[0001] Die Erfindung betrifft eine gebaute Nockenwelle, insbesondere für Brennkraftmaschinen,
mit einem Wellenkörper, auf dem gesondert hergestellte Nocken fixiert sind. Gebaute
Nockenwellen, beispielsweise mit einem Stahlrohr als Wellenkörper, können diverse
an- bzw. aufgesetzte Teile besitzen, nämlich Nocken, Kettenradaufnahme, Axiallager,
Axiallagerschulter, Signalgeber, Kettenrad oder dergleichen.
[0002] Eine Nockenwelle wird als "gebaut" bezeichnet, wenn der Wellenkörper und die Nocken
auf getrennte Weise hergestellt und die im wesentlichen fertig bearbeiteten Nocken
auf dem Wellenkörper, z.B. durch Aufstecken, fixiert werden. Solche gebauten Nockenwellen
und ihre Montage werden beschrieben in DE 41 21 951 C1 und in DE 195 20 306 A1. Es
gibt im Stand der Technik auch einstückig, also mit angeformten Nocken, hergestellte
Nockenwellen, die z.B. aus Eisen gegossen sein können. Die Nockenwellen können auch
bereits als Hohlkörper hergestellt werden; in diesem Zusammenhang wird verwiesen auf
GB- PS 15 96 442, GB-PS 11 91 202, JP-A-619 959, EP 0 154 787 B1 und EP 0 272 471
B1. Gegossene Nockenwellen werden in der Regel so hergestellt, daß sie die Nocken
und sonstigen Funktionsteile bereits beim Gießen einstückig umfassen.
[0003] Bei modernen Brennkraftmaschinen, für die die hier beschriebenen Nockenwellen bevorzugt
vorgesehen sind, werden mit Hilfe der Nocken nicht, wie früher, gerade Stößel, sondern
Hebel mit angesetzten kleinen Rollen betätigt. Die Rollen laufen an den Nocken ab.
Es werden dabei Nocken gebraucht, die nicht nur sehr exakt zu bearbeiten sind (Genauigkeit
in der Größenordnung von Mikrometern), sondern auch wegen der Kinematik des Hebelgestänges
wenigstens einen konkaven Bereich am Umfang erfordern. Unter einem "konkaven" Bereich
wird in diesem Sinne ein Nocken-Umfangsabschnitt mit über zwei geometrische Wendepunkte
abnehmendem und wieder zunehmendem Radius der Nocke bezeichnet. Über den konkaven
Umfangsabschnitt läuft die Hebelrolle wie ein Autorad durch eine Bodenwelle. Selbstverständlich
soll der konkave Umfangsbereich ebenso exakt wie die übrigen Teile des Nockenumfangs
bearbeitet werden. Der Erfinder hat erkannt, daß diese Genauigkeitsvorschriften mit
wirtschaftlich vertretbaren Mitteln nur bei einzeln gefertigten Nocken, z.B. durch
Sintern, zu erreichen sind. Wenn Hebelgestänge durch die Nocken zu betätigen sind,
kommen also praktisch nur gebaute Nockenwellen in Frage.
[0004] In der Praxis werden Nockenwellen von Brennkraftmaschinen bereits nach schwingungstechnischen
Gesichtspunkten durch Formgebung des Wellenschafts gewuchtet, so daß möglichst bei
allen in Frage kommenden Drehzahlen eine optimale Laufruhe vorliegt. Eine solche Wuchtung
kommt bei einer, beispielsweise ausgehend von einem Stahlrohr, gebauten Nockenwelle
nicht wirklich in Frage, da man ein Stahlrohr mit wirtschaftlich und sicherheitstechnisch
vertretbaren Mitteln sowie mit der zugleich geforderten Mikrometer-Genauigkeit nicht
wuchten kann. Derartig optimal gewuchtete Nockenwellen gibt es im Handel nur als Eisenguß.
Bei diesen Nockenwellen lassen sich aber (siehe oben) die Nocken selbst nicht mit
der von der modernen Technik geforderten Genauigkeit bearbeiten.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Nockenwelle zu schaffen, deren Nocken
sich wie bei einer gebauten Nockenwelle (vor dem Zusammenbau) exakt bearbeiten lassen
und deren Wellenkörper sich wie bei einer gegossenen Nockenwelle den Auswuchtvorschriften
entsprechend formen läßt.
[0006] Die erfindungsgemäße Lösung besteht für die eingangs genannte gebaute Nockenwelle
mit einem Wellenkörper, auf dem gesondert hergestellte Nocken fixiert werden können,
darin, daß ein durch Gießen hergestellter Wellenkörper vorgesehen ist. Im Rahmen der
Erfindung kann der Wellenkörper alternativ aber auch unter anderem durch Schmieden
hergestellt werden.
