[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Verpacken einer Materialbahnrolle mit
einer Verpackungsbahn mit einem Verpackungsbahnspender, der die Verpackungsbahn unter
einem einstellbaren Winkel zur Radialrichtung der Materialbahnrolle ausgibt, der parallel
zur Axialrichtung der Materialbahnrolle verfahrbar ist und auf dem eine Vorratsrolle
der Verpackungsbahn angeordnet ist, und mit einem Antrieb für die zu verpackende Materialbahnrolle.
[0002] Eine derartige Vorrichtung ist aus GB 1 429 445 bekannt. Dort wird die Materialbahnrolle,
beispielsweise eine Papierrolle, mit einer Kunststoffolie umwickelt. Die Kunststoffolie
hat eine wesentlich geringere Breite als die zu verpackende Materialbahnrolle. Beim
Verpacken wird die Kunststoffolie zunächst in Umfangsrichtung zur Materialbahnrolle
ausgerichtet und an ihr befestigt. Die Materialbahnrolle wird dann gedreht, so daß
sich eine Rand- oder Endverpackung ergibt. Nach einer vorbestimmten Anzahl von Windungen
wird der Verpackungsbahnspender dann etwas verdreht, d.h. die Breitenrichtung der
Verpackungsbahn verläßt ihre Ausrichtung parallel zur Achse der zu verpackenden Materialbahnrolle
und schließt mit dieser dann einen spitzen Winkel ein. Wenn die Materialbahnrolle
weiter gedreht wird, wird der Verpackungsbahnspender gleichzeitig parallel zur Achse
der Materialbahnrichtung verfahren, so daß sich eine schraubenlinienförmige Verpackung
ergibt.
[0003] Ein ähnliches Prinzip ist aus der nachveröffentlichten DE 195 35 746 A1 bekannt.
Hier wird zum Verpacken Packpapier verwendet, dessen spezifisches Gewicht im allgemeinen
etwas höher ist als das von Kunststoffolie.
[0004] Der Vorteil einer derartigen Schraubenverpackung liegt darin, daß man mit einer einzigen
Verpackungsbahnbreite beliebig breite Materialbahnrollen verpacken kann. Man muß nicht
Verpackungsbahnen mit unterschiedlichen Breiten bereit halten. Die Schraubenverpackung
erleichtert also die Bevorratung mit Verpackungsbahnmaterial und kann daher die Wirtschaftlichkeit
einer Rollenverpackung steigern.
[0005] Nachteilig ist allerdings, daß es nun nicht mehr ausreicht, die zu verpackende Materialbahnrolle
entsprechend der Anzahl der gewünschten Verpackungsbahnlagen zu drehen, also beispielsweise
zwei- oder dreimal. Erforderlich ist vielmehr eine Vielzahl von Umdrehungen, bis die
Materialbahnrolle entlang ihrer Längserstreckung eingehüllt ist. Dies erfordert eine
höhere Verpackungszeit. Die Möglichkeiten, die Verpackungsgeschwindigkeit zu steigern,
sind begrenzt. Gerade bei der Verwendung von Packpapier besteht die Gefahr, daß die
Verpackungsbahn reißt, wenn die Wickelgeschwindigkeit innerhalb von kurzer Zeit stark
erhöht werden soll. Dies ist aber Voraussetzung, um überhaupt höhere Verpackungsgeschwindigkeiten
zu erzielen.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Verpackungszeiten kurz zu halten.
[0007] Diese Aufgabe wird bei einer Vorrichtung der eingangs genannten Art dadurch gelöst,
daß die Vorratsrolle einen steuerbaren Drehantrieb aufweist.
