[0001] Die Erfindung betrifft ein Watteprodukt für kosmetische, hygienische und/oder medizinische
Zwecke gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Bekannte, im Handel erhältliche Watteprodukte bestehen aus Baumwollfasern und werden
hergestellt, indem ein Baumwollfaservlies mehrfach gefaltet wird und dann einzelne
Watteprodukte aus dem Vlies ausgestanzt oder abgetrennt werden. Derartige Watteprodukte
sind beispielsweise aus der DE-OS 1 566 321 und DE-OS 33 41 143 bekannt.
[0003] Es wird zunehmend schwieriger, für die Herstellung derartiger Watteprodukte Baumwollfasern
guter Qualität, d. h. Fasern relativ großer Länge, zu erhalten. Watteprodukte mit
entsprechender Qualität sind daher relativ kostenungünstig. Man geht daher dazu über,
kürzere Fasern, nämlich Kämmlinge oder gar Linters, einzusetzen. Linters haben eine
Länge von ca. 3 mm.
[0004] Watteprodukte aus derart kurzen Fasern haben jedoch den Nachteil, daß beim Gebrauch
einzelne Fasern vermehrt verlorengehen können, da sie aufgrund ihrer kurzen Länge
schlechter in der das Watteprodukt bildenden Vliesschicht gehalten sind. Das Watteprodukt
fasert aus und flust. Wenn sich Fasermaterial von dem Watteprodukt bei Gebrauch löst,
kann dieses nicht für kosmetische und erst recht nicht für medizinische Zwecke eingesetzt
werden. Vom Watteprodukt darf sich kein Material ablösen, damit beispielsweise bei
der kosmetischen Anwendung im Gesicht keine Fasern zurückbleiben und bei der medizinischen
Anwendung keine Fasern auf der Wunde oder in deren Umgebung zurückbleiben.
[0005] Die EP 0 405 043 beschreibt ein Hygieneprodukt für kosmetische Zwecke, das mehrschichtig
aufgebaut ist und bei dem die Außenschichten gegenüber der inneren Schicht verdichtet
sind. Durch die Verdichtung der Außenschichten wird das Austreten von Fasern aus dem
Produkt reduziert. Ein derartiges Produkt hat jedoch den Nachteil, daß durch die Verdichtung
der Außenschichten das Watteprodukt relativ hart wird und die Saugeigenschaften reduziert
sind, da die Außenschichten aufgrund ihrer Verdichtung ein geringeres Flüssigkeitsaufsaugvermögen
aufweisen. Darüber hinaus ist die Herstellung eines derartigen Watteprodukts sehr
aufwendig, da die Außenschichten, bevor sie mit der inneren Schicht übereinandergelegt
und zusammengefügt werden, in einem gesonderten Verfahrensschritt verdichtet werden
müssen.
[0006] Ausgehend von diesem Stand der Technik ist es Aufgabe der Erfindung, ein verbessertes
Watteprodukt bereitzustellen, das einfach und kostengünstig herstellbar ist, wobei
möglichst kostengünstige Fasern eingesetzt werden sollen und gleichzeitig das Watteprodukt
nicht flusen bzw. ausfasern soll.
[0007] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein gattungsgemäßes Watteprodukt mit den kennzeichnenden
Merkmalen des Anspruchs 1 sowie ein Verfahren gemäß Anspruch 7.
[0008] Wenn das erfindungsgemäße Watteprodukt in der einen Schicht längere Fasern aufweist
als in der anderen Schicht, werden die wertvollen langen Fasern nur dort eingesetzt,
wo sie benötigt werden, nämlich auf der durch die Schicht mit den langen Fasern gebildeten
Gebrauchsseite des Watteprodukts. Da die langen Fasern fest in der Vliesschicht haften,
tritt bei Gebrauch kein Fuseln oder Ausfasern auf. Die Weichheit des Watteprodukts
bleibt gewährleistet, da keine Verdichtung notwendig ist. Auch die Saugfähigkeit bleibt
erhalten, da sowohl die Schicht mit den langen Fasern als auch diejenige mit den kurzen
Fasern nicht verdichtet sind.
[0009] Es ist somit ein Watteprodukt erhalten, das den Einsatz kostengünstiger kurzer Fasern
erlaubt und gleichzeitig ist das Fuseln bzw. Ausfasern weitgehend reduziert, ohne
einzelne Schichten des Watteprodukts verdichten zu müssen.
[0010] Bevorzugt besteht das Watteprodukt aus drei Schichten, wobei die innere Schicht die
kürzeren Fasern und die äußeren Schichten die längeren Fasern aufweisen, so daß das
Watteprodukt beidseitig nutzbar ist und die kurzen Fasern der inneren Schicht durch
die äußeren Schichten quasi eingeschlossen sind, so daS ein Fuseln und Ausfasern weiter
reduziert ist.
[0011] Der Einschluß der kurzen Fasern der inneren Schicht ist weiter verbessert, indem
die äußeren Schichten am Rande des Watteprodukts miteinander verbunden sind. Dadurch
ist auch verhindert, daß die einzelnen Schichten, beispielsweise bei der Herausnahme
des Watteprodukts aus einer Verpackung oder bei Gebrauch, sich voneinander lösen.
[0012] Bevorzugt beträgt die Länge der kürzeren Fasern ca. 3 mm und die Länge der längeren
Fasern ca. 20 mm.
[0013] Da die Schicht oder Schichten mit den längeren Fasern in erster Linie dazu dienen,
ein Ausfasern und Fuseln des Watteprodukts zu verhindern, kann ihre Dicke relativ
klein gehalten sein und bevorzugt ist ihre Dicke geringer als die Dicke der Schicht
der kürzeren Fasern.
