[0001] Die Erfindung betrifft eine Messfeldgruppe und ein Verfahren zur Erfassung von Qualitätsdaten
im Mehrfarben-Auflagendruck nach den Oberbegriffen der unabhängigen Ansprüche.
[0002] Zur Erfassung von Qualitätsdaten sind im Mehrfarbenauflagendruck, insbesondere dem
Akzidenz- und auch dem Zeitungsdruck zahlreiche Lösungen bekannt. Die Qualitätsdatenerfassung,
beispielsweise von Farb-, Farbschichtdicken-, Passer-, Schiebe-, Dublierwerten, Flächenbedeckungen
und dergleichen, dient der Überwachung und Steuerung der Farbgebung im Mehrfarbendruck.
[0003] Aus der EP 0 196 431 B1 ist ein Verfahren zur Erzielung eines gleichförmigen Druckresultats
an einer autotypisch arbeitenden Mehrfarbenoffsetdruckmaschine bekannt. Hierbei werden
Farbschichtdicken bzw. Volltondichten und Rasterpunktgrößen bzw. Flächendeckungsgerade
an Messfeldern gemessen, die für jede Druckfarbe in jeder Farbstellzone der Druckmaschine
mitgedruckt werden. Aufgrund der densitometrischen Messwerte werden die Farbführungsstellglieder
der Druckmaschine automatisch eingestellt. Da in jeder Farbstellzone der Maschine
mehrere Messfelder mitgedruckt werden, eignet sich dieses Verfahren zwar für den Akzidenz-Offsetdruck,
jedoch nicht für den Zeitungs-Offsetdruck, bei dem die Messfelder im Gegensatz zum
Akzidenz-Offsetdruck innerhalb des Satzspiegels mitgedruckt und nach dem Druck nicht
weggeschnitten werden können. Zeitungsverleger akzeptieren diese Messfelder daher
nur ungern.
[0004] Ein weiteres Hindernis für den Einsatz dieses bekannten Verfahrens im Zeitungsoffset
ist im hohen Geräte- und Personalaufwand zu sehen, der für das Ausmessen der Messfelder
betrieben werden muß. Soll das Ausmessen im Rollenoffset online, d.h. automatisch
an der laufenden Bahn erfolgen, so ist für jede Bahnseite ein optischer Messkopf mit
automatischer Positionierung notwendig. Würde das Ausmessen stattdessen mit handelsüblichen
Handdensitometern oder Handspektralphotometern vorgenommen werden, so müßte in Anbetracht
der großen Anzahl von Messfeldern und dem Zeitbedarf der manuellen Messgerätepositionierung
eigens zum Zweck der Qualitätsdatenerfassung Personal bereitstehen. Ferner werden
mit den Vollton- und Rastertondichten der Einzelfarben nach diesem bekannten Verfahren
Merkmale gemessen, welche zwar einen direkten Bezug zum Druckprozeß haben, jedoch
wenig über die farbliche Erscheinung des fertiggestellten mehrfarbigen Druckerzeugnisses
aussagen.
[0005] Aussagen über die Farbempfindung können durch Mitdrucken und farbmetrisches Ausmessen
von Kombinationsmessfeldern gewonnen werden, wie dies insbesondere aus der DE 44 02
784 A1 und DE 44 02 828 A1 bekannt ist. Durch den Einsatz der dort beschriebenen Messfeldgruppe
wird der Platzbedarf für das auf dem zu kontrollierenden Druckerzeugnis mitgedruckten
Messfeld bzw. der Messfeldgruppe deutlich reduziert. Allerdings gestattet dieses Messfeld
bzw. die daraus bekannte Messfeldgruppe noch nicht die Aufnahme von Messwerten zur
Farbannahme im mehrfarbigen Übereinanderdruck, zum Passer und auch nicht zur Feststellung
von Abwicklungsstörungen, wie Schieben und Dublieren.
[0006] Verfahren zur Ermittlung von Passerfehlern und zur Ausmessung geeignete Passermarken
sind aus der DE 44 37 603 A1 und der DE 40 14 706 A1 bekannt. Solche Passermarken
müßten zusätzlich zu den Farbmarken auf das zu kontrollierende Druckerzeugnis gedruckt
und mit einem entsprechenden Messgerät ausgemessen werden. Es müssen dabei zumindest
zwei Messgeräte beherrscht und eingesetzt werden.
[0007] Mit dem fortschreitenden Einzug des Color-Managements in der Druckindustrie stellt
sich ein weiteres Problem. Die Idee des Color-Managements besteht bekanntlich darin,
daß Farbvorlagen in der digitalen Druckvorstufe unabhängig von Ausgabegeräten und
Materialien festgelegt werden. Die Farben einer Bildvorlage werden in einem durch
die Commission Internationale de 1` Eclairage (CIE) genormten farbmetrischen Koordinatsystem,
wie CIEXYZ, CIELAB oder CIELUV, beschrieben. Erfolgt die Ausgabe derart definierter
mehrfarbiger Bilder auf Papier über einem im Sinne des Color-Managements kalibrierten
System, so ist gewährleistet, daß die farbliche Erscheinung des Druckerzeugnisses
dem Original vergleichbar ist, unabhängig vom verwendeten Ausgabeprozeß.
[0008] Als kalibrierbare Ausgabesysteme sind heute unter anderem Computer-Farbdrucker, Digital-Farbkopierer
und Digitial-Proofgeräte im Einsatz. Es ist erstrebenswert, das Konzept des Color-Managements
auch auf konventionelle Druckverfahren, wie den Zeitungs-Offsetdruck, auszudehnen.
Dabei wird die aus Druckformherstellung und Druckprozeß bestehende Wirkungskette wie
irgendein anderes kalibrierbares Ausgabegerät behandelt.
[0009] Mit der Verfügbarkeit von Systemen zur Herstellung von Farbprofilen des Druckprozesses
wird eine wichtige Voraussetzung dazu erfüllt. Ein Problem liegt noch darin, wie die
neuen Color-Management-Werkzeuge im Verbund mit den für das Druckverfahren spezifischen
Kontroll- und Regelmechanismen (Densitometrie und Farbmetrik) sinnvoll funktionieren
können.
[0010] Beim Erstellen von Farbprofilen ist es nämlich notwendig, spezielle Testmuster unter
genau definierten Bedingungen zu drucken und auszumessen. Das ist kostspielig, weil
dabei Maschinenstunden und Material verbraucht werden. Es wäre wünschenswert, die
Kalibration der Farbprofile des Druckprozesses nicht präventiv, sondern erst dann
durchzuführen, wenn es wirklich unumgänglich notwendig geworden ist. Ein Werkzeug,
das aufgrund von Auflagendrucken entscheiden kann, ob es zutrifft, existiert heute
jedoch noch nicht.
