[0001] Die Erfindung betrifft ein Preßpolster, bestehend aus einem Gewebe aus einem textilen
Garn.
[0002] Derartige Preßpolster werden für Hoch- und Niederdruckpressen der verschiedensten
Art, beispielsweise Kurztaktpressen oder Etagenpressen für die Beschichtung von Spanplatten,
MDF-Platten, HDF-Platten mit Aminoplastharzfilmen der Familie der Duroplaste verwendet,
wobei die Hochdruckpressen insbesondere für die Herstellung von Hochdrucklaminaten
dienen. Solche Preßpolster werden weiterhin in Pressen für die Beschichtung von Trägermaterial
der verschiedensten Art mit Holzfunier, Folien oder anderen Materialien zur Überflächenvergütung
verwendet.
[0003] Die dazu verwendeten bekannten Preßpolster sind insbesondere bei hohen Preßdrücken
einer hohen mechanischen Beanspruchung ausgesetzt, was eine verhältnismäßig geringe
Lebensdauer zur Folge hat. Dies gilt insbesondere bei der Beschichtung von Holzwerkstoffen
mit hoher Rohdichte von zum Beispiel über 750 kg/m
3 oder Holzwerkstoffen mit homogenem Aufbau und hoher Rohdichte, zum Beispiel MDF-
oder HDF-Platten. Insbesondere sind bei den Herstellungsbedingungen von Kunststoff-Fußbodenplatten
die mechanischen Beanspruchungen der Preßpolster so hoch, daß mit einer verkürzten
Lebensdauer gerechnet werden muß. Einer derartig hohen mechanischen Beanspruchung
werden die bekannten Preßpolster nicht gerecht, die aus Garn aus aromatischem Polyamid
und Metallfäden bestehen (DE 91 15 681.5 U1).
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Preßpolster mit
einem Gewebe aus einem textilen Garn vorzuschlagen, welches sich durch eine verlängerte
Einsatzdauer auch unter hoher mechanischer Beanspruchung auszeichnet. Die von dem
Preßpolster normalerweise verlangten Eigenschaften sollen dadurch nicht herabgesetzt,
sondern eher gefördert werden, nämlich die Polsterwirkung und der gute Wärmedurchgang.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das textile Garn schwer entflammbare
Melaminharzfaser umfaßt. Das verwendete Garnmaterial besteht konkret aus Melaminharz-Stapelfasern,
einem Kondensationsprodukt von Melamin mit wäßriger Formaldehydlösung. Somit werden
unter Melaminharzfasern Melamin-Formaldehydharzfasern, abgekürzt MF-Fasern, und modifizierte
MF-Fasern verstanden. Diese MF-Fasern weisen die besondere Eigenschaft auf, daß sie
schwer entflammbar sind.
[0006] Die Melaminharzfasern werden als schwer entflammbare und gut wärmeisolierende Fasern
speziell in Geweben und Vliesstoffen für Feuerschutzkleidung, Reibbeläge sowie Kabelummantelungen
verwendet, wie z. B. aus BERBNER, H.: Basofil - neue hitze- und flammfeste Faser auf
Basis Melaminharz, in "Technische Textilien/ Technical Textiles" 37. Jahrgang, Oktober
1994, S.T125-T127, der DE 195 23 081 A1 sowie der WO 95 14 126 A1 hervorgeht, in der
die Melaminharzfasern beispielsweise für feuerfeste Vorhänge mit Armamidfasern gemischt
werden, um die Festigkeit des Gewebes zu steigern.
[0007] Hingegen ermittelten die Erfinder der vorliegenden Anmeldung, daß die MF-Fasern die
obigen bei Preßpolstern verlangten Eigenschaften fördern und insbesondere über eine
günstige Rückstelleigenschaft nach Druckbelastung verfügen, eine Eigenschaft, die
zuvor weder erkannt noch ausgenutzt wurde und die MF-Fasern überraschenderweise für
Preßpolster geeignet macht, die eine verlängerte Lebensdauer auch bei den weiter oben
dargelegten hohen mechanischen Beanspruchungen zeigen.
[0008] Alternativ zu den schwer entflammbaren MF-Fasern und modifizierten MF-Fasern kann
gemäß Anspruch 2 das textile Garn solches aus schwer entflammbarer Duroplastfaser
mit gleichen oder ähnlichen Eigenschaften wie Melaminharzfaser bzw. Melaminformaldehydharzfasern,
abgekürzt MF-Faser und modifizierte MF-Faser, umfassen.
[0009] Zu diesen Eigenschaften gehört neben den weiter oben und im folgenden dargelegten
übrigen Merkmalen der MF-Fasern insbesondere deren günstige Rückstelleigenschaft.
