[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Spinnen und Aufwickeln
von endlosen Fäden aus synthetischen hochpolymeren Kunststoffen gemäß dem Oberbegriff
des Anspruchs 1 und gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 12.
[0002] Ein derartiges Verfahren und eine derartige Vorrichtung sind aus der DE 42 03 076
bekannt. Hierbei werden die Fäden mittels eines Lieferwerks mit hoher Abzugsgeschwindigkeit
aus der Spinnzone abgezogen. Das Lieferwerk besteht aus zwei Galetten, die von den
Fäden teilumschlungen sind. Dabei wird in den Fäden oberhalb der Galetten eine Fadenzugkraft
aufgebaut, die ein Verstrecken der Fäden bewirkt. Die Fadenzugkraft, mit der die Fäden
aufgewickelt werden, ist geringer als die zur Verstreckung aufgebaute Fadenzugkraft.
[0003] Bei dem bekannten Verfahren erfolgt ein Fadenzugkraftsabbau, indem das Lieferwerk
mit einer Umfangsgeschwindigkeit angetrieben wird, die größer ist als die Fadenauflaufgeschwindigkeit.
Somit wird ein für die Aufwicklung niedriges Fadenzugkraftniveau bereits unmittelbar
nach Ablauf von der letzten Galette eingestellt. Nach Ablauf von der Galette werden
die Fäden zu den einzelnen Aufwickelstellen einer Aufwickeleinrichtung geführt.
[0004] Hierbei tritt nun das Problem auf, daß jeder Faden eine vom Fadenlauf abhängige spezifische
Fadenzugkraft aufweist. Bereits beim Einlaufen in das Lieferwerk besitzen die Fäden
aufgrund einer mehr oder weniger starken Umlenkung nach Austritt aus der Spinnzone
unterschiedliche Fadenzugkräfte. Insbesondere bei Spinnanlagen, bei denen eine Mehrzahl
von Fäden parallel in der Spinnzone gleichzeitig ersponnen werden, erfolgt vor dem
Auflaufen auf das Lieferwerk ein Zusammenraffen sowie nach Verlassen des Lieferwerks
ein Auseinanderspreizen der Fäden, um zu der jeweiligen Aufwickelposition gefuhrt
zu werden. Hieraus resultieren erhebliche Fadenzugkraftsschwankungen zwischen den
einzelnen Aufwickelpositionen.
Derartige Unterschiede in den Fadenzugkräften führt in den Aufwickelpositionen zu
Spulen, die in ihrer Qualität voneinander sehr abweichen.
[0005] Aus der PCT-Patentanmeldung WO 96/09425 sind desweiteren ein Verfahren und eine Vorrichtung
bekannt, bei welcher vor der Aufwickeleinrichtung zwei lange Galetten angeordnet sind,
die einen parallelen Fadenlauf ermöglichen. Bei Spinnvorrichtungen mit acht und mehr
Fäden, die gleichzeitig gesponnen werden, müssen demnach Galetten mit einer Länge
von über 120 cm eingesetzt werden. Um die Fäden anlegen zu können, sind die Galetten
nur einseitig auskragend an einem Träger gelagert. Hieraus folgt, daß derartig lange
Galetten nur bei einer mittleren Geschwindigkeit des Fadens einsetzbar sind. Bei Fadengeschwindigkeiten
von größer 6.000 m/min und einem Galettendurchmesser im Bereich von 100 bis 150 mm
müssen die Galetten mit bis zu 20.000 U/min betrieben werden, was erhebliche Standzeitprobleme
mit sich bringt.
[0006] Demgemäß ist es Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Spinnen
und Aufwickeln von endlosen Fäden zu schaffen, bei dem die Fäden mit einer vorwählbaren
Fadenzugkraft in jeder Wickelstelle und einer hohen Fadengeschwindigkeit aufgewickelt
werden.
[0007] Die lösung der Aufgabe ergibt sich mit einem Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs
1 und mit einer Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 12.
[0008] Vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens und der Vorrichtung sind in den Unteransprüchen
angegeben.
[0009] Die Erfindung bietet den Vorteil, daß die individuellen Einflüsse auf die Fadenzugkraft
eines Fadens, die vom Spinnen bis zum Aufwickeln, wie z.B. bei der Kühlung, der Präparation,
der Tangelung, dem Aufheizen oder der Fadenführung, auftreten, eliminiert werden können.
An jedem Faden kann unabhängig von den benachbarten Fäden eine durch das dem Faden
zugeordneten Lieferwerk bestimmte Fadenzugkraft eingestellt werden. Insbesondere zum
Aufwickeln läßt sich der Faden mit der einen optimalen Spulenaufbau bewirkenden Fadenzugkraft
aufspulen. Beispielsweise bei der Herstellung von gefärbten Fäden in unterschiedlichen
Farben haben die Fäden unterschiedliche Eigenschaften, die sich auch bei Aufwickeln
in unterschiedlichen Spulen auswirken. Durch das erfindungsgemäße Verfahren können
jedoch in jeder Wickelstelle gleiche Spulenqualitäten hergestellt werden.
[0010] Bei der Herstellung von Fäden mit im wesentlichen gleichen physikalischen Eigenschaften
wird angestrebt, daß die Fäden mit gleicher Fadenspannung aufgewickelt werden. Durch
eine besonders vorteilhafte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens läßt sich
dieses Problem lösen. In jeder Wickelstelle kann somit eine Spule mit gleichem Wicklungsaufbau
und gleicher Packungsdichte gewickelt werden.
[0011] Eine besonders vorteilhafte Verfahrensvariante ermöglicht, daß die Fäden mit hoher
Fadenzugkraft bis kurz vor Eintritt in die Aufwickelzone geführt werden. Dadurch wird
ein sicherer Galettenbetrieb zum Verstrecken des Fadens gewährleistet, wobei beim
Ablauf von der Galette keine Gefahr der Wicklerbildung besteht.
[0012] Durch die Steuerung oder Regelung der Lieferwerke in Abhängigkeit von der gemessenen
Fadenzugkraft im Fadenlauf vor den Lieferwerken besteht die Möglichkeit, direkt auf
Veränderungen während des Prozesses zu reagieren. Die Steuerung oder Regelung kann
mit Hilfe der veränderbaren Umfangsgeschwindigkeit oder der veränderbaren Fadenumschlingung
durchgeführt werden.
[0013] Die Weiterbildung des Verfahrens dadurch, daß die herrschende Fadenzugkraft im Fadenlauf
hinter dem Lieferwerk gemessen wird, besitzt den Vorteil, daß ebenfalls die aus der
Aufwicklung hervorgehenden Fadenzugkraftsänderungen wie z.B. der Changierung auszugleichen.
