(19)
(11) EP 0 854 939 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
21.04.1999  Patentblatt  1999/16

(21) Anmeldenummer: 96945137.6

(22) Anmeldetag:  20.09.1996
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6C22C 37/08, B22D 19/00, F02F 7/00
(86) Internationale Anmeldenummer:
PCT/DE9601/809
(87) Internationale Veröffentlichungsnummer:
WO 9713/396 (17.04.1997 Gazette  1997/17)

(54)

BEWEHRUNGSTEIL, DESSEN GRUNDWERKSTOFF AUSTENITISCHES GUSSEISEN IST

REINFORCING COMPONENT OF WHICH THE BASIC MATERIAL IS AUSTENITIC CAST IRON

PIECE D'ARMATURE DONT LE MATERIAU DE BASE EST LA FONTE AUSTENITIQUE


(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE FR GB IT

(30) Priorität: 11.10.1995 DE 19537848

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
29.07.1998  Patentblatt  1998/31

(73) Patentinhaber: Mahle GmbH
70376 Stuttgart (DE)

(72) Erfinder:
  • HUDELMAIER, Birgit
    73728 Esslingen (DE)
  • MÜLLER-SCHWELLING, Dieter
    70736 Fellbach (DE)
  • SCHLOSSER, Detlef
    73230 Kirchheim (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
DE-A- 4 221 448
US-A- 4 129 309
US-A- 4 547 336
GB-A- 1 569 444
US-A- 4 365 399
US-A- 5 119 777
   
  • PATENT ABSTRACTS OF JAPAN vol. 016, no. 207 (C-0941), 18.Mai 1992 & JP 04 036417 A (HONDA MOTOR CO LTD;OTHERS: 01), 6.Februar 1992,
  • PATENT ABSTRACTS OF JAPAN vol. 004, no. 057 (M-009), 26.April 1980 & JP 55 024784 A (MAZDA MOTOR CORP), 22.Februar 1980,
   
Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Bewehrungsteil, dessen Grundwerkstoff austenitisches Gußeisen ist und das intermetallisch mit einem Motorenteil aus einer Aluminiumbasis-Legierung, insbesondere einem Kolben verbunden ist. Gattungsgemäße Bewehrungsteile finden insbesondere als Ringträger, vereinzelt auch als Muldenrandschutz bei Aluminiumkolben für Diesel-Motoren Verwendung.

[0002] Die Verbindung des - meist aus austenitischem GGL bestehenden - Bewehrungsteils mit dem Kolbenwerkstoff wird mit dem im Stand der Technik seit ca. 1950 bekannten Alfin-Verfahren hergestellt, indem das Bewehrungsteil vor dem Umgießen mit dem Kolbenwerkstoff in eine AlSi-Schmelze getaucht wird, wobei sich an der Oberfläche des Bewehrungsteils eine intermetallische Schicht ausbildet.

[0003] Mit den bei Dieselmotoren in der Vergangenheit kontinuierlich gestiegenen Kolbenbelastungen zeigten sich die Festigkeitsgrenzen der bisher produzierten Alfin-Bindung, so daß eine höhere Bindungsfestigkeit gefordert wird.

[0004] Es wurde daher in DE-OS 42 21 448 schon vorgeschlagen, als Bewehrungsmaterial austenitisches Gußeisen mit globularer oder vermicularer Graphitausbildung zu verwenden, wodurch im Vergleich mit dem üblichen GGL-Werkstoff mit lamellarer Graphitausbildung die Bindungsfestigkeit verbessert wird.

[0005] Nachteil dieser Lösung ist die Abkehr von einem seit langem bewährten Ringträgerwerkstoff, die schlechtere Bearbeitbarkeit, niedrigere Wärmeleitfähigkeit und die etwas schlechtere Verschleißfestigkeit des GGG- verglichen mit dem GGL-Ringträgerwerkstoff. Außerdem ist der GGG-Werkstoff etwas teurer als der GGL-Werkstoff.

[0006] Die Erfindung beschäftigt sich daher mit dem Problem, bei den gattungsgemäßen Bewehrungsteilen die Festigkeit und die Reproduzierbarkeit der intermetallischen Bindung unabhängig davon, ob der verwendete Grundwerkstoff eine GGG- oder GGL-Graphitausbildung aufweist, zu erhöhen.

[0007] Dieses Problem wird gelöst durch das kennzeichnende Merkmal des Anspruchs 1. Vorteilhafte Weiterbildungen sind Gegenstand der Unteransprüche.