[0008] Mit dieser relativ einfach erscheinenden Maßnahme ist es nun möglich, die Verpackungsgeschwindigkeiten
ganz wesentlich zu erhöhen, d.h. die Geschwindigkeit, mit der die Verpackungsbahn
um die zu verpackende Materialbahnrolle gelegt wird. Versuche haben gezeigt, daß man
ohne weiteres Bahngeschwindigkeiten von 300 m/min erzielen kann. Diese Geschwindigkeiten
können aufgrund des Antriebs der Vorratsrolle bereits nach einer sehr kurzen Beschleunigungszeit
erreicht werden, so daß man die hohe Verpackungsgeschwindigkeit über einen großen
Teil der axialen Länge der Materialbahnrolle aufrechterhalten kann. Der steuerbare
Drehantrieb treibt die Vorratsrolle zu Beginn des Wickelvorgangs an und bremst sie
am Ende ab. Damit entfällt am Anfang die Notwendigkeit, die Vorratsrolle für die Verpackungsbahn
alleine aufgrund des Zugs in der Verpackungsbahn zu beschleunigen. Vielmehr wird die
Verpackungsbahn von der Vorratsrolle sozusagen nachgeliefert und zwar in dem Umfang,
wie sie zum Verpacken der Materialbahnrolle benötigt wird. Das große Trägheitsmoment
der Vorratsrolle für die Verpackungsbahn wird dann durch den Drehantrieb kompensiert.
Umgekehrt bremst der Drehantrieb am Ende des Wickelvorgangs die Vorratsrolle, so daß
kein nennenswerter Überschuß an Verpackungsbahn entsteht. Dementsprechend können auch
die Bremszeiten kurzgehalten werden.
[0009] In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung ist vorgesehen, daß der Verpackungsbahnspender
eine Vorzugseinrichtung mit mindestens einer angetriebenen Vorzugswalze aufweist.
Damit läßt sich nun die Geschwindigkeit der Verpackungsbahn noch besser an die Umfangsgeschwindigkeit
der zu verpackenden Materialbahnrolle anpassen.
[0010] Die Vorzugswalze wirkt zweckmäßigerweise mit einer Gegenwalze zusammen. In dem so
gebildeten Walzenspalt wird die Geschwindigkeit der Verpackungsbahn definiert. Damit
können die Anforderungen an die Genauigkeit des Drehantriebs vermindert werden. Es
kommt nicht mehr maßgeblich darauf an, daß die Verpackungsbahn mit genau der Geschwindigkeit
von der Vorratsrolle nachgeliefert wird, mit der sie an die Materialbahnrolle abgegeben
wird. Kleinere Abweichungen können vielmehr noch von der Vorzugseinrichtung kompensiert
werden. Diese kann auch dafür sorgen, daß eine gewisse Spannung in der Verpackungsbahn
zwischen der Materialbahnrolle und der Vorzugseinrichtung aufgebracht wird, so daß
man eine sehr straffe Verpackung der Materialbahnrolle erzielt.
[0011] Mit Vorteil ist eine Trenneinrichtung vorgesehen, die zwischen der Materialbahnrolle
und der Vorzugseinrichtung angeordnet ist. Damit kann man beim Abschluß eines Wickelvorganges
die Materialbahn trennen. Die Materialbahn bleibt aber noch in der Vorzugseinrichtung,
so daß sie nach wie vor angetrieben werden kann. Sie kann also, ohne daß zusätzliche
Maßnahmen erforderlich sind, wieder zu der zu verpackenden Materialbahnrolle vorgeschoben
werden, falls dies für einen weiteren Wickelschritt erforderlich ist, oder sie kann
vorgeschoben werden, wenn eine neue Materialbahnrolle zu verpacken ist. Die Trenneinrichtung
kann beispielsweise als Abschlagmesser ausgebildet sein. Man kann auch dafür sorgen,
daß die Vorzugseinrichtung im Moment des Trennens eine etwas höhere Bahnspannung erzeugt,
d.h. daß die Verpackungsbahn vor dem Eintauchen des Abschlagmessers stärker gespannt
ist als beim Wickeln.