Insbesondere ist es auch möglich, den Fadenzugkraftsabfall beim Fadenwechsel von der
vollen Spule auf die Leerhülse auszugleichen. Hierbei wird, wie in der DE 40 33 960
beschrieben, eine Fadenbremse dazu genutzt, eine höhere Fadenzugkraft aufzubauen.
Dadurch wird eine hohe Laufsicherheit und Fangsicherheit beim Spulenwechsel erreicht.
[0014] Um den Aufwand zur Verstellung der einzelnen Lieferwerke gering zu halten, ist es
von Vorteil, die Lieferwerke in Abhängigkeit von der Fadenzugkraft einer Referenzstelle
zu steuern. In dem Fall, daß die Fäden beim Ablauf von einer vor der Aufwickelzone
angeordneten Galette auseinandergespreizt werden, um zu den einzelnen Aufwickelstellen
zu gelangen, weisen die Fäden, die außen liegen und somit die stärkste Umlenkung erhalten,
einen im Vergleich zu den mittleren Fäden ein höheres Fadenzugkraftsniveau auf. Hierbei
ist es zweckmäßig, die Referenzmeßstelle in den Fadenlauf eines der mittleren Fäden
zu legen.
[0015] Das Verfahren kann jedoch auch derart modifiziert werden, daß ein bestimmtes Fadenzugkraftsniveau
vorgegeben wird, um etwa eine bestimmte Qualität der Aufspulung zu erhalten.
[0016] Die Variante, bei der die Lieferwerke durch zwei angetriebene Rollen gebildet wird,
die vom Faden S-förmig umschlungen sind, ist insbesondere für den Fadenzugkraftsabbau
geeignet, so daß die Fadenzugkraft im Fadenlauf hinter den Lieferwerken auf einem
geringeren Nieveau liegt als die Fadenzugkraft vor dem Lieferwerk. Beide Förderrollen
können auch derart zueinander angeordnet sein, daß sie vom Faden Z-förmig umschlungen
werden.
[0017] Die Verfahrensvariante, bei der die Lieferwerke durch zwei nicht angetriebene Rollen
gebildet wird, die vom Faden S-förmig umschlungen sind, ist insbesondere zu einer
Erhöhung der Fadenzugkraft in der Aufwickelzone geeignet.
[0018] Das erfindungsgemäße Verfahren ist geeignet, um in einem Arbeitsgang zu voll- oder
teilverstreckten Fäden (FOY oder POY) zu gelangen. Hierbei können alle Arten von Fadenmaterialien
wie Polypropylen, Polyester, Polyamid und Viskose vorteilhaft nach diesem Verfahren
gesponnen und aufgewickelt werden.
[0019] Die Erfindung bietet weiterhin den Vorteil, daß die Messung der Fadenzugkraft gleichzeitig
zur Überwachung der Fadenqualität dient, wie in der EP 0644 282 beschrieben. Dabei
könnten die Meßsignale, die insbesondere im Fadenlauf vor dem Lieferwerk gewonnen
werden, dazu dienen, den tatsächlichen Prozeßverlauf in der Spinnzone und in der Streckzone
zu beeinflussen.
[0020] Eine besonders vorteilhafte Weiterbildung der Vorrichtung sieht vor, daß die Lieferwerke
mit dem Maschinengestell der Aufwickeleinrichtung verbunden sind. Somit läßt sich
eine Fadenzugkraft in dem Faden direkt vor Einlauf in den Kopffadenführer der Aufwickeleinrichtung
einstellen. Desweiteren läßt sich die Bedienbarkeit der Lieferwerke mit der Bedienung
der Aufwickeleinrichtung verbinden. Eine für die Bedienung der Aufwickeleinrichtung
zuständige Person könnte über die Bedienung der Lieferwerke direkt Einfluß nehmen
auf die Qualität der gewickelten Spulen.
[0021] Durch die Anordnung der Lieferwerke unmittelbar vor dem Kopffadenführer können sich
zudem die aus der Changierbewegung resultierenden Fadenschwingungen nur bis zum Lieferwerk
fortpflanzen. Es hat sich bereits gezeigt, daß ein Lieferwerk mit einer angetriebenen
vom Faden teilumschlungenen Förderrolle zur Qualitätsverbesserung des gewickelten
Fadens, insbesondere der Einfärbbarkeit, geführt hat. Die vom Faden umschlungene Förderrolle
wird hierbei mit einer Umfangsgeschwindigkeit angetrieben, die größer ist als die
Fadenlaufgeschwindigkeit. Hierüber wird zwischen dem Faden und dem Umfang der Förderrolle
ein Schlupf erzeugt, der zum Abbau einer Fadenzugkraft führt. Der Antrieb der Förderrolle
könnte jedoch auch derart erfolgen, daß die Umfangsgeschwindigkeit der Förderrolle
kleiner ist als die Fadenlaufgeschwindigkeit. Damit ergeben sich Bremseffekte, die
eine Fadenspannungserhöhung bei der Aufwicklung bewirken.
[0022] Eine weitere bevorzugte Variante wird durch ein Lieferwerk mit drei angetriebenen
Förderrollen gebildet. Eine derartige Vorrichtung ist insbesondere zum Abbau von hohen
Fadenzugkräften geeignet. Damit lassen sich Spulen bei sehr geringem Niveau der Fadenzugkraft
herstellen.
[0023] Um die Einstellung der Fadenzugkraft innerhalb des Lieferwerks zu beeinflussen, ist
es von Vorteil, wenn zumindest eine der Rollen in den Fadenlauf ein- oder ausschwenkbar
ausgeführt ist. Damit kann der Umschlingungswinkel an den Rollen und damit die Reibverhältnisse
zwischen dem Faden und den jeweiligen Oberflächen der Förderrollen beeinflußt werden.
[0024] Darüberhinaus besitzt die Spinnvorrichtung, bei welcher das Lieferwerk einen Zustand
einnehmen kann, in dem die Fadenzugkraft nicht beeinflußt wird, den Vorteil, daß ein
Anlegen der Fäden in die Lieferwerke auf einfache Weise durchführbar ist. Zur Unterstützung
können dabei die Förderrollen eine am Umfang angebrachte Anlegeschräge aufweisen.
[0025] Bei einer weiteren besonders vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung werden die
Förderrollen an dem Lieferwerk unabhängig voneinander angetrieben. Damit ergibt sich
ein weiterer Parameter, um die Einstellung der Fadenzugkraft im Faden zu verändern.