[0007] Demgemäß wird durch die Erfindung eine gegossene, geschmiedete usw. Nockenwelle zur
Aufnahme einer Vielzahl von Nockenteilen zur Herstellung einer zusammengesetzten bzw.
gebauten Nockenwelle geschaffen. Diese Nockenwelle soll gemäß weiterer Erfindung mit
Ausnahme der eigentlichen Nocken möglichst alle ihre weiteren Funktionsteile, wie
Kettenradaufnahme, Axiallager und Positionsgeber, herstellungsbedingt bzw. einstückig
als festen Bestandteil des Gußkörpers, Schmiedekörpers oder dergleichen umfassen.
An den Wellenkörper sollen also außer den eigentlichen Nocken die anderen Funktionsteile
bei der Wellenherstellung einstückig angeformt werden.
[0008] Es kommt bei der erfindungsgemäßen Nockenwelle weniger auf die Herstellungsart (Gießen,
Schmieden oder dergleichen) als auf das Herstellungsergebnis an. Die Welle soll so
ausgebildet sein, als sei sie gegossen. Der Einfachheit halber wird daher im folgenden
oft nur einer gegossenen Nockenwelle gesprochen.
[0009] Dadurch, daß erfindungsgemäß ein einschließlich der genannten weiteren Funktionsteile
einstückig "gegossener" Wellenkörper verwendet wird, können die bei herkömmlich (aufbauend
auf einem Stahlrohr) gebauten Nockenwellen erforderlichen Sonderarbeiten zum Aufbringen
oder Fixierens der genannten weiteren Funktionsteile, wie Kettenradaufnahme, Axiallager
und Positionsgeber, überraschenderweise im wesentlichen eingespart werden. Diese Teile
erfordern nämlich beim Ausformen des Wellenkörpers nur Nachbearbeitungen mit geringerer
Genauigkeit als die Nocken.
[0010] Die erfindungsgemäße Kombination der Herstellungsschritte von herkömmlich gebauten
Nockenwellen und herkömmlich gegossenen Nockenwellen bringt also den unerwarteten
technischen und wirtschaftlichen Vorteil, daß die hoch exakt zu bearbeitenden Nocken
getrennt herstellbar und die weniger exakt zu bearbeitenden übrigen Funktionsteile
zusammen mit dem Wellenkörper herstellbar sind. Damit läßt sich eine so präzise wie
eine gebaute Nockenwelle mit etwa dem geringen Aufwand einer insgesamt gegossenen
Nockenwelle produzieren.
[0011] Ein entscheidender Vorteil der Erfindung besteht darin, daß der gegossene Wellenkörper
bereits bei seiner Herstellung in einer vorgegebenen Weise schwingungstechnisch optimal
ausgewuchtet zu formen ist. Gemäß weiterer Erfindung kann nämlich die Welle mit Vorteil
bei der Herstellung (Gießen, Schmieden usw.) den vorbestimmten Auswuchtregeln entsprechend
profiliert werden.
[0012] Es kommen im Rahmen der Erfindung sowohl massive als auch hohle Wellenkörper in Frage.
Die Wellenkörper von Nockenwellen lassen sich z.B. nach der eingangs genannten EP
0 272 471 B1 unter Verwendung von Glaskörpern mit durchgehendem Loch, mit Sacklöchern
und/oder innerem Hohlraum gießen. Es liegt im Rahmen der Erfindung, beim Gießen des
jeweiligen Hohlraums bereits eine auf der Innenseite der Welle vorgegebene Profilierung
unmittelbar zu erzeugen, so daß die Welle im wesentlichen schon bei diesem ersten
Herstellungsgang den vorbestimmten schwingungstechnischen Gesichtspunkten entsprechend
ausgewuchtet fabriziert wird. Zusätzlich oder an die Stelle dieser Innen-Profilierung
kommt gemäß noch weiterer Erfindung eine Außen-Profilierung - insbesondere auch entsprechend
der vorgesehenen Auswuchtung - in Frage.
[0013] Der Wellenkörper kann im Rahmen vorliegender Erfindung aus metallischem oder nicht
metallischem Werkstoff, insbesondere aus Eisen-Kohlenstoff-Material, aus legiertem
oder unlegiertem Eisen, aus Lamellen- oder Kugelgraphiteisen oder -stahlguß sowie
aus Spritzguß und dergleichen im Motorenraum von Brennkraftmaschinen einsetzbaren
Materialien, bestehen. Die Erfindung bezieht sich im engeren Sinne nur auf den einstückig
mit den zusätzlich zu den Nocken erforderlichen Funktionsteilen - aber ohne exakt
nachzubearbeitende Nocken - hergestellten und gegebenenfalls gewuchteten Wellenkörper.
