[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Aufwickeln einer Papier-
oder Kartonbahn, wobei die Bahn auf eine Walze, insbesondere Tambour, aufgewickelt
wobei die Bahn über eine Tragtrommel geführt und eine leere Walze mit der Tragtrommel
in Kontakt gebracht wird.
[0002] Derartige Vorrichtungen sind z.B. aus der EP 330 169 bekannt. Problematisch bei diesen
Vorrichtungen ist, daß die leere Walze, insbesondere Tambour, mit ihrem vollen Gewicht
auf das aufgewickelte Papier drückt, was speziell bei Tissue-Papier Verdrückungen
und somit Qualitätseinbußen mit sich bringt. Weiters besteht bei diesen Anlagen immer
die Gefahr, daß bei der Schwenkbewegung von der Vorratsposition in die Betriebs-(Aufwickel-)
Position die leere Walze aus der Halterung herausrutschen kann und entsprechenden
Schaden anrichtet.
[0003] Ziel der Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Vorrichtung zu schaffen, bei der
alle Bewegungen während des Positionswechsels der Walze, insbesondere Tambour, möglichst
einfach und sicher sind. Die Erfindung ist daher dadurch gekennzeichnet, daß die Bewegung
der leeren Walze, insbesondere Tambour, während des Positionswechsels von einer Vorratsstellung
zur Aufwickelstellung sowie das Festhalten der Achsen der leeren Walze über Drehgelenke
erfolgen. Damit kann in einfacher Weise eine Steuerung des Walzenwechsels erreicht
werden, bei der auch bei Verschmutzungen ein sicherer Wechsel erfolgt.
[0004] Eine günstige Weiterbildung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß eine leere
Walze in eine Vorratsstellung über der Tragtrommel gebracht und durch einen Druckzylinder
in einem Schwenkarm festgeklemmt wird, wobei das Gewicht der leeren Walze in Vorratsstellung
durch einen Druckzylinder kompensiert werden kann.
[0005] Eine günstige Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß die Festhalteeinrichtung
für die leere Walze, insbesondere Tambour, verriegelt wird. So wird ein versehentliches
Öffnen während des Schwenkvorganges verhindert.
[0006] Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß bei
einem Walzenwechsel die leere Walze, insbesondere Tambour, um einen Drehpunkt abgesenkt
und gleichzeitig die Gewichtskompensation derart reduziert wird, daß die Anpreßlinienkraft
entsprechend einer vorgegebenen Funktion eingestellt wird.
[0007] Eine günstige Weiterbildung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß die Anpreßlinienkraft
während des gesamten Schwenkvorganges konstant gehalten wird.
[0008] Eine vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß nach
vollständigem Entfall der Gewichtskraftkomponete auf die Tragtrommel durch denselben
Druckzylinder eine Zugkraft auf die leere Walze, insbesondere Tambour, ausgeübt wird,
womit die gewünschte Anpreßlinienkraft eingestellt wird.
[0009] Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß in
waagrechter Position des leeren Tambours die Festhalteklauen geöffnet und der Schwenkarm
zurück in Aufnahmeposition geschwenkt wird, worauf der nächste Tambour entnommen und
der neue leere Tambour in dessen Position geführt wird. Damit ist auch ein schneller
und gegebenenfalls frühzeitiger Tambourwechsel auch bei kleinem Tambourdurchmesser
möglich.
[0010] Die Erfindung betrifft auch eine Vorrichtung zum Aufwickeln einer Papier- oder Kartonbahn,
wobei die Bahn auf eine Walze, insbesondere Tambour aufgewickelt wird und leere Walzen
mit der Tragtrommel in Kontakt gebracht werden und wobei die Bahn über eine Tragtrommel
geführt und eine leere Walze mit der Tragtrommel in Kontakt gebracht wird. Sie ist
dadurch gekennzeichnet, daß an einem Schwenkarm ein Druckzylinder zum Schließen oder
Öffnen einer Festhaltevorrichtung und ein weiterer Druckzylinder zur Gewichtskompensation
und die Anpressung der leeren Walze, insbesondere Tambour, an die Tragtrommel vorgesehen
sind.
[0011] Eine günstige Weiterbildung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß mindestens
ein Druckzylinder ein Hydraulikzylinder oder alternativ ein Pneumatikzylinder ist.
[0012] Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß der
weitere Druckzylinder als Druck-und Zugzylinder ausgebildet ist.
[0013] Eine weitere günstige Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß
die Festhaltevorrichtung eine um einen Drehpunkt schwenkbare Klinke und eine durch
einen Druckzylinder anpreßbare Klaue aufweist.
[0014] Eine vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß in
Festhalteposition die Klinke und die Klaue derart ineinander einrasten, daß sie während
des gesamten Schwenkvorganges miteinander mechanisch verriegelt sind.
