(19)
(11) EP 0 845 550 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
03.06.1998  Patentblatt  1998/23

(21) Anmeldenummer: 97119724.9

(22) Anmeldetag:  11.11.1997
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6D01D 5/098, D01D 10/04, D01H 13/32
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 02.12.1996 DE 19649791
08.03.1997 DE 19709608

(71) Anmelder: B a r m a g AG
D-42897 Remscheid (DE)

(72) Erfinder:
  • Spahlinger, Jörg
    42929 Wermelskirchen (DE)
  • Bruske, Johannes
    42897 Remscheid (DE)

(74) Vertreter: Kahlhöfer, Hermann, Dipl.-Phys. et al
Patent- und Rechtsanwälte Bardehle-Pagenberg-Dost-Altenburg- Frohwitter-Geissler & Partner, Xantener Strasse 12
40474 Düsseldorf
40474 Düsseldorf (DE)

   


(54) Verfahren und Vorrichtung zum Spinnen und Aufwickeln von Fäden


(57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Spinnen und Aufwickeln mehrerer endloser Fäden (12) aus synthetischen hochpolymeren Kunststoffen. Hierbei werden die Fäden (12) gleichzeitig in einer Spinnzone ersponnen und in einer Aufwickelzone aufgewickelt. Vor Eintritt der Fäden (12) in die Aufwickelzone wird an jedem der Fäden (12) eine Fadenzugkraft mittels eines von mehreren Lieferwerken (13) so eingestellt, daß die Fäden (12) bei Eintritt in die Aufwickelzone eine durch das dem Faden zugeordnete Lieferwerk (13) bestimmte Fadenzugkraft aufweisen.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Spinnen und Aufwickeln von endlosen Fäden aus synthetischen hochpolymeren Kunststoffen gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 und gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 12.

[0002] Ein derartiges Verfahren und eine derartige Vorrichtung sind aus der DE 42 03 076 bekannt. Hierbei werden die Fäden mittels eines Lieferwerks mit hoher Abzugsgeschwindigkeit aus der Spinnzone abgezogen. Das Lieferwerk besteht aus zwei Galetten, die von den Fäden teilumschlungen sind. Dabei wird in den Fäden oberhalb der Galetten eine Fadenzugkraft aufgebaut, die ein Verstrecken der Fäden bewirkt. Die Fadenzugkraft, mit der die Fäden aufgewickelt werden, ist geringer als die zur Verstreckung aufgebaute Fadenzugkraft.

[0003] Bei dem bekannten Verfahren erfolgt ein Fadenzugkraftsabbau, indem das Lieferwerk mit einer Umfangsgeschwindigkeit angetrieben wird, die größer ist als die Fadenauflaufgeschwindigkeit. Somit wird ein für die Aufwicklung niedriges Fadenzugkraftniveau bereits unmittelbar nach Ablauf von der letzten Galette eingestellt. Nach Ablauf von der Galette werden die Fäden zu den einzelnen Aufwickelstellen einer Aufwickeleinrichtung geführt.

[0004] Hierbei tritt nun das Problem auf, daß jeder Faden eine vom Fadenlauf abhängige spezifische Fadenzugkraft aufweist. Bereits beim Einlaufen in das Lieferwerk besitzen die Fäden aufgrund einer mehr oder weniger starken Umlenkung nach Austritt aus der Spinnzone unterschiedliche Fadenzugkräfte. Insbesondere bei Spinnanlagen, bei denen eine Mehrzahl von Fäden parallel in der Spinnzone gleichzeitig ersponnen werden, erfolgt vor dem Auflaufen auf das Lieferwerk ein Zusammenraffen sowie nach Verlassen des Lieferwerks ein Auseinanderspreizen der Fäden, um zu der jeweiligen Aufwickelposition gefuhrt zu werden. Hieraus resultieren erhebliche Fadenzugkraftsschwankungen zwischen den einzelnen Aufwickelpositionen.
Derartige Unterschiede in den Fadenzugkräften führt in den Aufwickelpositionen zu Spulen, die in ihrer Qualität voneinander sehr abweichen.

[0005] Aus der PCT-Patentanmeldung WO 96/09425 sind desweiteren ein Verfahren und eine Vorrichtung bekannt, bei welcher vor der Aufwickeleinrichtung zwei lange Galetten angeordnet sind, die einen parallelen Fadenlauf ermöglichen. Bei Spinnvorrichtungen mit acht und mehr Fäden, die gleichzeitig gesponnen werden, müssen demnach Galetten mit einer Länge von über 120 cm eingesetzt werden. Um die Fäden anlegen zu können, sind die Galetten nur einseitig auskragend an einem Träger gelagert. Hieraus folgt, daß derartig lange Galetten nur bei einer mittleren Geschwindigkeit des Fadens einsetzbar sind. Bei Fadengeschwindigkeiten von größer 6.000 m/min und einem Galettendurchmesser im Bereich von 100 bis 150 mm müssen die Galetten mit bis zu 20.000 U/min betrieben werden, was erhebliche Standzeitprobleme mit sich bringt.

[0006] Demgemäß ist es Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Spinnen und Aufwickeln von endlosen Fäden zu schaffen, bei dem die Fäden mit einer vorwählbaren Fadenzugkraft in jeder Wickelstelle und einer hohen Fadengeschwindigkeit aufgewickelt werden.

[0007] Die lösung der Aufgabe ergibt sich mit einem Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 und mit einer Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 12.

[0008] Vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens und der Vorrichtung sind in den Unteransprüchen angegeben.

[0009] Die Erfindung bietet den Vorteil, daß die individuellen Einflüsse auf die Fadenzugkraft eines Fadens, die vom Spinnen bis zum Aufwickeln, wie z.B. bei der Kühlung, der Präparation, der Tangelung, dem Aufheizen oder der Fadenführung, auftreten, eliminiert werden können. An jedem Faden kann unabhängig von den benachbarten Fäden eine durch das dem Faden zugeordneten Lieferwerk bestimmte Fadenzugkraft eingestellt werden. Insbesondere zum Aufwickeln läßt sich der Faden mit der einen optimalen Spulenaufbau bewirkenden Fadenzugkraft aufspulen. Beispielsweise bei der Herstellung von gefärbten Fäden in unterschiedlichen Farben haben die Fäden unterschiedliche Eigenschaften, die sich auch bei Aufwickeln in unterschiedlichen Spulen auswirken. Durch das erfindungsgemäße Verfahren können jedoch in jeder Wickelstelle gleiche Spulenqualitäten hergestellt werden.

