[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Scharnier gemäss dem Oberbegriff des Patentanspruchs
1.
[0002] Verschiedene federnde Scharniere, wie sie insbesondere bei einteilig gespritzten
Kunststoffverschlüssen Anwendung finden, sind aus dem Stand der Technik bekannt. Regelmässig
soll bei solchen Scharnieren für Kunststoffverschlüsse ein sogenannter
Schnappeffekt bewirkt werden. Als Schnappeffekt versteht man ein selbstständiges Öffnen des Scharniers
nach einer bestimmten aufgezwungenen Anfangsauslenkung (Totpunkt) des Scharniersystems
sowie einen analogen Effekt beim Schliessen, indem das Scharnier nach Überschreiten
eines Totpunkts selbständig in eine geschlossene Lage zurückkehrt. Dieser Effekt wird
grundsätzlich von speziellen Federelementen übernommen. Im Zusammenhang mit solchen
Schnappeffekten gelten die
Schnappkraft und der
Wirkungswinkel als charakteristische Grössen. Als Schnappkraft versteht man den Widerstand den das
Scharniersystem dem Öffnen bzw. dem Schliessen entgegenbringt. Der Wirkungswinkel
wird durch den Bereich definiert, welchen die Scharnierteile aufgrund der Federwirkung
selbständig überwinden und ist somit durch den Bereich zwischen den Ruhelagen der
Scharnierteile bestimmt.
[0003] Das Grundprinzip bei der grossen Mehrheit solcher Scharniere besteht darin, einen
Deckelteil um eine definierte Bewegungshauptachse zu schwenken.
[0004] Die europäische Patentschrift EP 0 056 469 beschreibt ein Scharnier für einen Kunststoffverschluss,
dessen Rotationsachse durch ein definiertes, den Dekkel und den Verschlusskörper verbindendes
Hauptfilmscharnier gebildet wird und klar bestimmt ist. Der Schnappeffekt wird durch
ein Zusammenwirken mit seitlich dieses Hauptscharniers angeordneten Federarmen erreicht.
Der Schnappeffekt beruht bei einer Ausführungsform auf der Biegung von U-förmigen
Zwischenelementen bei anderen Ausführungsformen auf einer Biegung von Wandbereichen
der Verschlussteile, wobei in der Regel der Verschlussdeckel eine Biegung im Mittenbereich
erfährt. Der Schnappeffekt kommt auch hier durch Biegeeffekte um die Schmalseite zustande.
[0005] Die aus den Patentschriften WO 92/13775 oder EP 0 331 940 bekannten Scharnieranordnungen
verwenden primäre Biegeeffekte in Kombination mit einer Hauptachse, um eine Federwirkung
für einen Schnappeffekt zu erzielen. Die entsprechenden Verschlüsse öffnen sich wegen
den vorhandenen geometrischen Hauptachsen im wesentlichen auf einer kreisförmigen
Bahn. Bei den genannten Konstruktionen ragen, bei geschlossenem Verschluss, gewisse
Teile aus der Aussenkontur des Verschlusses heraus.
[0006] Das US Patent Nr. 5,148,912 beschreibt eine Scharnieranordnung für einen Verschluss
mit Verschlusskörper und Deckel, bei dem der Verschluss den gleichen kreisrunden Querschnitt
aufweist wie der Verschlusskörper selbst. Deckel und Verschlusskörper sind über zwei
flexible, gürtelartige Verbindungsarme, die trapezförmig ausgebildet sind, verbunden.
Diese Verbindungsarme sind biegeelastisch ausgeführt und über Dünnstellen am Verschluss
und am Verschlusskörper befestigt. Die verschlusskörperseitigen Filmscharniere der
Dünnstellen sind schräg zueinander angeordnet. Betrachtet man den Verschluss in einer
Ansicht von hinten, so sind diese Filmscharniere zwangsläufig aber zufällig in Form
eines nach unten offenen V angeordnet. Die Anordnung der beiden deckelseitigen Filmscharniere
ist dazu spiegelsymmetrisch. Dieses Scharnier weist keinen guten Schnappeffekt auf,
da keine geeigneten Federkräfte aufgebaut werden können.
[0007] Die bekannten Scharnieranordnungen weisen verschiedene Nachteile auf. Bei allen bekannten
Scharnieren mit einer Hauptachse, gegenüber welcher Spannbänder oder ähnliche Elemente
versetzt angeordnet sind (Gelenkachsenoffset), besteht die Notwendigkeit, diese Hauptachse
bei konvexen Spritzguss-Verschlüssen ausserhalb der Verschluss-Aussenkonturen anzuordnen.
Vorstehende Elemente sind aber aus technischen und ästhetischen Gründen unerwünscht.
Ein weiterer Nachteil liegt darin, dass der Schnappeffekt wegen der schwierigen mechanischen
Beeinflussungen nicht vorhersehbar ist und regelmässig zu einem ungenügenden Schnappeffekt
oder aber zu unzulässigen Materialbeanspruchungen führt. Nachteilig ist auch die Tatsache,
dass herkömmliche Scharnieranordnungen nur unvorhersehbare und unzureichende Wirkungswinkel
ermöglichen, die häufig nur bei ca. 100° liegen. Es ist bei den bekannten Prinzipien
wegen der unvorhersehbaren Wirkungsweise besonders nachteilig, dass bei einer aus
Designgründen gewünschten, neuen Verschlussgeometrie jeweils aufwendige Prototypenserien
angefertigt werden müssen, um eine technisch befriedigende Verschlusskinematik zu
erreichen. Das bei herkömmlichen Verschlüssen vorhandene Hauptscharnier bedingt, dass
die Verschlussteile im Spritz-Zustand sehr nahe beieinander liegen müssen. Die entsprechende
Spritzgussform hat deshalb den Nachteil, dass die Wandstärken in diesem Bereich, aufgrund
der zwangsläufigen Verbindung zwischen den Verschlusskörpern, sehr dünn ausgeführt
werden müssen. Die in der Folge auftretenden Kühl- und Verschleissprobleme, wirken
sich negativ auf die Zykluszeit und die Standzeit der Spritzgussform aus.
[0008] Eine weitere Einschränkung solcher bekannter Scharnieranordnungen, welche einteilig
aus Kunststoff gespritzt werden können, liegt darin, dass nur Systeme mit maximal
einem Schnappeffekt erzielt werden können. Mit anderen Worten werden für den Öffnungsvorgang
des Verschlusses jenseits von maximal einem Totpunkt maximal zwei Ruhelagen erreicht.
Diese Ruhelagen sind im wesentlichen der offene und der geschlossene Zustand des Verschlusses.
Wegen den regelmässig auftretenden plastischen Verformungen fällt die Offenruhelage
nicht mit der Position im Spritzgiesszustand zusammen.
[0009] Die mechanischen Effekte, die dem Funktionieren solcher Verschlüsse zu Grunde liegen
sind im wesentlichen Biegefedereffekte. Die Energie, die benötigt wird um ein Biegeelement
mittels Biegung zu verformen, bestimmt die Schnappkraft des Scharniers. Wird ein Element
einer für diesen Effekt relevanten Biegung ausgesetzt, so sind die entsprechenden
Biegeverformungen dieser Elemente gross im Vergleich zu dessen charakteristischen
Grössen (z. B. Dicke einer Biegeplatte) oder die Biegefedern haben im unbelasteten
Zustand eine erhebliche räumliche Ausdehnung. Bei sehr kleinen Verschlüssen oder bei
besonderen Verschlussgeometrien (geringe Krümmungsradien im Bereich des Schamiers)
lassen sich die erforderlichen funktionalen Elemente herkömmlicher Scharnieranordnungen,
wie Hauptschamier und Spannbänder, nicht mehr realisieren oder führen zu ungenügenden
Schnappeffekten oder unzulässigen Materialbeanspruchungen. Eine Einschränkung besteht
zudem darin, dass die Verschlüsse im Bereich des Scharniers notwendigerweise eine
konvexe Aussenkontur aufweisen müssen.
