(19)
(11) EP 0 841 468 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
31.03.2004  Patentblatt  2004/14

(21) Anmeldenummer: 96118802.6

(22) Anmeldetag:  23.11.1996
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7E21D 11/38, E21D 11/08, C04B 28/02

(54)

Brandschutzsicherung für Tunnelausbau aus Stahlbetontübbings

Fire protection system in a reinforced concrete tubings linned tunnel

Système de protection contre l'incendie dans un revêtement de tunnel en forme de cuvelage en béton armé


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT CH DE GB LI NL

(30) Priorität: 06.11.1996 DE 19645604

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
13.05.1998  Patentblatt  1998/20

(73) Patentinhaber: HOCHTIEF AKTIENGESELLSCHAFT VORM. GEBR. HELFMANN
45128 Essen (DE)

(72) Erfinder:
  • Dahl, Johannes, Dipl.-Ing.
    44225 Dortmund (DE)
  • Nussbaum, Guido, Dipl.-Ing.
    45479 Mülheim a.d.R. (DE)
  • Görhs, Kerstin, Dr.-Ing.
    64342 Seeheim-Jugenheim (DE)

(74) Vertreter: Honke, Manfred, Dr.-Ing. et al
Patentanwälte Andrejewski, Honke & Sozien, Postfach 10 02 54
45002 Essen
45002 Essen (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
WO-A-92/02710
DE-A- 2 408 624
DE-A- 4 006 972
GB-A- 2 202 527
US-A- 4 725 632
DE-A- 2 153 532
DE-A- 3 731 124
GB-A- 1 450 091
US-A- 3 773 700
US-A- 5 002 610
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft einen Stahlbetontunnel aus Stahlbetontübbings mit Einrichtung zur Brandschutzsicherung. Stahlbeton bezeichnet im Rahmen der Erfindung einen Beton, der mit Stahlfasern bewehrt ist. Nach den bestehenden Vorschriften und Forderungen sind Stahlbetontunnel im Verkehrstunnelbau gegen Brandbelastungen bis zu 120 Minuten und einem Temperaturmaximum von 1.350 °C zu sichern. Die Stahlbetontübbings können als ringförmig geschlossene Stahlbeton-Volltübbings oder aus entsprechenden Tübbingsegmenten ringförmig aufgebaut sein.

    [0002] Bei den Stahlbetontunneln, von denen die Erfindung ausgeht, sind die Einrichtungen zur Brandschutzsicherung Zusatzeinrichtungen, nämlich zusätzliche Tunnelauskleidungen in Form von Brandschutzplatten. Die Befestigung dieser Tunnelauskleidungen im gekrümmten Tunnelquerschnitt erfordert erhebliche technische Aufwendungen und ist besonders kostenintensiv. Bei einem Stahlbetontunnel aus Stahlbetontübbings ist im Tübbingausbau der Fugenanteil groß. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Stahlbetontübbings aus Tübbingsegmenten zusammengesetzt sind. Aus Sicherheitsgründen bedürfen die Fugen der Beobachtung und gegebenenfalls auch der Wartung. Insoweit stören zur Brandschutzsicherung angebrachte Tunnelauskleidungen. Sind die Fugen nicht dicht, so kann austretende Feuchtigkeit die Dauerhaftigkeit der Brandschutzauskleidungen beeinträchtigen.

    [0003] Aus DE 37 31 124 A ist ein Brandschutzsystem für Tunnelbauwandungen bekannt. Dieses Brandschutzsystem weist eine an der Tunnelwandung angeordnete wärmedämmende und feuerbeständige Bekleidung aus Isolierstoffen auf, die vorzugsweise aus einer Kombination von Brandschutzmatten und Keramikfasermatten besteht. Zum Tunnelinneren hin ist die Bekleidung durch eine selbsttragende Schale begrenzt, die aus vorgefertigten, biegesteif miteinander verbundenen Einzelelementen gebildet ist. Die Einzelelemente sind stoßabsorbierend mit der Tunnelwandung verbunden. Diese bekannten Maßnahmen zur Brandschutzsicherung sind einerseits aufwendig und lassen zum anderen im Hinblick auf die Brandschutzsicherheit zu wünschen übrig.