Die Rollen können hierbei mittels Einzelmotoren oder über Gruppenantriebe angetrieben
werden. Der Antrieb über Einzelmotoren ist von Vorteil, wenn große Fadenzugkraftunterschiede
in den einzelnen nebeneinander gesponnenen Fäden auftreten.
[0026] Bei im wesentlichen parallelen Verlauf der Fäden zueinander lassen sich die Förderrollen
benachbarter Lieferwerke bevorzugt durch einen Gruppenantrieb antreiben.
[0027] Bei der direkten Anbindung der Lieferwerke an die Aufwickeleinrichtung ist es besonders
günstig, wenn die Lieferwerke in den Ablauf der Aufwickeleinrichtung integriert ist.
Somit läßt sich beim Spulenwechsel die Lieferwerke direkt über das Steuergerät der
Aufwickeleinrichtung derart ansteuern, daß beispielsweise beim Wechsel kein Verschlappen
des Fadens eintritt.
[0028] Durch die Steuerung oder Regelung der Lieferwerke in Abhängigkeit von der gemessenen
Fadenzugkraft im Fadenlauf vor dem Lieferwerk besteht die Möglichkeit, direkt auf
Veränderungen während des Prozesses zu reagieren.
[0029] Weitere Vorteile, Merkmale und Anwendungsmöglichkeiten der vorliegenden Erfindung
ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen in Verbindung
mit den Zeichnungen.
[0030] Es zeigen:
- Fig. 1
- schematisch ein erstes Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Spinnvorrichtung;
- Fig. 2
- schematisch ein zweites Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Spinnvorrichtung;
- Fig. 3
- schematisch ein Lieferwerk zum Abbau von Fadenzugkraft;
- Fig. 4 und 5
- weitere Lieferwerke zur Einstellung der Fadenzugkraft vor Eintritt in die Aufwickelzone.
- Fig. 6
- schematisch eine Aufwickeleinrichtung mit integrierten Lieferwerken;
- Fig. 7
- schematisch eine Vorderansicht der Aufwickeleinrichtung aus Fig. 6;
- Fig. 8
- schematisch ein Lieferwerk mit drei Förderrollen;
- Fig. 9
- schematisch eine Seitenansicht der Lieferwerke aus Fig. 8 mit einer Fadenaushebevorrichtung;
- Fig. 10
- schematisch eine Anordnung von Lieferwerken mit Gruppenantrieb.
[0031] In Fig. 1 ist schematisch eine Spinnvorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens dargestellt. Dem Spinnkopf 1 wird ein aufgeschmolzenes Polymer mittels
eines Extruders zugeführt. Das Polymer wird sodann durch eine Spinnpumpe zu einer
Spinndüse 3 geführt und über zahlreiche Düsen-bohrungen in der Spinndüse 3 zu einer
Vielzahl von Filamenten gesponnen. Die Spinnanlage weist insgesamt vier Spinnstellen
auf. Da jeder Faden einer Spinnstelle gleich behandelt wird, wird der Prozeß anhand
eines Fadenlaufs beschrieben.
[0032] Nachdem das Filamentbündel 4 aus der Spinndüse 3 ausgetreten ist, durchläuft das
Filamentbündel 4 einen Kühlschacht 2. Hierbei wird vorzugsweise mit Blasluft das Filamentbündel
4 abgekühlt. Nach der Abkühlung wird das Filamentbündel 4 im Fadenführer 5 zu einem
Faden 12 zusammengeführt. Der Faden 12 durchläuft anschließend eine Präparationseinrichtung
6, um einen Fadenschluß herzustellen. Die Präparationseinrichtung 6 könnte auch an
die Stelle des Fadenführers 5 angeordnet werden. In diesem Fall würde der Fadenführer
5 entfallen. Daran anschließend wird der Faden 12 in eine Verstreckzone geführt, die
durch die Galetten 8 und 10 gebildet wird. Die Verstreckzone ist hierbei durch eine
strichpunktierte Umrandung in der Fig. 1 gekennzeichnet. Da die Breite der Spinnzone
der parallel nebeneinander angeordneten Spinnstellen größer ist als die Breite der
Lauffläche der Galette 8, müssen die Fäden in Abhängigkeit von ihrer Lage mehr oder
weniger stark zu jeweils einem Fadenführer 7 umgelenkt werden, um die Galetten 8 und
10 parallel zu durchlaufen. Die Galette 8 wird vom Galettenmotor 9 angetrieben. Die
Galette 10 wird von dem Galettenmotor 11 angetrieben. Hierbei wird die Galette 10
mit einer höheren Umfangsgeschwindigkeit angetrieben als die Galette 8. Der Faden
12 umschlingt die Galetten 8 und 10 S- oder Z-förmig. Bei dieser Ausbildung der Verstreckzone
ist die Galette 8 beheizt, um den Faden zu erwarmen.
[0033] Zur Verstreckung und Fixierung des Fadens ist es jedoch auch möglich, zwischen der
Präpariereinrichtung 6 und der Galette 8 eine Heizeinrichtung anzuordnen. Die Heizeinrichtung
kann dabei als geradegestrecktes Heizrohr oder als Heizschiene ausgebildet sein.
[0034] Nachdem der Faden von der Galette 10 abgelaufen ist, wird der Faden 12 vom Fadenführer
21 zu einem Kopffadenführer 14 geführt. Der ortsfeste Kopffadenführer 14 gehört zu
einer von insgesamt vier Wickelstellen 41 einer Aufwickeleinrichtung. In jeder Aufwickelstelle
41 durchläuft der Faden eine Changiereinrichtung 15, die den Faden 12 im wesentlichen
quer zu der Fadenlaufrichtung entlang eines Changierhubes hin- und herverlegt. Die
Changiereinrichtung 15 kann als Flügelchangierung oder als Kehrgewinde-Wellenchangierung
ausgeführt sein. Zwischen der Changierung 15 und dem Kopffadenführer 14 bildet sich
das sogenannte Changierdreieck aus. Der Faden läuft auf eine hinter der Changiereinrichtung
angeordnete Andrückwalze 16 auf, die in dem Maschinengestell 20 drehbar gelagert ist.
Die Andrückwalze 16 wird vom Faden teilumschlungen und danach auf die Spule 18 abgelegt.
Die Spule 18 ist auf einer Spulspindel 17 aufgesteckt. Die Spulspindel 17 wird mittels
des Spindelmotors 19 angetrieben. Der Spindelmotor 19 wird in Abhängigkeit von der
Umfangsgeschwindigkeit der Andrückwalze derart geregelt, daß die Umfangsgeschwindigkeit
der Spule stets konstant ist, so daß der Faden mit einer gleichbleibenden Aufwickelgeschwindigkeit
aufgespult wird.
