[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Pulver-Preßansätzen für
feinkörniges Hartmetall auf Metallkarbidbasis, das von Metalloxidpulver oder von reduzierbaren
festen Metallverbindungen ausgeht und die Verfahrensstufen
- Reduktion des Oxids oder der Metallverbindung zu Metall
- Karburierung des Metalls
- mechanisch-chemisches Pulverkornaufbereitungs- und/oder Mischverfahren mit einschließt.
[0002] Die für eine Hartmetallsorte erzielbare Qualität hängt ganz wesentlich von der Beschaffenheit
der Ausgangspulver ab, die verpreßt und durch Sintern zu einem Hartmetall-Formkörper
verarbeitet werden. Dabei ist die chemischmetallurgische Zusammensetzung ebenso bedeutsam
wie die Pulvermorphologie, Pulverstruktur und demzufolge die Pulveraufbereitung vor
dem Verpressen und Sintern.
In den vergangenen Jahren konzentrierten sich die Anstrengungen zur Herstellung verbesserter
Hartmetall-Qualitäten vor allem auf die Erzielung von Feinkörnigkeit und Homogenität
der Hartstoffe im Hartmetall.
[0003] Die metallischen Komponenten in der Karbid-Hartstoffphase des Hartmetalls sind vor
allem Wolfram oder Titan, daneben in Form von kornstabilisierenden Mischkarbiden kleine
Mengen der hochschmelzenden Metalle Tantal, Niob, Molybdän, Vanadium und Chrom.
[0004] In der langen Verfahrensreihe der Erzaufbereitung dieser Metalle sind die Verarbeitungsschritte,
beginnend mit der Reduktion pulverförmiger Metalloxide bzw. vergleichbare Verbindungen
wie Ammoniummetallat und Metallsäure, bis hin zur Metallkarbid-Gewinnung wesentlich
für die spätere Qualität von Hartmetallsorten, insbesondere hinsichtlich deren Gefügestruktur.
[0005] Metalloxide oder dem Fachmann geläufige, vergleichbare Verbindungen werden in einer
oder mehreren Prozeßstufen zum reinen Metall reduziert und anschließend wird das Metal,
üblicherweise in einem getrennten Prozeßschritt, in Metallkarbid überführt. Vereinzelt
werden Reduzierung und Karburierung auch in einem gemeinsamen, fortlaufenden Prozeß
durchgeführt.
[0006] Zur Metalloxid-Reduktion in einer Feststoff-Gas-Reaktion werden Metalloxide auf Trägerschiffchen
in vergleichsweise dünnen Lagen kontinuierlich durch einen Reduktionsofen geführt.
Ebenso geläufig ist die Reduktion im Drehrohrofen und in der Wirbelschicht.
[0007] Übliche Verfahren zur Karbidbildung sind das innige Vermischen von Metallpulver,
z.B. Wolframmetallpulver, mit Kohlenstoff (Rußpartikeln) und anschließende Reaktion
in einem Karburierungsofen.
Bei der kommerziellen Fertigung spielt neben der Pulverqualität auch die Wirtschaftlichkeit
der Fertigung eine wichtige Rolle. Sie wird bestimmt vom Preis der Vorrichtung entsprechend
der Komplexität des Verfahrens, von der verbrauchten Menge an Energie und Reaktionsgas
je Reaktionseinheit und vor allem von Faktor Fertigungszeit.
Die Reaktions- bzw. Durchlaufzeiten der Pulver in den jeweils angeführten Vorrichtungen
liegen ausnahmslos im Bereich von Stunden, günstigstenfalls bei 1 bis 2 Stunden, ungünstigstenfalls
bei 15 bis 20 Stunden Reaktionszeit.
[0008] Zur Gesamtfertigung gehören neben den chemischen Verfahrensschritten Reduktion und
Karburierung Verfahrensschritte wie Mahl- und Mischvorgänge, die in der Regel wiederum
viele Stunden beanspruchen. Daneben sind Pulveraufbereitungsverfahren, wie z.B. das
Granulieren der Pulver mittels Sprühtrockung, in der Hartmetall-Industrie weitgehend
unverzichtbar.