[0010] Beobachtet man bei verschiedenen existierenden Kunststoffverschlüssen den Kraftfluss,
so stellt man hier bei gleichen Verschlusstypen erhebliche Variationen fest. Dünnstellen
(Filmscharniere) werden bei vielen Konstruktionen unzulässig hoch beansprucht. Ist
einem Verschluss eine fixe Hauptbewegungsachse in Form einer Dünnstelle vorgegeben,
sind zum Teil große Zwängungen in den funktionswichtigen Elementen, insbesondere in
den Filmbereichen erkennbar. Scharnierteile, die beispielsweise fix über ein Hauptfilmscharnier
miteinander verbunden sind, bilden im geöffnetem Zustand immer noch eine relativ steife
Einheit. Wird dem Verschluss bei geöffnetem Scharnier eine Relativbewegung längs des
Hauptscharniers gegenüber dem Hauptbehälter aufgezwungen, können eben durch diese
steife Verbindung Deckel-Hauptbehälter hohe Spannungen in den funktionswichtigen Scharnierelementen
eingeleitet werden, welche zur Zerstörung des Verschlusses fuhren.
[0011] Die Bahn, welche die Scharnierteile beim Öffnen oder Schliessen relativ zueinander
beschreiben ist bei all diesen herkömmlichen Scharnierprinzipien im wesentlichen eine
kreisförmige Bahn, die durch das Hauptfilmscharnier exakt vorgegeben wird. Sind Anforderungen
an die Relativbewegung der Scharnierteile beim Öffnen gestellt, können diese von derartigen
Konstruktionen nicht abgedeckt werden.
[0012] Viele Materialien (auch spritzbare Kunststoffe) zeigen ein ungünstiges Verhalten,
wenn sie längere Zeit einer Beanspruchung ausgesetzt werden. Diese Kriech- und Alterungseffekte
wirken sich negativ auf die Funktionsweise eines Verschlusses aus. Es wirkt sich daher
nachteilig aus, dass die bekannten Scharnieranordnungen diesem Umstand keine Rechnung
tragen und in den Ruhepositionen oft erhebliche Restspannungen aufweisen.
[0013] Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Scharnier zu schaffen,
welches bei weitgehend vorausbestimmbaren, guten Schnappkräften und grossen möglichen
Wirkungswinkeln, wenn gewünscht auch über 180°, unter Vermeidung übermässiger Materialbelastungen
eine definierte, aber variable Relativbewegung der Verschlussteile zueinander um eine
virtuelle Bewegungsachse und wenn gewünscht mehrere stabile Ruhepositionen zulässt.
Es ist zudem Aufgabe der Erfindung, ein Scharnier zu schaffen, welches auch bei kleinen
und komplizierten, insbesondere auch konkaven Verschlussgeometrien, eingesetzt werden
kann und weitgehend innerhalb der Verschlussaussenkontur angeordnet werden kann. Insbesondere
soll die optimale Gestaltung der Spritzgussform möglich sein, um einerseits die Zykluszeit
bei der Herstellung zu verkürzen und andererseits die Standzeit der Spritzgussform
zu erhöhen.
[0014] Diese Aufgabe wird durch die in den Patentansprüchen angegebene Erfindung gelöst.
[0015] Eine bestimmte gegenseitige Bewegungskurve der Scharnierteile ist zum Beispiel dann
von Vorteil, wenn ein Hindernisbereich überwunden werden muss. Der Bewegungsweg hat
aber auch dann eine Bedeutung, wenn die beiden Scharnierteile funktional zusammenwirkende
Elemente enthalten. Im Bereich von Kunststoffverschlüssen ist es beispielsweise wesentlich,
dass die Ausgussöffnung mit ihrem dichtenden Gegenstück unter einem günstigen Winkel
aufeinandertreffen um eine optimale Dichtung zu erreichen.
[0016] Die Erfindung ermöglicht ein Scharniersystem, welches beim Öffnungs- und Schliessvorgang
über zwei oder mehrere im wesentlichen
spannungsfreie Ruhelagen und dazwischenliegende Totpunkte verfügt. Die Zustände jenseits der Totpunkte
sind vorherbestimmt und kontrolliert. Man kann mehrere Schnappeffekte mit verschiedenen
Schnappkräften bei einem Öffnungs- und Schliessvorgang erzielen, basierend auf der
konstruktiven Konzentration funktionaler Scharnierelemente zur gezielten Nutzung quasistabiler
Zustände. Dabei sind die funktionswesentlichen, mechanischen Effekte nicht mehr Biegeeffekte
um die Schmalseite, sondern koordinierte Zug- und Druckeffekte mit ihren etwaigen
sekundären Erscheinungen. Werden funktionswichtige Elemente der vorliegenden Erfindung
auf Biegung belastet, ist dies nur sekundär. Solche Biegeverformungen werden grundsätzlich
durch entsprechende technische Massnahmen (z. B. biegesteife Ausführung des betroffenen
Druckelementes) bestmöglich verhindert.
[0017] Der Scharniertyp gemäss der Erfindung zeichnet sich des weiteren dadurch aus, dass
z. B. bei gespritzten einstückigen Kunststoffverschlüssen keine störenden Teile aus
der Verschlusskontur herausragen.
[0018] Die Erfindungsidee bezweckt, die erforderlichen funktionalen Elemente so zu gestalten
und zu konzentrieren, dass eine im wesentlichen im voraus bestimmbare Kinematik des
Verschlusses erreicht wird, wobei gleichzeitig gewährleistet ist, dass die Endlagen
und die Zwischenruhelagen des Verschlusses weitgehend spannungsfrei sind.
[0019] Der Schnappeffekt und insbesondere die Schnappkraft werden erfindungsgemäss ausschliesslich
durch die konzentrierten, zwischen den Scharnierteilen liegenden, funktionalen Elemente
erzeugt. Deckel und Verschlusskörper eines Kunststoffverschlusses können so mit frei
bestimmbarer Steifigkeit und mit weitgehend beliebiger Geometrie ausgeführt werden.
[0020] Da die Scharnierteile nicht fest über ein Hauptscharnier in der Hauptbewegungsachse
miteinander verbunden sind, wird erreicht, dass unbeabsichtige Relativbewegungen der
Scharnierteile, bspw. Torsionen quer zur Schwenkbewegung, zu keiner Beschädigung des
Scharniers führen. Die Erfindung besitzt
keine fixe Bewegungshauptachse. In jedem Zeitpunkt des Bewegungsvorgangs kann nur eine
momentane,
nicht raumfeste Schwenkachse bestimmt werden, welche zeitweise auch windschief liegen kann. Diese
sich beim Bewegungsvorgang bewegende, virtuelle Achse ist nicht physisch vorhanden
und fällt nicht mit einem Strukturteil des Scharniers zusammen. Trotzdem bewegen sich
die Deckelteile auf der vorgesehenen Bahn und erreichen zuverlässig die für sie vorgesehene
Endposition. Über den geometrischen Aufbau der Scharniermechanik wird die Lage und
die Bewegung dieser virtuellen Achse und damit die Relativbewegung der Scharnierteile
wesentlich beeinflusst und gesteuert. Es werden mehr Freiheitsgrade ermöglicht und
ein Gesamtwirkungswinkel von mehr als 180° mit - sofern gewünscht - mehreren Schnappeffekten
kann bewirkt werden. Spezielle Ausführungsformen erlauben auch eine mindestens annähernd
vollständige Integration der Funktionselemente in die Aussenkontur des Verschlusses,
insbesondere bei einstückig gespritzten Kunststoffverschlüssen.