[0035] Da die Spulspindel 17 länger ist als die Galette 10, ist es erforderlich, daß die
Fäden 12 nach Ablauf von der Galette 10 mehr oder weniger stark ausgelenkt werden,
um in die jeweilige Aufwickelstelle parallel einzulaufen. Da sowohl die Zusammenführung
der Fäden vor der Galette 8 als auch das Auseinanderführen der Fäden nach der Galette
10 nur mit Hilfe von Fadenführern 7 und 21 möglich ist, wird eine je nach Grad der
Umlenkung abhängige Reibkraft in dem Faden 12 erzeugt. Somit werden in jedem Faden
unterschiedliche Fadenzugkräfte aufgebaut. Für ein hochwertiges Garn ist es jedoch
erforderlich, daß der Faden mit im wesentlichen konstanter Fadenzugkraft zu einer
Spule gewickelt wird. Erfindungsgemäß durchläuft der Faden 12 jeweils ein Lieferwerk
13, deren Wirkungsweise später beschrieben wird. Die Lieferwerke 13 ist zwischen dem
Fadenführer 21 und dem Kopffadenführer 14 angeordnet. In dem Lieferwerk 13 wird an
dem Faden 12 eine Fadenzugkraft ab- oder aufgebaut. In der in Fig. 1 gezeigten Spinnanlage
erfolgt ein Abbau der Fadenzugkraft. Hierbei ist die Einstellung der Lieferwerke 13
in jedem Fadenlauf so eingestellt, daß die Fäden im Fadenlauf hinter dem Lieferwerk
13 eine im wesentlichen gleiche Fadenzugkraft aufweisen. Daher ist der Spannungsabbau
in den äußeren Fäden aufgrund der stärkeren Auslenkung höher als bei den mittleren
Fäden. Jedes der Lieferwerke hat somit eine vom Fadenlauf abhängige vorgegebene Einstellung.
[0036] Mit dem in Fig. 1 beschriebenen Verfahren werden vorteilhaft POY-Garne hergestellt.
Hierbei ist es jedoch auch möglich, daß die Fäden direkt von der Aufwickelvorrichtung
ohne Zwischenschaltung eines Streckwerkes (Galetten) aus der Spinnzone abgezogen werden.
Der Aufbau der Spinnvorrichtung würde der Spinnvorrichtung aus Fig. 1 ohne die strichpunktiert
gekennzeichnete Streckzone entsprechen. Bevor die Fäden in die Aufwickeleinrichtungen
einlaufen, passieren sie die jeweiligen Lieferwerke zur Einstellung der Fadenzugkraft.
Die Fäden werden dabei vorteilhaft parallel aus der Spinnzone bis zu den Lieferwerken
geführt.
[0037] In Fig. 2 ist eine Spinnvorrichtung gezeigt, die speziell zur Herstellung von FDY-Garnen
geeignet ist. Da der Verfahrensablauf vom Spinnen bis zum Aufwickeln ähnlich dem in
Fig. 1 gezeigten Spinnverfahren ist, werden an dieser Stelle nur die Abweichungen
gegenüber dem Verfahren und der Vorrichtung nach Fig. 1 beschrieben. Ansonsten wird
auf die Beschreibung zu Fig. 1 Bezug genommen.
[0038] Nach Verlassen der Spinnzone werden die Fäden 12.1 bis 12.4 derart zusammengefaßt,
daß sie mit geringem Abstand zueinander auf die Galette 24 auflaufen können. Hierzu
dient ein vor der Galette 24 angeordneter Fadenführer 22. Die Galette 24 wird von
den Fäden mehrfach umschlungen, wobei die Fäden zwischen einer Überlaufrolle 23 und
der Galette 24 hin- und hergeführt werden. Von einer Streckgalette 27 werden die Fäden
von der Galette 24 abgezogen. Die Galette 27 mit der Überlaufrolle 26 wird ebenfalls
mehrmals von den Fäden 12 umschlungen. Die Einlaufgalette 24 wird mittels dem Galettenmotor
25 angetrieben. Die Streckgalette 27 wird mittels dem Galettenmotor 28 angetrieben.
Zur Verstreckung der Fäden wird die Galette 27 mit höherer Umfangsgeschwindigkeit
betrieben als die Galette 24. Auch hierbei ist die Galette 24 zur Erwärmung der Fäden
beheizt. Es ist jedoch auch möglich, das Verfahren mit kalten Galetten zu betreiben.
Hierbei erfolgt die Erwärmung zischen der Einlaufgalette 24 und der Präparationseinrichtung
6 mittels eines Heizrohres oder einer Heizschiene. Es ist jedoch auch möglich, den
Faden vor Auflauf auf die Einzugsgalette 24 durch eine Dampfdüse zu führen.
[0039] Nachdem die Fäden die Verstreckzone durchlaufen haben, erfolgt nach dem Fadenführer
29 eine Aufspreizung der Fäden zu den einzelnen Aufwickelstellen der Aufwickeleinrichtung.
Zwischen dem Fadenführer 21 und dem Kopffadenführer 14 ist wiederum ein Lieferwerk
13 in dem Fadenlauf angeordnet. Die Lieferwerke 13 ist über einen Stellmotor 34 ansteuerbar.
Der Stellmotor 34 ist mit einer Steuereinrichtung 32 gekoppelt. Im Fadenlauf zwischen
dem Fadenführer 21 und dem Lieferwerk 13 ist ein Fadenzugkraftsensor 31 angeordnet.
Der Fadenzugkraftsensor 31 ist ebenfalls mit der Steuereinrichtung 32 verbunden. Durch
diese Verfahrensvariante ist es möglich, die Lieferwerke 13 in Abhängigkeit von der
Fadei:zugkraft des in die Lieferwerke eintretenden Fadens zu steuern. Zusätzlich kann
mit der Steuereinrichtung 32 ein Wert vorgegeben werden, der bei der Aufwicklung des
Fadens unbedingt einzuhalten ist. Durch diese Anordnung ist es möglich, Fadenzugkraftänderungen,
die während des laufenden Prozesses in dem Faden auftreten können, z.B. durch Verschleißerscheinungen,
direkt auszuregeln. Die Lieferwerke 13 erhält keine vorgegebene Einstellung. Die Fadenzugkraft
in dem Faden wird somit in Abhängigkeit von den Prozeßparametern ständig der für die
Aufwicklung erforderlichen Fadenzugkraft angepaßt.
