[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Profilstranges aus einer
Vorform aus einem zumindest teilweise metallischen Werkstoff, wobei die Vorform durch
eine formgebende Oeffnung zum Profilstrang verpresst wird. Im Rahmen der Erfindung
liegt auch eine zur Durchführung des Verfahrens geeignete Vorrichtung sowie eine Anwendung
des Verfahrens bzw. eine Verwendung der Vorrichtung.
[0002] Ein bekanntes Verfahren zur Herstellung von Metallprofilen ist das Strangpressen.
Mit der heutigen Presstechnologie ist es jedoch kaum möglich, Grossprofile aus Aluminiumlegierungen
mit einer Breite von mehr als etwa 700 mm herzustellen. Ein weiterer Nachteil liegt
darin, dass Profilwandstärken von weniger als etwa 2 mm kaum realisiert werden können.
Im Hinblick auf Gewichts- und Kosteneinsparungen wäre es jedoch höchst wünschenswert,
die Wandstärken bei Profilen zu verringern, d.h. unter Einhaltung üblicher geometrischer
Profiltoleranzen Wandstärken von weniger als 1 mm zu erreichen.
[0003] Die limitierte Presskraft, die begrenzten Möglichkeiten einer gleichmässigen Metallverteilung
bezüglich Temperatur und Fliessgeschwindigkeit sind die wesentlichen Faktoren, die
bei Anwendung der heutigen Presstechnologie einer Herstellung von extrem dünnwandigen
Profilen entgegenstehen.
[0004] Der heutigen Presstechnologie sind jedoch auch bei der Herstellung von Profilen mittlerer
oder kleinerer Breite hinsichtlich der zu verarbeitenden Werkstoffe sowie der zu erzeugenden
Querschnittsdimensionen gewisse Grenzen gesetzt. So sind beispielsweise harte Aluminiumlegierungen
mit den heute in konventionellen Strangpressen üblichen Presskräften kaum oder nur
sehr schwer zu verpressen. Diese Einschränkung gilt in besonderem Mass für die Herstellung
von Hohlprofilen, insbesondere von Mehrkammerhohlprofilen. Die daraus resultierende
langsame Pressgeschwindigkeit wirkt sich negativ auf die Produktionskosten aus. Hinzu
kommen oft ungenügende Masstoleranzen sowie eine schlechte Metallverteilung, die sich
vor allem durch eine ungenügende Formfüllung bei Profilpartien mit kleinen Querschnittsdimensionen
bemerkbar macht.
[0005] Die Verarbeitung von partikelverstärkten Verbundwerkstoffen aus einer Metallmatrix
mit in dieser in disperser Form vorliegenden Partikeln oder Fasern aus nichtmetallischen,
hochschmelzenden Materialien durch Strangpressen führt zu vergleichbaren Problemen
wie die oben erwähnte Verarbeitung harter Legierungen. In WO-A-87/06624, WO-A-91/02098
und WO-A-92/01821 ist die Herstellung dieser sogenannten Metal Matrix Composites ausführlich
beschrieben. Hierbei werden grundsätzlich zunächst die in die Metallmatrix einzuführenden
Partikel homogen in eine Legierungsschmelze eingerührt, und der schmelzflüssige Verbundwerkstoff
wird nachfolgend beispielsweise durch Stranggiessen zu dem für die Weiterverarbeitung
durch Strangpressen oder Walzen geeigneten Format vergossen.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten
Art sowie eine zur Durchführung des Verfahrens geeignete Vorrichtung zu schaffen,
mit denen sich auch harte Legierungen und Verbundwerkstoffe aller Art kostengünstig
zu qualitativ hochwertigen Produkten verarbeiten lassen. Ein anderes Ziel ist die
wirtschaftliche Herstellung extrem dünnwandiger Grossprofile und/oder Grossprofile
mit extremer Breite. Zudem sollen bestehende Strangpressanlagen auf einfache und kostengünstige
Weise umgerüstet werden können.
[0007] Zur erfindungsgemässen Lösung der Aufgabe führt, dass die Vorform in teilfestem/teilflüssigem
Zustand zum Profilstrang verformt und der Profilstrang im teilfesten/teilflüssigen
Zustand zur Erstarrung durch eine gekühlte Kokille geführt wird.
[0008] Die Vorform wird üblicherweise in der Form eines Bolzens in eine weiter unten näher
beschriebene Vorformkammer eingesetzt. Vorform und Vorformkammer entsprechen damit
dem Pressbolzen bzw. dem Rezipienten beim Strangpressen.
