[0001] Die Erfindung betrifft eine Webmaschine mit Vorrichtungen zum Aufnehmen und Führen
von aktiv und passiv tätigen Schaftstangen nach den Merkmalen des Oberbegriffs von
Anspruch 1.
[0002] Bekannt ist, daß die zur Webfachbildung nicht benötigten Schaffstangen, d.h. die
passiv tätigen Schaftstangen, aus dem Antriebsbereich der Webschäfte geschwenkt und
entweder in einem an dem Umlenkhebel der betreffenden Schaftstange vorhandenen Klemmittel
mechanisch arretiert werden oder an einer außerhalb des Bewegungsbereiches der Webschäfte
angeordneten sogenannten Magnetleiste gehalten werden, siehe auch DE 195 48 848 C1.
[0003] Im Falle der mechanischen Arretierung treten aufgrund von aus dem Webprozeß resultierenden
Maschinenschwingungen zwischen Schaffstange und dem betreffenden arretierenden Mittel
am Umlenkhebel Verschleißerscheinungen auf, die zum Lösen der Arretierung führen.
Dies kann zu erheblichen mechanischen Beschädigungen im Bereich von Schaftstangen
und Webschäften führen.
Ferner besteht bei dieser Arretierungsart von passiv tätigen Schaftstangen immer die
Notwendigkeit des manuellen Eingreifens durch die Bedienperson der Webmaschine.
Bei einer Änderung der Schäftezahl z.B. muß der Bediener die Schaftstangen manuell
arretieren bzw. entarretieren, was sich ergonomisch als nachteilig erweist.
[0004] Im Falle der magnetischen Arretierung werden die nicht an der Webfachbildung beteiligten
Schaftstangen, also die passiv tätigen Schaftstangen, von dem Umlenkhebel um ihren
Anlenkpunkt am Umlenkhebel weggeschwenkt und mit permanent magnetisch wirkenden Haltemitteln
verbunden.
[0005] Als nachteilig haben sich auch bei dieser technischen Lösung die Eigenschwingungen
der Webmaschine erwiesen; es kann zum Lösen der Schaffstangen von den magnetischen
Mitteln kommen. Die betreffenden Schaffstangen verursachen dann die vorstehend genannten
Beschädigungen.
Längerer Maschinenstillstand wegen Reparaturen und im Zusammenhang damit Produktionsausfall
sind die Folgen.
[0006] Die bekannten Haltevorrichtungen besitzen ferner den Nachteil, daß im Zuge von Schaftwechsel
die bislang passiv tätigen Schaftstangen nicht derart vorpositioniert gehalten sind,
daß bei einem Einsetzen der Webschäfte in die Webmaschine die schaftstangenseitigen
Kupplungsmittel nicht ohne manuelles Zutun mit dem betreffenden schaftseitigen Kupplungsmittel
verbindbar ist.
[0007] Bekannt ist aus der europäischen Patentanmeldung 0 598 163 A1 ferner eine Vorrichtung
zur Aufnahme von Schaftstangen und eine Webmaschine mit einer solchen Vorrichtung.
Der Gegenstand dieser Anmeldung stellt darauf ab, die passiv tätigen Schaftstangen
einer Webmaschine in einer außerhalb des Bewegungsbereiches der aktiv tätigen Schaftstangen
vorgesehenen Vorrichtung aufzunehmen und darin beweglich zu halten.
Eine derartige Vorrichtung ist nicht dazu vorgesehen und geeignet, die passiv tätigen
Schaftstangen mit ihren Kupplungsmitteln derart in der Vorrichtung zu halten, daß
ein Kuppeln mit den schaftseitigen Kupplungsmitteln ohne Zutun durch das Bedienpersonal
der Webmaschine oder ohne Einsatz zusätzlicher Vorkehrungen möglich ist.
[0008] Aufgabe der Erfindung ist es daher, die Nachteile des Standes der Technik zu vermeiden
und Vorrichtungen zur Aufnahme und Führung sowohl der passiv als auch der aktiv tätigen
Schaftstangenpaare zu schaffen, in denen im Falle eines Schaftwechsels die jeweiligen
Schaftstangenpaare mit ihren schaftstangenseitigen Kupplungsmitteln in einer definierten
Position gehalten werden, um den Kupplungsvorgang mit den webschaftseitigen Kupplungsmitteln
ohne manuellen Eingriff vollziehen zu können.