[0010] Bei der Herstellung von Fäden mit im wesentlichen gleichen physikalischen Eigenschaften wird angestrebt, daß die Fäden mit gleicher Fadenspannung aufgewickelt werden. Durch eine besonders vorteilhafte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens läßt sich dieses Problem lösen. In jeder Wickelstelle kann somit eine Spule mit gleichem Wicklungsaufbau und gleicher Packungsdichte gewickelt werden.

[0011] Eine besonders vorteilhafte Verfahrensvariante ermöglicht, daß die Fäden mit hoher Fadenzugkraft bis kurz vor Eintritt in die Aufwickelzone geführt werden. Dadurch wird ein sicherer Galettenbetrieb zum Verstrecken des Fadens gewährleistet, wobei beim Ablauf von der Galette keine Gefahr der Wicklerbildung besteht.

[0012] Durch die Steuerung oder Regelung der Lieferwerke in Abhängigkeit von der gemessenen Fadenzugkraft im Fadenlauf vor den Lieferwerken besteht die Möglichkeit, direkt auf Veränderungen während des Prozesses zu reagieren. Die Steuerung oder Regelung kann mit Hilfe der veränderbaren Umfangsgeschwindigkeit oder der veränderbaren Fadenumschlingung durchgeführt werden.

[0013] Die Weiterbildung des Verfahrens dadurch, daß die herrschende Fadenzugkraft im Fadenlauf hinter dem Lieferwerk gemessen wird, besitzt den Vorteil, daß ebenfalls die aus der Aufwicklung hervorgehenden Fadenzugkraftsänderungen wie z.B. der Changierung auszugleichen. Insbesondere ist es auch möglich, den Fadenzugkraftsabfall beim Fadenwechsel von der vollen Spule auf die Leerhülse auszugleichen. Hierbei wird, wie in der DE 40 33 960 beschrieben, eine Fadenbremse dazu genutzt, eine höhere Fadenzugkraft aufzubauen. Dadurch wird eine hohe Laufsicherheit und Fangsicherheit beim Spulenwechsel erreicht.

[0014] Um den Aufwand zur Verstellung der einzelnen Lieferwerke gering zu halten, ist es von Vorteil, die Lieferwerke in Abhängigkeit von der Fadenzugkraft einer Referenzstelle zu steuern. In dem Fall, daß die Fäden beim Ablauf von einer vor der Aufwickelzone angeordneten Galette auseinandergespreizt werden, um zu den einzelnen Aufwickelstellen zu gelangen, weisen die Fäden, die außen liegen und somit die stärkste Umlenkung erhalten, einen im Vergleich zu den mittleren Fäden ein höheres Fadenzugkraftsniveau auf. Hierbei ist es zweckmäßig, die Referenzmeßstelle in den Fadenlauf eines der mittleren Fäden zu legen.

[0015] Das Verfahren kann jedoch auch derart modifiziert werden, daß ein bestimmtes Fadenzugkraftsniveau vorgegeben wird, um etwa eine bestimmte Qualität der Aufspulung zu erhalten.

[0016] Die Variante, bei der die Lieferwerke durch zwei angetriebene Rollen gebildet wird, die vom Faden S-förmig umschlungen sind, ist insbesondere für den Fadenzugkraftsabbau geeignet, so daß die Fadenzugkraft im Fadenlauf hinter den Lieferwerken auf einem geringeren Nieveau liegt als die Fadenzugkraft vor dem Lieferwerk. Beide Förderrollen können auch derart zueinander angeordnet sein, daß sie vom Faden Z-förmig umschlungen werden.

[0017] Die Verfahrensvariante, bei der die Lieferwerke durch zwei nicht angetriebene Rollen gebildet wird, die vom Faden S-förmig umschlungen sind, ist insbesondere zu einer Erhöhung der Fadenzugkraft in der Aufwickelzone geeignet.

[0018] Das erfindungsgemäße Verfahren ist geeignet, um in einem Arbeitsgang zu voll- oder teilverstreckten Fäden (FOY oder POY) zu gelangen. Hierbei können alle Arten von Fadenmaterialien wie Polypropylen, Polyester, Polyamid und Viskose vorteilhaft nach diesem Verfahren gesponnen und aufgewickelt werden.

[0019] Die Erfindung bietet weiterhin den Vorteil, daß die Messung der Fadenzugkraft gleichzeitig zur Überwachung der Fadenqualität dient, wie in der EP 0644 282 beschrieben. Dabei könnten die Meßsignale, die insbesondere im Fadenlauf vor dem Lieferwerk gewonnen werden, dazu dienen, den tatsächlichen Prozeßverlauf in der Spinnzone und in der Streckzone zu beeinflussen.

[0020] Eine besonders vorteilhafte Weiterbildung der Vorrichtung sieht vor, daß die Lieferwerke mit dem Maschinengestell der Aufwickeleinrichtung verbunden sind. Somit läßt sich eine Fadenzugkraft in dem Faden direkt vor Einlauf in den Kopffadenführer der Aufwickeleinrichtung einstellen. Desweiteren läßt sich die Bedienbarkeit der Lieferwerke mit der Bedienung der Aufwickeleinrichtung verbinden. Eine für die Bedienung der Aufwickeleinrichtung zuständige Person könnte über die Bedienung der Lieferwerke direkt Einfluß nehmen auf die Qualität der gewickelten Spulen.

[0021] Durch die Anordnung der Lieferwerke unmittelbar vor dem Kopffadenführer können sich zudem die aus der Changierbewegung resultierenden Fadenschwingungen nur bis zum Lieferwerk fortpflanzen. Es hat sich bereits gezeigt, daß ein Lieferwerk mit einer angetriebenen vom Faden teilumschlungenen Förderrolle zur Qualitätsverbesserung des gewickelten Fadens, insbesondere der Einfärbbarkeit, geführt hat. Die vom Faden umschlungene Förderrolle wird hierbei mit einer Umfangsgeschwindigkeit angetrieben, die größer ist als die Fadenlaufgeschwindigkeit. Hierüber wird zwischen dem Faden und dem Umfang der Förderrolle ein Schlupf erzeugt, der zum Abbau einer Fadenzugkraft führt. Der Antrieb der Förderrolle könnte jedoch auch derart erfolgen, daß die Umfangsgeschwindigkeit der Förderrolle kleiner ist als die Fadenlaufgeschwindigkeit. Damit ergeben sich Bremseffekte, die eine Fadenspannungserhöhung bei der Aufwicklung bewirken.

[0022] Eine weitere bevorzugte Variante wird durch ein Lieferwerk mit drei angetriebenen Förderrollen gebildet. Eine derartige Vorrichtung ist insbesondere zum Abbau von hohen Fadenzugkräften geeignet. Damit lassen sich Spulen bei sehr geringem Niveau der Fadenzugkraft herstellen.