[0009] Durch die erfindungsgemässe Verformung der Vorform im teilfesten/teilflüssigen Zustand
lassen sich bei gleichbleibender Presskraft Werkstoffe zu Profilen verarbeiten, die
über konventionelles Strangpressen kaum oder nur sehr unwirtschaftlich herstellbar
sind. Als Folge der geringeren erforderlichen Presskräfte können im Vergleich zur
konventionellen Herstellungsweise vergleichbare Profildimensionen auf kleineren Anlagen
verpresst werden, was sich günstig auf die Fabrikationskosten auswirkt.
[0010] Ein wesentlicher Vorteil des erfindungsgemässen Verfahrens liegt darin, dass Hartlegierungen
und Verbundmaterialien zu Profilen mit metallurgischen Eigenschaften verarbeitet werden
können, die über konventionelles Strangpressen nicht erzielbar sind.
[0011] Mit dem erfindungsgemässen Verfahren lassen sich bei gleichbleibender Presskraft
auch breitere Profile mit geringerer Profilwandstärke herstellen als dies mit der
heutigen Presstechnologie möglich ist.
[0012] Die zentrale Idee, die dem erfindungsgemässen Verfahren zugrunde liegt, wird darin
gesehen, die Vorform mit möglichst geringer Presskraft dem Endquerschnitt so stark
anzunähern, dass eine Endformung des Profilstrangquerschnittes mittels einer Matrize
ebenfalls mit geringer Presskraft durchgeführt werden kann. Dies wird durch die erfindungsgemässe
Verformung im teilfesten/teilflüssigen Zustand erreicht.
[0013] Der Einsatz von Vorformen im teilfesten/teilflüssigen Zustand hat gegenüber der Verwendung
herkömmlicher, vollkommen erstarrter Pressbolzen den Vorteil, dass die Umformung mit
wesentlich geringerer Presskraft erfolgen kann. Wird der Anteil an Flüssigphase gegenüber
dem Festphasenanteil gering gehalten, so kann auch in dickwandigen Profilbereichen
eine genügend rasche Erstarrung erreicht werden.
[0014] Bevorzugt beträgt der Umformungsgrad beim Uebergang von der Vorform zum Profilstrang
im teilfesten/teilflüssigen Zustand wenigstens 50%, vorzugsweise wenigstens 80%. Unter
Umformgrad wird hier die Abnahme des Querschnitts während der Verformung der Vorform
zum Profilstrang verstanden.
[0015] Wird am Profilstrang eine hohe Oberflächengüte und/oder eine hohe Masstoleranz gefordert,
so kann der Profilstrang unmittelbar nach dem Austritt aus der Kokille zur Endformung
des Profilstrangquerschnittes durch eine Matrize geführt werden. Diese Endformung
des Profilstrangquerschnittes wird zweckmässig mit einem Umformgrad von höchstens
15%, vorzugsweise höchstens 10%, durchgeführt.
[0016] Bevorzugt wird der Profilstrang nach dem Austritt aus der Kokille oder der Matrize
durch vollständige Verdampfung eines auf den Profilstrang aufgesprühten Kühlmittels
gekühlt. Durch die Kühlung mit vollständiger Verdampfung des Kühlmittels wird verhindert,
dass flüssiges Kühlmittel in Richtung auf das heisse und gegebenenfalls noch in teilflüssigem
Zustand vorliegende Metall zurückfliessen kann. Mit dieser Massnahme kann die Kühleinrichtung
möglichst nahe am Ort der gewünschten Kühlung, d.h. möglichst nahe bei der Kokille
bzw. der Matrize, angeordnet sein.
[0017] Der Anteil an Flüssigphase in der Vorform während deren Verformung richtet sich nach
der Art des zu verarbeitenden Werkstoffes. Im allgemeinen liegt dieser Anteil bei
höchstens 70% und beträgt vorzugsweise etwa 20 bis 50%. Für die Vorformen können grundsätzlich
alle Werkstoffe eingesetzt werden, bei denen sich ein teilfester/teilflüssiger Zustand
innerhalb eines für die Praxis genügend breiten Temperaturintervalls einstellen lässt.