[0011] Die Erfindung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Qualitätsdatenerfassung im Mehrfarben-Auflagendruck,
vorzugsweise im Offsetdruck und zwar nicht nur für den Akzidenz-Offset- sondern auch
für den Zeitungs-Offsetdruck, zu verbessern. Hierbei soll zum einen der Platzbedarf
der für die Ermittlung von Qualitätsdaten erforderlichen Messelemente bzw. Messfeldgruppen
gegenüber bekannten Lösungen verringert, und es soll der messgerätetechnische Aufwand
gering gehalten werden können.
[0012] Diese Aufgabe wird durch die Ausbildung einer Messfeldgruppe nach Anspruch 1 und
mittels eines Verfahrens nach Anspruch 14 erreicht.
[0013] Die Erfindung geht von einer Messfeldgruppe aus, die durch mehrere Messfelder gebildet
wird, die zur Gewinnung von Farbwerten, Farbdichten oder Flächenbedeckungen oder einer
Kombination daraus, geeignet sind. Geeignet heißt hierbei, daß die Messfelder jeweils
groß genug sind, um sie mit den verfügbaren Messtechniken zur Ermittlung dieser Werte
ausmessen zu können, d.h. die Messfelder müssen Farbmessflächen in ausreichender Größe
aufweisen.
[0014] Erfindungsgemäß weisen die Messfelder zusätzlich zu ihren Farbmessflächen je wenigstens
einen Farbstreifen zur Bestimmung des Passers sowie Schiebens und Dublierens auf,
wobei dieser wenigstens eine Farbstreifen pro Messfeld im gleichen Druck zusammen
mit der Farbmessfläche seines Messfeldes gedruckt wird, in Bezug auf die Abmessungen
der Farbmessfläche seines Messfeldes schmal ist und in einem vorgegebenen, ebenfalls
in Bezug auf die Abmessungen der Farbmessfläche geringen seitlichen Abstand zur Farbmessfläche
verläuft.
[0015] Mit einer einzigen Antastung kann an jedem der erfindungsgemäßen Messfelder somit
neben einem Farbwert, der Farbdichte und/oder der Flächenbedeckung in der Farbmessfläche,
durch Ausmessen der Zone bzw. Fläche zwischen der Farbmessfläche und ihrem seitlichen
Farbstreifen ein Schiebe- und Dublierwert für das betreffende Druckwerk ermittelt
werden.
[0016] Besonders vorteilhaft ist es, wenn der Farbstreifen und die Farbmessfläche des einzelnen
Messfeldes durch eine farbfreie Zone voneinander getrennt sind, da die Messung in
diesem Falle am optimalsten ist; unumgänglich notwendig ist dies jedoch nicht.
[0017] Da die bei schiebe- und dublierfreiem Druck zumindest die in dem betreffenden Druck
nicht bedruckte Fläche zwischen den Farbmessflächen und ihren seitlichen Farbstreifen
wegen der beidseitigen Berandung, durch die Farbmessfläche einerseits und den Farbstreifen
andererseits, definiert ist, können die Schiebe- und Dublierwerte ermittelt werden.
[0018] Indem die eine vorgegebene Berandung der auszumessenden Zone durch einen Rand einer
Farbmessfläche gebildet wird, wird die kombinierte Messung von Farbe und Schieben/Dublieren
platzsparend am gleichen Messfeld möglich.
[0019] In bevorzugter Weiterbildung weisen die Messfelder je wenigstens zwei dieser seitlichen
Farbstreifen zur Bestimmung des Schiebens und Dublierens in Umfangs- und in Seitenrichtung
auf. Ganz besonders bevorzugt verlaufen die Zonen zwischen den Farbmessflächen und
ihren seitlichen Farbstreifen in Umfangs- und in Seitenrichtung; zwei derart an einem
einzelnen Messfeld gebildete Zonen verlaufen daher in einem rechten Winkel zueinander.
[0020] Zur Ermittlung der Passerwerte werden in diesem Fall die relativen Lagen der Messfelder,
vorzugsweise der seitlichen Farbstreifen der einzelnen Messfelder, zueinander bestimmt.
Wegen der erfindungsgemäßen Ausbildung der einzelnen Messfelder müssen auch in diesem
Falle keine zusätzlichen Passermarken mitgedruckt werden. Da die Zonen zwischen den
Farbmessflächen und ihren seitlichen Farbstreifen beim Druck des betreffenden Messfeldes
nicht mitbedruckt werden, können die Passerwerte an den erfindungsgemäßen Messfeldern
ermittelt werden.
[0021] Bei den Messfeldern handelt es sich vorzugsweise wenigstens um Einzelfarbenvolltonfelder
in den jeweiligen Grundfarben, im allgemeinen Cyan, Magenta und Gelb für den 4-Farbendruck,
und/oder entsprechende Einzelfarbenrasterfelder, in denen die Grundfarben jeweils
mit ihrem nominellen Flächendeckungsgrad gedruckt sind. Falls sowohl Volltondichten
als auch Flächenbedeckungen ermittelt werden sollen, werden Einzelfarbenvolltonfelder
und Einzelfarbenrasterfelder in den Grundfarben mitgedruckt.
[0022] In jeder der genannten Zusammenstellungen kann auch ein Volltonfeld in Schwarz vorgesehen
sein. Es kann zusätzlich oder stattdessen ein Rastertonfeld, in dem die Farbe Schwarz
mit ihrem nominellen Flächendeckungsgrad gedruckt ist, vorgesehen sein. Die Farbe
Schwarz kann ebenfals als Grundfarbe, d.h. im Vierfarbendruck als dann vierte Grundfarbe,
bezeichnet werden.
[0023] In noch weiter bevorzugter Ausführungsform können zusätzlich zu jeder der vorgenannten
Messfeldkombinationen Kombinationsmessfelder vorgesehen sein, in denen je wenigstens
zwei Grundfarben mit ihren nominellen Flächendeckunsgraden übereinander gedruckt sind,
so daß auch aussagekräftige Werte hinsichtlich des Farbannahmeverhaltens ermittelt
werden können.
[0024] Schließlich kann in bevorzugter weiterer Ausführungsform zu jeder der vorgenannten
Messfeldkombinationen noch ein zusätzliches Kombinationsmessfeld mitgedruckt werden,
in dem alle Grundfarben mit ihren nominellen Flächendeckungsgraden übereinander gedruckt
sind.
[0025] Die vorgenannten Messfelder oder eine Auswahl daraus werden nach einer ersten Ausführungsvariante
der Erfindung einzeln im Bild mitgedruckt. In einer zweiten bevorzugten Ausführungsvariante
werden sie, exakter Passer vorausgesetzt, in Form eines kompakten Messfeldblocks angeordnet
und mitgedruckt, derart, daß die benachbarten Messfelder mit ihren seitlichen Farbstreifen
stumpf aneinander stoßen oder die Farbstreifen einen kleinen Abstand voneinander haben.
