(19)
(11) EP 0 845 308 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(88) Veröffentlichungstag A3:
03.06.1998  Patentblatt  1998/23

(43) Veröffentlichungstag:
03.06.1998  Patentblatt  1998/23

(21) Anmeldenummer: 97119945.0

(22) Anmeldetag:  14.11.1997
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6B21B 15/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 28.11.1996 DE 19649295

(71) Anmelder: SMS SCHLOEMANN-SIEMAG AKTIENGESELLSCHAFT
40237 Düsseldorf (DE)

(72) Erfinder:
  • Bald, Wilfried
    57271 Hilchenbach (DE)
  • Rosenthal, Dieter
    57572 Niederfischbach (DE)

(74) Vertreter: Valentin, Ekkehard, Dipl.-Ing. 
Patentanwälte Hemmerich-Müller-Grosse- Pollmeier-Valentin-Gihske Hammerstrasse 2
57072 Siegen
57072 Siegen (DE)

   


(54) Warmwalzanlage


(57) Eine Warmwalzanlage für Flachprodukte soll so ausgebildet werden, dass beim Walzen von dünnen Bändern keine Störungen entstehen. Dazu wird vorgeschlagen, dass die von Stranggiessanlagen (1,1') gelieferten Dünnbrammen miteinander verbunden (4) und so der Vorstrasse (10) und Fertigstrasse (12) als Endlosmaterial zugeführt werden.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine Warmwalzanlage für Flachprodukte mit mindestens zwei Stranggiesseinrichtungen, an die sich je eine Schere sowie je ein Tunnelofen mit Fährwagen, eine gemeinsame Vorstrasse, eine Fertigstrasse, eine Kühlstrecke sowie mindestens eine Haspelvorrichtung anschliessen.

[0002] Derartige Warmwalzanlagen sind bereits bekannt. Zwischen der Vorstrasse und der Fertigstrasse weisen diese Warmwalzanlagen Haspel z. B. Coilboxen und ggf. Haspelöfen auf, in welchen die vorgewalzten, gewünschten Bundgewichten entsprechenden Vorbänder gewickelt und ggf. auf Walztemperatur gehalten bzw. geheizt werden, um im Anschluss daran abgewickelt und der Fertigstrasse zugeführt zu werden. Sollen in der Fertigstrasse kleine Banddicken gewalzt werden, so hat es sich herausgestellt, dass das heruntergewalzte Band in die letzten Gerüste der Fertigstrasse nur noch mit erheblichem Aufwand einzufädeln ist, da das dünne Band nur noch sehr schwer geführt werden kann und leicht ausknickt. Auch in der folgenden Kühlstrecke kann das dünne Band bei den hohen Geschwindigkeiten u. a. leicht vom Kühlbett abheben, wodurch es zu Knicken, Staus und ggf. zu Unterbrechungen des Prozesses kommen kann.

[0003] Es wurde daher schon vorgeschlagen, im Anschluss an die Haspel bzw. die Coilbox oder den Haspelofen die Enden der vorgewalzten Bänder zu schopfen und das Ende eines vorlaufenden Vorbandes mit dem ebenfalls geschopften Anfang des nachlaufenden Verbandes zu verbinden, so dass in der Fertigstrasse endlos gewalzt werden kann und damit die immer wieder folgenden Einfädelvorgänge entfallen.

[0004] Nachteilig bei dieser Vorrichtung ist jedoch, dass die jeweiligen Kopf- und Fussenden des Vorbandes geschopft werden müssen um einwandfreie Verbindungen herstellen zu können, wodurch regelmässig grosse Mengen von Schrott anfällt. Hinzu kommt die aufwendige Haspelanlage zwischen der Vor- und der Fertigstrasse mit mindestens einem Aufwickel-Haspel und mindestens zwei Abwickel-Haspeln, welche die Gesamt-Anlage erheblich verteuern.

[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine gattungsgemässe Warmwalzanlage so weiter zu bilden, dass das Walzgut ohne Schrottanfall kostengünstig endlos gewalzt werden kann.

[0006] Dazu wird vorgeschlagen, dass zwischen den Tunnelöfen und der Vorstrasse eine Verbindungseinrichtung für die stranggegossenen und in gewünschte Bundgewichte geteilte Brammen vorgesehen ist.