[0023] Um die Einstellung der Fadenzugkraft innerhalb des Lieferwerks zu beeinflussen, ist es von Vorteil, wenn zumindest eine der Rollen in den Fadenlauf ein- oder ausschwenkbar ausgeführt ist. Damit kann der Umschlingungswinkel an den Rollen und damit die Reibverhältnisse zwischen dem Faden und den jeweiligen Oberflächen der Förderrollen beeinflußt werden.

[0024] Darüberhinaus besitzt die Spinnvorrichtung, bei welcher das Lieferwerk einen Zustand einnehmen kann, in dem die Fadenzugkraft nicht beeinflußt wird, den Vorteil, daß ein Anlegen der Fäden in die Lieferwerke auf einfache Weise durchführbar ist. Zur Unterstützung können dabei die Förderrollen eine am Umfang angebrachte Anlegeschräge aufweisen.

[0025] Bei einer weiteren besonders vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung werden die Förderrollen an dem Lieferwerk unabhängig voneinander angetrieben. Damit ergibt sich ein weiterer Parameter, um die Einstellung der Fadenzugkraft im Faden zu verändern. Die Rollen können hierbei mittels Einzelmotoren oder über Gruppenantriebe angetrieben werden. Der Antrieb über Einzelmotoren ist von Vorteil, wenn große Fadenzugkraftunterschiede in den einzelnen nebeneinander gesponnenen Fäden auftreten.

[0026] Bei im wesentlichen parallelen Verlauf der Fäden zueinander lassen sich die Förderrollen benachbarter Lieferwerke bevorzugt durch einen Gruppenantrieb antreiben.

[0027] Bei der direkten Anbindung der Lieferwerke an die Aufwickeleinrichtung ist es besonders günstig, wenn die Lieferwerke in den Ablauf der Aufwickeleinrichtung integriert ist. Somit läßt sich beim Spulenwechsel die Lieferwerke direkt über das Steuergerät der Aufwickeleinrichtung derart ansteuern, daß beispielsweise beim Wechsel kein Verschlappen des Fadens eintritt.

[0028] Durch die Steuerung oder Regelung der Lieferwerke in Abhängigkeit von der gemessenen Fadenzugkraft im Fadenlauf vor dem Lieferwerk besteht die Möglichkeit, direkt auf Veränderungen während des Prozesses zu reagieren.

[0029] Weitere Vorteile, Merkmale und Anwendungsmöglichkeiten der vorliegenden Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen in Verbindung mit den Zeichnungen.

[0030] Es zeigen:
Fig. 1
schematisch ein erstes Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Spinnvorrichtung;
Fig. 2
schematisch ein zweites Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Spinnvorrichtung;
Fig. 3
schematisch ein Lieferwerk zum Abbau von Fadenzugkraft;
Fig. 4 und 5
weitere Lieferwerke zur Einstellung der Fadenzugkraft vor Eintritt in die Aufwickelzone.
Fig. 6
schematisch eine Aufwickeleinrichtung mit integrierten Lieferwerken;
Fig. 7
schematisch eine Vorderansicht der Aufwickeleinrichtung aus Fig. 6;
Fig. 8
schematisch ein Lieferwerk mit drei Förderrollen;
Fig. 9
schematisch eine Seitenansicht der Lieferwerke aus Fig. 8 mit einer Fadenaushebevorrichtung;
Fig. 10
schematisch eine Anordnung von Lieferwerken mit Gruppenantrieb.


[0031] In Fig. 1 ist schematisch eine Spinnvorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens dargestellt. Dem Spinnkopf 1 wird ein aufgeschmolzenes Polymer mittels eines Extruders zugeführt. Das Polymer wird sodann durch eine Spinnpumpe zu einer Spinndüse 3 geführt und über zahlreiche Düsen-bohrungen in der Spinndüse 3 zu einer Vielzahl von Filamenten gesponnen. Die Spinnanlage weist insgesamt vier Spinnstellen auf. Da jeder Faden einer Spinnstelle gleich behandelt wird, wird der Prozeß anhand eines Fadenlaufs beschrieben.

[0032] Nachdem das Filamentbündel 4 aus der Spinndüse 3 ausgetreten ist, durchläuft das Filamentbündel 4 einen Kühlschacht 2. Hierbei wird vorzugsweise mit Blasluft das Filamentbündel 4 abgekühlt. Nach der Abkühlung wird das Filamentbündel 4 im Fadenführer 5 zu einem Faden 12 zusammengeführt. Der Faden 12 durchläuft anschließend eine Präparationseinrichtung 6, um einen Fadenschluß herzustellen. Die Präparationseinrichtung 6 könnte auch an die Stelle des Fadenführers 5 angeordnet werden. In diesem Fall würde der Fadenführer 5 entfallen. Daran anschließend wird der Faden 12 in eine Verstreckzone geführt, die durch die Galetten 8 und 10 gebildet wird. Die Verstreckzone ist hierbei durch eine strichpunktierte Umrandung in der Fig. 1 gekennzeichnet. Da die Breite der Spinnzone der parallel nebeneinander angeordneten Spinnstellen größer ist als die Breite der Lauffläche der Galette 8, müssen die Fäden in Abhängigkeit von ihrer Lage mehr oder weniger stark zu jeweils einem Fadenführer 7 umgelenkt werden, um die Galetten 8 und 10 parallel zu durchlaufen. Die Galette 8 wird vom Galettenmotor 9 angetrieben. Die Galette 10 wird von dem Galettenmotor 11 angetrieben. Hierbei wird die Galette 10 mit einer höheren Umfangsgeschwindigkeit angetrieben als die Galette 8. Der Faden 12 umschlingt die Galetten 8 und 10 S- oder Z-förmig. Bei dieser Ausbildung der Verstreckzone ist die Galette 8 beheizt, um den Faden zu erwarmen.

[0033] Zur Verstreckung und Fixierung des Fadens ist es jedoch auch möglich, zwischen der Präpariereinrichtung 6 und der Galette 8 eine Heizeinrichtung anzuordnen. Die Heizeinrichtung kann dabei als geradegestrecktes Heizrohr oder als Heizschiene ausgebildet sein.