Desweiteren sind auch Mischformen dieser beiden Ausführungsvarianten möglich, bei
denen mehrere Messfelder zu solchen Messfeldblöcken angeordnet und gegebenenfalls
mehrere solcher Messfeldblöcke, jeweils mit unterschiedlichen Messfeldern, vorgesehen
sind; Einzelfelder können daneben ebenfalls im Bild gedruckt sein. Bei Einsatz eines
einzigen kompakten Messfeldblocks können, die Verwendung eines geeigneten Messgeräts
vorausgesetzt, mittels einer einzigen Antastung sämtliche, die Qualität des Druckprodukts
beeinflussenden Werte, nämlich die Passerwerte, Schiebe- und Dublierwerte sowie Farbdichten-,
Farbannahme- und Farbbalancewerte, Farbwerte, Flächenbedeckungen und dergleichen ermittelt
werden.
[0026] Ein erfindungsgemäßer Messfeldblock kann vorteilhafterweise zusätzlich Linien in
wenigstens zwei der für einen Druck verwendeten Grundfarben aufweisen. Falls solche
Linien vorhanden sind, dienen vorzugsweise diese Linien zur Bestimmung wenigstens
eines Wertes für eine Registerabweichung, d.h. zur Bestimmung eines Passerwertes,
und die Farbstreifen der Messfelder werden für die Erfassung des Schiebens und Dublierens
benutzt. Farbstreifen können auch zusätzlich zu den Linien für die Bestimmung einer
Registerabweichung verwendet werden, sozusagen zur Messignalverstärkung.
[0027] Vorzugsweise verlaufen die Linien zwischen je zwei der Messfelder des Messfeldblocks
hindurch. Ganz besonders bevorzugt verbleibt unmittelbar beidseits längs solch einer
Linie, exaktes Register vorausgesetzt, eine unbedruckte Fläche. Es kann jedoch auch
vorteilhaft sein, die benachbarten Messfelder, zwischen denen eine Linie zur Bestimmung
des Passers verläuft, unmittelbar an solch eine Linie anzuschließen. In diesen beiden
Ausführungen werden somit benachbarte Messfelder des Messfeldblocks durch eine Linie
voneinander separiert.
[0028] Es kann auch von Vorteil sein, wenn eine, einige oder alle Linien zur Bestimmung
des Passers quer durch eines oder mehrere Messfelder des Messfeldblocks verlaufen,
insbesondere dann, wenn der Messfeldblock zu wenig Messfelder aufweist, um für die
Bestimmung sämtlicher Passerwerte alle Linien zwischen den Messfeldern oder unmittelbar
seitlich der äußeren Messfelder des Blocks verlaufen zu lassen.
[0029] Vorzugsweise ist in jeder der Grundfarben des jeweiligen Drucks wenigstens eine Linie
für wenigstens eine Richtung, in der eine Registerabweichung bestimmt werden soll,
vorgesehen. Vorzugsweise sind für jede der Grundfarben je wenigstens eine Linie zur
Bestimmung der Registerabweichungen in einer ersten Richtung und wenigstens je eine
weitere Linie zur Bestimmung einer Registerabweichung in einer anderen Richtung vorgesehen.
Bevorzugt sind pro Grundfarbe wenigstens je eine Linie in Umfangsrichtung und in Längsrichtung
eines Druckzylinders vorhanden. Besonders bevorzugt ist für die als Referenzfarbe
dienende Grundfarbe eine weitere Linie für die wenigstens eine, vorzugsweise jedoch
zwei Richtungen vorhanden, in denen eine Registerabweichung für wenigstens eine der
anderen Grundfarben bestimmt werden soll. Der Abstand der beiden in die gleiche Richtung
weisenden Linien der Referenzfarbe wird gemessen und dient zur Abstimmung bzw. Kalibrierung
der vom gleichen Messgerät gemessenen Abstände der in die gleiche Richtung weisenden
Linien für die anderen Grundfarben.
[0030] In Weiterbildung eines bevorzugten Verfahrens, wie Anspruch 13 es beschreibt, können
Passerwerte durch Vermessen der metrischen Lagen von Farbstreifen zueinander und/oder
von Linien zueinander gewonnen werden, wobei letztere, falls vorhanden, in einem Messfeldblock
mitgedruckt werden.
[0031] Vorteilhafterweise können Bildstellen des Druckerzeugnisses als Messfelder dienen.
[0032] Die Messfelder werden vorzugsweise bildanalytisch erkannt.
[0033] Vorzugsweise sind mehrere der Messfelder in Form eines kompakten Messfeldblocks nebeneinander
so aufgedruckt, dass ihre jeweils einander zugewandten seitlichen Farbstreifen bei
exaktem Passer stumpf unmittelbar aneinander oder stumpf unmittelbar an die Linien
stoßen oder einen vorgegebenen engen Abstand voneinander oder zu den Linien haben.
[0034] Vorzugsweise umfasst der Bildverarbeitungsprozeß eine Farbseparation, die Erzeugung
eines Binärbildes und einen merkmalsspezifischen mathematischen Algorithmus zur Bestimmung
der Schiebe- und Dublierwerte, Passerwerte und Farbdichtewerte oder/oder Flächenbedeckungen.
[0035] Aufgrund der gewonnenen Qualitätsdaten wird vorzugsweise eine Diagnose computergestützt
gestellt. Aus der Diagnose werden vorteilhafterweise Maßnahmen zur Verbesserung der
Druckqualität empfohlen. Die Maßnahmen umfassen vorzugsweise eine Kompensation der
Druckkennlinien, welche sowohl material- sowie druckwerk- und maschinenspezifisch
ist.
[0036] Aus der Diagnose und den gewonnenen Qualitätsdaten kann eine Korrektur der Druckmaschineneinstellung
errechnet und die Druckmaschine mit diesen Korrekturwerten angesteuert werden.
[0037] Ein besonders bevorzugtes Messgerät weist einen Sensor, vorzugsweise einen photoelektrischen
Sensor, mit spektraler oder mindestens 3-Bereichs- und zweidimensional räumlicher
Auflösung auf. Vorzugsweise wird eine CCD-Farbkamera verwendet, die auf ein Mikroskop
montiert ist.
[0038] Falls die Messfelder einzeln und in geeigneten, zu Messfeldblöcken angeordneten Unterkombinationen
auf dem Bild verteilt mitgedruckt werden, lassen sich die interessierenden Qualitätsdaten
immer noch mittels eines einzigen Messgeräts ermitteln. Das Messgerät ist in diesem
Fall verfahrbar über dem durchlaufenden Druckerzeugnis angeordnet. Aus der Druckvorstufe
werden der Verfahrsteuerung des Messgeräts die Orte der anzutastenden Messfelder bzw.
Messfeldblöcke mitgeteilt.
[0039] Ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel eines Messfeldes und eines kompakten Messfeldblocks
sowie zweier Verfahren zur Optimierung der Farbwiedergabe im Mehrfarben-Auflagendruck
werden nachfolgend anhand von Figuren beschrieben. Es zeigen:
- Fig. 1
- ein Messfeld,
- Fig. 2
- einen kompakten Messfeldblock mit nebeneinander angeordneten Messfeldern nach Fig.