[0015] Die Erfindung wird nun im folgenden anhand der Zeichnungen beispielhaft erläutert,
wobei Fig. 1 eine Übersicht über die gesamte Aufwickelanlage, Fig. 2 den Ausschnitt
der Tragtrommel, Fig. 3 a bis 3 f den Ablauf beim Walzenwechseln und Fig. 4 eine isometrische
Darstellung einer erfindungsgemäßen Aufwickelanlage zeigen.
[0016] Fig. 1 zeigt eine Aufwickelanlage bei der die Papier-oder Kartonbahn 1 über eine
Tragrolle 2 geleitet und von dort auf einer Walze (Tambour) 3 aufgewickelt wird. Die
leeren Tamboure 4 werden bereitgestellt und über einen Hebel 5 einer Festhalteeinrichtung
zugeleitet.
[0017] Fig. 2 stellt nun die Tragrolle 2 mit der Schwenkeinrichtung für die leeren Tamboure
4 dar. Durch Anpressen eines Zylinders 8 wird der in der Festhalteeinrichtung eingelegte
Tambour 4 durch eine Klaue 6 derart eingespannt, daß die Klaue in einer Klinke 7 einrastet
und mechanisch verriegelt wird. So wird der Tambour 4 während des ganzen Schwenkvorganges
immer formschlüssig festgehalten; ein Herausfallen aus der Klaue 6 wird dadurch unmöglich.
Die Klaue 6 ist über ein Drehgelenk 9 mit einem Winkelhebel 10 verbunden. Dieser Winkelhebel
10 ist wiederum über ein Drehgelenk 11 mit dem Schwenkarm 12 verbunden. Zu Beginn
des Wechselvorganges wird der in der Klaue 6 aufgenommene Tambour 4 durch einen Druckzylinder
13, der über ein Drehgelenk 14 mit dem Winkelhebel 10 verbunden ist, kompensiert,
d.h. der Zylinder 13 übt eine Gegenkraft zur auf die Tragrolle wirkenden Gewichtskomponente
des Tambours 4 aus. Der Schwenkarm 12 wird mittels eines mit einem Zahnkranz versehenen
Segmentes 15 und einem Zahnrad 16 um die Achse 17 der Tragtrommel 2 geschwenkt.
[0018] Der Ablauf des Schwenkvorganges ist in den Figuren 3 a bis 3 f dargestellt. Fig.
3a zeigt das Einlegen des Tambours 4 in die Klaue 6. Man erkennt, daß der Tambour
4 lose in der Klaue 6 liegt. Fig. 3 b stellt das Schließen der Klaue 6 dar. Hier drückt
der Zylinder 8 die Klaue 6 gegen den Tambour 4, wobei der gesamte Wipphebel 10 um
das Drehgelenk 11 geschwenkt wird und die Klaue 6 um das Drehgelenk 9 gedreht und
in formschlüssigen Kontakt mit dem Tambour 4 gebracht wird. Während dieser Bewegung
rastet die Klinke 7 in der Klaue 6 ein, so daß eine mechanische Verriegelung der Klaue
6 erfolgt und ein Öffnen während des Schwenkvorganges weder absichtlich noch unabsichtlich
erfolgen kann. Im nächsten Schritt, dargestellt in Fig. 3 c, wird der Tambour 4 in
Aufwickelposition gebracht. Dabei wird der Schwenkarm 12 mittels Zahnkranz 15 durch
das Zahnrad 16 um die Achse 17 der Tragtrommel 2 gedreht. Das Aufsetzen des Tambours
4 auf die Tragtrommel 2 ist durch die Kurvenscheibe 20 vorgegeben. Diese Funktion
könnte auch durch entsprechende Steuerung des Zylinders 13 erfolgen. Während dieses
Vorganges wird der Druck des Zylinders 13 zur Kompensation der Gewichtskomponente
des Tambours 4 auf die Tragtrommel 2 langsam reduziert, bis die Gewichtskomponente
der gewünschten Anpreßkraft entspricht. Die Reduktion der Kompensationskraft kann
nach einer vorgegebenen Funktion erfolgen. Üblicherweise soll sie so eingestellt werden,
daß die Anpreßlinienkraft des Tambours 4 während des gesamten Schwenkvorganges konstant
bleibt. Der Schwenkvorgang wird weiter fortgesetzt, wobei nunmehr durch den Zylinder
13 eine Zugkraft auf den Tambour 4 ausgeübt wird, wodurch dieser entsprechend der
vorgegebenen gewünschten Anpreßlinienkraft an die Tragrolle 2 angepreßt wird. Am Ende
des Schwenkvorganges ist dann eine Position gemäß Fig. 3 d erreicht. Der Tambour 4
liegt nun auf der Schiene 18 auf, wobei die Papier- oder Kartonbahn aufgewickelt wird.