Geeignete Werkstoffe sind etwa
- Legierungen, insbesondere Aluminiumlegierungen, im thixotropen Zustand, mit unterschiedlichen
Anteilen fest/flüssig, z.B. Hartlegierungen vom Typ AlMg
- Legierungen auf der Basis von Magnesium oder Kupfer im thixotropen Zustand, mit unterschiedlichen
Anteilen fest/flüssig
- Legierungen auf der Basis von Aluminium mit metallischen oder nichtmetallischen Anteilen
hochschmelzender Partikel und/oder Fasern (Metal Matrix Composites)
[0018] Als Metallmatrix sind insbesondere Aluminiumlegierungen geeignet. Deren Grundeigenschaften
wie mechanische Festigkeit und Dehnung können in bekannter Weise über die verschiedenen
Legierungstypen erreicht werden. Mit den nichtmetallischen Zusätzen können u.a. die
Härte, die Steifigkeit sowie weitere Eigenschaften günstig beeinflusst werden. Bevorzugte
nichtmetallische Zusätze sind keramische Werkstoffe wie Metalloxide, Metallnitride
und Metallkarbide. Beispiele derartiger Werkstoffe sind Siliziumkarbid, Aluminiumoxid,
Borkarbid, Siliziumnitrid und Bornitrid.
[0019] Grundsätzlich können Profile aus Verbundwerkstoffen so hergestellt werden, dass die
Vorform bereits alle Werkstoffe in der gewünschten Form enthält. Mit dem erfindungsgemässen
Verfahren ist es jedoch auch möglich, der Vorform im teilfesten/teilflüssigen Zustand
vor dem Eintritt in die Kokille ein Zusatzmaterial beizugeben. Dieses Zusatzmaterial
kann in unterschiedlicher Form und auch in verschiedenen Aggregatszuständen zugesetzt
werden. Beispielsweise kann das Zusatzmaterial der Vorform in fester Form als Draht,
Fasern oder Pulver kontinuierlich zugeführt werden. Hierbei können Drähte beispielsweise
in der Form von Armierungen im Profil verbleiben. In Form von Draht kann aber auch
ein Werkstoff beigegeben werden, der im teilflüssigen/teilfesten Bereich aufschmilzt
und dort legiert bzw. eine chemische Reaktion auslöst. Das Zusatzmaterial kann auch
in flüssigem oder in gasförmigem Zustand beigegeben werden.
[0020] Ein wesentlicher Vorteil des erfindungsgemässen Verfahrens gegenüber dem konventionellen
Strangpressen liegt auch darin, dass Vorformen aus querschnittlich unterschiedlichen
Werkstoffbereichen zusammengesetzt sein können. So ist es beispielsweise möglich,
die Randzone oder auch innere Partien eines Profils mit gegenüber der Matrix anderen
mechanischen Eigenschaften wie grössere Härte, Steifigkeit, Abriebfestigkeit und dgl.
auszustatten
[0021] Die Verarbeitung von Vorformen mit querschnittlich unterschiedlichen Werkstoffbereichen
wird dadurch ermöglicht, dass die Vorform vor der Umformung zum Profilstrang durch
eine Heizzone geführt und in der Heizzone auf ein über den gesamten Querschnitt des
Profilstranges einheitliches fest/flüssig-Verhältnis eingestellt wird. Hierzu kann
in der Heizzone in Abhängigkeit von querschnittlich unterschiedlichen Werkstoffbereichen
ein querschnittlich unterschiedliches Temperaturprofil eingestellt werden.
[0022] Eine zur Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens geeignete Vorrichtung umfasst
eine gegebenenfalls beheizbare Vorformkammer zur Aufnahme der Vorform, eine an die
Vorformkammer anschliessende, gegebenenfalls beheizbare Formkammer zur Umformung der
Vorform zum Profilstrang, sowie eine an die Formkammer anschliessende, gekühlte Kokille
zur Erstarrung des Profilstranges, wobei optional zur Endformung des Profilstrangquerschnittes
unmittelbar nach der Kokille noch eine Matrize angeordnet sein kann.
[0023] Bevorzugt geht die Formkammerwand mit einer stetigen Krümmung in die Kokillenwand
über, d.h. der Querschnitt der sich zum Profilstrang verformenden Vorform nimmt kontinuierlich
ab.
[0024] Zur Erzeugung bzw. Aufrechterhaltung des teilfesten/teilflüssigen Zustandes der Vorform
sind in der Vorformkammer und/oder in der Formkammer Heizleitungen angeordnet. Zudem
ist es zweckmässig, zwischen der im allgemeinen beheizten Formkammer und der gekühlten
Kokille eine Zwischenschicht aus einem wärmeisolierenden Material anzuordnen.