[0021] Anhand der unten aufgeführten Figuren und Diagramme werden das erfindungsgemäße Funktionsprinzip
und Ausführungsbeispiele der Erfindung näher erläutert.
- Figur 1
- zeigt einen funktionalen, schematischen Aufbau einer Kippstufe 1 mit zwei Zwischengliedern
20, 21, zwei Druckelementen 2.1, 2.2, zwei Zugelementen 3.1, 3.2 sowie zwei Schubelementen
4.1 und 4.2:
- Figur 2
- zeigt ein Ausführungsbeispiel einer Kippstufe 1 in geschlossenem Zustand;
- Figur 3
- zeigt das Ausführungsbeispiel von Figur 2 im offenen Zustand;
- Figur 4
- zeigt schematisch die Bewegungskurve und drei Kippzustände eines Scharniers 25.1-25.3
mit zwei hintereinander geschalteten Kippstufen;
- Figur 5
- zeigt ein Anwendungsbeispiel einer Kippstufe gemäß Figuren 2 und 3 in einem einteilig
gespritzten Kunststoffverschluß 25 bei geschlossenem Verschluß;
- Figur 6
- zeigt den Kunststoffverschluß gemäß Figur 5 in offenem Zustand;
- Figur 7
- zeigt eine Kippstufe 1 mit zwei über eine Dünnstelle 11 verbundenen Druckelementen
2.1, 2.2 in geschlossenem Zustand;
- Figur 8
- zeigt schematisch die Wirkungsweise eines besonderen Ausführungsbeispiels mit einem
Gesamtwirkungswinkel von 180°;
- Figur 9
- zeigt schematisch ein Verbindungselement 5 mit dargestelltem Zwängungswinkel k;
- Figur 10
- zeigt eine schematische Darstellung eines Kippvorganges mit seinen Winkelzusammenhängen;
- Figur 11
- zeigt ein Diagramm zur erfindungsgemäßen Optimierung der Geometrien;
- Figur 12
- zeigt ein Ausführungsbeispiel mit zwei hintereinander geschalteten Kippstufen 1.1,
1.2 in geschlossenem Zustand;
- Figur 13
- zeigt das Beispiel von Figur 12 in einem teiloffenen Zustand bei geöffneter, erster
Kippstufe 1.1;
- Figur 14
- zeigt das Beispiel gemäß Figur 12 und Figur 13 im vollständig offenen Zustand mit
geöffneten Kippstufen 1.1, 1.2.
[0022] Im Folgenden wird die Erfindung anhand von Beispielen für einteilig spritzbare Kunststoff-Schnappverschlüsse
näher erläutert. Die Erfindung ist jedoch nicht auf derartige Kunststoffteile eingeschränkt.
Das erfindungsgemäße Scharnier, welches mindestens zwei Scharnierteile gelenkig verbindet,
besteht aus einer oder mehreren Kippstufen, die jeweils von steifen Zwischengliedern
bzw. den Scharnierteilen selber berandet sind. Eine einzelne Kippstufe hat den Zweck,
dem Scharnier eine bestimmte Teilschnappkraft und Teilwinkel (bezogen auf die gesamte
Öffnungs-/Schliessbewegung) zu verleihen und ist verantwortlich für
einen Schnappeffekt. Werden mehrere Kippstufen hintereinandergeschaltet so erhält das Scharnier
gleich viele Schnappeffekte wie Kippstufen. Das Scharnier passiert beim Öffnen respektive
Schliessen so viele Totpunkte, wie es hintereinandergeschaltete Kippstufen besitzt.
Jede Kippstufe trägt somit einen bestimmten Anteil am Gesamtwirkungswinkel. Der entsprechende
Teilwinkel kann durch entsprechende geometrische Anordnung der funktionswichtigen
Elemente einer Kippstufe eine bestimmte gewünschte Grösse annehmen. Ein Zusammenhang
zwischen dem Teilwinkel einer Kippstufe und der geometrischen Anordnung existiert
und wird gezielt verwendet.
[0023] Figur 1 zeigt eine schematische Darstellung der funktionalen Elemente einer Kippstufe
1 im geschlossenen Zustand. Die Kippstufe enthält zwei Druckelemente 2.1, 2.2, welche
gelenkig, bspw. über Filmscharniere, mit zwei Zwischengliedern 20, 21 verbunden sind.
Zwei Zugelemente 3.1 und 3.2 sind parallel zu diesen Druckelementen angeordnet. Zwischen
den Druckelementen 2.1, 2.2 und den beiden Zugelementen 3.1, 3.2 sind zwei Schubelemente
4.1 und 4.2 angeordnet. Die Kippstufe besitzt somit zwei funktionale Gruppen, nämlich
zwei Verbindungselemente 5.1, 5.2, welche ihrerseits je ein Druckelement 2, ein Zugelement
3 und ein Schubelement 4 enthalten. Die funktionswichtigen Elemente sind gelenkig
mit den steifen Zwischengliedern 20 und 21 verbunden. Diese Gelenkigkeit kann bei
Kunststoffspritzgussdeckeln mit Hilfe von Dünnstellen oder analog wirkenden Vorkehrungen
erreicht werden. Die Zwischenglieder 20 und 21 begrenzen hier die Kippstufe 1 oder
aber die Kippstufe ist direkt mit hier nicht näher dargestellten Schamierteilen direkt
verbunden.
[0024] Um vom geschlossenen in den offenen Zustand einer Kippstufe 1 zu gelangen, müssen
die steifen Zwischenglieder 20, 21 so gegeneinander bewegt werden, dass sich das Zwischenglied
20 um eine momentane Rotationsachse, die hier annähernd parallel zu der Verbindungslinie
der Mittelpunkte der beiden Druckelemente liegt und während dem Schliessvorgang nicht
ortsfest ist, nach hinten bewegt. Die Kraft, die dabei angewendet werden muss, beschreibt
die Schnappkraft der Kippstufe 1. Eine solche Kraft tritt naturgemäss beim Öffnen
des die Kippstufe enthaltenden Scharniers auf. Die benötigte Kraft ändert sich bis
zum Erreichen des Totpunkts der Kippstufe. Wenn sich diese Kraft vergrössert, vergrössern
sich auch die Spannungen in der funktionswichtigen Elemente. Die Zugelemente 3.1,
3.2 werden immer mehr auf Zug und die Druckelemente 2.1, 2.2 immer mehr auf Druck
belastet. Sind diese Belastungen in einem für das verwendete Material zulässigen Bereich,
verkürzen bzw. verlängern sich die entsprechenden Elemente reversibel. Es wird Energie
in diesen Elementen gespeichert. Die Druck und Zugelemente wirken als Druckfedern
bzw. als zugelastische Federelemente und bewirken den Federeffekt je Verbindungselement.
Wird der kritische Totpunkt erreicht, springt die Kippstufe ohne weiteres Zutun in
die offene Position.
[0025] Die Proportion und Anordnung der Druck- 2.1, 2.2 und Zugelemente 3.1, 3.2 werden
derart bestimmt, dass optimierte Wirkungswinkel und Schnappkräfte auftreten. Wesentlich
ist, dass im Druckelement die erforderlichen Druckkräfte eingeleitet und ohne Ausknicken
aufgenommen werden können. Dazu ist die Dicke der Druckelemente im Verhältnis zur
Dicke der Zugelemente zu beachten. Eine zu geringe Dicke der Druckelemente führt zu
ungünstigem Schnappverhalten. Die in Figur 1 eingetragenen, gestrichelten Hilfslinien
durch die Endpunkte von Druck- und Zugelement je eines Verbindungselementes 5.1, 5.2
schliessen einen Winkel φ ein, der wie weiter unten noch erläutert wird, erfindungsgemäss
zur Erreichung des gewünschten Teilwinkels einer Kippstufe eingesetzt wird. Des weiteren
ist zur Erreichung einer optimalen Schnappkraft der durch zwei normal zu den je durch
die Druckelemente 2.1, 2.2 und die Zugelemente 3.1, 3.2 aufgespannten Ebenen stehenden
Vektoren 30 und 31 in den Endpositionen des Verschlusses eingeschlossene Umschlingungswinkel
von Bedeutung. Bei der konstruktiven Umsetzung der Erfindung ist darauf zu achten,
dass die in einem Druckelement, z. B. durch exzentrisches Drücken hervorgerufene Biegespannungen,
durch geeignete technische Massnahmen daran gehindert werden, das Druckelement zum
Ausknicken zu veranlassen.
