[0001] Die Erfindung betrifft einen Schraubenkompressor nach dem Gattungsbegriff des Patentanspruches
1.
[0002] Schraubenkompressoren für insbesondere stationäre Anlagen werden üblicherweise im
Dauerbetrieb betrieben. Hierbei stellt sich an der üblicherweise als Nutring oder
im Querschnitt L-förmig ausgebildeten Dichtung ein stationäres Druckverhältnis ein,
welches relativ niedrig ist. Die Dichtung kann unter diesen günstigen Betriebsbedingungen
hohe Standzeiten erreichen.
[0003] Bei Schraubenkompressoren dagegen, welche insbesondere zum Intervallbetrieb für die
Druckluftversorgung von Schienenfahrzeugen vorgesehen sind, muß die Dichtung gänzlich
andersartigen, hohen Belastungen standhalten. Der Schraubenkompressor muß zur Druckluftversorgung
des Schienenfahrzeuges in dessen Druckluft-Vorratsbehälter einen Druck von ca. 8-11
bar aufrechterhalten. Derartige Kompressoren können im Intervallbetrieb bis zu etwa
dreißig mal je Stunde ein- und ausgeschaltet werden, wobei das Ausschalten mit einem
Stillstand des Schraubenkompressors verbunden ist. Aus dieser Betriebsweise des Schraubenkompressors
ergibt sich, daß die Abdichtung bei jedem Abstellen des Kompressors durch Rückexpansion
der Druckluft schraubenseitig mit ca. 9 bar beaufschlagt wird; anschließend erfolgt
ein ggfs. mehrstufiger und mit unterschiedlichen Druckabsenkungsgradienten erfolgender
Druckabbau im Saugraum bis beispielsweise ca. 2 bar oder bis auf Umgehungsdruck. Wird
nachfolgend der Schraubenkompressor wieder gestartet, so können also noch einige bar
Druck im Saugraum vorhanden sein, es muß also auch druckbeaufschlagt gestartet werden.
Bei dieser Betriebsweise muß die Dichtung auch sicherstellen, daß kein Öl aus dem
Saugraum bzw. der Drehlagerung zur Atmosphäre austritt. Die Abdichtung muß daher mit
beachtlicher Vorspannung ausgestattet werden, zusätzlich besteht die Gefahr, daß sie
unter der hohen Differenzdruckbelastung durchgedrückt wird. Die Abdichtung ist somit
verschleiß- und beschädigungsgefährdet, es besteht die Gefahr, daß sie bereits nach
relativ kurzer Betriebszeit ausgetauscht werden muß. Zum Austauschen dieser Abdichtung
können jedoch, je nach Einbausituation des Schraubenkompressors, bei relativ niedrigen
Materialkosten sehr umfangreiche und dementsprechend teuere Montagearbeiten erforderlich
sein, welche zudem entsprechend lange Stillstandszeiten des Schienenfahrzeuges bedingen.
[0004] Es ist demgemäß Aufgabe der Erfindung, einen Schraubenverdichter der eingangs genannten
Art mit einfachen Mitteln auch hinsichtlich der Abdichtung für lange, wartungsfreie
Betriebszeiten geeignet und leckölsicher auszugestalten.
[0005] Diese Aufgabe wird nach der Erfindung dadurch gelöst, daß die Abdichtung zwei axial
zueinander versetzte funktionsgleiche Dichtringe aufweist, zwischen welchen sich ein
ölvorgefüllter Ölraum befindet, und daß vom Ölraum ein Steigrohr zu einer an den Saugraum
angeschlossenen Saugleitung führt und in diese an einer zum Ölraum höher gelegenen
Stelle einmündet.
[0006] Die Unteransprüche zeigen nach der weiteren Erfindung vorteilhafte und zweckmäßige
Ausgestaltungsmöglichkeiten für einen derartigen Schraubenkompressor.
[0007] Die Erfindung ist nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme
auf die beigefügte Zeichnung erläutert.
[0008] In Fig. 1 ist ein Schnittbild durch das saugraumseitige Ende eines Schraubenkompressors
gemäß bisheriger Ausbildung dargestellt; die Figur 2 zeigt demgegenüber schematisch
und in vergrößertem Maßstab die erfindungswesentlichen Teile eines Ausführungsbeispiels
eines nach der Erfindung ausgebildeten Schraubenkompressors.
