[0001] Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind Arzneimittel enthaltend wenigstens ein
Polypeptid bzw. Protein, das hinsichtlich der Aminosäuresequenz zumindest teilweise
dem UL84-Protein des humanen Cytomegalovirus entspricht. Diese Polypeptide können
zur Hemmung der Vermehrung von humanen Cytomegaloviren (im folgenden kurz HCMV) eingesetzt
werden, wobei entweder die Polypeptide auf üblichem Wege verabreicht werden oder die
Gene kodierend für diese Polypeptide mit Hilfe geeigneter Vektoren in die Zielzellen
eingebracht werden und dort zur Expression gebracht werden.
[0002] Das humane Cytomegalovirus (HCMV) ist ein ubiquitär verbreitetes Virus. Es dürften
etwa 50 % der Bevölkerung in Mitteleuropa als seropositiv angesehen werden und diese
Personen tragen demnach das Virus in einer latenten Form in sich.
[0003] Das HCMV verursacht ein der Infektiösen Mononukleose ähnliches Krankheitsbild, aber
ansonsten leiden gesunde Personen selten an einer HCMV-induzierten Erkrankung.
Bestimmte Risikogruppen, wie beispielsweise Neugeborene und vor allem immunsupprimierte
Patienten, sowie die Empfänger von Transplantaten können durch HCMV-Infektionen bedroht
sein. Es kann zu lebensbedrohlichen oder auch zu Erblindung führenden Krankheitsbildern
wie Sepsis, Pneumonie, Colitis oder Retinitis kommen. Diese Komplikationen treten
vor allem nach Organtransplantationen, bei HIV-Infektionen, unter Zytostatika-Therapie
und bei Neugeborenen nach pränataler Infektion auf.
[0004] Die klinischen Manifestationen der HCMV-Infektion sind sehr vielfältig. Einerseits
kann eine generalisierte Infektion im Sinn einer Sepsis entstehen, häufig ist aber
das Krankheitsgeschehen auf ein Organsystem konzentriert, so daß eine lokalisierte
therapeutische Behandlung wünschenswert ist. Zu den wichtigsten Organmanifestationen
zählen die Pneumonie, gastrointestinale Erkrankungen (z.B. Gastritis, Ulzerationen
im Magen/Darmtrakt), die Retinitis, Hautulzerationen (insbesondere bei AIDS-Patienten)
sowie stenosierende Gefäßprozesse (z.B. nach perkutaner, transluminaler Koronarangioplastie
= PTCA, nach Herztransplantation).
[0005] Bei vielen dieser Krankheitsbilder ist eine dauernde, virostatische Therapie notwendig,
so daß hier ein Therapieprinzip, das zu einer "intrazellulären Immunität" gegen HCMV
führt, von großem Vorteil ist.
[0006] Derzeit stehen zur Therapie von HCMV-Infektionen im wesentlichen zwei Medikamente
zur Verfugung, nämlich Ganciclovir und Foscamet. Diese beiden Substanzen greifen an
der viral kodierten DNA-Polymerase an, deren Funktion sie hemmen. Diese Substanzen
haben aber gravierende Nachteile. Sie weisen ein ausgeprägtes Toxizitätsprofil auf,
so daß bei 20 bis 40 % aller behandelten Patienten ein Abbruch der Therapie notwendig
wird. Andererseits handelt es sich um eine virostatische Therapie, die zum Teil über
lange Behandlungszeiträume erforderlich ist. Es kommt daher sehr leicht zum Auftreten
von resistenten Virusvarianten und dadurch ist die Wirksamkeit dieser Medikamente
nicht mehr gegeben.
[0007] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung werden Polypeptide eingesetzt, die in die genetische
Regulation des Cytomegalovirus eingreifen.
[0008] Wie allgemein bei Herpesviren, wird der Replikationszyklus des HCMV in drei verschiedene
Phasen unterteilt, die als immediate early (sehr früh), early (früh) und late (spät)
bezeichnet werden. Unmittelbar nach Eintritt des Virus in die Zielzelle kommt es zur
Expression einer limitierten Anzahl von Proteinen, den sogenannten immediate early-Proteinen,
die immunologisch klassifiziert werden können. Diese immediate early-Proteine haben
zum Teil eine Transaktivator-Funktion, sie können also andere virale Promotoren aktivieren
und leiten somit die nächste Phase der viralen Genexpression, also die early oder
Frühphase ein. Gleichzeitig modifizieren einige dieser immediate early-Proteine auch
die zelluläre Genexpression und können heterologe virale Promotoren beeinflussen.
[0009] Essentiell für eine Aktivierung von frühen viralen Promotoren ist hierbei das IE2-Protein,
das eine Molekularmasse von 86 kDa aufweist und in der Literatur auch als IE86, IE80
oder IE2-86 bezeichnet wird. Das IE86-Protein ist notwendig für die Stimulation der
frühen Genexpression, während andere IE-Proteine einen zusätzlichen, verstärkenden
Effekt ausüben können.
[0010] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wurde festgestellt, daß ein anderes von HCMV
stammendes Protein, das Protein UL84, einerseits die transaktivierende Funktion von
IE86 hemmt und andererseits die durch IE86 vermittelte Negativ-Regulation des IE1/2
Enhancer/Promotor verstärkt. Aufgrund dieser Erkenntnis konnte nachgewiesen werden,
daß eine Expression des Proteins UL84 während der immediate early-Phase des Replikationszyklus
von HCMV die Virusvermehrung hemmt.
[0011] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung konnte die Interaktion des IE86-Proteins mit
dem viral kodierten UL84-Protein abgeklärt werden. Hierzu wurde zunächst ein eukaryonter
Expressionsvektor konstruiert, der das UL84-Protein des HCMV fusioniert mit einem
antigenen Peptid (FLAG_-Epitop) exprimierte. Dies erlaubte den immunologischen Nachweis
des Proteins mit Hilfe eines gegen das FLAG_-Epitop gerichteten monoklonalen Antikörpers.
COS7-Zellen wurden kotransfiziert einerseits mit diesem UL84-Expressionsvektor und
andererseits mit einem Vektor, der das IE86-Protein exprimierte. Eine anschließende
Immunpräzipitationsanalyse zeigte, daß UL84, unabhängig von anderen viralen Proteinen,
eine stabile Interaktion mit IE86 eingehen kann. Dies wurde auch durch einen in vitro-Versuchsansatz,
eine sogenannte "pull down"-Analyse bestätigt.
[0012] Um die funktionellen Effekte dieser Interaktion zu untersuchen, wurden Reporterkonstrukte,
die Luziferase unter Kontrolle verschiedener homologer und heterologer Promotoren
exprimierten, zusammen mit den UL84- und/oder IE86-Expressionsplasmiden in Kotransfektionsexperimenten
eingesetzt. Diese Versuche ergaben den überraschenden Befund, daß das UL84-Protein
die IE86-vermittelte Transaktivierung sehr stark und dosisabhängig hemmte, während
es für sich allein genommen die untersuchten Promotoren nicht beeinflußte. Dies konnte
sowohl für den Promotor des menschlichen Immundefizienzvirus als auch für einen frühen
viralen Promotor des HCMV, nämlich den UL112-Promotor nachgewiesen werden.
