[0001] Die Erfindung liegt auf dem Gebiet der Rangiertechnik und betrifft ein Verfahren
zum Vorgeben der Beidrückweite für ein Richtungsgleis in einer Ablaufanlage mit Laufzielbremsung,
bei dem aus vorab bestimmten Laufeigenschaftswerten eine zu erwartende mittlere Laufweite
der Abläufe prognostiziert wird.
[0002] Unter einem Ablauf ist im Rahmen der vorliegenden Erfindung ein nach Trennung von
einem ursprünglichen Zugverband einzeln und selbsttätig in ein Richtungsgleis laufender
Wagen oder Wagenverband zu verstehen, wie ausführlich z. B. in ETR 36 (1987), Seiten
575 ff im Zusammenhang mit der Laufzielbremsung einer Ablaufanlage im Rangierbahnhof
Bologna beschrieben.
[0003] Bei derartigen Schwerkraft-Ablaufanlagen kann es aufgrund der unterschiedlichen Laufeigenschaften
der in ein gemeinsames Richtungsgleis einzeln einlaufenden Wagen oder Wagenverbände
(Abläufe) zu einer beachtlichen Lückenbildung kommen. Um für eine möglichst weitgehend
kuppelreife Füllung von Richtungsgleisen zu sorgen, sind Einrichtungen bekannt, die
in ein gemeinsames Richtungsgleis eingelaufene Wagen oder Wagenverbände auf Pufferkontakt
zusammenschieben (sog. Beidrücken). Mit Hilfe der Beidrückeinrichtung wird im Richtungsgleis
auch Platz für nachfolgende Abläufe geschaffen. Als Beidrückeinrichtungen können z.B.
an oder zwischen den Richtungsgleisen angeordnete Einrichtungen oder auf den Gleisen
verkehrende Räumfahrzeuge (Räumlokomotiven) dienen.
[0004] Da ein Beidrücken mit Räumfahrzeugen zwar sehr flexibel, aber systembedingt nur dann
durchgeführt werden kann, wenn kein Zulauf in das zu räumende Richtungsgleis erfolgt,
ist eine optimale Disposition der Räumvorgänge von großem wirtschaftlichen Interesse.
Weil außerdem die mögliche Räumgeschwindigkeit durch die maximal zulässigen Auflaufgeschwindigkeiten
sehr begrenzt ist, ist eine optimierte Vorgabe der von der Beidrückeinrichtung in
das Richtungsgleis zurückzulegenden bzw. freizuräumenden Weglänge (nachfolgend auch
Räumhub oder Beidrückweite genannt) von wesentlicher Bedeutung.
[0005] Aus der DE 42 30 061 A1 ist ein Verfahren der eingangs genannten Art bekannt, bei
dem zunächst unter bekannten äußeren Bedingungen Laufeigenschaftswerte (Rollwiderstände)
der einzelnen Wagen eines rangierbahnhofsspezifischen Wagenparks ermittelt und deren
Summenhäufigkeiten bestimmt werden. Aus der statistischen Verteilung einer laufeigenschaftsbestimmenden
Größe (z. B. des Rollwiderstandes) des Wagenparks wird die zu erwartende mittlere
Laufweite für nachfolgende Abläufe abgeschätzt. Das bekannte Verfahren nutzt die Erkenntnis,
daß wesentlich größere Laufweiten in der Praxis nur von einem geringen Anteil des
Wagenparks erreicht werden, so daß ein jeweils vollständiges Beidrücken (Blockfahrt)
nicht zweckmäßig ist. Es wird daher auf die mittlere zu erwartende Laufweite abgestellt,
die für die Beidrückeinrichtung vorzugsweise als Obergrenze für die vorzugebende Beidrückweite
angesetzt wird.
[0006] Das bekannte Verfahren hat sich insbesondere beim Ablauf von Einzelwagen mit homogenen
Laufeigenschaften in der Praxis bewährt. Bei in ihrem Laufverhalten stark inhomogenen
Abläufen wird jedoch mitunter z. B. bei beladenen Wagen durch die Richtungsgleisbremse
- die die Wagen gemäß dem angestrebten Laufziel auf eine Einlaufgeschwindigkeit abbremst,
die an dem Laufziel einen unkritischen Auflaufstoß gewährleistet - ein sehr hoher
Anteil kinetischer Energie entzogen.
[0007] Die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe besteht daher in der Schaffung eines Verfahrens,
das energetisch und hinsichtlich der Auslastung der Beidrückeinrichtungen optimierte
Vorgaben für die Beidrückweite liefert.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß bei einem Verfahren der eingangs genannten Art
dadurch gelöst, die Beidrückweite um einen Beidrückzuschlag größer als die prognostizierte
mittlere Laufweite bemessen wird und daß der Beidrückzuschlag ermittelt wird, indem
für den nächsten Ablauf überdurchschnittlich gute Laufeigenschaftswerte angenommen
werden.
[0009] Der Erfindung liegt die wesentliche Kenntnis zugrunde, daß eine optimale Beidrückweite
sich eher an der Laufweite eines überdurchschnittlich gut laufenden Ablaufs orientieren
sollte. Die Erfindung ermöglicht damit vorteilhafterweise die Nutzung der Tatsache,
daß statistisch betrachtet die Hälfte der Abläufe über die mittlere Laufweite hinaus
in das Richtungsgleis einlaufen könnte. Dies ist aber nur ausnutzbar, wenn planmäßig
nach bestimmten Kriterien eine über die mittlere Laufweite hinausgehende freie Richtungsgleislänge
geschaffen wird.
[0010] Ein wesentlicher erfindungsgemäß erreichbarer Vorteil besteht darin, daß ein zuerst
einlaufender und sein jenseits der mittleren Laufweite liegendes Laufziel nicht erreichender
- insbesondere leichter - (unterdurchschnittlich schlechter) Ablauf durch nachfolgende
Abläufe mit vergleichsweise hoher kinetischer Energie weiter in das Richtungsgleis
beigedrückt wird. Die dabei genutzte Energie müßte sonst bei dem nachfolgenden Räumen
von der Beidrückeinrichtung aufgebracht werden. Dieser Effekt wird nachfolgend auch
als sekundäres Beidrücken und die dabei umgesetzte Energie als sekundäre Beidrückarbeit
bezeichnet. Die Möglichkeit zum energetisch optimierten Betrieb einer Ablaufanlage
durch Ausnutzung der sekundären Beidrückarbeit eines nachfolgenden Ablaufes wird erst
mit der vorliegenden Erfindung dadurch geschaffen, daß nach Maßgabe der erfindungsgemäß
vorgegebenen Beidrückweite ein optimiert über die zu erwartende mittlere Laufweite
hinausgehender freier Richtungsgleisabschnitt zur Verfügung steht. Da andererseits
ein vollständiges Beidrücken auf Block nicht wirtschaftlich ist, stellt das erfindungsgemäße
Verfahren einen ausgewogenen Kompromiß zwischen den genannten Einflußfaktoren dar.
[0011] Eine in der Praxis besonders vorteilhafte Realisierung des erfindungsgemäßen Verfahrens
sieht vor, daß der Beidrückzuschlag nach der Formel