[0009] In Fig. 1 sind die saugraumseitigen Enden zweier Schrauben 1 und 2 eines Schraubenkompressors
dargestellt. Der Saugraum 3 desselben befindet sich innerhalb eines Gehäuses 4 mit
einer stirnseitigen Trennwand 5 zur umgebenden Atmosphäre. In den Saugraum 3 mündet
wie üblich ein (in Fig. 1 nicht dargestelltes) Saugrohr, durch welches die vom Schraubenkompressor
zu verdichtende Luft von der Atmosphäre in den Saugraum 3 strömen kann. Die Schraube
1 endet mit einem Wellenstummel 6, der die Trennwand 5 durchsetzt und vermittels eines
Wälzlagers 7 in der Trennwand 5 drehgelagert ist. Atmosphärenseitig ist an der Trennwand
5 ein Lagerdeckel 8 vermittels nicht dargestellter Befestigungsmittel, beispielsweise
Schrauben, gehaltert; der Lagerdeckel 8 ist mit einer Bohrung 9 versehen, welche mit
Spiel vom Wellenstummel 6 durchragt ist. In der Bohrung 9 ist ein Dichtring 10 gehaltert,
der mit Eigenspannung am Wellenstummel 6 anliegt; er kann in seinem Anlagebereich
eine dem Wälzlager 7 zugewandte Dichtlippe aufweisen. Atmosphärenseitig ist der Wellenstummel
6 mit einem nicht dargestellten Antriebsmotor für den Schraubenkompressor gekoppelt.
Die Schraube 2 ist mit einem nur kurzen Wellenstummel 11 versehen, der vermittels
eines weiteren Wälzlagers 12 in der Trennwand 5 drehgelagert ist; der Lagerdeckel
8 deckt die Drehlagerung der Schraube 2 atmosphärenseitig dicht ab.
[0010] Bei dem insoweit wie üblich ausgebildeten Schraubenkompressor nach Fig. 1 ist erkennbar,
daß bei einem Intervallbetrieb der vorstehend geschilderten Art, wie er für die Druckluftversorgung
von Schienenfahrzeugen erforderlich ist, der Dichtring 10 beim Abstellen des Schraubenkompressors
anfänglich mit dem vollen Differenzdruck von beispielsweise 9 bar zwischen dem Saugraum
3 und der Atmospäre belastet wird, daß nachfolgend während der Stillstandzeit des
Schraubenkompressors dieser Differenzdruck ggfs. mehrstufig und mit unterschiedlichen
Druckabsenkungsgradienten absinken kann, daß aber nachfolgend beim Wiederstart des
Schraubenkompressors dieser bei noch anstehendem Differenzdruck am Dichtring 10 von
ca. 2 bar erfolgt. Im nachfolgenden Kompressionsbetrieb sinkt der Druck im Saugraum
3 auf zumindest Atmosphärendruck ab. Bei diesen Belastungszyklen muß der Dichtring
10 einerseits steif genug sein, um den hohen, auf ihn einwirkenden Differenzdrücken
widerstehen zu können, andererseits zum Erfüllen seiner Abdichtfunktion aber auch
mit hoher Pressung am Wellenstummel 6 anliegen. Es besteht somit infolge der erforderlichen,
relativen Steifheit des Dichtringes 10 die Gefahr eines raschen Verschleißes oder
dessen Einschleifens in den Wellenstummel 6. Bei auch nur geringfügigem Unrundlaufen
des Wellenstummels 6 sind besonders rasch eintretende, derartige Schäden zu erwarten.
Zusammenfassend besteht somit die Gefahr, daß der Dichtring 10 bereits nach nur kurzer
Betriebszeit des Schraubenkompressors undicht wird und insbesondere auch einen unzulässig
hohen Leckölstrom durchläßt.
[0011] Aus Fig. 2 ist demgegenüber ersichtlich, daß im Lagerdeckel 8 - es ist nur ein den
Wellenstummel 6 umgebender Abschnitt desselben dargestellt - durch die Anordnung zweier
axial zueinander versetzter Dichtringe 13 und 14 ein Ölraum 15 zwischen diesen beiden
Dichtringen geschaffen ist. Der drehlagerseitige Dichtring 13 ist im Querschnitt etwa
L-förmig ausgebildet und liegt mit seiner drehlagerseitigen Dichtlippe 16 unter Eigenspannung
am Wellenstummel 6 an. Er ist derart ausgebildet, daß er die auftretende Druckdifferenz
zwischen dem Saugraum und der Atmosphäre sicher aufzunehmen vermag. Durch Ölvorbefüllung
im Ölraum 15 kann sich ein Schmiermittelfilm an der Anlagestelle des Dichtringes 13
am Wellenstummel 6 ausbilden, wodurch der Verschleiß am Dichtring 13 entscheidend
vermindert, ein Einschleifen des Dichtringes 13 in den Wellenstummel 6 ausgeschlossen
und der Reibungswiderstand zwischen beiden wesentlich vermindert wird. Der andersseitige,
zweite Dichtring 14 weist eine der Dichtlippe 16 des Dichtringes 13 entsprechende
Dichtlippe 17 und zusätzlich, ölraumabgewandt, eine etwa radial verlaufende, ebenfalls
unter Eigenspannung am Wellenstummel 6 anliegende Dichtkante 18 auf. Die Dichtlippe
17 dieses Dichtringes 14 braucht nur sehr geringen Differenzdrücken zu widerstehen.
Die erwähnte zusätzliche Dichtkante 18 schließt ein Eindringen von Verschmutzungen
und Feuchtigkeit in den Bereich zwischen Dichtring 14 und Wellenstummel 6 oder gar
bis zum Ölraum 15 aus. Der Dichtring 14 kann somit ebenfalls eine hohe Betriebszeit
mit nur äußerst kleinem Ausfallrisiko erreichen.