[0013] Nachdem die Aktivierung von frühen viralen Promotoren essentiell ist für ein Fortschreiten
des Replikationszyklus, ergab sich im Rahmen der vorliegenden Erfindung, daß eine
Expression von UL84 zu immediate early-Zeiten die Replikation des HCMV hemmen kann.
Dies konnte durch zwei unterschiedliche Versuchsansätze bestätigt werden. Nach Transfektion
von für HCMV permissiven U373-Zellen mit dem das Protein UL84 exprimierenden Plasmid
und anschließender Superinfektion mit HCMV konnte in UL84 exprimierenden Zellen kein
frühes virales Antigen nachgewiesen werden. Dies ist ein klarer Hinweis auf die Hemmung
der frühen Genexpression durch UL84.
[0014] In einem anderen Versuchsansatz wurden Zellinien etabliert, die das UL84-Protein
stabil exprimierten. Nach Infektion dieser Zellen mit HCMV konnte zwar noch immediate
early-Protein nachgewiesen werden; dies zeigt, daß die Zellen prinzipiell infizierbar
sind. Es kam allerdings nicht zur Expression von early-Proteinen. Gleichzeitig konnten
weder die für HCMV typischen morphologischen Veränderungen der Zellen beobachtet werden,
noch kam es zu einer Zerstörung der infizierten Zellen. Eine Expression von UL84 zu
Beginn der Infektion kann damit die Replikation von HCMV effizient hemmen. Dies ist
auf eine Neutralisierung der transaktivierenden Wirkung des IE86-Proteins zurückzuführen,
die durch eine spezifische und hochaffine Protein/Protein-Interaktion vermittelt wird.
[0015] Aufgrund der im Rahmen der vorliegenden Erfindung gewonnenen Erkenntnisse ist es
daher möglich, Arzneimittel zur Verfügung zu stellen, die Polypeptide aufweisen, die
hinsichtlich der Aminosäuresequenz dem pUL84-Protein zumindest teilweise entsprechen.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wurde gefunden, daß der N-terminale Bereich des
UL84-Proteins für die Bindung an den IE 1/2 Enhancer/Promotor notwendig ist und daher
bei diesen Arzneimitteln in bevorzugter Ausführungsform vorhanden ist.
[0016] Alternativ hierzu kann das für das UL84-Protein kodierende Gen auch mit Hilfe eines
Vektors in die Zellen verbracht werden und dort zur Expression gebracht werden. Derartige
Vektoren enthalten dann wenigstens einen Teil des für UL84 kodierenden Gens. Gegenstand
der vorliegenden Erfindung sind daher Arzneimittel, die ein Polypeptid aufweisen,
das zumindest einen Teil der Aminosäuresequenz des Proteins UL84 des Cytomegalovirus
oder ein dazu homologes Polypeptid umfassen, wobei eine Homologie von wenigstens 80
% vorliegt.
[0017] Bevorzugt weisen diese Arzneimittel ein Polypeptid auf, dessen Aminosäuresequenz
dem Protein UL84 wenigstens zum Teil entspricht, wobei diese Aminosäuresequenz in
Abbildung 1 dargestellt ist.
[0018] Die erfindungsgemäßen pharmazeutischen Zubereitungen weisen bevorzugt Polypeptide
auf, deren Aminosäuresequenz wenigstens dem N-terminalen Bereich des UL84-Proteins
entspricht. In besonders bevorzugter Ausführungsform werden wenigstens die 180 N-terminalen
Aminosäuren des UL84-Proteins umfaßt
[0019] Die erfindungsgemäßen pharmazeutischen Zubereitungen dienen bevorzugt der Behandlung
einer Infektion von humanem Cytomegalovirus.
[0020] Dementsprechend können die erfindungsgemäß verwendeten Polypeptide, die zumindest
einen Teil der Aminosäuresequenz des UL84-Proteins des humanen Cytomegalovirus umfassen,
oder dafür kodierende Nucleinsäuren zur Therapie oder Prophylaxe einer Infektion von
humanem Cytomegalovirus eingesetzt werden.
[0021] Die erfindungsgemäß verwendeten Polypeptide bzw. die dafür kodierenden Nucleinsäuren
können in Verfahren eingesetzt werden, bei denen ein für wenigstens einen Teil des
Proteins UL84 kodierendes Gen mit Hilfe geeigneter Vektoren in die gewünschten Zielzellen
eingeführt wird und dann das UL84-Protein in dieser Zelle exprimiert wird. Derartige
Verfahren dienen der Verhinderung der Vermehrung von humanen Cytomegaloviren.
Bei den eingesetzten Arzneimitteln kann es sich um solche handeln, die mit Hilfe herkömmlicher
Methoden formuliert werden.
Wichtig ist, daß das Polypeptid in unveränderter Form an die Zielzellen gelangt und
dann in die Zielzellen eindringen kann. Sofern orale Verabreichungsformen gewählt
werden, muß sichergestellt werden, daß das Arzneimittel die Magen-Darm-Passage unverändert
überstehen kann.
[0022] Das UL84-Protein ist an sich bekannt, da sowohl die Nucleinsäure- wie auch die Aminosäuresequenz
vorpubliziert wurde. In der Abbildung 1 ist die Nucleinsäure- und Aminosäuresequenz
von UL84 dargestellt.
[0023] Da es sich bei dem erfindungsgemäß eingesetzten UL84-Protein um ein virales Protein
handelt, umfaßt die vorliegende Erfindung auch zu UL84 homologe Polypeptide. Die Homologie
stellt eine Bezeichnung für den Grad der Übereinstimmung von zwei Proteinsequenzen
dar. 50 % Homologie bedeutet beispielsweise, daß 50 von 100 Aminosäurepositionen in
der Sequenz übereinstimmen. Im vorliegenden Fall werden von der Erfindung auch solche
Proteine umfaßt, die zu wenigstens 80 % homolog zu dem pUL84-Protein sind. Dies bedeutet,
daß 8 von 10 Aminosäuren in den vergleichbaren Sequenzen übereinstimmen.
[0024] Da im Rahmen der vorliegenden Erfindung herausgefunden wurde, daß der N-terminale
Bereich für die Bindung an den IE 1/2 Enhancer/Promotor notwendig ist, umfassen die
erfindungsgemäßen Arzneimittel wenigstens diesen N-terminalen Bereich, wobei wenigstens
etwa 180 terminale Aminosäuren des UL84-Proteins vorhanden sein sollten.
[0025] Es ist auch möglich, nicht das Polypeptid zur Therapie einzusetzen, sondern das für
das UL84-Protein kodierende Gen bzw. Teilgen. Bei dieser Verwendung wird das Gen mit
einem Expressionsvektor in die gewünschten Zielzellen gebracht und in den Zellen wird
dann das UL84-Protein bzw. Teilpolypeptid exprimiert. Verwendet werden kann dies einerseits
zur Therapie von bereits bestehenden HCMV-Infektionen und andererseits zur Prophylaxe
gegenüber drohenden HCMV-Infektionen.
