[0001] Die Erfindung betrifft ein Gewebe zur Herstellung von Bekleidung, aus zumindest zwei
verschiedenen Fäden. sowie ein Verfahren zur Herstellung eines solchen Gewebes.
[0002] Zur Erzielung unterschiedlicher Eigenschaften an den beiden Seiten eines Stoffes
sind Doppelgewebe oder sogenannte Doublestoffe bekannt. Durch das Wenden eines solchen
Stoffes bzw. eines aus einem solchen Stoff hergestellten Kleidungsstückes od. ähnlichem
können dessen Aussehen oder Eigenschaften geändert werden. So kann die eine Seite
des Doublestoffes z.B. aus einem glatten Stoff für die, dem Körper zugewandte Seite
oder einem rauhen Stoff zur Vermeidung des Verrutschens des Stoffes bei Verwendung
als Decke oder einem wasserundurchlässigen Stoff für die, dem Körper abgewandte und
der Witterung ausgesetzte Seite eines Kleidungsstücks und dgl. bestehen. Der selbe
Effekt kann durch zwei verschiedene Stoffe, welche durch Vernähen, Verkleben oder
dgl. miteinander verbunden sind, erzielt werden. Allerdings stört beim Vernähen der
sichtbare Nähfaden das Aussehen des Gewebes und darüberhinaus ist diese Verbindung
bei Beschädigung des Nähfadens leicht lösbar. Ein Verkleben wirkt sich wiederum nachteilig
auf die Eigenschaften des Gewebes aus, wodurch dieses an Weichheit verlieren kann.
Auch die weitere Verarbeitbarkeit des Stoffes kann dadurch beeinträchtigt werden.
Ein Klebstoff kann sich bei Verwendung des Stoffes für ein Bekleidungsstück auch ungünstig
auf die Luftdurchlässigkeit auswirken.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist die Schaffung eines Gewebes zur Herstellung von Bekleidung,
aus zumindest zwei verschiedenen Fäden, welches auf der einen Seite im wesentlichen
die durch den einen Faden bestimmten Eigenschaften und auf der anderen Seite im wesentlichen
die durch den bzw. die anderen Fäden bestimmten Eigenschaften aufweist unter Vermeidung
der oben erwähnten Nachteile. Das Gewebe soll optisch von zumindest einer Seite im
wesentlichen wie ein sortenreines, d.h. nur aus einem Faden bestehendes Gewebe aussehen.
[0004] Gelöst wird die erfindungsgemäße Aufgabe dadurch, daß das Gewebe aus einem Obergewebe
und einem Untergewebe besteht. wobei das Obergewebe ausschließlich aus dem einen Faden
und das Untergewebe ausschließlich aus dem anderen Faden bzw, den anderen Fäden gebildet
ist und das Obergewebe mit dem Untergewebe durch stellenweise Aufhängung einzelner
Fäden des Untergewebes auf Fäden der. dem Untergewebe zugewandten Seite des Obergewebes
verbunden ist. Sowohl das Obergewebe als auch das Untergewebe wirken wie ein einzelnes
Gewebe samt dessen Eigenschaften. Dabei wird die Verbindung des Obergewebes mit dem
Untergewebe ohne zusätzliche Hilfsmittel hergestellt.
[0005] Die erfindungsgemäße Aufgabe wird auch dadurch gelöst, daß die Oberseite des Gewebes
vorwiegend aus dem einen Faden und die Unterseite des Gewebes vorwiegend aus dem anderen
Faden bzw. den anderen Fäden gebildet ist. Diese Art des Gewebes besitzt die selben
Vorteile wie ein Gewebe gemäß dem vorangegangenen Absatz. Da die beiden Seiten des
Gewebes jeweils vorwiegend aus den verschiedenen Fäden bestehen, sind auch die Eigenschaften
der beiden Seiten des Gewebes entsprechend den verwendeten Fäden unterschiedlich.
[0006] Vorteilhafterweise besteht dabei die Oberseite des Gewebes mindestens zu 90%, vorzugsweise
zu 99,3% aus dem einen Faden und die Unterseite des Gewebes mindestens zu 90%, vorzugsweise
zu 99,3% aus dem anderen Faden bzw. den anderen Fäden. Dadurch wird bei Ansicht der
beiden Seiten des Gewebes der optische Eindruck vermittelt, daß es sich um zwei verschiedene.