    [0004] In DE 40 06 972 A1 wird ein. Brandschutz für Tunnel beschrieben. Im Brandfall kommt es zu Abplatzungen an der Betonschale des Tunnels und die Abplatzungen verhalten sich geschossartig, so dass Personen gefährdet werden können. Um diese Gefahr zu beseitigen wird eine Fangschicht für abplatzende Betonteile vorgesehen. Die Fangschicht kann durch Gewebeeinlagen oder Fließeinlagen gebildet sein. Diese Maßnahmen sind aber nur wenig effektiv und bringen keine ausreichende Brandschutzsicherheit.

    [0005] Der Erfindung liegt das technische Problem zugrunde, einen Stahlbetontunnel mit hoher Brandschutzsicherheit zu schaffen, der von Brandschutzauskleidungen frei ist.

    [0006] Zur Lösung dieses technischen Problems lehrt die Erfindung einen Stahlbetontunnel aus Stahlbetontübbings mit Einrichtung zur Brandschutzsicherung und den Merkmalen
       die Stahlbetontübbings bestehen aus einem Fest-Beton mit einer Endfestigkeit von 45 N/mm2 und höher,
       der Fest-Beton weist eine Bewehrung aus Stahlfasern mit einem Gehalt von 30 bis 80 kg pro Kubikmeter Frischbeton auf,
       der Fest-Beton weist einen Zusatz von 10 bis 3000 g Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln pro Kubikmeter Frischbeton auf,
    wobei der Fest-Beton der Stahlbetontübbings Zuschlagstoffe mit einer Körnung von größer 0 bis 32 mm aufweist. Der Gehalt an Stahlfasern einerseits, der Zusatz an Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln andererseits werden so aufeinander abgestimmt, dass der Stahlbetontunnel bei Brandbelastungen von bis zu 1.350 °C und bis zu 120 Minuten den Brandschutzbestimmungen entspricht. Fest-Beton bezeichnet im Rahmen der Erfindung und in bezug auf die Stahlbetontübbings einen Beton mit einer Endfestigkeit von 45 N/mm2 und höher bis zu hochfestem Beton mit über DIN 1045 hinausgehenden Festigkeitsklassen. Im Rahmen der Erfindung ist der Fest-Beton im übrigen nach den Regeln der Baukunst aufgebaut. Er besitzt übliche Zuschlagstoffe mit einer Körnung von größer 0 bis 32 mm. Es ist aus der Praxis bekannt, dass Beton mit Stahlfaserbewehrung im Vergleich mit Normalbeton verbessertes Brandverhalten aufweist, und zwar auch bei Stahlbetontübbings im Tunnelbau. Das bringt jedoch keine ausreichende Verbesserung der Brandschutzsicherheit im Sinne der einleitenden Ausführungen. Um hochfesten Beton für die Errichtung von im Brandfall nach Maßgabe von DIN 4102 feuerbeständigen Bauwerken zu verwenden, ist es bekannt, mit Hilfe von Fasern, insbesondere Kunststofffasern, Mikroporen mit definierten Porenparametern in der Zementleimmatrix zu erzeugen. Das ist für die Herstellung von Stahlbetontübbings für den Tunnelausbau eine aufwendige, nicht leicht reproduzierbar zu verwirklichende Maßnahme.

    [0007] Die Erfindung geht von der Erkenntnis aus, dass ein Fest-Beton im Sinne der Erfindung, der wie beschrieben mit Stahlfasern sowie Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln ausgerüstet ist, durch Abstimmung des Gehaltes an Stahlfasern einerseits sowie an Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln andererseits auch für die angegebenen extremen Brandbelastungen brandsicher eingestellt werden kann. Die konkrete Abstimmung kann von Anwendungsfall zu Anwendungsfall ohne weiteres im Labor erarbeitet werden. Überraschenderweise können bei den angegebenen Brandbelastungen störende Abplatzungen vollständig vermieden werden. Die Stahlfasern, die Kunststofffasern und die Kunststoffkugeln sind die, die als Bewehrung oder Zusatzstoffe im Betonbau üblich sind.