[0014] Die Erfindung wird im folgenden anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme
auf die Zeichnung im einzelnen erläutert. In der Zeichnung zeigen:
- Figur 1:
- ein erfindungsgemäßes Watteprodukt im Querschnitt,
- Figur 2:
- das Watteprodukt gemäß Figur 1 in der Draufsicht als Element einer Wattebahn.
[0015] Ein in der Zeichnung dargestelltes Watteprodukt 10 für kosmetische und/oder medizinische
Zwecke weist wenigstens zwei aufeinanderliegende Schichten 12 und 14 auf. Bevorzugt
sind jedoch drei übereinanderliegende Schichten 12, 14 und 16 vorgesehen. Sämtliche
Schichten sind als aus Fasern bestehende Vliesstoffschichten ausgebildet. Eine einzelne
Schicht 12, 14 oder 16 kann dabei aus einem Mehrfachfaservlies bestehen.
[0016] Die Fasern der innen liegenden Schicht 14, die in Figur 1 mit 18 bezeichnet sind,
sind bevorzugt Kämmlinge oder Linters mit einer bevorzugten Länge von ca. 3 mm. Die
Außenschichten 12 und 16 weisen Fasern auf, die länger sind als die Fasern 18 der
inneren Schicht 14. Bevorzugt werden Baumwollfasern mit einer Länge von ca. 20 mm
eingesetzt.
[0017] Die äußeren Schichten 12 und 16 sind am Rande 20 des Watteprodukts 10 bevorzugt miteinander
verbunden. Die Verbindung der Außenschichten 12 und 16 erstreckt sich über die gesamte
Länge des Randes 20, so daS das Watteprodukt 10 rundum geschlossen ist und die innere
Schicht 14 vollständig von den Außenschichten 12 und 16 eingeschlossen ist.
[0018] In einem besonders bevorzugten Ausführungsbeispiel bestehen die äußeren Schichten
12 und 16 aus gebleichten Wattefasern mit einer Faserlänge zwischen 10 mm und 25 mm.
Der Micronaire dieser Fasern beträgt 3,5 bis 6. Die beiden äußeren schichten 12 und
16 ergeben zusammen zwischen 10 % und 40 % des Gesamtgewichtes des erfindungsgemäßen
Watteprodukts 10. In diesem besonders bevorzugten Ausführungsbeispiel besteht die
innen liegende Schicht 14 entweder aus Watte oder aus anderen synthetischen Fasern
oder Naturfasern mit einer Länge zwischen 3 mm und 22 mm. Der Micronaire dieser Fasern
beträgt wiederum 3,5 bis 6. Die innen liegende Schicht 14, die ein zentrales Kissen
bildet, hat einen Anteil von zwischen 60 % und 90 % des Gesamtgewichts.
[0019] Das Watteprodukt 10 wird hergestellt, indem die Schichten 12, 14 und 16 zu einer
Wattebahn 22 übereinandergelegt werden, aus der die einzelnen Watteprodukte 10 erhalten
werden. Die Watteprodukte können beispielsweise aus der Wattebahn 22 ausgestanzt werden,
wobei beim Stanzvorgang die Außenschichten 12 und 16 miteinander verbunden werden.
Ein solches Stanzverfahren ist beispielsweise aus der DE-OS 33 41 143 bekannt. Die
fertigen Watteprodukte können eine viereckige, runde, ovale oder andere Form aufweisen.
[0020] In einer Ausgestaltung des Verfahrens sind quer zur Längsrichtung der Wattebahn 22
Schwächungslinien 24 vorgesehen, die beispielsweise aus einer durch Stanzen erhaltenen
Perforation bestehen. Entlang dieser Schwächungslinie 24 ist die Wattebahn 22 durchtrennbar,
so daS einzelne Watteprodukte 10 von der Wattebahn 22 durch einfaches Aufreißen der
Perforation abtrennbar sind. Die derartig vorgestanzte bzw. vorgeschnittene Wattebahn
22 kann vorteilhaft in Zickzackform gelegt und verpackt werden. Damit das aus der
Wattebahn 22 erhaltene Watteprodukt 10 an seinen Rändern geschlossen ist, wie oben
beschrieben, versteht es sich, daß im Bereich der Schwächungslinien 24 und an Rändern
26 und 28 der Wattebahn 22 die Außenschichten 12 und 16 miteinander verbunden sind.
[0021] Bevorzugt ist die Schichtdicke D der Schicht 14 mit den kürzeren Fasern 18 größer
als die Dicke d
1 bzw. d
2 der Schicht 12 bzw. 16, die die längeren Fasern aufweist.
1. Watteprodukt für kosmetische, hygienische und/oder medizinische Zwecke mit wenigstens
zwei aus Fasern bestehenden, aufeinander liegenden Schichten (12, 14, 16),
dadurch gekennzeichnet, daß
die Fasern der einen Schicht (12, 16) länger sind als die Fasern (18) der anderen
Schicht (14).
2. Watteprodukt nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß drei Schichten (12, 14,
16) vorgesehen sind, wobei die innere Schicht (14) die kürzeren Fasern (18) und die
äußeren Schichten (12 und 16) die längeren Fasern aufweisen.
3. Watteprodukt nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die äußeren Schichten (12
und 16) am Rande (20) des Watteprodukts (10) miteinander verbunden sind.
4. Watteprodukt nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Länge der kurzen Fasern ca. 3 mm beträgt.
5. Watteprodukt nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Länge der längeren Fasern ca. 20 mm beträgt.
6. Watteprodukt nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daS
die Schicht (14) mit den kürzeren Fasern (18) eine größere Dicke (D) aufweist als
die Schicht oder Schichten (12, 16) mit den längeren Fasern.