[0012] Der Ölraum 15 ist ölvorgefüllt, von seiner Oberseite geht ein Steigrohr 19 aus, welches
radial in die Saugleitung 20 einmündet. Die Saugleitung 20 ihrerseits mündet, wie
vorstehend bereits erwähnt, in nicht dargestellter Weise in den Saugraum 3 des Schraubenkompressors
ein. Die Einmündung des Steigrohres 19 in die Saugleitung 20 befindet sich an einer
Stelle, welche höher gelegen ist als der Ölraum 15.
[0013] Im Ölraum 15 herrscht bei allen Betriebs- und Stillstandszuständen des Schraubenkompressors
etwa Atmosphärendruck; der, wie vorstehend erwähnt, gut geschmierte Dichtring 13 hält
etwaigen Überdruck fern. Durch den Dichtring 13 aus dem Saugraum 3 zum Ölraum 15 eventuell
durchtretendes Lecköl wird durch das Steigrohr 19 in die Saugleitung 20 gefördert
und gelangt durch diese zum Schraubenkompressor zurück. Die beiden Dichtringe 13 und
14 werden so unter jeweils optimalen Bedingungen betrieben, es ist somit auch während
eines langen Intervallbetriebes des Schraubenkompressors eine störungsfreie Funktion
dieser Dichtringe 13 und 14 zu erwarten, so daß durch diese keine aufwendigen Wartungs-
und Montagearbeiten bedingt werden.
[0014] Der Ölraum 15 wird mit Öl vorgefüllt. Das Einfüllen kann durch eine (nicht dargestellte)
Öleinfüllöffnung mit Verschlußschraube erfolgen; in Abänderung ist es auch möglich,
anstelle der Öleinfüllöffnung mit Verschlußschraube im Bereich des Steigrohres 19
eine (nicht dargestellte) dicht verschließbare Einrichtung zum Öleinfüllen in den
Ölraum 15 vorzusehen.
[0015] In weiterer Abänderung des Erfindungsgegenstandes ist es möglich, die Dichtringe
13 u. 14 sowie den Ölraum 15 nicht in einem Lagerdeckel 8, sondern unmittelbar in
der Trennwand 5 des Schraubenkompressors anzuordnen.
Bezugszeichenliste
[0016]
- 1
- Schraube
- 2
- Schraube
- 3
- Saugraum
- 4
- Gehäuse
- 5
- Trennwand
- 6
- Wellenstummel
- 7
- Wälzlager
- 8
- Lagerdeckel
- 9
- Bohrung
- 10
- Dichtring
- 11
- Wellenstummel
- 12
- Wälzlager
- 13
- Dichtring
- 14
- Dichtring
- 15
- Ölraum
- 16
- Dichtlippe
- 17
- Dichtlippe
- 18
- Dichtkante
- 19
- Steigrohr
- 20
- Saugleitung
1. Schraubenkompressor, insbesondere zum Intervallbetrieb für die Druckluftversorgung
von Schienenfahrzeugen, mit wenigstens einer Schraube (1), die saugseitig mit einem
eine Trennwand (5) von einem Saugraum (3) zur Atmosphäre durchsetzenden Wellenstummel
(6) endet, wobei der Wellenstummel (6) axial zueinander versetzt schraubenseitig eine
Drehlagerung und atmosphärenseitig eine Abdichtung zur Trennwand (5) aufweist, dadurch gekennzeichnet, daß die Abdichtung zwei unter axialem Abstand geführte, am Wellenstummel (6) unter
Eigenspannung anliegende Dichtringe (13,14) aufweist, zwischen welchen sich ein ölvorgefüllter
Ölraum (15) befindet, und daß vom Ölraum (15) ein Steigrohr (19) zu der an den Saugraum
(3) des Schraubenkompressors angeschlossenen Saugleitung (20) führt und in diese an
einer zum Ölraum (15) höher gelegenen Stelle einmündet.
2. Schraubenkompressor nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der drehlagerzugewandte Dichtring (13) mit einer im Querschnitt L-artigen, unter
elastischer Eigenspannung am Wellenstummel (6) anliegenden Dichtlippe (16) und der
andere Dichtring (14) mit einer im wesentlichen funktionsgleichen Dichtlippe (17)
und zusätzlich, ölraumabgewandt, mit einer etwa radial verlaufenden, ebenfalls unter
Eigenspannung am Wellenstummel (6) anliegenden Dichtkante (18) versehen ist.
3. Schraubenkompressor nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Abdichtung in einem den Wellenstummel (6) umgebenden, an die Trennwand (5)
atmosphärenseitig dicht anflanschbaren Lagerdeckel (8) ausgebildet ist.
4. Schraubenkompressor nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Ölraum (15) zum Zwecke des Vorfüllens mit einer verschließbaren Öleinfüllöffnung
verbunden ist.
5. Schraubenkompressor nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß sich die Öleinfüllöffnung am Steigrohr (19) befindet.
6. Schraubenkompressor nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet , daß sich die Öleinfüllöffnung oberhalb des Ölraumes (15) befindet.