[0025] Zweckmässig ist zwischen der Vorformkammer und der Formkammer eine Heizeinrichtung
angeordnet. Diese weist vorzugsweise individuell heizbare Durchflusskanäle für die
Vorform auf.
[0026] Zur weiteren Abkühlung des aus der Kokille oder aus der Matrize austretenden Profilstranges
ist eine Einrichtung zur Direktkühlung vorgesehen. Aus den vorstehend erwähnten Gründen
wird eine Kühleinrichtung mit vollständiger Verdampfung des auf den Profilstrang aufgebrachten
Kühlmittels bevorzugt.
[0027] Ein besonders bevorzugter Anwendungsbereich des erfindungsgemässen Verfahrens sowie
der Vorrichtung wird in der Herstellung von Profilen mit querschnittlich unterschiedlichen
Werkstoffbereichen gesehen.
[0028] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele sowie anhand der Zeichnung; diese zeigt
schematisch in
- Fig. 1
- die Prinzipskizze einer Vorrichtung zur Herstellung eines Profilstranges;
- Fig. 2 - 4
- den Längs- und Querschnitt durch verschiedene Vorformen mit querschnittlich unterschiedlichen
Werkstoffbereichen.
[0029] Ein in der Zeichnung aus Gründen der besseren Uebersicht nicht wiedergegebene Strangpressanlage
zur Herstellung von Metallprofilen weist gemäss Fig. 1 einen Rezipienten 10 mit einer
Vorformkammer 12 zur Aufnahme von Vorformen 36 auf. An die Vorformkammer 12 schliessen
sich -- in Pressrichtung x gesehen -- der Reihe nach eine Heizeinrichtung 42, eine
Formkammer 14, eine Kokille 16 sowie eine Matrize 18 an.
[0030] Die Vorformkammer 12 und die Formkammer 14 sind mit Heizleitungen 20, 21 zum Beheizen
der beiden Kammern 12, 14 bestückt. Die Heizeinrichtung 42 weist eine Vielzahl von
parallel zur Pressrichtung x angeordneten, individuell beheizbaren Druchflusskanälen
(44) zum Aufheizen der Vorform 36 zu einem Gleichgewichtszustand bezüglich des gewünschten
fest/flüssig-Verhältnisses auf. Zwischen der Formkammer 14 und der Kokille 16 ist
eine Zwischenschicht 15 aus einem wärmeisolierenden Werkstoff angeordnet.
[0031] Die Kokille 16 ist mit einer ersten Kühleinrichtung 24 zur indirekten Kühlung des
durch Kontakt mit der Kokillenwand 26 erstarrenden Metallstranges ausgestattet. Eine
zweite Kühleinrichtung 30 ist innerhalb der Matrize 18 angeordnet und dient der direkten
Kühlung des aus der Matrize austretenden Profilstranges 40 durch direkte Beaufschlagung
mit Kühlmittel.
[0032] Zur Herstellung von Hohlprofilen kann die Profilkammer 14 --in gleicher Weise wie
beim Strangpressen -- mit einem entsprechenden Dorneinsatz versehen sein.
[0033] In der Formkammer 14 mündet ein Einführungskanal 46 zum Zuführen eines Zusatzmaterials
48 in den teilfesten/teilflüssigen Bereich. Dieses Zusatzmaterial 48 kann in fester
Form als Draht, Fasern oder Pulver, in flüssigem oder auch in gasförmigem Zustand
zugeführt werden.
[0034] Die Funktions- und Betriebsweise der vorstehend beschriebenen Anordnung wird nachstehend
anhand der in der Zeichnung dargestellten Prinzipskizze näher erläutert. Der Vollständigkeit
halber sei hier noch erwähnt, dass die erfindungsgemässe Anordnung so ausgelegt ist,
dass sie problemlos in eine konventionelle Strangpressanlage eingebaut werden kann.
[0035] Die Vorform 36 in der Form eines üblicherweise bereits vorgewärmten Metallbolzens
wird in die Vorformkammer 12 eingeführt und über die Heizleitungen 20 weiter aufgeheizt.
