(19)
(11) EP 0 836 811 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
22.04.1998  Patentblatt  1998/17

(21) Anmeldenummer: 97118157.3

(22) Anmeldetag:  20.10.1997
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6A41D 13/00, A63B 71/08
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE

(30) Priorität: 18.10.1996 DE 19643087

(71) Anmelder: Hassler, Andreas
83101 Rohrdorf (DE)

(72) Erfinder:
  • Hassler, Andreas
    83101 Rohrdorf (DE)

(74) Vertreter: Böck, Bernhard, Dipl.-Ing. 
Patentanwälte, Böck + Tappe Kollegen, Egloffsteinstrasse 7
97072 Würzburg
97072 Würzburg (DE)

   


(54) Körperschutzelement


(57) Körperschutzelement (23, 40, 50, 58, 64) für eine Körperschutzeinrichtung (20, 48, 49, 57) zur Anordnung an einem Körperteil (22) mit einer in einer Aufnahmehülle (24, 42, 59, 68) aufgenommenen Formkörper-Füllung aus einzelnen, relativ zueinander bewegbaren Formkörpern (25), wobei die Formkörper durch einen über die Aufnahmehülle auf die Formkörper wirkenden Umfangsdruck in ihrer Relativanordnung definiert unter Vorspannung aneinander anliegen und einen formhaltigen Formkörperverbund (35) bilden.




Beschreibung


[0001] Die vorliegende Erfindung betrifftein Körperschutzelement für eine Körperschutzeinrichtung zur Anordnung an einem Körperteil mit einer in einer Aufnahmehülle aufgenommenen Formkörper-Füllung aus einzelnen, relativ zueinander bewegbaren Formkörpern, wobei die Formkörper durch einen über die Aufnahmehülle auf die Formkörper wirkenden Umfangsdruck in ihrer Relativanordnung definiert unter Vorspannung aneinander anliegen und einen formhaltigen Formkörperverbund bilden.

[0002] Körperschutzelemente, die dazu dienen, den Träger vor Verletzungen zu schützen, finden in vielen verschiedenen Sportarten sowie auch im Bereich des Arbeitsschutzes Verwendung. Im Sportbereich sollen mit derartigen Körperschutzelementen hauptsächlich Schläge oder Tritte in ihren Auswirkungen auf das durch das Körperschutzelement abgeschirmte Körperteil gedämpft werden. Derartige Beanspruchungen treten beispielsweise bei Sportarten wie Fußball, Hockey, Eishockey sowie auch bei verschiedenen Kampfsportarten auf. Dabei werden die Körperschutzelemente sowohl zum Schutz der Extremitäten als auch zum Schutz sonstiger Körperteile, wie zum Beispiel des Schulter- oder des Oberkörperbereiches, eingesetzt.

[0003] Um ihre Schutzaufgabe zu erfüllen, müssen Körperschutzelemente ein ausreichendes Energieaufnahmevermögen aufweisen, so daß nur noch ein relativ geringer Teil der ursprünglichen Schlag- oder Stoßenergie auf das betreffende Körperteil gelangt. Gute Ergebnisse hinsichtlich des Energieaufnahmevermögens zeigen aus Dämpfungsschäumen, die beispielsweise aus Polypropylen oder Polystyrol bestehen, herstellte Formteile. Daher ist es üblich, aus diesen oder vergleichbaren Materialien hergestellte Formteile als Körperschutzelemente einzusetzen.

[0004] Das bei den bekannten Körperschutzelementen festgestellte hohe Energieaufnahmevermögen geht im wesentlichen auf die weitgehend plastischen Verformungseigenschaften der miteinander zu einem Formkörperverbund verbundenen Kunststoff-Formkörper aus den vorgenannten oder ähnlichen Materialien zurück. Aufgrund dieses weitgehend plastischen Verformungsverhaltens weisen die bekannten Körperschutzelemente nur relativ geringe Formrückstellkräfte auf, was dazu führt, daß es insbesondere bei häufig wiederholt auftretender Schlagbeanspruchung des Formteils zu bleibenden Verformungen des Formteils kommt, die dessen Energieaufnahmevermögen zumindest im Bereich dieser bleibenden Verformungen drastisch reduzieren. Daher

verbrauchen" sich die bekannten Körperschutzelemente durch ihre bestimmungsgemäße Verwendung, so daß, je nach Beanspruchungshäufigkeit die Körperschutzelemente in mehr oder weniger großen zeitlichen Abständen ausgetauscht werden müssen.