berechnet wird, wobei bedeuten:
Δ
V
Differenz Einlaufgeschwindigkeit/Endgeschwindigkeit (Stillstand) des nächsten Ablaufs
Δ
V
Differenz Auflaufgeschwindigkeit/Endgeschwindigkeit (Stillstand) des darauf folgenden
Ablaufs
LWm prognostizierte mittlere Laufweite des Ablaufs.
[0012] Zur Vermeidung von unzulässig hohen Auflaufstößen erweist es sich als vorteilhaft,
wenn die Einlaufgeschwindigkeit mit geringer werdender freier Richtungsgleislänge
geringer bemessen wird.
[0013] Nach einer vorteilhaften Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die
Beidrückweite auf einen Höchstwert begrenzt wird, der der verbleibenden freien Richtungsgleislänge
nach Abzug der Längen der bislang in dem Richtungsgleis befindlichen Abläufe entspricht.
Damit wird verhindert, daß beim Beidrücken bereits auf Block stehende Abläufe z.B.
über einen Richtungsgleishemmschuh hinausgeschoben werden.
[0014] Insbesondere bei nachfolgenden langen Ablaufgruppen ist es vorteilhaft, deren Länge
bei der Vorgabe der Beidrückweite zu berücksichtigen, weil anderenfalls möglicherweise
die verbleibende freie Richtungsgleislänge sogleich wieder erheblich eingeschränkt
ist. Diesbezüglich sieht eine vorteilhafte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens
vor, daß die Beidrückweite um die Länge des nächsten, nach dem Beidrücken in das Richtungsgleis
einlaufenden Ablaufs verlängert wird.
[0015] Eine wesentliche Verfeinerung des erfindungsgemäßen Verfahrens läßt sich unter Berücksichtigung
des unterschiedlichen Laufverhaltens verschiedener Wagen- oder Wagenverbandsklassen
- beispielsweise infolge unterschiedlicher Beladung oder Windempfindlichkeit - und/oder
Umgebungsbedingungen dadurch erreichen, daß für verschiedene Klassen und/oder Umgebungsbedingungen
spezifische mittlere Laufweiten prognostiziert werden.
[0016] Die Erfindung wird nachfolgend beispielhaft anhand einer Zeichnung weiter erläutert;
es zeigen:
Figur 1 schematisch einen Ausschnitt einer Ablaufanlage;
Figur 2 einen funktionalen Zusammenhang zwischen Rollwiderständen und Summenhäufigkeiten
eines Fahrzeugparks und
Figur 3 einen Ausschnitt der Auflaufanlage gemäß Figur 1.
[0017] Mit Figur 1 soll anhand einer ersten Situation auf einer Ablaufanlage prinzipiell
ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens beschrieben werden. Die Ermittlung
der den Vorgaben für die Beidrückweiten zugrundeliegenden Ausgangswerte wird nachfolgend
erläutert. An einem Ablaufberg AB einer Ablaufanlage mit Laufzielbremsung ist das
Ende eines entkuppelten, zu neuen Einheiten zusammenzustellenden Zuges Z erkennbar.
Ein nächstfolgender aktueller Ablauf A - d.h. der nächste abzudrückende Wagen 1 -
soll in das dargestellte Richtungsgleis RG bis zu einem vorgegebenen Laufziel einlaufen.
Zur Laufzielbremsung in das mit einem Hemmschuh HS versehene Richtungsgleis RG dient
eine Richtungsgleisbremse RB. Die Richtungsgleisbremse RB bremst den Wagen oder Wagenverband
soweit ab, daß seine letzte Achse mit einer von dem Gleisfüllstand und der damit maximal
möglichen Laufweite abhängigen Einlaufgeschwindigkeit v
RE in das anschließende Richtungsgleis RG entlassen wird. Die Einlaufgeschwindigkeit
v