[0009] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die kennzeichnenden Merkmale des Patentanspruchs
1 gelöst.
Erfindungswesentlich ist danach, daß sowohl die aktiv tätigen als auch die passiv
tätigen Schaftstangenpaare gemeinsam in seitlichen, außerhalb des Bewegungsbereichs
der Schaftstangen angeordneten Längsführungselementen geführt bzw. gehalten werden.
Eine bestimmte Anzahl von Längsführungselementen bildet dabei zusammen eine erste
und eine zweite Führungs- und Haltevorrichtung aus, die an jeweils einer auf Unterverbindern
der Webmaschine montierten Trägerplatte angeordnet sind.
[0010] Erfindungswesentlich ist ferner, daß jedes Längsführungselement eine kreisbogenförmig
ausgebildete Längsführung aufweist, die beliebiger geometrischer Querschnittsform
sein kann, vorzugsweise jedoch einfacher geometrischer Form ist, in der ein mit der
jeweiligen Schaftstange verbundenes Führungselement beweglich geführt bzw. gehalten
wird.
Dabei ist es unerheblich, ob es sich bei den Schaftstangen um aktiv tätige Schaftstangenpaare
oder um passiv tätige Schaftstangenpaare handelt. Entscheidend ist, daß die Schaftstangenpaare
auch dann im wesentlichen in vertikaler Position in den Führungen gehalten werden,
wenn eine Verbindung mit den Webschäften nicht besteht.
Damit entfällt insbesondere bei Webmaschinen, deren Webschäfte automatisch mit dem
betreffenden Schaftstangenpaar verbunden werden können, ein manuelles Ausrichten der
Schaftstangenpaare bzw. deren Kupplungsmittel auf die Kupplungsmittel des betreffenden
Webschaftes.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß Maschinenschwingungen keinen Einfluß mehr
auf die Halterung der passiv tätigen Schaftstangenpaare ausüben können.
Ferner ist von Vorteil, daß der Bediener der Webmaschine bei Artikelwechsel zur Verriegelung
oder Entriegelung der Schaftstangen nicht in einem schwer zugänglichen Bereich der
Webmaschine handtieren muß.
[0011] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels näher beschrieben.
Es zeigen:
- Figur 1
- die rechtsseitig einer Seitenwange angeordnete Führungs- und Haltevorrichtung in Eingriff
mit einer Schaftstange eines Schaftstangenpaares in perspektivischer Darstellung,
- Figur 2
- die Schaftstange eines Schaftstangenpaares mit Führungselement in Eingriff mit dem
Längsführungselement der Führungs- und Haltevorrichtung in der Vorderansicht,
- Figur 3
- die Vielzahl der miteinander verbundenen Längsführungselemente mit Längsführungen
und einem in jeder Längsführung aufgenommenen und mit der Schaftstange verbundenen
Führungselement nach Schnitt A-A gemäß Figur 2,
- Figur 4
- die rechtsseitig und linksseitig der betreffenden Seitenwange angeordnete Führungs-
und Haltevorrichtung mit den konvex bzw. konkav ausgebildeten Längsführungen in der
Vorderansicht.
[0012] Zum Verständnis der Erfindung sei angemerkt, daß die nachfolgend dargestellte und
beschriebene erfindungsgemäße Vorrichtung im Bereich der linken Seitenwange im wesentlichen
in gleicher Weise im Bereich der rechten Seitenwange der Webmaschine vorhanden ist.
Es wird daher vorzugsweise nur auf die erfindungsgemäße Lösung im Bereich der linken
Seitenwange Bezug genommen.
[0013] Figur 1 zeigt die linke Seitenwange 1 einer Webmaschine mit den Unterverbindern 2,
die die linke Seitenwange 1 mit der nicht dargestellten rechten Seitenwange verbinden.
Auf den Unterverbindern 2 ist nahe der beiden Seitenwangen eine Trägerplatte 3 befestigt.
Jede Trägerplatte 3 nimmt eine Vielzahl von Längsführungselementen 4 auf. Die Gesamtheit
der Längsführungselemente bildet zusammen mit der Trägerplatte 3 die erste Vorrichtung
5 zum Aufnehmen und Führen der aktiv und passiv tätigen Schaftstangen 6. Die zweite
Vorrichtung 5 ist hier nicht dargestellt.
Geeignete Verbindungsmittel verbinden jedes Längsführungselement 4 mit der Trägerplatte
3.