[0040] In Fig. 3 ist schematisch ein Lieferwerk 13 dargestellt, die es ermöglicht, eine
Fadenzugkraft im Faden abzubauen. Das Lieferwerk weist einen scheibenförmigen Träger
33 auf. An dem Träger 33 sind die Rollen 35 und 36 drehbar gelagert. Die Rolle 35
und die Rolle 36 sind angetrieben. Der scheibenförmige Träger 33 ist über den Verstellmotor
34 in Verstellrichtung 37 drehbar. Der Faden 12 ist um die Rolle 35 und 36 S-förmig
geführt. Je nach Einstellung werden die Rollen 35 und 36 mehr oder weniger stark von
dem Faden 12 umschlungen. Durch die Veränderung der Umschlingungswinkel an den Rollen
35 wird der Grad des Abbaus der Fadenzugkraft eingestellt. Ein Abbau der Fadenzugkraft
erfolgt hierbei über einen Schlupf, der zwischen dem Faden und der Rolle 35 oder 36
eingestellt wird. Hierzu ist die Umfangsgeschwindigkeit der Rolle 35 oder 36 höher
als die Auflaufgeschwindigkeit des Fadens.
[0041] Für den Fall, daß eine Fadenzugkraft aufgebaut werden muß, können die Rollen 35 und
36 durch nicht angetriebene Rollen oder feststehende Stifte ersetzt werden. Somit
kann die Reibung zwischen dem Faden 12 und der jeweiligen feststehenden Rolle/Stift
durch den Grad der Umschlingung eingestellt werden, was einen Fadenzugkraftaufbau
zur Folge hat.
[0042] In Fig. 4 und 5 sind zwei weitere Modifikationen des Lieferwerkes gezeigt, wie sie
in einer Spinnvorrichtung in Fig. 1 oder 2 eingesetzt werden könnte. In Fig. 4 ist
gezeigt, daß der Fadenzugkraftsensor 31 im Fadenlauf vor der Lieferwerk 13 angeordnet
ist und über eine Steuereinrichtung 32 mit dem Lieferwerk 13 gekoppelt. Die Steuereinrichtungen
32.1, 32.2 und 32.4 sind mit einem Steuergerät 39 verbunden. Das Steuergerät 39 ist
mit der Steuereinrichtung 32.3 gekoppelt. Die Steuereinrichtung 32.3 ist ebenfalls
mit einem Fadenzugkraftsensor 31.3 verbunden, wobei der Fadenzugkraftsensor 31.3 im
Fadenlauf hinter dem Lieferwerk 13.3 angeordnet ist. Die Fadenzugkraftmessung an dem
Faden 12.3 wird hierbei als Referenzmeßstelle verwendet. Das Meßsignal des Fadenzugkraftsensors
13.3 wird über das Steuereinrichtung 32.3 dem Steuergerät 39 zugeführt. Vom Steuergerät
39 erfolgt eine Weiterleitung des Referenzsignals zu den Steuereinrichtungen 32.1,
32.2 und 32.4.
[0043] In der Steuereinrichtung 32.1, 32.2 und 32.4 erfolgt ein Abgleich zwischen dem Referenzsignal
und dem Signal aus der Fadenzugkraftmessung im Fadenlauf vor dem jeweiligen Lieferwerk.
Die Differenz wird sodann als Stellsignal des jeweiligen Lieferwerks vorgegeben. Somit
wird erreicht, daß die Fäden 12.1, 12.2, 12.3 und 12.4 eine gleiche Fadenzugkraft
bei Eintreten in die Aufwickelzone aufweisen.
[0044] In Fig. 5 ist ein weiteres Ausführungsbeispiel gezeigt, das im Vergleich zu der Anordnung
von Fig. 2 sich dadurch unterscheidet, daß der Fadenzugkraftsensor 31 nicht im Fadenlauf
vor dem Lieferwerk sondern im Fadenlauf nach dem Lieferwerk 13 angeordnet ist. Diese
Anordnung ist insbesondere zur Regelung der Fadenzugkraft geeignet. Hierzu wird der
Steuereinrichtung 40 jeweils eine Fadenzugkraft durch ein Steuergerät 39 vorgegeben,
die mit dem Lieferwerk 13 eingestellt wird. Durch die Messung der Fadenzugkraft nach
das Lieferwerk durch den Fadenzugkraftsensor 31 wird der Steuereinrichtung 40 das
Meßsignal zugeführt und mit dem vorgegebenen Wert verglichen. Die Abweichungen zwischen
dem Vorgabewert und dem Meßwert werden als Regelgröße dem Lieferwerk 13 zugeführt.
Diese Anordnung besitzt zudem den Vorteil, daß Fadenzugkraftschwankungen, die aus
der Aufwicklung resultieren durch das Lieferwerk 13 ausgeglichen werden können.
[0045] Das erfindungsgemäße Verfahren ist zur Veränderung der Fadenzugkraft der Fäden in
einer mehrstelligen Spinnanlage sowohl zur Herstellung von FDY-, POY-, BCF-, Technisch
Garn und HOY-Garnen geeignet. Ebenso sind alle Arten von Fadenmaterialien wie Polypropylen,
Polyester, Polyamid und Viskose mit dem Verfahren zu bearbeiten.
[0046] In Fig. 6 und 7 ist eine Aufwickeleinrichtung mit integrierten Lieferwerken gezeigt.
Insoweit gilt die nachfolgende Beschreibung für Fig. 6 und Fig. 7 gleichermaßen. Die
Aufwickeleinrichtung besteht aus einem Maschinengestell 20. An dem Maschinengestell
20 sind insgesamt vier Wickelstellen 41.1, 41.2, 41.3 und 41.4 angeordnet. Jede der
Wickelstellen 41.1 bis 41.4 weist in Fadenlaufrichtung zunächst ein Lieferwerk 13
auf. Die Lieferwerke 13.1 bis 13.4 sind an einem Träger 44 angeordnet. Der Träger
44 ist fest mit dem Maschinengestell 20 verbunden. Jedes der Lieferwerke 13.1 bis
13.4 weisen zwei untereinander angeordnete Förderrollen 42 und 43 auf. Da jede Wickelstelle
41 den gleichen Aufbau besitzt, werden nachfolgend die Vorrichtungsteile anhand einer
Wickelstelle erläutert. Die Förderrolle 42 ist mit einer Antriebswelle 47 verbunden,
die mittels eines Motors 49 angetrieben wird. Die Förderrolle 43 ist an der Antriebswelle
48 befestigt, die mittels des Motors 50 angetrieben wird. Die Förderrollen 42 und
43 werden vom Faden 12 Z-förmig umschlungen.