[0009] In Verbindung mit der Forderung nach Submikron- und Nanophasenpulver für Hartmetall-Pulveransätze
wurden neue Verfahren entwickelt, bei denen die übliche Reduktion und Karburierung,
einschließlich besonderer Pulvervorbereitungs- und -aufbereitungsverfahren, gleichzeitig
oder in einer zwingenden Schrittfolge nacheinander ablaufen.
[0010] Stellvertretend für derartige Prozesse und dazu verwendete Vorrichtungen seien genannt
die WO 91/07244 mit dem Titel "Sprühumwandlungsprozeß für die Herstellung von Nanophasen-Verbundpulver"
und die WO 95/04703 mit dem Titel "Verfahren zur Herstellung von Submikrometer-Karbiden,
Submikrometer-Mischkristallkarbiden und daraus entstehende Materialien", wobei in
dieser Patentschrift auf die US 5 110 565 verwiesen ist, in der ein Reaktor beschrieben
ist, wie er zur Durchführung des Verfahrens gemäß WO-Anmeldung verwendet wurde.
[0011] Nachteilig bei diesen Verfahren sind die hohen Fertigungs- und Vorrichtungskosten.
In Summe sind die Reaktionszeiten bei den unverzichtbar durchzuführenden Verfahrensschritten
trotz einzelner Verkürzungen gegenüber dem bis dahin bekannten Stand der Technik immer
noch in der Größenordnung von einer bis mehrere Stunden und damit ein wesentlicher
Kostenfaktor. Diese Verfahren sind somit in Summe unwirtschaftlich, insbesondere was
den Gewinn an Pulverfeinkörnigkeit gegenüber weiter vorne beschriebenen Standardverfahren
anbetrifft.
[0012] Aufgabe vorliegender Erfindung ist es daher, ein im Vergleich zum Stand der Technik
wirtschaftlicheres Verfahren zur Herstellung von preßfähigen Pulvermischungen für
die Hartmetall-Fertigung bereitzustellen, welches die Fertigung qualitativ hochwertiger,
insbesondere feinkörniger Hartmetall-Sorten erlaubt.
[0013] Die Aufgabe vorliegender Erfindung besteht weiters in der Auswahl einer zur Durchführung
des Verfahrens geeigneten Vorrichtung, wobei derartige Vorrichtungen zwar für die
chemische Umsetzung verschiedener organischer und anorganischer Werkstoffe bekannt
sind, für die Herstellung von Hartmetall-Pulveransätzen zur Erzielung homogener, feinkörniger
Hartmetall-Sorten bisher aber nicht genutzt wurden.
[0014] Die vorgenannte Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren nach Anspruch 1
gelöst.
Der Begriff "Hartmetall" in Anspruch 1 schließt auch unter dem Namen Cermet gebräuchliche
Werkstoffe mit ein, welche neben Karbiden auch wesentliche Anteile an Nitriden oder
Karbonitriden in der Hartstoff-Phase enthalten.
[0015] Das erfindungsgemäße Verfahren erfordert die Verwendung einer unter dem Begriff "Zyklon"
geläufigen Reaktionskammer.
[0016] Zyklone sind dadurch charakterisiert, daß sie in der Regel achs- bzw. rotationssymmetrische
Kammerwände besitzen. Das zu reagierende Gut in Form von festen Teilchen wird unmittelbar
beim Einlaß in die Reaktionskammer mit Träger- und/oder Reaktionsgas innig vermischt
und verwirbelt und als Gemisch in einer von der Kammerlängsachse abweichenden Richtung
kontinuierlich eingeblasen. Die derart eingebrachten Stoffe bewegen sich unter der
Wirkung von Gravitation und Fliehkräften entsprechend der in der Kammer herrschenden
Gasströmungsverhältnisse auf im wesentlichen vorbestimmten Flugbahnen, das heißt also
nicht in einer statistischen Bewegung, wie beispielsweise in einem Wirbelschichtofen.
Der Gas- und Teilchenstrom wird durch die Kammerwandungen, einschließlich dort eventuell
angebrachter Leitelemente vorgegeben.
