[0001] Die Erfindung betrifft einen Flachsiebsortierer für stückige landwirdschaftliche
Erntegüter zur Größensortierung dieser Erntegüter, insbesondere von Kartoffeln, Gemüse
und Obst.
[0002] Bekannt sind Einrichtungen, bei denen eine Größensortierung mittels in der vertikalen
Ebene hin und her bewegter Siebe, die horizontal oder geringfügig in Förderrichtung
geneigt hintereinander, untereinander oder treppenförmig angeordnet sind, erfolgt.
Die Siebe sind in Siebkästen, die in Lenkern geführt sind, montiert. Diese Sortierer
weisen als Antriebsform getriebetechnisch ein Kurbelgetriebe oder ein Kurvengetriebe
auf. Während über ein Kurbelgetriebe angetriebene Siebe auf Grund des geringen Verhältnisses
Kurbellänge/Lenkerlänge eine näherungsweise sinusförmige Siebbewegung erzeugt wird,
ist beim Antrieb über ein Kurvengetriebe eine davon abweichende Siebbewegung möglich.
[0003] Nachteile dieser Einrichtungen sind die hohen Gutbeanspruchungen und der auf die
wirksame Arbeitsbreite bezogene geringe Durchsatz sowie die hohen Fertigungskosten
und die geringe Standzeit des Kurvengetriebes.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Flachsiebsortierer für eine gutschonende
Siebbewegung bei geringem Sortierfehler und hohem Durchsatz für die Flachsiebsortierung
von stückigen landwirtschaftlichen Erntegütern, insbesondere von Kartoffeln, Gemüse
und Obst zu entwickeln, mit dem beim Flachsiebsortieren die mechanischen Beschädigungen
des Siebgutes wesentlich verringert und Siebfehler reduziert werden und der auf die
wirksame Arbeitsbreite bezogene Durchsatz erhöht wird.
[0005] Gelöst wird die Aufgabe nach den Merkmalen des Patentanspruches.
[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch einen Flachsiebsortierer mit einem besonders
ausgestalteten Antrieb für die Siebe realisiert. Dabei erfolgt der Antrieb und die
Bewegung der Siebe über Kurbelwellen, welche je von einem Antriebsdraht angetrieben
werden, welches als eine auf der Kurbelwelle dezentral gelagerte Scheibe ausgeführt
ist und jeweils über ein formschlüssiges Hüllelement mit einem dezentral oder zentral
auf einer Antriebswelle angeordneten Antriebsrad und gegebenenfalls mit einem weiteren
gleichfalls auf einer Kurbelwelle dezentral gelagerten Abtriebsrad verbunden ist und
dem Hüllelement ein gefedertes Spannrad zugeordnet ist.
[0007] Mit nachfolgendem Ausführungsbeispiel soll die Erfindung näher erläutert werden.
In der dazugehörigen Zeichnung ist der Antrieb von vier Siebkästen über dezentral
auf den Kurbelwellen angeordneten Antriebsrädern dargestellt.
[0008] Nach der Zeichnung sind die in Lenkern 3 gelagerten Siebkästen 2 mit den Sieben 1
über die Koppelstangen 4 gelenkig mit den Kurbelwellen 5 verbunden. Auf den Kurbelwellen
5 sind je ein Abtriebsrad 6 angeordnet, das als dezentral gelagerte Scheibe ausgeführt
ist. Je zwei Abtriebsräder 6 werden von einem auf einer Antriebswelle 7 dezentral
oder zentral angeordneten Antriebsrad 8 über ein formschlüssiges Hüllelement 9 angetrieben.
Jeweils im Trum zwischen den beiden Abtriebsrädern 6 ist ein gefedertes Spannrad 10
angeordnet, um eine stetige Straffung des formschlüssigen Hüllelementes 9 zu gewährleisten.
Zwischen der Kurbelwelle 5 und dem entsprechenden Abtriebsrad 6 liegt ein bestimmter
Verdrehwinkel vor, der von der Anordnung des Hülltriebes sowie von der Drehrichtung
und der Schwingungsrichtung des Siebes 1 abhängt. Er ist so zu wählen, daß bei maximaler
Winkelgeschwindigkeit der Kurbelwelle 5 die maximale Siebgeschwindigkeit während des
Aufwärtshubes in der Mittelstellung des Siebkastens 2 erreicht wird.
Während bei einem zentral auf der Antriebswelle 7 angeordneten Antriebsrad 8 die Phasenlage
der beiden durch ein formschlüssiges Hüllelement 9 angetriebenen Siebkästen 2 beliebig
vorgebbar ist, aber im Sinne der Begrenzung der auf den Maschinenrahmen wirkenden
Massenkräfte eine Differenz von 60...300° haben und hinsichtlich des Federweges optimiert
werden sollte, ist bei dezentraler Anordnung des Antriebsrades 8 auf der Antriebswelle
7 die Phasenlage der beiden durch ein formschlüssiges Hüllelement 9 realisierten Siebbewegungen
durch die Geometrie des Hülltriebes vorgegeben.