[0026] Beim Betrachten herkömmlicher Scharniersysteme für Kunststoffverschlüsse, kann man
erkennen, dass form- oder konstruktionsverschiedene Verschlüsse, auch wenn sie auf
demselben Prinzip beruhen, sehr unterschiedliche Schnappeffekte und unterschiedliche
Schnappkräfte aufweisen. Gewisse Ausführungen dieser Verschlüsse lassen sogar einen
Schnappeffekt gänzlich vermissen, obwohl dieser ein explizites Ziel entsprechender
Patentschriften darstellt. Der Grund dafür liegt in den komplexen mechanischen Vorgängen,
auf welchen solche Scharniere basieren bzw. darin, dass die Scharnierteile selbst
einen erheblichen Anteil zum Funktionieren des Verschlusses beitragen und somit schon
bei geringfügigen Geometrieänderungen nicht leicht oder gar nicht vorhersehbare Effekte
auftreten. Diese Nachteile werden durch die vorliegende Erfindung behoben, indem die
funktionswesentlichen Elemente auf ein Minimum reduziert und örtlich und in ihrer
räumlichen Ausdehnung konzentriert sind, gleichzeitig aber gegenüber herkömmlichen
Scharnierprinzipien flexiblere Bewegungsabläufe ermöglicht werden. Dies gilt insbesondere
im Unterschied zu Schnappverschlüssen mit fixen Hauptbewegungsachsen, welche relativ
zueinander immer eine Rotationsbewegung mit
einer räumlich festen Drehachse beschreiben.
[0027] Das Funktionsprinzip der Kippstufe 1 beruht auf dem Vorhandensein eines oder mehrerer
druckbelasteter Druckelemente 2.1, 2.2 welche in Wirkkombination zu entsprechend angeordneten
zugbelasteten Zugelementen 3.1, 3.2 stehen. Indem Druck- und Zugelemente in ihrer
räumlichen Ausdehnung und Dimensionierung aufeinander abgestimmt sind, wird erreicht,
dass Druck und Zugkräfte gezielt eingeleitet werden. Bei ungewollten Bewegungsabläufen
ist es nicht vermeidbar, dass auch sekundäre Drucklasten auf das Zugelement wirken.
Diese unerwünschten Kräfte sind aber wesentlich kleiner als die im normalen Betrieb
auftretenden Zugbelastungen und sind im Hinblick auf die bezweckte Funktion des Scharniers
vernachlässigbar. Analoges gilt für die Druckelemente. Um die Scharniermechanik gegen
Verscheren zu schützen und um unstatthafte Bewegungsabläufe zu verhindern, wird pro
Kippstufe 1 mindestens ein Schubelement 4.1, 4.2 vorgesehen. Es kann beispielsweise
bei Kunststoffspritzgussteilen als eine dünne, schubsteife Membran oder Dünnstelle
ausgebildet werden. Dieses Schubelement 4.1, 4.2 ist von wesentlicher Bedeutung für
die Erfindung, indem es unerwünschte Bewegungsabläufe verhindert und die Verschlussteile
um ihre virtuelle Bewegungsachse koordiniert. Das Schubelement kann wie in Figur 1
jeweils ein Zug- mit einem Druckelement direkt verbinden, oder aber an einer anderen
Stelle vorgesehen werden. Die Spannkraft und der Gesamtwirkungswinkel, mithin der
Schnappeffekt einer Kippstufe werden erfindungsgemäss im wesentlichen nur mit Hilfe
von Druck- und Zugelementen und nicht durch Biegefedern erreicht.
[0028] Eine bevorzugte Ausführungsform einer Kippstufe ist in Figur 2 und Figur 3 dargestellt.
Die beiden Figuren zeigen die Kippstufe 1 einmal im geschlossenen Zustand (Figur 2)
und im offenen Zustand (Figur 3). Sie enthält zwei Druckelemente 2.1 und 2.2 sowie
zwei Zugelemente 3.1 und 3.2. Die entsprechenden Schubelemente 4.1, 4.2, welche das
notwendige Zusammenwirken der Druck- und Zugelemente gewährleisten, werden hier durch
schubsteife Membrane gebildet die bei diesem Ausführungsbeispiel aus optischen Gründen,
vor allem wenn das Scharnier in Spritzgusstechnik aus Kunststoff gefertigt wird, als
dünne, durchgehende Membran ausgebildet sind. Diese auf diese Weise entstehenden,
im wesentlichen trapezförmigen Elemente weisen eine ausgeprägte versteifte Druckseite
und eine ausgeprägte, relativ dünne zugelastische Zugseite auf. Die Kippstufe 1 besteht
dann aus zwei Verbindungselementen 5.1, 5.2, welche durch Dünnstellen 10 mit den der
Kippstufe angrenzenden steifen Zwischengliedern 20.1, 21.1 verbunden sind. Die Beanspruchung
der Dünnstellen 10 kann durch geeignete Geometrie bzw. Druck- oder Zugsteifigkeit
der wesentlichen Elemente in einem zulässigen Bereich gehalten werden. Übermässige
Kräfte können in gewissen Bereichen durch plastische Deformation eines zulässigen
Teils der Dünnstellen abgebaut werden. Die Druckelemente 2 sind so aufgebaut, dass
sie auf keinen Fall unter der betriebsüblichen Lasten ausknicken können. In Figur
3 ist gut erkennbar, wie die Kippstufe um die Dünnstellen 10 bewegt ist und in ihre
offene Position zu ruhen kommt. Sowohl die in der in Figur 2 als auch in Figur 3 dargestellten
Positionen sind alle Elemente der Kippstufe im wesentlichen spannungsfrei. Während
dem Kippvorgang sind grundsätzlich weder Biegeeffekte in den Zwischengliedern 20.1,21.2
noch in den Verbindungselementen 5.1, 5.2 erforderlich. Ein Durchbiegen oder Ausknicken
der Verbindungselemente tritt nicht auf.