übereinandergelegte Stoffe handelt.
[0007] Wenn die Fäden unterschiedliche Farbe aufweisen, können verschiedene optische Effekte
auf den beiden Seiten des Gewebes erzielt werden.
[0008] Durch Wahl unterschiedlich dicker Fäden kann ein Gewebe mit unterschiedlich glatten
Seiten erzielt werden.
[0009] Wenn die Fäden aus unterschiedlichem Material bestehen, können die jeweiligen Eigenschaften
der verwendeten Materialien auf die jeweilige Seite des Gewebes übertragen werden.
Dadurch können unterschiedliche Gewebeeigenschaften auf der Vorder- und der Rückseite
des Gewebes erzielt werden. Durch geeignete Wahl des Materials für die Innenseite
des Gewebes kann dieser gleichzeitig als Futterstoff dienen, sodaß für die Herstellung
von Kleidungsstücken kein eigener Futterstoff eingenäht werden muß.
[0010] Vorteilhafterweise besteht der eine Faden im wesentlichen aus Wolle und der andere
Faden bzw. die anderen Fäden im wesentlichen aus Baumwolle. Durch diese Kombination
werden die günstigen Eigenschaften der Schurwolle in Bezug auf Temperaturbeständigkeit
und Winddichtheit mit den günstigen Eigenschaften der Baumwolle in Bezug auf Glätte.
Tragekomfort und Atmungsaktivität kombiniert. Die Gewebeseite aus Wolle wird somit
vorteilhafterweise für die Außenseite des Stoffes und die Gewebeseite aus Baumwolle
für die, dem Körper zugewandte Seite des Stoffes verwendet. Natürlich sind auch beliebige
andere Materialien wie z.B. Seide oder Kunstfaser für die glatte Seite des Gewebes
und verschiedene Kombinationen denkbar.
[0011] Besondere Vorteile werden erzielt. wenn das durch den Wollfaden gebildete Obergewebe
bzw. die Oberseite des Gewebes ein Loden oder lodenähnliches Gewebe ist. Somit können
die Eigenschaften des Lodens mit den Eigenschaften der Baumwolle kombiniert werden.
Durch die aufwendige Verarbeitung der Schurwolle, dem Walken, wird der Loden nicht
nur wärmer und widerstandsfähiger, sondern auch extrem wasserabweisend. Loden besteht
aus 100 % Schurwolle und ist besonders reißfest und kälteschützend. Kleidungsstücke
aus Loden garantieren optimalen Tragekomfort. da durch die Strukturierung dieser Stoffart
ein Wärmeaustausch stattfindet und Atmungsaktivität gegeben ist. Ein solches Gewebe
wirkt von außen wie ein Loden bzw. lodenähnlicher Stoff, wobei an der, dem Körper
zugewandten Seite des Stoffes die Vorteile der glatten Baumwolle zur Geltung kommen.
Dabei sollen möglichst keine Haare des Wollstoffes auf die Seite des Baumwollstoffes
durchdringen. sodaß das Gewebe nicht kratzen kann und der Stoff optimale Trageigenschaften
bietet. Charakteristisch für Loden ist, daß die Gewebestruktur nicht sichtbar ist.
Somit bietet ein aus einem solchen Stoff hergestelltes Kleidungsstück die Vorteile
des wärmespeichernden und witterungsbeständigen Lodens an der Außenseite zusammen
mit den hautfreundlichen Trageeigenschaften der Baumwolle an der Innenseite.
[0012] Wenn das Untergewebe bzw. die Unterseite des Gewebes dichter ist als das Obergewebe
bzw. die Oberseite des Gewebes. wird zusätzlich verhindert, daß z.B. die groben Wollfäden
des Obergewebes bzw. der Oberseite des Gewebes durch das z.B. aus Baumwollfäden bestehende
Untergewebe bzw. die Unterseite des Gewebes dringen können und somit die glatte Struktur
des Baumwollgewebes stören könnten.
[0013] Eine weitere Aufgabe der Erfindung besteht in der Schaffung eines Verfahrens zur
Herstellung des erfindungsgemäßen Gewebes, welches eine rasche und besonders wirtschaftliche
Herstellung erlaubt.