[0026] Die vorliegende Erfindung wird durch die anliegenden Abbildungen näher erläutert:
Abbildung 1 zeigt die Nucleinsäure- und davon abgeleitete Aminosäuresequenz des offenen
Leserahmens für UL84 des humanen Cytomegalovirus, Stamm AD169.
Abbildung 2 stellt eine schematische Darstellung des eukaryonten Expressionsplasmids
pcDNA-UL84 dar.
Abbildung 3 stellt den Nachweis einer von anderen viralen Proteinen unabhängigen Interaktion
von pUL84 und EI86 durch Immunpräzipitation und "pull down"-Analyse dar. Bei der Abbildung
bedeuten:
A) COS-7-Zellen wurden entweder mock-transfiziert oder mit den Expressionsplasmiden
pHM121 (IE86) und/oder pcDNAUL84 transfiziert. Nach radioaktiver Markierung von Zellproteinen
wurden Zellysate hergestellt und durch Immunpräzipitation mit dem IE86-spezifischen,
monoklonalen Antikörper 2.9.5 untersucht. M: Größenmarker; Spur 1: Lysat aus mock-transfizierten
Zellen; Spur 2, Lysat aus Zellen, die mit pHM121 transfiziert worden waren; Spur 3,
Lysat aus Zellen, die mit pHM121 und pcDNAUL84 transfiziert worden waren.
B) GST-"Pull down"-Experiment: die Proteine TBP, IE1 und UL84 wurden durch in vitro-Translation radioaktiv markiert und dann entweder mit einem GST-IE1 oder GST-IE2
Fusionsprotein inkubiert. Nach extensivem Waschen der Agarose-gekoppelten GST-Proteine
wurden gebundene Proteine durch Erhitzen auf 95 % denaturiert und durch SDS-PAGE analysiert.
M: Größenmarker; Spuren 1-3, die in vitro-translatierten Proteine TBP, IE1 und UL84, die für die Bindungsreaktion verwendet
wurden; Spuren 4-6, TBP, IE1 und UL84 nach Inkubation mit GST-IE1; Spuren 7-9, TBP,
IE1 und UL84 nach Bindung an GST-IE2.
Abbildung 4 zeigt den Einfluß von UL84 auf die IE2-vermittelte Transaktivierung homologer
und heterologer viraler Promotoren.
U373-Zellen wurden mit Reporterplasmiden, die verschiedene Promotoren oberhalb von
Luciferase enthielten, und Expressionsplasmiden für IE86 (pHM134), pUL84 (pcDNAUL84)
oder das HIV tat-Protein (pCT21) kotransfiziert. Nach 48 h wurden die Zellen lysiert
und die Luciferaseaktivität bestimmt. In der Abbildung ist die Aktivierung (als x-fache
Aktivierung) nach Kotransfektion verschiedener Expressionsplasmide relativ zur Basisaktivität
des Promotors (Aktivität des Promotors nach Kotransfektion des Klonierungsvektors
pcDNA3) dargestellt. A) Als Reporterplasmid wurden 3 µg eines HIV-Promotor-Luciferasekonstrukts
verwendet. B) Als Reporterplasmid wurden 3 µg eines UL112-Promotor-Luciferasekonstrukts
verwendet. Spuren: 1, Kotransfektion mit 10 µg pcDNA3; 2, Kotransfektion mit 5 µg
pcDNAUL84 und 5 µg pcDNA3; 3, Kotransfektion mit 5 µg pHM134; 4, Kotransfektion mit
5 µg pHM134 und 5 µg pcDNAUL84; 5, Kotransfektion mit 5 µg pCT21 und 5 µg pcDNA3;
6, Kotransfektion mit 5 µg pCT21 und 5 µg pcDNAUL84. C) Als Reporterplasmid wurden
3 µg eines UL112-Promotor-Luciferasekonstrukts verwendet. Spuren 1, Kotransfektion
mit 10 µg pcDNAUL84; 2, Kotransfektion mit 10 µg pcDNAUL84; 3, Kotransfektion mit
3 µg pHM134 und 7 µg pcDNA3; 4, Kotransfektion mit 3 µg pHM134, 1 µg pcDNAUL84 und
6 µg pcDNA3; 5, Kotransfektion mit 3 µg pHM134, 2 µg pcDNAUL84 und 5 µg pcDNA3; 6,
Kotransfektion mit 3 µg pHM134, 3 µg pcDNAUL84 und 4 µg pcDNA3; 7, Kotransfektion
mit 3 µg pHM134, 4 µg pcDNAUL84 und 3 µg pcDNA; 8, Kotransfektion mit 3 µg pHM134,
5 µg pcDNAUL84 und 2 µg pcDNA3; 9, Kotransfektion mit 3 µg pHM134, 6 µg pcDNAUL84
und 1 µg pcDNA3; 10, Kotransfektion mit 3 µg pHM134 und 7 µg pcDNAUL84. D) Als Reporterkonstrukt
wurden 3 µg eines IE-1/2 Enhancer/Promotor-Luceferasekonstrukts verwendet. Spuren:
1, Kotransfektion mit 10 µg pcDNA3; 2, Kotransfektion mit 5 µg pcDNA3 und 5 µg pcDNAUL84;
3, Kotransfektion mit 5 µg pcDNA3 und 5 µg pHM134; 4, Kotransfektion mit 5 µg pHM134
und 5 µg pcDNAUL84.
Abbildung 5 zeigt die Hemmung der HCMV-Replikation nach transienter Expression von
pUL84.
U373-Zellen wurden mit dem Expressionsplasmid pcDNAUL84 transfiziert und mit HCMV
infiziert. Anschließend wurde die Expression von pUL84 und des frühen viralen Antigen
pUL69 durch Doppel-Immunfluoreszenzanalyse unter Verwendung eines konfokalen Lasermikroskops
untersucht. Dies zeigte, daß in pUL84-exprimierenden Zellen nie gleichzeitig pUL69
synthetisiert wurde. A) Nachweis von pUL84. B) Nachweis von pUL69. C) Überlagerung
der Abbildungen A und B.
Abbildung 6 zeigt die Hemmung der frühen viralen Genexpression nach stabiler Expression
von pUL84.
Es wurden U373-Zellinien etabliert, die pUL84 stabil exprimierten. Diese Zellinien
wurden mit HCMV infiziert und anschließend die Proteinexpression durch indirekte Immunfluoreszenz
analysiert. A bis E, Zellinie IXB1, wurde mit pcDNAUL84 transfiziert und exprimiert
pUL84; B bis F, Zellinie DC1, wurde mit dem Klonierungsvektor pcDNA3 transfiziert,
exprimiert kein pUL84. A und B, Nachweis von pUL84 mit Hilfe des monoklonalen Antikörpers
M2; C und D, Nachweis von immediate early Antigen mit Hilfe eines monoklonalen Antikörpers gegen das IE1-Protein; E und F,
Nachweis von frühem Antigen mit Hilfe eines Antiserums gegen das UL69-Protein.