Ueber einen Stempel 32 mit Pressscheibe 34 wird die Vorform 36 in Pressrichtung x
getrieben und innerhalb der Heinzeinrichtung 42 in den gewünschten teilfesten/teilflüssigen
Zustand überführt. In der Formkammer 14 erfolgt der Hauptteil der Verformung der Vorform
36, wobei die Wand 22 der Formkammer 14 sich kontinuierlich der Einlauföffnung der
Kokille 16 annähert.
[0036] Innerhalb der Kokille 16, deren Aufbau grundsätzlich demjenigen einer konventionellen
Stranggiesskokille entspricht, erfolgt die Erstarrung des Metallstranges vom teilfesten/teilflüssigen
Zustand f/fl zum festen Zustand f entlang einer von der Kokillenwand 26 ausgehenden
Erstarrungsfront 38. Unmittelbar am Austrittsende der Kokille 16 tritt der erstarrte
Metallstrang in die Matrize 18 ein und wird dort in einer Matrizenöffnung 28 endgeformt.
[0037] Im Idealfall wird die Gestalt des Profilstranges 40 innerhalb der Kokille 16 bereits
derart angenähert, dass in der Matrize 18 nur noch eine geringe Querschnittsveränderung
bzw. eine schwache Umformung erfolgt, d.h. die Matrize 18 dient vorwiegend der Ausbildung
einer qualitativ hochstehenden Profiloberfläche sowie der Erzeugung eines massgenauen
Profilquerschnittes. Durch die direkte Beaufschlagung des aus der Matrize 18 austretenden
Profilstranges 40 mit Kühlmittel aus der Kühleinrichtung 30 wird sichergestellt, dass
allenfalls noch teilflüssige Anteile im Profilinneren vollständig erstarren.
[0038] Als Werkstoffe für die in die Vorformkammer 12 aufzugebende Vorform 36 eignen sich
neben reinen Metallegierungen auch Metalle mit metallischen oder nichtmetallischen
Zusätzen, die einen höheren Schmelzpunkt als das Grundmetall aufweisen. Zu diesen
Werkstoffen gehören beispielsweise partikel- oder faserverstärkte Werkstoffe mit einer
Aluminiummatrix, d.h. sogenannte Metal Matrix Composites. Weitere geeignete Werkstoffe
sind Legierungen -- insbesondere Aluminiumlegierungen -- im thixotropen Zustand, sowie
nichtthixotrope Hartlegierungen wie beispielsweise AlMg-Legierungen, insbesondere
Legierungen mit eutektischer Erstarrung.
[0039] In den Fig. 2 bis 4 sind beispielhaft verschiedene Vorformen 36 mit querschnittlich
unterschiedlichen Werkstoffbereichen A,B,C,D dargestellt. Es ist ohne weiteres verständlich,
dass mit diesen Vorformen Profile mit querschnittlich unterschiedlichen Werkstoffeigenschaften
erzeugt werden können. Mit einem an die jeweiligen Werkstoffbereiche querschnittlich
angepassten Temperaturprofil innerhalb der Heizeinrichtung 42 kann erreicht werden,
dass am Ausgang der Heizeinrichtung 42 in allen Werkstoffbereichen A,B,C,D ein einheitliches
fest/flüssig-Verhältnis eingestellt ist.
[0040] Die Vorformen 36 können grundsätzlich bereits im teilfesten/teilflüssigen Zustand
in die Vorformkammer 12 aufgegeben werden. Wegen der einfacheren Handhabung vollkommen
starrer Vorformen werden diese jedoch üblicherweise bis knapp unter die jeweils niedrigste
Solidustemperatur aufgeheizt und erst innerhalb der Vorformkammer 12 und der Formkammer
14 in den gewünschten teilfesten/teilflüssigen Zustand überführt.
[0041] In der nachstehenden Tabelle sind die anhand einer Modellrechnung für eine beispielhafte
Anordnung ermittelten Werte für den Druck p und den Umformungsgrad d den einzelnen
Umformstationen der erfindungsgemässen Anordnung zugeordnet.
