[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anordnung zur Korrektur des Frequenzganges
eines Schallsenders, der aus einem in einem Gehäuse eingebauten elektroakustischen
Wandler besteht. Bei einer derartigen Anordnung treten Eigenresonanzen des elektroakustischen
Wandlers und vom Gehäuse abhängige Systemresonanzen im Frequenzgang des Schalldrucks
des Schallsenders auf. Wünschenswert ist jedoch, daß bei Ansteuerung des elektroakustischen
Wandlers mit konstanter elektrischer Leistung in einem großen Frequenzbereich ein
von der Frequenz unabhängiger Schalldruck des Schallsenders entsteht.
[0002] Um diesen Zustand zu erreichen, ist ein Verfahren bekannt, das als Maß für die Impedanz
des Schallsenders den durch den Schallsender fließenden Strom verwendet, der den Frequenzverlauf
der lmpedanz des Schallsenders abbildet.
[0003] Durch entsprechende Stromgegenkopplung über eine Nachbildung der Eingangsimpedanz
des Schallsenders wird eine Linearisierung des Frequenzganges des Schalldrucks erreicht,
vgl. DE 38 36 745. Voraussetzung ist allerdings die manuelle Einmessung der Nachbildung
der Eingangsimpedanz des Schallsenders.
Das Verfahren ist jedoch ungeeignet, wenn die Übertragung von Sprache und/oder Musik
in digitaler Form erfolgt und der Schallsender die letzte analoge Komponente in einer
ansonsten digitalen Übertragungskette ist. Die für den Schallsender erforderliche
D/A-Wandlung beansprucht eine bestimmte Gruppenlaufzeit, so daß dadurch der auf der
analogen Seite des D/A-Wandlers gemessene Strom derart verzögert ist, daß eine zeitgerechte
Gegenkopplung wie bei dem zuvor beschriebenen Verfahren nicht möglich ist.
[0004] Weiterhin ist ein Verfahren bekannt, bei dem die akustisch zu wandelnde elektrische
Eingangsfunktion mit der Eigenfunktion des Schallsenders überlagert wird, wobei die
Eingangsfunktion iterativ so lange verändert und mit der Eigenfunktion überlagert
wird, bis die Abweichungen der überlagerten Funktion von der unveränderten Eingangsfunktion
eine vorgegebene Größe unterschritten haben und daß die auf diese Weise veränderte
Eingangsfunktion an den Schallsender übertragen wird, vgl. DE 44 10 671. Mit einem
solchen Verfahren wird zwar erreicht, daß die Auswirkungen von Resonanzen kompensiert
werden, das Verfahren setzt jedoch voraus, daß die Eigenfunktion des Schallsenders
bekannt ist. Da aber elektroakustische Wandler und das System elektroakustischer Wandler
und Gehäuse erhebliche Fabrikationstoleranzen haben, wäre eine individuelle Messung
der Eigenfunktion des Schallsenders erforderlich, so daß das Verfahren einen beträchtlichen
Kostenaufwand verursacht und deshalb für eine Massenproduktion ungeeignet ist.
[0005] Daraus resultiert nun die Aufgabe, ein Verfahren zur Korrektur des Frequenzganges
eines Schallsenders anzugeben, mit dem automatisch eine Anpassung an unterschiedliche
Eigenschaften von elektroakustischen Wandlern und deren Gehäuse ermöglicht wird.
[0006] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe mit dem im ersten Anspruch beschriebenen Verfahren
und mit der im fünften Anspruch beschriebenen Anordnung gelöst.
[0007] Das Wesen der Erfindung besteht darin, daß in der digitalen Übertragungsstrecke ohnehin
vorhandene Mittel zur Echokompensation und zum Freisprechen, insbesondere ein digitaler
Signalprozessor, benutzt werden, um zusätzlich ein Kompensationsfilter zu berechnen,
das so eingestellt wird, daß störende Resonanzen des Schallsenders im wesentlichen
beseitigt werden. Dabei kann die Berechnung des Kompensationsfilters je nach Bedarf
in bestimmten Zeitabständen wiederholt werden, um Veränderungen am elektroakustischen
Wandler, beispielsweise durch Alterung, oder durch Veränderungen am Wandlergehäuse
bei der Berechnung des Kompensationsfilters zu berücksichtigen.