[0012] Vorteilhafterweise ist eine Klebevermittlungseinrichtung zwischen der Materialbahnrolle
und der Trenneinrichtung angeordnet. Die Klebevermittlungseinrichtung kann beispielsweise
eine Klebstoffauftragseinrichtung aufweisen. Wenn eine Verpackungsbahn mit bereits
aufgetragenem Klebstoff verwendet wird, beispielsweise mit einem wasserlöslichen Kaltleim,
dann kann die Klebevermittlungseinrichtung auch einfach in einer Befeuchtungs- oder
Wasserauftragseinrichtung bestehen. Falls ein wärmeaktivierbarer Kleber auf die Verpackungsbahn
aufgetragen ist, dann kann auch eine Heizeinrichtung als Klebevermittlungseinrichtung
wirken. Dadurch, daß diese Klebevermittlungseinrichtung zwischen der Materialbahnrolle
und der Trenneinrichtung angeordnet ist, wird sichergestellt, daß die Verpackungsbahn
immer bis zum Ende klebrig gemacht werden kann. Darüber hinaus wird sichergestellt,
daß die Trenneinrichtung sauber bleibt, d.h. nicht mit Klebstoff in Berührung kommt.
Sowohl die Vorzugseinrichtung als auch die Klebevermittlungseinrichtung sind am Verpackungsbahnspender
angeordnet, d.h. mit ihm gemeinsam auf einem Schlitten, der parallel zur Axialrichtung
der zu verpackenden Materialbahnrolle verfahren werden kann. Dadurch werden Wege und
Reaktionszeiten sehr kurz gehalten.
[0013] Vorteilhafterweise wirkt der Drehantrieb auf die Achse der Vorratsrolle. Damit können
sehr feinfühlige Steuerungsmöglichkeiten erreicht werden. Die Verpackungsbahn wird
geschont, was beispielsweise bei der Verwendung von Tragwalzen für die Verpackungsbahn
nicht in diesem Umfang der Fall wäre. Der Drehantrieb kann unmittelbar auf die Verpackungsbahnrolle
wirken, ohne daß man einen Schlupf oder eine Reibung beachten müßte.
[0014] Hierbei ist besonders bevorzugt, daß eine Steuereinrichtung vorgesehen ist, die die
Umfangsgeschwindigkeit der Vorratsrolle auf die Umfangsgeschwindigkeit der Materialbahnrolle
abstimmt. Im einfachsten Fall ist hierbei ein Durchmessersensor vorhanden, der den
Durchmesser der Verpackungsbahnrolle ermittelt. Die Umfangsgeschwindigkeit der Materialbahnrolle
ist in der Regel bekannt, weil die Materialbahnrolle auf Tragwalzen liegt, von denen
mindestens eine angetrieben ist. Je stärker der Durchmesser der Verpackungsbahnrolle
abnimmt, desto größer ist ihre Drehzahl, um die Abzugsgeschwindigkeit, die sich aus
der Umfangsgeschwindigkeit der Vorratsrolle ergibt, auf die Umfangsgeschwindigkeit
der Materialbahnrolle abstimmen zu können. Die Abstimmung muß nicht bedeuten, daß
die Umfangsgeschwindigkeit der Materialbahnrolle mit der Umfangsgeschwindigkeit der
Vorratsrolle genau übereinstimmt. Bei der Vorratsrolle kommt ein Anteil hinzu, der
durch die axiale Verschiebung des Verpackungsbahnspenders bestimmt ist.
[0015] Mit Vorteil weist der Verpackungsbahnspender eine Führungsfläche auf, auf der die
Verpackungsbahn bis zu einer Tragwalze gleitet, auf der die Materialbahnrolle gelagert
ist. Der Verpackungsbahnspender ist zweckmäßigerweise seitlich neben der Materialbahnrolle
angeordnet. Dies erleichtert das Beschicken des Verpackungsbahnspenders mit der Vorratsrolle.