Abbildung 7 zeigt die Hemmung der HCMV-Replikation nach stabiler Expression von UL84.
U373-Zellen, die entweder UL84-negativ waren (A bis C) oder pUL84 stabil exprimierten
(D bis F) wurden mock-infiziert (A und D) oder mit HCMV mit einer M.O.I. von 2 infiziert
(B, C, E, F). B und E zeigen den cytopathogenen Effekt nach 5 Tagen Infektionsdauer,
C und F nach 23 Tagen Infektionsdauer.
Abbildung 8 zeigt die Hemmung der Virusvermehrung nach Infektion von UL84-exprimierenden
Zellinien mit HCMV.
[0027] Die UL84-negative Zellinie pRcCMVDC1 und die UL84-positiven Linien ULS4IXC5 und ULS4IXB6
wurden mit HCMV mit einer M.O.I von 0,1 infiziert. Zu verschiedenen Zeitpunkten nach
Infektion (0, 3, 4, 7, 10 und 12 Tage) wurde Zellkulturüberstand entnommen und eine
Virustitration durch Bestimmung der "Tissue Culture Infectious Dose" (TCID
50) durchgeführt.
Beispiel 1
Konstruktion eines eukaryonten Expressionsvektors für pUL84
[0028] Zur Untersuchung der Eigenschaften von pUL84 wurde der offene Leserahmen UL84 (Abb.
1) unter Verwendung der Primer UL845' (TAAGAATTCATGCCACGCGTCGACCCCAACCTTCGGAAT) und
UL843' (TAATCTAGATCCCTAGGTACCTTCGAGATCGCCGCAGACCATGGCTAAAGTGA C) mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion
amplifiziert und über die in den Primem kodierten
EcoRI und
XbaI Schnittstellen in den Vektor pSG424 (Sadowski, I. and M. Ptashne, 1989, A vector
for expressing GAL4(1-147) fusions in mammalian cells, Nucleic. Acids. Research 17:7539)
kloniert. Zur Überprüfung der Expression von pUL84 nach Transfektion wurde durch chemische
Synthese ein DNA-Fragment hergestellt, welches für ein Oktapeptid kodiert (FLAG
R) und anschließend über
KpnI und
Xbal in dieses Plasmid kloniert (Fig. 2); dieses Peptid wird durch monoklonale Antikörper
erkannt und kann als sogenanntes TAG in Fusion mit heterologen Proteinen dazu verwendet
werden, die Expression des heterologen Proteinanteils in eukaryonten Zellen zu überprüfen.
Nach Transfektion des resultierenden Plasmides pSG84TAG in COS7-Zellen konnte mit
Hilfe des Antikörpers M2 (Fa. Integra Biosciences; Tecnomara Deutschland GmbH) die
Expression des pUL84::FLAG Fusionsproteins nachgewiesen werden. Zur Verstärkung der
Expression wurde anschließend die Expressionskassette bestehend aus der kodierenden
Region für pUL84::FLAG über Spaltung mit
EcoRI und Xbal in den Vektor pcDNA3 (Abb. 2) umkloniert. Das resultierende Plasmid pcDNAUL84
wurde für die weiteren Experimente eingesetzt.
Beispiel 2
Nachweis einer spezifischen Interaktion des UL84-Proteins mit dem IE86-Transaktivator
[0029] Um zu überprüfen, ob pUL84 unabhängig von anderen viralen Proteinen eine spezifische
Interaktion mit dem IE86-Transaktivatorprotein des HCMV eingehen kann, wurden COS7-Zellen
entweder nur mit dem IE86-Expressionsplasmid pHM121 (Plachter et al. (1993) Analysis
of proteins encoded by IE-regions 1 and 2 of human cytomegalovirus using monoclonal
antibodies generated against recombinant antigens, Virology 193:642-652) oder mit
einer Kombination aus pHM121 und pcDNAUL84 transfiziert. Die Transfektion erfolgte
mit Hilfe der DEAE-Dextran-Methode unter Verwendung von je 10 µg Vektor-DNA (Winkler
et al. (1994) UL69 of human cytomegalovirus, an open reading frame with homology to
ICP27 of herpes simplex virus, encodes a transactivator of gene expression, J. Virol.
68:3943-3954). Anschließend wurden die Zellproteine durch Zugabe von "Tran-
35S-Label" (ICN, Eschwege) radioaktiv markiert und durch Immunpräzipitation analysiert.
Die Zellen wurden dazu von der Zellkulturschale abgelöst, sedimentiert und durch Resuspendieren
und einstündige Inkubation in 1 ml eines Puffers aus 50 mM Tris/HCl, pH 8.0, 5 mM
EDTA, 150 mM NaCl, 0.5% NP-40, 1 mM PMSF und 20 mg/ml Aprotinin lysiert. Je 250 µl
des Lysats wurden für 3 h bei 4°C mit Protein-A-Sepharose (Sigma, Deisenhofen) inkubiert
und dann bei 4000 upm zur Entfernung unspezifisch adsorbierender Substanzen zentrifugiert.
Der IE86-spezifische monoklonale Antikörper 2.9.5 (Plachter et al. (1993) Analysis
of proteins encoded by IE-regions 1 and 2 of human cytomegalovirus using monoclonal
antibodies generated against recombinant antigens, Virology 193:642-652) wurde durch
Inkubation bei 4°C in Bindepuffer (100 mM Tris/HCl, pH 7.4, 400 mM NaCl) zusammen
mit Anti-Maus IgG an Protein A-Sepharose gekoppelt. Der Protein A Sepharose-Antikörperkomplex
wurde dann mit den radioaktiv markierten Proteinen gemischt und 3 h bei 4°C inkubiert.
Nach mehreren Wasch-Schritten unter Verwendung von SNNTE-Puffer (50 mM Tris/HCl, pH
7.4, 5 mM EDTA, 100 mM NaCl, 5% Sucrose, 1% NP40) wurde der Komplex in SDS-haltigem
Probenpuffer für die Polyacrylamid-Gelelektrophorese (PAGE) aufgenommen und durch
SDS-PAGE und Autoradiographie analysiert (Abb. 3). Nach Transfektion des IE86-Expressionsplasmids
pHM121 präzipitierte der Antikörper 2.9.5 ein Protein mit einer Molekularmasse von
86 kDa, das in mock-transfizierten Zellen nicht vorhanden war (Abb. 3, A, Spuren 1
und 2). Wurden die Zellen jedoch mit den Plasmiden pHM121 und pcDNAUL84 kotransfiziert,
so konnte ein weiteres Protein nachgewiesen werden, das pUL84 entsprach (Abb. 3, A,
Spur 3). Dies zeigt, daß pUL84 unabhängig von weiteren viralen Proteinen einen stabilen
Komplex mit IE86 eingehen kann.