[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Körperschutzelement vorzuschlagen, das im Vergleich zu den bekannten Körperschutzelementen eine wesentlich höhere Lebensdauer aufweist.

[0006] Diese Aufgabe wird durch ein Körperschutzelement mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.

[0007] Das erfindungsgemäße Körperschutzelement für eine Körperschutzeinrichtung zur Anordnung an einem Körperteil weist in einer Aufnahmehülle aufgenommen eine Formkörper-Füllung aus einzelnen, relativ zueinander bewegbaren Formkörpern auf, wobei die Formkörper durch einen über die Aufnahmehülle auf die Formkörper wirkenden Umfangsdruck in ihrer Relativanordnung definiert unter Vorspannung aneinander anliegen und einen formhaltigen Formkörperverbund bilden.

[0008] Bei den bekannten Körperschutzelementen, wird das Energieaufnahmevermögen durch das Verformungsverhalten der zum Formteil zusammengefügten, in ihrer Relativanordnung unveränderbaren Kunststoff-Formkörper bestimmt. Bei erneuter, auf denselben Bereich des Körperschutzelements gerichteter Schlagbeanspruchung werden die bereits zuvor beanspruchten Formkörper erneut beansprucht, was ein reduziertes Energieaufnahmevermögen zur Folge hat. Bei dem erfindungsgemäßen Körperschutzelement wird das Energieaufnahmevermögen durch eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Verformung der Formkörper und durch eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Relativverschiebung der unter Vorspannung aneinander anliegenden Formkörper bestimmt. Ein wesentlicher Faktor für die Höhe des Energieaufnahmevermögens ist daher die Höhe der Vorspannung, mit der die Formkörper gegeneinander anliegen.

[0009] Da die bei einer Schlagbeanspruchung auftretende örtliche Verformung des Formkörperverbunds bei dem erfindungsgemäßen Körperschutzelement zu einem wesentlichen Teil durch eine Veränderung der Relativanordnung der Formkörper zustande kommt, kann bei dem erfindungsgemäßen Körperschutzelement diese Verformung durch eine erneute Relativbewegung der Formkörper wieder rückgängig gemacht werden. Formkörper, die infolge der Beanspruchung gegebenenfalls eine mehr oder weniger starke plastische Verformung erfahren haben, werden mittels dieser Relativbewegung in ihrer Relativanordnung zu weniger oder gar nicht beanspruchten Formkörpern verschoben und mit diesen vermischt. Bei erneuter, auf denselben Bereich des Körperschutzelements gerichteter Schlagbeanspruchung steht daher erneut das uneingeschränkte Energieaufnahmevermögen des Körperschutzelements zur Verfügung. Das erfindungsgemäße Körperschutzelement ist somit in seine Ausgangskonfiguration vor Auftreffen eines Schlages oder Stoßes rückführbar, also regenerierbar. Aufgrund dieser Regenerierbarkeit ist bei dem erfindungsgemäßen Körperschutzelement eine gegenüber den bekannten Körperschutzelementen wesentlich höhere Lebensdauer möglich.

[0010] Gemäß einer vorteilhaften Ausführungsform des Körperschutzelements wird die zur Erzeugung des formhaltigen Formkörperverbunds notwendige Vorspannung über eine elastische Ausbildung der Aufnahmehülle erreicht.

[0011] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform des Körperschutzelements wird die zur Erzeugung des formhaltigen Formkörperverbunds notwendige Vorspannung durch eine evakuierbare Ausbildung der Aufnahmehülle erreicht.

[0012] Zur Einstellung des gewünschten Energieaufnahmevermögens und Verformungsverhaltens erweist es sich als vorteilhaft, wenn die Formkörper der Formkörper-Füllung hinsichtlich Form und/oder Materialbeschaffenheit unterschiedlich ausgebildet sind.