1,
- Fig. 2.1
- die Verallgemeinerung des Messfeldblocks der Fig. 2,
- Fig. 2.2
- einen kompakten Messfeldblock für den 8-Farbendruck,
- Fig. 2.3
- zwei nebeneinander angeordnete Messfelder eines Messfeldblocks,
- Fig. 3
- einen Entscheidungsbaum zur Optimierung der Farbwiedergabe in einer einzelnen Auflage,
- Fig. 4
- einen Entscheidungsbaum zur Optimierung der Farbwiedergabe über mehrere Auflagen,
- Fig. 5
- zwei Messfeldblöcke mit integrierten Linien zur Bestimmung von Passerwerten,
- Fig. 6
- eine Erweiterung der Messfeldblöcke nach Fig. 5,
- Fig. 7
- eine Variante eines Messfeldblocks mit integrierten Linien,
- Fig. 8
- den Messfeldblock nach Fig. 2 mit integrierten Linien und
- Fig. 9
- eine Variante des Messfeldblocks nach Fig. 8.
[0040] Das in Fig. 1 dargestellte Messfeld umfasst eine Farbmessfläche F mit seitlichen
Farbstreifen S. Die Farbmessfläche F hat im Ausführungsbeispiel die Form eines Quadrats.
Randparallel zu jeder der vier Quadratseiten verläuft einer der schmalen, rechteckigen
Farbstreifen S. Zwischen den derart begrenzenden Rändern der Farbmessfläche F einerseits
und der seitlichen Farbstreifen S andererseits wird eine farbfreie Zone Z, d.h. eine
zumindest im Druck des Messfeldes farbfrei verbleibende Zone Z, gebildet, deren Breite
und damit Fläche bei idealem Druck exakt vorgegeben ist. Durch Vergleich dieser Idealfläche
der Zone Z mit der im tatsächlichen Druck nicht bedruckten, ausgemessenen Teilfläche
der Zone Z können die Schiebe- und Dublierwerte dieses Drucks ermittelt werden. Dabei
würde es zur Ermittlung des Schiebens und Dublierens in Umfangs- und Seitenrichtung
genügen, zwei winklig zueinander stehende Farbstreifen S vorzusehen. Die beiden anderen
Farbstreifen S verstärken dann lediglich noch das Messsignal in vorteilhafter Weise.
[0041] Die Minimalgröße der Farbmessfläche F wird durch die Rasterweite des Druckprozesses,
d.h. die Rasterpunktgröße unter Berücksichtigung der verfügbaren Kameraauflösung bzw.
der räumlichen Auflösung des Sensors und einer genügend aussagekräftigen Statistik
vorgegeben.
[0042] Die im Ausführungsbeispiel quadratische Farbmessfläche F kann innerhalb des gerade
gesteckten Rahmens grundsätzlich auch nur rechteckförmig und dem Grunde nach sogar
beliebig, jedoch in definierter Weise vorgegeben, ausgebildet sein. Die Farbstreifen
S müssen auch nicht unbedingt randparallel verlaufen, die farbfreien Zonen Z müssen
jedoch ebenfalls, idealer Druck vorausgesetzt, durch ihre Berandungen definiert vorgegeben
sein. Die dargestellte Form des Messfeldes erleichtert jedoch eine sich an das eigentliche
Antasten des Messfeldes anschließende Analyse der Messergebnisse. Desweiteren eignet
sich diese Form auch besonders für die Zusammenfassung mehrerer solcher Messfelder
zu einem kompakten Messfeldblock.
[0043] Solch ein kompakter Messfeldblock ist in Fig. 2 dargestellt. Er besteht im Ausführungsbeispiel
aus zwölf Messfeldern, die zu einem 3x4-schachbrettartigen Messfeldblock zusammengefaßt
sind. Die Einzelmessfelder sind mit A1 bis D3 bezeichnet.
[0044] Den kompakten Messfeldblock für den Mehrfarbendruck im allgemeinen, d.h. für eine
beliebige Anzahl Grundfarben, zeigt Fig. 2.1. Ein beispielhafter Meßfeldblock für
den 8-Farbendruck ist schließlich noch in Fig. 2.2 dargestellt. Im folgenden wird
lediglich beispielhaft stets auf den Messfeldblock der Fig. 2 für den 4-Farbendruck
Bezug genommen.
[0045] Im kompakten Messfeldblock stoßen jeweils zwei benachbarte Messfelder A1 bis D3 mit
ihren seitlichen Farbstreifen S stumpf oder mit einem vorgegebenen Abstand in der
Größe von "a" aneinander, falls dem Idealfall entsprechend keine Passerabweichungen
im Druck auftreten. Zwei Messfelder, die nebeneinander so aufgedruckt sind, daß ihre
einander zugewandten Farbstreifen 3 den engen Abstand a voneinander haben, sind in
Fig. 2.3 dargestellt.
[0046] Im Messfeldblock der Fig. 2 wird das Messfeld A1 durch ein Volltonfeld in Schwarz
gebildet. Das Messfeld A2 ist ein Rasterfeld, in dem die Farbe Schwarz mit ihrem nominellen
Flächendeckungsgrad gedruckt ist. Bei dem Messfeld B1 handelt es sich um ein Kombinationsmessfeld,
in dem die drei Grundfarben Cyan, Magenta und Gelb jeweils mit ihrem nominellen Flächendeckungsgrad
übereinander gedruckt sind. Die Messfelder A3, B2 und C1 werden durch Einzelfarbenrasterfelder
mit nominellen Flächendeckungsgraden in den drei Grundfarben gebildet. In den Messfeldern
B3, C2 und D1 sind die drei Grundfarben im Vollton jeweils einzeln gedruckt. Bei den
verbleibenden Messfeldern C3, D2 und D3 handelt es sich schließlich um weitere Kombinationsmessfelder,
in denen jeweils zwei der Grundfarben mit nominellen Flächendeckungsgraden übereinander
gedruckt sind.
[0047] Im Zeitungsdruck als bevorzugten Verwendungsbeispiel weisen die Messfelder A1 bis
D3 je eine Ausdehnung von etwa 1,65 x 1,65 mm
2 und der kompakte Messfeldblock mit zwölf solcher Messfelder eine Ausdehnung von 6,6
x 5 mm
2 auf. Die derart ausgebildeten, miniaturisierten Messfeldern werden in ausgesuchten
Bildstellen oder, wie dargestellt, als kompakter Messfeldblock auf einem zu kontrollierenden
Druckerzeugnis mitgedruckt und anschließend inline, online oder offline mit Hilfe
einer auf ein Mikroskop montierten CCD-Farbkamera aufgenommen. Die Aufnahme könnte
ebenso an einer oder mehreren Bildstellen unter Verwendung eines photoelektrischen
Sensors mit spektraler und zweidimensional räumlicher Auflösung erfolgen.