Dies muß dann nicht mehr übermäßig hochgehoben werden. Allerdings ist es dann nicht
mehr so einfach, die Verpackungsbahn bis zur Materialbahnrolle zu bringen bzw. sogar
an ihr zu befestigen. Wenn man nun eine Führungsfläche vorsieht, dann wird dieses
Problem mit relativ einfachen Maßnahmen gelöst. Die Verpackungsbahn weist eine gewisse
Eigensteifigkeit auf. Wenn sie nun, beispielsweise durch die Vorzugseinrichtung, auf
der Führungsfläche vorgeschoben wird, gelangt sie bis zu der Tragwalze, auf der die
Materialbahnrolle gelagert ist. Bei einem weiteren Vorschub gelangt sie dann zwischen
die Materialbahnrolle und die Tragwalze und wird dann von der gemeinsame Wirkung der
Materialbahnrolle und der Tragwalze weiter gefördert. Da die Verpackungsbahn klebrig
gemacht worden ist, bleibt sie an der Materialbahnrolle haften, so daß beim Weiterdrehen
der Materialbahnrolle die Verpackung hergestellt werden kann. Weitere "Einfädelhilfen"
sind nicht erforderlich.
[0016] Hierbei ist besonders bevorzugt, daß die Führungsfläche mehrteilig ausgebildet ist,
wobei zumindest ein der Tragwalze benachbartes Teil die Führungsfläche zurückziehbar
ist. Je dichter die Führungsfläche an die Tragwalze heranreicht, desto problemloser
gestaltet sich das Heranführen der Verpackungsbahn. Gleichzeitig kann die Führungsbahn
dann aber den nachfolgenden Wickelvorgang behindern, insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten,
wo Schwingungen nicht auszuschließen sind. Wenn man nun denn "vorderen" Teil der Führungsfläche
zurückziehbar macht, vergrößert man den Abstand zwischen der Führungsfläche und der
Tragwalze und damit der Materialbahnrolle wieder. Dies kann man aber auch problemlos
tun, weil beim eigentlichen Verpackungsvorgang eine Führung der Verpackungsbahn auf
der Führungsfläche nicht mehr erforderlich ist.
[0017] Vorzugsweise weist das der Tragwalze benachbarte Ende der Führungsfläche einen bogenförmigen
Verlauf auf. Da der Verpackungsbahnspender mit unterschiedlichen Winkelstellungen
zur Materialbahnrolle und damit auch zu den Tragwalzen ausgerichtet werden muß, ergibt
sich bei der Ausbildung der Vorderseite der Führungsfläche mit einem bogenförmigen
Verlauf die Möglichkeit, den Spalt zwischen der Führungsfläche und den Tragwalzen
in praktisch allen Winkelstellungen, die zulässig sind, konstant zu halten. Es wird
also immer sichergestellt, daß die Verpackungsbahn mit der notwendigen Zuverlässigkeit
zwischen Materialbahnrolle und Tragwalze eingefädelt wird.
[0018] Die Erfindung wird im folgenden anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels in
Verbindung mit der Zeichnung beschrieben. Darin zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Draufsicht auf eine Verpackungsvorrichtung,
- Fig. 2
- eine schematische Seitenansicht,
- Fig. 3
- einen vergrößerten Ausschnitt aus Fig. 2 und
- Fig. 4
- eine Draufsicht auf eine Führungsfläche.
[0019] Die Fig. 1 und 2 zeigen eine Verpackungsvorrichtung 1 zum Verpacken einer Materialbahnrolle
2, beispielsweise einer größeren Papierrolle von 0,8 bis 2,5 m Durchmesser und 0,8
bis 3,8 m Länge. Verpackt wird die Materialbahnrolle 2 mit einer Verpackungsbahn 3
aus Packpapier mit einer Breite von mindestens 350 mm, vorzugsweise etwa 500 mm, die
von einer Vorratsrolle 4 abgewickelt wird. Die Vorratsrolle 4 ist auf einem Verpackungsbahnspender
5 (Fig. 3) angeordnet. Wie aus Fig. 1 ersichtlich ist, kann der Verpackungsbahnspender
5 aus einer links dargestellten Lage, in der die Querrichtung der Verpackungsbahn
3 parallel zur Axialrichtung der Materialbahnrolle 2 liegt, verdreht oder verschwenkt
werden in eine weiter rechts dargestellte Position, in der die Querrichtung der Verpackungsbahn
3 einen spitzen Winkel mit der Achse der Materialbahnrolle 2 einschließt. Die Querrichtung
der Verpackungsbahn 3 ist die Richtung, die in einem Winkel von 90° zur Längserstreckung
der Verpackungsbahn 3 verläuft. Sie stimmt im vorliegenden Ausführungsbeispiel überein
mit der Richtung der Achse 6 der Vorratsrolle 4.