Jedes Längsführungselement 4 besitzt eine Längsführung 4a, die einen Kreisbogen beschreibt.
Die Größe des Kreisbogens bestimmt sich aus der Bewegungsablauf-Charakteristik einer
aktiv tätigen Schaffstange 6 mit dem Führungselement 7.
[0014] Eine Vielzahl von Umlenkhebeln 8 ist auf einer gemeinsamen nicht dargestellten Welle
schwenkbar um deren Mittenachse 9 angeordnet. Die Schaftstange 6 ist am freien Ende
des Hebelarmes 8a des ersten Umlenkhebels 8 angelenkt.
Am anderen freien Ende des Hebelarmes 8b ist eine Verbindungsstange 10 in der Gelenkstelle
10a angelenkt. Die Verbindungsstange 10 überträgt, entsprechend eines Musterprogramms
für die nicht dargestellte Schaftmaschine, die Bewegungssteuerung des Schaftes 11
über die Paare von Schaftstangen 6 und über die schaftstangenseitigen und schaftseitigen
Kupplungsmittel 12,13, wie dies in Figur 2 und Figur 4 dargestellt ist.
[0015] Figur 2 zeigt andeutungsweise ein geeignetes Verbindungsmittel 14 zur Verbindung
der Trägerplatte 3 mit dem Unterverbinder 2.
Die einzelnen Längsführungselemente 4 sind in den Endbereichen ihrer Längserstreckung
ebenfalls durch geeignete Verbindungsmittel 15 mit der Trägerplatte 3 verbunden. Die
Verbindungsmittel 15 sind auch hier nur andeutungsweise dargestellt.
[0016] Im vorliegenden Ausführungsbeispiel ist die Schaftstange 6 bekanntermaßen zweiteilig
ausgebildet, nämlich aus einem die Kupplungsmittel 12 tragenden Teil 6a und aus einem
am Hebelarm 8a des Umlenkhebels 8 angelenkten Teil 6b.
Das Teil 6a ist in das Teil 6b eingesteckt und durch Schrauben 16 darin arretiert.
Der Schenkel 7a des Führungselementes 7 ist hier in das Teil 6b gesteckt und mittels
der Schrauben 16 z.B. über Klemmkörper 17,18 im Teil 6b geklemmt.
[0017] Diese vorgenannte Klemmverbindung wird in Figur 3 deutlich gezeigt.
Die Teile 6b der Schaftstangen 6 sind bekanntermaßen parallel nebeneinander liegend
und mit dem betreffenden Umlenkhebel 8 verbunden.
Das Schaftstangenteil 6a ist zwischen einem ersten Klemmkörper 17 und einem zweiten
Klemmkörper 18 im Schaftstangenteil 6b eingesetzt.
Zusätzlich ist zwischen der ersten inneren Schmalseite des als rechteckiges Hohlprofil
ausgebildeten Teils 6b und dem ersten Klemmkörper 17 der Schenkel 7a des Führungselementes
7 eingeschoben.
Die in das Hohlprofll eingesetzten Teile 6a, 7a, 17 und 18 werden mittels der in die
Wandung der zweiten Schmalseite des Hohlprofils eingeschraubten Schrauben 16 im Teil
6b geklemmt.
Jedes Längsführungselement 4 besitzt eine einseitig offene Ausnehmung 4a, in die die
Führungsnase 7b des Führungselementes 7 hineinragt.
Die Längsführung 4a und die Führungsnase 7b können dabei eine frei wählbare geometrische
Form besitzen.
Entscheidend ist, daß zwischen der Auskontur der Führungsnase 7b und den kreisbogenförmig
verlaufenden Flächen 4b, 4c der Längsführung 4a ein ausreichend großes Spiel vorhanden
ist, um das Führen der aktiv tätigen Schaftstangen 6 und das Halten der passiv tätigen
Schaftstangen 6 nicht zu beeinträchtigen.
[0018] In Figur 4 ist der erste und zweite Umlenkhebel 8 an der Verbindungsstange 10 in
den Gelenkstellen 10a,10b angelenkt.
Der linksseitig der Seitenwange 1 gelegene Umlenkhebel 8 steht über hier nicht dargestellte
Mittel mit der nicht dargestellten Schaftmaschine in Verbindung.
Die beiden Schaftstangen 6 bilden ein Schaftstangenpaar.
[0019] Jede Schaftstange 6 trägt ein schaftstangenseitiges Kupplungsmittel 12, das mit dem
betreffenden schaftseitigen Kupplungsmittel 13 am Webschaft 11 in Verbindung steht.