[0048] Die aufgenommenen Bilder werden digitalisiert und anschließend softwaremäßig mittels
eines merkmalspezifischen Algorithmus direkt ausgewertet. Die Daten können auch in
die einzelnen Farben separiert und das so erzeugte Binärbild mit einem entsprechenden
merkmal spezifischen mathematischen Algorithmus ausgewertet werden. Eine Kombination
beider Verfahren ist ebenfalls möglich.
[0049] Im Ausführungsbeispiel dienen die Farbstreifen S der Messfelder B3, C2, D1 und A1
der Bestimmung des Passers von Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz in Umfangs- und in
Seitenrichtung. Ausgehend von dem Messfeld B3 von Cyan werden die relativen Lagen
der Messfelder C2, D1 und A1 für Magenta, Gelb und Schwarz und damit etwaige Passerabweichungen
ermittelt. Schieben und Dublieren wird dadurch festgestellt, daß an diesen Messfeldern
je die unbedruckte Zone Z zwischen den Farbmessflächen F und den Farbstreifen S vermessen
wird.
[0050] Die Farbmessflächen F der gleichen Messfelder B3, C2, D1, A1 dienen zur Bestimmung
der Volltondichten der entsprechenden Farben.
[0051] Mit Hilfe der Messfelder A2, C1, B2 und A3 werden die Flächenbedeckungen von Schwarz,
Gelb, Magenta und Cyan ermittelt. Die Passer- und Schiebe- sowie Dublierwerte könnten
auch mittels dieser Einzelfarbenrasterfelder bestimmt werden.
[0052] Die Messfelder C3, D3 und D2, in denen je zwei der drei Grundfarben im Rasterton
übereinander gedruckt sind und das Messfeld B1, in dem alle drei Grundfarben im Rasterton
übereinander gedruckt sind, dienen der Bestimmung der Farbwerte und der Farbannahme
im zwei- und dreifarbigen Übereinanderdruck.
[0053] Durch die gezielte Kombination einzelner Messfelder lassen sich für das Schieben,
Dublieren und den Passer qualitativ verstärkte Signale erzeugen, z. B. durch die Kombination
der Messfelder B1, C1 und D1 für die Grundfarbe Gelb, mit B2, C2 und D2 für die Grundfarbe
Magenta.
Eine bevorzugte Bildverarbeitung umfaßt einen photoelektrischen Sensor mit spektraler
und zweidimensional räumlicher Auflösung sowie einer Bildanalyse-Hard- und -Software,
die grundsätzlich jedoch auch durch eine fest verdrahtete Hardware gebildet sein kann,
und einen Digitalrechner, vorzugsweise einen Personalcomputer.
[0054] Für die aufgezeichneten Signale des Sensors werden mittels Bildanalyse die relevanten
Bildstellen des kompakten Messwertblocks ausgewählt und die aufgezeichneten Signale
beispielsweise mittels Matrizenoperationen in XYZ-Werte und nachfolgend in LAB-Werte
und Dichtewerte transformiert.
[0055] Für die Bestimmung der Flächenbedeckungen und des Passers werden die aufgenommenen
Signale in Binärbilder separiert und anschließend mittels eines merkmalspezifischen
Algorithmus ausgewertet.
[0056] Durch das Mitdrucken des kompakten Messfeldblocks nach Fig. 2 können durch den Einsatz
der Bildanalyse zum Auswerten der Messdaten bzw. des aufgenommenen Bildes mittels
eines einzigen Antastvorgangs auf kleinstem Raum im Satzspiegel die zur Produktqualifikation
und gegebenenfalls zu einer Diagnose notwendigen Merkmale am Druckerzeugnis bestimmt
werden. In kürzester Zeit ist damit die Gewinnung einer außerordentlich großen Zahl
von Qualitätsmerkmalen möglich.
[0057] Im dargestellten Beispiel für den Vierfarbendruck können pro Antastung des kompakten
Messfeldblocks sechs Passerwerte, vier Volltondichtewerte, vier Tonwertzunahmewerte,
drei Farbannahmewerte für die Grundfarben, vier Schiebe- und Dublierwerte sowie vier
Farbortsvektoren und vier Farbabstände der sekundären und tertiären Buntfarben, insgesamt
also 29 Mess- bzw. Kennwerte, ermittelt werden.
[0058] Die Figuren 3 und 4 zeigen Entscheidungsbäume, denen folgend anhand der gewonnenen
Qualitätsdaten eine Diagnose erstellt wird. Anhand dieser Entscheidungsbäume ist auch
eine Optimierung der Farbwiedergabe im mehrfarbigen Auflagendruck möglich. Die dargestellten
Entscheidungsbäume können noch verfeinert werden, indem weitere Qualitätsdaten, wie
etwa die Farbwerte der Grundfarben, Daten zur Farb- und Wasserführung an der Druckmaschine,
Temperatur des Farbmaterials, Lufttemperatur und -feuchtigkeit oder Bilddaten des
gedruckten Sujets mit einbezogen werden.
[0059] Generell ist zu bemerken, daß Farbabweichungen durch Verstellen der Farb- und/oder
der Feuchtmittelführung an der Druckmaschine korrigiert werden können. Alternativ
oder ergänzend ist es möglich, beim Herstellen der Farbauszüge in der Druckvorstufe
gezielte Korrekturen an den Flächenbedeckungen vorzunehmen (Tonwertkompensation).
Während sich das Verstellen der Druckmaschine auch zum Ausgleichen von kurzfristigen
Schwankungen der Farbwiedergabe anbietet, eignet sich die Tonwertkompensation in der
Druckvorstufe zur Korrektur von systematischen oder langfristig schwankenden Farbabweichungen.
[0060] Bezüglich bevorzugter Messfelder und Verfahren für solche Korrekturen werden die
DE 44 02 784 A1 und die DE 44 02 828 A1 in Bezug genommen.
[0061] Bei der Generierung einer Diagnose aufgrund der erhobenen Qualitätsdaten sollte deshalb
zwischen diesen beiden Strategien unterschieden werden. Es handelt sich hierbei um
zwei Entscheidungssituationen, nämlich einerseits um die Optimierung der Farbwiedergabe
in einer einzelnen Auflage und andererseits um die Optimierung der Farbwiedergabe
über mehrere Auflagen. Fig. 3 zeigt dementsprechend einen Entscheidungsbaum für den
Druck einer Auflage und Fig. 4 einen Entscheidungsbaum für den Druck mehrerer Auflagen.