[0020] Die Materialbahnrolle 2 wird nun folgendermaßen verpackt: Zunächst wird der Verpackungsbahnspender
5 in einem spitzen Winkel zur Achse der Materialbahnrolle 2 gedreht, d.h. er nimmt
die in Fig. 1 weiter rechts dargestellte Position ein. Die an ihrer Oberseite mit
Klebstoff versehene Verpackungsbahn 3 wird in den Spalt zwischen der Tragwalze 7 und
der Materialbahnrolle 2 eingefädelt. Eine der beiden Tragwalzen 7, 8 ist angetrieben.
Wenn sich nun die Materialbahnrolle dreht, wird die Verpackungsbahn in Form einer
Schraubenlinie um die Materialbahnrolle gewickelt. Hierbei wird der Verpackungsbahnspender
5 parallel zur Axialrichtung der Materialbahnrolle 2 verschoben. Wenn die Verpackungsbahn
3 das andere Ende der Materialbahnrolle 2 erreicht hat, wird sie wieder getrennt.
[0021] Danach wird der Verpackungsbahnspender 5 so ausgerichtet, daß die Verpackungsbahn
3 im rechten Winkel zur Materialbahnrolle 2 liegt. Hierbei bildet sie einen axialen
Überstand aus. Die an ihrer Oberseite mit Klebstoff versehene Verpackungsbahn 3 wird
vorgeschoben, bis sie zwischen einer der Tragwalzen 7, 8, auf denen die Materialbahnrolle
2 gelagert ist, und die Materialbahnrolle 2 gelangt. Wenn die Verpackungsbahn 3 dementsprechend
in diesen "Spalt" gelangt, wird sie mitgenommen. Nach einer vorbestimmten Anzahl von
Windungen wird die Materialbahn mit Hilfe einer Trenneinrichtung 9, die ein Abschlagmesser
10 aufweist, abgetrennt.
[0022] Danach wird der Verpackungsbahnspender 5 an das andere Ende der Materialbahnrolle
2 gefahren und das andere Ende ebenfalls mit einer axial überstehenden Verpackung
versehen. Dieser Überstand kann dann mit Hilfe eines Faltrades 11, das für jede Stirnseite
der Materialbahnrolle 2 vorgesehen ist (in Fig. 1 nicht gezeigt) auf die Stirnseite
der Materialbahnrolle 2 eingefaltet werden. Danach können Packpressen 12 betätigt
werden, um sogenannte Außenstirndeckeln auf den eingefalteten Überstand aufzubringen
und zu befestigen.
[0023] Aus diesem Ablauf wird deutlich, daß die Verpackungsbahn 3 beim Verpacken der Materialbahnrolle
in mehreren Abschnitten verwendet wird. Jeder Abschnitt kann als eigener Wickelvorgang
angesehen werden, bei dem die Verpackungsbahn 3 zusammen mit der Materialbahnrolle
2 beschleunigt und wieder abgebremst werden muß. Insbesondere beim schraubenlinienförmigen
Wickeln der Verpackungsbahn 3, d.h. beim Herstellen einer sogenannten Korpusverpackung,
ist es wichtig, möglichst schnell eine hohe Wickelgeschwindigkeit zu erzielen, um
die Verpackungszeit kurzhalten zu können.
[0024] Fig. 3 zeigt nun eine vergrößerte Darstellung des Verpackungsbahnspenders 5, mit
dem dieses Ziel realisiert werden kann.
