(57) Ein Kehraggregat zum Anbau an ein Trägerfahrzeug oder einem Anhänger, umfaßt eine
rotierbar gelagerte, motorisch angetriebene Walzenbürste, die mittels einer Hubeinrichtung
auf unterschiedliche Bodenabstände anheb- und absenkbar ist. Dabei wirkt auf die Hubeinrichtung
eine Regeleinrichtung mit dem Bodenabstand der Walzenbürste als Stellgröße. Regelgröße
der Regeleinrichtung ist das Antriebsmoment für die Walzenbürste oder eine hierzu
proportionale Größe.
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Kehraggregat zum Anbau an einem Trägerfahrzeug
oder einem Anhänger, umfassend eine rotierbar gelagerte, motorisch angetriebene Walzenbürste,
die mittels einer Hubeinrichtung auf unterschiedliche Bodenabstände anheb- und absenkbar
ist, wobei auf die Hubeinrichtung eine Regeleinrichtung mit dem Bodenabstand der Walzenbürste
als Stellgröße wirkt.
[0002] Ein derartiges zum Anbau an ein Trägerfahrzeug ausgebildetes Kehraggregat ist bspw.
aus der europäischen Patentschrift 0372258 bekannt. Die Regeleinrichtung dieses Kehraggregats
soll sicherstellen, daß bei zunehmendem Verschleiß der Borsten der Walzenbürste letztere
nach und nach abgesenkt wird, damit sie stets mit gleichbleibendem Kehrspiegel auf
der zu reinigenden Oberfläche aufliegt. Die Regeleinrichtung soll dabei den mittels
eines Tastkörpers ermittelten tatsächlichen, verschleißabhängigen Durchmesser der
Walzenbürste berücksichtigen. Dabei wird der Tastkörper in vorgegebenen zeitlichen
Abständen in Richtung auf die Walzenbürste vorgeschoben, bis die Borsten der sich
drehenden Walzenbürste ihn berühren; aus dem Verfahrweg des Tastkörpers wird der Walzendurchmesser
an dem jeweiligen Meßort ermittelt.
[0003] Die Praxis hat gezeigt, daß Kehraggregate nach der EP-PS 0372258 nicht zufriedenstellend
arbeiten. Die sehr komplizierte Meßaufnehmeranordnung hält den Einsätzen im harten
Winterdienst nicht dauerhaft stand. Darüber hinaus kann der Tastkörper bei ungünstigen
Witterungsbedingungen vereisen und meldet infolgedessen einen größeren als den tatsächlichen
Durchmesser der Walzenbürste. Die Folge hiervon ist ein unbefriedigendes Reinigungsergebnis,
weil die Walzenbürste mit einem zu großen Bodenabstand betrieben wird.
[0004] Ein weiteres gattungsgemäßes Kehraggregat ist aus der deutschen Patentschrift 4123836
bekannt. Bei diesem Kehraggregat soll die Hubeinrichtung durch die Regeleinrichtung
in der Weise gesteuert werden, daß die Walzenbürste stets mit derselben Kraft auf
der zu reinigenden Oberfläche aufliegt. Diese Auflagekraft wird dabei durch mechanische
Federn vorgegeben, die einen bestimmten Betrag des Gesamtgewichts der Walzenbürste
aufnehmen. Die Auflagekraft der Walzenbürste ergibt sich aus dem Gesamtgewicht der
Walzenbürste zuzüglich Tragkonstruktion vermindert um die Tragkraft der Federn bei
der vorgegebenen Einfederung. Dieses Kehraggregat gestattet zwar ein weitgehend verzögerungsfreies
Nachführen der Walzenbürste bei Bodenunebenheiten. Jedoch arbeitet auch hier die Regeleinrichtung
nicht in der Weise, daß die Walzenbürste stets den durch ein optimales Reinigungsergebnis
bei minimalem Verschleiß definierten optimalen Bodenabstand besitzt. So erhöht sich
bspw. mit zunehmender Schnee- und /oder Eislast an der Walzenbürste und deren Tragkonstruktion
infolge des steigenden Gewichts der Auflagedruck, was zu einem vermehrten Borstenverschleiß
führt. Umgekehrt reduziert sich durch Borstenverschleiß das Gewicht der Walzenbürste
erheblich (bis zu 120 kg) mit der Folge, daß auch die Auflagekraft der Walzenbürste
auf der zu reinigenden Fläche entsprechend abnimmt; hierunter leidet hinwiederum das
Reinigungsergebnis.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein gattungsgemäßes Kehraggregat
zu schaffen, das die vorstehend erläuterten Nachteile nicht aufweist. Das Kehraggregat
soll insbesondere bei möglichst geringem Borstenverschleiß ein gleichmäßig gutes Reinigungsergebnis
liefern, wobei insbesondere evtl. Ablagerungen von Schnee und/oder Eis auf der Walzenbürste
und/oder der Tragkonstruktion sowie Verschleiß der Borsten der Walzenbürste automatisch
kompensiert werden.
