[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Ofen zur Hochtemperatur-Wärmebehandlung
von anorganischen Werkstoffen, insbesondere keramischen Werkstoffen, mit einem Ofengehäuse
zur Aufnahme des zu behandelnden Werkstoffes, einer Tür, einer Mikrowellenenergieerzeugungseinrichtung
und einer Einrichtung zur Abstrahlung der Mikrowellenenergie in das Ofeninnere.
[0002] Aus der EP 0 457 948 B1 ist eine Mikrowelleneinrichtung mit einer als Resonator wirkenden,
mit mehreren metallischen Kammerwänden gebildeten Mehrmodenkammer, in die ein zu erwärmendes
Werkstück einsetzbar ist und in die Mikrowellenenergie einspeisbar ist, bekannt. Die
Kammer weist hierbei wenigstens eine beweglich ausgeführte Kammerwand auf, und es
sind Mittel vorhanden, die bewirken, daß die bewegliche Kammerwand während des Betriebes
der Mikrowelleneinrichtung in eine repetierende Bewegung versetzbar ist. Ferner sind
Mittel zur Hochfrequenzabdichtung der beweglichen Kammerwand gegenüber den festen
Kammerwänden vorhanden, so daß bei Bewegung der beweglichen Kammerwand eine Änderung
des Resonatorvolumens gegeben ist.
[0003] Der DE-B 11 86 570 ist eine Mikrowelleneinrichtung zu entnehmen, die keinen Mehrmoden-Resonator
zur Aufnahme eines Werkstückes aufweist, sondern einen Schlitzstrahler, an dem ein
zu erwärmendes Werkstuck vorbeigeführt wird. Der Schlitzstrahler ist die Austrittsöffnung
eines Hohlleiters, in den ein Magnetron einspeist. Im Hohlleiter ist ein beweglicher
Kurzschlußschieber vorgesehen.
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Ofen der eingangs beschriebenen
Art zu schaffen, mit dem sich bei einem einfachen Aufbau, einer einfachen Wartung
und einer sicheren Funktionsweise besonders hohe Temperaturen bei einer möglichst
homogenen Energiedichte erzielen lassen.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß bei einem Ofen der eingangs beschriebenen Art
dadurch gelöst, daß das Ofengehäuse eine mikrowellendichte metallische Auskleidung
und im Inneren hiervon eine fest eingebaute mikrowellendurchlässige thermische Isolationsschicht
aufweist und daß die Mikrowellenenergieabstrahlungseinrichtung durch mindestens einen
Mikrowellenschlitzhohlleiter gebildet ist, der eine zugehörige Öffnung der metallischen
Auskleidung umfassend an deren Außenseite mit der Schlitzfläche zum Ofeninneren weisend
angeordnet ist.
[0006] Bei der erfindungsgemäßen Lösung wird durch die mikrowellendichte metallische Auskleidung
und die Mikrowellenenergieeinbringung über Schlitzhohlleiter, die im Bereich von Öffnungen
der metallischen Auskleidung angeordnet sind, mit einfachen Mitteln erreicht, daß
im Inneren des Ofens eine homogene Energiedichteverteilung erzielt wird, die für die
Hochtemperatur-Wärmebehandlung von anorganischen, insbesondere keramischen Werkstoffen,
speziell das Sintern von keramischen Werkstoffen, von besonderer Bedeutung ist. Die
im Inneren der metallischen Auskleidung fest eingebaute mikrowellendurchlässige thermische
Isolationsschicht stellt sicher, daß im Ofeninneren mit sehr hohen Temperaturen gearbeitet
werden kann. So ist der erfindungsgemäß ausgebildete Ofen für Maximaltemperaturen
bis etwa 1.800°C geeignet. Im Ofeninneren kann mit Luft oder Inertgas gearbeitet werden.
[0007] Die erfindungsgemäße Lösung ermöglicht die Anordnung einer Vielzahl von Mikrowellenschlitzhohlleitern
an allen Ofenwandungen, so daß die gewünschte homogene Energiedichteverteilung erzielt
werden kann.
