[0001] Die Erfindung betrifft einen Stahlbetontunnel aus Stahlbetontübbings mit Einrichtung
zur Brandschutzsicherung. Stahlbeton bezeichnet im Rahmen der Erfindung einen Beton,
der mit Stahlfasern bewehrt ist. Nach den bestehenden Vorschriften und Forderungen
sind Stahlbetontunnel im Verkehrstunnelbau gegen Brandbelastungen bis zu 120 Minuten
und einem Temperaturmaximum von 1.350 °C zu sichern. Die Stahlbetontübbings können
als ringförmig geschlossene Stahlbeton-Volltübbings oder aus entsprechenden Tübbingsegmenten
ringförmig aufgebaut sein.
[0002] Bei den Stahlbetontunneln, von denen die Erfindung ausgeht, sind die Einrichtungen
zur Brandschutzsicherung Zusatzeinrichtungen, nämlich zusätzliche Tunnelauskleidungen
in Form von Brandschutzplatten. Die Befestigung dieser Tunnelauskleidungen im gekrümmten
Tunnelquerschnitt erfordert erhebliche technische Aufwendungen und ist besonders kostenintensiv.
Bei einem Stahlbetontunnel aus Stahlbetontübbings ist im Tübbingausbau der Fugenanteil
groß. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Stahlbetontübbings aus Tübbingsegmenten
zusammengesetzt sind. Aus Sicherheitsgründen bedürfen die Fugen der Beobachtung und
gegebenenfalls auch der Wartung. Insoweit stören zur Brandschutzsicherung angebrachte
Tunnelauskleidungen. Sind die Fugen nicht dicht, so kann austretende Feuchtigkeit
die Dauerhaftigkeit der Brandschutzauskleidungen beeinträchtigen.
[0003] Aus DE 37 31 124 A ist ein Brandschutzsystem für Tunnelbauwandungen bekannt. Dieses
Brandschutzsystem weist eine an der Tunnelwandung angeordnete wärmedämmende und feuerbeständige
Bekleidung aus Isolierstoffen auf, die vorzugsweise aus einer Kombination von Brandschutzmatten
und Keramikfasermatten besteht. Zum Tunnelinneren hin ist die Bekleidung durch eine
selbsttragende Schale begrenzt, die aus vorgefertigten, biegesteif miteinander verbundenen
Einzelelementen gebildet ist. Die Einzelelemente sind stoßabsorbierend mit der Tunnelwandung
verbunden. Diese bekannten Maßnahmen zur Brandschutzsicherung sind einerseits aufwendig
und lassen zum anderen im Hinblick auf die Brandschutzsicherheit zu wünschen übrig.
[0004] In DE 40 06 972 A1 wird ein. Brandschutz für Tunnel beschrieben. Im Brandfall kommt
es zu Abplatzungen an der Betonschale des Tunnels und die Abplatzungen verhalten sich
geschossartig, so dass Personen gefährdet werden können. Um diese Gefahr zu beseitigen
wird eine Fangschicht für abplatzende Betonteile vorgesehen. Die Fangschicht kann
durch Gewebeeinlagen oder Fließeinlagen gebildet sein. Diese Maßnahmen sind aber nur
wenig effektiv und bringen keine ausreichende Brandschutzsicherheit.
[0005] Der Erfindung liegt das technische Problem zugrunde, einen Stahlbetontunnel mit hoher
Brandschutzsicherheit zu schaffen, der von Brandschutzauskleidungen frei ist.
[0006] Zur Lösung dieses technischen Problems lehrt die Erfindung einen Stahlbetontunnel
aus Stahlbetontübbings mit Einrichtung zur Brandschutzsicherung und den Merkmalen
die Stahlbetontübbings bestehen aus einem Fest-Beton mit einer Endfestigkeit von
45 N/mm
2 und höher,
der Fest-Beton weist eine Bewehrung aus Stahlfasern mit einem Gehalt von 30 bis
80 kg pro Kubikmeter Frischbeton auf,
der Fest-Beton weist einen Zusatz von 10 bis 3000 g Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln
pro Kubikmeter Frischbeton auf,
wobei der Fest-Beton der Stahlbetontübbings Zuschlagstoffe mit einer Körnung von größer
0 bis 32 mm aufweist. Der Gehalt an Stahlfasern einerseits, der Zusatz an Kunststofffasern
und/oder Kunststoffkugeln andererseits werden so aufeinander abgestimmt, dass der
Stahlbetontunnel bei Brandbelastungen von bis zu 1.350 °C und bis zu 120 Minuten den
Brandschutzbestimmungen entspricht. Fest-Beton bezeichnet im Rahmen der Erfindung
und in bezug auf die Stahlbetontübbings einen Beton mit einer Endfestigkeit von 45
N/mm
2 und höher bis zu hochfestem Beton mit über DIN 1045 hinausgehenden Festigkeitsklassen.