[0014] Gelöst wird die Aufgabe zur Herstellung eines Gewebes, welches aus einem Obergewebe
und einem damit verbundenen Untergewebe gemäß der vorangegangenen Beschreibung besteht.
dadurch. daß das Gewebe in einem einzigen Webvorgang aus zumindest zwei verschiedenen
Fäden hergestellt wird. Dadurch kann eine sichere Verbindung des Obergewebes mit dem
Untergewebe während des Webvorgangs ohne Zuhilfenahme zusätzlicher Mittel bewerkstelligt
werden und somit ein Verrutschen der beiden Gewebe vermieden werden. Im Falle eines
Lodens oder lodenähnlichen Stoffs im Obergewebe des Gewebes müssen zusätzlich die
Eigenschaften des Untergewebes darauf abgestimmt werden, daß der beim Walken des Lodenstoffs
eintretende Längenverlust des Gewebes kein Wellen oder Wölben hervorruft. Durch das
Walken bekommt das Wollgewebe die charakteristische filzige Struktur. während das
Baumwollgewebe nur eine Schrumpfung um einen bestimmten Grad erfährt.
[0015] Vorteilhafterweise ist das Verhältnis der beim Weben verwendeten Anzahl des einen
Fadens zur Anzahl des anderen Fadens bzw. der anderen Fäden unterschiedlich, vorzugsweise
2:1. Dadurch können die Dichte und die damit verbundenen Eigenschaften des Obergewebes
und des Untergewebes gezielt beeinflußt werden.
[0016] Gelöst wird die Aufgabe zur Herstellung eines Gewebes, dessen Oberseite vorwiegend
aus dem einen Faden und dessen Unterseite vorwiegend aus dem anderen Faden bzw. den
anderen Fäden besteht. dadurch, daß das Gewebe in einem einzigen Webvorgang hergestellt
wird, wobei die Kettfäden ausschließlich durch den einen Faden und die Schußfäden
ausschließlich durch den anderen Faden bzw. die anderen Fäden gebildet werden. Durch
geschickte Wahl der Bindungstechnik kann der optische Effekt eines Doppelgewebes erzielt
werden. obwohl nur ein einziges, aus zumindest zwei verschiedenen Fäden bestehendes
Gewebe vorliegt.
[0017] Die Vorteile der erfindungsgemäßen Gewebe sowie der Herstellungsverfahren werden
anhand der beigefügten Abbildungen näher erläutert.
[0018] Dabei zeigen
- Fig. 1
- ein schematisches Schnittbild eines Doppelgewebes,
- Fig. 1a
- den prinzipiellen Autbau eines erfindungsgemäßen Gewebes, das aus einem Obergewebe
und einem damit verbundenen Untergewebe besteht,
- Fig. 1b-1e
- die Erläuterungen der in den Figuren verwendeten Symbole,
- Fig. 1f
- die Vorschrift für den Weber zur Herstellung des Gewebes gemäß Fig. 1a,
- Fig. 1g
- ein Schnittbild des Gewebes gemäß Fig. 1a entlang der Schnittlinie A-A,
- Fig. 2a
- eine Variante des erfindungsgemäßen Gewebes, das aus einem Obergewebe und einem damit
verbundenen Untergewebe besteht.
- Fig. 2b
- die Vorschrift für den Weber zur Herstellung des Gewebes gemäß Fig. 2a,
- Fig. 2c
- ein Schnittbild des Gewebes gemäß Fig. 2a entlang der Schnittlinie B-B,
- Fig. 3a
- die Vorschrift für den Weber für ein erfindungsgemäßes Gewebes, dessen Oberseite vorwiegend
aus dem einen Faden und dessen Unterseite vorwiegend aus dem anderen Faden besteht.
- Fig. 3b
- ein Schnittbild des Gewebes gemäß Fig. 3a entlang der Schnittlinie C-C,
[0019] Die Fig. 1 zeigt den Querschnitt eines Gewebes, bei welchem durch eine entsprechende
Bindungstechnik die optische Gestaltung des Gewebes mit zwei unterschiedlichen Warenseiten
aus zwei unterschiedlichen Geweben und somit unterschiedlichem Warencharakter möglich
ist. Die geschnittenen Fäden stellen die Kettfäden K und die quer verlaufenden Fäden
die Schußfäden S dar. In dem gezeichneten Schnittbild bestehen die oberen Schußfäden
S und die oberen Kettfäden K aus Baumwollfäden 2 und die unteren Schußfäden S und
die unteren Kettfäden K aus Wollfäden 1, sodaß ein Doppelgewebe, bestehend aus einem
Obergewebe O aus Baumwolle und einem Untergewebe U aus Wolle entsteht.