[0030] Um dies zusätzlich abzusichern und zu beweisen, daß diese Interaktion unabhängig
ist von posttranslationalen Modifikationen des IE86-Proteins, wurde eine "pull down"-Analyse
durchgeführt. Dazu wurden die Proteine IE86 und IE1 des HCMV als Fusionen mit Glutathion-S-Transferase
(GST) prokaryont exprimiert und durch Kopplung an Glutathion-Agarose (Pharmacia, Freiburg)
gereinigt (Lang et al. (1995) Functional interaction between the human cytomegalovirus
86-kilodalton IE2 protein and the cellular transcription factor CREB, J. Virol.,
69: pp. 6030-6037). Parallel dazu wurden das TATA-bindende Protein TBP, das IE1-Protein
des HCMV und das UL84-Protein unter Verwendung des TNT-Systems (Promega, Heidelberg)
durch in vitro-Translation unter Zugabe von
35S-Methionin radioaktiv markiert. Die GST-Fusionsproteine (je 100 ng, an Glutathion-Agarose
gekoppelt) wurden für 10 min in 200 ml ELB-Puffer (125 mM NaCl, 50 mM HEPES, pH 7.0,
0.1 % NP-40, 1 mM PMSF, 0.5 mM DTT, 0.5 mM EDTA) mit 1 mg/ml bovinem Serumalbumin
inkubiert. Dann wurden je 5 µl der
in vitro-translatierten Testproteine zugegeben. Nach einer weiteren Inkubation für 12 h bei
4°C wurden die Agarose-gekoppelten Proteine fünfmal mit je 1 ml ELB-Puffer gewaschen,
in SDS-Probenpuffer aufgenommen, auf 95°C erhitzt und durch SDS-PAGE analysiert. Die
Autoradiographie ergab, daß das in vitro-translatierte UL84-Protein an GST-IE2 gebunden
hatte, während keine Interaktion mit dem als Spezifitätskontrolle verwendeten GST-IE1
zu beobachten war (Abb. 3, B, Spuren 6 und 9). pUL84 interagierte mit GST-IE2 mit
etwa gleicher Effizienz wie das TATA-bindende Protein TBP, für das schon in vorhergehenden
Studien eine starke Bindung an IE2 gezeigt worden war (Abb. 3, B, Spuren 7 und 9).
pUL84 kann somit unabhängig von post-translationalen Modifikationen mit dem IE2-Protein
interagieren. Weitere "pull down"-Experimente mit carboxy-terminal verkürzten UL84-Proteinen
zeigten, daß eine Deletionsmutante, die durch Spaltung mit
PvuI hergestellt worden war, noch effizient an GST-IE2 band. Eine Interaktionsdomäne
von pUL84 befindet sich demnach in den aminoterminalen 180 Aminosäuren (AS) des insgesamt
586 AS umfassenden Proteins.
Beispiel 3
Hemmung der IE86-vermittelten Transaktivierung durch pUL84
[0031] Das IE86-Protein ist ein starker Transaktivator von homologen und heterologen Promotoren
und in dieser Funktion essentiell für die Einleitung der frühen Phase der viralen
Genexpression. Um die funktionellen Auswirkungen der Interaktion von IE86 mit pUL84
zu untersuchen, wurden transiente Expressionsanalysen unter Verwendung der für HCMV
permissiven Zellinie U373 MG durchgeführt. Als Reporter wurde das Luciferasegen verwendet,
vor das verschiedene Promotoren, wie der Promotor des menschlichen Immundefizienzvirus
(HIV-Promotor), der frühe UL112-Promotor des HCMV oder der IE-1/2 Enhancer/Promotor
des HCMV kloniert waren. Je 3 µg dieser Reporterplasmide wurden mit entweder je 5
µg pcDNAUL84 oder pHM134 (IE86-Expressionsplasmid) allein oder einer Kombination beider
Vektoren kotransfiziert (Lang et al. (1995) Functional interaction between the human
cytomegalovirus 86-kilodalton IE2 protein and the cellular transcription factor CREB,
J. Virol., in press). Die insgesamt transfizierte DNA-Menge wurde durch Zugabe von
DNA des Klonierungsvektors pcDNA3 bis zu einer DNA-Menge des Transfektionsansatzes
von 15 µg konstant gehalten. Die Transfektion erfolgte unter Verwendung der DEAE-Dextran-Methode
(Arit et al. (1994) Identification of binding sites for the 86-kilodalton IE2 protein
of human cytomegalovirus within an IE2-responsive viral early promoter, J. Virol.
68:4117-4125). Nach 48 Stunden Inkubation wurden die Zellen in 1 ml Extraktionspuffer
(100 mM Kaliumphosphat, pH7.8, 1 mM DTT) geerntet und durch dreimaliges Einfrieren/Auftauen
lysiert. Durch Zentrifugation wurde unlöslicher Zelldetritus abgetrennt. Gleiche Mengen
des Überstands wurden dann mit 100 µl Reaktionspuffer (100 mM Kaliumphosphat, pH7.8,
15 mM MgSO
4, 5 mM ATP) gemischt und die Luciferaseaktivität durch Injektion von 100 µl Reaktionspuffers
mit 1 mM Luciferin (Boehringer, Mannheim) unter Verwendung eines Luminometers (Berthold,
Wildbad) bestimmt. Jede Transfektion wurde wenigstens dreimal wiederholt. Wurde das
HIV-Promotorkonstukt mit pcDNAUL84 allein kotransfiziert, so konnte keine veränderte
Aktivität im Vergleich zur Transfektion des Klonierungsvektors pcDNA3 beobachtet werden;
pUL84 allein übt demnach keinen Effekt auf diesen Promotor aus (Abb. 4, A, Spuren
1 und 2). Die Kotransfektion des IE86-Expressionsplasmids pHM134 führte zu einer etwa
60fachen Aktivierung dieses Promotors (Abb. 4, A, Spur 3). Wurde jedoch eine Kombination
von pcDNAUL84 und pHM137 eingesetzt, so kam es zu einer starken Reduktion der durch
IE86-vermittelten Transaktivierung des HIV-Promotors (Abb. 4, A, Spur 4). Dieser Negativ-Effekt
von UL84 war spezifisch, da die Transaktivierung durch den homologen Transaktivator
des HIV, das tat-Protein, nicht durch Kotransfektion von pcDNAUL84 beeinflußt wurde
(Abb. 4, A, Spuren 5 und 6). Negativ-Regulation der IE86-Transaktivierung ließ sich
nicht nur am HIV-Promotor beobachten, sondern auch an einem frühen Promotor des HCMV,
dem UL112-Promotor; auch hier führte die Kotransfektion von pcDNAUL84 zusammen mit
pHM137 zu einer drastischen Reduktion der Aktivierung, die mit pHM137 allein zu sehen
war (Abb. 4, B, Spuren 3 und 4). Dieser Effekt erwies sich als dosis-abhängig: wurden
steigende Mengen an pcDNA-UL84 mit einer konstanten Menge pHM137 verwendet, so kam
es zu einer deutlichen Verstärkung des Negativ-Effekts (Abb. 4, C, Spuren 4 bis 10).