[0008] Die Wirkungsweise der Erfindung wird nachstehend an einem Ausführungsbeispiel erläutert.
In der dazugehörigen Zeichnung zeigen:
- Fig. 1
- ein Schaltbild für eine Schaltungsanordnung mit einer Nachbildung der Lautsprecherimpedanz
und
- Fig. 2
- ein Schaltbild für eine Schaltungsanordnung mit einer Nachbildung der Lautsprecheradmittanz.
[0009] Gemäß Fig. 1 besteht die Schaltungsanordnung im wesentlichen aus einem Lautsprecher
1, einem D/A-Wandler 2, einem Widerstand R mit einem Differenzverstärker 3, einem
A/D-Wandler 4, einer Verzögerungsschaltung 5 sowie einem Digitalfilter 6 und einer
Modellierungsanordnung aus einer Baugruppe zur Durchführung eines NLMS (Normalized
Least Mean Square) - Algorithmus 7, einem zu modellierenden System 8, einer Summierschaltung
9 und einer Baugruppe zur Bestimmung der Filterkoeffizienten 11 für das Digitalfilter
6.
[0010] Das erfindungsgemäße Verfahren beruht im wesentlichen darauf, daß ein Eingangssignal
auf ein unbekanntes System, hier der Lautsprecher 1, und auf das zu modellierende
System 8 gegeben wird, daß aus den Ausgangssignalen des unbekannten Systems und des
zu modellierenden Systems ein Fehlersignal gebildet wird, das mit einem Adaptionsalgorithmus
minimiert wird und daß aus dem so nachgebildeten System ein Digitalfilter 6 derart
geschätzt wird, daß eine Linearisierung des Frequenzganges der Kettenschaltung aus
Digitalfilter 6 und Lautsprecher 1 erzielt wird.
[0011] Das Verfahren wird nunmehr im einzelnen beschrieben.
[0012] Um mit dem zu modellierenden System 8 die Eingangsimpedanz eines Lautsprechers 1
als Zeitfunktion nachbilden zu können, müssen Spannung und Strom als Abtastsignale
u(k) und i(k) in digitaler Form vorliegen. In modernen Fernsprechendgeräten mit einer
Freisprecheinrichtung steht die Spannung allgemein in digitaler Form zur Verfügung
und gelangt über einen D/A-Wandler 2 als analoge Spannung u(t) zum Lautsprecher 1.
[0013] Ein dem analogen Strom i(t) proportionaler Spannungsabfall wird über einem Meßwiderstand
R erzeugt, mittels eines Differenzverstärkers 3 verstärkt und durch einen A/D-Wandler
4 als Abtastwert i(k) für die weitere Verarbeitung bereitgestellt. Um die Abtastwerte
für die Spannung u(k) und für den Strom i(k) zeitgerecht miteinander verknüpfen zu
können, ist es erforderlich, die von dem D/A-Wandler 2 und dem A/D-Wandler 4 verursachten
Gruppenlaufzeiten bei der Signalverarbeitung zu berücksichtigen. Dazu wird der Abtastwert
der Spannung u(k) mit einer Verzögerungsschaltung 5 um eine Zeit τ verzögert, die
gleich der Summe der Gruppenlaufzeit des D/A-Wandlers 2 und der Gruppenlaufzeit des
A/D-Wandlers 4 ist. Am Ausgang der Verzögerungsschaltung 5 steht dann der um τ verzögerte
Abtastwert der Spannung ud(k) zur Verfügung, der nunmehr mit dem Abtastwert des Stromes
i(k) zeitsynchron weiterverarbeitet wird.