[0025] Der Verpackungsbahnspender 5 ist auf einem Schlitten 13 angeordnet, der auf Schienen
14 parallel zur Axialrichtung der Materialbahnrolle 2 verfahren werden kann. Auf dem
Schlitten 13 ist ein Bolzen 15 mit großem Durchmesser vorgesehen, der einen Drehpunkt
für den Verpackungsbahnspender 5 gegenüber dem Schlitten 13 bildet. Zum Verdrehen
ist ein Antrieb 16 vorgesehen, der lediglich schematisch dargestellt ist.
[0026] Die Vorratsrolle 4 der Verpackungsbahn 3 ist mit ihrer Achse 17 an einem Ständer
18 am Verpackungsbahnspender 5 aufgehängt. Die Achse 17 ist hierbei drehbar angetrieben,
d.h. ein Drehantrieb 19 steht in Wirkverbindung mit der Drehachse 17. Der Drehantrieb
19 kann die Vorratsrolle 4 sowohl beschleunigen als auch abbremsen.
[0027] Die Verpackungsbahn 3 verläuft von der Vorratsrolle 4 über Umlenkrollen 20, 21 zu
einer Vorzugseinrichtung 22, die einen Walzenspalt 23 mit einer angetriebenen Walze
24 aufweist. Die Verpackungsbahn 3 wird mit Hilfe einer Anpreßwalze 25 gegen die angetriebene
Walze 24 gepreßt. Hierzu ist ein Kolben-Zylinder-Motor 26 vorgesehen.
[0028] In Laufrichtung der Verpackungsbahn 3 folgt dann die Trenneinrichtung 9 mit dem Abschlagsmesser
10 und danach eine Klebevermittlungseinrichtung 27, mit deren Hilfe die Verpackungsbahn
3 an ihrer Oberseite 28 klebrig gemacht werden kann. Im vorliegenden Ausführungsbeispiel
handelt es sich um eine Leimauftragseinrichtung.
[0029] Ferner schließt sich an die Vorzugseinrichtung 21 eine Führungsfläche 29 an, deren
Draufsicht in Fig. 4 dargestellt ist. Die Führungsfläche 29 ist hier zweiteilig ausgebildet.
Ihr Hinterteil 30 ist der Vorzugseinrichtung 22 benachbart. Ihr Vorderteil 31 ist
verschiebbar ausgebildet. Es kann unter das Hinterteil 30 zurückgefahren werden. Es
kann aber auch, wie in Fig. 4 dargestellt, ausgefahren werden. In dem ausgefahrenen
Zustand ist es der Tragwalze 7 eng benachbart, wie es beispielsweise in Fig. 2 zu
sehen ist.
[0030] Das Vorderteil 31 weist ein abgerundetes vorderes Ende 32 auf. Die Abrundung kann
auch durch eine Abfolge von kurzen geradlinigen Abschnitten erzeugt werden. Durch
diese Ausgestaltung ist es möglich, daß das vordere Ende 32 unabhängig von der Winkelstellung
des Verpackungsbahnspenders 5 in einem sehr kleinen Abstand zur Tragwalze 7 gehalten
werden kann. Damit wird sichergestellt, daß die Verpackungsbahn, die über die Führungsfläche
29 vorgeschoben wird, immer in den Spalt zwischen Materialbahnrolle 2 und Tragwalze
7 gelangt.
[0031] Wenn nun der Verpackungsvorgang beginnt, d.h. die Materialbahnrolle 2 auf den Tragwalzen
7, 8 beschleunigt wird, kann mit Hilfe des Drehantriebs 19 auch die Vorratsrolle 4
der Verpackungsbahn 3 beschleunigt werden. Eine Feinabstimmung der Geschwindigkeit
der Verpackungsbahn 3 in Bezug auf die Umfangsgeschwindigkeit der Materialbahnrolle
2, mit der auch eine gewisse Spannung in der Verpackung 3 beim Aufwickeln auf die
Materialbahnrolle 3 aufrechterhalten wird, erfolgt dann durch die Vorzugseinrichtung
22. Dadurch, daß das Trägheitsmoment der Vorratsrolle 4 praktisch vollkommen von dem
Drehantrieb 19 der Vorratsrolle 4 überwunden wird, wird die Belastung der Verpackungsbahn
3 durch Zugspannungen ausgesprochen gering gehalten. Trotzdem lassen sich hohe Wickelgeschwindigkeiten
und vor allem hohe Beschleunigungswerte erzielen.