RE wird dabei so bemessen, daß der Wagen oder Wagenverband am Gleisende oder am Laufziel
beim Auflaufen auf einen dort befindlichen Wagen 2 eine zulässige Auflaufgeschwindigkeit
V
Auflauf nicht überschreitet. Diese Auflaufgeschwindigkeit beträgt üblicherweise weniger als
1,5 m/s.
[0018] In dem Richtungsgleis RG befinden sich bereits zum Stillstand gekommene vorhergehende
Abläufe 2, 3 und 4. Vor dem Abdrücken des Wagens 1 wird eine optimierte Beidrückweite
BW ermittelt, die eine Beidrücklok BL in das Richtungsgleis RG unter zumindest teilweisem
Vorschub (Räumen) der Wagen 2 und 3 bzw. des Wagenverbandes 4 zurücklegen muß. Dazu
wird aus vorab ermittelten Laufeigenschaftswerten eine mittlere Laufweite LWm des
Ablaufs prognostiziert. Wie grundsätzlich aus der DE 42 30 061 A1 bekannt, kann die
zu erwartende mittlere Laufweite aus dem Laufverhalten des Wagenparks und insbesondere
aus der statistischen Verteilung der Rollwiderstände WR (Figur 2) prognostiziert werden.
[0019] Figur 2 zeigt schematisch den aus der DE 42 30 061 A1 bekannten funktionalen Zusammenhang
zwischen den Rollwiderständen WR in ‰ und deren Summenhäufigkeit in % eines repräsentativen
Wagenparks. Dabei sind drei Wagenklassen mit unterschiedlichem Laufverhalten [●;○;+]
definiert worden. Dieser Zusammenhang ist teillogarithmisch aufgetragen, um eine lineare
Darstellung zu gewinnen. Aus diesen Werten lassen sich in bekannter Weise der mittlere
Rollwiderstand WRm, der vom Durchschnitt der Wagen (also S = 50 %) erreicht wird,
und die zu erwartende mittlere Laufweite ermitteln.
[0020] Bei einer (Figuren 1 und 3) Beidrückweite BW, die sich nur an der Prognose für die
mittlere Laufweite LWm des Ablaufs A orientiert, würde unberücksichtigt bleiben, daß
statistisch die Hälfte der Abläufe ein darüber liegendes Laufziel erreichen könnte.
Daher würde in energetisch ungünstiger Weise gutlaufenden Abläufen in der Richtungsgleisbremse
ein hoher Anteil der Bewegungsenergie entzogen werden. Dies ist insbesondere dann
ungünstig, wenn nach einem (ersten) leichten Ablauf 1, der durch einen verhältnismäßig
hohen Rollwiderstand relativ weit vorn am Richtungsgleisanfang stehenbleibt, ein gutlaufender
(schwerer) zweiter Ablauf 5 folgt. Diese Situation vor dem folgenden Ablauf 5 ist
in Figur 3 dargestellt. In diesem Fall kann nämlich die erhebliche Ablaufenergie des
auflaufenden (zweiten) Ablaufs (Wagen 5) ausgenutzt werden, um den dann gemeinsam
laufenden Verband 1, 5 weiter in das Richtungsgleis zu bewegen, wobei die Bewegungsenergie
überwiegend von dem Wagen 1 verzehrt wird (in Figur 3 gestrichelt) angedeutet. Dazu
ist aber eine vorausschauende und optimierte Räumung des Richtungsgleises erforderlich.
Diese wird nach dem erfindungsgemäßen Verfahren durch Bestimmung eines situationsangepaßten
geeigneten Beidrückzuschlags ΔLW realisiert.
[0021] Zunächst wird von den ermittelten Rollwiderständen WR (Figur 2) ausgehend die zu
erwartende mittlere Laufweite bestimmt. Der mittlere Rollwiderstand WRm beträgt bei
dem in Figur 2 mit ● symbolisierten Wagenpark 2 ‰. Zwischen dem mittleren Rollwiderstand
Wrm und der mittleren Laufweite LWm besteht ein hyperbolischer Zusammenhang in der
Form:
(1)