[0014] Um die Eingangsimpedanz Z des Lautsprechers 1 nachzubilden, wird das zu modellierende
System 8 mit dem Abtastwert des Stromes i(k) angesteuert und liefert gemäß

einen Abtastwert der Spannung û(k), der von dem Abtastwert der Spannung u(k), mit
dem der Lautsprecher 1 angesteuert wird, gemäß

subtrahiert wird.
[0015] Aus dieser Abweichung Au wird ein Gütekriterium Gu gemäß der folgenden Gleichung
abgeleitet:

[0016] Die Eingangsimpedanz Z des unbekannten Systems Lautsprecher 1 wird mit dem zu modellierenden
System 8 dadurch ermittelt, daß das Gütekriterium Gu mit einem Adaptionsverfahren
nach dem NLMS-Algorithmus minimiert wird. Dazu wird die Baugruppe zur Durchführung
des NLMS-Algorithmus 7 sowohl von dem Fehlersignal Δu als auch von dem Abtastwert
des Stromes i(k) angesteuert. Der Nachbildungsvorgang der Eingangsimpedanz Z des Lautsprechers
1 mit dem zu modellierenden System 8 gilt als erfolgreich abgeschlossen, wenn das
Gütekriterium Gu für eine bestimmte Zeitdauer unter einer definierten Schwelle bleibt.
[0017] Um Veränderungen der Eingangsimpedanz Z des Lautsprechers 1 zu erfassen, wird das
Approximationsverfahren in definierten Zeitabständen wiederholt. Aus der nachgebildeten
Eingangsimpedanz Z des Lautsprechers 1 wird durch eine Fast Fourier Transformation
10 näherungsweise der Frequenzgang der Übertragungsfunktion E(ω) des Lautsprechers
1 berechnet. Die so geschätzte Übertragungsfunktion E(ω) stimmt in der Nähe der Resonanzen
mit dem vor dem Lautsprecher 1 gemessenen Frequenzgang des Schalldrucks sehr gut überein.
Aus der Übertragungsfunktion E(ω) wird nunmehr der Kehrwert der Übertragungsfunktion
E
-1(ω) berechnet.
[0018] Mit Hilfe der Baugruppe zur Bestimmung der Filterkoeffizienten 11 werden aus dem
Kehrwert der Übertragungsfunktion E
-1(ω) die Filterkoeffizienten für ein Digitalfilter 6 so eingestellt, daß die Verzerrungen
des Frequenzgangs der Übertragungsfunktion E(ω) des Lautsprechers 1 weitgehend beseitigt
werden.
[0019] In Fig. 2 ist eine Schaltungsanordnung dargestellt, mit der erfindungsgemäß die Eingangsadmittanz
Y des Lautsprechers 1 nachgebildet werden kann. Dabei werden Baugruppen verwendet,
die bereits bei der Nachbildung der Eingangsimpedanz Z eingesetzt wurden. Sie tragen
in Fig. 1 und Fig. 2 gleiche Bezeichnungen.
[0020] Um die Eingangsadmittanz Y des Lautsprechers 1 nachzubilden, wird das zu modellierende
System 12 mit dem um die Zeit τ verzögerten Abtastwert der Spannung ud(k) angesteuert
und liefert gemäß

einen Abtastwert des Stromes î (k), der von dem Abtastwert des Stromes i(k), der
durch den Lautsprecher 1 fließt, gemäß

subtrahiert wird. Aus dieser Abweichung Δi wird ein Gütekriterium gemäß der folgenden
Gleichung abgeleitet:

[0021] Die nachfolgenden Verfahrensschritte sind die gleichen, wie sie bei der Ermittlung
der Eingangsimpedanz durchgeführt werden, nämlich
- Minimierung des Gütekriteriums Gi durch ein Adaptionsverfahren nach dem NLMS-Algorithmus
mit Baugruppe 13,
- aus der nachgebildeten Eingangsadmittanz Y des Lautsprechers 1 wird durch eine Fast
Fourier Transformation 14 näherungsweise der Frequenzgang der Übertragungsfunktion
E(ω) des Lautsprechers 1 berechnet,
- daraus wird der Kehrwert des Frequenzgangs der Übertragungsfunktion E-1(ω), und aus diesem wird mit Hilfe der Baugruppe zur Bestimmung der Filterkoeffizienten
15 das Digitalfilter 6 eingestellt.