Die einzeln produzierten Nocken selbst können entsprechend bekannten Fügeprozessen
(vgl. die oben genannten DE 41 21 951 C1 und DE 195 20 306 A1) nach im wesentlichen
vollständiger Vorbearbeitung auf dem Wellenkörper fixiert werden.
[0014] Anhand der schematischen Darstellung von Ausführungsbeispielen werden Einzelheiten
der Erfindung erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine herkömmlich gebaute Nockenwelle, teilweise im Schnitt;
- Fig. 2
- eine erfindungsgemäß gebaute Nockenwelle mit gegossenem Wellenkörper;
- Fig. 3
- das gegossene Rohteil des Wellenkörpers nach Fig. 2; und
- Fig. 4
- einen Querschnitt durch eine einzelne Nocke.
[0015] Fig. 1 zeigt eine gebaute Nockenwelle 1 mit einem Wellenkörper 2, auf dem gesondert
hergestellte Nocken 3 fixiert sind. Zum Fixieren der einzelnen Nocke 3 können in einen
Bund 4 des Wellenkörpers 2 eingesetzte, gewellte Spannhülsen 5 dienen. Auf den Wellenkörper
2, der nach Fig. 1 vorzugsweise aus einem Stahlrohr herzustellen ist, müssen zum Vervollständigen
der Nockenwelle 1 in der Regel eine Nabe bzw. Kettenradaufnahme 6, ein Axiallager
7 mit Schulter 8 und meist auch ein asymmetrischer Positionsgeber 9 (für die erste
Zylinder-Totpunkt-Erkennung) fixiert werden. Die Aufnahme 6 und/oder die Schulter
8 können auch selbst als Kettenrad ausgebildet werden. Die Teile 6 bis 9 müssen für
die Vervollständigung einer herkömmlich gebauten Nockenwelle 1 nach Fig. 1 gesondert
hergestellt werden.
[0016] Die Fig. 2 und 3 insgesamt mit 11 bezeichnete erfindungsgemäße Nockenwelle mit aus
Gußeisen bestehendem Wellenkörper 12 sieht äußerlich im wesentlichen genauso aus,
wie die ganz gebaute Nockenwelle 1 nach Fig. 1. Insbesondere können die Nocken 3 mit
Bund 4 und Spannhülse 5 praktisch genauso aufgebracht werden wie nach Fig. 1. Ein
wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, daß die Aufnahme 16, das Axiallager
17, die Schulter 18 und der (asymmetrische) Signalgeber 19 bereits einstückig am Wellenkörper
11 bei der Herstellung des Rohkörpers 20 nach Fig. 3 entstehen. Selbstverständlich
soll der gegossene Rohkörper 20 vor der Weiterverarbeitung, insbesondere vor dem Aufbringen
der Nocken 3, an seiner Oberfläche bearbeitet werden; beispielsweise kann eine Außenschicht
21 abgetragen werden, so daß die Kontur nach Fig. 2 entsteht. Beim Abtragen der Außenschicht
21 können auch die Bunde 4 an den für die Nocken 3 vorgesehenen Positionen erzeugt
werden.
[0017] Ein wesentlicher Vorteil der erfindungsgemäßen Nockenwelle besteht darin, daß der
Wellenkörper 12 bereits in seiner Form als Rohkörper 20 (Fig. 3) durch das Gießen
(gegebenenfalls auch durch das Schmieden usw.) in der nach schwingungstechnischen
Gesichtspunkten optimalen Weise ausgewuchtet fabriziert werden kann. In diesem Sinne
können bereits beim Gießen an der Oberfläche des Rohkörpers 20 Einbuchtungen 22 an
bestimmten Stellen der Oberfläche vorgesehen werden. Beispielsweise kann der Wellenkörper
12 im Bereich zwischen jeweils zwei Nocken 3, an denen keine Lager 23 erforderlich
sind, einen ovalen, rechteckigen oder dergleichen unrunden Querschnitt erhalten, um
die gewünschte Auswuchtung zu erreichen. Die Verformung zwecks Wuchtung soll so erfolgen,
daß das Aufsetzen der Nocken 3 nicht behindert wird; Ausbuchtungen der Außenfläche
sind also in der Regel nicht zulässig.