Es kommt zu hohen Strömungsgeschwindigkeiten tangential zu diesen Kammerwänden. In
der Reaktionskammer treten hohe Relativgeschwindigkeiten zwischen festen und gasförmigen
Stoffen auf. Hohe Geschwindigkeitsgradienten zwischen einzelnen Stoffen bedeuten hohe
Turbulenzintensitäten und bewirken hohe Wärme- und Stoffaustauschzahlen für die einzelnen
Reaktanden an der angestrebten chemischen Reaktion.
[0017] Die Aufenthaltsdauer des Reaktionsgutes in der Kammer ist vorrichtungs- und prozeßbedingt
klein. Die Aufenthalts- bzw. Reaktionszeiten liegen je nach Anlagenausgestaltung zwischen
Zehntelsekunden und etwa einer Minute.
[0018] Derartige Zyklon-Reaktoren finden bereits Verwendung bei der Pyrolyse von Sägespänen:
J. Lede et al, "Flash Pyrolysis of Wood in a Cyclone Reactor", Chem. Eng. Proc. 20
(1986), Seiten 309-317; J. Cousins et al, "Gasification of Sawdust in an air blown
cyclone Gasifier", Ind. Eng. Chem. Process Des. Dev.24 (1985), Seiten 1281-1287; bei
der Schlackenverbrennung sowie der Verbrennung von Schlammrückständen, T. Murakami
et al, "Characteristics of Melting Process for Sewage Sludge", Wat. Sci, Tech. 23
(1991), Seiten 2019-2028. Die Prozesse finden schließlich auch für exotherme metallurgische
Prozesse, z.B. für das Erschmelzen von kupfer-, blei- und zinkhaltigen Kupferkonzentraten
Anwendung, wie vorbeschrieben in der DE 33 41 154 und im Fachaufsatz "Das Schwebeschmelzen
und andere leistungsintensive Prozesse", A. Lange, Erzmetall 13 (1960), Seiten 151-159.
[0019] Allen bisher in Zyklonen durchgeführten Prozessen, insbesondere auch metallurgischen
Prozessen, ist jedoch gemeinsam, daß das zu reagierende Gut als Feststoffpartikel
in den Zyklon eingebracht wird, daß die Festpartikel zur Durchführung der gewünschten
Reaktion jedoch in die flüssige oder meist gasförmige Phase überführt werden und daß
die am Ende gewünschten Reaktionsstoffe, insbesondere auch reduzierte Metalle, den
Zyklon gasförmig oder schmelzflüssig verlassen.
Chemische Reaktionen laufen in aller Regel in der schmelzflüssigen oder gasförmigen
Phase aber schneller ab als in der festen Phase und kommen damit den kurzen Verweilzeiten
und Reaktionszeiten im Zyklon entgegen bzw. erschienen dem Fachmann unverzichtbar.
Erfahrungswerte aus Zyklonreaktionen unter Beibehaltung der festen Phase für mindestens
einen Reaktanden lagen daher nicht vor. Die technisch und kommerziell zufriedenstellende
Durchführung eines so gesteuerten Zyklonverfahrens war daher weder vorgegeben noch
nahegelegt.
[0020] Anders als bei chemischen Reaktionen im Zyklon nach dem Stand der Technik muß die
Reduktion und/oder Karburierung entsprechender fester Teilchen unter Beibehaltung
der festen Phase erfolgen. Verflüssigung und/oder Verflüchtigung der festen Teilchen
und anschließende Sublimierung würden bei der Zyklon-Reaktion zu Endprodukten (Pulvern)
führen, die aufgrund ihrer strukturellen Pulverbeschaffenheit nicht zur Weiterverarbeitung
zu Hartmetall heute üblicher Qualität geeignet sind.
[0021] Ein wesentlicher Vorteil des gegenständlichen Verfahrens gegenüber den bekannten
Verfahren zur Erzeugung von Submikron- oder Nanophasenpulver für Pulver-Preßansätze
zur Herstellung von Hartmetall liegt darin, daß Vormaterialpulver (zu reduzierende
Metallverbindungen) verwendet werden können, wie sie ohne besondere Zusatzbehandlung
aus der Ersaufbereitung bereitgestellt werden und nach Anwendung dieses Verfahrens
zu Hartmetall sehr gleichmäßiger und feinkörniger Struktur verarbeitbar sind.