[0022] Für die Realisierung ist es vorteilhaft, die Eingangsadmittanz Y nachzubilden. Die
Funktion des zu modellierenden Systems 12 besitzt dann Tiefpaßcharakter und damit
weniger Frequenzanteile nahe der Nyquistfrequenz. Somit wird bei gleichem Aufwand
das Gütekriterium Gi kleiner als das Gütekriterium Gu, so daß eine bessere Nachbildung
der Eingangsadmittanz des Lautsprechers 1 im Vergleich zur Nachbildung der Eingangsimpedanz
Z des Lautsprechers 1 erzielt wird.
[0023] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wird auch bei kostengünstigen Lautsprechern der
Konsumgüterindustrie eine natürliche Sprach- und Musikwiedergabe erreicht.
[0024] Das beim Herstellungsprozeß eines Endgerätes berechnete digitale Filter 6 zur Entzerrung
des Frequenzgangs der Lautsprecher 1 kann je nach Bedarf in bestimmten Zeitabständen
neu berechnet werden, so daß das digitale Filter 6 an alle Veränderungen des Gehäuses,
des Lautsprechers und deren Zusammenwirken aktuell angepaßt wird.
1. Verfahren zur Korrektur des Frequenzganges eines Schallsenders (1),
dadurch gekennzeichnet, daß eine Eingangszweipolkenngröße des Schallsenders (1) von einem zu modellierenden
System (8, 12) nachgebildet wird, daß daraus eine Übertragungsfunktion (E(ω))des Schallsenders
(1) geschätzt wird und daß aus dem Kehrwert (E-1(ω)) der geschätzten Übertragungsfunktion (E(ω)) des Schallsenders (1) ein digitales
Filter (6) derart berechnet wird, daß die Kettenschaltung aus dem digitalen Filter
(6) und dem Schallsender (1) einen Frequenzgang der Übertragungsfunktion aufweist,
der frei von Resonanzüberhöhungen ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Eingangszweipolkenngröße
des Schallsenders (1) die elektrische Eingangsimpedanz (Z) oder die elektrische Eingangsadmittanz
(Y) gewählt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Eingangszweipolkenngröße
des Schallsenders (1) adaptiv nach dem NLMS-Algorithmus durch die Eingangszweipolkenngröße
des zu modellierenden Systems (8, 12) so nachgebildet wird, daß die Abweichung der
beiden Eingangszweipolgrößen eine definierte Schwelle unterschreitet.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß aus dem zu modellierenden System
(8, 12) mittels einer Fast Fourier Transformation (10, 14) die Übertragungsfunktion
(E(ω)) des Schallsenders (1) geschätzt wird.
5. Anordnung zur Korrektur des Frequenzganges eines Schallsenders (1), dadurch gekennzeichnet, daß dem Schallsender (1) ein zu modellierendes System (8, 12) parallel geschaltet
ist, das über eine Baugruppe zur Bestimmung von Filterkoeffizienten (11, 15) für ein
digitales Filter (6) mit dem digitalen Filter (6) verbunden ist, das dem Schallsender
(1) vorgeschaltet ist.
6. Anordnung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Schallsender (1) über einen
Digital/Analog-Wandler (2) mit dem digitalen Filter (6) verbunden ist und daß das
zu modellierende System (8, 12) über einen Analog/Digital-Wandler (3) mit dem Schallsender
(1) verbunden ist.