[0034] Nachdem der Faden von der Galette 10 abgelaufen ist, wird der Faden 12 vom Fadenführer 21 zu einem Kopffadenführer 14 geführt. Der ortsfeste Kopffadenführer 14 gehört zu einer von insgesamt vier Wickelstellen 41 einer Aufwickeleinrichtung. In jeder Aufwickelstelle 41 durchläuft der Faden eine Changiereinrichtung 15, die den Faden 12 im wesentlichen quer zu der Fadenlaufrichtung entlang eines Changierhubes hin- und herverlegt. Die Changiereinrichtung 15 kann als Flügelchangierung oder als Kehrgewinde-Wellenchangierung ausgeführt sein. Zwischen der Changierung 15 und dem Kopffadenführer 14 bildet sich das sogenannte Changierdreieck aus. Der Faden läuft auf eine hinter der Changiereinrichtung angeordnete Andrückwalze 16 auf, die in dem Maschinengestell 20 drehbar gelagert ist. Die Andrückwalze 16 wird vom Faden teilumschlungen und danach auf die Spule 18 abgelegt. Die Spule 18 ist auf einer Spulspindel 17 aufgesteckt. Die Spulspindel 17 wird mittels des Spindelmotors 19 angetrieben. Der Spindelmotor 19 wird in Abhängigkeit von der Umfangsgeschwindigkeit der Andrückwalze derart geregelt, daß die Umfangsgeschwindigkeit der Spule stets konstant ist, so daß der Faden mit einer gleichbleibenden Aufwickelgeschwindigkeit aufgespult wird.

[0035] Da die Spulspindel 17 länger ist als die Galette 10, ist es erforderlich, daß die Fäden 12 nach Ablauf von der Galette 10 mehr oder weniger stark ausgelenkt werden, um in die jeweilige Aufwickelstelle parallel einzulaufen. Da sowohl die Zusammenführung der Fäden vor der Galette 8 als auch das Auseinanderführen der Fäden nach der Galette 10 nur mit Hilfe von Fadenführern 7 und 21 möglich ist, wird eine je nach Grad der Umlenkung abhängige Reibkraft in dem Faden 12 erzeugt. Somit werden in jedem Faden unterschiedliche Fadenzugkräfte aufgebaut. Für ein hochwertiges Garn ist es jedoch erforderlich, daß der Faden mit im wesentlichen konstanter Fadenzugkraft zu einer Spule gewickelt wird. Erfindungsgemäß durchläuft der Faden 12 jeweils ein Lieferwerk 13, deren Wirkungsweise später beschrieben wird. Die Lieferwerke 13 ist zwischen dem Fadenführer 21 und dem Kopffadenführer 14 angeordnet. In dem Lieferwerk 13 wird an dem Faden 12 eine Fadenzugkraft ab- oder aufgebaut. In der in Fig. 1 gezeigten Spinnanlage erfolgt ein Abbau der Fadenzugkraft. Hierbei ist die Einstellung der Lieferwerke 13 in jedem Fadenlauf so eingestellt, daß die Fäden im Fadenlauf hinter dem Lieferwerk 13 eine im wesentlichen gleiche Fadenzugkraft aufweisen. Daher ist der Spannungsabbau in den äußeren Fäden aufgrund der stärkeren Auslenkung höher als bei den mittleren Fäden. Jedes der Lieferwerke hat somit eine vom Fadenlauf abhängige vorgegebene Einstellung.

[0036] Mit dem in Fig. 1 beschriebenen Verfahren werden vorteilhaft POY-Garne hergestellt. Hierbei ist es jedoch auch möglich, daß die Fäden direkt von der Aufwickelvorrichtung ohne Zwischenschaltung eines Streckwerkes (Galetten) aus der Spinnzone abgezogen werden. Der Aufbau der Spinnvorrichtung würde der Spinnvorrichtung aus Fig. 1 ohne die strichpunktiert gekennzeichnete Streckzone entsprechen. Bevor die Fäden in die Aufwickeleinrichtungen einlaufen, passieren sie die jeweiligen Lieferwerke zur Einstellung der Fadenzugkraft. Die Fäden werden dabei vorteilhaft parallel aus der Spinnzone bis zu den Lieferwerken geführt.

[0037] In Fig. 2 ist eine Spinnvorrichtung gezeigt, die speziell zur Herstellung von FDY-Garnen geeignet ist. Da der Verfahrensablauf vom Spinnen bis zum Aufwickeln ähnlich dem in Fig. 1 gezeigten Spinnverfahren ist, werden an dieser Stelle nur die Abweichungen gegenüber dem Verfahren und der Vorrichtung nach Fig. 1 beschrieben. Ansonsten wird auf die Beschreibung zu Fig. 1 Bezug genommen.

[0038] Nach Verlassen der Spinnzone werden die Fäden 12.1 bis 12.4 derart zusammengefaßt, daß sie mit geringem Abstand zueinander auf die Galette 24 auflaufen können. Hierzu dient ein vor der Galette 24 angeordneter Fadenführer 22. Die Galette 24 wird von den Fäden mehrfach umschlungen, wobei die Fäden zwischen einer Überlaufrolle 23 und der Galette 24 hin- und hergeführt werden. Von einer Streckgalette 27 werden die Fäden von der Galette 24 abgezogen. Die Galette 27 mit der Überlaufrolle 26 wird ebenfalls mehrmals von den Fäden 12 umschlungen. Die Einlaufgalette 24 wird mittels dem Galettenmotor 25 angetrieben. Die Streckgalette 27 wird mittels dem Galettenmotor 28 angetrieben. Zur Verstreckung der Fäden wird die Galette 27 mit höherer Umfangsgeschwindigkeit betrieben als die Galette 24. Auch hierbei ist die Galette 24 zur Erwärmung der Fäden beheizt. Es ist jedoch auch möglich, das Verfahren mit kalten Galetten zu betreiben. Hierbei erfolgt die Erwärmung zischen der Einlaufgalette 24 und der Präparationseinrichtung 6 mittels eines Heizrohres oder einer Heizschiene. Es ist jedoch auch möglich, den Faden vor Auflauf auf die Einzugsgalette 24 durch eine Dampfdüse zu führen.

[0039] Nachdem die Fäden die Verstreckzone durchlaufen haben, erfolgt nach dem Fadenführer 29 eine Aufspreizung der Fäden zu den einzelnen Aufwickelstellen der Aufwickeleinrichtung. Zwischen dem Fadenführer 21 und dem Kopffadenführer 14 ist wiederum ein Lieferwerk 13 in dem Fadenlauf angeordnet. Die Lieferwerke 13 ist über einen Stellmotor 34 ansteuerbar. Der Stellmotor 34 ist mit einer Steuereinrichtung 32 gekoppelt. Im Fadenlauf zwischen dem Fadenführer 21 und dem Lieferwerk 13 ist ein Fadenzugkraftsensor 31 angeordnet. Der Fadenzugkraftsensor 31 ist ebenfalls mit der Steuereinrichtung 32 verbunden. Durch diese Verfahrensvariante ist es möglich, die Lieferwerke 13 in Abhängigkeit von der Fadei:zugkraft des in die Lieferwerke eintretenden Fadens zu steuern. Zusätzlich kann mit der Steuereinrichtung 32 ein Wert vorgegeben werden, der bei der Aufwicklung des Fadens unbedingt einzuhalten ist. Durch diese Anordnung ist es möglich, Fadenzugkraftänderungen, die während des laufenden Prozesses in dem Faden auftreten können, z.B. durch Verschleißerscheinungen, direkt auszuregeln. Die Lieferwerke 13 erhält keine vorgegebene Einstellung. Die Fadenzugkraft in dem Faden wird somit in Abhängigkeit von den Prozeßparametern ständig der für die Aufwicklung erforderlichen Fadenzugkraft angepaßt.