[0008] Wesentlich ist, daß die mikrowellendurchlässige thermische Isolationsschicht bei
der vorliegenden Erfindung fest im Ofen eingebaut ist und sich nicht am zu behandelnden
Werkstoff selbst befindet.
[0009] Vorzugsweise besteht die thermische Isolationsschicht aus keramischen Faserwerkstoffen.
Sie ist zweckmäßigerweise aus Platten oder Langfasermodulen aufgebaut. Eine spezielle
Ausführungsform der Erfindung zeichnet sich dadurch aus, daß der keramische Werkstoff
für die Isolationsschicht aus Aluminiumoxid (Al
2O
3) besteht, das Mullit enthält, d. h. ein Aluminiumsilikat, das etwa aus 80% Aluminiumoxid
und 20% Siliciumdioxid besteht. Dieses Material hat eine Rohdichte von etwa 300-700
kg/m
3.
[0010] Es kommen vorzugsweise vakuumgeformte Platten zum Einsatz, die eine Dicke von 40mm
besitzen.
[0011] Wie bereits erwähnt, können die Ofenwandungen mit einer Vielzahl von Mikrowellenschlitzhohlleitern
versehen sein. So weist der Ofen vorzugsweise an mindestens einer Wand mehrere parallel
zueinander und im Abstand voneinander angeordnete Mikrowellenschlitzhohlleiter auf.
Zweckmäßigerweise sind an mindestens einer Seitenwand mehrere senkrecht angeordnete
Mikrowellenschlitzhohlleiter vorhanden.
[0012] Jede Ofenwand kann mit einem oder mehreren Mikrowellenschlitzhohlleitern versehen
sein. Eine Ausführungsform hat sich jedoch als besonders zweckmäßig erwiesen, bei
der die Deckwand und die beiden Seitenwände des Ofens mit Mikrowellenschlitzhohlleitern
versehen sind. Bei dieser Ausführungsform weisen die Vorder- und Rückseite sowie Unterseite
des Ofens keine Mikrowellenschlitzhohlleiter auf.
[0013] Die an gegenüberliegenden Wänden angeordneten Mikrowellenschlitzhohlleiter sind zweckmäßigerweise
versetzt zueinander angeordnet. Hierdurch wird eine gegenseitige Beeinflussung von
gegenüberliegenden Schlitzhohlleitern vermieden.
[0014] Die dem Mikrowellenschlitzhohlleiter zugeordnete Öffnung der metallischen Auskleidung
ist vorzugsweise mit einem dielektrischen Material verschlossen. Hierdurch läßt sich
das Ofeninnere gasdicht ausgestalten.
[0015] Die Mikrowellenenergieeinführung in den Mikrowellenschlitzhohlleiter erfolgt in bekannte
Weise über ein Magnetron, das an einem Ende des Mikrowellenschlitzhohlleiters angeordnet
ist. Das gegenüber liegende Ende des Mikrowellenschlitzhohlleiters weist vorzugsweise
einen Kurzschlußschieber auf.
[0016] Die Mikrowellenschlitzhohlleiter selbst können von herkömmlicher Bauart sein. Hierbei
können die Schlitze beispielsweise parallel zur Längsachse des Hohlleiters zu beiden
Seiten der Mittelachse desselben versetzt zueinander angeordnet sein. Bei einer anderen
Ausführungsform können die Schlitze winklig zur Längsmittelachse angeordnet sein.
Bei noch einer anderen Ausführungsform sind die Schlitze entlang der Mittellängsachse
auf Abstand angeordnet und weisen benachbart hierzu jeweils ein kleines Loch auf.
[0017] Die Schlitze befinden sich in einer Wandung des Hohlleiters, der im Querschnitt etwa
Rechteckform besitzt. Es versteht sich, daß diese Wandung dem Ofeninneren zugeordnet
ist. Die vorgesehene thermische Isolationsschicht ist mit relativ geringem Abstand
von den Mikrowellenschlitzhohlleitern angeordnet, so daß zwischen der Schlitzfläche
der Hohlleiter bzw. der metallischen Auskleidung und der Außenseite der thermischen
Isolationsschicht nur ein relativ enger Spalt verbleibt.
