[0001] Die Erfindung bezieht sich auf einen Steuernocken mit einer im Oberbegriff des Patentanspruches
1 beschriebenen Nockenkontur.
[0002] Bekanntlich sind zur Erzielung hoher spezifischer Arbeiten für ein sattes Drehmoment
einerseits und eine hohe Leistung andererseits die Brennkraftmaschinen mit einer Ventilsteuerung
ausgestattet, die sehr "scharfe" Ventilerhebungsverläufe für die Einlaß- und Auslaßventile
aufweist, um die gewünschten Massenströme über entsprechend rasch sich ändernde Ventilöffnungsquerschnitte
zu erzielen. Bei rasch sich öffnenden Auslaßventilen ist damit ein sehr hoher Vorauslaßstoß
erzeugt, der zu einem ungleichmäßigen Ausströmen der Abgase führt. Da aber die Abgasakustik
sehr wesentlich von Form und Amplitude des Vorauslaßstoßes geprägt ist, ergibt sich
bei großem Massenstrom und hoher Öffnungsbeschleunigung des Auslaßventiles ein Mündungsgeräusch
mit einem hohen Anteil an höheren Harmonischen, die zu einer verstärkten, nachteiligen
Oberflächenabstrahlung der Abgasanlage bzw. der Brennkraftmaschine führen.
[0003] Bei bekannten Serienmotoren mit durch mehrere Auslaßventile je Zylindereinheit erzeugten
großen Auslaßquerschnitten und durch scharfe Ventilerhebungsverläufe erzeugten hohen
Öffnungsbeschleunigungen ist dieses Problem dadurch gelöst, daß die zur Steuerung
der Auslaßventile je Zylinder vorgesehenen Auslaßnocken gegeneinander winkelversetzt
angeordnet sind (phasing). Diese Anordnung hat den erheblichen Nachteil, daß jeder
Nocken gesondert geschliffen werden muß.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen gattungsgemäßen Steuernocken mit
einer solchen Nockenkontur zumindest für den Ventil-Öffnungsbereich auszubilden, daß
die Gasdynamik der Brennkraftmaschine auslaß- und/oder einlaßseitig über den Öffnungs-Beschleunigungsverlauf
wirksam beeinflußt ist.
[0005] Diese Aufgabe ist mit dem Patentanspruch 1 gelöst, und zwar dadurch, daß der Steuernocken
eine Öffnungsflanke mit einer Kontur aufweist, mittels der ein Öffnungs-Beschleunigungsverlauf
mit durch eine Zwischenkurve relativ geringer positiver Beschleunigungswerte beabstandeten
Beschleunigungskurven mit relativ hohen und unterschiedlich großen Beschleunigungs-Spitzenwerten
erzeugt ist derart, daß eine erste Beschleunigungskurve einen Spitzenwert von ca.
40 bis 60 % eines zu 100 % gesetzten Spitzenwertes einer benachbarten Beschleunigungskurve
aufweist.
[0006] Der Vorteil der Erfindung ist in einer verzögerten Offnungsbeschleunigung zu sehen,
wodurch bei Verwendung dieses Steuernockens als Auslaßnocken zur Betätigung eines
Auslaßventiles ein hinsichtlich der Abgasakustik kritischer Vorauslaßstoß vermieden
ist. Für eine Brennkraftmaschine mit mehreren Auslaßventilen je Zylinder ergibt sich
des weiteren der Vorteil, daß sich eine winkelversetzte Anordnung der Auslaßnocken
zu einer Zylindereinheit erübrigt und somit sämtliche Auslaßnocken über eine Schleifscheibe
bearbeitbar sind.
[0007] Der erfindungsgemäße Öffnungs-Beschleunigungsverlauf mit einer ersten Beschleunigungskurve
und einer gegenüber dieser höheren zweiten Beschleunigungskurve ist in weiterer Ausgestaltung
der Erfindung für die beiden Beschleunigungskurven verbindenden Zwischenkurve eine
hinsichtlich des Ausmaßes der Beschleunigungs-Verzögerung vorteilhafter Bemessungsbereich
angegeben.
[0008] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung sind vorteilhafte, auf die Abszisse eines
Beschleunigungsdiagramms bezogene Maßbereiche der beiden unterschiedlich hohen Beschleunigungskurven
des Öffnungs-Beschleunigungsverlaufs angegeben. Der insbesondere für die erste Beschleunigungskurve
relativ größere Maß- bzw. Auslegungsbereich ergibt in Verbindung mit einer konstanten
Beschleunigung im Kuppenbereich der ersten Beschleunigungskurve und einer konstanten
Beschleunigung der Zwischenkurve zwischen ihren Anschlußpunkten mittels dieser Beruhigungsabschnitte
eine auf die Gasdynamik vorteilhaft günstig sich auswirkende Beschleunigungs-Verzögerung.