[0022] Die aus nach dem gegenständlichen Verfahren sehr wirtschaftlich gefertigten Pulveransätze
lassen Hartmetall-Qualitäten erreichen, die denjenigen entsprechen oder jenen sogar
überlegen sind, die nach den weiter vorne beschriebenen Verfahren, Herstellung von
Nanophasen-Verbundpulver, Herstellung von Submikrometer-Karbiden, erreicht werden.
[0023] Die Reaktionszeiten bei den chemischen Verfahrensschritten Reduktion und Karburierung
gemäß vorliegender Erfindung bis zur vollständigen Reaktion für mindestens 90 % Volumenanteil
des zu reagierenden Gutes in der festen Phase liegen aber wesentlich unter denen der
bekannten Verfahren. Dadurch ist eine wesentlich höhere Wirtschaftlichkeit des gegenständlichen
Verfahrens gegenüber dem bekannten Stand der Technik gegeben. Die Kostenvorteile des
gegenständlichen Verfahrens vergrößern sich noch aufgrund einer vergleichsweise bautechnisch
einfachen Ausgestaltung von Zyklon-Reaktionskammern, sowie wegen vergleichsweise günstigerer
Energie- und Gas-Verbrauchsdaten.
[0024] Metalloxide, bzw. für die Reduktion zu Metallpulver alternativ erhältliche Standardverbindungen,
werden üblicherweise in Teilchengrößen zwischen etwa 2 und 30 µm bereitgestellt und
ergeben nach dem erfindungsgemäßen Verfahren Metallpulver mit zur Ausgangspulvergröße
etwa vergleichbarer Teilchengröße, allerdings bei einem signifikanten Anteil an agglomerierten
Pulvern.
Agglomerierte Pulver sind grundsätzlich keine gute Ausgangsbasis für die Fertigung
von höchst feinkörnigem Hartmetall. Es war indes völlig überraschend, daß die durch
chemische Reduktion nach vorliegender Erfindung hergestellten Metallpulver durchgehend
eine extrem hohe, schwammartige Mikroporosität im Bereich von 0,1 µm aufweisen. Damit
besitzt aber das Metallpulver für die weitere Verarbeitung zu Karbid und Hartmetall
eine Qualität, wie es bisher allenfalls annähernd von dem als vorbekannt genannten
Nanophasen-Verfahren her bekannt war. Das Metallpulver läßt sich in einer Zyklon-Reaktion
in seinem gesamten Volumen vollständig karburieren und führt zu einer bisher nicht
erreichten, feinkörnigen Hartmetall-Qualität.
[0025] Nach einer bevorzugten Ausführung des chemischen Verfahrensschrittes im Zyklon beträgt
die Durchlaufzeit des zu reagierenden Gutes in der festen Phase 0,2 bis 10 s, und
zwar bei für mindestens 90 Vol.% der festen Phase vollständiger chemischer Überführung
in den vorbestimmten Reaktionszustand.
Zur Erhöhung des Volumenanteils mit vollständiger chemischer Reaktion wird der einzelne
chemische Verfahrensschritt im Zyklon wahlweise mindestens in einem weiteren Durchlauf
wiederholt.
[0026] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführung des Verfahrens werden dem Metalloxidpulver
oder der pulverförmigen Metallverbindung als dem zu reduzierenden Gut vor dem Verfahrensschritt
Reduktion metallische Zusatzwerkstoffe beigegeben, insbesondere die in Hartmetall
als Bindermetall verwendeten Metalle Co und/oder Ni. Dies geschieht durch Zugabe metallischer
Pulver, oder aber durch vorherige Herstellung einer festen Lösung, das heißt durch
Einbringen der Zusatzwerkstoffe in die feste Phase des zu reduzierenden Gutes.
[0027] Gemäß einzelner bevorzugter Ausführungen ergeben sich die folgenden Varianten für
das mehrere Teilschritte umfassende erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung von
Pulver-Preßansätzen für die Weiterverarbeitung zu feinkörnigem Hartmetall.