[0032] Am Ende des Verpackungsvorgangs wird die Vorratsrolle 4 mit Hilfe des Drehantriebs
19 in genau der gleichen Weise abgebremst wie die Materialbahnrolle 2. Dadurch entsteht
praktisch kein Überschuß an Verpackungsbahn 3, der aufgenommen werden müßte.
[0033] Der Verpackungsbahnspender 5 weist zusätzlich noch einen Sensor 33 auf, der fortlaufend
den Durchmesser der Vorratsrolle 4 ermittelt, beispielsweise berührungslos mit Hilfe
einer Lichtstrahlreflektion. Je kleiner der Durchmesser der Vorratsrolle 4 ist, desto
höher muß die Drehzahl sein, damit die gleiche Verpackungsbahngeschwindigkeit erzielt
werden kann. In nicht dargestellter Weise ist eine Steuervorrichtung vorgesehen, die
sowohl den Antrieb der Tragwalzen 7, 8 als auch den Drehantrieb 19 und die Vorzugseinrichtung
22 steuert und so aufeinander abstimmt, daß die Verpackungsbahn 3 mit der notwendigen
Spannung um die Materialbahnrolle 2 gelegt wird, ohne daß allerdings die Spannung
so hoch wird, daß die Verpackungsbahn 3 überbeansprucht wird.
[0034] Da sowohl die angetriebene Vorratsrolle 4 als auch die Vorzguseinrichtung 22, die
Trenneinrichtung 9 und die Klebevermittlungseinrichtung 27 auf dem Schlitten 13 angeordnet
sind, läßt sich eine sehr kompakte Baueinheit realisieren, mit der hohe Wickelgeschwindigkeiten
und damit kurze Verpackungszeiten realisierbar sind.
1. Vorrichtung zum Verpacken einer Materialbahnrolle mit einer Verpackungsbahn mit einem
Verpackungsbahnspender, der die Verpackungsbahn unter einem einstellbaren Winkel zur
Radialrichtung der Materialbahnrolle ausgibt, der parallel zur Axialrichtung der Materialbahnrolle
verfahrbar ist und auf dem eine Vorratsrolle der Verpackungsbahn angeordnet ist, und
mit einem Antrieb für die zu verpackende Materialbahnrolle, dadurch gekennzeichnet,
daß die Vorratsrolle (4) einen steuerbaren Drehantrieb (19) aufweist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Verpackungsbahnspender
(5) eine Vorzugseinrichtung (22) mit mindestens einer angetriebenen Vorzugswalze (24)
aufweist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß eine Trenneinrichtung (9)
vorgesehen ist, die zwischen der Materialbahnrolle (2) und der Vorzugseinrichtung
(22) angeordnet ist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß eine Klebevermittlungseinrichtung
(27) zwischen der Materialbahnrolle (2) und der Trenneinrichtung (9) angeordnet ist.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Drehantrieb
(19) auf die Achse (17) der Vorratsrolle (4) wirkt.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß eine Steuereinrichtung vorgesehen
ist, die die Umfangsgeschwindigkeit der Vorratsrolle (4) auf die Umfangsgeschwindigkeit
der Materialbahnrolle (2) abstimmt.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Verpackungsbahnspender
(5) eine Führungsfläche (29) aufweist, auf der die Verpackungsbahn (3) bis zu einer
Tragwalze (7) gleitet, auf der die Materialbahnrolle (2) gelagert ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Führungsfläche (29) mehrteilig
ausgebildet ist, wobei zumindest ein der Tragwalze (7) benachbartes Teil (31) die
Führungsfläche (29) zurückziehbar ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß das der Tragwalze
(7) benachbarte Ende (32) der Führungsfläche (29) einen bogenförmigen Verlauf aufweist.