[0018] Es versteht sich, daß die Mikrowellenschlitzhohlleiter so an der Außenseite der metallischen
Auskleidung angebracht sind, daß sich eine mikrowellendichte Verbindung ergibt. Die
Gasdichtigkeit wird durch die vorstehend erwähnte Schicht aus dielektrischem Material,
vorzugsweise Quarzglas, erzielt, die zur Ofenmitte hin vor der Schlitzfläche der Hohlleiter
angeordnet ist.
[0019] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispieles in Verbindung mit
der Zeichnung im einzelnen erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine räumliche schematische Ansicht eines Ofens zur Hochtemperatur-Wärmebehandlung;
- Figur 2
- eine Seitenansicht des Ofens der Figur 1, wobei die Energieerzeugungseinrichtungen
dargestellt sind;
- Figur 3
- eine Vorderansicht des Ofens der Figur 1 mit dargestellten Energieerzeugungseinrichtungen;
- Figur 4
- eine Draufsicht auf den Ofen der Figur 1 mit dargestellten Energieerzeugungseinrichtungen;
und
- Figur 5
- einen schematischen Horizontalschnitt durch den Ofen der Figur 1.
[0020] Bei dem in den Figuren dargestellten Ofen zur Hochtemperatur-Wärmbehandlung von keramischen
Werkstoffen handelt es sich um einen Kammerofen 1, der an seiner Vorderseite eine
Tür 2 aufweist. Der Ofen ist etwa kastenförmig ausgebildet und steht auf vier Beinen
3. An seinen beiden gegenüberliegenden Seitenwänden 5 befinden sich drei senkrecht
und parallel zueinander angeordnete Mikrowellenschlitzhohlleiter 7, wobei die Hohlleiter
der gegenüberliegenden Seiten versetzt zueinander angeordnet sind. Auf der Oberseite
4 des Ofens befinden sich zwei Mikrowellenschlitzhohlleiter 8, die parallel zur Längsachse
des Ofens und parallel zueinander angeordnet sind. In der Tür 2 befindet sich eine
Isolationsschicht 6. Der genauere Aufbau des Ofens wird anhand der Figuren 2 - 5 erläutert.
[0021] Der hier dargestellte Kammerofen 1 ist für eine Maximaltemperatur von 1.800°C konzipiert
und für einen Betrieb in Luft oder in Erdgas geeignet. Die Nutzabmessungen des Ofens
betragen 500x500x500mm, und es wird mit einer Mikrowellenfrequenz von 2,45 GHz gearbeitet.
Figur 2 zeigt, daß drei Mikrowellenschlitzhohlleiter 7 parallel zueinander in Vertikalrichtung
an einer Seitenfläche 5 des Ofens angeordnet sind. An der gegenüberliegenden Seitenfläche
befinden sich weitere drei Mikrowellenschlitzhohlleiter, die versetzt zu den Hohlleitern
der anderen Seite angeordnet sind. An den oberen Enden der Hohlleiter befindet sich
jeweils ein Magnetron 10, das Mikrowellenenergie erzeugt und in den zugehörigen Hohlleiter
endseitig einspeist. Am gegenüberliegenden Ende des Hohlleiters ist ein Kurzschlußschieber
vorgesehen.
[0022] Man erkennt ferner in Figur 2, daß an der Oberseite 4 des Kammerofens drei Mikrowellenschlitzhohlleiter
8 parallel zueinander und parallel zur Längsachse des Ofens angeordnet sind. An den
in der Figur linken Enden der Hohlleiter befinden sich ebenfalls Magnetrons 10, und
zwar rechtwinklig zur Längsachse der Hohlleiter. Es wird darauf hingewiesen, daß in
Figur 1 nur zwei Hohlleiter 8 dargestellt sind.