[0006] Gemäß der vorliegenden Erfindung wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß die Regelgröße
der Regeleinrichtung das Antriebsmoment für die Walzenbürste oder eine hierzu proportionale
Größe ist. Bei dem erfindungsgemäßen Kehraggregat wird somit der Bodenabstand der
Walzenbürste durch die Regeleinrichtung derart geregelt, daß die Walzenbürste während
des gesamten Kehreinsatzes stets mit einem einem Sollwert entsprechenden Antriebsdrehmoment
angetrieben wird. Steigt aufgrund Veränderungen der Randbedingungen das zum Antrieb
der Walzenbürste tatsächlich erforderliche Drehmoment über den vorgegebenen Sollwert,
wird die Walzenbürste so weit angehoben, bis das tatsächliche Antriebsdrehmoment wieder
seinen Sollwert erreicht; umgekehrt wird, wenn das tatsächliche Antriebsdrehmoment
für die Walzenbürste unter den vorgegebenen Sollwert sinkt, die Walzenbürste abgesenkt,
bis das tatsächlich erforderliche Antriebsdrehmoment wieder seinen Sollwert erreicht.
Durch die erfindungsgemäß eingesetzte Regelung wird erreicht, daß jegliche Gewichtsveränderung
der Walzenbürste und/oder der Tragkonstruktion, sei es durch Borstenverschleiß, sei
es durch Schnee- bzw. Eislast, ebenso kompensiert wird wie eine Verringerung des Durchmessers
der Walzenbürste infolge Verschleißes der Borsten; des weiteren kompensiert die Regeleinrichtung
automatisch ein Ein- oder Ausfedern des Trägerfahrzeugs, Bodenunebenheiten und vergleichbare
Einflüsse. Indem bei dem erfindungsgemäßen Kehraggregat die Walzenbürste durch die
Regeleinrichtung trotz sich ändernder Randbedingungen stets auf einen solchen Bodenabstand
gebracht wird, daß das durch den Bodenkontakt der Borsten auf die Walzenbürste ausgeübte
Bremsmoment (= Antriebsmoment - Leerlaufmoment) konstant ist, ergibt sich eine besonders
gleichmäßig gute Reinigungsleistung bei minimalem Borstenverschleiß.