Durch Aufrechterhaltung eines bestimmten Phasenversatzes beider Hülltriebe untereinander,
der durch winkelversetzte Anordnung beider Antriebsräder 8 auf der Antriebswelle 7
realisierbar ist, wird gewährleistet, daß jeder der 4 Siebkästen 2 zueinander eine
andere, um 60...120° bzw. um ein Mehrfaches davon veränderte Phasenlage hat. Dies
ist die Voraussetzung, um die auf den Maschinenrahmen wirkenden Massenkräfte zu begrenzen
und somit einen sicheren Stand der Maschine auf der Unterlage zu gewährleisten.
Zum Auflegen des formschlüssigen Hüllelementes 9 werden das Antriebsrad 8 der Antriebswelle
7 und die beiden Abtriebsräder 6 der Kurbelwellen 5 in die Position gebracht, in der
die geringste Auslenkung des gefederten Spannrades 10 erreicht wird. Anschließend
werden durch Verdrehen der Antriebswelle 7 das zweite Antriebsrad 8 und die beiden
übrigen Abtriebsräder 6 des zweiten Hülltriebes in die zum günstigen Auflegen des
Hüllelementes 9 zweckmäßige Position gebracht. Zum Abbau der hohen Drehmomentspitzen
ist auf der Antriebswelle 7 eine Schwungscheibe anzuordnen.
Der Antrieb eines Siebkastens 2 über je ein formschlüssiges Hüllelement 9, ein Antriebsrad
8 und ein gefedertes Spannrad 10 ist ebenfalls möglich, erfordert aber einen höheren
technischen Aufwand. Bei Maschinen mit gerader Anzahl von Siebkästen 2 ist dann die
doppelte Anzahl der Hüllelemente 9, Spannräder 10 und Federn notwendig. Deshalb sollte
dieser Einzelantrieb auf Sortierer mit nur einem Siebkasten 2 bzw. auf lediglich einen
Siebkasten 2 bei Sortierern mit ungerader Anzahl von Siebkästen 2 begrenzt bleiben.
Die Siebbewegung weist auf Grund des ungleichmäßigen Übersetzungsverhältnisses eine
ungleichmäßige Schwingkurve auf, die einen kurzzeitig wirkenden Bereich intensiver
Siebbeschleunigungen während des Aufwärtshubes und einen langandauernden Bereich wenig
intensiver Siebbeschleunigungen, die sog. Ruhephase, während des Abwärtshubes beinhaltet.
Die hohen positiven und negativen Beschleunigungen ermöglichen bei Ausnutzung der
Trägheit des Sortiergutes ein Auflösen des Haufwerkes und ein Ausrichten der Einzelknollen
über den Sortieröffnungen.
[0009] Die ausgeprägte Ruhephase gewährleistet einen zügigen Durchgang der Knollen durch
die Sortieröffnungen bei geringer Stoßbelastung.
Im Bereich zunehmender der Gutförderrichtung entgegengesetzter Siebbeschleunigung,
in dem das Ablösen der Knolle vom Sieb 1 erfolgt, liegt eine hohe Sieb- und damit
Knollengeschwindigkeit vor, die das "Weiterrollen" der Knolle von einer zur nächsten
Siebmasche bewirkt. Damit erfolgt der Transport der Knollen über das Sieb 1 vorwiegend
durch die Siebkinematik und weniger durch Gutnachschub. Dies führt zu einer geringen
Verweilzeit der Knollen auf dem Sieb 1 und damit zu einer geringen mechanischen Produktbeanspruchung.
Bei einem Siebhub von 40 mm, einer Frequenz von 3 Hz und einer Übersetzungsänderung
zwischen der Kurbelwelle 5 und der Antriebswelle 7 von

werden Beschleunigungsmaxima von ± 20 m/s
2 und eine Dauer der Ruhephase mit absoluten Beschleunigungen ≤ 2,5 m/s
2 von ca. 140 ms erreicht. Im Ablösebereich sind hohe Siebgeschwindigkeiten zwischen
0,60 und 0,75 m/s vorhanden.
Während bei dezentraler Anordnung des Antriebsrades 8 zur Gewährleistung der Schwingungsform
ein gleicher Durchmesser des An- 8 und Abtriebsrades 6 vorliegen muß, ist dies bei
zentraler Anordnung des Antriebsrades 8 nicht erforderlich.
Zweckmäßig ist, An- 8 und Abtriebsräder 6 einheitlich mit gleichem Durchmesser und
gleicher dezentraler Kegelbohrung zur Übertragung der hohen wechselnden Drehmomente
zu gestalten. Die Federrückstellkraft des Spannrades 10 ist auf die kinematischen
Erfordernisse abzustimmen, um einerseits eine stetige Straffung des Hüllelementes
9 und damit die Übertragung der geforderten Drehmomente zu gewährleisten und andererseits
die Spitzenwerte hinsichtlich des Antriebsdrehmomentes und der Zugkraft im Hüllelement
9 zu begrenzen. Als Hüllelemente 9 kommen Zahnriemen in Frage. Sie laufen verschleiß-
und wartungsarm auch unter staubigen Bedingungen, haben keine bleibende Dehnung und
sind infolge ihrer geringen Masse besonders vorteilhaft. Durch das gefederte Spannrad
10 wird einer Überdehnung des Hüllelementes 9 infolge von Fertigungs- und Montageungenauigkeiten
vorgebeugt.