[0009] Diese erfindungsgemäß erzielte Beschleunigungs-Verzögerung bewirkt auslaßseitig eine
wesentliche Herabsetzung des Mündungsgeräusches und damit der Oberflächenabstrahlung.
Einlaßseitig kann der erfindungsgemäße Öffnungs-Beschleunigungsverlauf mit Verzögerung
für eine dynamische Spaltbildung zur Erhöhung der Gasgeschwindigkeit für eine Wirbelausbildung.
[0010] Die Erfindung ist anhand eines in der Zeichnung dargestellten, bevorzugten Beschleunigungsverlaufs
beschrieben.
[0011] Ausgangspunkt der Erfindung ist ein nicht gezeigter Steuernocken für eine nicht dargestellte
ventilgesteuerte Brennkraftmaschine, der eine zumindest einen positiven Beschleunigungsverlauf
im Ventil-Öffnungsbereich erzeugende Nockenkontur aufweist. Nockenkonturen mit hohen
Öffnungsbeschleunigungen bei großen Massenströmen bewirken an Auslaßventilen der Brennkraftmaschine
einen Vorauslaßstoß, dessen Form und Amplitude eine nachteilige Abgasakustik ergeben.
[0012] Um insbesondere die mit dem Mündungsgeräusch des Vorauslaßstoßes verbundenen höheren
Harmonischen zu vermeiden, wird erfindungsgemäß ein verzögerter Öffnungs-Beschleunigungsverlauf
vorgeschlagen. Hierfür weist der Steuernocken vorzugsweise eine Öffnungsflanke mit
einer Kontur auf, mittels der ein Öffnungsbeschleunigungsverlauf 1 mit durch eine
Zwischenkurve 2 relativ geringer positiver Beschleunigungswerte beabstandeten Beschleunigungskurven
3 und 4 mit relativ hohen und unterschiedlich großen Beschleunigungs-Spitzenwerten
a
1 und a
2 erzeugt ist derart, daß die erste Beschleunigungskurve 3 einen Spitzenwert a
1 von ca. 40 bis 60 % eines zu 100 % gesetzten Spitzenwertes a
2 der benachbarten Beschleunigungskurve 4 aufweist.
[0013] Der vorzugsweise als Auslaßnocken zur Betätigung eines Auslaßventiles dienende Steuernocken
bewirkt bezüglich seiner Kontur der Öffnungsflanke ferner, daß der ansteigende Kurvenabschnitt
3' der ersten Beschleunigungskurve 3 und der abfallende Kurvenabschnitt 4'' der zweiten
Beschleunigungskurve 4 mit der Nullbeschleunigungsline auf der Abszisse des Beschleunigungsdiagramms
jeweils zumindest einen projektierten Schnittpunkt 5, 6 bilden, wobei der Abstand
zwischen jeweiligen Anschlußpunkten 7, 8 des abfallenden Kurvenabschnittes 3'' der
ersten Beschleunigungskurve 3 und des ansteigenden Kurvenabschnittes 4' der zweiten
Beschleunigungskurve 4 mit der Zwischenkurve 2 einen Betrag von 10 bis 15 % des zu
100 % gesetzten Abstandes der Abszissen-Schnittpunkte 5, 6 entspricht.
[0014] Weiter ist die Kontur der Öffnungsflanke so gestaltet, daß der Abstand zwischen dem
ersten Abszissen-Schnittpunkt 5 der ersten Beschleunigungskurve 3 und dem ersten Anschlußpunkt
7 der Zwischenkurve 2 an die erste Beschleunigungskurve 3 einem Betrag von 45 bis
50 % und der Abstand zwischen dem zweiten Anschlußpunkt 8 der Zwischenkurve 2 und
dem zweiten Abszissenschnittpunkt 6 der zweiten Beschleunigungskurve 4 einem Betrag
von 45 bis 35 % des zu 100 % gesetzten Abstandes der Abszissen-Schnittpunkte 5, 6
entspricht.