| |
Vorformkammer |
Formkammer |
Kokille |
Matrize |
| p (bar) |
100 |
500 |
100 |
1000 |
| d (%) |
0 |
90 |
2 |
8 |
1. Verfahren zur Herstellung eines Profilstranges (40) aus einer Vorform (36) aus einem
zumindest teilweise metallischen Werkstoff, wobei die Vorform durch eine formgebende
Oeffnung zum Profilstrang verpresst wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Vorform (36) in teilfestem/teilflüssigem Zustand zum Profilstrang (40) verformt
und der Profilstrang im teilfesten/teilflüssigen Zustand zur Erstarrung durch eine
gekühlte Kokille (16) geführt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorform (36) um wenigstens
50%, vorzugsweise um wenigstens 80%, umgeformt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Profilstrang (40)
unmittelbar nach dem Austritt aus der Kokille (16) zur Endformung des Profilstrangquerschnittes
durch eine Matrize (18) geführt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Endformung des Profilstrangquerschnittes
mit einem Umformungsgrad von höchstens 15%, vorzugsweise höchstens 10%, durchgeführt
wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Profilstrang
(40) nach dem Austritt aus der Kokille (16) oder der Matrize (18) vorzugsweise durch
vollständige Verdampfung eines auf den Profilstrang aufgesprühten Kühlmittels gekühlt
wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorform
(36) während ihrer Verformung einen Anteil von höchstens 70%, vorzugsweise 20 bis
50%, Flüssigphase aufweist.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorform
(36) aus einer thixotropen Legierung, insbesondere aus einer thixotropen Aluminiumlegierung,
besteht.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorform
(36) aus einer nichtthixotropen Hartlegierung aus Aluminium, insbesondere aus einer
AlMg-Legierung, besteht.
9. Verfahren nach einem der Ansprüch 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorform
(36) aus einem partikel- oder faserverstärkten Aluminiumwerkstoff besteht.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorform
(36) aus querschnittlich unterschiedlichen Werkstoffbereichen (A,B,C,D) zusammengesetzt
ist.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Vorform
(36) im teilfesten/teilflüssigen Zustand vor dem Eintritt in die Kokille (16) ein
Zusatzmaterial (48) beigegeben wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Zusatzmaterial (48) der
Vorform (36) in fester Form als Draht, Fasern oder Pulver, in flüssigem oder gasförmigem
Zustand beigegeben wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorform
(36) vor der Umformung zum Profilstrang (40) durch eine Heizzone (42) geführt und
in der Heizzone auf ein über den gesamten Querschnitt des Profilstranges einheitliches
fest/flüssig-Verhältnis eingestellt wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass in der Heizzone (42) in Abhängigkeit
von querschnittlich unterschiedlichen Werkstoffbereichen (A,B,C,D) ein querschnittlich
unterschiedliches Temperaturprofil eingestellt wird.
15. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 14, gekennzeichnet
durch eine gegebenenfalls beheizbare Vorformkammer (12) zur Aufnahme der Vorform (36),
eine an die Vorformkammer anschliessende, gegebenenfalls beheizbare Formkammer (14)
zur Umformung der Vorform (36) zum Profilstrang (40), sowie eine an die Formkammer
(14) anschliessende, gekühlte Kokille (16) zur Erstarrung des Profilstranges.
16. Vorrichtung nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass zur Endformung des Profilstrangquerschnittes
unmittelbar nach der Kokille (16) eine Matrize (18) angeordnet ist.
17. Vorrichtung nach Anspruch 15 oder 16, dadurch gekennzeichnet, dass die Formkammerwand
(22) mit einer stetigen Krümmung in die Kokillenwand (26) übergeht.
18. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass in der
Vorformkammer (12) und/oder in der Formkammer (14) Heizleitungen (20,21) angeordnet
sind.
19. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 bis 18, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen
der Formkammer (14) und der Kokille (16) eine Zwischenwand (15) aus einem wärmeisolierenden
Material angeordnet ist.
20. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 bis 19, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen
der Vorformkammer (12) und der Formkammer (14) eine Heizeinrichtung (42) angeordnet
ist.
21. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 bis 20, dadurch gekennzeichnet, dass die Heizeinrichtung
(42) vorzugsweise individuell heizbare Durchflusskanäle (44) für die Vorform (36)
aufweist.
22. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 bis 21, dadurch gekennzeichnet, dass zur weiteren
Abkühlung des aus der Kokille (16) oder aus der Matrize (18) austretenden Profilstranges
(40) eine Einrichtung zur Direktkühlung, vorzugsweise eine Kühleinrichtung (30) mit
vollständiger Verdampfung des auf den Profilstrang (40) aufgebrachten Kühlmittels,
vorgesehen ist.
23. Anwendung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 14 oder Verwendung der Vorrichtung
nach einem der Ansprüche 15 bis 22 zur Herstellung von Profilen (40) mit querschnittlich
unterschiedlichen Werkstoffbereichen (A,B,C,D).