[0010] Die schwer entflammbare Duroplastfaser kann gemäß Anspruch 9 aus Harnstoff-Formaldehyd
bestehen oder gemäß Anspruch 10 aus Phenol-Formaldehydkondensat. Der Einsatz von Phenolfasern
allgemein neben z.B. Armamidfasern ist zwar aus der EP 04 88 071 A2 entnehmbar. Das
dort beschriebene 3- bis 6-lagige Gewebe wird jedoch mit temperaturbeständigen Harzen
imprägniert, die anschließend ausgehärtet werden, um speziell Preßpolster herzustellen,
die für eine Heißpresse geeignet sind, in welcher dekorative Hochdrucklaminate bzw.
Hochdrucklaminate für gedruckte elektronische Schaltungen hergestellt werden. Flüssigharze
u.a. in Form von Phenol-Formaldehydkondensat werden gemäß der DE 24 05 975 A1 zur
Ummantelung von Metallfäden in Faservliesen für Preßpolster verwendet. Flüssigharze
und Fasern sind jedoch grundsätzlich verschiedene Werkstoffe. Auch sind Faservliese
grundsätzlich von Geweben zu unterscheiden, die andere Eigenschaften erbringen.
[0011] Die erfindungsgemäß demgegenüber als Fasern eingesetzten Duroplaste, zu denen auch
die MF-Faser und modifizierte MF-Fasern behören, zeichnen sich dadurch aus, daß sie
keinen Schmelzpunkt aufweisen und der Zersetzungspunkt bei über 270°C liegt. Sie können
daher bei den Temperaturen, die üblicherweise in den eingangs genannten Beschichtungspressen
auftreten, nicht mehr erweichen. Deswegen zeichnen sich die Preßpolster, die aus den
voranstehend angegebenen Fasern und Garnen mit deren verschiedensten Kombinationen
hergestellt wurden, wie mit Tests gefunden wurde, dadurch aus, daß die Einsatzdauer
unter Beibehaltung der guten Polsterwirkung erheblich verlängert ist.
[0012] Zu den Eigenschaften der MF-Fasern und modifizierten MF-Fasern sowie schwer entflammbaren
Duroplastfasern mit gleichen oder ähnlichen Eigenschaften gehört es, daß diese in
bekannten Lösungsmitteln unlöslich sind.
[0013] Daraus ergeben sich weitere Vorteile, insbesondere der guten Reinigungsmöglichkeit
der Preßpolster, die aus diesen Fasern hergestellt sind, wenn diese mit Öl verschmutzt
sind. An dieser Stelle sei bemerkt, daß Ölverschmutzungen insbesondere bei älteren
Pressen durch auslaufendes Hydrauliköl auftreten können. Bisher mußten solche mit
Öl verschmutzten Preßpolster als unbrauchbar angesehen werden, weil sie an den Stellen
der Verschmutzungen einen anderen Wärmedurchgang aufweisen als an den übrigen, nicht
verschmutzten Stellen. Eine Reinigung des dieser Art verschmutzten Polsters war nicht
ohne weiteres möglich.
[0014] Wenn hingegen die erfindungsgemäß vorgesehenen, schwer entflammbaren MF-Fasern und
modifizierten MF-Fasern sowie Duroplaste mit gleichen oder ähnlichen Eigenschaften
zur Herstellung des Preßpolsters verwendet werden, ist eine hohe Oberflächenqualität
der hergestellten Produkte erreichbar, weil die Voraussetzung eines gleichmäßigen
Wärmedurchgangs von der Heizplatte durch das Preßpolster zu dem Produkt auch auf Dauer
gegeben ist.
[0015] Wie an sich bekannt, kann der Wärmedurchgang der Preßpolster dadurch weiter verbessert
werden, daß das Gebebe gemäß Anspruch 5 Metallfäden enthält. Der Metallanteil kann
dabei je nach Verwendungszweck bei zwischen 0 und 98 Gew.% des Gesamtgewichts des
Preßpolsters eingestellt werden. Damit läßt sich der Wärmedurchgang den jeweiligen
Erfordernissen anpassen.
[0016] Im einzelnen können die Metallfäden gemäß Anspruch 6 mit dem textilen Garn umwunden
sein oder alternativ kann gemäß Anspruch das textile Garn mit den Metallfäden umwunden
sein. Insbesondere im letztgenannten Fall sind die Metallfäden so angeordnet, daß
sie einen guten Wärmeübergang zwischen den beiden Flächen des Preßpolsters ergeben,
wobei jeweils eine der beiden Flächen an der Heizplatte direkt oder indirekt anliegt.
Wenn die Metallfäden um die Garne gewickelt sind, bildet jeder Metallfaden eine Vielzahl
von Berührungspunkten sowohl an der Oberseite als auch an der Unterseite des Preßpolsters,
wobei eine gute wärmeleitende Verbindung zwischen den Berührungspunkten existiert.
