[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines hitzebeständigen Garns.
[0002] Siliziumdioxid (SiO
2) ist ein geeigneter Faserwerkstoff. Er zeichnet sich durch eine Temperaturfestigkeit
bis 1200° C aus und ist im Dauerbetrieb bei Temperaturen bis 1100° C einsetzbar. Er
besitzt eine geringe Wärmeleitfähigkeit, einen hohen elektrischen Widerstand und ist
chemisch beständig. Bei Übertemperaturen entstehen keine schädlichen Zersetzungsprodukte.
[0003] Hitzebeständige Garne, die ausschließlich aus SiO
2-Filamenten bestehen, sind bekannt. Für zahlreiche Anwendungen ist nachteilig, daß
die ausschließlich aus SiO
2-Filamenten bestehenden Garne eine große Dichte sowie eine glatte Oberfläche besitzen.
Versuche, durch Texturiereinrichtungen voluminösere Garne aus SiO
2-Filamenten herzustellen, führten nicht zum gewünschten Erfolg.
[0004] Verfahren zur Herstellung von Friktionsgarnen, die einen Kern aus Filamenten und
einen Mantel aus Stapelfasern aufweisen, sind seit langem bekannt (Firmendruckschriften
"DREF - die zeitgemäße Spinntechnologie" 9/79 und "Zweikomponenten-Garne mit Gewinn.
DREF3" der Firma Textilmaschinenfabrik Dr. Ernst Fehrer AG, A - 4021 Linz). Bei dem
bekannten Verfahren werden Filamente sowie unverfestigte Lunten aus Stapelfasern einem
Spinnaggregat zugeführt, welches zwei perforierte, gleichsinnig rotierend und mit
Saugeinsätzen ausgerüstete Spinntrommeln sowie eine Kardentrommel aufweist. Die von
den Lunten abgelösten Fasern, werden von einem Luftstrom unterstützt, im Zwickelbereich
zwischen den Spinntrommel abgelegt sowie durch einen Abwälzvorgang an der Oberfläche
der mit gleicher Drehrichtung umlaufenden Spinntrommel eingedreht. Dabei umwinden
sie die Filamente, die dem Spinnaggregat in Achsrichtung der Spinntrommeln zulaufen.
Als Stapelfasern sind Baumwollfasern und zahlreiche Synthesefasern, zum Beispiel Polyester-,
Polyamid-, Polypropylen- und Viskosefasern, einsetzbar. Ferner sollen einige Spezialfasern,
wie Fasern aus Kevlar, Nomex, Kohlenstoffasern und keramische (AL
2o
3) Fasern, einsetzbar sein.
[0005] Versuche, die nicht zum Stand der Technik gehören, haben gezeigt, daß Fasern aus
Siliziumdioxid (SiO
2-Fasern) nach dem bekannten Verfahren zur Herstellung eines Friktionsgarnes nicht
verarbeitet werden können. Siliziumdioxid ist ein glattes, sehr brüchiges Material.
Aufgrund dieser Materialeigenschaften ist die Zuführung der Stapelfasern in Form einer
unverfestigten Lunte schwierig und verursacht überdies erhebliche Störungen im Spinnaggregat.
Vor allem im Arbeitsbereich der Kardentrommel, der an die Kardentrommel anschließende
und begrenzende Prallflächen und Leitwände umfaßt, wurden erhebliche, auf Faserbruch
zurückzuführende Ablagerungen aus staubförmigem Fasermaterial festgestellt, welche
die weitere Zuführung der Stapelfasern zu den Spinntrommeln blockierten oder zumindest
stark störten.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren anzugeben, um ein Garn aus
SiO
2-Fasern herzustellen, das sich bei ausreichender Zugfestigkeit durch eine geringe
Materialdichte auszeichnet. Das Garn soll voluminös sein und eine flauschigere Oberfläche
als SiO
2-Filamentgarne aufweisen.
[0007] Gegenstand der Erfindung und Lösung dieser Aufgabe ist ein Verfahren zur Herstellung
eines hitzebeständigen Garns, wobei
aus SiO2-Stapelfasern durch Krempeln und mechanische Verfestigung ein Vliesstoff hergestellt
wird,
der Vliesstoff und SiO2-Filamente einem Spinnaggregat zugeführt werden, welches zwei perforierte, gleichsinnig
rotierende und mit Saugeinsätzen ausgerüstete Spinntrommeln sowie eine Kardentrommel
aufweist,
der mechanisch verfestigte Vliesstoff mittels der Kardentrommel wieder in Fasern aufgelöst
wird und
die abgelösten Fasern von einem Luftstrom unterstützt im Zwickelbereich zwischen den
Spinntrommel abgelegt sowie durch einen Abwälzvorgang an der Oberfläche der mit gleicher
Drehrichtung umlaufenden Spinntrommeln eingedreht werden und dabei die SiO2-Filamente, die dem Spinnaggregat in Achsrichtung der Spinntrommeln zulaufen, umwinden.