[0062] Die Verzweigungen stellen jeweils Zufallspunkte dar. Bei jeder Verzweigung wird aufgrund
der ermittelten Qualitätsdaten entschieden, auf welchem Pfad weiter nach rechts vorangegangen
wird. Hierbei existieren sowohl exklusive Verzweigungen, bei denen jeweils nur ein
weiterführender Pfad beschritten werden soll, als auch nicht exklusive Verzweigungen,
bei denen ein Fortschritt auf mehr als einem weiterführenden Pfad möglich ist. Beim
Optimieren der Farbwiedergabe über mehrere Auflagen (Fig. 4) kann es vorkommen, daß
eine Farbabweichung durch eine Störung der Tonwertzunahme und eine Trapping-Störung
hervorgerufen wird. In diesem Fall können sowohl das die Farbabweichung verursachende
Rheologieproblem und die Trappingstörung behoben werden, d.h. es handelt sich um eine
nicht exklusive Verzweigung im Zufallspunkt.
[0063] Im Störungsfall endet jeder Pfad im Entscheidungsbaum auf der rechten Seite mit einer
Handlungsempfehlung. Je nach Situation kommt eine Korrektur der Farb- und der Feuchtmittelführung
oder eine Kombination beider Korrekturen, das Beheben eines farbmaterialbezogenen
Rheologieproblems, das Beheben einer Trappingstörung, das Beheben von Schieben oder
Dublieren, das Nachkalibrieren der Druckkennlinien der Einzelfarben oder das Nachkalibrieren
des Farbprofils im Sinne des Color-Managements in Frage.
[0065] Eine weitere Differenzierung der Handlungsempfehlungen ist ebenfalls möglich. So
kann beispielsweise die Aufforderung zum Beheben von Schieben oder Dublieren auch
noch mit einem Hinweis auf mögliche Ursachen, z.B. auf die Bahnspannung, Papiereigenschaften
oder die Eigenschaften von Gummitüchern, ergänzt werden.
[0066] Beide beispielhaft dargestellten Entscheidungsbäume zeigen, wie durch wirksame und
aussagekräftige Datenverdichtung automatisch eine Qualitätsbewertung und, im Falle
allzu großer Abweichungen, eine Diagnose verbunden mit einer Handlungsempfehlung generiert
wird. Es wird sich nicht damit begnügt, beispielsweise pro Merkmal die bekannten auflagenbezogenen
statistischen Kennwerte wie Minimum, Maximum, Mittelwert und Streuung automatisch
zu berechnen und auszugeben.
[0067] Durch den Einsatz erfindungsgemäßer Messfelder oder kompakter Messfeldblöcke oder
einer Kombination daraus im Verbund mit Bildanalyse und Entscheidungsbaum ist es möglich,
die auf Densitometrie und Farbmetrik basierenden herkömmlichen Werkzeuge der Optimierung
der Farbwiedergabe mit den neuen Werkzeugen des Color-Managements zu einem Gesamtsystem
zu vereinigen.
[0068] Sollten die Qualitätsdaten stark verrauscht sein, d.h. praktisch nur zufällige Abweichungen
beinhalten, kann eine Handlungsempfehlung nicht mehr eindeutig abgeleitet werden.
In diesem Fall wird weitergemessen, oder es werden zusätzliche Qualitätsdaten herangezogen.
Beispielhaft sei die Situation genannt, bei der über mehreren Auflagen Farbschwankungen
im mehrfarbigen Übereinanderdruck auftreten, die nicht reproduzierbar sind. Es werden
dann weitere Auflagen gedruckt und ausgemessen.
[0069] Als Alternative zum Entscheidungsbaum können zum Ableiten der Diagnose und der Handlungsempfehlungen
auch neuronale Netze oder Algorithmen der unscharfen Logik (Fuzzy-Logik) oder eine
Kombination daraus eingesetzt werden. Insbesondere die neuronalen Netze weisen den
Vorteil auf, daß sie anhand von Testmustern trainiert werden können.
Wenn zu jedem Satz von Qualitätsdaten die richtigen Handlungsempfehlungen bekannt
sind, kann einem solchen Netz das zum Erstellen einer Diagnose notwendige Expertenwissen
vermittelt werden, ohne daß für die Merkmale scharfe Sollwerte oder Toleranzen im
vorhinein festgelegt werden müssen. Ein solches Vorgehen kommt dem Umstand sehr entgegen,
das zahlenmäßiges Expertenwissen eher in unscharfer als in scharfer Form vorliegt.
[0070] In Fig. 5 sind zwei Messfeldblöcke mit integrierten Linien L dargestellt. Jeder der
beiden Messfeldblöcke weist zwei in Umfangsrichtung eines Druckzylinders hintereinander
oder in Längsrichtung des Druckzylinders nebeneinander angeordnete Messfelder A1 und
A2 auf. Bei den beiden Messfeldern A1 und A2 kann es sich beispielsweise um zwei Einzelfarben-
volltonfelder oder zwei Einzelfarbenrasterfelder in zwei verschiedenen Grundfarben
handeln. Die Messfelder A1 und A2 sind jeweils in der Art des Messfeldes nach Fig.
1, d.h. mit einer Farbmessfläche F und seitlichen Farbstreifen S gebildet.
[0071] Die beiden Messfeldblöcke nach Fig. 5 enthalten zusätzlich zu denen der Figuren 2
bis 2.3 zwei Gruppen von Linien L. Die eine Gruppe der Linien L weist in Umfangsrichtung
und die andere quer dazu in Längsrichtung des Druckzylinders, d.h. in Seitenrichtung.
[0072] In dem in Fig. 5 linken Messfeldblock sind je zwei Linien für das Umfangsregister
und das Seitenregister vorgesehen. Im Falle eines Zweifarbendrucks genügen die vier
Linien L des linken Messfeldblocks bereits vollständig zur Bestimmung von Registerabweichungen
in Umfangs- und Seitenrichtung. Dabei ist eine der beiden in Umfangsrichtung und eine
der beiden in Seitenrichtung verlaufenden Linien L in der Referenzfarbe und die jeweils
andere Linie in der registerhaltig abzustimmenden weiteren Grundfarbe gedruckt. Aus
der Vermessung des Abstands zwischen den jeweils in die gleiche Richtung laufenden
beiden Linien L, im allgemeinen wird die zwischen diesen beiden Linien L eingeschlossene
Fläche ausgemessen, wird die Registerabweichung, d.h. der Passer, bestimmt.
Der rechte Messfeldblock von Fig. 5 weist zur Bestimmung von Registerabweichungen
in Umfangsrichtung eine dritte Linie L auf. Von den drei in Umfangsrichtung verlaufenden
Linien L sind zwei in der Referenzfarbe gedruckt und die dritte in der weiteren Grundfarbe.
In Seitenrichtung sind wiederum lediglich zwei Linien L, je eine für die Referenzfarbe
und eine für die weitere Grundfarbe, vorgesehen. Indem für die Referenzfarbe in Umfangsrichtung
zwei Linien L im Messfeldblock mitgedruckt sind, kann messgeräteunabhängig durch das
Auswerteverfahren ein Abgleich der Messungen durchgeführt werden. Das Verfahren "weiß"
aufgrund der zwei Linien L in der Referenzfarbe, d.h. wegen der Referenzmessung, wie
stark die für die weitere Grundfarbe aufgenommenen Messwerte vom Sollwert abweichen.