[0008] Unter einem austenitisch-ledeburitischen Gefüge ist hierbei ein - vorzugsweise durch Umschmelzen von austenitischem Gußeisen entstandenes - Gefüge zu verstehen, bei dem Austenit und Ledeburit nebeneinander vorliegen.

[0009] Bedingt durch das sehr feine austenitisch-ledeburitische Gefüge und die ebenfalls sehr feine, nichtlamellare Ausbildung des Graphits kann sich beim Tauchen des Bewehrungsteils in einem Schmelzbad auf Al-Basis eine störungsfreie intermetallische Schicht ausbilden. Erste Abreißversuche zeigen, daß die Zugfestigkeit der erfindungsgemäßen Schicht - verglichen mit der aus DE-OS 42 21 448 bekannten intermetallischen Schicht bei globularer Graphitausbildung - nochmals um mindestens 30% erhöht werden konnte.

[0010] Die im Bereich der intermetallischen Bindung liegende Oberfläche des Bewehrungsteils kann entweder ganz oder nur in Teilbereichen - bei Ringträgern vorzugsweise im Bereich des Ringträgerrückens - durch Umschmelzen austenitisch-ledeburitisch ausgebildet sein.

[0011] Als Verfahren zum Umschmelzen des Bewehrungsmaterials kommen Laser-, Induktions- oder WIG-Umschmelzverfahren in Betracht.

[0012] Als weitere Möglichkeit der Herstellung von Bewehrungsteilen aus austenitischem Gußeisen mit austenitisch-ledeburitischer Oberfläche kommt Kokillen-Hartguß in Betracht. Bei Ringträgern entsteht dann allerdings das Problem, daß diese nicht mehr im Schleudergießverfahren hergestellt werden können und daß sie infolge der schlechten Bearbeitbarkeit des Ledeburits nicht wie üblich spanend aus Gußbuchsen herausgearbeitet werden können, sondern zusätzlich durch Trenn- und Formschleifen bearbeitet werden müssen oder einzeln abgegossen werden müssen.

[0013] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von drei Schliffbildern dargestellt. Es zeigt
Fig. 1
einen Ringträger mit austenitisch-ledeburitisch umgeschmolzenem Ringträgerrücken im Querschliff
Fig. 2
die Gefügeausbildung im Bereich der intermetallischen Bindung
Fig. 3
den Übergang zwischen austenitischledeburitischer Umschmelzzone und dem austenitischem Grundwerkstoff mit Lamellengraphit.


[0014] Ein Ringträger 1 mit zwei Ringnuten 2a und 2b zur Aufnahme je eines Kolbenrings weist am Ringträgerrücken 3 eine durch WIG-Umschmelzen entstandene austenitisch-ledeburitische Umschmelzzone 4 auf. Der Ringträgerwerkstoff besteht aus GGL-NiCuCr 15 6 2 mit ca. 2,6% C, 2,1% Si, 1,2% Mn, 15% Ni, 1,5% Cr und 6% Cu, Rest Fe.

[0015] Dieser Ringträger wird in einer AlSi-Schmelze alfiniert, in eine Gießform eingelegt und bei noch nicht erstarrter Alfin-Schicht mit dem Kolbengrundwerkstoff AlSil2CuNiMg umgossen.

[0016] Fig. 2 zeigt das Gefüge im Bereich der so entstandenen intermetallischen Bindung. In der umgeschmolzenen, austenitisch-ledeburitischen Zone 5 liegt noch fein verteilter, nichtlamellarer Restgraphit vor. Es hat sich gezeigt, daß die Umschmelzzone nur sehr schwach magnetisch ist, so daß von einem überwiegenden Anteil an Austenit und einem kleineren Anteil an Ledeburit auszugehen ist. Eine derartige Ausbildung der Umschmelzzone ist insofern günstig, als der Wärmeausdehnungskoeffizient der Umschmelzzone nur unwesentlich von dem des Grundwerkstoffs abweicht und insofern keine Spannungen zwischen Umschmelzzone und Grundwerkstoff auftreten.

[0017] An der Grenze zwischen Umschmelzzone 5 und Kolbengrundwerkstoff 6 liegt die intermetallische Verbindungsschicht 7, die verglichen mit den bisher bekannten Alfin-Schichten eine deutlich erhöhte Bindungsfestigkeit aufweist.