[0029] Eine mögliche Relativbewegung der Scharnierteile 23, 24 eines Scharniers 25.1 ist
schematisch in Figur 4 dargestellt. Die Scharnierteile 23, 24 sind hier über zwei
in Serie geschaltete Kippstufen verbunden. Die erste Kippstufe ist aus Zwischengliedern
20, 21 und aus Verbindungselementen 5.2 aufgebaut. Die zweite Kippstufe ist aus Zwischengliedern
21, 22 und aus Verbindungselementen 5.1 aufgebaut. Figur 4 zeigt drei Kippzustände
des Scharniers. Das Scharnier ist im geschlossenem Zustand 25.1, im ersten Kippzustand
25.2, d.h. mit offener erster Kippstufe, und schliesslich im offenem Zustand 25.3,
bei welchem beide Kippstufen offen sind, dargestellt. Der Öffnungsweg des Scharniers
wird durch die räumliche Kurve bzw. den Pfeil 32 verdeutlicht. Dieser Öffnungsweg
32 kann durch die Anordnung und Auslegung der Teilkippstufen wesentlich beeinflusst
werden. Man sieht in der Figur 4, dass der eingezeichnete Öffnungsweg stark von herkömmlichen,
kreisförmigen Öffnungswegen, welche insbesondere bei Scharnieren mit fixer Bewegungshauptachse
aufgezwungen wurden, abweicht. Im Unterschied zu anderen bekannten Scharnieren ohne
Hauptachse, ist aber gleichwohl ein
definierter Bewegungsweg vorhanden. Die erste Kippstufe, die aus den Verbindungselementen 5.2
und aus den Zwischengliedern 20, 21 gebildet wird, verfügt entweder über eine kleinere
Schnappkraft oder über die gleiche Schnappkraft wie die zweite aus den Verbindungselementen
5.2 und den Zwischengliedern 21, 22 bestehende Kippstufe, hat dann aber einen geometrisch
bedingten früheren Schnappeffekt. Beim Öffnen des Scharniers springt die erste Kippstufe
zuerst in ihren offenen Zustand. Alle drei in Figur 4 eingezeichneten Kippzustände
sind im wesentlichen spannungsfrei, indem die weiter unten zu erläuternden erfindungsgemässen
Zusammenhänge eingesetzt werden.
[0030] In den Figuren 5 und 6 ist nun eine Anwendung einer solchen Kippstufe für einen einstückig
spritzbaren Kunststoffschnappverschluss 25 dargestellt. Der Verschluss 25 enthält
zwei Scharnierteile, nämlich den Verschlusskörper 24 und einen entsprechenden Deckel
23. Eine Ausfüllöffnung 16 am Verschlusskörper 24 soll mit einem Gegenstück 16 des
Deckels 23 zusammenwirken. Die Scharnierteile sind durch eine Verschlussebene 15 getrennt.
Der Verschluss besitzt hier eine einzige Kippstufe, welche Verbindungselemente 5.3
und 5.4 enthält. Die Verbindungselemente 5.3, 5.4 sind über Dünnstellen 10 mit dem
Deckel 23 bzw. mit dem Verschlusskörper 24 verbunden. Da hier nur eine einzige Kippstufe
vorhanden ist, sind die oben beschriebenen Zwischenglieder durch den Deckel 23 bzw.
den Verschlusskörper 24 selbst ersetzt. Die Geometrie dieser Kippstufe ermöglicht
einen Gesamtwirkungswinkel von über 180° und damit einen Öffnungswinkel von hier ca.
200°, so dass der Verschluss in der offenen Stellung (Figur 6) gegenüber der Verschlussebene
nach unten geneigt ist und die Ausfüllöffnung 16 vollständig zugänglich macht. Ist
der Verschluss ideal ausgelegt, so dass keine oder nur minimste plastische Deformationen
beim Betätigen des Verschlusses erfolgen, so ist der Öffnungswinkel (Position beim
Spritzgiessen) und der Wirkungswinkel der Kippstufe gleich gross. Eine Abschrägung
18 erlaubt es, ohne grösseren Werkzeugaufwand den Kunststoffdeckel so zu fertigen,
dass die erwähnte Offenstellung erreicht werden kann ohne dass sich die Aussenwände
der Verschlussteile gegenseitig behindem. Selbstverständlich ist es möglich, einen
entsprechenden Verschluss auch in einer 180° Offenstellung zu spritzen, wenn dies
aus werkzeugtechnischen Gründen gewünscht ist. Die Verbindungselemente 5.3 und 5.4
bestehen je aus den sehr biegesteif ausgeführten Druckelementen 2.3, 2.4, den Zugelementen
3.3, 3.4 und dazwischenliegenden Schubmembranen 4.3, 4.4. Die Aussenseite der Verbindungselemente
5.3, 5.4 ist eben gestaltet und gliedert sich optimal in die Aussenkontur des geschlossenen
Kunststoffdeckels ein. Der Querschnitt des Kunststoffdeckels in Fig. 4 und 5 ist für
die Anwendung der hier gezeigten Kippstufe optimal, da gerade Dünnstellen 10 und optimale
Umschlingungswinkel realisiert werden können. Diese Art einer Kippstufe lässt sich
aber auch mit anderen Verschlussgeometrien kombinieren. Es ist durchaus möglich kreisrunde
Querschnitte, oder andere als hier beschriebene Querschnitte zu verwenden oder auch
leicht gekrümmte Dünnstellen 10 oder an deren Stelle andere Gelenkmittel vorzusehen.
Um einen guten Schnappeffekt zu gewährleisten, sind die Dünnstellen möglichst als
ideale Gelenkachsen auszubilden. Selbstverständlich können dafür auch entsprechende,
funktional gleichwirkende Massnahmen getroffen werden. Bei gekrümmten Aussenkonturen
können die Verbindungselemente entsprechend geformt sein. Ein besonderer Vorteil der
Erfindung liegt darin, dass die Verbindungselemente 5.3, 5.4 grundsätzlich frei von
der Lage der Verschlussebene angeordnet werden können. Es ist so bspw. möglich, diese
in vertikaler Richtung gegen den Verschlusskörper 24 zu verschieben und so voll in
diesen zu integrieren, was große Freiheiten hinsichtlich der Verschlussgeometrien
und Designmöglichkeiten zulässt. Aus den Figuren 5 und 6 ist gut erkenntlich, dass
im geschlossenen Zustand die Kippstufe senkrecht zu den Scharnierteilen bzw. zur Verschlussebene
steht und hier direkt in den starren Verschlusskörper 24 bzw. Deckel 23 übergeht.
[0031] Ein anderes bevorzugtes Ausführungsbeispiel einer Kippstufe 1 ist in Figur 7 dargestellt.
Diese Kippstufe enthält zwei Druckelemente 2.1, 2.2 und zwei Zugelemente 3.1, 3.2,
die je parallel zueinander angeordnet sind. Die biegesteif ausgebildeten Druckelemente
2.1, 2.2 befinden sich unmittelbar neben einer Scharnier-Mittelebene und sind über
eine Dünnstelle 11 miteinander verbunden. Diese Mittelebene muss
nicht zwingend mit der Symmetrieebene zusammenfallen. Bei dieser bevorzugten Ausführungsform
können aus ästhetischen Gründen je ein Zugelement 3 mit einem Druckelement 2 durch
eine dünne schubsteife Membran verbunden werden. Selbstverständlich können bei dieser
und bei anderen Ausführungsformen die Wandstärken variiert werden, wobei zu gewährleisten
ist, dass die erfindungswesentlichen Funktionen einer Kippstufe erhalten bleiben.
Es ist beispielsweise möglich, das Schubelement 4.1 mit einer der Wandstärke des Zugelementes
3.1, 3.2 entsprechenden oder bereichsweise grösseren Wandstärke auszugestalten, solange
die funktionale Zugelastizität des Zugelementes 3.1, 3.2 gewährleistet bleibt. Die
hier vorliegenden Verbindungselemente 5.1, 5.2 sind über die Dünnstelle 11 unmittelbar
miteinander verbunden und weisen je eine ausgeprägte, versteifte Druckseite und eine
relativ dünne zugelastische Zugseite auf.
[0032] Anhand der folgenden Figuren 8-11 soll der Erfindungsgedanke in seiner umfassenden
Bedeutung dargestellt werden. Die Wirkungsweise wir anhand eines Spezialfalles einer
Kippstufe eingehender erläutert. Grundsätzlich kann durch spezielle Wahl der Geometriewinkel
und Längen der Teilwinkel, die Schnappkraft und die Materialbelastung einer Kippstufe
variiert werden. Es soll hier nochmals hervorgehoben werden, dass jede Kippstufe grundsätzlich
nur einen Teilwinkel der gesamten Scharnierbewegung erfasst. Im nachfolgend beschriebenen,
einfachsten Fall einer einzigen Kippstufe entspricht der Teilwinkel der Kippstufe
jedoch dem Gesamtwirkungswinkel. Die nötigen Zusammenhänge werden weiter unten erläutert.