[0073] Die beiden Messfeldblöcke der Fig. 5 stellen, falls ein Messfeldblock mit integrierten
Linien verwendet werden soll, Minimalkonfigurationen dar, in dem Sinne, dass zur Bestimmung
einer Registerabweichung wenigstens zwei Linien L in für jede Richtung, in der eine
Registerabweichung ermittelt werden soll, enthalten sind. Es kann sich dabei um die
beiden einzigen Grundfarben im Falle eines Zweifarbendrucks handeln oder aber um zwei
beliebige Grundfarben, falls im Druck mehr als nur zwei unterschiedliche Grundfarben
verwendet werden. Im letzteren Falle wären mehrere Messfeldblöcke in der Art nach
Fig. 5 erforderlich, um die Passerwerte bzw. Registerabweichungen für alle verwendeten
Grundfarben anhand integrierter Linien L ermitteln zu können.
[0074] Fig. 6 zeigt eine Erweiterung der in Fig. 5 dargestellten Messfeldblöcke. Mit dem
Messfeldblock der Fig. 6 können im Vierfarbendruck bereits sämtliche Passerwerte in
Seitenrichtung bestimmt werden, falls von den in Fig. 6 eingezeichneten Linien L in
Seitenrichtung in jeder der vier Grundfarben, einschließlich Schwarz, wenigstens eine
Linie L vorgesehen ist.
[0075] Falls es sich beim Messfeldblock nach Fig. 6 um einen Messfeldblock für einen Zweifarbendruck
handelt, sind zwei der insgesamt fünf eingezeichneten Messfelder als Einzelfarben-
volltonfelder, zwei weitere als Einzelfarbenrasterfelder, insbesondere Halbtonfelder,
und das fünfte Feld als geeignetes Kombinationsmessfeld ausgeführt. Der Messfeldblock
der Fig. 6 würde somit im Zweifarbendruck bereits sämtliche interessierenden Passerwerte
und eine Fülle von densitometrischen und farbmetrischen Werten mit einer einzigen
Antastung liefern. Ferner sind in diesem Fall in beiden Richtungen wenigstens je zwei
Linien L in der Referenzfarbe gedruckt.
[0076] Während in den Messfeldblöcken in Fig. 5 und 6 zwischen benachbarten Messfeldern
jeweils schmale, druckfreie Streifen der Breite b verbleiben, durch die bei exaktem
Passer mittig hindurch die Linien L verlaufen, sind beim Messfeldblock nach Fig. 7
die Messfelder soweit zusammengerückt, dass sie, exakter Passer vorausgesetzt, jeweils
stumpf bzw. bündig an die zwischen ihnen hindurchlaufenden Linien L anschließen. Es
verbleibt beim Messfeldblock nach Fig. 7 kein druckfreier Bereich zwischen den Messfeldern
A1 bis C2. Hierdurch kann Messblockfläche eingespart werden, allerdings ist der Rauschanteil
im Messignal gegenüber den Messfeldblöcken der Figuren 5 und 6 erhöht.
[0077] Figur 8 zeigt einen Messfeldblock mit integrierten Linien L, dessen Messfelder A1
bis D3 die gleiche Farbbelegung wie die des Messfeldblocks nach Fig. 2 aufweisen.
Im Messfeldblock integriert sind für jede der Druckfarben wenigstens eine Linie L
für jede der beiden Richtungen, in denen die Registerabweichungen bestimmt werden
sollen; vorzugsweise verlaufen die Linien L mittig zwischen den jeweils benachbarten
Streifen. In einer der beiden Richtungen können bei der dargestellten Anordnung eines
3 x 4-Messfeldblocks im Messfeldblock platzsparend fünf Linien L und in der anderen
Richtung vier Linien L vorgesehen sein, so dass zwei der in einer der beiden Richtungen
verlaufenden Linien L in der Referenzfarbe gedruckt sein können. Zusätzliche Linien
könnten beispielsweise zwischen benachbart verlaufenden Linien L vorgesehen sein.
Solch eine zusätzliche Linie L ist in Fig. 8 gestrichelt angedeutet.
[0078] Als weitere Ausführungsvariante ist in Fig. 9 ein Messfeldblock dargestellt, in dem
die Messfelder A1 bis D3, exakter Passer vorausgesetzt, unmittelbar aneinander stoßen.
Die Linien L verlaufen quer durch die Messfelder A1 bis D3. Der Messfeldblock nach
Fig. 9 ist, wie der Block nach Figur 7, einerseits zwar besonders kompakt, die Messwertsignale
zur Bestimmung der Registerabweichungen enthalten jedoch vergleichsweise hohe Rauschanteile,
die durch entsprechende Auswerteverfahren herauszufiltern sind.
[0079] In den Messfeldblöcken der Figuren 5 bis 9 dienen die Linien L vorzugsweise der Bestimmung
der Passerwerte und die seitlichen Farbstreifen S vorzugsweise zur Bestimmung von
Schiebe- und/oder Dublierwerten.
[0080] Der Abstand b zwischen zwei benachbarten Messfeldern beträgt idealerweise in etwa
0,5 mm mit etwa 0,1 mm breiten Linien L, d.h. der Abstand zwischen den Linien L und
den jeweils benachbarten Messfeldern beträgt dann in etwa 0,2 mm. Der Abstand b sollte
nicht mehr als etwa 1 mm betragen und sollte um möglichst rauschfreie Messignale erhalten
zu können auch nicht geringer als etwa 0,1 mm sein.
[0081] In den Messblöcken sollte im Falle eines idealen Passers a zwischen 0 und maximal
400 Mikrometer liegen, um die Fläche des Blocks klein zu halten. Ein zwischen dem
Seitenrand der Messfläche F und den jeweils benachbarten Streifen S gebildeter Abstand
beträgt vorteilhafterweise nicht mehr als 0,3 mm und ist in den Ausführungsbeispielen
etwa 0,1 mm, so dass zum einen das Messfeld zwar geringe Abmessungen aufweist, andererseits
aber dennoch Schieben und/oder Dublieren im vollen Umfang festgestellt werden kann.
[0082] Bei allen Bemessungsangaben handelt es sich nur um bevorzugte, die Erfindung nicht
limitierende Ausführungsbeispiele.
[0083] In den Messfeldblöcken der Figuren 5 bis 9 bilden sowohl die Messfelder als auch
die Linien L je ein Gitter, dessen Reihen und Spalten bzw. dessen Linien in Umfangsrichtung
und in Seitenrichtung weisen. Die beiden Gitter sind dabei übereinandergelegt. Ferner
sind die Linien L in Umfangsrichtung und auch die in Seitenrichtung parallel und gleich
beabstandet zueinander angeordnet. Andere Anordnungen der Linien L sind grundsätzlich
möglich, die exakte Ausrichtung in Umfangs- und Seitenrichtung und auch die Parallelität
sowie Abstandsgleichheit wird jedoch bevorzugt. Im konkreten Verwendungsfall kann
jedoch von jedem dieser Einzelmerkmale abgewichen werden.