[0015] Zur Reduzierung von Anregungen im Ventiltrieb weist die erste Beschleunigungskurve
3 einen Kuppenbereich 3''' mit einem konstanten Beschleunigungs-Verlauf auf. Weiter
ist der zweiten, höheren Beschleunigungskurve 4 die Zwischenkurve 2 mit einem konstanten
Beschleunigungs-Verlauf 2' zwischen den Anschlußpunkten 7 und 8 vorgeschaltet.
[0016] Der im Diagramm dargestellte gesamte Beschleunigungsverlauf weist im Schließbereich
einen konventionellen Schließbeschleunigungsverlauf auf. Im Rahmen der Erfindung kann
dieser konventionelle Beschleunigungsverlauf durch den erfindungsgemäßen Beschleunigungsverlauf
1 ersetzt sein. Weiter kann der im Diagramm gesamt dargestellte Beschleunigungsverlauf
mit dem erfindungsgemäßen Öffnungs-Beschleunigungsverlauf 1 auch bei einem als Einlaßnocken
zur Betätigung eines Einlaßventile dienenden Steuernocken verwendet sein. Mit der
erfindungsgemäßen Beschleunigungs-Verzögerung ist bei einem Einlaßventil in vorteilhafter
Weise ein dynamischer Ventilspalt zur Auslösung einer Wirbelbildung erzeugt. Ferner
kann damit auch die Gemischbildung vorteilhaft beeinflußt sein.
[0017] Die Erfindung findet bevorzugt bei Mehrventilmotoren, insbesondere bei Vier-Ventilmotoren
Anwendung.
1. Steuernocken für eine ventilgesteuerte Brennkraftmaschine,
- der eine zumindest einen positiven Beschleunigungsverlauf im Ventil-Öffnungsbereich
erzeugende Nockenkontur aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
- daß der Steuernocken eine Öffnungsflanke mit einer Kontur aufweist, mittels der
- ein Öffnungs-Beschleunigunsgsverlauf (1) mit durch eine Zwischenkurve (2) relativ
geringer positiver Beschleunigungswerte beabstandeten Beschleunigungskurven (3, 4)
mit relativ hohen und unterschiedlich großen Beschleunigungs-Spitzenwerten (a1, a2) erzeugt ist derart,
- daß eine erste Beschleunigungskurve (3) einen Spitzenwert (a1) von ca. 40 bis 60 % eines zu 100 % gesetzten Spitzenwertes (a2) einer benachbarten Beschleunigungskurve (4) aufweist.
2. Steuernocken nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß dieser als Auslaßnocken
zur Betätigung eines Auslaßventiles dient.
3. Steuernocken nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet,
- daß die Kontur der Öffnungsflanke ferner bewirkt, daß
- der ansteigende Kurvenabschnitt (3') der ersten Beschleunigungskurve (3) und der
abfallende Kurvenabschnitt (4'') der zweiten Beschleunigungskurve (4) mit der Null-Beschleunigungslinie
auf der Abszisse jeweils zumindest einen projizierten Schnittpunkt (5, 6) bilden,
wobei
- der Abstand zwischen jeweiligen Anschlußpunkten (7. 8) des abfallenden Kurvenabschnittes
(3'') der ersten Beschleunigungskurve (3) und des ansteigenden Kurvenabschnitts (4')
der zweiten Beschleunigungskurve (4) mit der Zwischenkurve (2) einem Betrag von 10
bis 15 % des zu 100 % gesetzten Abstandes der Abszissen-Schnittpunkte (5, 6) entspricht.
4. Steuernocken nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
- daß die Kontur der Öffnungsflanke auch bewirkt, daß
- der Abstand auf der Abszisse zwischen dem ersten Abszissen-Schnittpunkt (5) und
dem ersten projizierten Anschlußpunkt (7) der Zwischenkurve (2) einem Betrag von 45
bis 50 % und
- der Abstand auf der Abszisse zwischen dem zweiten, projizierten Anschlußpunkt (8)
der Zwischenkurve (2) und dem zweiten Abszissen-Schnittpunkt (6) einem Betrag von
45 bis 35 % des zu 100 % gesetzten Abstandes der Abszissen-Schnittpunkte (5, 6) entspricht.
5. Steuernocken nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die erste Beschleunigungskurve
(3) einen Kuppenbereich (3''') mit einem konstanten Beschleunigungsverlauf aufweist.
5. Steuernocken nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Zwischenkurve
(2) abschnittsweise zwischen den Anschlußpunkten (7, 8) einen konstanten Beschleunigungs-Verlauf
(2') aufweist.
7. Steuernocken nach Anspruch 1 und 3 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß dieser als
Einlaßnocken zur Betätigung eines Einlaßventiles dient.