[0028] Eine erste Verfahrensvariante des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht in der Reduktion
von Metalloxid oder von vergleichbaren Metallverbindungen zu Metallpulver im Zyklon
nach dem Zyklonverfahren; bei hohen Reinheitsansprüchen an das zu erzeugende Metallpulver
auch in einer Wiederholung dieses Reduktionsschrittes.
[0029] Anschließend wird das so erhaltene Metallpulver in einer in der Hartmetallfertigung
häufig verwendeten Kugelmühle mit Kohlenstoffpartikeln innigst vermischt. Dabei werden
Agglomerate des schwammartigen Metallpulvers zerkleinert. Vorzugsweise werden bei
diesem Misch- und Mahlprozeß pulverförmige Zusatzmetalle (zur Bildung von Mischkarbiden
als Kornwachstums-Inhibitoren im Hartmetall) beigegeben. Die Pulvermischung wird weiter
nach üblichen Verfahren im Karburierungsofen zu Metallkarbid umgewandelt, nach üblichen
Standardverfahren mit dem Bindemetall (Kobalt- und/oder Nickelpulver) vermischt und
wahlweise über Attritormahlen und Sprühtrocknen in einen preßfertigen Pulveransatz
überführt. Der so erhaltene Pulverpreßansatz läßt sich mittels üblicher Preß- und
Sinterverfahren zu sehr feinkörnigem Hartmetall mit sehr hoher Phasenhomogenität verarbeiten.
[0030] Nach einer zweiten Variante werden die Metalloxide, wie oben, im Zyklon zu Metallpulver
reduziert. Im Unterschied zum oben beschriebenen Verfahren wird das so erhaltene Metallpulver
ebenfalls nach dem erfindungswesentlichen Zyklon-Verfahren im Zyklon zu Metallkarbid
weiterverarbeitet, und zwar gemäß zweier Untervarianten,
entweder im Anschluß an vorheriges externes Vermischen mit Kohlenstoffpartikeln (wie
oben) durch gleichzeitiges Einblasen dieser Mischung zusammen mit Trägergas und eventuell
mit Reaktionsgas in die Reaktionskammer,
oder nach einer zweiten Untervariante über direktes Einblasen des Metallpulvers gemeinsam
mit gasförmigen Kohlenstoffverbindungen, insbesondere Kohlenwasserstoffgasen und/oder
CO in den Zyklonreaktor.
Auch diese Variante wird durch übliche Mahl-, Misch- und Granulierprozesse ergänzt,
wobei Mahl- und Granuliervorgänge nicht zwingend erfolgen müssen.
[0031] Gemäß einer dritten bevorzugten Variante des Verfahrens werden die Metalloxide gemeinsam
mit einem Reduktionsgas und einem Kohlenstoff enthaltenden Gas in die Zyklon-Reaktionskammer
eingelassen, bzw. eingeblasen und es erfolgt während eines einzigen Gesamtdurchlaufes
in einem ersten Teil eines räumlich einheitlichen Gesamtreaktors zunächst die Reduktion
des Oxides zu Metallpulver und unmittelbar anschließend in einem zweiten Kammerteil
die Aufkohlung des reduzierten Metallpulvers zu Metallkarbid.
[0032] Wie für die erste Variante ausgeführt, können auch beim Karburierungsprozeß im Zyklon
neben dem Grundmetall, z.B. Wolfram und/oder Titan, Zusatzmetalle für die Mischkarbidbildung,
wie Niob, Tantal, Vanadium und Chrom, beigegeben und gleichzeitig mit dem Hauptmetall
zu Karbiden umgewandelt werden.
Für die begleitenden Misch-, Mahl- und Granuliervorgänge, sowie deren zwingende oder
wahlweise Anwendung, gilt ebenfalls das Obengesagte.
[0033] Das erfindungsgemäße Verfahren wird anhand der nachfolgenden Beispiele näher beschrieben.
BEISPIEL 1:
[0034] Zur Durchführung des Reduktionsverfahrens wird als Vorrichtung ein Zyklon mit den
Merkmalen vorliegender Erfindung und entsprechend der Darstellung in Figur 1 eingesetzt.