daraus folgt:
(2)

dabei bedeuten:
- (ΔVRE)
- Differenz Einlaufgeschwindigkeit in das Richtungsgleis zur Endgeschwindigkeit (Stillstand)
des Abflaufs
- g
- Erdbeschleunigung
- WRm
- mittlerer Rollwiderstand [die verwendete Einheit ‰ bedeutet die wirkende rollhemmende
Kraft bezogen auf die Eigengewichtskraft des Wagens]
Daneben wird als Resultat der Zuordnung eines überdurchschnittlich guten Laufverhaltens
ein Beidrückzuschlag ΔLW bestimmt, der eine zusätzliche Laufweite ab dem in Einlaufrichtung
ersten Stillstandsort bei der mittleren Laufweite LWm ermöglicht. Mit einer Auflaufgeschwindigkeit
Δ
VAuflauf des (zweiten), auf den (ersten), bereits stehenden Ablauf A folgenden Ablaufs ergibt
sich aus (1) der Beidrückzuschlag ΔLW zu:
(3)

wobei bedeuten:
- ΔVAuflauf
- Differenz Auflaufgeschwindigkeit auf Wagen 1 zur Endgeschwindigkeit (Stillstand) des
(zweiten) Ablaufs 5
(4)

(5)

[0022] Nachfolgend werden für verschiedene Gleisfüllzustande Beispielrechnungen durchgeführt:
Beispiel 1:
[0023] Annahmen: Weitgehend leeres Richtungsgleis, so daß eine Einlaufgeschwindigkeit Δ
VRE ≈ 3,5 m/s zum Erreichen eines entsprechend weiten Laufziels durch einen durchschnittlich
gut laufenden Wagen (WRm = 2‰) angesetzt wird. Die Auflaufgeschwindigkeit Δ
VAuflauf des (zweiten) darauffolgenden Wagens sei mit 1,5 m/s angenommen.
Aus (1)

Aus (5)

Beispiel 2:
[0024] Annahmen: Bei einem halbgefüllten Richtungsgleis werde eine Einlaufgeschwindigkeit
Δ
VRE ≈ 2,5 m/s zum Erreichen des Laufziels durch einen durchschnittlich gut laufenden
Wagen (WRm = 2‰) angesetzt. Die zulässige Auflaufgeschwindigkeit Δ
VAuflauf des (zweiten) darauffolgenden Wagens sei weiterhin mit 1,5 m/s angenommen.
Aus (1)