[0007] Die vorliegende Erfindung ist sowohl auf solche Kehraggregate anwendbar, bei denen,
unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit des Trägerfahrzeugs, die Walzenbürste stets
mit derselben Drehzahl angetrieben ist, wie auch auf solche Kehraggregate, bei denen
sich die Drehzahl der Walzenbürste in Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit des
Trägerfahrzeugs ändert. Im zuletzt genannten Fall wird gemäß einer bevorzugten Weiterbildung
der Erfindung ein die Drehzahl der Walzenbürste repräsentierendes Signal auf die Regeleinrichtung
geschaltet, wobei diese einen drehzahlabhängigen Sollwert für das Antriebsmoment für
die Walzenbürste vorgibt. Diese Weiterbildung der Erfindung ist insbesondere dort
zu favorisieren, wo die Walzenbürste innerhalb einer großen Drehzahl-Bandbreite betrieben
wird; denn durch den drehzahlabhängigen Sollwert für das Betriebs-Antriebsmoment der
Walzenbürste läßt sich kompensieren, daß die durch den Luftwiderstand auf die Walzenbürste
ausgeübte Bremswirkung mit steigender Drehzahl überproportional zunimmt, so daß das
durch den Bodenkontakt der Borsten auf die Walzenbürste ausgeübte Bremsmoment wiederum
konstant ist. Wird allerdings, wie dies häufig üblich ist, die Walzenbürste nur innerhalb
einer relativ schmalen Drehzahl-Bandbreite betrieben, so ist auch die Veränderung
des durch den Luftwiderstand verursachten, auf die Walzenbürste wirkenden Bremsmomentes
vergleichsweise gering; in solchen Fällen (z.B. Walzenbürsten-Drehzahl zwischen 400
und 600 Umdrehungen pro Minute) ist daher in aller Regel eine drehzahlabhängige Sollwertvorgabe
nicht unbedingt erforderlich. Bei Kehraggregaten, deren Walzenbürste mit konstanter
Drehzahl angetrieben wird, ist ohnehin ein Sollwert für das Antriebsmoment zugrundezulegen,
der entweder überhaupt konstant ist oder aber nur von dem von Fall zu Fall ermittelten
Leerlaufmoment (s.u.) abhängt.
[0008] Eine technisch besonders einfache Realisierung der Erfindung ist bei solchen Kehraggregaten
möglich, bei denen die Walzenbürste mittels eines hydrostatischen Hydraulikmotors
angetrieben ist. Bei einem derartigen Kehraggregat wird zweckmäßigerweise der Hydraulikdruck
vor dem Hydraulikmotor als Regelgröße für die Regeleinrichtung verwendet, denn das
Druckgefälle an einem hydrostatischen Hydraulikmotor ist im wesentlichen dem vom Hydraulikmotor
abgegebenen Moment proportional. Bei dieser Weiterbildung der Erfindung ist eine rein
hydraulische Ausgestaltung der Regeleinrichtung ebenso möglich wie bspw. eine elektronische.
Eine rein hydraulische Regelung ist insbesondere dort anwendbar, wo die Hubeinrichtung
für die Walzenbürste ebenfalls hydraulisch betrieben wird und eine drehzahlabhängige
Sollwertvorgabe (siehe oben) nicht vorgesehen ist. Bei einer drehzahlabhängigen Sollwertvorgabe
erweist sich hingegen eine elektronisch ausgeführte Regeleinrichtung als vorteilhaft.
[0009] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Kehraggregats zeichnet
sich dadurch aus, daß auf die Regeleinrichtung eine Eicheinrichtung wirkt, mittels
derer vor dem jeweiligen Kehreinsatz das Leerlaufmoment der Walzenbürste bei mindestens
einer vorgegebenen Drehzahl ermittelt und in Abhängigkeit von diesem der Sollwert
für das Antriebsmoment (Leerlaufmoment + gewünschtes Bremsmoment infolge Bodenkontakts
der Borsten) eingestellt wird. Durch Einsatz einer derartigen Eicheinrichtung läßt
sich die Abhängigkeit des Leerlaufmoments der Walzenbürste von deren Abnutzungsgrad
berücksichtigen. Stark verschlissene Walzenbürsten haben nämlich aufgrund des deutlich
geringeren Durchmessers und des entsprechend reduzierten Luftwiderstands ein erheblich
geringeres Leerlaufmoment als neue Walzenbürsten. Somit wird bei Einsatz einer derartigen
Eicheinrichtung automatisch sichergestellt, daß unabhängig von dem Abnutzungsgrad
der Walzenbürste stets dasselbe Bremsmoment von der zu reinigenden Oberfläche auf
die Walzenbürste ausgeübt wird, wodurch sich unabhängig von dem Abnutzungsgrad der
Walzenbürste eine konstante Reinigungsleistung ergibt.