Durch den Kontakt mit einem Anschlag 19 wird die Verbindung der Klinke 7 und der Klaue
6 geöffnet, so daß in weiterer Folge die formschlüssige Verbindung der Klaue 6 mit
dem Tambour 4 durch Entlasten des Zylinders 8 geöffnet werden kann. In dieser Position
(Fig. 3 e) wird weiter die Papier- oder Kartonbahn auf den Tambour 4 aufgewickelt.
Nach Übernahme des Tambours durch den Sekundärarm wird durch eine weitere Zugbewegung
des Zylinders 13 die Klaue 6 und die Klinke 7 vom Tambour 4 entfernt (Fig. 3 f) und
der Schwenkarm 12 kann wieder in die Ausgangsstellung nach oben geschwenkt werden.
Nunmehr kann ein weiterer Wechselzyklus beginnen, wobei immer gewährleistet ist, daß
auch bei Fehlern auf dem gerade in Betrieb befindlichen Tambour 3 immer ein Reservetambour
4 bereitgestellt ist, so daß auch ein schneller, frühzeitiger Wechsel erfolgen kann.
[0019] Fig. 4 zeigt nun eine isometrische Darstellung einer Aufwickelanlage gemäß Fig. 2,
wobei gleiche Teile mit den entsprechenden Bezugszeichen versehen sind.
[0020] Die Erfindung ist nicht durch die Beispiele beschränkt, es muß z.B. die Schwenkbewegung
nicht unbedingt über ein Zahnsegment und ein Zahnrad gesteuert werden.
1. Verfahren zum Aufwickeln einer Papier- oder Kartonbahn, wobei die Bahn auf eine Walze,
insbesondere Tambour, aufgewickelt wird, wobei die Bahn über eine Tragtrommel geführt
und eine leere Walze, insbesondere Tambour, mit der Tragwalze in Kontakt gebracht
wird, dadurch gekennzeichnet, daß die Bewegung der leeren Walze, insbesondere Tambour,
während des Positionswechsels von einer Vorratsstellung zur Aufwickelstellung sowie
das Festhalten der Achsen der leeren Walze, insbesondere Tambour, über Drehgelenke
erfolgen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß eine leere Walze in eine Vorratsstellung
über der Tragtrommel gebracht und durch einen Druckzylinder in einem Schwenkarm festgeklemmt
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Gewicht der leeren
Walze in Vorratsstellung durch einen Druckzylinder kompensiert wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Festhalteeinrichtung
für die leere Walze, insbesondere Tambour, verriegelt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß bei einem
Walzenwechsel die leere Walze, insbesondere Tambour, um einen Drehpunkt abgesenkt
und gleichzeitig die Gewichtskompensation reduziert wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß nach vollständigem
Aufheben der Gewichtskompensation durch denselben Druckzylinder eine Zugkraft auf
die leere Walze ausgeübt wird, worauf diese gegen die Tragtrommel angepreßt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß in waagrechter
Position der leeren Walze die Festhalteklauen geöffnet und der Schwenkarm zurück in
Aufnahmeposition geschwenkt wird, worauf der volle Tambour ausgestoßen und der neue
leere Tambour in dessen Position geführt wird.
8. Vorrichtung zum Aufwickeln einer Papier- oder Kartonbahn, wobei die Bahn auf eine
Walze, insbesondere Tambour, aufgewickelt wird wobei die Bahn über eine Tragtrommel
geführt und eine leere Walze, insbesondere Tambour, mit der Tragtrommel in Kontakt
gebracht wird, dadurch gekennzeichnet, daß an einem Wipphebel (10) ein Druckzylinder
(8) zum Schließen oder Öffnen einer Festhaltevorrichtung (6, 7) und an einem Schwenkarm
(12) ein weiterer Druckzylinder (13) zur Gewichtskompensation und Anpressung der leeren
Walze (4), insbesondere Tambour, an die Tragtrommel (2) vorgesehen sind.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens ein Druckzylinder
(8, 13) ein Hydraulikzylinder ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens ein Druckzylinder
(8, 13) ein Pneumatikzylinder ist.
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß der weitere
Druckzylinder (13) als Druck-und Zugzylinder ausgebildet ist.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Festhaltevorrichtung
eine um einen Drehpunkt (9) schwenkbare Klinke (7) und eine durch einen Druckzylinder
(8) anpreßbare Klaue (6) aufweist.
13. Vorrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß in Festhalteposition die
Klinke (7) und die Klaue (6) derart ineinander einrasten, daß sie während des gesamten
Schwenkvorganges miteinander mechanisch verriegelt sind.