[0020] In Fig. la ist die Konstrukion eines erfindungsgemäßen Gewebes, das aus einem Obergewebe
und einem damit verbundenen Untergewebe besteht. dargestellt. Die Skizze zeigt mit
den entsprechenden Symbolen gemäß Fig. 1b-1e das Ineinanderschieben der Kettfäden
K und Schußfäden S und die Maßnahmen, damit zwei voneinander getrennte Gewebelagen
entsehen können. die nur an bestimmten Stellen miteinander verbunden sind. Darin bedeuten
die Symbole gemäß Fig. 1b die Bindungstechnik für das Obergewebe. Die Symbole gemäß
Fig. 1c stellen die Bindungstechnik für das Untergewebe dar. Die Symbole nach Fig
1d kennzeichnen die Kreuzungspunkte zwischen Oberkettfäden und Unterschußfaden. Der
Oberkettenfaden muß generell über den Unterschußfaden gehoben werden, damit zwei getrennte
Gewebelagen entstehen. Die Symbole
"X" gemäß Fig 1e kennzeichnen manche Kreuzungspunkte zwischen Unterkettfaden und Oberschußfaden.
Hier wird der Unterkettfaden über den Oberschußfaden gehoben, damit eine gewobene
Verbindung zwischen Obergewebe und Untergewebe entsteht.
[0021] Die Vorschrift für den Weber (Patrone) ist eine Darstellung für das Muster in der
Gewebebindung. Diese beinhaltet die jeweiligen Positionen der Kettfäden und der Schußfäden
während des Webvorganges. Die Vorschrift gemäß Fig. 1f gilt für 24 x 24 Fäden. Dieser
Bindungsteil wird entsprechend der Größe des zu webenden Stoffes wiederholt. Am oberen,
horizontalen Teil der Vorschrift sind die Positionen der Kettfäden K1 bis K24 dargestellt.
Gemäß dieser Vorschrift werden die Kettfäden abwechselnd durch einen Wollfaden 1 für
das Obergewebe und zwei Baumwollfäden 2 für das Untergewebe gebildet. Zwischen die
Kettfäden werden beim Webvorgang die Schußfäden eingezogen. Die Schußfäden S1-S24
sind an der linken, vertikalen Seite der Vorschrift dargestellt. Auch diese werden
abwechselnd durch einen Wollfaden 1 für das Obergewebe und jeweils zwei Baumwollfäden
2 für das Untergewebe gebildet. Die schwarzen Quadrate bedeuten eine Hebung des Kettfadens
sowie eine Senkung des Schußfadens an dieser Stelle und die weißen Quadrate eine Hebung
des Schußfadens und eine Senkung des Kettfadens an dieser Stelle. An den in Fig. 1a
mit
"X" bezeichneten Stellen wird die erfindungsgemäße Verbindung des Obergewebes mit dem
Untergewebe durch die Verbindung eines Baumwollfadens 2 mit einem Wollfaden 1 hergestellt,
Entsprechend der ersten Zeile der Webvorschrift werden alle Wollfäden 1 sowie vier
Baumwollfäden 2 gehoben und ein Baumwollfaden 2
"eingeschossen". Beim nächsten Webschritt werden entsprechend der zweiten Zeile der
Webvorschrift vier ausgewählte Wollfäden 1 gehoben und ein Wollfaden 1
"eingeschossen" sowie darüberhinaus an der gemäß Fig. 1a mit
"X" bezeichneten Stelle ein Baumwollfaden 2 mit dem eingeschossenen Wollfaden 1 verbunden.