Neben einer transaktivierenden Wirkung hat das IE86-Protein auch eine negativ-autoregulatorische
Funktion: es kann seine eigene Expression reprimieren, indem es die Aktivtät des dafür
verantwortlichen Promotors, des IE-1/2 Enhancer/Promotors, negativ beeinflußt (Pizzorno
et al. (1990) The IE2 gene products of human cytomegalovirus specirically down-regulate
expression from the major immediate-early promoter through a target sequence located
near the cap site, J. Virol.
64:6154-6165). Wurde dieser Promotor als Fusion mit Luciferase in Kotransfektionsexperimenten
verwendet, so zeigte sich, daß pUL84 die durch IE86 bewirkte Repression dieses Promotors
nicht aufhob, sondern sogar verstärkte (Abb. 4, D, Spuren 3 und 4). pUL84 neutralisiert
damit ganz spezifisch die transaktivierende Funktion von IE86 während die negativ-autoregulatorische
Funktion erhalten bleibt bzw. sogar verstärkt wird.
Beispiel 4
Hemmung der HCMV-Replikation nach transienter Expression von pUL84
[0032] Aufgrund der oben genannten Befunde ergab sich die Hypothese, daß eine Expression
von pUL84 zu Beginn des Replikationszyklus zu einer Aufhebung der transaktivierenden
Wirkung von IE86 und damit zu einer Hemmung der HCMV-Replikation führen müßte. Dies
wurde zunächst durch transiente Expression von pUL84, Überinfektion mit HCMV und anschließender
Immunfluoreszenzanalyse der Proteinexpression untersucht. U373-Zellen wurden mit 10
µg pcDNAUL84 unter Verwendung der Calciumphosphat-Kopräzipitationsmethode transfiziert.
Etwa 24 h später wurden die Zellen mit HCMV mit einer M.O.I. (multiplicity of infection)
von 2 infiziert. Nach weiteren 60 h wurden die Zellen durch 10minütige Inkubation
in eiskaltem Methanol fixiert. Es folgte dann eine Doppelfärbung der Zellen für die
Immunfluoreszenz-Analyse: die Expression des transient exprimierten pUL84 ließ sich
durch den gegen das FLAGR-TAG gerichteten Maus-monoklonalen Antikörper M2 (Integra
BioSciences, Tecnomara Deutschland GmbH) nachweisen; die frühe virale Genexpression
wurde durch ein im Kaninchen hergestelltes Antiserum gegen das früh-spät exprimierte
UL69-Protein analysiert (Winkler et al. (1994) UL69 of human cytomegalovirus, an open
reading frame with homology to ICP27 of herpes simplex virus, encodes a transactivator
of gene expression, J. Virol. 68:3943-3954). Die Antikörper wurden in PBSo-Puffer
(138 mM NaCl, 2.7 mM Kcl, 6.5 mM Na
2HPO
4, 1.5 mM KH
2PO
4) verdünnt (M2-Antikörper: 1:1000; UL69-Antiserum: 1:200) und für 30 min bei 37°C
mit den Zellen inkubiert. Nach dreimaligem Waschen mit PBSO
4 wurden ein Rhodamin (TRITC)-konjugierter Ziege-Anti-Maus-Antikörper (Dianova, Hamburg)
und ein Fluorescein (FITC)-konjugierter Schwein-Anti-Hase-Antikörper (Dako, Glostrup,
Dänemark) je 1:40 in PBSo verdünnt und wiederum 30 min bei 37° zusammen mit den Zellen
inkubiert. Nach drei weiteren Wasch-Schritten wurden die Zellen eingedeckt und spezifisch
gefärbte Zellen mit Hilfe der konfokalen Lasermikroskopie unter Verwendung des Systems
MRC600 der Firma Bio-Rad, München, analysiert. Hierbei wurden zunächst Rhodamin- (rote
Färbung, spezifisch für UL84) und Fluorescein- (grüne Färbung, spezifisch für UL69)
gefärbte Zellen separat nachgewiesen (Abb. 5, A, B) und anschließend die beiden Fluoreszenzmuster
übereinandergelagert (Abb. 5, C). Wie exemplarisch in Figur 5 zu sehen ist, zeigte
dieses Experiment, daß in Zellen, die UL84 synthetisierten, das früh exprimierte UL69-Antigen
nicht nachweisbar war. Dies war der erste Hinweis auf eine Hemmung der HCMV-Replikation
durch Expression von pUL84.
Beispiel 5
Hemmung der HCMV-Replikation nach stabiler Expression von pUL84
[0033] Um den hemmenden Effekt von pUL84 auf die HCMV-Replikation weiter abzuklären, wurden
U373-MG-Zellinien etabliert, die pUL84 stabil exprimierten. Hierzu wurden U373-Zellen
mit 10 µg des Vektors pcDNAUL84 oder des Klonierungsvektors pcDNA3, die beide das
Neo-Gen als Selektionsmarker enthielten, durch Calciumphosphat-Kopräzipitation transfiziert.
Etwa 48 h nach Transfektion wurde Geneticin (500 µg/ml) zum Zellkulturmedium zugegeben.
Nach etwa 4 Wochen Selektionsdauer hatten sich Zellkione gebildet, die isoliert und
in 24-Loch-Platten subkultiviert wurden. Anschließend wurde mit Hilfe der indirekten
Immunfluoreszenz und des monoklonalen Antikörpers M2 die pUL84-Genexpression dieser
Zellklone überprüft. Dadurch gelang es, 10 Zellinien zu etablieren, die pUL84 mit
unterschiedlicher Effizienz exprimierten. Stark exprimierende Zellinien wurden für
Infektionsversuche eingesetzt: dazu wurden pUL84-exprimierende Zellinien und parallel
selektionierte Linien, die kein UL84 synthetisierten, mit HCMV mit einer M.O.I von
2 infiziert. Etwa 60 h nach Infektion wurden die Zellen durch Methanolbehandlung fixiert
und durch indirekte Immunfluoreszenz analysiert. Wie in Abb. 6 exemplarisch für zwei
Zellinien gezeigt ist, ließ sich in der Linie IXB1 mit Hilfe des monoklonalen Antikörpers
M2 eine deutliche UL84-Expression nachweisen, während DC1 negativ war (Abb. 6, A,
B). Die Anfärbung der Zellen mit einem monoklonalen Antikörper gegen das
immediate early-Antigen IE1 des HCMV ergab mit beiden Zellinien eine starke Reaktivität; dies zeigte,
daß HCMV beide Zellinien infiziert hatte (Abb. 6, C, D). Wurde jedoch jetzt das Antiserum
gegen das früh-spät exprimierte UL69-Protein verwendet, so konnten in der UL84-negativen
DC1-Zellinie starke Signale beobachtet werden, während in der UL84-positiven Linie
IXB1 keine signifikante Antigenexpression vorhanden war. Damit war in IXB1 durch die
UL84-Expression der Replikationszyklus auf Ebene der
immediate early-Genexpression arretiert. Dies konnte auch bei längerer Infektionsdauer bestätigt
werden. Dazu wurden die UL84-positive Zellinie IXC5 und die negative Linie DC2 mit
HCMV mit einer M.O.I von 2 infiziert und hinsichtlich ihrer morphologischen Veränderungen,
die typisch sind für den Replikationszyklus des HCMV, beurteilt. Nach 5 Tagen Infektionsdauer
konnte in der Linie DC2 eine starker cytopathogener Effekt (CPE) nachgewiesen werden,
während die Linie IXC5 keine Veränderungen erkennen ließ (Abb. 7, B, E). Nach 23 Tagen
Infektionsdauer waren nahezu alle Zellen der Linie DC1 lysiert; für IXC5 ließ sich
nach wie vor kein CPE erkennen (Abb. 7, C, F).