1. Messfeldgruppe zur Erfassung von Qualitätsdaten im Mehrfarben-Auflagendruck mit optisch
abtastbar auf einem Druckerzeugnis aufgedruckten Messfeldern (A1-D3) mit je wenigstens
einer Farbmessfläche (F) zur Ermittlung einer Farbdichte, einer Flächenbedeckung oder
eines Farbwertes für jedes der Messfelder (A1-D3),
dadurch gekennzeichnet, daß
die Messfelder (A1-D3) zur gleichzeitigen Gewinnung von Schiebe- und Dublierwerten
und gegebenenfalls auch Passerwerten je wenigstens einen seitlichen Farbstreifen (S)
aufweisen, der im gleichen Druck zusammen mit der Farbmessfläche (F) seines Messfeldes
(A1-D3) gedruckt wird, in Bezug auf die Abmessungen der Farbmessfläche (F) seines
Messfeldes (A1-D3) schmal ist und in einem vorgegebenen, ebenfalls in Bezug auf die
Abmessungen dieser Farbmessfläche (F) geringen seitlichen Abstand zur Farbmessfläche
(F) verläuft.
2. Messfeldgruppe nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Messfelder (A1-D3)
je wenigstens zwei seitliche Farbstreifen (S) zur Bestimmung des Schiebens und Dublierens
in Umfangs- und Seitenrichtung aufweisen.
3. Messfeldgruppe nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Farbmessfläche
(F) und der Farbstreifen (S) des gleichen Messfeldes (A1-D3) durch eine farbfreie
Zone (Z) voneinander getrennt sind.
4. Messfeldgruppe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
der Farbstreifen (S) geradlinig randparallel zur Farbmessfläche (F) seines Messfeldes
(A1-D3) verläuft.
5. Messfeldgruppe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Farbmessflächen (F) und die Farbstreifen (S) rechteckig sind.
6. Messfeldgruppe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Farbmessflächen (F) nahe jedes ihrer Ränder einen Farbstreifen (S) aufweisen.
7. Messfeldgruppe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Messfelder (A1-D3), exakter Umfangs- und Seitenpasser vorausgesetzt, mit ihren
seitlichen Farbstreifen (S) stumpf aneinanderstoßend oder eng beabstandet in einem
vorgegebenen Abstand (a) einen kompakten Messfeldblock bilden.
8. Messfeldgruppe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
als Messfelder (A1-D3) Einzelfarbenvolltonfelder (B3, C2, D1) in den Grundfarben vorgesehen
sind.
9. Messfeldgruppe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
als Messfelder (A1-D3) Einzelfarbenrasterfelder (A3, B2, C1) vorgesehen sind, in denen
je eine der Grundfarben mit ihrem nominellen Flächendeckungsgrad gedruckt ist.
10. Messfeldgruppe nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Messfeldblock zur
Bestimmung von Werten für eine Registerabweichung Linien (L) in für einen Druck verwendeten
Grundfarben aufweist.
11. Messfeldgruppe nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens
eine der Linien (L) zwischen wenigstens zwei benachbarten Messfeldern (A1-D3) des
Messfeldblocks verläuft.
12. Messfeldgruppe nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass unmittelbar
beidseits der wenigstens einen Linie (L) zu den jeweils benachbart zu dieser Linie
(L) angeordneten Messfeldern (A1-D3) zumindest bei exaktem Register eine unbedruckte,
streifenförmige Fläche verbleibt.
13. Verfahren zur Erfassung von Qualitätsdaten im Mehrfarben-Auflagendruck, bei dem
a) wenigstens Einzelfarbenmessfelder (B3, C2, D1) in den Grundfarben umfassende Farbmessfelder
(A1-D3) auf ein Druckerzeugnis aufgedruckt werden, die je wenigstens eine zur Gewinnung
von Farbwerten oder Farbdichtewerten oder Flächenbedeckungen geeignete Farbmessfläche
(F) aufweisen,
b) die Messfelder (A1-D3) optisch abgetastet und
c) das remittierte Licht ausgewertet wird,
dadurch gekennzeichnet, daß
d) zur Bildung der Messfelder (A1-D3) je wenigstens ein Farbstreifen (S) zur Bestimmung
des Schiebens und Dublierens und gegebenenfalls des Passers im gleichen Druck zusammen
mit der Farbmessfläche (F) des Messfeldes (A1-D3) gedruckt wird, der in Bezug auf
die Abmessungen der Farbmessfläche (F) seines Messfeldes (A1-D3) schmal ist und in
einem vorgegebenen, ebenfalls in Bezug auf die Abmessungen der Farbmessfläche (F)
geringen seitlichen Abstand zur Farbmessfläche (F) verläuft, und daß
e) Schiebe- und Dublierwerte durch Vermessen von derart gebildeten Zonen (Z) je zwischen
der Farbmessfläche (F) und dem Farbstreifen (S) der einzelnen Messfelder (A1-D3) gewonnen
werden.
14. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, daß Passerwerte
durch Vermessen der relativen metrischen Lage von Farbstreifen (S) oder Farbmessflächen
(F) unterschiedlicher Messfelder (A1-D3) gewonnen werden.
15. Verfahren nach Anspruch 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, daß Messfelder (A1-D3)
und Linien (L) in den Grundfarben in einem Messfeldblock auf das Druckerzeugnis aufgedruckt
werden, die Linien (L) optisch abgetastet werden und das remittierte Licht ausgewertet
wird und dass daraus Passerwerte gewonnen werden.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß Bildstellen
des Druckerzeugnisses als Messfelder (A1-D3) dienen.
17. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, daß die Messfelder
(A1-D3) bildanalytisch erkannt werden.
18. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß mit einem
einzigen Messgerät sowohl Farbwerte und/oder Farbdichtewerte und/oder Flächenbedeckungen
als auch Passer- sowie Schiebe- und Dublierwerte aufgenommen und mittels eines anschließenden
Bildverarbeitungsprozesses diese Qualitätsdaten erfaßt und diagnostiziert sowie erforderlichenfalls
darauf aufbauend Schritte zur Verbesserung der Druckqualität eingeleitet werden.
19. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 18, dadurch gekennzeichnet, daß die Diagnose
einem in Form eines Computerprogramms vorgegebenen Entscheidungsbaum folgend erstellt
wird.
20. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 19, dadurch gekennzeichnet, daß die Diagnose
und die optional durchgeführte Berechnung einer Korrektur der Druckmaschineneinstellung
mit einem neuronalen Netz erstellt wird.
21. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 20, dadurch gekennzeichnet, daß die Diagnose
und die optional durchgeführte Berechnung einer Korrektur der Druckmaschineneinstellung
mit unscharfer Logik erstellt wird.