Der Webvorgang wird entsprechend fortgesetzt, wobei wie an sich bekannt. die aus Wollfäden
1 bestehenden Schußfäden oberhalb den aus Baumwollfäden 2 bestehenden Schußfäden zu
liegen kommen. Erfindungsgemäß werden bei jedem
"Schuß" eines Baumwollfadens 2 alle Wollfäden 1 sowie eine bestimmte Anzahl von Baumwollfäden
2 gehoben. Dadurch kommt die Trennung der beiden Gewebe zustande. d.h. das aus den
Wollfäden 1 bestehende Obergewebe wird auf der einen Seite und das aus den Baumwollfäden
2 bestehende Untergewebe auf der anderen Seite des erfindungsgemäßen Gewebes gebildet
und an einzelnen Stellen
"X" miteinander verbunden. In der dargestellten Vorschrift wird diese Verbindung zwischen
den Geweben an diagonal angeordneten Punkten
"X" bewerkstelligt. Neben einer solchen Diagonalbindung können die Verbindungspunkte
auch anders angeordnet sein. Eine Variante wäre z.B. eine sogenannte atlasförmige
Abbindung des Untergewebes mit dem Obergewebe. Im Falle eines Lodens wird das erfindungsgemäße
Gewebe nach dem Weben einem Walkprozeß unterworfen, wodurch der Stoff eine Schrumpfung
erfährt und die Seite des Wollgewebes das charakteristische Aussehens eines Lodens
erhält. Das Baumwollgewebe kann wegen der glatten Struktur der Baumwolle kein lodenähnliches
Aussehen erlangen. Während des Walkens ist zu beachten, daß die beiden Gewebe keine
unterschiedliche Schrumpfung erfahren, da sich sonst das Gewebe wölben würde oder
Falten bilden könnte, was die weitere Verarbeitung des Stoffes erschweren oder unmöglich
machen könnte. Die Verbindung zwischen Wollgewebe und Baumwollgewebe ist von der Seite
des Wollgewebes nicht sichtbar. Dadurch erscheint das erfindungsgemäße Gewebe von
der Seite des Wollgewebes wie ein herkömmlicher Loden, obwohl erfindungsgemäß ein
zweites Gewebe, in diesem Fall ein Baumwollgewebe mit dem Loden verbunden ist. In
der Ansicht auf das Baumwollgewebe können die diagonal angeordneten Verbindungspunkte
als diagonale Struktur erkennbar sein. Durch das Baumwollgewebe können z.B. die Trageeigenschaften
des Lodens erheblich erhöht werden, da das Baumwollgewebe glatter als Loden und somit
angenehmer zu tragen ist. Durch entsprechende Wahl der Dicke und Anzahl der Woll-
und Baumwollfäden können die Eigenschaften weiter beeinflußt werden. So kann z.B.
die Dichte des Baumwollgewebes erhöht werden, sodaß keine Fäden oder Fadenteile des
Lodens das Baumwollgewebe durchdringen können und somit die glatte Struktur beeinträchtigen
können.
[0022] Die Fig. 1g zeigt den Schnitt A-A der Fig. 1a, an einer Stelle des Gewebes, an der
das Obergewebe O mit dem Untergewebe U verbunden ist, sodaß die Verbindungspunkte
auf der Warenoberseite nicht sichtbar sind. Hiebei sind die aus Baumwollfäden 2 aufgebauten
Schußfäden S10 und S12 sowie der aus einem Wollfaden 1 aufgebaute Schußfaden S11 dargestellt.
Die Verbindung zwischen dem Obergewebe O und dem Untergewebe U, welche durch den Schußfaden
S11 und den Kettfaden K9 bewerkstelligt wird, ist von der Warenunterseite sichtbar.
[0023] Die Fig. 2a und 2b zeigen ähnliche Darstellungen wie die Fig. 1a und 1f, jedoch für
ein Gewebe. bei welchem der Schuß des Obergewebes mit dem Untergewebe derart verbunden
wird, daß der Faden des Obergewebes im Untergewebe sichtbar bleibt.
[0024] Fig. 2c zeigt einen Schnitt durch das Gewebe gemäß Fig. 2a entlang der Schnittlinie
B-B, Dabei ist der aus einem Baumwollfaden 2 bestehende zwölfte Schußfaden S12 gemäß
der Vorschrift nach Fig. 2a mit dem aus einem Wollfaden 1 bestehenden achten Kettfaden
K8 entsprechend der Skizze verbunden, sodaß die Verbindung nicht sichtbar ist, da
diese durch den Schußfaden S11 abgedeckt wird.
[0025] Fig. 3a zeigt die Vorschrift für den Weber für ein erfindungsgemäßes Gewebe aus zumindest
zwei verschiedenen Fäden 1, 2 dessen Oberseite vorwiegend aus dem einen Faden 1 und
dessen Unterseite vorwiegend aus dem anderen Faden 2 bzw. den anderen Fäden gebildet
ist. Dabei handelt es sich um einen aus 6 x 6 Fäden bestehenden Rapport. Dieser Bindungsteil
wird entsprechend der Größe des zu webenden Stoffes wiederholt. Beim Gewebe nach Fig.