[0007] Die Trenn-Scheren im Anschluss an die Stranggiesseinrichtungen führen jeweils exakte, glatte Schnitte durch, so dass sowohl der Anfang als auch das Ende jeder quergeteilten Bramme problemlos mit weiteren, ebenfalls entsprechend quergeteilten Brammen der weiteren Stranggiesseinrichtung verbunden werden können, ohne dass Schopfschnitte notwendig werden. Die quergeteilten Brammen werden abwechselnd über die Fährwagen jeweils in die Walzlinie gebracht und über die der Vorwalzstrasse vorgeordnete Verbindungseinrichtung miteinander verbunden, ohne dass dabei Schrott anfällt. Hinzu kommt, dass die Vorschubgeschwindigkeit des Walzgutes vor der Vorstrasse niedriger ist als die Vorschubgeschwindigkeit des Walzgutes vor der Fertigstrasse, so dass die Verbindungseinrichtung, die synchron mit der Walzgeschwindigkeit angetrieben und mit dem Walzgut verfahren wird langsamer laufen kann. Dadurch wird erreicht, dass die Verbindungsvorrichtung kürzer baut als die bekannte Verbindungsvorrichtung vor der Fertigstrasse, so dass die Warmwalzanlage insgesamt gesehen kürzer und damit kostengünstiger ausfällt. Ausserdem kann die der Vorstrasse nachgeordnete Haspelanlage, die dazu dient, die Differenzen der Walzgeschwindigkeit der Vorstrasse zu der der Fertigstrasse auszugleichen und die damit das Walzen in der Vorstrasse zu dem Walzen in der Fertigstrasse entkoppelt, entfallen, wodurch sich die Warmwalzanlage nochmals kostengünstiger gestaltet.

[0008] Es hat sich bewährt, dass zwischen der Verbindungseinrichtung und der Vorstrasse und/oder zwischen der Vorstrasse und der Fertigstasse Heizvorrichtungen vorgesehen sind. Damit lassen sich die beim Verbindungsvorgang ggf. zu stark abgekühlten Brammen auf die benötigte Temperatur für den ersten Stich in der Vorstrasse bringen. Auch eine vor der Fertigstrasse angeordnete Heizvorrichtung dient dazu, dass Band, falls notwendig, auf die für den ersten Stich der Fertigstrasse benötigte Temperatur zu bringen.

[0009] Weiter erfindungswesentliche Merkmale ergeben sich aus den Ansprüchen 3 bis 6.

[0010] Die Erfindung wird anhand einer Zeichnung näher erläutert. Dabei zeigen

Fig. 1 eine schematisch dargestellt erfindungsgemässe Warmwalzanlage in der Seitenansicht und

Fig. 2 eine Draufsicht nach Fig. 1



[0011] Die Figuren zeigen zwei parallel angeordnete Stranggiesseinrichtungen 1,1' denen sich Scheren 2,2' z. B. Pendelscheren zum Querteilen der stranggegossenen Dünnbrammen anschliessen. Die Stranggiesseinrichtungen 1,1' arbeiten auf Tunnelöfen 3,3' in denen nicht gezeigte Ofenfähren vorgesehen sind, welche die auf gewünschten Bundgewichten entsprechenden Längen geschnittenen Dünnbrammen in die Walzlinie verschieben können.

[0012] Den Tunnelöfen 3,3' schliesst sich eine Verbindungseinrichtung 4 an, die aus einem Wagen 5 besteht, in dem das von der Schere 2 (2') geschnittene Ende der vorlaufenden Dünnbramme mit dem ebenfalls von der Schere 2'(2) geschnittenen Anfang der folgenden Dünnbramme in Kontakt gebracht und eine Verbindung hergestellt wird. Der Wagen 5 weist dafür vorzugsweise eine nicht gezeigte Schweisseinrichtung auf, um die Brammen miteinander zu verbinden.

[0013] Die Figuren zeigen weiterhin eine Heizvorrichtung 6, mittels derer die miteinander verbundenen Dünnbrammen auf eine für den folgenden Vorwalzvorgang optimale Temperatur gebracht werden können. Es ist festzustellen, dass durchaus Materialqualitäten stranggegossen, quergeteilt, miteinander verbunden und anschliessend vorgewalzt werden können, die einer Heizvorrichtung 6 vor der Vorstrasse 10 nicht bedürfen.