Ansprüche

1. Bewehrungsteil, dessen Grundwerkstoff austenitisches Gußeisen ist und das intermetallisch mit einem Motorenteil aus einer Aluminiumbasis-Legierung, insbesondere einem Kolben verbunden ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Gefüge zumindest an einer Teilfläche (3) der im Bereich der intermetallischen Bindung liegenden Oberfläche des Bewehrungsteils (1) austenitisch-ledeburitisch ausgebildet ist.
 
2. Bewehrungsteil nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Gefüge an der gesamten Oberfläche des Bewehrungsteils (1) im Bereich der intermetallischen Bindung austenitisch-ledeburitisch ausgebildet ist.
 
3. Bewehrungsteil nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Bewehrungsteil ein Ringträger (1) zur Aufnahme eines Kolbenringes ist.
 
4. Bewehrungsteil nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Bewehrungsteil ein Muldenrandschutz ist.
 
5. Verfahren zur Herstellung eines Bewehrungsteils nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß das austenitisch-ledeburitische Gefüge durch Umschmelzen des austenitischen Grundwerkstoffs mittels Laserstrahlen erzielt wird.
 
6. Verfahren zur Herstellung eines Bewehrungsteils nach einem der Ansprüche 1 - 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß das austenitisch-ledeburitische Gefüge durch Umschmelzen des austenitischen Grundwerkstoffs durch Induktions-Umschmelzen erzielt wird.
 
7. Verfahren zur Herstellung eines Bewehrungsteils nach einem der Ansprüche 1 - 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß das austenitisch-ledeburitische Gefüge durch WIG-Umschmelzen erzielt wird.
 


Claims

1. Reinforcement part, the base material of which is austenitic cast iron and which is joined intermetallically to a motor part made of an aluminium-based alloy, in particular a piston, characterised in that the structure has an austenitic-ledeburitic construction at least on one face section (3) of the surface of the reinforcement part (1) lying in the region of the intermetallic bond.
 
2. Reinforcement part according to Claim 1, characterised in that the structure has an austenitic-ledeburitic construction on the entire surface of the reinforcement part (1) lying in the region of the intermetallic bond.
 
3. Reinforcement part according to one of the preceding claims, characterised in that the reinforcement part is a ring support (1) to receive a piston ring.
 
4. Reinforcement part according to Claim 1 or 2, characterised in that the reinforcement part is a trough edge protection means.
 
5. Process for the production of a reinforcement part according to one of the preceding claims, characterised in that the austenitic-ledeburitic structure is achieved by remelting the austenitic base material by means of laser beams.
 
6. Process for the production of a reinforcement part according to one of Claims 1-4, characterised in that the austenitic-ledeburitic structure is achieved by remelting the austenitic base material by inductive remelting.
 
7. Process for the production of a reinforcement part according to one of Claims 1-4, characterised in that the austenitic-ledeburitic structure is achieved by TIG-remelting.
 


Revendications

1. Pièce d'armature, dont le matériau de base est la fonte austénitique et qui est combinée par liaison intermétallique avec une pièce de moteur composée d'un alliage à base d'aluminium, avec un piston en particulier, caractérisée en ce que la structure a une formation austénitique-lédéburitique, du moins sur une partie (3) de la surface de la pièce d'armature (1), située dans la zone de la liaison intermétallique.
 
2. Pièce d'armature suivant la revendication 1, caractérisée en ce que la structure a une formation austénitique-lédéburitique sur toute la surface de la pièce d'armature (1), dans la zone de la liaison intermétallique.
 
3. Pièce d'armature suivant l'une des revendications précédentes, caractérisée en ce que la pièce d'armature est un porte-segments (1) pour recevoir un segment de piston.
 
4. Pièce d'armature suivant l'une des revendications 1 et 2, caractérisée en ce que la pièce d'armature est une bordure de protection du fond.
 
5. Procédé de réalisation d'une pièce d'armature suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la structure austénitique-lédéburitique est obtenue par refusion du matériau de base austénitique au moyen de rayons laser.
 
6. Procédé pour la réalisation d'une pièce d'armature suivant l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que la structure austénitique-lédéburitique est obtenue par refusion du matériau de base austénitique, par refusion inductive.
 
7. Procédé pour la réalisation d'une pièce d'armature suivant l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que la structure austénitique-lédéburitique est obtenue par refusion TIG.
 




Zeichnung