[0033] Figur 8 zeigt schematisch eine Ausführungsform mit nur einer Kippstufe, von der hier
nur der Teil eines Verbindungselements 5 gezeigt ist. Die Kippstufe zeichnet sich
hier durch zwei Symmetrieebenen 40, 41 aus. Diese Symmetrieebenen 40, 41 bleiben im
allgemeinen in jeder Öffnungslage des Scharniers erhalten. Diese Ausführung weist
einen (theoretischen) Wirkungswinkel von 180° auf. Es wird im weiteren davon ausgegangen,
dass unter einer Position mit einem Öffnungswinkel von 0° der gezeichnete geschlossene
Zustand und unter einer offenen Position ein Öffnungswinkel von 180° verstanden wird.
Bei der Erklärung der Funktionsiweise dieser speziellen Ausführungsform wird auf die
beiden erwähnten Symmetrieebenen bezug genommen. Diese Betrachtungsweise ermöglicht
das Erklären der Funktion anhand eines Teilproblems. Der Einfachheit halber werden
je ein Druck- und Zugelement als in einer Ebene liegend und als geometrische Einheit
aufgefasst. Die folgenden Parameter sind von erfindungswichtiger Bedeutung. Einerseits
der Winkel φ zwischen hier angenommenen zwei Dünnstellen eines Zwischenglieds bzw.
der durch die Endpunkte der Druck- und Zugelemente definierten Linien eingeschlossene
Winkel. Der Umschlingungswinkel ω ist der bei einer Draufsicht auf das Scharnier erkennbare
Winkel zwischen den Ebenen der Zwischenglieder in geschlossener Position (vgl. Figur
1, Pfeile 30, 31). Sofern die Zwischenglieder 5 bei anderen Ausführungsformen nicht
senkrecht zu den Scharnierteilen stehen oder Druckelemente 2 und Zugelemente 3 nicht
parallalel zueinander ausgerichtet sind, ist die Bestimmung des Winkels ω entsprechend
vorzunehmen. Bei der hier vorliegenden, parallelen Anordnung der Druck- und Zugelemente
sind die durch die Druckelemente aufgespannte Ebene und die durch die Zugelemente
aufgespannte Ebene (in Figur 8 nicht näher dargestellt) dementsprechend gegeneinander
beabstandet. Beide Winkel bestimmen massgeblich die Zwängung (und damit die Schnappkraft)
an den Zwischengliedern und den Öffnungswinkel. Die Symmetrieebenen sind in Figur
8 dargestellt. Die Symmetrieebene 40 ist während dem ganzen Bewegungsablauf die stationäre
Symmetrieebene der Kippstufe. Sie bildet im allgemeinen die Symmetrieebene zwischen
den Verbindungselementen 5.
[0034] Die Symmetrieebene 41 ist beweglich und bildet in jedem Bewegungszustand die zweite
Symmetrieebene. Sie bildet jeweils die Symmetrieebene jedes Verbindungselementes 5
zu sich selbst. Aus Figur 8 ist ihre Lage in der geschlossenen Position 41.1 und in
der geöffneten Position 41.2 der Kippstufe ersichtlich.
[0035] Aufgrund der Symmetriebedingungen wird die Funktionsweise anhand eines Teilmodells
betrachtet, welches einen Viertel der Kippstufe ausmacht. Dieses Teilmodell ist in
Figur 8 gezeigt. Es zeigt die Hälfte eines Zwischengliedes 21 und einen Teil eines
Verbindungselementes 5. Das dargestellte Modell beschreibt näherungsweise die mechanischen
Abläufe der Kippstufe. Die Zusammenhänge und die bewirkte Zwängung, welche die Schnappkraft
bewirkt, ist nachfolgend modellhaft dargestellt. Unter Zwängung wird die dem Material
aufgezwungene Deformation verstanden, welche einen elastischen (reversiblen) Spannungszustand
hervorruft. Das Material widersetzt sich der aufgezwungenen elastischen Deformation,
worauf der Schnappeffekt beruht. Erfindungsgemäss werden spezifische Zug- und Druckzonen
ausgebildet. Die als Druckzonen bezeichneten Bereiche werden so ausgebildet, dass
ein Ausknicken aus ihrer Ebene verhindert wird. Die als Zugzonen bezeichneten Bereiche
können in ihrer Länge und Dicke so variiert werden, dass die, aufgrund der Geometrie,
aufgezwungene Dehnung die Materialbelastung innerhalb des elastischen (reversiblen)
Materialverhaltens bleibt. Die hinsichtlich der Symmetrieebene 41 symmetrische Ausgestaltung
der Kippstufe gewährleistet einen gute Schnappkraft, indem ein Doppelscharniereffekt
innerhalb der Kippstufe vermieden wird.
[0036] Es wird davon ausgegangen, dass für die Modellvorstellung die als Scharniere tätigen
Dünnstellen 10 als ideale Scharniere betrachtet werden. Unter einem idealen Scharnier
wird ein Scharnier verstanden, welches keine innere Reibung und keine Dehnungen in
den Scharnierteilen selber erfährt. Es wird also davon ausgegangen, dass die Rotationsbewegung
aller Punkte reibungsfrei um eine fixe Achse 10 geschieht. Die als Zwischenglieder
21 bezeichneten Teile werden als nicht deformierbar vorausgesetzt. Jedes der Verbindungselemente
5 wird als ein in seiner Ebene im Zugbereich dehnbares Element betrachtet. Die Verbindungselemente
5 bleiben immer in einer Ebene, so dass ein Ausbiegen aus dieser Ebene als nicht zulässig
betrachtet wird.
[0037] Die Bezugsziffern *.1 verweisen jeweils auf Elemente in geschlossener Position, solche
mit *.2 auf Elemente im offenen Zustand. Der Grund der Zwängung kann am besten verstanden
werden, wenn ein Punkt P im Raum betrachtet wird. Dieser Punkt P liegt auf der Symmetrielinie
43 der Zwischenglieder 5 und in der beweglichen Symmetrieebene 41. Seine Position
ist abhängig vom Öffnungswinkel der Kippstufe. Die Position von P auf der Symmetrielinie
spielt für diese Betrachtungen keine relevante Bedeutung. P würde sich, aufgrund der
Scharnierbedingung welcher er unterliegt, auf der Kreisbahn k1 bewegen mit Zentrum
im Punkt A und der Scharnierachse 10 als Drehachse. Aufgrund der erfindungsgemäss
erzwungenen Symmetriebedingungen der Kippstufe, wird der Punkt P jedoch auf eine Kurve
k2 gezwungen, welche im Modell als Kreis mit Zentrum in B angenähert wird.
[0038] Eine Gerade e2 zwischen dem stationären Punkt B und dem beweglichen Punkt auf k2,
welche der Übersichtlichkeit halber in Figur 8 nicht eingezeichnet wurde (vgl. Figur
9), bildet bei jedem Öffnungswinkel der Kippstufe in ihrem auf k2 liegenden Punkt
die Flächennormale auf die Ebene 41. Diese Gerade e2 bewegt sich zusammen mit dem
Verbindungselement 5. Eine Gerade e1, zwischen dem stationären Punkten B und dem beweglichen
Punkt auf k1, würde die Gerade e2 beschreiben, wenn diese keiner Zwängung unterworfen
wäre. In Figur 8 ist zudem der halbe Umschlingungswinkel ω/2 sowie der Winkel φ/2,
welche massgeblich auf den Schnappeffekt Einfluss nehmen, gut erkennbar.
[0039] Figur 9 zeigt schematisch den Zwängungszustand des halben Verbindungselementes 5.