[0040] In Fig. 3 ist schematisch ein Lieferwerk 13 dargestellt, die es ermöglicht, eine Fadenzugkraft im Faden abzubauen. Das Lieferwerk weist einen scheibenförmigen Träger 33 auf. An dem Träger 33 sind die Rollen 35 und 36 drehbar gelagert. Die Rolle 35 und die Rolle 36 sind angetrieben. Der scheibenförmige Träger 33 ist über den Verstellmotor 34 in Verstellrichtung 37 drehbar. Der Faden 12 ist um die Rolle 35 und 36 S-förmig geführt. Je nach Einstellung werden die Rollen 35 und 36 mehr oder weniger stark von dem Faden 12 umschlungen. Durch die Veränderung der Umschlingungswinkel an den Rollen 35 wird der Grad des Abbaus der Fadenzugkraft eingestellt. Ein Abbau der Fadenzugkraft erfolgt hierbei über einen Schlupf, der zwischen dem Faden und der Rolle 35 oder 36 eingestellt wird. Hierzu ist die Umfangsgeschwindigkeit der Rolle 35 oder 36 höher als die Auflaufgeschwindigkeit des Fadens.

[0041] Für den Fall, daß eine Fadenzugkraft aufgebaut werden muß, können die Rollen 35 und 36 durch nicht angetriebene Rollen oder feststehende Stifte ersetzt werden. Somit kann die Reibung zwischen dem Faden 12 und der jeweiligen feststehenden Rolle/Stift durch den Grad der Umschlingung eingestellt werden, was einen Fadenzugkraftaufbau zur Folge hat.

[0042] In Fig. 4 und 5 sind zwei weitere Modifikationen des Lieferwerkes gezeigt, wie sie in einer Spinnvorrichtung in Fig. 1 oder 2 eingesetzt werden könnte. In Fig. 4 ist gezeigt, daß der Fadenzugkraftsensor 31 im Fadenlauf vor der Lieferwerk 13 angeordnet ist und über eine Steuereinrichtung 32 mit dem Lieferwerk 13 gekoppelt. Die Steuereinrichtungen 32.1, 32.2 und 32.4 sind mit einem Steuergerät 39 verbunden. Das Steuergerät 39 ist mit der Steuereinrichtung 32.3 gekoppelt. Die Steuereinrichtung 32.3 ist ebenfalls mit einem Fadenzugkraftsensor 31.3 verbunden, wobei der Fadenzugkraftsensor 31.3 im Fadenlauf hinter dem Lieferwerk 13.3 angeordnet ist. Die Fadenzugkraftmessung an dem Faden 12.3 wird hierbei als Referenzmeßstelle verwendet. Das Meßsignal des Fadenzugkraftsensors 13.3 wird über das Steuereinrichtung 32.3 dem Steuergerät 39 zugeführt. Vom Steuergerät 39 erfolgt eine Weiterleitung des Referenzsignals zu den Steuereinrichtungen 32.1, 32.2 und 32.4.

[0043] In der Steuereinrichtung 32.1, 32.2 und 32.4 erfolgt ein Abgleich zwischen dem Referenzsignal und dem Signal aus der Fadenzugkraftmessung im Fadenlauf vor dem jeweiligen Lieferwerk. Die Differenz wird sodann als Stellsignal des jeweiligen Lieferwerks vorgegeben. Somit wird erreicht, daß die Fäden 12.1, 12.2, 12.3 und 12.4 eine gleiche Fadenzugkraft bei Eintreten in die Aufwickelzone aufweisen.

[0044] In Fig. 5 ist ein weiteres Ausführungsbeispiel gezeigt, das im Vergleich zu der Anordnung von Fig. 2 sich dadurch unterscheidet, daß der Fadenzugkraftsensor 31 nicht im Fadenlauf vor dem Lieferwerk sondern im Fadenlauf nach dem Lieferwerk 13 angeordnet ist. Diese Anordnung ist insbesondere zur Regelung der Fadenzugkraft geeignet. Hierzu wird der Steuereinrichtung 40 jeweils eine Fadenzugkraft durch ein Steuergerät 39 vorgegeben, die mit dem Lieferwerk 13 eingestellt wird. Durch die Messung der Fadenzugkraft nach das Lieferwerk durch den Fadenzugkraftsensor 31 wird der Steuereinrichtung 40 das Meßsignal zugeführt und mit dem vorgegebenen Wert verglichen. Die Abweichungen zwischen dem Vorgabewert und dem Meßwert werden als Regelgröße dem Lieferwerk 13 zugeführt. Diese Anordnung besitzt zudem den Vorteil, daß Fadenzugkraftschwankungen, die aus der Aufwicklung resultieren durch das Lieferwerk 13 ausgeglichen werden können.

[0045] Das erfindungsgemäße Verfahren ist zur Veränderung der Fadenzugkraft der Fäden in einer mehrstelligen Spinnanlage sowohl zur Herstellung von FDY-, POY-, BCF-, Technisch Garn und HOY-Garnen geeignet. Ebenso sind alle Arten von Fadenmaterialien wie Polypropylen, Polyester, Polyamid und Viskose mit dem Verfahren zu bearbeiten.

[0046] In Fig. 6 und 7 ist eine Aufwickeleinrichtung mit integrierten Lieferwerken gezeigt. Insoweit gilt die nachfolgende Beschreibung für Fig. 6 und Fig. 7 gleichermaßen. Die Aufwickeleinrichtung besteht aus einem Maschinengestell 20. An dem Maschinengestell 20 sind insgesamt vier Wickelstellen 41.1, 41.2, 41.3 und 41.4 angeordnet. Jede der Wickelstellen 41.1 bis 41.4 weist in Fadenlaufrichtung zunächst ein Lieferwerk 13 auf. Die Lieferwerke 13.1 bis 13.4 sind an einem Träger 44 angeordnet. Der Träger 44 ist fest mit dem Maschinengestell 20 verbunden. Jedes der Lieferwerke 13.1 bis 13.4 weisen zwei untereinander angeordnete Förderrollen 42 und 43 auf. Da jede Wickelstelle 41 den gleichen Aufbau besitzt, werden nachfolgend die Vorrichtungsteile anhand einer Wickelstelle erläutert. Die Förderrolle 42 ist mit einer Antriebswelle 47 verbunden, die mittels eines Motors 49 angetrieben wird. Die Förderrolle 43 ist an der Antriebswelle 48 befestigt, die mittels des Motors 50 angetrieben wird. Die Förderrollen 42 und 43 werden vom Faden 12 Z-förmig umschlungen.