    [0008] Im einzelnen kann die Lehre der Erfindung so, wie es im folgenden erläutert wird, weiter ausgebildet und optimiert werden. Da Quarz bei etwa 870 °C zerfällt, ist eine Ausführungsform der Erfindung dadurch gekennzeichnet, dass als Zuschlagstoff quarzfreie Zuschlagstoffe, insbesondere Basalt-Zuschlagstoffe, verwendet werden. In diesem Falle kann mit einem verhältnismäßig geringen Gehalt an Stahlfasern sowie Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln im Rahmen der angegebenen Bereiche gearbeitet werden. In bezug auf den Gehalt an Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln muss stets darauf geachtet werden, dass unter Brandbelastung störend hohe Wasserdampfdrücke in dem Fest-Beton sich nicht entwickeln können. Im Rahmen der Erfindung kann ohne weiteres auch mit Gemischen aus Sand und Kies bzw. Sand und Splitt innerhalb der angegebenen Korngrößen gearbeitet werden. Es ist in diesen Fällen allerdings mit höheren Gehalten an Stahlfasern sowie Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln zu arbeiten.

    [0009] Der Erfindung liegt die weitere Erkenntnis zugrunde, dass mechanische Beschädigungen oder Ausbrüche im Bereich der Stoßflächen der Tübbings im Stahlbetontunnelverbund, insbesondere auch an den Kanten, die Brandsicherheit in diesen Bereichen beeinträchtigen können. Solche Beschädigungen können beim Einbau vorgefertigter Stahlbetontübbings in den Stahlbetontunnelverbund auftreten. Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung werden solche Beschädigungen verhindert. Insoweit ist Gegenstand der Erfindung ein Stahlbetontunnel aus Stahlbetontübbings mit Einrichtung zur Brandschutzsicherung, wobei im Bereich der Stoßfugen der Stahlbetontübbings Bewehrungskörbe aus Betonstahl in dem Fest-Beton angeordnet sind.

    [0010] Das ist eine Maßnahme von besonderer Bedeutung: Die Stoßfugen der Stahlbetontübbings sind bei einem Stahlbetontunnel regelmäßig offene Fugen. Daraus resultieren ein zweiseitiger Brandangriff und erhöhte Brandbelastung. Diese erhöhte Brandbelastung wird erfindungsgemäß durch die beschriebene Kombination mit Bewehrungskörben beherrscht.

    [0011] Die Bewehrungskörbe lassen sich einfach in die Stahlbetontübbings einbauen. Sie können beim Betonieren der Stahlbetontübbings oder der Segmente für die Stahlbetontübbings mit einer einfachen Festhaltekonstruktion an der Tübbingschalung fixiert werden. Ist der Stahlbetontübbing fertigt betoniert, so können die Befestigungselemente entfernt werden. Zum Beispiel können spezielle Gewindehülsen mit dem Bewehrungskorb verschraubt werden. Durch vorbereitete Schraubenlöcher in der Seitenschalung der Tübbings können dann ohne Schwierigkeiten Schrauben durch die Schalung in diese Gewindehülsen eingedreht werden. Die Bewehrungskörbe werden so bis zum Abbinden des Fest-Betons über diese Schraubverbindungen sicher in der Tübbingschalung gehalten. Vor dem Ausschalen werden die Schrauben gelöst und der Tübbing kann ohne Schwierigkeiten aus der Schalform gehoben werden. - Stoßfugen bezeichnet sowohl die Fugen zwischen den in Längsrichtung des Stahlbetontunnels gereihten Stahlbetontübbings als auch zwischen den Segmenten der Stahlbetontübbings, wenn mit solchen gearbeitet wird.