[0013] Je nach der gewünschten Wirkungsweise des Körperschutzelements können die Formkörper überwiegend plastisch oder überwiegend elastisch ausgebildet sein. Eine überwiegend plastische Ausbildung der Formkörper kann zum einen dadurch erreicht werden, daß die einzelnen Formkörper ein überwiegend plastisches Verformungsverhalten aufweisen, zum anderen dadurch, daß die Mehrheit der Formkörper im Vergleich zu einer Minderheit der Formkörper plastisch ausgebildet ist. Entsprechendes gilt für die überwiegend elastische Ausbildung der Formkörper.

[0014] Eine Einstellung der gewünschten Formkörper-Eigenschaften ist besonders leicht möglich, wenn die Formkörper als Kunststoff-Formkörper ausgebildet sind.

[0015] Um insbesondere bei großflächigen Körperschutzelementen eine Anpassung an entsprechend großflächige Körperteile oder Körperbereiche zu vereinfachen, kann die Aufnahmehülle mit einer Stützstruktur versehen sein. Als besonders vorteilhaft erweist es sich in diesem Zusammenhang, wenn die Stützstruktur im Innern der Aufnahmehülle angeordnet ist, um so einerseits das Verformungsverhalten des Körperschutzelements im außenliegenden Kontaktbereich des Körperschutzelements möglichst wenig zu beeinflussen und andererseits einen Kontakt der Stützstruktur mit dem betreffenden Körperteil bzw. dem betreffenden Körperbereich zu vermeiden.

[0016] Insbesondere bei Körperschutzelementen, die relativ großflächig ausgebildet sind und/oder relativ große Flächenkrümmungen aufweisen, erweist es sich als vorteilhaft, wenn die Aufnahmehülle in mehrere Kammern aufgeteilt ist, von denen zumindest eine mit einer Formkörper-Füllung versehen ist. Wenn nur bestimmte von mehreren Kammern mit einer Formkörper-Füllung versehen sind, lassen sich die nicht mit einer Formkörper-Füllung versehenen Kammern auch abweichend nutzen. So können die nicht mit einer Formkörper-Füllung versehenen Kammern als rein elastische Polsterkammern oder auch als besonders starre Kammern ausgeführt sein, um eine Stützstrukturwirkung zu entfalten.

[0017] Wenn bei einer Ausbildung der Aufnahmehülle mit mehreren Kammern die Kammern zumindest teilweise kommunizierend ausgebildet sind, lassen sich die kommunizierenden Kammern mit einer gemeinsamen Evakuierungseinrichtung evakuieren.

[0018] Neben dem erfindungsgemäßen Körperschutzelement als solchem, das in ausgewählten Ausführungsformen durch die Ansprüche 2 bis 11 definiert ist, betrifft die vorliegende Erfindung auch eine Körperschutzeinrichtung, die zumindest ein Körperschutzelement nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 11 kombiniert mit einer Befestigungseinrichtung zur Befestigung des Körperschutzelements an einem Körperteil aufweist.

[0019] In einer ersten Ausführungsform der Körperschutzeinrichtung ist die Befestigungseinrichtung unmittelbar mit dem Körperschutzelement verbunden.

[0020] In einer zweiten Ausführungsform der Körperschutzeinrichtung ist die Befestigungseinrichtung mit einer Aufnahmeeinrichtung versehen, die zur auswechselbaren Aufnahme eines Körperschutzelements dient. Diese Ausführungsform bietet den Vorteil, daß, basierend auf ein und derselben Befestigungseinrichtung, unterschiedliche Körperschutzeinrichtungen zum Schutz unterschiedlicher Körperteile auf einfache Art und Weise durch Kombination der einheitlichen Befestigungseinrichtung mit unterschiedlichen Körperschutzelementen gebildet werden können.

[0021] Bevorzugte Ausführungsformen eines Körperschutzelements bzw. einer Körperschutzeinrichtung mit einem Körperschutzelement sind nachfolgend anhand der Zeichnungen näher erläutert.