[0047] Unterhalb der Lieferwerke 13 ist ein Kopffadenführer 14 und danach eine Changiereinrichtung 15 angeordnet. Zwischen dem Kopffadenführer 14 und der Changiereinrichtung 15 wird das sogenannte Changierdreieck 45 gebildet. Die Changiereinrichtung 15 ist hierbei als Flügelchangierung ausgeführt. Dabei wird der Faden durch zwei oder mehrere gegensinnig angetriebene Flügel innerhalb eines Changierhubes hin- und hergeführt. An den Changierhubenden erfolgt jeweils die Übergabe zwischen zwei in einem Übergabepunkt aufeinandertreffende Flügeln. Unterhalb der Changiereinrichtung 15 ist eine Andrückwalze 16 in einer Schwinge 46 gelagert. Die Andrückwalze 15 liegt mit einer vorgegebenen Kraft auf der Spulenoberfläche der Spule 18 auf. Die Spule 18 wird auf einer Hülse 52 gewickelt. Die Hülse 52 ist auf einer Spulspindel 17 aufgesteckt. Die Spulspindel 17 ist drehbar auskragend im Maschinengestell 19 gelagert.

[0048] Der einlaufende Faden 12 in der Wickelstelle 41.1 läuft zunächst in das Lieferwerk 13.1 ein. Die Förderrollen 42 und 43 des Lieferwerks 13.1 sind mit einer Umfangsgeschwindigkeit angetrieben, die größer ist als die Fadengeschwindigkeit. Somit wird ein bestimmter Abbau der Fadenzugkraft im Faden erreicht. Der Spannungsabbau wird hierbei im wesentlichen über die eingestellte Umfangsgeschwindigkeit bestimmt. Die Umschlingungswinkel an den Förderrollen sind in diesem Ausführungsbeispiel fest vorgegeben. Anschließend läuft der Faden in das Changierdreieck hinein und wird mittels der Changiereinrichtung 15 und der Andrückwalze 16 auf der Spule 18 abgelegt. Die Umfangsgeschwindigkeit der Spule 18 ist hierbei konstant. Die Regelung der Umfangsgeschwindigkeit de Spule erfolgt über einen Spindelmotor, der in Abhängigkeit von der Drehzahl der Andrückwalze gesteuert wird.

[0049] Um einen kontinuierlichen Spulvorgang zu ermöglichen, kann die Spulspindel 17 in einem Spulrevolver (hier nicht gezeigt) gelagert sein. Der Spulrevolver ist dabei drehbar im Maschinengestell angeordnet. An dem Spulrevolver ist um 180° versetzt zu der ersten Spulspindel eine weitere Spulspindel angeordnet. Sobald die Spulen 18 auf der Spulspindel 17 fertig gewickelt sind, wird der Spulrevolver verschwenkt, so daß die zweit Spulspindel mit Leerhülsen in die entsprechende Arbeitsposition geschwenkt wird.

[0050] Die in Fig. 6 und 7 gezeigte Aufwickeleinrichtung könnte in der Spinnvorrichtung aus Fig. 1 oder 2 eingesetzt werden. Es ist jedoch auch möglich, eine derartige Aufwickeleinrichtung in eine Spinnanlage einzusetzen, bei welcher die Fäden im parallelen Lauf zwischen der Spinndüse und den Wickelstellen angeordnet sind.

[0051] In Fig. 8 ist ein weiteres Ausführungsbeispiel eines Lieferwerks gezeigt, wie sie in der Spinnvorrichtung aus Fig. 1 und Fig. 2 oder in einer Aufwickeleinrichtung nach Fig. 6 eingesetzt werden könnte. Das Lieferwerk besteht hierbei aus drei Förderrollen 42, 43 und 53. Die Förderrollen 42 und 43 sind mit Abstand zueinander parallel zum Fadenlauf des Fadens 12 angeordnet. Die Förderrolle 42 wird hierbei über die Antriebswelle 47 und die Förderrolle 43 über die Antriebswelle 48 angetrieben. Die Förderrole 53 ist mit einer Antriebswelle 54 verbunden, die in einer Gabel 55 gelagert ist. Die Gabel 55 ist an einer Verstelleinrichtung 56 angeordnet, so daß die Gabel 55 im wesentlichen quer zur Fadenlaufrichtung verschiebbar ist. Die Förderrolle 53 ist zu den Förderrollen 42 und 43 auf der gegenüberliegenden Seite des Fadenlaufs angeordnet. In der gezeigten Stellung ist die Verstelleinrichtung 56 mit der Förderrolle 53 im eingefahrenen Zustand, also aus dem Fadenlauf ausgeschwenkt, gezeigt. Hierbei kann der Faden 12 ohne Umschlingung ungehindert das Lieferwerk passieren. Die Förderrolle 53 ist nun in der Mitte zwischen den Förderrollen 42 und 43 plaziert. Da der Abstand zwischen den Förderrollen 42 und 43 größer ist als der Durchmesser der Rolle 53, kann die Rolle 53 mittels der Verstelleinrichtung 56 in den Zwischenraum der Förderrollen 42 und 43 eingeschwenkt werden. Dabei durchdringt die Förderrolle 53 die Fadenlaufebene, so daß der Faden 12 durch die Förderrolle 53 zwangsgeführt wird und jede der Förderrollen 42, 43 und 53 teilumschlingt. Diese Stellung ist in der Fig. 8 gestrichelt dargestellt. Der Verstellweg in der Förderrolle 53 ist variabel, so daß unterschiedliche Umschlingungswinkel einstellbar sind.

[0052] Die Förderrollen 42, 43 und 53 sind an einem Träger 61 angebracht. Seitlich an dem Träger 61 ist eine Fadenaushebevorrichtung befestigt, die einen Schwenkarm 59 und einen Fadenführer 58 aufweist. Der Schwenkarm 58 ist an der Achse 60 gelagert. Der Fadenführer 58 durchdringt mit seinem freien Ende die Fadenlaufebene. Somit wird beim Verschwenken des Schwenkarms in Richtung aus der Zeichnungsebene heraus der Faden 12 vom Fadenführer 58 erfaßt.