Im Rahmen der Erfindung ist der Fest-Beton im übrigen nach den Regeln der Baukunst
aufgebaut. Er besitzt übliche Zuschlagstoffe mit einer Körnung von größer 0 bis 32
mm. Es ist aus der Praxis bekannt, dass Beton mit Stahlfaserbewehrung im Vergleich
mit Normalbeton verbessertes Brandverhalten aufweist, und zwar auch bei Stahlbetontübbings
im Tunnelbau. Das bringt jedoch keine ausreichende Verbesserung der Brandschutzsicherheit
im Sinne der einleitenden Ausführungen. Um hochfesten Beton für die Errichtung von
im Brandfall nach Maßgabe von DIN 4102 feuerbeständigen Bauwerken zu verwenden, ist
es bekannt, mit Hilfe von Fasern, insbesondere Kunststofffasern, Mikroporen mit definierten
Porenparametern in der Zementleimmatrix zu erzeugen. Das ist für die Herstellung von
Stahlbetontübbings für den Tunnelausbau eine aufwendige, nicht leicht reproduzierbar
zu verwirklichende Maßnahme.
[0007] Die Erfindung geht von der Erkenntnis aus, dass ein Fest-Beton im Sinne der Erfindung,
der wie beschrieben mit Stahlfasern sowie Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln
ausgerüstet ist, durch Abstimmung des Gehaltes an Stahlfasern einerseits sowie an
Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln andererseits auch für die angegebenen extremen
Brandbelastungen brandsicher eingestellt werden kann. Die konkrete Abstimmung kann
von Anwendungsfall zu Anwendungsfall ohne weiteres im Labor erarbeitet werden. Überraschenderweise
können bei den angegebenen Brandbelastungen störende Abplatzungen vollständig vermieden
werden. Die Stahlfasern, die Kunststofffasern und die Kunststoffkugeln sind die, die
als Bewehrung oder Zusatzstoffe im Betonbau üblich sind.
[0008] Im einzelnen kann die Lehre der Erfindung so, wie es im folgenden erläutert wird,
weiter ausgebildet und optimiert werden. Da Quarz bei etwa 870 °C zerfällt, ist eine
Ausführungsform der Erfindung dadurch gekennzeichnet, dass als Zuschlagstoff quarzfreie
Zuschlagstoffe, insbesondere Basalt-Zuschlagstoffe, verwendet werden. In diesem Falle
kann mit einem verhältnismäßig geringen Gehalt an Stahlfasern sowie Kunststofffasern
und/oder Kunststoffkugeln im Rahmen der angegebenen Bereiche gearbeitet werden. In
bezug auf den Gehalt an Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln muss stets darauf
geachtet werden, dass unter Brandbelastung störend hohe Wasserdampfdrücke in dem Fest-Beton
sich nicht entwickeln können. Im Rahmen der Erfindung kann ohne weiteres auch mit
Gemischen aus Sand und Kies bzw. Sand und Splitt innerhalb der angegebenen Korngrößen
gearbeitet werden. Es ist in diesen Fällen allerdings mit höheren Gehalten an Stahlfasern
sowie Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln zu arbeiten.
[0009] Der Erfindung liegt die weitere Erkenntnis zugrunde, dass mechanische Beschädigungen
oder Ausbrüche im Bereich der Stoßflächen der Tübbings im Stahlbetontunnelverbund,
insbesondere auch an den Kanten, die Brandsicherheit in diesen Bereichen beeinträchtigen
können. Solche Beschädigungen können beim Einbau vorgefertigter Stahlbetontübbings
in den Stahlbetontunnelverbund auftreten. Bei einer bevorzugten Ausführungsform der
Erfindung werden solche Beschädigungen verhindert. Insoweit ist Gegenstand der Erfindung
ein Stahlbetontunnel aus Stahlbetontübbings mit Einrichtung zur Brandschutzsicherung,
wobei im Bereich der Stoßfugen der Stahlbetontübbings Bewehrungskörbe aus Betonstahl
in dem Fest-Beton angeordnet sind.
[0010] Das ist eine Maßnahme von besonderer Bedeutung: Die Stoßfugen der Stahlbetontübbings
sind bei einem Stahlbetontunnel regelmäßig offene Fugen. Daraus resultieren ein zweiseitiger
Brandangriff und erhöhte Brandbelastung. Diese erhöhte Brandbelastung wird erfindungsgemäß
durch die beschriebene Kombination mit Bewehrungskörben beherrscht.