Mit der Bezugsziffer 43.3 ist die Position der Symmetrielinie 43 infolge der Zwängung
dargestellt. Als Linien sind auch die Druck- und Zugbereiche 2, 3 des Verbindungselementes
5 dargestellt. Die konstruktive Lage des Punktes P zur Bestimmung des Winkels κ muss
selbstverständlich nicht zwingend in der Mitte des hier dargestellten Abschnitts der
Symmetrielinie 43 liegen. Die Lage ist hingegen abhängig von den gewählten Materialstärken
der Druck- und Zugbereiche 2, 3 und ist bestimmt durch den Spannungsneutralpunkt auf
der Geraden 43. Unter Spannungsneutralpunkt wird hier der Punkt verstanden in welchem
die Spannungen entlang der Geraden 43 im Gleichgewicht sind.
[0040] Figur 10 zeigt nun in einer schematischen Teildarstellung die Zusammenhänge einer
Kippstufe mit einem Öffnungswinkel γ kleiner als 180°. Der Öffnungswinkel γ einer
Kippstufe kann den Anforderungen entsprechend gewählt werden. Um in geschlossener
und in geöffneter Position einer Kippstufe erfindungsgemäss zwei spannungsfreie Zustände
zu erreichen, soll nachfolgender beschriebener Zusammenhang erfüllt sein. Diese erfindungsgemässen
Zusammenhänge werden auch bei einem Öffnungswinkel γ von mehr als 180° bezweckt. Neben
dem hier nur teilweise dargestellten Zwischenglied 21 ist die Hälfte eines Verbindungselementes
5 in geschlossener 5.1 und in offener Position 5.2 dargestellt. Das Zwischenglied
21 und das Verbindungselement sind über eine Scharnierachse 10 verbunden.
[0041] Für zwei spannungsfreie Zustände der Kippstufe ist der Zusammenhang zwischen dem
Öffnungswinkel γ einer Kippstufe, dem Umschlingungswinkel ω und dem Winkel φ der Verbindungselemente
durch folgende Formel definiert:

[0042] In Figur 11 ist ein typischer Verlauf des Zwängungswinkels κ einer Kippstufe als
Funktion des Winkels ω und des Öffnungswinkel γ einer Kippstufe dargestellt. Dabei
wird davon ausgegangen, dass ein Winkel φ gewählt wird, welcher zu den erfindungsgemäss
spannungsfreien Endpositionen führt. Wie bereits dargestellt wurde, bedeutet κ ein
Mass für die Zwängung des Materials. Bei gegebenem Umschlingungswinkel ω ist in den
Punkten mit horizontaler Tangente die maximale Zwängung des Materials und der Totpunkt
der Schnappkraft gegeben. Der Totpunkt liegt in der Hälfte des Öffnungswinkels γ der
Kippstufe.
[0043] Die Figuren 12-14 zeigen ein Scharnier mit zwei Kippstufen 1.1, 1.2 mit steifen Zwischengliedern
20, 21 und 22, und zwei Scharnierteilen 23, 24. Selbstverständlich können die Kippstufen
auch direkt in die Scharnierteile übergehen. Die Kippstufen sind schematisch eingezeichnet
und entsprechen beispielsweise den Kippstufen wie sie anhand von Figur 2 und 3 beschriebenen
wurden. Das Scharnier ist in Figur 12 im geschlossenen Zustand dargestellt. Springt
die Kippstufe 1.1 in ihren offenen Zustand, dann entspricht der erste theoretisch
spannungsfreie Kippzustand des Scharniers dem in Figur 13 dargestellten Zustand. Bei
diesem Kippzustand wirken keinerlei äusseren Kräfte auf das Scharnier ein. Die Kippstufe
1.1 ist voll offen und die Kippstufe 1.2 ist immer noch voll geschlossen. Das in Figur
13 dargestellte Scharnier hat einen ersten Teilschnappeffekt bereits bewirkt. Öffnet
man das Scharnier weiter, so erreicht man einen weiteren Totpunkt und das Scharnier
springt in einen weiteren im wesentlichen spannungsfreien Kippzustand, entsprechend
Figur 14. Bei dem in den Figuren 12-14 gezeigten Scharnier ist dies der vollständig
offene Kippzustand. Der Öffnungswinkel des schematisch gezeichneten Scharniers beträgt
wesentlich mehr als 180°.
[0044] Die Erfindung bevorzugt, insbesondere bei einstückigen gespritzten Schamierteilen,
einen Gesamtwirkwinkel von 180° vorzusehen, um den Werkzeugbau zu vereinfachen. Aus
fertigungstechnischen Gründen sind Geometrien der Kippstufen zu bevorzugen, welche
wie beispielsweise die in Figur 2, 3, 7 dargestellten Ausführungsbeispiele, möglichst
wenige Gelenkstellen aufweisen. Ein besonderer Vorzug der Erfindung liegt auch darin,
dass bei geringem und wartungsfreundlichen, werkzeugtechnischen Aufwand dank der Konzentration
der funktionalen Elemente unter weitgehender Vermeidung von Schlitzen oder Ausnehmungen
bei Verschlüssen, insbesondere an den dem Scharnier angrenzenden Bereichen, eine gute
Dichtung herbeigeführt werden kann. Die Dichtung kann bevorzugt, unter weitergehender
Vermeidung von Ausnehmungen, durch Massnahmen, wie Sie in der internationalen Patentanmeldung
PCT/EP 95/00651 vorgesehen sind, vorgenommen werden. Bei besonderen Ausführungsformen
können auch die beschriebenen Zug- und Druckelemente nicht parallel, sondern in einem
Winkel zueinander angeordnet sein. Für langgestreckte Scharnierteile können auch zwei
oder mehr Kippstufen nebeneinander angeordnet werden. Die einzelnen nebeneinander
angeordneten Elemente der Kippstufen können dabei untereinander keine Verbindung aufweisen
oder, falls erwünscht, mittels einer funktionsunwichtigen Membran verbunden sein.
Es ist somit denkbar, mehrere Kippstufen in ihrer Wirkungsweise zu kombinieren, um
beispielsweise eine Verstärkung des Schnappeffektes zu bewirken.
1. Federnde Scharnieranordnung ohne Hauptscharnier mit mindestens zwei Scharnierteilen
und mit diese verbindenden Verbindungsarmen, gekennzeichnet durch eine oder mehrere in Serie angeordnete Kippstufen (1) mit je mindestens zwei Verbindungselementen
(5), welche je ein biegesteifes Druckelement (2) und ein zugelastisches Zugelement
(3) enthalten, die je über eine gelenkige Verbindung an steifen Zwischengliedern (20)
oder direkt mit steifen Bereichen der Scharnierteile (24, 25) befestigt und die mittels
mindestens einem zugeordneten Schubelement (4) mindestens annähernd schubsteif angeordnet
sind.
2. Scharnieranordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Zwischenglieder (20) und die Kippstufen (1) sowohl in der geöffneten als auch
in der geschlossenen Stellung im wesentlichen spannungsfrei sind.
3. Scharnieranordnung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Druck- (2) und Zugelemente (3) einer Kippstufe (1) parallel zueinander angeordnet
sind und die durch die Druckelemente (2) aufgespannte und die durch die Zugelemente
(3) aufgespannte Ebene gegenseitig beabstandet sind.
4. Scharnieranordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass je zwei Verbindungselemente (5) miteinander über ein parallel zu einer Hauptbewegungsebene
angeordneten Gelenkachse (11) gelenkig miteinander verbunden sind.