Die in Figur 1 dargestellte Gesamtanlage setzt sich zusammen aus einer als Zyklon
ausgestalteten Reaktionskammer aus Stahl, welcher eine zweite als Fallrohr ausgestaltete
Reaktionskammer zur chemischen Nachbehandlung des reagierten Gutes nachgeschaltet
ist, wobei diese Nachbehandlung und die zugehörige Reaktionskammer nicht Teil der
Erfindung sind.
Es handelt sich dabei um eine im Vergleich mit Anlagen für industrielle Fertigung
verkleinerte Pilotanlage, was die Durchsatzmenge an zu reduzierendem Gut pro Zeiteinheit
anbelangt.
[0035] In der ersten Stufe wird erfindungsgemäß pulverförmiges W
4O
11 über eine Einspeisevorrichtung (1) gemeinsam mit Reaktions- und/oder Trägergas in
den Kopfteil einer zur Fallrichtung etwa rotationssymmetrischen Reaktionskammer (2)
eingeblasen. Die Gasmenge wird mittels eines Flußmeters (7) dosiert. Die Reaktionskammer
wird mittels einer elektrischen Heizeinrichtung (6) auf Reaktionstemperatur von 1100°C
gebracht. Das pulverförmige Reaktionsprodukt verläßt die Kammer am unteren Ende, fällt
in einen Vorratsraum mit Förderschnecke (3) und wird über diese in die zweite Reaktionskammer
(4) mit Heizeinrichtung (6) eingeleitet. Das Abgas (8), Reaktions- und/oder Trägergas
sowie H
2O-Dampf als Reaktions-Endprodukt, verlassen die erste Kammer an ihrem Kopfteil.
In der zweiten Prozeßstufe treten sowohl das reagierte Gut, das ist hochreines Wolframpulver,
als auch die Abgase, am unteren Ende der senkrecht ausgerichteten rohrförmigen Kammer
aus. Das Wolframpulver wird in einem Behälter (5) gesammelt.
Die Temperatursteuerung des gesamten zweistufigen Prozesses erfolgt mittels eines
Thermoelementes (9) am Abgasauslaß der ersten Reaktionskammer.
[0036] Bei einer kontinuierlich zugegebenen Pulverdurchsatzmenge von 1000 g W
4O
11 (Wolframoxid blau) pro Stunde wird eine Gasmenge von 4000 l H
2-Gas eingesetzt, das heißt ein großer Gasüberschuß bezogen auf die stöchiometrischen
Reaktionsmengen. Wolframoxid als zu reduzierendes Gut und H
2 als Träger- bzw. Reduktionsgas werden dem Zyklon getrennt zugeführt. Das Träger-
bzw. Reduktionsgas wird am oberen Ende mit hoher Strömungsgeschwindigkeit vorzugsweise
horizontal in die Kammer eingeleitet. Das pulverförmige zu reduzierende Gut wird so
an die Gaseinlaßdüse herangeführt, daß es beim Eintritt in die Kammer vom Gasstrahl
mitgerissen, mit diesem intensiv verwirbelt und vermischt wird und die Kammer entsprechend
der Führung des Gasstromes auf vorbestimmten Flugbahnen durchläuft. Das zu Wolframpulver
reduzierte Gut verläßt die Reduktionskammer nach 1 - 2 s Durchlaufzeit und besitzt
beim Austritt einen Restsauerstoff-Gehalt von 10.500 µg/g. Das austretende Wolframpulver
hat eine dem eingelassenen Pulver vergleichbare Korngröße von größenordnungsmäßig
20 µm Durchmesser, wobei jedoch die einzelnen Pulverteilchen, bzw. -körner in ihrem
gesamten Volumen durchgehend eine große Porigkeit aufweisen. Die räumliche Ausdehnung
der Substruktur im Wolframpartikel liegt bei 0,1 µm.
[0037] Für die Herstellung hochreiner Wolframpulver mit sehr niedrigem Sauerstoff-Restgehalt
wird der Reduktionsprozeß im Zyklon einmal wiederholt.
[0038] Das so gewonnene Wolframpulver wird nach üblichen Verfahren in Karbid umgewandelt.