[0022] Es zeigen:
Fig. 1
eine Körperschutzeinrichtung mit einem mittels einer Befestigungseinrichtung an einem Körperteil befestigten Körperschutzelement;
Fig. 2
ein in einer Ausschnittsvergrößerung des in Fig. 1 dargestellten Körperschutzelements dargestellter Kontaktbereich mit in einer Ausgangskonfiguration angeordneten Formkörpern;
Fig. 3
der in Fig. 2 dargestellte Kontaktbereich mit in Folge einer Stoßeinwirkung geänderter Konfiguration der Formkörper;
Fig. 4
ein in mehrere Kammern unterteiltes Körperschutzelement;
Fig. 5
das in Fig. 4 dargestellte Körperschutzelement als Teil einer Körperschutzeinrichtung;
Fig. 6
eine Körperschutzeinrichtung mit einem eine Stützstruktur aufweisenden Körperschutzelement;
Fig. 7
eine Ausschnittdarstellung der in Draufsicht dargestellten Stützstruktur;
Fig. 8
eine Körperschutzeinrichtung, deren Körperschutzelement mit einem Schild und einer Polsterung versehen ist;
Fig. 9
eine Körperschutzeinrichtung, deren Körperschutzelement mit einer Luftpolstereinrichtung versehen ist;
Fig. 10
einige ausgewählte, beispielhafte Konfigurationen und Einsatzbereiche von Körperschutzelementen am menschlichen Körper.


[0023] Fig. 1 zeigt in einer teilweisen Schnittdarstellung eine an einer Extremität angeordnete Körperschutzeinrichtung 20 mit einem mittels einer Befestigungseinrichtung 21 an der Extremität, hier beispielsweise einem Unterschenkel 22, befestigten Körperschutzelement 23.

[0024] Das Körperschutzelement 23 weist eine Aufnahmehülle 24 auf die mit Formkörpern 25 gefüllt ist. Zur Vereinfachung der Darstellung ist in Fig. 1 nur ein Teil der Formkörper 25 dargestellt. Die Aufnahmehülle 24 besteht im vorliegenden Fall aus zwei Folienlagen 26, 27, die längs der Peripherie der Aufnahmehülle 24 unter Ausbildung eines Verbindungsrands 28 gasdicht miteinander verbunden sind. Bei schweißbar ausgebildetem Folienmaterial kann die Ausbildung des Verdingungsrands über eine Verschweißung der Folienlagen 26, 27 miteinander erfolgen.

[0025] Die Befestigungseinrichtung 21 weist Haltebänder 29, 30 auf, die lösbar oder nicht lösbar mit dem Verbindungsrand 28 des Körperschutzelements 23 verbunden sind. Im vorliegenden Fall sind die Haltebänder 29, 30 über eine nicht lösbare Klebeverbindung 31 mit dem Verbindungsrand 28 verbunden. Zur Ausführung einer lösbaren Verbindung können die Haltebänder 29, 30 auch über eine an sich bekannte Klettverbindung mit dem Verbindungsrand 28 oder auch mit anderen Bereichen der Aufnahmehülle 24 verbunden sein.

[0026] Die Verbindung der Haltebänder 28, 30 untereinander erfolgt im vorliegenden Fall über eine in einem Überlappungsbereich 32 der Befestigungseinrichtung 21 ausgebildete Klettverbindung.

[0027] Bei dem in Fig. 1 dargestellten Ausführungsbeispiel ist die Aufnahmehülle 24 evakuierbar ausgebildet und im Bereich ihrer äußeren Folienlage 26 mit einer zur Evakuierung des eingeschlossenen Volumens der Aufnahmehülle 24 geeigneten Ventileinrichtung 33 versehen. Durch die Evakuierung des eingeschlossenen Aufnahmehüllenvolumens 34 werden die in einer Ausgangskonfiguration in einer losen Schüttung angeordneten Formkörper 25 über durch die Folienlagen 26 und 27 auf die Formkörper 25 einwirkenden Flächendruckkräfte in ihrer Relativanordnung zueinander weitestgehend fixiert, so daß Relativbewegungen der Formkörper 25 untereinander nur gegen große Widerstände und mit entsprechender Reibung verbunden möglich sind. Dabei ist das Ausmaß der Fixierung der Formkörper 25 zur Ausbildung eines Formkörperverbunds 35 im wesentlichen abhängig von der Elastizität oder Nachgiebigkeit der Folienlagen 26, 27 und den Materialeigenschaften sowie der Form der Formkörper 25. Eine besonders effektive Nutzung eines über die Ventileinrichtung 33 im eingeschlossenen Aufnahmehüllen-Volumen 34 erzeugten Vakuums zur Ausbildung von über die Folienlagen 26, 27 auf die Formkörper 25 wirkenden Druckkräften läßt sich bei möglichst unelastischer Ausbildung der Folienlagen 26, 27 erzielen. Hierzu sind beispielsweise Polyethylen- oder auch Polyamid-Folien geeignet.