[0047] Unterhalb der Lieferwerke 13 ist ein Kopffadenführer 14 und danach eine Changiereinrichtung
15 angeordnet. Zwischen dem Kopffadenführer 14 und der Changiereinrichtung 15 wird
das sogenannte Changierdreieck 45 gebildet. Die Changiereinrichtung 15 ist hierbei
als Flügelchangierung ausgeführt. Dabei wird der Faden durch zwei oder mehrere gegensinnig
angetriebene Flügel innerhalb eines Changierhubes hin- und hergeführt. An den Changierhubenden
erfolgt jeweils die Übergabe zwischen zwei in einem Übergabepunkt aufeinandertreffende
Flügeln. Unterhalb der Changiereinrichtung 15 ist eine Andrückwalze 16 in einer Schwinge
46 gelagert. Die Andrückwalze 15 liegt mit einer vorgegebenen Kraft auf der Spulenoberfläche
der Spule 18 auf. Die Spule 18 wird auf einer Hülse 52 gewickelt. Die Hülse 52 ist
auf einer Spulspindel 17 aufgesteckt. Die Spulspindel 17 ist drehbar auskragend im
Maschinengestell 19 gelagert.
[0048] Der einlaufende Faden 12 in der Wickelstelle 41.1 läuft zunächst in das Lieferwerk
13.1 ein. Die Förderrollen 42 und 43 des Lieferwerks 13.1 sind mit einer Umfangsgeschwindigkeit
angetrieben, die größer ist als die Fadengeschwindigkeit. Somit wird ein bestimmter
Abbau der Fadenzugkraft im Faden erreicht. Der Spannungsabbau wird hierbei im wesentlichen
über die eingestellte Umfangsgeschwindigkeit bestimmt. Die Umschlingungswinkel an
den Förderrollen sind in diesem Ausführungsbeispiel fest vorgegeben. Anschließend
läuft der Faden in das Changierdreieck hinein und wird mittels der Changiereinrichtung
15 und der Andrückwalze 16 auf der Spule 18 abgelegt. Die Umfangsgeschwindigkeit der
Spule 18 ist hierbei konstant. Die Regelung der Umfangsgeschwindigkeit de Spule erfolgt
über einen Spindelmotor, der in Abhängigkeit von der Drehzahl der Andrückwalze gesteuert
wird.
[0049] Um einen kontinuierlichen Spulvorgang zu ermöglichen, kann die Spulspindel 17 in
einem Spulrevolver (hier nicht gezeigt) gelagert sein. Der Spulrevolver ist dabei
drehbar im Maschinengestell angeordnet. An dem Spulrevolver ist um 180° versetzt zu
der ersten Spulspindel eine weitere Spulspindel angeordnet. Sobald die Spulen 18 auf
der Spulspindel 17 fertig gewickelt sind, wird der Spulrevolver verschwenkt, so daß
die zweit Spulspindel mit Leerhülsen in die entsprechende Arbeitsposition geschwenkt
wird.
[0050] Die in Fig. 6 und 7 gezeigte Aufwickeleinrichtung könnte in der Spinnvorrichtung
aus Fig. 1 oder 2 eingesetzt werden. Es ist jedoch auch möglich, eine derartige Aufwickeleinrichtung
in eine Spinnanlage einzusetzen, bei welcher die Fäden im parallelen Lauf zwischen
der Spinndüse und den Wickelstellen angeordnet sind.
[0051] In Fig. 8 ist ein weiteres Ausführungsbeispiel eines Lieferwerks gezeigt, wie sie
in der Spinnvorrichtung aus Fig. 1 und Fig. 2 oder in einer Aufwickeleinrichtung nach
Fig. 6 eingesetzt werden könnte. Das Lieferwerk besteht hierbei aus drei Förderrollen
42, 43 und 53. Die Förderrollen 42 und 43 sind mit Abstand zueinander parallel zum
Fadenlauf des Fadens 12 angeordnet. Die Förderrolle 42 wird hierbei über die Antriebswelle
47 und die Förderrolle 43 über die Antriebswelle 48 angetrieben. Die Förderrole 53
ist mit einer Antriebswelle 54 verbunden, die in einer Gabel 55 gelagert ist. Die
Gabel 55 ist an einer Verstelleinrichtung 56 angeordnet, so daß die Gabel 55 im wesentlichen
quer zur Fadenlaufrichtung verschiebbar ist. Die Förderrolle 53 ist zu den Förderrollen
42 und 43 auf der gegenüberliegenden Seite des Fadenlaufs angeordnet. In der gezeigten
Stellung ist die Verstelleinrichtung 56 mit der Förderrolle 53 im eingefahrenen Zustand,
also aus dem Fadenlauf ausgeschwenkt, gezeigt. Hierbei kann der Faden 12 ohne Umschlingung
ungehindert das Lieferwerk passieren. Die Förderrolle 53 ist nun in der Mitte zwischen
den Förderrollen 42 und 43 plaziert. Da der Abstand zwischen den Förderrollen 42 und
43 größer ist als der Durchmesser der Rolle 53, kann die Rolle 53 mittels der Verstelleinrichtung
56 in den Zwischenraum der Förderrollen 42 und 43 eingeschwenkt werden. Dabei durchdringt
die Förderrolle 53 die Fadenlaufebene, so daß der Faden 12 durch die Förderrolle 53
zwangsgeführt wird und jede der Förderrollen 42, 43 und 53 teilumschlingt. Diese Stellung
ist in der Fig. 8 gestrichelt dargestellt. Der Verstellweg in der Förderrolle 53 ist
variabel, so daß unterschiedliche Umschlingungswinkel einstellbar sind.
[0052] Die Förderrollen 42, 43 und 53 sind an einem Träger 61 angebracht. Seitlich an dem
Träger 61 ist eine Fadenaushebevorrichtung befestigt, die einen Schwenkarm 59 und
einen Fadenführer 58 aufweist. Der Schwenkarm 58 ist an der Achse 60 gelagert. Der
Fadenführer 58 durchdringt mit seinem freien Ende die Fadenlaufebene. Somit wird beim
Verschwenken des Schwenkarms in Richtung aus der Zeichnungsebene heraus der Faden
12 vom Fadenführer 58 erfaßt.
[0053] In Fig. 9 ist schematisch eine Seitenansicht des Lieferwerks aus der Fig. 8 gezeigt.
Hierbei sind die Förderrollen 42, 43 und 53 an einem Träger 61 angeordnet. Auf der
dem Träger 61 gegenüberliegenden Stirnseite weisen die Förderrollen 42, 43 und 53
jeweils eine Anlegeschräge 57 auf. Damit wird das Anlegen eines Fadens unterstützt.