[0053] In Fig. 9 ist schematisch eine Seitenansicht des Lieferwerks aus der Fig. 8 gezeigt. Hierbei sind die Förderrollen 42, 43 und 53 an einem Träger 61 angeordnet. Auf der dem Träger 61 gegenüberliegenden Stirnseite weisen die Förderrollen 42, 43 und 53 jeweils eine Anlegeschräge 57 auf. Damit wird das Anlegen eines Fadens unterstützt. An dem Träger 61 ist ebenfalls der Schwenkarm 59 an der Achse 60 schwenkbar gelagert. An dem freien Ende des Schwenkarms 59 ist der Fadenführer 58 befestigt. Der Fadenführer 58 durchdringt dabei die Fadenlaufebene. In der Betriebsstellung ist der Schwenkarm parallel zur Fadenlaufrichtung ausgerichtet. In dieser Situation wird der Faden 12 über den Fadenführer 21 durch das Lieferwerk zu dem Fadenführer 14 geführt. Wird nun der Schwenkarm 59 in Richtung des Fadens 12 verschwenkt, so durchdringt er die Fadenlaufebene, so daß der Faden nach 90°-Verschwenkung durch den Fadenführer 58 aus dem Lieferwerk ausgehoben wird. Beim Anlegen des Fadens in das Lieferwerk wird der Schwenkarm in seine Ausgangsposition zurückverschwenkt. Der Faden 12 gleitet sodann selbsttätig in den Bereich der Förderrollen 42 und 43 ein.

[0054] In Fig. 10 ist schematisch eine weitere Anordnung von Lieferwerken, wie sie in der Spinnvorrichtung aus Fig. 1 oder 2 eingesetzt werden könnte, gezeigt. Es sind insgesamt sechs Lieferwerke 13.1 bis 13.6 nebeneinander angeordnet. Hierbei wird jedes der Lieferwerke wiederum durch zwei Förderrollen, wie zuvor in Fig. 6 beschrieben, gebildet. Die Förderrollen 42 und 43 sind jeweils auf einer Welle 63 und 64 befestigt. Hierbei sind die Eingangsförderrollen 42.1 und 42.2 benachbarter Lieferwerke 13.1 und 13.2 über einen Riemen 66 miteinander verbunden. Eine der Antriebswellen 64.1 der Förderrollen 42 wird sodann über einen Riementrieb 71 angetrieben. Der Riementrieb 71 ist hierbei mit einer durch einen Motor angetriebenen Antriebswelle 68 und dem Riemen 67 ausgeführt. Der Riemen 67 umschlingt die Welle 64.1 und die Antriebswelle 68. Bei der in Fig. 10 gezeigten Anordnung werden jeweils zwei Förderrollen gemeinsam über einen Antriebe angetrieben. Es ist jedoch auch möglich, mehrere Förderrollen mit nur einem Antrieb anzutreiben. Eine derartige Kopplung der Antriebe der Förderrollen ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn die Fadenzugkräfte in den Fäden vor Einlauf in die Lieferwerke im wesentlichen auf einem gleichen Niveau liegen.

[0055] Der Antrieb der Ausgangsförderrollen 43.1 und 43.2 erfolgt analog mittels dem Riementrieb 62 über die Antriebswelle 65 und den Riemen 70 und 69.

[0056] Die Lieferwerke 13.3 und 13.4 sowie die Lieferwerke 13.5 und 13.6 sind ebenfalls - wie zuvor anhand der Lieferwerke 13.1 und 13.2 beschrieben - angetrieben.

BEZUGSZEICHENLISTE



[0057] 
1
Spinnstelle
2
Kühlschacht
3
Spinndüse
4
Filamentbündel
5
Fadenführer
6
Präparationseinrichtung
7
Fadenführer
8
Galette
9
Galettenmotor
10
Galette
11
Galettenmotor
12
Faden
13
Lieferwerk
14
Kopffadenführer
15
Changiereinrichtung
16
Andrückwalze
17
Spulspindel
18
Spule
19
Spindelmotor
20
Maschinengestell
21
Fadenführer
22
Fadenführer
23
Überlaufrolle
24
Galette
25
Galettenmotor
26
Überlaufrolle
27
Galette
28
Galettenmotor
2
9 Fadenführer
30
Fadenführer
31
Fadenzugkraftsensor
32
Steuereinrichtung
33
Träger
34
Stellmotor
35
Rolle
36
Rolle
37
Verstellrichtung
39
Steuergerät
40
Steuereinrichtung
41
Wickelstelle
42
Förderrolle
43
Förderrolle
44
Träger
45
Changierdreieck
46
Schwinge
47
Antriebswelle
48
Antriebswelle
49
Motor
50
Motor
51
Achse
52
Hülse
53
Förderrolle
54
Welle
55
Gabel
56
Verstelleinrichtung
57
Anlegeschräge
58
Fadenführer
59
Schwenkarm
60
Achse
61
Träger
62
Gruppenantrieb, Riementrieb
63
Welle
64
Welle
65
Antriebswelle
66
Riemen
67
Riemen
68
Antriebswelle
69
Riemen
70
Riemen
71
Riementrieb



Ansprüche

1. Verfahren zum Spinnen und Aufwickeln mehrerer endloser Fäden aus synthetischen hochpolymeren Kunststoffen, bei welchem die Fäden gleichzeitig in einer Spinnzone ersponnen und in einer Aufwickelzone zu Spulen aufgewickelt werden,die alle fluchtend hintereinander auf einer angetrieben Spulspindel aufgespannt sind, und bei welchem die Fäden vor Eintritt in die Aufwickelzone durch ein Lieferwerk eine Fadenspannungsbehandlung erhalten,
dadurch gekennzeichnet, daß

jeder der Fäden zur Fadenspannungsbehandlung durch ein Lieferwerk von mehreren Lieferwerken geführt wird, wobei die Lieferwerke jeweils im Fadenlauf des zu behandelnden Fadens angeordnet sind, so daß jeder der Fäden bei Eintritt in die Aufwickelzone eine durch das dem Faden zugeordnete Lieferwerk bestimmte Fadenzugkraft aufweist.


 
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Fäden bei Eintritt in die Aufwickelzone eine im wesentlichen gleiche Fadenzugkraft aufweisen.


 
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Fäden vor der Spannungsbehandlung in einer Verstreckzone verstreckt werden.


 
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß

jede der Lieferwerke durch zwei angetriebene Rollen gebildet wird, die vom Faden S-förmig oder Z-förmig umschlungen sind, wobei die Fadenumschlingung an den Rollen durch Veränderung der Relativlage zumindest einer der Rollen zum Fadenlauf einstellbar ist.