[0023] Durch die gewählte Hohlleiteranordnung: 3 an der Oberseite, 4 und jeweils 3 an den
gegenüberliegenden Seitenflächen 5, wird innerhalb des Ofenraumes eine homogene Energiedichteverteilung
erzielt.
[0024] Figur 5 zeigt einen Horizontalschnitt durch den Kammerofen der Figuren 1 - 4. Der
Ofen besitzt einen Außenrahmen 14, der das eigentliche Ofengehäuse lagert. Das Ofengehäuse
weist eine metallische Auskleidung 12 und eine innerhalb von dieser fest eingebaute
thermische Isolationsschicht 11 auf, die aus Mullit besteht. Die metallische Auskleidung
ist mikrowellendicht, während die thermische Isolationsschicht 11 im wesentlichen
mikrowellendurchlässig ist.
[0025] In der metallischen Auskleidung 12 befinden sich längliche Öffnungen 13, die jeweils
von einem Mikrowellenschlitzhohlleiter 7 umfaßt werden, der an der Außenseite der
metallischen Auskleidung 12 angeordnet ist und mit seiner Schlitzfläche zum Ofeninneren
weist. Es sind somit drei Öffnungen 13 nebeneinander und parallel zueinander auf jeder
Seitenfläche 5 des Ofens vorgesehen, denen jeweils ein Mikrowellenschlitzhohlleiter
7 zugeordnet ist. Die Befestigung der Hohlleiter 7 an der metallischen Auskleidung
12 ist in mikrowellendichter Weise erfolgt.
1. Ofen zur Hochtemperatur-Wärmebehandlung von anorganischen Werkstoffen, insbesondere
keramischen Werkstoffen, mit einem Ofengehäuse zur Aufnahme des zu behandelnden Werkstoffes,
einer Tür, einer Mikrowellenenergieerzeugungseinrichtung und einer Einrichtung zur
Abstrahlung der Mikrowellenenergie in das Ofeninnere, dadurch gekennzeichnet, daß
das Ofengehäuse eine mikrowellendichte metallische Auskleidung (12) und im Inneren
hiervon eine fest eingebaute mikrowellendurchlässige thermische Isolationsschicht
(11) aufweist und daß die Mikrowellenenergieabstrahlungseinrichtung durch mindestens
einen Mikrowellenschlitzhohlleiter (7, 8) gebildet ist, der eine zugehörige Öffnung
(13) der metallischen Auskleidung (12) umfassend an deren Außenseite mit der Schlitzfläche
zum Ofeninneren weisend angeordnet ist.
2. Ofen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die thermische Isolationsschicht
(11) aus keramischen Faserwerkstoffen besteht.
3. Ofen nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die thermische Isolationsschicht
(11) aus Platten oder Langfasermodulen besteht.
4. Ofen nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die thermische
Isolationsschicht (11) aus aluminiumsilikathaltigem, insbesondere mullithaltigem Aluminiumoxid
besteht.
5. Ofen nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß er an mindestens
einer Wand mehrere parallel zueinander und im Abstand voneinander angeordnete Mikrowellenschlitzhohlleiter
(7, 8) aufweist.
6. Ofen nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß er an mindestens
einer Seitenwand (5) mehrere senkrecht angeordnete Mikrowellenschlitzhohlleiter (7)
aufweist.
7. Ofen nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß seine Deckwand
(4) und seine beiden Seitenwände (5) mit Mikrowellenschlitzhohlleitern (7, 8) versehen
sind.
8. Ofen nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die dem Mikrowellenschlitzhohlleiter
(7, 8) zugeordnete Öffnung (13) der metallischen Auskleidung (12) mit einem dielektrischen
Material verschlossen ist.
9. Ofen nach einem der Ansprüche 5 -8, dadurch gekennzeichnet, daß die an gegenüberliegenden
Wänden (5) angeordneten Mikrowellenschlitzhohlleiter (7) versetzt zueinander angeordnet
sind.
10. Ofen nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß jedem Mikrowellenschlitzhohlleiter
(7, 8) an einem Ende ein in diesen einspeisendes Magnetron (10) zugeordnet ist.