[0028] Die grundsätzliche Wirkungsweise der zu einem Formkörperverbund 35 in ihrer Relativanordnung fixierten Formkörper 25 wird anhand der Fig. 2 und 3 deutlich. Fig. 2 zeigt die im fixierten Formkörperverbund 35 angeordneten Formkörper 25 unmittelbar vor Einwirkung einer im wesentlichen punktförmigen Belastung 36 in einem Kontaktbereich der äußeren Folienlage 26 des Körperschutzelements 23. Dabei befinden sich die benachbart der Folienlage 26 angeordneten Formkörper 25 in einer Anordnung, die hier als konvexe Linienanordnung bezeichnet werden soll und durch den konvexen Linienverlauf 37 deutlich gemacht wird.

[0029] Fig. 3 zeigt den Formkörperverbund 35 im Kontaktkbereich der äußeren Folienlage 26 nach Einwirkung der äußeren Belastung 36, die zu einer Änderung der Relativanordnung der Formkörper 25 im Formkörperverbund 35 geführt hat. Am Beispiel der benachbart zur äußeren Folienlage 26 angeordneten Formkörper 25 wird die Veränderung der Relativanordnung der Formkörper 25 besonders deutlich, da sich der anfangs konvexe Linienverlauf 37 nunmehr zu einem konkaven Linienverlauf 38 verändert hat. Das Ausmaß der Veränderung der Relativanordnung der Formkörper 25 im Formkörperverbund 35 ist abhängig von der Größe und Ausbildung der äußeren Belastung 36 und steht damit im direkten Zusammenhang mit der Energieaufnahme des Körperschutzelements 23. Darüber hinaus besteht natürlich auch ein Zusammenhang zwischen der Änderung der Relativanordnung der Formkörper 25 im Formkörperverbund 35 sowie der Form- und Materialbeschaffenheit der einzelnen Formkörper 25. So kommt es bei Verwendung von relativ plastisch oder auch relativ elastisch ausgebildeten Formkörpern, wie es beispielsweise bei Kunststoff-Formkörpern aus Polyurethan oder auf Kautschukbasis oder auch bei Kautschuk-Formkörpern der Fall ist, zu einer relativ geringen Änderung der Relativanordnung der Formkörper 25 im Formkörperverbund 35. Demgegenüber kommt es zu einer relativ großen Änderung der Relativanordnung bei Verwendung von steifen Formkörpern, wie es beispielsweise bei Kunststoff-Formkörpern aus Polystyrol, Polyethylen oder auch Polypropylen der Fall ist. Natürlich können, sowohl was die Ausbildung von elastischen und plastischen als auch steifen Formkörpern angeht, entsprechende natürliche Materialien verwendet werden.

[0030] Unabhängig von der Materialbeschaffenheit und Art der Folienlagen 26, 27 und der Materialbeschaffenheit und Art der verwendeten Formkörper 25 bietet die in Fig. 1 beispielhaft dargestellte evakuierbare Ausbildung des Körperschutzelements 23 bzw. dessen Aufnahmehülle 24 die Möglichkeit, eine leichte Anpassung der zunächst durch die Aufnahmehülle 24 in einem sehr lockeren Verbund angeordneten Formkörper 25 an die Kontur des betreffenden Körperteils vorzunehmen. Anschließend wird dann durch Evakuierung der Aufnahmehülle 24 der in den Fig. 2 und 3 ausschnittsweise dargestellte fixierte Formkörperverbund 35 geschaffen.