[0010] Bei solchen erfindungsgemäßen Kehraggregaten, bei denen die Walzenbürste über eine
große Drehzahl-Bandbreite betrieben wird, wird von der Eicheinrichtung vor dem jeweiligen
Kehreinsatz zweckmäßigerweise das Leerlaufmoment der Walzenbürste über deren gesamten
Drehzahlbereich ermittelt und in Abhängigkeit von der Leerlaufmoment-Kurve über den
gesamten Drehzahlbereich eine Sollwert-Kurve für das Antriebsmoment eingestellt.
[0011] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Kehraggregats ist dadurch
gekennzeichnet, daß die Hubeinrichtung mindestens zwei Elemente umfaßt, die in Längsrichtung
der Kehrwalze zueinander versetzt sind, und daß ein Neigungsfühler vorgesehen ist
und in der Weise auf die Regeleinrichtung wirkt, daß die Längsachse der Walzenbürste
stets im wesentlichen parallel zur zu reinigenden Oberfläche verläuft. Die sich dadurch
ergebende Anpassung der Walzenbürste an die Neigung der zu reinigenden Oberfläche
sorgt für eine über ihre gesamte Länge gleichmäßige Auflage der Walzenbürste auf der
zu reinigenden Oberfläche und somit für einen im wesentlichen rechteckigen Kehrspiegel.
Eine einseitige Abnutzung der Walzenbürste wird auf diese Weise vermieden. Zweckmäßigerweise
ist dabei allerdings vorgesehen, daß manuell in die Neigungsregelung eingegriffen
bzw. diese außer Betrieb gesetzt werden und eine erwünschte Asymmetrie des Kehrspiegels
eingestellt werden kann.
1. Kehraggregat zum Anbau an ein Trägerfahrzeug oder einem Anhänger, umfassend eine rotierbar
gelagerte, motorisch angetriebene Walzenbürste, die mittels einer Hubeinrichtung auf
unterschiedliche Bodenabstände anheb- und absenkbar ist, wobei auf die Hubeinrichtung
eine Regeleinrichtung mit dem Bodenabstand der Walzenbürste als Stellgröße wirkt,
dadurch gekennzeichnet,
daß Regelgröße der Regeleinrichtung das Antriebsmoment für die Walzenbürste oder eine
hierzu proportionale Größe ist.
2. Kehraggregat nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein die Drehzahl der Walzenbürste repräsentierendes Signal auf die Regeleinrichtung
geschaltet wird, wobei diese einen drehzahlabhängigen Sollwert für das Antriebsmoment
für die Walzenbürste vorgibt.
3. Kehraggregat nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Walzenbürste mittels eines hydrostatischen Hydraulikmotors angetrieben und
daß der Hydraulikdruck vor dem Hydraulikmotor die Regelgröße für die Regeleinrichtung
ist.
4. Kehraggregat nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß auf die Regeleinrichtung eine Eicheinrichtung wirkt, mittels derer vor dem jeweiligen
Kehreinsatz das Leerlaufmoment der Walzenbürste bei mindestens einer vorgegebenen
Drehzahl ermittelt und in Abhängigkeit von diesem der Sollwert für das Antriebsmoment
eingestellt wird.
5. Kehraggregat nach Anspruch 4 und Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Eicheinrichtung das Leerlaufmoment der Walzenbürste über deren gesamten Drehzahlbereich
ermittelt.
6. Kehraggregat nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Hubeinrichtung mindestens zwei Hubelemente umfaßt, die in Längsrichtung der
Kehrwalze zueinander versetzt sind, und daß ein Neigungsfühler vorgesehen ist und
in der Weise auf die Regeleinrichtung wirkt, daß die Längsachse der Walzenbürste stets
im wesentlichen parallel zur zu reinigenden Oberfläche verläuft.
7. Kehraggregat nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß manuell auf die Regeleinrichtung in der Weise eingewirkt werden kann, daß die
Walzenbürste in eine nicht zur zu reinigenden Oberfläche parallele Stellung geneigt
wird.