[0017] Die Metallfäden, mit denen insbesondere das textile Garn umwunden ist, kann monofil
oder multifil sein.
[0018] Im einzelnen kann das Preßpolster gemäß Anspruch 8 reines Metallgarn enthalten. Als
Material für das Metallgarn können Kupfer, Messing, ein anderes rostfreies Metall
dienen. Es kommt auch Metallgarn mit Oberflächenvergütung, die eine Korrosion verhindert,
in Betracht. Aus den genannten einzelnen Metallen können Legierungen hergestellt und
für das Metallgarn verwendet werden. Es kommen auch Kombinationen von Metallgarnen
in einem Preßpolster in Betracht, die in dem Preßpolster mit einem Gewebe aus MF-Fasern,
modifizierten MF-Fasern oder anderen Duroplastfasern mit gleichen oder ähnlichen Eigenschaften
wie MF-Faser oder modifizierte MF-Faser eingesetzt werden.
[0019] Durch die Kombinierbarkeit der in den Ansprüchen angegebenen Fasern kann das Preßpolster
optimal auf den jeweils vorgesehenen speziellen Verwendungszweck eingestellt werden.
[0020] In einem speziellen Ausführungsbeispiel wurde ein Preßpolstergewebe dadurch hergestellt,
daß Melaminharzfaser vom Typ BASOFIL mit Kupfergarn umwunden und verwebt wurde.
[0021] Bei einer ersten Variante dieses Ausführungsbeispiels bestand der Schußfaden aus
Basofilfasern zu 450 tex versponnenem Garn, das mit 6 einzelnen Kupferfäden umwunden
war. Der Kettfaden bestand ebenfalls aus Basofilfaser zu 450 tex versponnenem Garn,
das mit 6 einzelnen Kupferfäden umwunden war.
[0022] In einer zweiten Variante bestand der Schußfaden aus den zuvor erwähnten Materialien,
wobei allerdings abwechselnd auch ein reiner Metallfaden verarbeitet wurde, der in
einer Gewebeausführung aus einer Kupferlitze bestand.
[0023] Die verwendete Basofilfaser wies einen leichten Kräuseleffekt auf, der sich als vorteilhaft
für die Rückstellfähigkeit der Faser sowie des daraus hergestellten Gewebes herausstellte.
Damit wurde die Fähigkeit des Preßpolsters, sich nach jedem Preßvorgang wieder zu
erholen bzw. zurückzustellen, noch gesteigert.
1. Preßpolster, bestehend aus einem Gewebe aus einem textilem Garn,
dadurch gekennzeichnet,
daß das textile Garn schwer entflammbare Melaminharzfaser (Melamin-Formaldehydharzfaser,
abgekürzt MF-Faser, und modifizierte MF-Faser) umfaßt.
2. Preßpolster mit einem Gewebe aus einem textilen Garn,
dadurch gekennzeichnet,
daß das textile Garn solches aus schwer entflammbarer Duroplastfaser mit gleichen
oder ähnlichen Eigenschaften, insbesondere Rückstelleigenschaft, wie Melaminharzfaser,
abgekürzt MF-Faser, und modifizierte MF-Faser, umfaßt.
3. Preßpolster nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das textile Garn erste Fasern aus Melaminharzfaser (Melamin-Formaldehydharzfaser,
abgekürzt MF-Faser, und modifizierte MF-Faser) oder schwer entflammbaren Duroplasten
mit gleichen oder ähnlichen Eigenschaften wie vorstehend genannte Fasern aufweist,
wobei die ersten Fasern mit zweiten Fasern aus anderen Garnmaterialien gemischt sind.
4. Preßpolster nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das textile Garn aus Melaminharzfaser (Melamin-Formaldehydharzfaser, abgekürzt
MF-Faser, und modifizierte MF-Faser) oder schwer entflammbaren Duroplasten mit gleichen
oder ähnlichen Eigenschaften wie vorstehend genannte Fasern mit Garn aus anderen Garnmaterialien
kombiniert ist.
5. Preßpolster nach einem der Ansprüche 1 - 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Gewebe Metallfäden enthält.
6. Preßpolster nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Metallfäden mit dem textilen Garn umwunden sind.
7. Preßpolster nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß das textile Garn mit den Metallfäden umwunden ist.
8. Preßpolster nach Anspruch 5,
gekennzeichnet durch
reines Metallgarn.
9. Preßpolster nach einem der Ansprüche 2 - 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß die schwer entflammbare Duroplastfaser aus Harnstoff-Formaldehyd besteht.
10. Preßpolster nach einem der Ansprüche 2 - 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß die schwer entflammbare Duroplastfaser aus Phenol-Formaldehydkondensat besteht.