[0031] Wenn es zu der in Fig. 3 dargestellten Änderung der Relativanordnung der Formkörper 25 im Formkörperverbund 35 aufgrund eines Schlages oder Stoßes oder dergleichen gekommen ist, läßt sich der Formkörperverbund 35 durch einfaches Belüften der Aufnahmehülle 24 und eine dadurch ermöglichte Umverteilung der Formkörper 25 wieder in seine in der Fig. 2 dargestellte Ausgangskonfiguration überführen. Der Formkörperverbund 35 ist somit regenerierbar, so daß bei einer erneuten Belastung 36 im wesentlichen in gleicher Weise wie bei einer vorhergehenden Belastung 36 erneut die Änderung der Relativanordnung der Formkörper 25 im Formkörperverbund 35 zur Aufnahme der durch die Belastung 36 auf das Körperschutzelement 23 auftreffenden Energie nutzbar ist. Das Körperschutzelement 23 ist somit in seiner Wirkung regenerierbar. Auch in dem Fall, daß es aufgrund entsprechender Materialauswahl für die Formkörper 25 zu plastischen Verformungen an Formkörpern 25 kommt, die im Bereich der auftreffenden Belastung 36 angeordnet sind, kann durch eine Umverteilung der Formkörper 25 ein von plastischen Verformungen weitgehend unbeeinflußter Bereich des Formkörperverbunds 35 geschaffen werden.

[0032] Alternativ zu der unter Bezugnahme auf die Fig. 1 vorstehend erläuterten evakuierbaren Ausbildung der Aufnahmehülle 24 ist es auch möglich, die vorstehend erläuterten Wirkungen des Körperschutz-elements durch Verwendung einer elastisch ausgebildeten Aufnahmehülle zu erzielen. Dabei wird die Ausbildung eines weitgehend fixierten Formkörperverbunds aus einzelnen Formkörpern dadurch erreicht, daß die Formkörper durch die Vorspannkräfte der elastisch ausgebildeten Folienlagen in einen weitgehend fixierten Formkörperverbund gezwungen werden. Auch bei einer derartigen Ausbildung des Körperschutzelements ist dessen Regenerierbarkeit mittels einer Umverteilung der Formkörper 25 unter Überwindung der elastischen Vorspannkräfte der Folienlagen gegeben.

[0033] Fig. 4 zeigt ein mehrere Kammern 39 aufweisendes Körperschutzelement 40 mit jeder Kammer 39 zugeordneten Formkörpern 25. Die einzelnen Kammern 39 kommunizieren über die Kammern 39 verbindende Kanäle 41, so daß alle Kammern 39 einer Aufnahmehülle 42 ein gemeinsames, über eine Ventileinrichtung 43 zu entlüftendes bzw. belüftendes Volumen 44 aufweisen. Ähnlich wie im Fall des in Fig. 1 dargestellten Körperschutzelements 23 ist auch die Aufnahmehülle des Körperschutz-elements 40 aus zwei Folienlagen 45, 46 gebildet, die längs eines Verbindungsrands 47 gasdicht miteinander verbunden sind.

[0034] Fig. 5 zeigt eine Körperschutzeinrichtung 48, bei der das Körperschutzelement 40 mittels der bereits unter Bezugnahme auf Fig. 1 erläuterten Befestigungseinrichtung 21 am Unterschenkel 22 befestigt ist.

[0035] Fig. 6 zeigt eine Körperschutzeinrichtung 49 mit einem Körperschutzelement 50, das in seinem Innern mit einer Stützstruktur 51 versehen ist. Die Stützstruktur, die in einer Draufsicht in Fig. 7 dargestellt ist, ist gitterartig ausgebildet mit Längsstreben 52 und Querstreben 53. Der Stützstruktur 51 kommen im wesentlichen zwei Aufgaben zu, nämlich zum einen, wie insbesondere aus Fig. 6 deutlich wird, für eine erleichterte Anpassung des Körperschutzelements 50 an die betreffende Körperkontur aufgrund der entsprechend vorgeformten Stützstruktur 51 zu sorgen. Zum anderen sorgt die Stützstruktur 51 im Fall einer von außen auf das Körperschutzelement 50 auftreffenden Belastung 54 für eine flächige Verteilung der Belastung im Innern des Körperschutzelements 50.