[0018] Erfindungsgemäß kann die durch die beschriebene Profilierung der Wellenkörper-Außenfläche
erreichte Auswuchtung aber auch oder zusätzlich durch entsprechende Profilierung einer
hohl gegossenen (oder auf andere Weise hohl gestellten) Nockenwelle erreicht werden.
Wenn beispielsweise innerhalb des gegossenen Wellenkörpers 12 bzw. des Rohkörpers
20 ein sackförmiger Hohlraum 24 nach Fig. 2 oder 3, z.B. durch Einsetzen eines Quarzgutkerns,
gebildet wird, kann - bei entsprechender Formgebung des Kerns - bereits beim Gießen
auf der Innenfläche eine Profilierung mit Ausbuchtungen 25 oder Einbuchtungen 26 so
hergestellt werden, daß die Welle nach vorgegebenen, z.B. berechneten, Regeln bereits
als Rohkörper ausgewuchtet ist.
[0019] Fig. 4 zeigt als Beispiel den Querschnitt einer erfindungsgemäß auf dem Wellenkörper
12 zu befestigenden Nocke 3, die an einer Stelle ihrer Lauffläche, also ihres Umfangs
27, einen konkaven Bereich 28 mit zwei Wendepunkten 29 besitzt. Übrigens kann die
Innenfläche 30 der Nocke 3 mit einem Wellenprofil passend zum Wellenprofil der Spannhülse
5 (Fig. 1 und 2) ausgestattet werden.
[0020] Es wird eine gebaute Nockenwelle mit einem Wellenkörper, auf dem gesondert hergestellte
Nocken fixiert sind, beschrieben. Um zu erreichen, daß die einzelnen Nocken mit höchster
Exaktheit und auch mit konkaven Umfangsbereichen bzw. Laufflächen herzustellen sind
und zugleich der Wellenkörper in einer aus schwingungstechnischen Gesichtspunkten
optimalen Weise auszuwuchten ist, wird ein durch Gießen, Schmieden oder dergleichen
hergestellter Wellenkörper vorgesehen. An den Wellenkörper können abgesehen von den
Nocken alle seine Funktionsteile, wie Kettenradaufnahme, Axiallager und Positionsgeber,
herstelllungsbedingt einstückig angeformt werden.
Bezugszeichenliste
[0021]
- 1=
- Nockenwelle (Fig. 1)
- 2=
- Wellenkörper (Fig. 1)
- 3=
- Nocke
- 4=
- Bund
- 5=
- Spannhülse
- 6=
- Kettenradaufnahme
- 7=
- Axiallager
- 8=
- Schulter (7)
- 9=
- Signalgeber
- 11=
- Nockenwelle (Fig. 2 und 3)
- 12=
- Wellenkörper (Fig. 2 und 3)
- 16=
- Kettenradaufnahme (Fig. 2)
- 17=
- Axiallager (Fig. 2)
- 18=
- Schulter von 17 (Fig. 2)
- 19=
- Signalgeber
- 20=
- Rohkörper
- 21=
- Außenschicht (20)
- 22=
- Einbuchtung
- 23=
- Lager
- 24=
- Hohlraum
- 25=
- Ausbuchtung (24)
- 26=
- Einbuchtung (24)
- 27=
- Umfang (3)
- 28=
- konkaver Bereich (27)
- 29=
- Wendepunkt (28)
- 30=
- Innenfläche (3)
1. Gebaute Nockenwelle, insbesondere für Brennkraftmaschinen, mit einem Wellenkörper,
auf dem gesondert hergestellte Nocken (3) fixiert sind,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein durch Gießen hergestellter Wellenkörper (12) vorgesehen ist.
2. Gebaute Nockenwelle, insbesondere für Brennkraftmaschinen, mit einem Wellenkörper,
auf dem gesondert hergestellte Nocken (3) fixiert sind,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein durch Schmieden hergestellter Wellenkörper (12) vorgesehen ist.
3. Nockenwelle nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß an den Wellenkörper (12) außer den Nocken (3) alle seine Funktionsteile, wie Kettenradaufnahme
(16), Axiallager (17) mit Schulter (18) und Positionsgeber (19), herstellungsbedingt
einstückig angeformt sind.
4. Nockenwelle nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Wellenkörper (12) außen (22) und/oder innen (25, 26) profiliert ist.
5. Nockenwelle nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Wellenkörper (12) aus metallischem oder nicht metallischem Werkstoff, insbesondere
aus Eisen-Kohlenstoff-Material, aus legiertem oder unlegiertem Eisen, aus Lamellen-
oder Kugelgraphiteisen- oder -stahlguß, aus Spritzguß oder dergleichen im Motorenraum
einer Brennkraftmaschine einsetzbarem Werkstoff, besteht.