[0008] Die Verfestigung des SiO
2-Faservlieses unter Bildung des Vliesstoffes erfolgt vorzugsweise durch Vernadeln.
Die zu dem Vliesstoff verarbeiteten SiO
2-Stapelfasern weisen bevorzugt eine Faserdicke von 5 bis 10 Mikrometern und eine Faserlänge
von mehr als 10 Millimetern auf.
[0009] Die Erfindung setzt ein mit der Überlegung, ein Friktionsgarn herzustellen, das ausschließlich
oder zumindest im wesentlichen aus Siliziumdioxid besteht und einen zugfesten Kern
aus SiO
2-Filamenten sowie einen voluminösen Mantel aus SiO
2-Stapelfasern aufweist. Die eingangs beschriebenen technischen Probleme bei der Verarbeitung
von SiO
2-Stapelfasern zu einem Friktionsgarn, die der Fachmann aufgrund der Materialeigenschaften
von Siliziumdioxid erwarten mußte, treten überraschenderweise nicht auf, wenn die
SiO
2-Stapelfasern in Form eines mechanisch verfestigten Vliesstoffes dem Spinnaggregat
zugeführt werden. Dies ist um so überraschender, als eine mechanische Verfestigung
eines Faserflores eine zusätzliche Beanspruchung der Fasern darstellt, bei der eine
Schädigung der Fasern hätte erwartet werden können.
[0010] Für die weitere Verarbeitung des erfindungsgemäßen Garns im Zuge der Herstellung
von Geweben, Gewirken, Gestricken und Gelegen wird eine hohe Abriebsfestigkeit des
Garns gewünscht. Zur Verbesserung der Abriebsfestigkeit lehrt die Erfindung in weiterer
Ausgestaltung, daß der Vliesstoff einem in Durchlaufrichtung der Filamente vorderen
Abschnitte der Kardentrommel zugeführt wird und daß eine Faserlunte aus einem abriebfesteren,
schwer entflammbaren Fasermaterial einem hinteren Abschnitt der Kardentrommel zugeführt
wird, dessen Fasern die SiO
2-Fasern als Schutzumhüllung umwinden. Vorzugsweise besteht die Schutzumhüllung aus
Polyesterfasern, schwer entflammbaren Cellulose-Chemiefasern, hochtemperaturbeständigen
organischen Fasern oder einer Mischung dieser Fasern. Zu den hochtemperaturbeständigen
organischen Fasern gehören insbesondere Fasern aus vollaromatischen Polyamiden, vorzugsweise
Aramid-Fasern. Die genannten Materialien zeichnen sich durch eine gute Zugfestigkeit
und ausreichende Elastizität aus und sind in einem aerodynamisch-mechanischen Friktionsspinnverfahren
gut verarbeitbar. Zur Bildung einer Schutzumhüllung, welche die Abriebsfestigkeit
des SiO
2-Friktionsgarns verbessert, ist eine Fasermenge ausreichend, die im Vergleich zu der
insgesamt verarbeiteten Fasermenge verhältnismäßig klein ist. Vorzugsweise beträgt
der Anteil der Schutzumhüllung bezogen auf den SiO
2-Anteil des Garns weniger als 10 Gewichtsprozent. Das erfindungsgemäße Verfahren zeichnet
sich dadurch aus, daß die abriebsfeste Schutzumhüllung im Spinnaggregat erfolgt und
eine zusätzliche Beschichtungsstation nicht erforderlich ist. Der anlagentechnische
Aufwand ist gering.
[0011] Im folgenden wird die Erfindung anhand einer lediglich ein Ausführungsbeispiel darstellenden
Zeichnung ausführlich erläutert. Die einzige Figur zeigt das Verfahrensschema sowie
ein Spinnaggregat zur Herstellung eines hitzebeständigen Garns, welches einen Kern
aus SiO
2-Filamenten, einen Mantel aus SiO
2-Stapelfasern und eine Schutzumhüllung aus einem abriebfesten, schwer entflammbaren
Fasermaterial aufweist.
