7) aufgerauht wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß als Kaschierung
(3) der Furnierholzplatte (1) ein Zellulosematerial oder Vulkanfiber verwendet wird.
10. Dekorative Furnierholzplatte mit einer rückseitig aufgebrachten Kaschierung, dadurch
gekennzeichnet, daß auf der Vorderseite der Furnierholzplatte (1) ein Stickmuster
(5) angeordnet ist, und daß das für das Stickmuster (5) verwendete Garn sowohl die
Furnierholzplatte (1) als auch die Kaschierung (3) durchdringt.
11. Dekorative Furnierholzplatte nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß das aus
der Kaschierung (3) heraustretende Garn durch eine Ausgleichsbeschichtung (7) abgedeckt
ist.
12. Dekorative Furnierholzplatte nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, daß
die Kaschierung (3) aus Papier oder Vulkanfiber besteht.
13. Dekorative Furnierholzplatte nach einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet,
daß die für das Stickmuster (5) verwendeten Garne Kunststoffgarne, insbesondere Polyestergarne,
sind.
14. Dekorative Furnierholzplatte nach einem der Ansprüche 10 bis 13, dadurch gekennzeichnet,
daß die Furnierholzplatte (1) aus Ahorn, Eiche und ähnlich hartem Holz besteht.