Rechtsseitig und linksseitig der jeweiligen Seitenwange 1 ist eine Führungs- und Haltevorrichtung
5 für die Gesamtheit der Schaftstangen 6 auf dem Unterverbinder 2 angeordnet.
Die rechtsseitig der Seitenwange 1 angeordnete Vorrichtung 5 besteht aus einer Vielzahl
von Längsführungselementen 4 mit einer konkav verlaufenden Längsführung 4a, in die
das Führungselement 7 mit Führungsnase 7b der Schaftstange 6 eingreift, während die
linksseitig der Seitenwange 1 angeordnete Vorrichtung 5 aus einer Vielzahl von Längsführungselementen
4 mit einer konvex verlaufenden Längsführung 4a besteht.
ZEICHNUNGS-LEGENDE
[0020]
- 01
- Seitenwange
- 02
- Unterverbinder
- 03
- Trägerplatte
- 04
- Längsführungselement
- 04a
- Längsführung
- 04b
- Fläche
- 04c
- Fläche
- 05
- Vorrichtung
- 06
- Schaftstange
- 06a
- Teil
- 06b
- Teil
- 07
- Führungselement
- 07a
- Schenkel
- 07b
- Führungsnase
- 08
- Umlenkhebel
- 08a
- Hebelarm
- 08b
- Hebelarm
- 09
- Mittenachse
- 10
- Verbindungsstange
- 10a
- Gelenkstelle
- 10b
- Gelenkstelle
- 11
- Webschaft
- 12
- Schaftkupplung
- 13
- Schaftkupplung
- 14
- Verbindungsmittel
- 15
- Verbindungsmittel
- 16
- Schraube
- 17
- Klemmkörper
- 18
- Klemmkörper
1. Webmaschine mit einer ersten und einer zweiten Vorrichtung zum Aufnehmen und Führen
einer Vielzahl aktiv und passiv tätiger Schaftstangenpaare, wobei jede Schaftstange
eines Schaftstangenpaares ein Kupplungsmittel besitzt, wobei ferner die Vorrichtungen
außerhalb des Bewegungsbereiches der Schaftstangenpaare maschinenfest angeordnet sind
und wobei jedes Schaftstangenpaar einerseits über einen ersten und zweiten Umlenkhebel
und über eine an diesen Hebeln angreifende Verbindungsstange mit einem Schaftantrieb
in Verbindung steht und andererseits über die Umlenkhebel mit Kupplungsmittel eines
Webschaftes kuppelbar ist, dadurch gekennzeichnet, daß die erste und zweite Vorrichtung (5) aus einer Vielzahl von parallel aneinander
liegenden Längsführungselementen (4) besteht, wovon jedes Längsführungselement (4)
eine in der vertikalen Ebene verlaufende kreisbogenförmige Längsführung (4a) ausbildet,
in der eine Führungsnase (7b) eines an jeder Schaftstange (6) vorhandenen Führungselementes
(7) beweglich aufgenommen ist.
2. Webmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der kreisbogenförmige Verlauf der Längsführung (4a) etwa dem Bewegungsverlauf
entspricht, den die aktiv tätigen Schaftstangen (6) mit dem Führungselement (7) ausführen.
3. Webmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Längsführungen (4a) eine beliebige geometrische Querschnittsform aufweisen.
4. Webmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß eine Vielzahl von Längsführungselementen (4) die erste und die zweite Vorrichtung
(5) ausbildet, die an jeweils einer auf Unterverbindern (2) der Webmaschine montierten
Trägerplatte (3) angeordnet ist.
5. Webmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der kreisbogenförmige Verlauf aller Längsführungen (4a) der ersten Vorrichtung
(5) identisch ist.
6. Webmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der kreisbogenförmige Verlauf aller Längsführungen (4a) der zweiten Vorrichtung
(5) identisch ist.
7. Webmaschine nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß der kreisbogenförmige Verlauf jeder Längsführung (4a) der ersten Vorrichtung
(5) konkav ausgebildet ist.
8. Webmaschine nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß der kreisbogenförmige Verlauf jeder Längsführung (4a) der zweiten Vorrichtung
(5) konvex ausgebildet ist.
9. Webmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Führungselement (7) an einer über die Länge der Schaftstange (6) geeigneten
Position mit der Schaftstange (6) verbunden ist.