Dazu wird das Wolframpulver zunächst mit einem für Wolframkarbid, WC stöchiometrischen
Anteil an feinen Rußteilchen in der Kugelmühle intensiv vermischt. Dabei werden einzelne
Agglomerate des Wolframpulvers zerkleinert. Der so gewonnene Ansatz wird in einem
Graphitofen mit Induktionsheizung unter H
2-Atmosphäre bei 1300°C während 3 Stunden karburiert. Es entsteht reines Wolframkarbid
mit einem Kohlenstoffgehalt von 6,12 % sowie einem Restsauerstoffgehalt von 1200 µg/g.
[0039] Das Karbid wird mit Bindermetall und üblichen Mengen an Mischkarbiden (Niobkarbid,
Tantalkarbid) vermischt und wahlweise über Attritormahlung und Sprühtrockung zu rieselfähigem
Granulat verarbeitet.
[0040] Aus derartigen Pulveransätzen mittels Pressen und Sintern nach üblichen Verfahren
hergestellte Hartmetallproben besitzen außergewöhnlich große Feinkörnigkeit bei sehr
homogener Hartmetallstruktur.
BEISPIEL 2:
[0041] Die verwendete Vorrichtung entspricht derjenigen von Beispiel 1, ohne daß dem Zyklon
ein Fallrohr nachgeschaltet ist.
Wolframoxid, blau, wird entsprechend der in Beispiel 1 genannten Verfahrensbedingungen
im Zyklon zu Wolframpulver reduziert.
Abweichend von Beispiel 1 wird das Wolframpulver anschließend ebenfalls in einem mit
Graphit ausgekleideten Zyklonreaktor mit Hilfe von kohlenstoffhaltigen Gasen plus
Trägergas (CH
4/H
2-Gemisch) zu Wolframkarbid weiterverarbeitet. Die Karburierung erfolgt einstufig bei
einer Zyklon-Temperatur von 1100°C.
Für einen Wolframpulver-Durchsatz von 1000g/h wird ein Gasdurchsatz von 6000 l/h einreguliert.
Die Methankonzentration im CH
4/H
2-Gemisch beträgt 1,1 Vol.%. Das entspricht einer C-Aktivität von 0,8 g/mol bei 1100°C.
Das eingeblasene Wolframpulver verläßt den Zyklon nach 4 s als Mischung aus W
2C und WC, jedoch ohne Anteile an freiem Kohlenstoff. Der Kohlenstoff-Gehalt im Karbid
beträgt 4,5 Gew.%, der Restsauerstoff-Gehalt 2390 µg/g. Dabei ist ein unverzichtbarer,
entscheidender Vorteil, daß Reaktionsgas durch die Mikroporosität des Ausgangspulvers
unmittelbar an den Ort der Reaktion gelangt und dadurch die Reduktionsgeschwindigkeit
hoch ist.
Das so erhaltene Gemisch W
2C / WC wird in einem zweiten Durchlauf durch den Zyklonreaktor unter etwa gleichen
Bedingungen wie oben zu reinem Wolframkarbid WC (C-Gehalt = 6,12 %) umgewandelt.
[0042] Entsprechend Beispiel 1 werden preßfertige Pulveransätze durch Vermischen des WC
mit Bindermaterial und kleinen Anteilen an Mischkarbiden bei wahlweiser Granulierung
mittels Sprühtrocknuflg fertiggestellt.
Das aus diesen Pulveransätzen gewonnene Hartmetall entspricht in seiner feinkörnigen
Struktur und Homogenität demjenigen nach Beispiel 1.
BEISPIEL 3:
[0043] Ausgestaltung der Zyklon-Vorrichtung und Reduktionsverfahren des Wolframoxids zu
Wolframpulver in zwei aufeinanderfolgenden Durchläufen entsprechen denjenigen von
Beispiel 1.
[0044] Die anschließende Karburierung erfolgt wiederum im Zyklonreaktor, jedoch im Unterschied
zu Beispiel 2 unter Verwendung von CO als Karburierungs- und Trägergas. Das aus dem
Zyklonreaktor gewonnene Wolframpulver wird dazu bei einer Durchsatzmenge von 1000
g/h mit einer Gasmenge von 6000 l/h (CO-Gas) kontinuierlich in die Kammer eingebracht
und bei 1000°C Kammertemperatur in einem einstufigen Prozeß zu W
2C und WC (C-Gehalt 4,2 Gew.%) und einem Restsauerstoff-Gehalt von 3240 µg/g reagiert.