[0034] Zur Analyse der Virusproduktion wurden die Linien DC1 (keine UL84 Expression), sowie
IXB6 und IXC5 (UL84-Expression) mit HCMV mit einer Multiplizität der Infektion von
0,1/Zelle infiziert. Nach unterschiedlichen Zeiten nach Infektion wurde Zellkultur-Überstand
entnommen und bis zur Analyse bei -80 C weggefroren. Zur Bestimmung der sog. "
Tissue Culture Infectious Dose"
50 (TCID50) wurden humane Vorhaut-Fibroblasten auf 96-Loch-Platten ausgesät (2x10
4 Zellen pro Loch). Am nächsten Tag, nach subkonfluentem Anwachsen der Zellen, wurden
Verdünnungsreihen der einzelnen infektiösen Überstände hergestellt. (10
-1 -10
-9 in 10er Schritten) und jeweils in Vierfach-Ansätzen zur Infektion der Zellen verwendet.
Nach 24-stündiger Inkubation bei 37°C wurden die Zellen zur weiteren Analyse mit Methanol
(-20°C/10 Min.) fixiert. Zum Nachweis der Expression des
immediate-early Proteins IE1-pp72 wurde Kulturüberstand des monoklonalen Antikörpers BS500 (Biotest)
unverdünnt zu den Zellen gegeben und für 45 Min. bei 37°C in einer feuchten Kammer
inkubiert. Nach mehrfachen Waschschritten in PBS wurde zum Nachweis der spezifischen
Antigen-Antikörperreaktion ein sekundärer, gegen Maus-Immunglobulin gerichteter Antikörper,
weicher mit Peroxidase gekoppelt war (Dako HRP P 0260; 1:500 verd.) zugegeben und
in der feuchten Kammer für 45 Min. bei 37°C inkubiert. Nach erneuten Waschschritten
wurde die Anwesenheit von Peroxidase-Aktivität durch die Zugabe von AEC und H
2O nachgewiesen. Anschließend wurde im Umkehrmikroskop die Zahl der Kulturen (Löcher),
in welchen HCMV-Antigen nachweisbar war, bei der jeweiligen Verdünnung bestimmt und
nach dem unten angegebenen Auswertungsschema die TCID
50 für die jeweiligen Zellinien und die verschiedenen Zeitpunkte bestimmt.
TCID 50-Auswertung:
| Klassengrenze |
-9 |
-8 |
-7 |
-6 |
-5 |
-4 |
-3 |
-2 |
-1 |
| inf. Kulturen |
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| Klassenmitte |
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-8.5 |
-7.5 |
-6.5 |
-5.5 |
-4.5 |
-3.5 |
-2.5 |
-1.5 |
| Zunahme |
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| Produkte: Klassenmitte x Zunahme der Zahl an inf. Kulturen |
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[0035] Die Ergebnisse der Experimente sind in Abb. 8 dargestellt. Nach Infektion der UL84-negativen
Zellinie DC1 kam es beginnend nach 7 Tagen zur Freisetzung von infektiösem Virus in
den Kulturüberstand. Nach 12 Tagen nach Infektion ergab sich eine
TCID50 von 10.000. Dagegen zeigten die beiden Zellinien IXB6 und IXC5 (UL84-Expression)
eine
TCID50, weiche um zwei Größenordnungen niedriger lag. Darüber hinaus fand sich in beiden
Kulturen kein Anstieg in der Virusproduktion nach 10 und 12 Tagen.
[0036] Diese Ergebnisse zeigen, daß die Expression von UL84 in Zellen die Produktion von
infektiösem Virus nahezu vollständig inhibiert. Darüber hinaus zeigte sich im Gegensatz
zur UL84-negativen Zellinie kein signifikanter Anstieg der Virusproduktion nach 10
und 12 Tagen. Dies deutet darauf hin, daß aufgrund von Variationen in der Expression
von UL84 einzelne Zellen in den Linien IXB1 und IXC5 produktiv mit HCMV infiziert
sind und geringe Mengen an Virus synthetisieren, daß sich das freigesetzte Virus hier
jedoch aufgrund des Replikationsblocks in der überwiegenden Mehrzahl der Zellen der
Population nicht vermehren kann.
[0037] Insgesamt zeigen damit diese Experimente, daß pUL84 effizient die Replikation des
HCMV inhibieren kann.
Beispiel 6
Einführung des UL84-Gens mit Hilfe replikationsdefekter Adenovirus-Vektoren
[0038] Das für das Protein UL84 kodierende Gen kann in die gewünschten Zielzellen mit Hilfe
von replikationsdefekten Adenovirus-Vektoren eingebracht werden. Derartige replikationsdefekte
Adenovirus-Vektoren wurden z.B. zur Einführung des Retinoblastom-Genprodukts in glatte
Gefäßmuskelzellen in vivo eingesetzt, um damit die Entstehung von Restenosen nach
PTCA zu verhindern (Chang et al. (1995) Cytostatic gene therapy for vascular proliferative
disorders with a constitutively active form of the retinoblastoma gene product, Science
267:518-522). Da HCMV als ätiologisches Agens dieses Prozesses angesehen wird, kann
das für UL84 kodierende Gen mit Hilfe der oben erwähnten Adenovirus-Vektoren in die
Zellen eingeführt werden. Damit steht eine therapeutische Interventionsmöglichkeit
der Entstehung von Restenosen zur Verfügung.
[0039] Das replikationsdefekte Adenovirus-Vektorensystem wurde ebenfalls zur Einbringung
eines alpha-1-Antitrypsingens in Lungenepithelzellen in vivo und in vitro verwendet
(Rosenfeld et al. (1991) Adenovirus-mediated transfer of a recombinant alpha 1-antitrypsin
gene to the lung epithelium in vivo, Science 252:431-434). Bei durch HCMV bedingter
Pneumonie sind
[0040] insbesondere die Epithelzellen infiziert. Die Einführung des Gens für UL84 mit Hilfe
der oben beschriebenen Vektoren führt daher zu dem gewünschten therapeutischen Effekt.
Beispiel 7
Einführung des UL84-Gens mit Hilfe Adeno-assoziierter Virusvektoren
[0041] Adeno-assoziierte Virusvektoren wurden von McLaughlin et al. (1988) Adeno-associated
virus general transduction vectors: analysis of proviral structures, J. Virol.
62:1963-1973, beschrieben. Diese Vektoren haben den Vorteil des stabilen Transfers von
genetischer Information in Zielzellen, da sie in das zelluläre Genom integrieren.