[0011] Die Bewehrungskörbe lassen sich einfach in die Stahlbetontübbings einbauen. Sie können
beim Betonieren der Stahlbetontübbings oder der Segmente für die Stahlbetontübbings
mit einer einfachen Festhaltekonstruktion an der Tübbingschalung fixiert werden. Ist
der Stahlbetontübbing fertigt betoniert, so können die Befestigungselemente entfernt
werden. Zum Beispiel können spezielle Gewindehülsen mit dem Bewehrungskorb verschraubt
werden. Durch vorbereitete Schraubenlöcher in der Seitenschalung der Tübbings können
dann ohne Schwierigkeiten Schrauben durch die Schalung in diese Gewindehülsen eingedreht
werden. Die Bewehrungskörbe werden so bis zum Abbinden des Fest-Betons über diese
Schraubverbindungen sicher in der Tübbingschalung gehalten. Vor dem Ausschalen werden
die Schrauben gelöst und der Tübbing kann ohne Schwierigkeiten aus der Schalform gehoben
werden. - Stoßfugen bezeichnet sowohl die Fugen zwischen den in Längsrichtung des
Stahlbetontunnels gereihten Stahlbetontübbings als auch zwischen den Segmenten der
Stahlbetontübbings, wenn mit solchen gearbeitet wird.
1. Stahlbetontunnel aus Stahlbetontübbings mit Einrichtung zur Brandschutzsicherung und
den Merkmalen
1.1) die Stahlbetontübbings bestehen aus einem Fest-Beton mit einer Endfestigkeit
von 45 N/mm2 und höher,
1.2) der Fest-Beton weist eine Bewehrung aus Stahlfasern mit einem Gehalt von 30 bis
80 kg pro Kubikmeter Frischbeton auf,
1.3) der Fest-Beton weist einen Zusatz von 10 bis 3000 g Kunststofffasern und/oder
Kunststoffkugeln pro Kubikmeter Frischbeton auf,
wobei der Fest-Beton der Stahlbetontübbings Zuschlagstoffe mit einer Körnung von
größer 0 bis 32 mm aufweist.
2. Stahlbetontunnel nach Anspruch 1, wobei als Zuschlagstoff quarzfreie Zuschlagstoffe,
insbesondere Basalt-Zuschlagstoffe eingesetzt sind.
3. Stahlbetontunnel nach einem der Ansprüche 1 oder 2, wobei der Fest-Beton einen Zusatz
an Flugasche von bis zu 70 kg pro Kubikmeter Frischbeton aufweist.
4. Stahlbetontunnel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei im Bereich der Stoßfugen
der Stahlbetontübbings Bewehrungskörbe aus Betonstahl in dem Fest-Beton angeordnet
sind.
1. A reinforced concrete tunnel made of reinforced concrete tubbings comprising a device
to ensure fire prevention and having the features
1.1) the reinforced concrete tubbings consist of hardened concrete with an ultimate
strength of 45 N/mm2 and higher,
1.2) the hardened concrete has a steel fibre reinforcement with a content of 30 to
80 kg per cubic metre of freshly mixed concrete,
1.3) the hardened concrete has an admixture of 10 to 3000 g plastic fibres and/or
plastic beads per cubic metre of freshly mixed concrete,
wherein the hardened concrete of the reinforced concrete tubbings has aggregates
having a grain size of 0 to 32 mm.
2. The reinforced concrete tunnel according to claim 1, wherein quartz-free aggregates,
especially basalt aggregates, are used as aggregates.
3. The reinforced concrete tunnel according to any one of claims 1 or 2, wherein the
hardened concrete has an admixture of flue-dust of up to 70 kg per cubic metre of
freshly mixed concrete.
4. The reinforced concrete tunnel according to any one of claims 1 to 3, wherein reinforcing
baskets made of reinforced concrete are arranged in the hardened concrete in the area
of the butt joints of the reinforced concrete tubbings.
1. Tunnel en béton armé à segments de cuvelage en béton armé avec une installation pour
la protection contre les incendies et les caractéristiques suivantes :
1.1) les segments de cuvelage en béton armé se composent d'un béton durci avec une
solidité finale de 45 N/mm2 et plus,
1.2) le béton durci présente une armature en fibres d'acier avec une teneur de 30
à 80 kg par mètre cube de béton frais,
1.3) le béton durci présente un ajout de 10 à 3000 g de fibres en matière synthétique
et/ou de billes en matière synthétiques par mètre carré de béton frais,
moyennant quoi le béton durci des segments de cuvelage en béton armé présente des
granulats avec une granularité supérieure à 0 et jusqu'à 32 mm.
2. Tunnel en béton armé selon la revendication 1, où des granulats sans quartz, en particulier
des granulats à base de basalte sont utilisés en guise de granulats.
3. Tunnel en béton armé selon l'une quelconque des revendications 1 ou 2, où le béton
durci présente un ajout en cendre volante de jusqu'à 70 kg par mètre cube de béton
frais.
4. Tunnel en béton armé selon l'une quelconque des revendications 1 à 3, où des cages
d'armature en acier pour béton sont disposées dans le béton durci dans la zone des
joints des segments de cuvelage en béton armé.