Die Röntgendiffraktometer-Untersuchung ergibt, daß neben W
2C geringe Mengen WC, aber kein freier Kohlenstoff im so erhaltenen Endprodukt vorhanden
ist. Die Durchlaufzeit für die zu karburierenden Teilchen im Zyklonreaktor beträgt
1 - 2 s.
[0045] Das so gewonnene W
2C-WC-Pulvergemisch wird in einem zweiten Verfahrensschritt im Zyklon unter etwa den
gleichen Versuchsbedingungen wie für die erste Karburierungsstufe zu reinem Wolframkarbid
WC bei nur sehr kleinem Sauerstoffrest-Gehalt und ohne nachweisbare Reste an freiem
Kohlenstoff weiterreagiert.
Die Fertigstellung der Pulversätze über Mischen und wahlweises Granulieren erfolgt
wie in den Beispielen 1 und 2.
Ein aus diesen Pulveransätzen nach üblichen Verfahren hergestelltes Hartmetall weist
hohe Feinkörnigkeit und hohe Materialhomogenität auf.
1. Verfahren zur Herstellung von Pulver-Preßansätzen für feinkörniges Hartmetall auf
Metallkarbidbasis, ausgehend vom Metalloxidpulver oder von reduzierbaren pulverförmigen
Metallverbindungen und einschließend die Verfahrensschritte
- Reduktion des Metalloxids oder der Metallverbindung zu Metall
- Karburierung des Metalls
- mechanisch-chemisches Pulveraufbereitungs- und/oder Mischverfahren
dadurch gekennzeichnet,
daß zumindest in einer der beiden chemischen Verfahrensschritte Reduktion und Karburierung
eine Zyklon-Vorrichtung und das Zyklon-Verfahren angewandt werden, welche die Summe
folgender Merkmale aufweisen
- die Vorrichtung ist eine temperierbare, zumindest abschnittsweise um eine Vorrichtungslängsachse
in etwa rotationssymmetrisch ausgestaltete Reaktionskammer mit Ein- und mit Auslaßöffnungen
für sowohl das zu reduzierende und/oder zu karburierende pulverförmige Gut, als auch
für mit dem Gut reagierende Stoffe und für Trägergas
- das kontinuierlich eingebrachte pulverförmige Gut durchläuft die Reaktionskammer
unter Beibehaltung des festen Phasenzustandes mit zumindest abschnittsweise zur Kammerwand
tangentialen, hohen Pulvergeschwindigkeiten auf vorbestimmten Flugbahnen
- die Flugbahnen werden über Flugrichtung und Geschwindigkeit des pulverförmigen Gutes
beim Einlaß, sowie mittels der Strömungsparameter von Träger- und/oder Reaktionsgas
am Einlaß gesteuert
- das pulverförmige Gut verläßt die Vorrichtung mindestens mit einem Volumenanteil
von 90 % chemisch reagiert im Mittel 0,1 - 60 s nach seinem Einlaß.
2. Verfahren zur Herstellung von Pulver-Preßansätzen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß das pulverförmige Gut während 0,2 - 10 s Durchlaufzeit in den vorbestimmten Reaktionszustand
überführt wird.
3. Verfahren zur Herstellung von Pulver-Preßansätzen nach Anspruch 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet,
daß in der Vorrichtung hohe Relativgeschwindigkeiten zwischen festen und gasförmigen
Stoffen auftreten.
4. Verfahren zur Herstellung von Pulver-Preßansätzen nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß zumindest einer der beiden Verfahrensschritte Reduktion und Karburierung mindestens
einmal wiederholt wird.
5. Verfahren zur Herstellung von Pulver-Preßansätzen nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß dem Metalloxidpulver oder der pulverförmigen Metallverbindung vor der Reduktion
metallische Zusatzwerkstoffe in Form von separatem Pulver oder durch vorherige Bildung
einer festen Lösung im zu reduzierenden Gut beigegeben werden.