[0036] Im Unterschied zu den unter Bezugnahme auf die Fig. 1, 4 und 5 erläuterten Ausführungsformen eines Körperschutzelements weist das in Fig. 6 dargestellte Körperschutzelement 50 eine Evakuierungs/Belüftungs-Einrichtung 55 aus einer Kombination einer nicht näher dargestellten Ventileinrichtung mit einem Pumpbalg 56 auf. Je nach Stellung der Ventileinrichtung ermöglicht der Pumpbalg 56 ein Entlüften oder Belüften der Aufnahmehülle 42 des Körperschutzelements 50.

[0037] Fig. 8 zeigt eine Körperschutzeinrichtung 57 mit einem Körperschutzelement 58, das außenseitig auf einer Aufnahmehülle 59 mit einem Schild 60 versehen ist. Der Schild 60 dient zur flächig verteilten Einleitung hoher punktueller Belastungen in den Formkörperverbund 35, wie es beispielsweise dann der Fall ist, wenn ein Projektil auf den Schild 60 auftrifft. Ergänzend zum Schild 60 oder auch bei einem ohne Schild verwendeten Körperschutzelement kann zwischen der Aufnahmehülle 59 und dem zu schützenden Körperteil eine Weichpolsterung 61 vorgesehen sein. Mit der Weichpolsterung 61 kann zum einen der Sitz des Körperschutzelements am betreffenden Körperteil verbessert werden, zum anderen wird der Tragekomfort erhöht.

[0038] Bei dem in Fig. 8 dargestellten Ausführungsbeispiel werden die einzelnen Bestandteile des Körperschutzelements 58, nämlich der Schild 60, die mit Formkörpern 25 befüllte Aufnahmehülle 59 und die Weichpolsterung 61 mittels einer Klemmhalterung 62 zur Ausbildung des Körperschutzelements 58 zusammengefaßt. Alternativ können die einzelnen Bestandteile auch im Bereich eines Verbindungsrands 63 der Aufnahmehülle 59 direkt miteinander verbunden sein.

[0039] Bei dem in Fig. 8 dargestellten Ausführungsbeispiel dient die Klemmhalterung 62, die sich zumindest an zwei einander gegenüberliegenden Längsrändern des Körperschutzelements 58 erstreckt, als Aufnahmeeinrichtung für das Körperschutzelement 58 und zur Verbindung des Körperschutzelements 58 mit einer Befestigungseinrichtung 80. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurde in Fig. 8 auf die Darstellung einer Ventileinrichtung bzw. einer Evakuierungs/Belüftungs-Einrichtung verzichtet.

[0040] Fig. 9 zeigt ein Körperschutzelement 64, das insgesamt drei Folienlagen 65, 66 und 67 aufweist, wobei die Folienlagen 65 und 66 eine Aufnahmehülle 68 zur Aufnahme der den Formkörperverbund 35 bildenden Formkörper 25 dienen, und die Folienlagen 66 und 67 eine Polsterhülle 69 zur Befüllung mit einem Gas und Ausbildung eines Gaspolsters zwischen der Aufnahmehülle 68 und dem Körperteil 22 bilden. Das Körperschutzelement 64 ist mit einer Evakuierungs/Belüftungs-Einrichtung 70 versehen, die das Evakuieren der Aufnahmehülle 68 und gleichzeitig mit dem aus der Aufnahmehülle 68 abgesaugten Gas das Befüllen der Polsterhülle 69 ermöglicht.

[0041] Fig. 10 zeigt verschiedene mögliche Anordnungen und Ausbildungen von Körperschutzelementen am Körper. Dabei können einzelne Körperschutzelemente im Bereich des Fußes, die als Knöchelschutzelement 71, Achillessehnenschutzelement 72 und Spannschutzelement 73 ausgebildet sind, auch in einem Schutzelement integriert ausgebildet sein. Je nach dem, ob die einzelnen Schutzelemente mit separaten Ventileinrichtungen oder mit einer zentralen Ventileinrichtung bei kommunizierend ausgebildeten Schutzelementen versehen sind, ist es möglich, die Härte der Körperschutzelemente unterschiedlich oder übereinstimmend einzustellen.

[0042] Auch können ein als Schienbeinschutzelement 74 oder als Knieschutzelement 75 ausgebildetes Körperschutzelement einzeln oder integral ausgebildet sein.