[0012] Das Spinnaggregat weist zwei perforierte, gleichsinnig rotierende und mit Saugeinsätzen
1 ausgerüstete Spinntrommeln 2 sowie eine Kardentrommel 3 auf. Die SiO
2-Filamente 4 laufen dem Spinnaggregat in Achsrichtung der Spinntrommeln 2 zu. Ein
durch Krempeln und mechanische Verfestigung gebildeter Vliesstoff 5 aus SiO
2-Stapelfasern wird einem in Durchlaufrichtung der Filamente 4 vorderen Abschnitt der
Kardentrommel 3 zugeführt. Die mechanische Verfestigung des Vliesstoffes 5 besteht
vorzugsweise in einer Vernadelung. Die SiO
2-Stapelfasern des Vliesstoffes 5 haben zweckmäßig eine Faserdicke von 5 bis 10 Mikrometern
und besitzen eine Faserlänge von mehr als 10 Millimetern. Der mechanisch verfestigte
Vliesstoff 5 wird mittels der Kardentrommel 3 wieder in Fasern 6 aufgelöst, wobei
die abgelösten Fasern 6 von einem Luftstrom unterstützt im Zwickelbereich zwischen
den Spinntrommeln 2 abgelegt sowie durch einen Abwälzvorgang an der Oberfläche der
mit gleicher Drehrichtung umlaufenden Spinntrommeln 2 eingedreht werden. Dabei umwinden
die Stapelfasern 6 die dem Spinnaggregat in Achsrichtung der Spinntrommeln 2 zulaufenden
SiO
2-Filamente 4 und bilden einen voluminösen Mantel aus SiO
2-Stapelfasern.
[0013] An einem in Durchlaufrichtung der Filamente hinteren Abschnitt der Kardentrommel
3 wird eine unverfestigte Faserlunte 7 aus einem abriebfesteren Fasermaterial zugeführt,
dessen Fasern mittels der Kardentrommel 3 abgelöst werden und den aus SiO
2-Stapelfasern gebildeten Mantel als Schutzumhüllung umwinden. Die Lunte stellt einen
losen, auf einer Karde hergestellten Faserverbund dar. Als Fasermaterialien kommen
Polyesterfasern, schwer entflammbare Cellulose-Chemiefasern sowie hochtemperaturbeständige
organische Fasern, insbesondere Aramid-Fasern, in Betracht. Diese können allein oder
in einer Mischung eingesetzt werden. Die Fasermenge der Lunte 7 ist so bemessen, daß
der Anteil der Schutzumhüllung bezogen auf den SiO
2-Anteil des Garns weniger als 10 Gewichtsprozent beträgt.
1. Verfahren zur Herstellung eines hitzebeständigen Garns, wobei
aus SiO2-Stapelfasern durch Krempeln und mechanische Verfestigung ein Vliesstoff (5) hergestellt
wird,
der Vliesstoff (5) und SiO2-Filamente (4) einem Spinnaggregat zugeführt werden, welches zwei perforierte, gleichsinnig
rotierende und mit Saugeinsätzen (1) ausgerüstete Spinntrommeln (2) sowie eine Kardentrommel
(3) aufweist,
der mechanisch verfestigte Vliesstoff (5) mittels der Kardentrommel (3) wieder in
Fasern (6) aufgelöst wird und
die abgelösten Fasern (6) von einem Luftstrom unterstützt im Zwickelbereich zwischen
den Spinntrommeln (2) abgelegt sowie durch einen Abwälzvorgang an der Oberfläche der
mit gleicher Drehrichtung umlaufenden Spinntrommeln (2) eingedreht werden und dabei
die SiO2-Filamente (4), die dem Spinnaggregat in Achsrichtung der Spinntrommeln (2) zulaufen,
umwinden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Verfestigung des Vliesstoffes (5) durch Vernadeln
erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei die SiO2-Stapelfasern eine Faserdicke von 5 bis 10 Mikrometern und eine Faserlänge von mehr
als 10 Millimetern aufweisen.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei der Vliesstoff (5) einem in Durchlaufrichtung
der Filamente vorderen Abschnitt der Kardentrommel (3) zugeführt wird und wobei eine
Faserlunte (7) aus einem abriebfesteren, schwer entflammbaren Fasermaterial einem
hinteren Abschnitt der Kardentrommel (3) zugeführt wird, dessen Fasern die SiO2-Fasern als Schutzumhüllung umwinden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, wobei die Schutzumhüllung aus Polyesterfasern, schwer entflammbaren
Cellulose-Chemiefasern oder hochtemperaturbeständigen organischen Fasern oder aus
einer Mischung dieser Fasern besteht.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5, wobei der Anteil der Schutzumhüllung bezogen auf
den SiO2-Anteil des Garns weniger als 10 Gewichtsprozent beträgt.