    Ansprüche

    1. Stahlbetontunnel aus Stahlbetontübbings mit Einrichtung zur Brandschutzsicherung und den Merkmalen

    1.1) die Stahlbetontübbings bestehen aus einem Fest-Beton mit einer Endfestigkeit von 45 N/mm2 und höher,

    1.2) der Fest-Beton weist eine Bewehrung aus Stahlfasern mit einem Gehalt von 30 bis 80 kg pro Kubikmeter Frischbeton auf,

    1.3) der Fest-Beton weist einen Zusatz von 10 bis 3000 g Kunststofffasern und/oder Kunststoffkugeln pro Kubikmeter Frischbeton auf,

    wobei der Fest-Beton der Stahlbetontübbings Zuschlagstoffe mit einer Körnung von größer 0 bis 32 mm aufweist.
     
    2. Stahlbetontunnel nach Anspruch 1, wobei als Zuschlagstoff quarzfreie Zuschlagstoffe, insbesondere Basalt-Zuschlagstoffe eingesetzt sind.
     
    3. Stahlbetontunnel nach einem der Ansprüche 1 oder 2, wobei der Fest-Beton einen Zusatz an Flugasche von bis zu 70 kg pro Kubikmeter Frischbeton aufweist.
     
    4. Stahlbetontunnel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei im Bereich der Stoßfugen der Stahlbetontübbings Bewehrungskörbe aus Betonstahl in dem Fest-Beton angeordnet sind.
     


    Claims

    1. A reinforced concrete tunnel made of reinforced concrete tubbings comprising a device to ensure fire prevention and having the features

    1.1) the reinforced concrete tubbings consist of hardened concrete with an ultimate strength of 45 N/mm2 and higher,

    1.2) the hardened concrete has a steel fibre reinforcement with a content of 30 to 80 kg per cubic metre of freshly mixed concrete,

    1.3) the hardened concrete has an admixture of 10 to 3000 g plastic fibres and/or plastic beads per cubic metre of freshly mixed concrete,

    wherein the hardened concrete of the reinforced concrete tubbings has aggregates having a grain size of 0 to 32 mm.
     
    2. The reinforced concrete tunnel according to claim 1, wherein quartz-free aggregates, especially basalt aggregates, are used as aggregates.
     
    3. The reinforced concrete tunnel according to any one of claims 1 or 2, wherein the hardened concrete has an admixture of flue-dust of up to 70 kg per cubic metre of freshly mixed concrete.
     
    4. The reinforced concrete tunnel according to any one of claims 1 to 3, wherein reinforcing baskets made of reinforced concrete are arranged in the hardened concrete in the area of the butt joints of the reinforced concrete tubbings.
     


    Revendications

    1. Tunnel en béton armé à segments de cuvelage en béton armé avec une installation pour la protection contre les incendies et les caractéristiques suivantes :

    1.1) les segments de cuvelage en béton armé se composent d'un béton durci avec une solidité finale de 45 N/mm2 et plus,

    1.2) le béton durci présente une armature en fibres d'acier avec une teneur de 30 à 80 kg par mètre cube de béton frais,

    1.3) le béton durci présente un ajout de 10 à 3000 g de fibres en matière synthétique et/ou de billes en matière synthétiques par mètre carré de béton frais,

    moyennant quoi le béton durci des segments de cuvelage en béton armé présente des granulats avec une granularité supérieure à 0 et jusqu'à 32 mm.
     
    2. Tunnel en béton armé selon la revendication 1, où des granulats sans quartz, en particulier des granulats à base de basalte sont utilisés en guise de granulats.
     
    3. Tunnel en béton armé selon l'une quelconque des revendications 1 ou 2, où le béton durci présente un ajout en cendre volante de jusqu'à 70 kg par mètre cube de béton frais.
     
    4. Tunnel en béton armé selon l'une quelconque des revendications 1 à 3, où des cages d'armature en acier pour béton sont disposées dans le béton durci dans la zone des joints des segments de cuvelage en béton armé.