5. Scharnieranordnung nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass der Winkel φ, der von den durch die Endpunkte der Druckelemente (2) und Zugelemente
(3) definierten Linien eingeschlossen wird, einen Wert aufweist, welcher der nachfolgenden
Formel genügt

wobei ω der bei einer Draufsicht auf das Scharnier projizierte Winkel zwischen zwei
Normalen auf die durch je ein Druck- (2) und Zugelement (3) aufgespannten Ebenen und
γ der Öffnungswinkel einer Kippstufe ist.
6. Scharnieranordnung nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Druckelemente (2) und Zugelemente (3) derart gegeneinander angeordnet sind, dass
in jeder Öffnungsposition eine senkrecht zur Hauptbewegungsebene stehende, sich bewegende
Symmetrieebene (41) die Symmetrieebene der Druckelemente (2) und Zugelemente (3) zu
sich selbst bildet.
7. Scharnieranordnung nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Schubelement (4) durch eine das Druck- (2) und Zugelement (3) über ihre ganze
Länge verbindende, schubsteife Membran ausgebildet ist.
8. Scharnieranordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß mehrere Kippstufen (1) derart miteinander verbunden sind, daß die Scharnieranordnung
eine ihrer Anzahl Kippstufen entsprechende Anzahl spannungsfreier Zustände aufweist,
und daß je zwischen zwei solchen Zuständen ein Totpunkt liegt, und daß die Scharnieranordnung
je außerhalb eines solchen Totpunktes selbständig elastisch federnd den nächstbenachbarten
spannungsfreien Zustand einnimmt.
9. Scharnieranordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das Schubelement mit dem Druckelement (2) und dem Zugelement (3) verbunden ist und
die gleiche Wandstärke aufweist wie das Zugelement (3).
10. Verwendung einer Scharnieranordnung nach einem der vorgergehenden Ansprüche für einen
einteilig gespritzten Kunststoffverschluß.
1. Resilient hinge arrangement without a principal hinge which comprises at least two
hinge parts and connecting arms which connect said hinge parts, characterized by one or a plurality of series connected tilting units (1) each comprising at least
two connecting elements (5), each of which comprises a flexurally rigid pressure element
(2) and a tensionally elastic tension element (3), each of which is attached, via
a hinged connection, either to rigid intermediate members (20) or directly with rigid
areas of the hinge parts (24, 25), and is arranged to be at least substantially rigid
under shear loads by means of at least one associated shear element (4).
2. Hinge arrangement according to claim 1, characterized in that the intermediate members (20) and the tilting units (1) are substantially stress-free
not only in the open position but also in the closed position.
3. Hinge arrangement according to claim 1 or claim 2, characterized in that the pressure (2) and the tension elements (3) of a tilting unit (1) are arranged
parallel with respect to each other, and the planes defined by the pressure elements
(2) and by the tension elements (3) are spaced away from each other.
4. Hinge arrangement according to one of claims 2 to 3, characterized in that the connecting elements are arranged in pairs (5), the connecting elements of which
are pivotingly interconnected via a hinge axis (11) which is disposed parallel with
respect to a principal movement plane.
5. Hinge arrangement according to one of the preceding claims,
characterized in that the angle Φ, which is encompassed by the lines defined by the end points of the pressure
elements (2) and the tension elements (3) has a value which complies with the following
formula

wherein

, in a plan view of the hinge, is the projected angle between two normal lines on
to the planes defined by, in each case, one pressure (2) and tension element (3) and
γ is the opening angle of tilting unit.
6. Hinge arrangement according to one of the preceding claims, characterized in that the pressure elements (2) and the tension elements (3) are arranged relative to each
other such that, in each opening position, a plane (41) of symmetry, which is moving
and is disposed perpendicularly relative to the principal movement plane, forms the
plane of symmetry for the pressure elements (2) and tension elements (3) with respect
to themselves.
7. Hinge arrangement according to one of the preceding claims, characterized in that the shear element (4) is designed to be a membrane which is rigid under shear loads
and which connects the pressure (2) and the tension element (3) along their entire
length.
8. Hinge arrangement according to one of the preceding claims, characterized in that a plurality of tilting units (1) are interconnected such that the hinge arrangement
has a number of stress-free states which corresponds to the number of its tilting
units, and in that dead centres are disposed between two such states, respectively, and in that the hinge arrangement, beyond each such dead centre, automatically and resiliently
assumes the next adjacent stress-free state.
9. Hinge arrangement according to one of the preceding claims, characterized in that the shear element is connected to the pressure element (2) and the tension element
(3) and has the same wall thickness as the tension element (3).
10. Use of a hinge arrangement according to one of the preceding claims for a one-piece
injection-moulded plastics closing means.
1. Système de charnière à effet de ressort, sans charnière principale, avec au moins
deux parties de charnière et des bras de liaison reliant ces parties de charnière,
caractérisé par un ou plusieurs niveaux de basculement (1) disposés en série et comprenant chacun
au moins deux éléments de liaison (5), qui comprennent chacun un élément de pression
(2) rigide en flexion et un élément de traction (3) élastique en traction, qui sont
chacun fixés au moyen d'une liaison articulée sur des organes intermédiaires (20)
rigides ou directement sur des régions rigides des parties de charnière (24, 25) et
qui, à l'aide d'au moins un élément de poussée associé (4), sont disposés en étant
au moins approximativement rigides en poussée.
2. Système de charnière selon la revendication 1, caractérisé en ce que les organes intermédiaires (20) et les niveaux de basculement (1 ) sont essentiellement
exempts de contrainte tant dans la position ouverte que dans la position fermée.
3. Système de charnière selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que les éléments de pression (2) et de traction (3) d'un niveau de basculement (1) sont
disposés parallèlement entre eux, et le plan sous-tendu par les éléments de pression
(2) et le plan sous-tendu par les éléments de traction (3) sont mutuellement distants.
4. Système de charnière selon une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que deux éléments de liaison (5) sont chaque fois mutuellement reliés en articulation
au moyen d'un axe d'articulation (11) disposé parallèlement à un plan de mouvement
principal.
5. Système de charnière selon une des revendications précédentes,
caractérisé en ce que l'angle Φ, qui est formé par les lignes définies par les points finaux des éléments
de pression (2) et des éléments de traction (3), présente une valeur qui satisfait
à la formule suivante

où ω est l'angle projeté, en vue de dessus sur la charnière, entre deux normales
aux plans respectivement sous-tendus par un élément de pression (2) et un élément
de traction (3), et γ est l'angle d'ouverture d'un niveau de basculement,
6. Système de charnière selon une des revendications précédentes, caractérisé en ce que les éléments de pression (2) et les éléments de traction (3) sont disposés les uns
par rapport aux autres de telle sorte que, dans chaque position d'ouverture, un plan
de symétrie mobile, perpendiculaire au plan de mouvement principal, constitue le plan
de symétrie des éléments de pression (2) et des éléments de traction (3) par rapport
à eux-mêmes.
7. Système de charnière selon une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'élément de poussée (4) est réalisé sous la forme d'une membrane rigide en poussée
qui relie l'élément de pression (2) et l'élément de traction (3) sur toute sa longueur.
8. Système de charnière selon une de revendications précédentes, caractérisé en ce que plusieurs niveaux de basculement (1 ) sont mutuellement reliés de telle sorte que
le système de charnière présente un nombre d'états exempts de contrainte correspondant
à son nombre de niveaux de basculement, qu'il existe un point mort entre deux états
de ce type et que le système de charnière, en dehors d'un tel point mort, prend chaque
fois automatiquement, par élasticité de ressort, l'état exempt de contrainte voisin
le plus proche.
9. Système de charnière selon une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'élément de pression est lié à l'élément de pression (2) et à l'élément de traction
(3) et présente la même épaisseur de paroi que l'élément de traction (3).
10. Utilisation d'un système de charnière selon une des revendications précédentes pour
une fermeture en matière plastique injectée d'une seule pièce.