[0043] Weiterhin zeigt Fig. 10, daß die hier mit einzelnen Kammern ausgebildeten Körperschutzelemente auch hinsichtlich der Kammeranordnung unterschiedlich ausgebildet sein können. So weist beispielsweise das Knöchelschutzelement 71 ringförmig angeordnete, konzentrische Kammern 76 auf. Demgegenüber weist das Schienbeinschutzelement 74 gradlinig ausgebildete, parallel zueinander angeordnete Kammern 77 auf. Auch besteht die Möglichkeit, die in Fig. 10 hinsichtlich ihrer Anordnung und Ausbildung dargestellten Körperschutzelemente in bzw. an Kleidungsstücken angeordnet vorzusehen. Hierdurch ist es möglich, die relative Anordnung der Körperschutzelemente an betreffenden Körperteilen auch ohne separat ausgebildete Befestigungseinrichtungen zu sichern. Ein Beispiel für einen Einsatz derartig ausgebildeter Bekleidungsstücke liegt im Bereich des Skirennsports. Skirennläufer benötigen Schienbeinschutzelemente 74, Unterarmschutzelemente 78 und Handrückenschutzelemente 79 nur für sekundenlange Slalomdurchgänge als Schutz gegen die Schläge der Slalomstangen. Durch Integration der Körperschutzelemente in die Kleidung ist es möglich, auf einfache Art und Weise die Körperschutzelemente nur für die Zeit eines Slalomlaufs zu evakuieren. Ansonsten können sie belüftet sein, versteifen somit die Kleidung nicht und sorgen für eine zusätzliche Wärmeisolation.


Ansprüche

1. Körperschutzelement (23, 40, 50, 58, 64) für eine Körperschutzeinrichtung (20, 48, 49, 57) zur Anordnung an einem Körperteil (22) mit einer in einer Aufnahmehülle (24, 42, 59, 68) aufgenommenen formkörper-Füllung aus einzelnen, relativ zueinander bewegbaren Formkörpern (25), wobei die Formkörper durch einen über die Aufnahmehülle auf die Formkörper wirkenden Umfangsdruck in ihrer Relativanordnung definiert unter Vorspannung aneinander anliegen und einen formhaltigen Formkörperverbund (35) bilden.
 
2. Körperschutzelement nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Aufnahmehülle (24, 42, 59, 68) elastisch ausgeführt ist.
 
3. Körperschutzelement nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Aufnahmehülle (24, 42, 59, 68) evakuierbar ausgebildet ist.
 
4. Körperschutzelement nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Formkörper (25) der Formkörper-Füllung hinsichtlich Form und/oder Materialbeschaffenheit unterschiedlich ausgebildet sind.
 
5. Körperschutzelement nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Formkörper (25) überwiegend plastisch ausgebildet sind.
 
6. Körperschutzelement nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
die Formkörper (25) überwiegend elastisch ausgebildet sind.
 
7. Körperschutzelement nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Formkörper (25) als Kunststoff-Formkörper ausgebildet sind.
 
8. Körperschutzelement nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Aufnahmehülle (42) mit einer Stützstruktur (51) versehen ist.
 
9. Körperschutzelement nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Stützstruktur (51) im Innern der Aufnahmehülle (42) angeordnet ist.
 
10. Körperschutzelement nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch
eine Aufteilung der Aufnahmehülle (42) in mehrere Kammern (39), von denen zumindest eine mit einer Formkörper-Füllung versehen ist.
 
11. Körperschutzelement nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Kammern (39) zumindest teilweise kommunizierend ausgebildet sind.
 
12. Körperschutzeinrichtung (20, 48, 49, 57) mit zumindest einem Körperschutzelement (23, 40, 50, 58, 64) nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 11 und einer Befestigungseinrichtung (21, 80) zur Befestigung des Körperschutzelements an einem Körperteil (22).
 
13. Körperschutzeinrichtung nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Befestigungseinrichtung (21) unmittelbar mit dem Körperschutz-element verbunden ist.
 
14. Körperschutzeinrichtung nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Befestigungseinrichtung (80) eine Aufnahmeeinrichtung (62) zur auswechselbaren Aufnahme eines Körperschutzelementes (58) aufweist.
 




Zeichnung