[0042] Solche Vektoren wurden z.B. zum Transfer eines menschlichen Gamma-Globulingens in
hämatopoetische Stammzellen verwendet (Miller et al. (1994) Recombinant adeno-associated
virus (rAAV)-mediated expression of a human gamma-globin gene in human progenitor-derived
erythroid cells, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A.
91:10183-10187). Die CMV-induzierten Erkrankungen stellen insbesondere nach Knochenmarkstransplantationen
ein erhebliches Problem dar. Die Blutzellen und deren Vorläuferzellen sind aber ein
Zielorgan der CMV-Replikation und maßgeblich an der Dissemination des Virus beteiligt.
Die Einbringung von UL84 in Knochenmarks-Stammzellen mit Hilfe der oben erwähnten
Adeno-assoziierten Virusvektoren stellt eine weitere Ausführungsform der vorliegenden
Erfindung dar.
[0043] Adeno-assoziierte Virusvektoren (AAV-Vektoren) können auch zur Einbringung von Genen
in post-mitotische Zellen, wie z.B. neuronales Gewebe verwendet werden (Kaplitt et
al. (1994) Long-term gene expression and phenotypic correction using adeno-associated
virus vectors in the mammalian brain, Nat. Genet.
8:148-154). CMV infiziert vor allem bei AIDS und nach pränataler Infektion unterschiedliche
Bereiche des zentralen Nervensystems. Insbesondere eine intraokuläre Einbringung von
UL84 mit Adeno-assoziierten Vektoren bei Retinitis erscheint daher erfolgversprechend,
da hier die derzeitige medikamentöse Therapie keinen langdauernden Erfolg verspricht.
Beispiel 8
Einführung von UL84 mit Hilfe retroviraler Vektorsysteme
[0044] Retrovirale Vektorsysteme bieten, ähnlich wie Adeno-assoziierte Virusvektoren, den
Vorteil der Integration und sind für ein breites Zellspektrum (außer postmitotischen
Zellen) anwendbar (Salmons et al. (1993) Targeting of retroviral vectors for gene
therapy, Hum. Gene Ther.
4: 129-141). Die retroviralen Vektorsysteme können für den Transfer von genetischer
Information in hämatopoetische Stammzellen oder Zellen des Gastrointestinaltrakts
verwendet werden (Bagnis et al. (1994) Retroviral transfer of the nlsLacZ gene into
human CD34+ cell populations and into TF-1 cells: future prospects in gene therapy,
Hum. Gene Ther. 5:1325-1333; Yoshida, et al. (1995) Retrovirally transmitted gene
therapy for gastric carcinoma using herpes simplex virus thymidine kinase gene, Cancer
75:1467-1471). Die dort beschriebenen retroviralen Vektorsysteme können auch zum Transfer
von UL84 eingesetzt werden.
Beispiel 9
Einführung von UL84 mit Hilfe von Liposomen-Transfersystemen
[0045] Liposomen-Transfer wurde insbesondere zur Einführung von Genen in Lungenepithelzellen
und Gefäße verwendet (Alton et al. (1993) Non-invasive liposome-mediated gene delivery
can correct the ion transport defect in cystic fibrosis mutant mice, Nat. Genet.
5:135-142; Canonico et al. (1994) Aerosol and intravenous transfection of human alpha
1-antitrypsin gene to lungs of rabbits, Am. J. Respir. Cell Mol. Biol.
10:24-29; Canonico et al. (1994) No lung toxicity after repeated aerosol or intravenous
delivery of plasmid-cationic complexes, J. Appl. Physiol.
77:415-419; von der Leyen et al. (1995) Gene therapy inhibiting neointimal vascular
lesion: in vivo transfer of endothelial cell nitric oxide synthase gene, Proc. Natl.
Acad. Sci. U.S.A.
92:1137-1141). Besonders vorteilhaft dürfte hier die Applikation per Inhalation bei
Erkrankungen der Lunge sein.
[0046] Mit Hilfe der in den erwähnten Literaturstellen offenbarten Technik kann die CMVinduzierte
Pneumonie therapiert werden. Diese Technik kann aber auch zur Einführung von UL84
bei sämtlichen lokalisierten Prozessen verwendet werden, wie beispielsweise bei Hautulzerationen,
die durch HCMV hervorgerufen wurden, oder gastrointestinalen Ulzera, die durch HCMV
verursacht wurden.
[0047] In den angeführten Vektorsystemen ist die Einbringung Zelltyp-spezifischer Promotoren
möglich, so daß eine gezielte Expression von UL84 in bestimmten Zellen erreicht werden
kann.
[0048] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung können auch weitere Transfersysteme bzw. Modifikationen
der oben näher beschriebenen Transfersysteme zum Einsatz gelangen. Beispielsweise
können Liposomen kombiniert mit Sendai-Virus verwendet werden.
SEQUENZPROTOKOLI
[0049]
(1) ALLGEMEINE ANGABEN:
(i) ANMELDER:
(A) NAME: Behringwerke Aktiengesellschaft
(B) STRASSE: Emil-von-Behring-Str. 76
(C) ORT: Marburg
(E) LAND: Deutschland
(F) POSTLEITZAHL: 35041
(G) TELEFON: 06421-39-2205
(H) TELEFAX: 06421-39-4558
(ii) BEZEICHNUNG DER ERFINDUNG: Arzneimittel enthaltend wenigstens einen des UL84-Proteins
des Cytomegalovirus, Verwendung von Polypeptiden entsprechend der Aminosaeuresequenz
des UL84-Proteins und Verfahren zur Einfuehrung...
(iii) ANZAHL DER SEQUENZEN: 2
(iv) COMPUTER-LESBARE FASSUNG:
(A) DATENTRÄGER: Floppy disk
(B) COMPUTER: IBM PC compatible
(C) BETRIEBSSYSTEM: PC-DOS/MS-DOS
(D) SOFTWARE: PatentIn Release #1.0, Version #1.30 (EPA)
(vi) DATEN DER URANMELDUNG:
(A) ANMELDENUMMER: DE 19527129.7
(B) ANMELDETAG: 25-JUL-1995
(2) ANGABEN ZU SEQ ID NO: 1:
(i) SEQUENZKENNZEICHEN:
(A) LÄNGE: 39 Basenpaare
(B) ART: Nucleotid
(C) STRANGFORM: Einzelstrang
(D) TOPOLOGIE: linear
(ii) ART DES MOLEKÜLS: Genom-DNA
(iii) HYPOTHETISCH: JA
(iv) ANTISENSE: NEIN
(xi) SEQUENZBESCHREIBUNG: SEQ ID NO: 1:

(2) ANGABEN ZU SEQ ID NO: 2:
(i) SEQUENZKENNZEICHEN:
(A) LÄNGE: 54 Basenpaare
(B) ART: Nucleotid
(C) STRANGFORM: Einzelstrang
(D) TOPOLOGIE: linear
(ii) ART DES MOLEKÜLS: Genom-DNA
(iii) HYPOTHETISCH: JA
(iv) ANTISENSE: NEIN
(xi) SEQUENZDESCHREIBUNG: SEQ ID NO: 2:
