[0001] Die Erfindung betrifft ein bandförmiges Verbundmaterial nach dem Oberbegriff des
Anspruchs 1.
[0002] Eine gezielte Einstellung der Dicke der intermetallischen Phase (IMP) erfolgt bei
feuerverzinnten Bändern durch nachträgliche Wärmebehandlung in Hauben-, Durchzieh-
oder Schwebebandöfen bei Temperaturen zwischen 150 bis 180 °C und Glühzeiten z. B.
in Haubenöfen von über 16 h. Bei galvanisch verzinnten Bändern erfolgt eine zusätzliche
Reflowbehandlung mit IR-Strahlung oder Heißluft, um durch Umschmelzen des Zinns eine
bessere Lötbarkeit und/oder eine bessere Haftfestigkeit des Zinns auf dem Grundmaterial
zu erreichen. In beiden Fällen wird jedoch die Oberfläche leicht oxidiert bzw. nicht
vor weiterer Oxidation geschützt, so daß ein dauerhaft niedriger Kontaktwiderstand
auch unter mechanischer Belastung nicht gewährleistet ist.
[0003] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein bandförmiges Verbundmaterial
der genannten Art mit oxidfreier Oberfläche anzugeben, das gute Verschleiß- und Korrosionsbeständigkeit
aufweist.
[0004] Die Aufgabe wird überraschenderweise dadurch gelöst, daß in einem äußeren Randabschnitt
der Zinn-Beschichtung bis zu einer Dicke D von etwa 2 µm 1 bis 50 At.-% Kohlenstoff
(C), vorzugsweise 6 bis 30 At.-% C, eingelagert sind (At.-% = Atomgewicht-%).
[0005] Das Einbauen von Kohlenstoff in die Sn-Schicht führt zur Verbesserung des Reibverhaltens,
d. h. bei Steckverbindern zur Verminderung der Steck- und Ziehkraft, zur Verbesserung
der Korrosionsbeständigkeit, insbes. der Beständigkeit gegen Fretting Corrosion und
damit Gewährleistung eines konstanten Kontaktübergangswiderstandes während der Lebensdauer
von beispielsweise Steckverbindern. Das Öl läßt sich, beispielsweise durch Ultraschallbehandlung
in Aceton, nicht entfernen. Die Bindungszustände können verschieden sein. Es liegen
jedoch keine oxidischen Bindungsstrukturen der Hauptelemente vor.
[0006] Das Grundmaterial besteht vorzugsweise aus Kupfer oder einer Kupfer-Legierung, aus
Eisen oder einer Eisen-Legierung, aus Nickel oder einer Nickel-Legierung, aus Zink
oder einer Zink-Legierung.
[0007] Ein Verfahren zur Herstellung des erfindungsgemäßen Verbundmaterials ist dadurch
gekennzeichnet, daß das verzinnte Grundmaterial bei einer Verweildauer von 1 bis 130
min durch ein heißes Ölbad gezogen wird, welches ein Öl auf Paraffin- und/oder Ester-
und/oder Fettsäurebasis, sowohl natürlichen als auch synthetischen Ursprungs mit üblichen
Additiven, enthält und dessen Temperatur T oberhalb des Schmelzpunkts der jeweiligen
Verzinnung liegt. Das heiße Ölbad enthält vorzugsweise ein Paraffinöl oder paraffin-basische
Solvent-Raffinate und ist frei von Chlor oder PCB. Die Temperatur liegt oberhalb des
Schmelzpunktes der jeweiligen Verzinnung: bei Rein-Zinn also vorzugsweise 240 °C,
bei SnPb 200 °C, bei SnAg0,5Sb1 250 °C. Die Verweildauer beträgt vorzugsweise 2 bis
4 min.
[0008] Die intermetallische Phase (IMP) wird je nach Schichtdicke und Temperatur/Zeitbehandlung
auf 10 bis 100 % der Gesamtzinnschichtdicke eingestellt. Die Sn-Oberfläche zeigt dann
eine hochglänzende Oberfläche, welche korrosionsbeständig, insbes. jedoch reibkorrosionsbeständig
ist. Der statische Kontaktwiderstand verändert sich durch die Ölbehandlung nicht.
Die Reibkräfte verringern sich dadurch um 20 bis 75 %.
[0009] Weiterhin empfiehlt es sich, unmittelbar nach der Ölbehandlung das Verbundmaterial
in einem kalten Ölbad auf Paraffin- und/oder Ester- und/oder Fettsäurebasis, sowohl
natürlichen als auch synthetischen Ursprungs mit üblichen Additiven, bei einer Temperatur
von 5 bis 50 °C, insbes. von 10 bis 30 °C, abzuschrecken. Durch dieses Abschrecken
wird der C-Gehalt in der Sn-Schicht weiterhin erhöht. Die Verweildauer des Verbundmaterials
im kalten Ölbad beträgt vorzugsweise 2 bis 10 min.
[0010] Eine Vorrichtung zur Durchführung dieser Erfindungsvariante ist durch die Merkmale
der Ansprüche 10 bis 14 gekennzeichnet.
[0011] Nach einer weiteren Erfindungsvariante wird Öl auf Paraffin- und/oder Ester- und/oder
Fettsäurebasis, sowohl natürlichen als auch synthetischen Ursprungs mit üblichen Additiven,
direkt nach der Verzinnung des Grundmaterials auf die noch heiße Zinn-Beschichtung
aufgesprüht. Das Öl wird hierbei nicht zu fest an die Verzinnung "gebunden", gegenüber
der unbehandelten Verzinnung sind jedoch positive Einflüsse, insbes. bezüglich der
Reibkorrosion, meßbar.
[0012] Die Erfindung wird anhand des folgenden Ausführungsbeispiels näher erläutert:
[0013] Die Fig. zeigt schematisch den Verfahrensablauf zur Wärmebehandlung verzinnter Bänder
1 in heißem Öl 2 eines Heißöltraktes 3 mit anschließendem Abschrecken in kaltem Öl
4 eines Kaltöltraktes 5, wobei das Band 1 kalt von einem nicht näher dargestellten
Abhaspel 6 über Umlenkrollen 7 und eine Schleuse 8 in das auf 190 bis 270 °C heiße
Ölbad 2 eingeführt wird. Die Ölbadtemperatur muß dabei über dem Schmelzpunkt der jeweiligen
Verzinnung liegen. Wenn das Band 1 induktiv auf Temperatur gebracht wird und dann
in das Ölbad 2 einfährt, besteht die Gefahr der Bildung von Entnetzungen und des "Hundeknocheneffektes".
Eine Rauchabsaugung 9 ist im höchsten Punkt des Heißöltraktes 3 integriert.
Durch eine thermische Schleuse 10 läuft das Band 1 nach Umlenkung durch eine Rolle
11 zum Abschrecken ohne Luftzufuhr in ein gekühltes Ölbad 4 mit einer Temperatur von
5 bis 50 °C, vorzugsweise 10 bis 30 °C. Beim Austauchen aus dem Ölbad 4 wird das überschüssige
Öl mit Abblasdüsen 12 oder Abquetschrollen abgestreift und das Band 1 nach Passieren
einer Umlenkrolle 13 aufgehaspelt (nicht näher dargestellte Aufhaspel 14). Das heiße
Öl 2 wird im Kreislauf mit integriertem Heizbereich gefahren. Das kalte Öl 4 wird
im Kreislauf mit integrierter Rückkühleinrichtung gefahren. Der Ablauf 15 dient nur
der Wartung.
Zahlenbeispiel:
[0014] Ein CuSn6-Bronzeband der Abmessung 0,63 mm x 80 mm wurde mit Reinzinn feuerverzinnt
(Schichtdicke ≈ 1,8 mm) und anschließend in einem Bad aus einem handelsüblichen, paraffinbasischem
Solvent-Raffinat ölbehandelt (die jeweiligen Behandlungsparameter sind in Spalte I
der nachfolgenden Tabelle aufgeführt).
| I |
II |
III |
IV |
| Behandlung (A 1.) = Abschrecken) |
Schichtdicke RFA [µm] Coul |
C-Gehalt in At.-% 0 → 2 µm Tiefe |
Fretting Corrosion [mΩ / Zyklen] |
| |
(VS/RS) |
(VS/RS) |
|
|
| Ausgangszustand |
1,5/1,7 |
1,1/1,5 |
0,7 % → 0 % |
1000 / 1250 |
| 195 °C/1 min |
1,5/1,7 |
0,8/1,3 |
6 % → 0,8 % |
1000 / 2080 |
| 195 °C/4 min A 1.) |
1,5/1,8 |
0,8/0,7 |
1 % → 0,6 % |
1000 / 1850 |
| 250 °C/4 min |
1,4/1,8 |
n.n.2.)/0,2 |
10 % → 0,1 % |
3,8 / 5000 |
| 250 °C/4 min A 1.) |
1,4/1,8 |
n.n.2.)/n.n2.) |
25,8 % → 0,1 % |
2,6 / 5000 |
| |
n.n.2.) = nicht nachweisbar |
|
|
[0015] In Spalte II der Tabelle ist jeweils die Schichtdicke auf der Vorderseite (VS) und
Rückseite (RS) des Bandes eingetragen. Die mittels
Röntgen-
Fluoreszenz-
Analyse (RFA) gemessene Schichtdicke betrifft dabei die
Gesamtdicke der freien Sn-Schicht und der intermetallischen Phase (IMP), während die coulometrisch
gemessene Schichtdicke nur die freie Sn-Schicht betrifft. Die Differenz ergibt also
die Dicke der IMP.
[0016] In Spalte III der Tabelle ist der mittels
Auger-
Elektronen-
Spektroskopie (AES) und "
secondary-
ion-
mass-
spectroscopy" (sims) gemessene C-Gehalt eingetragen.
[0017] In Spalte IV der Tabelle ist die Neigung zu Fretting Corrosion eingetragen, gemessen
nach der sogenannten "rider-on-flat"-Methode (Kontaktwiderstand in mΩ nach n Zyklen
bei 1 N Kontaktkraft und 25 µm Amplitude). Dabei wird entweder die Anzahl der Zyklen
angegeben, nach der ein Kontaktwiderstand von 1000 mΩ erreicht ist, oder - falls 1000
mΩ nicht erreicht werden - wird die Messung nach 5000 Zyklen abgebrochen.
[0018] Anhand der Tabelle ist festzustellen, daß durch eine Ölbehandlung bei 195 °C gegenüber
dem Ausgangszustand zwar eine leichte Verbesserung hinsichtlich der Ausbildung der
IMP und der Neigung zu Fretting Corrosion erzielt wird, aber erst durch die erfindungsgemäße
Ölbehandlung bei 250 °C wird eine wesentliche Verkürzung der bisher üblichen Zeiten
zur Einstellung der IMP erzielt (eine freie Sn-Schicht ist gemäß Spalte II nicht mehr
nachweisbar).
[0019] Gleichzeitig geht mit zunehmendem Kohlenstoffgehalt die Neigung zur Fretting Corrosion
beträchtlich zurück.
1. Bandförmiges Verbundmaterial mit einem Grundmaterial aus Metall oder einer Metall-Legierung
und mit einer galvanisch oder durch Schmelzverzinnen aufgebrachten Oberflächenbeschichtung
aus Rein-Zinn oder einer Zinn-Legierung, wobei zwischen beiden Materialien eine intermetallische
Phase (IMP) ausgebildet ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß in einem äußeren Randabschnitt der Zinn-Beschichtung bis zu einer Dicke D von
etwa 2 µm 1 bis 50 At.-% Kohlenstoff (C) eingelagert sind.
2. Verbundmaterial nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß 6 bis 30 At.-% C eingelagert sind.
3. Verbundmaterial nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß das Grundmaterial aus Kupfer oder einer Kupfer-Legierung, aus Eisen oder einer
Eisen-Legierung, aus Nickel oder einer Nickel-Legierung, aus Zink oder einer Zink-Legierung
besteht.
4. Verfahren zur Herstellung des Verbundmaterials nach einem oder mehreren der Ansprüche
1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß das verzinnte Grundmaterial bei einer Verweildauer von 1 bis 130 min durch ein
heißes Ölbad gezogen wird, welches ein Öl auf Paraffin- und/oder Ester- und/oder Fettsäurebasis,
sowohl natürlichen als auch synthetischen Ursprungs mit üblichen Additiven, enthält
und dessen Temperatur T oberhalb des Schmelzpunkts der jeweiligen Verzinnung liegt.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Verweildauer 2 bis 4 min
beträgt.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet,
daß das Verbundmaterial unmittelbar nach der Ölbehandlung in einem kalten Ölbad auf
Paraffin- und/oder Ester- und/oder Fettsäurebasis, sowohl natürlichen als auch synthetischen
Ursprungs mit üblichen Additiven, bei einer Temperatur von 5 bis 50 °C abgeschreckt
wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet,
daß bei einer Temperatur von 10 bis 30 °C abgeschreckt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet,
daß die Verweildauer des Verbundmaterials im kalten Ölbad 2 bis 10 min beträgt.
9. Verfahren zur Herstellung des Verbundprofils nach einem oder mehreren der Ansprüche
1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß Öl auf Paraffin- und/oder Ester- und/oder Fettsäurebasis, sowohl natürlichen als
auch synthetischen Ursprungs mit üblichen Additiven, direkt nach der Verzinnung des
Grundmaterials auf die noch heiße Zinn-Beschichtung aufgesprüht wird.
10. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem oder mehreren der Ansprüche
4 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
daß sie einen Abhaspel (6), einen Heißöltrakt (3), eine thermische Schleuse (10),
einen Kaltöltrakt (5) und einen Aufhaspel (14) aufweist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet,
daß dem Heißöltrakt (3) eine Schleuse (8) vorgeschaltet ist.
12. Vorrichtung nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet,
daß im Kaltöltrakt (5) eine Umlenkrolle (11) angeordnet ist.
13. Vorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet,
daß für den Heißöltrakt (3) und den Kaltöltrakt (5) jeweils getrennte Kreisläufe vorgesehen
sind.
14. Vorrichtung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet,
daß im Kreislauf für den Kaltöltrakt (5) eine Rückkühleinrichtung integriert ist.