An dem Träger 61 ist ebenfalls der Schwenkarm 59 an der Achse 60 schwenkbar gelagert.
An dem freien Ende des Schwenkarms 59 ist der Fadenführer 58 befestigt. Der Fadenführer
58 durchdringt dabei die Fadenlaufebene. In der Betriebsstellung ist der Schwenkarm
parallel zur Fadenlaufrichtung ausgerichtet. In dieser Situation wird der Faden 12
über den Fadenführer 21 durch das Lieferwerk zu dem Fadenführer 14 geführt. Wird nun
der Schwenkarm 59 in Richtung des Fadens 12 verschwenkt, so durchdringt er die Fadenlaufebene,
so daß der Faden nach 90°-Verschwenkung durch den Fadenführer 58 aus dem Lieferwerk
ausgehoben wird. Beim Anlegen des Fadens in das Lieferwerk wird der Schwenkarm in
seine Ausgangsposition zurückverschwenkt. Der Faden 12 gleitet sodann selbsttätig
in den Bereich der Förderrollen 42 und 43 ein.
[0054] In Fig. 10 ist schematisch eine weitere Anordnung von Lieferwerken, wie sie in der
Spinnvorrichtung aus Fig. 1 oder 2 eingesetzt werden könnte, gezeigt. Es sind insgesamt
sechs Lieferwerke 13.1 bis 13.6 nebeneinander angeordnet. Hierbei wird jedes der Lieferwerke
wiederum durch zwei Förderrollen, wie zuvor in Fig. 6 beschrieben, gebildet. Die Förderrollen
42 und 43 sind jeweils auf einer Welle 63 und 64 befestigt. Hierbei sind die Eingangsförderrollen
42.1 und 42.2 benachbarter Lieferwerke 13.1 und 13.2 über einen Riemen 66 miteinander
verbunden. Eine der Antriebswellen 64.1 der Förderrollen 42 wird sodann über einen
Riementrieb 71 angetrieben. Der Riementrieb 71 ist hierbei mit einer durch einen Motor
angetriebenen Antriebswelle 68 und dem Riemen 67 ausgeführt. Der Riemen 67 umschlingt
die Welle 64.1 und die Antriebswelle 68. Bei der in Fig. 10 gezeigten Anordnung werden
jeweils zwei Förderrollen gemeinsam über einen Antriebe angetrieben. Es ist jedoch
auch möglich, mehrere Förderrollen mit nur einem Antrieb anzutreiben. Eine derartige
Kopplung der Antriebe der Förderrollen ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn die Fadenzugkräfte
in den Fäden vor Einlauf in die Lieferwerke im wesentlichen auf einem gleichen Niveau
liegen.
[0055] Der Antrieb der Ausgangsförderrollen 43.1 und 43.2 erfolgt analog mittels dem Riementrieb
62 über die Antriebswelle 65 und den Riemen 70 und 69.
[0056] Die Lieferwerke 13.3 und 13.4 sowie die Lieferwerke 13.5 und 13.6 sind ebenfalls
- wie zuvor anhand der Lieferwerke 13.1 und 13.2 beschrieben - angetrieben.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0057]
- 1
- Spinnstelle
- 2
- Kühlschacht
- 3
- Spinndüse
- 4
- Filamentbündel
- 5
- Fadenführer
- 6
- Präparationseinrichtung
- 7
- Fadenführer
- 8
- Galette
- 9
- Galettenmotor
- 10
- Galette
- 11
- Galettenmotor
- 12
- Faden
- 13
- Lieferwerk
- 14
- Kopffadenführer
- 15
- Changiereinrichtung
- 16
- Andrückwalze
- 17
- Spulspindel
- 18
- Spule
- 19
- Spindelmotor
- 20
- Maschinengestell
- 21
- Fadenführer
- 22
- Fadenführer
- 23
- Überlaufrolle
- 24
- Galette
- 25
- Galettenmotor
- 26
- Überlaufrolle
- 27
- Galette
- 28
- Galettenmotor
- 2
- 9 Fadenführer
- 30
- Fadenführer
- 31
- Fadenzugkraftsensor
- 32
- Steuereinrichtung
- 33
- Träger
- 34
- Stellmotor
- 35
- Rolle
- 36
- Rolle
- 37
- Verstellrichtung
- 39
- Steuergerät
- 40
- Steuereinrichtung
- 41
- Wickelstelle
- 42
- Förderrolle
- 43
- Förderrolle
- 44
- Träger
- 45
- Changierdreieck
- 46
- Schwinge
- 47
- Antriebswelle
- 48
- Antriebswelle
- 49
- Motor
- 50
- Motor
- 51
- Achse
- 52
- Hülse
- 53
- Förderrolle
- 54
- Welle
- 55
- Gabel
- 56
- Verstelleinrichtung
- 57
- Anlegeschräge
- 58
- Fadenführer
- 59
- Schwenkarm
- 60
- Achse
- 61
- Träger
- 62
- Gruppenantrieb, Riementrieb
- 63
- Welle
- 64
- Welle
- 65
- Antriebswelle
- 66
- Riemen
- 67
- Riemen
- 68
- Antriebswelle
- 69
- Riemen
- 70
- Riemen
- 71
- Riementrieb
1. Verfahren zum Spinnen und Aufwickeln mehrerer endloser Fäden aus synthetischen hochpolymeren
Kunststoffen, bei welchem die Fäden gleichzeitig in einer Spinnzone ersponnen und
in einer Aufwickelzone zu Spulen aufgewickelt werden,die alle fluchtend hintereinander
auf einer angetrieben Spulspindel aufgespannt sind, und bei welchem die Fäden vor
Eintritt in die Aufwickelzone durch ein Lieferwerk eine Fadenspannungsbehandlung erhalten,
dadurch gekennzeichnet, daß
jeder der Fäden zur Fadenspannungsbehandlung durch ein Lieferwerk von mehreren Lieferwerken
geführt wird, wobei die Lieferwerke jeweils im Fadenlauf des zu behandelnden Fadens
angeordnet sind, so daß jeder der Fäden bei Eintritt in die Aufwickelzone eine durch
das dem Faden zugeordnete Lieferwerk bestimmte Fadenzugkraft aufweist.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Fäden bei Eintritt in die Aufwickelzone eine im wesentlichen gleiche Fadenzugkraft
aufweisen.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Fäden vor der Spannungsbehandlung in einer Verstreckzone verstreckt werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
jede der Lieferwerke durch zwei angetriebene Rollen gebildet wird, die vom Faden S-förmig
oder Z-förmig umschlungen sind, wobei die Fadenumschlingung an den Rollen durch Veränderung
der Relativlage zumindest einer der Rollen zum Fadenlauf einstellbar ist.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
jede der Lieferwerke durch zwei nichtangetriebene Förderrollen gebildet wird, die
vom Faden S-förmig oder Z-förmig umschlungen sind, wobei die Fadenumschlingung an
den Rollen durch Veränderung der Relativlage zumindest einer Rolle zum Fadenlauf einstellbar
ist.
6. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Fadenzugkraft im Fadenlauf vor dem jeweiligen Lieferwerk kleiner ist als die Fadenzugkraft
im Fadenlauf hinter dem Lieferwerk.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Fadenzugkraft im Fadenlauf vor dem jeweiligen Lieferwerk gemessen wird und das
Lieferwerk in Abhängigkeit von der herrschenden Fadenzugkraft vor dem Lieferwerk Steuer-
oder regelbar ist.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Fadenzugkraft im Fadenlauf hinter dem jeweiligen Lieferwerk gemessen wird und
das Lieferwerk in Abhängigkeit von der herrschenden Fadenzugkraft hinter dem Lieferwerk
steuer- oder regelbar ist.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Einstellung der Fadenzugkraft an einem Lieferwerk in Abhängigkeit von der Differenz
zwischen einer Referenzfadenzugkraft und der im Fadenlauf vor oder hinter dem Lieferwerk
herrschenden Fadenzugkraft erfolgt.
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Referenzfadenzugkraft durch die Fadenzugkraft eines ausgewählten Fadens, insbesondere
eines der mittleren Fäden, bestimmt wird.
11. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Referenzzugkraft durch einen vorgegebenen Wert bestimmt ist.
12. Spinnvorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 11
mit einer Aufwickeleinrichtung, die mehrere Wickelstellen (41) aufweist und die die
Fäden (12) nach dem Spinnen und der Spannungsbehandlung zu Spulen (18) jeweils in
einer der Wickelstellen (41) aufwickelt, wobei die Fäden parallel in einer Fadenlaufebene
in die Aufwickeleinrichtung einlaufen und wobei die Spulen (18) hintereinander fluchtend
auf einer angetriebenen Spulspindel (17) aufgespannt sind,
dadurch gekennzeichnet, daß
jeder Wickelstelle (41) im Fadenlauf eines von mehreren nebeneinander in der Fadenlaufebene
angeordneten Lieferwerken (13) zur Spannungsbehandlung am Faden(12) vorgeschaltet
ist.
13. Spinnvorrichtung nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Lieferwerke (13) jeweils im Fadenlauf vor einem Kopffadenführer (14) der Aufwickeleinrichtung
angeordnet sind.
14. Spinnvorrichtung nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Lieferwerke (13) fest mit dem Maschinengestell (20) der Aufwickeleinrichtung verbunden
sind.
15. Aufwickeleinrichtung zum Aufwickeln einer Vielzahl von frisch ersponnenen und verstreckten
Fäden mit mehreren Wickelstellen, in welchen die Fäden jeweils zu einer Spule gewickelt
werden,
dadurch gekennzeichnet, daß
jeder Wickelstelle (41) im Fadenlauf eine von mehreren nebeneinander angeordneten
Lieferwerke (13) zur Einstellung der Fadenzugkraft im Faden (12) vorgeordnet ist.
16. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 15,
dadurch gekennzeichnet, daß
jede der Lieferwwerke (13) eine angetriebene Förderrolle (42) aufweist und
daß die Förderrolle (42) derart im Fadenlauf angeordnet ist, daß sie vom Faden teilumschlungen
wird.
17. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 15,
dadurch gekennzeichnet, daß
jede der Lieferwerke zwei angetriebene Förderrollen (42, 43) aufweist und
daß die zwei Förderrollen (42, 43) im Fadenlauf derart zueinander angeordnet sind,
daß sie vom Faden (12) teilumschlungen werden.
18. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 15,
dadurch gekennzeichnet, daß
jede der Lieferwerke drei angetriebene Förderrollen (42, 43, 53) aufweist und
daß die Förderrollen (42, 43, 53) im Fadenlauf derart zueinander angeordnet sind,
daß sie vom Faden (12) teilumschlungen werden.
19. Spinnvorrichtung nach Anspruch 17 oder 18,
dadurch gekennzeichnet, daß
zumindest eine der Rollen (53) eines Lieferwerkes (13) in den Fadenlauf ein- oder
ausschwenkbar ist.
20. Spinnvorrichtung nach Anspruch 19,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Rollen benachbarter Lieferwerke gemeinsam verschwenkbar sind.
21. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 17 bis 20,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Rollen (42, 43, 53) eines Lieferwerkes (13) derart zueinander angeordnet sind,
daß jede der Rollen (42, 43, 53) nur im eingeschwenkten Zustand vom Faden (12) teilumschlungen
ist.
22. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 17 bis 21,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Rollen (42, 43, 53) in axialer Richtung an einem freien Ende am Umfang eine Anlegeschräge
(57) aufweisen.
23. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 17 bis 22,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Rollen (42, 43) eines Lieferwerkes (13) unabhängig voneinander antreibbar sind.
24. Spinnvorrichtung nach Anspruch 23,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Rollen (42, 43) mittels Einzelmotoren (49, 50) angetrieben werden.
25. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 17 bis 23,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Rollen (42, 43, 53) benachbarter Lieferwerke (13.1, 13.2) durch einen Gruppenantrieb
(62) antreibbar sind.
26. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 25,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Lieferwerke (13) mit einem Steuergerät (39) verbunden sind, welches das Aufwickeln
der Fäden in den Wickelstellen steuert.
27. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 26,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Lieferwerke (13) mit einem Steuergerät (39) verbunden sind, welchem das Signal
eines im Fadenlauf angeordneten Fadenzugkraftsensors (31.3) aufgegeben wird.
28. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 27,
dadurch gekennzeichnet, daß
jede der Lieferwerke (13) mit jeweils einer Steuereinrichtung (32) verbunden ist,
der das Signal eines im Fadenlauf angeordneten Fadenzugkraftsensors (31) aufgegeben
wird.
29. Spinnvorrichtung nach den Ansprüchen 27 oder 28,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Fadenzugkraftsensor (31) zwischen der Wickelstelle (41) und dem Lieferwerk (13)
angeordnet ist.
30. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 27 oder 28,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Fadenzugkraftsensor (31) im Fadenlauf vor dem Lieferwerk (13) angeordnet ist.
31. Spinnvorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 30,
dadurch gekennzeichnet, daß
jede der Lieferwerke (13) eine im Fadenlauf angeordnete Präparationseinrichtung (6)
aufweist.