3a bestehen alle Kettfäden K1 bis K6 aus dem einen Material, hier Baumwolle 2 und
alle Schußfäden S1 bis S6 aus dem anderen Material, hier Wolle 1. Durch diese geeignete
Wahl der Bindungstechnik wird der Effekt hervorgerufen, daß auf der Oberseite des
Gewebes mindestens 90%, vorzugsweise 99,3% der Wollfäden 1 und auf der Unterseite
des Gewebes mindestens 90%, vorzugsweise 99,3% der Baumwollfäden 2 zu liegen kommen.
[0026] Fig. 3b zeigt einen Querschnitt durch ein Gewebe gemäß Fig. 3a, wobei die Kettfäden
K1 bis K6 aus einem Material, in diesem Fall aus Baumwollfäden 2 aufgebaut sind ,
während alle Schußfäden S1 bis S6 aus Wollfäden 1 aufgebaut sind.
[0027] Die dargestellten Bindungstechniken zeigen nur Beispiele zur Realisierung eines erfindungsgemäßen
Gewebes. Im Rahmen der Erfindung sind natürlich auch andere Bindungstechniken denkbar.
1. Gewebe zur Herstellung von Bekleidung. aus zumindest zwei verschiedenen Fäden (1,2),
dadurch gekennzeichnet, daß das Gewebe aus einem Obergewebe und einem Untergewebe
besteht, wobei das Obergewebe ausschließlich aus dem einen Faden (1) und das Untergewebe
ausschließlich aus dem anderen Faden (2) bzw. den anderen Fäden (2) gebildet ist und
das Obergewebe mit dem Untergewebe durch stellenweise Aufhängung einzelner Fäden (2)
des Untergewebes auf Fäden (1) der, dem Untergewebe zugewandten Seite des Obergewebes
verbunden ist.
2. Gewebe zur Herstellung von Bekleidung. aus zumindest zwei verschiedenen Fäden (1,2),
dadurch gekennzeichnet, daß die Oberseite des Gewebes vorwiegend aus dem einen Faden
(1) und die Unterseite des Gewebes vorwiegend aus dem anderen Faden (2) bzw. den anderen
Fäden (2) gebildet ist.
3. Gewebe nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Oberseite des Gewebes zu mindestens
90%, vorzugsweise zu 99,3% aus dem einen Faden (1) und die Unterseite des Gewebes
zu 90%, vorzugsweise zu 99.3% aus dem anderen Faden (2) bzw. den anderen Fäden (2)
besteht.
4. Gewebe nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die
Fäden (1,2) unterschiedliche Farbe aufweisen.
5. Gewebe nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die
Fäden (1,2) unterschiedliche Dicke aufweisen.
6. Gewebe nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die
Fäden (1,2) aus unterschiedlichem Material bestehen.
7. Gewebe nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß der eine Faden (1) im wesentlichen
aus Wolle und der bzw. die anderen Fäden (2) im wesentlichen aus Baumwolle besteht.
8. Gewebe nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß das durch den Wollfaden (1) gebildete
Obergewebe bzw. die Oberseite des Gewebes ein Loden oder lodenähnliches Gewebe ist.
9. Gewebe nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß das
Untergewebe bzw. die Unterseite des Gewebes dichter ist als das Obergewebe bzw. die
Oberseite des Gewebes.
10. Verfahren zur Herstellung eines Gewebes nach mindestens einem der Ansprüche 1 oder
4 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß das Gewebe in einem einzigen Webvorgang aus zumindest
zwei verschiedenen Fäden hergestellt wird.
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß das Verhältnis der Anzahl
des einen Faden zur Anzahl des anderen Fadens bzw. der anderen Fäden unterschiedlich,
vorzugsweise 2:1 ist.
12. Verfahren zur Herstellung eines Gewebes nach mindestens einem der Ansprüche 2 bis
9, dadurch gekennzeichnet, daß das Gewebe in einem einzigen Webvorgang hergestellt
wird, wobei die Kettfäden ausschließlich durch den einen Faden und die Schußfäden
ausschließlich durch den anderen Faden bzw. die anderen Fäden gebildet werden.