Aus (5)

[0025] Folgende Nebenrechnung zeigt, daß sich der Beidrückzuschlag als Zuordnung überdurchschnittlich
guter Laufeigenschaften (Rollwiderstand WR) darstellen läßt. Aus (1) nach ΔLW:
(6)

mit (3):
(7)

mit (5):
(8)

[0026] Für Beispiel 1 ergibt sich damit:

[0027] Für Beispiel 2 ergibt sich damit:

[0028] Damit lassen sich für die Annahme überdurchschnittlich guter Laufeigenschaften (vgl.
Figur 2) definieren:

mit:
- σ
- Standardabweichung
[0029] Die gesamte vorzugebende Beidrückweite BW (Figur 1) wird im ersten Beispiel zu BW1
≈ 370m und im zweiten Beispiel zu BW2 ≈ 220m. Durch dieses planmäßige Freiräumen des
Richtungsgleises über die mittlere Laufweite LWm hinaus (im Beispiel um 60m, d.h.
ca. vier Wagenlägen) wird der geschilderte Effekt des sekundären Beidrückens ausgenutzt
und daher eine weitergehende Füllbarkeit des Richtungsgleises ermöglicht.
[0030] Zusätzlich wird aus den bekannten Einzellängen L2, L3, L4 der Abläufe 2, 3 und 4
die sich beim kuppelreifen lückenlosen Zusammenschieben (Block) ergebene Blocklänge
BL (Figur 1) ermittelt. Wenn die vorgegebene Beidrückweite BW größer als die abzüglich
der Blocklänge BL verbleibende freie Länge FGL des Richtungsgleises RG ist, wird die
Beidrückweite auf die verbleibende freie Richtungsgleislänge FGL begrenzt. Vorzugsweise
wird die Beidrückweite BW um die Länge LA des nächsten Ablaufs A verlängert.
Wie im Zusammenhang mit Figur 2 erläutert, können vorzugsweise verschiedene Klassen
hinsichtlich der Laufeigenschaften bei der Untersuchung des Wagenparks gebildet werden.
[0031] In Kenntnis der Klassenzugehörigkeit können dann individuelle mittlere Laufweiten
und entsprechend individuelle Beidrückwerte vorgegeben werden.
1. Verfahren zum Vorgeben der Beidrückweite für ein Richtungsgleis (RG) in einer Ablaufanlage
mit Laufzielbremsung,
- bei dem aus vorab bestimmten Laufeigenschaftswerten (WR) eine zu erwartende mittlere
Laufweite (LWm) der Abläufe (A) prognostiziert wird,
dadurch gekennzeichnet, daß
- die Beidrückweite (BW) um einen Beidrückzuschlag (ΔLW) größer als die prognostizierte
mittlere Laufweite (LWm) bemessen wird und
- daß der Beidrückzuschlag (ΔLW) ermittelt wird, indem für den nächsten Ablauf (A)
überdurchschnittlich gute Laufeigenschaftswerte angenommen werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
- der Beidrückzuschlag (ΔLW) nach der Formel

berechnet wird, wobei
ΔV

die Differenz zwischen Einlaufgeschwindigkeit und Endgeschwindigkeit des nächsten
Ablaufs,
ΔV

die Differenz zwischen Auflaufgeschwindigkeit und Endgeschwindigkeit des darauf
folgenden Ablaufs und
LWm die prognostizierte mittlere Laufweite des Ablaufs ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Einlaufgeschwindigkeit mit geringer werdender freier Richtungsgleislänge (FGL)
geringer bemessen wird.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Beidrückweite (BW) auf einen Höchstwert begrenzt wird, der der verbleibenden freien
Richtungsgleislänge (FGL) nach Abzug der Längen der bislang in dem Richtungsgleis
(RG) befindlichen Abläufe (2,3,4) entspricht.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Beidrückweite (BW) um die Länge (LA) des nächsten, nach dem Beidrücken in das
Richtungsgleis einlaufenden Ablaufs (A) erhöht wird.
6. Verfahren nach einen der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
für verschiedene Klassen und/oder Umgebungsbedingungen spezifische mittlere Laufweiten
prognostiziert werden.