 
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß

jede der Lieferwerke durch zwei nichtangetriebene Förderrollen gebildet wird, die vom Faden S-förmig oder Z-förmig umschlungen sind, wobei die Fadenumschlingung an den Rollen durch Veränderung der Relativlage zumindest einer Rolle zum Fadenlauf einstellbar ist.


 
6. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Fadenzugkraft im Fadenlauf vor dem jeweiligen Lieferwerk kleiner ist als die Fadenzugkraft im Fadenlauf hinter dem Lieferwerk.


 
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Fadenzugkraft im Fadenlauf vor dem jeweiligen Lieferwerk gemessen wird und das Lieferwerk in Abhängigkeit von der herrschenden Fadenzugkraft vor dem Lieferwerk Steuer- oder regelbar ist.


 
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Fadenzugkraft im Fadenlauf hinter dem jeweiligen Lieferwerk gemessen wird und das Lieferwerk in Abhängigkeit von der herrschenden Fadenzugkraft hinter dem Lieferwerk steuer- oder regelbar ist.


 
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Einstellung der Fadenzugkraft an einem Lieferwerk in Abhängigkeit von der Differenz zwischen einer Referenzfadenzugkraft und der im Fadenlauf vor oder hinter dem Lieferwerk herrschenden Fadenzugkraft erfolgt.


 
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Referenzfadenzugkraft durch die Fadenzugkraft eines ausgewählten Fadens, insbesondere eines der mittleren Fäden, bestimmt wird.


 
11. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Referenzzugkraft durch einen vorgegebenen Wert bestimmt ist.


 
12. Spinnvorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 11 mit einer Aufwickeleinrichtung, die mehrere Wickelstellen (41) aufweist und die die Fäden (12) nach dem Spinnen und der Spannungsbehandlung zu Spulen (18) jeweils in einer der Wickelstellen (41) aufwickelt, wobei die Fäden parallel in einer Fadenlaufebene in die Aufwickeleinrichtung einlaufen und wobei die Spulen (18) hintereinander fluchtend auf einer angetriebenen Spulspindel (17) aufgespannt sind,
dadurch gekennzeichnet, daß

jeder Wickelstelle (41) im Fadenlauf eines von mehreren nebeneinander in der Fadenlaufebene angeordneten Lieferwerken (13) zur Spannungsbehandlung am Faden(12) vorgeschaltet ist.


 
13. Spinnvorrichtung nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Lieferwerke (13) jeweils im Fadenlauf vor einem Kopffadenführer (14) der Aufwickeleinrichtung angeordnet sind.


 
14. Spinnvorrichtung nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Lieferwerke (13) fest mit dem Maschinengestell (20) der Aufwickeleinrichtung verbunden sind.


 
15. Aufwickeleinrichtung zum Aufwickeln einer Vielzahl von frisch ersponnenen und verstreckten Fäden mit mehreren Wickelstellen, in welchen die Fäden jeweils zu einer Spule gewickelt werden,
dadurch gekennzeichnet, daß

jeder Wickelstelle (41) im Fadenlauf eine von mehreren nebeneinander angeordneten Lieferwerke (13) zur Einstellung der Fadenzugkraft im Faden (12) vorgeordnet ist.


 
16. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 15,
dadurch gekennzeichnet, daß

jede der Lieferwwerke (13) eine angetriebene Förderrolle (42) aufweist und

daß die Förderrolle (42) derart im Fadenlauf angeordnet ist, daß sie vom Faden teilumschlungen wird.


 
17. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 15,
dadurch gekennzeichnet, daß

jede der Lieferwerke zwei angetriebene Förderrollen (42, 43) aufweist und

daß die zwei Förderrollen (42, 43) im Fadenlauf derart zueinander angeordnet sind, daß sie vom Faden (12) teilumschlungen werden.


 
18. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 15,
dadurch gekennzeichnet, daß

jede der Lieferwerke drei angetriebene Förderrollen (42, 43, 53) aufweist und

daß die Förderrollen (42, 43, 53) im Fadenlauf derart zueinander angeordnet sind, daß sie vom Faden (12) teilumschlungen werden.


 
19. Spinnvorrichtung nach Anspruch 17 oder 18,
dadurch gekennzeichnet, daß

zumindest eine der Rollen (53) eines Lieferwerkes (13) in den Fadenlauf ein- oder ausschwenkbar ist.


 
20. Spinnvorrichtung nach Anspruch 19,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Rollen benachbarter Lieferwerke gemeinsam verschwenkbar sind.


 
21. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 17 bis 20,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Rollen (42, 43, 53) eines Lieferwerkes (13) derart zueinander angeordnet sind, daß jede der Rollen (42, 43, 53) nur im eingeschwenkten Zustand vom Faden (12) teilumschlungen ist.


 
22. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 17 bis 21,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Rollen (42, 43, 53) in axialer Richtung an einem freien Ende am Umfang eine Anlegeschräge (57) aufweisen.


 
23. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 17 bis 22,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Rollen (42, 43) eines Lieferwerkes (13) unabhängig voneinander antreibbar sind.


 
24. Spinnvorrichtung nach Anspruch 23,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Rollen (42, 43) mittels Einzelmotoren (49, 50) angetrieben werden.


 
25. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 17 bis 23,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Rollen (42, 43, 53) benachbarter Lieferwerke (13.1, 13.2) durch einen Gruppenantrieb (62) antreibbar sind.


 
26. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 25,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Lieferwerke (13) mit einem Steuergerät (39) verbunden sind, welches das Aufwickeln der Fäden in den Wickelstellen steuert.


 
27. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 26,
dadurch gekennzeichnet, daß

die Lieferwerke (13) mit einem Steuergerät (39) verbunden sind, welchem das Signal eines im Fadenlauf angeordneten Fadenzugkraftsensors (31.3) aufgegeben wird.


 
28. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 27,
dadurch gekennzeichnet, daß

jede der Lieferwerke (13) mit jeweils einer Steuereinrichtung (32) verbunden ist, der das Signal eines im Fadenlauf angeordneten Fadenzugkraftsensors (31) aufgegeben wird.


 
29. Spinnvorrichtung nach den Ansprüchen 27 oder 28,
dadurch gekennzeichnet, daß

der Fadenzugkraftsensor (31) zwischen der Wickelstelle (41) und dem Lieferwerk (13) angeordnet ist.


 
30. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 27 oder 28,
dadurch gekennzeichnet, daß

der Fadenzugkraftsensor (31) im Fadenlauf vor dem Lieferwerk (13) angeordnet ist.


 
31. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 30,
dadurch gekennzeichnet, daß

jede der Lieferwerke (13) eine im Fadenlauf angeordnete Präparationseinrichtung (6) aufweist.


 




Zeichnung































Recherchenbericht