[0014] Der Heizvorrichtung 6 folgt eine Schere 7, ein Zunderwäscher 8, ein Staucher 9 und die Vorstrasse 10. An die Vorstrasse 10 schliesst sich eine weiter Heizvorrichtung 11 an, in der das endlos einlaufende Vorband ggf. auf eine für die folgende Fertigstrasse 12 optimale Temperatur gebracht werden kann. Zwischen der Heizvorrichtung 11 und der Fertigstrasse 12 ist eine weitere Schere 13 sowie ein Zunderwäscher 14 angeordnet.

[0015] Am Ausgang der Fertigstrasse 12, in welcher das Band auf kleine Enddicken gewalzt werden kann, ist eine Kühlstrecke 15 vorgesehen. Mittels der Schere 16 wird das endlos gewalzte Band auf gewünschten Bundgewichten entsprechende Längen unterteilt und mittels der Haspelvorrichtungen 17 bzw. 18 aufgewickelt.

[0016] Dadurch das endlos gewalzt wird, muss das Band nur bei Beginn des Walzvorganges in die Fertigstrassen eingefädelt werden, so dass im weiteren Verlauf des Walzvorganges Störungen in der Fertigstrasse 12 vermieden werden.

Bezugszeichenübersicht



[0017] 
1,1'
Stranggiesseinrichtung
2,2'
Schere
3,3'
Tunnelofen
4
Verbindungseinrichtung
5
Wagen
6
Heizvorrichtung
7
Schere
8
Zunderwäscher
9
Staucher
10
Vorstrasse
11
Heizvorrichtung
12
Fertigstrasse
13
Schere
14
Zunderwäscher
15
Kühlstrecke
16
Schere
17
Haspelvorrichtung
18
Haspelvorrichtung



Ansprüche

1. Warmwalzanlage für Flachprodukte mit mindestens zwei Stranggiesseinrichtungen (1,1') an die sich je eine Schere (2,2') sowie je ein Tunnelofen (3,3') mit Fährwagen, eine gemeinsame Vorstrasse (10), eine Fertigstrasse (12) und eine Kühlstrecke (15) sowie mindestens eine Haspelvorrichtung (17,18) anschliessen,
dadurch gekennzeichnet,
dass zwischen den Tunnelöfen (3,3') und der Vorstrasse (10) eine Verbindungseinrichtung (4) für die stranggegossenen und in gewünschte Bundgwichte geteilten Brammen vorgesehen ist.
 
2. Warmwalzanlage nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass zwischen der Verbindungseinrichtung (4) und der Vorstrasse (10) und/oder zwischen der Vorstrasse (10) und der Fertigstrasse (12) Heizvorrichtungen (6,11) vorgesehen sind.
 
3. Warmwalzanlage nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Verbindunseinrichtung (4) als Schweissvorrichtung ausgebildet ist.
 
4. Warmwalzanlage nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Verbindungseinrichtung (4) als mechanische Verbindungsvorrichtung bspw. eine Schmiedepresse ausgebildet ist.
 
5. Warmwalzvorrichtung nach Anspruch 3 oder 4,
dadurch gekennzeichnet
dass die Verbindunseinrichtung (4) als Wagen (5) ausgebildet ist, in dem das Ende der vorlaufenden stranggegossenen Bramme aus einer der Stranggiesseinrichtungen (1,1') mit dem Anfang einer folgenden stranggegossenen Bramme aus der zweiten Stranggiesseinrichtung (1',1) miteinander in Kontakt gebracht und anschliessend verbunden werden.
 
6. Verfahren zum Warmwalzen von Fertigprodukten, welches Stranggiessvorgänge, Ausgleichsvorgänge in Tunnelöfen, einen Vorwalz- und einen Fertigwalzvorgang mit anschliessenden Kühl- und Aufwickelvorgang aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
dass die stranggegossenen, in gewünschte Bundgewichte unterteilten Dünnbrammen im Anschluss an die Tunnelöfen miteinander in Kontakt gebracht und verbunden werden, um so endlos der Vorstrasse (10) und Fertigstrasse (12) für den Walzvorgang zugeführt werden zu können.
 




Zeichnung







Recherchenbericht