[0001] Die Erfindung betrifft ein Umformteil mit einer bereichsweise ausgebildeten Mehrfachblechstruktur,
insbesondere Doppelblechstruktur, nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1, insbesondere
für ein Fahrzeug oder eine Fahrzeugkarosserie, das einem Umformprozeß, beispielsweise
einem Tiefzieh-, Abkant- oder Formstanzprozeß unterzogen wird.
[0002] Es ist neben der durchaus noch üblichen Praxis, ein für eine Umformung vorgesehenes
Blechstrukturteil in seiner Dicke nach dem Bereich mit den höchsten mechanischen Belastungen
auszulegen, bekannt, lokale Bereiche eines solchen Blechstrukturteiles, z.B. für Scharnier-
und Federbeinaufnahmen, für Anschläge für Türen und Klappen, Ansatzbereiche für Holme
oder sonstige tragende Elemente, in ihrer Dicke entsprechend der beim Einsatz des
Umformteiles auftretenden, weitgehend vorbestimmbaren Belastung anzupassen, um einen
unnötigen Materialaufwand zu vermeiden und eine Gewichtsreduzierung zu erzielen. Dadurch
ist es auch möglich, die Ausgangsdicke eines derartigen Blechstrukturteiles durch
Einsatz eines dünneren Basisbleches zu senken. Größere Blechdicken gehen einher mit
einer größeren Blechfestigkeit, insbesondere Verwindungssteifgkeit, Biegefestigkeit
und auch einer größeren Druck- und Zugfestigkeit.
[0003] Bei den bekannten tailored blanks sind dazu Blechstreifen unterschiedlichen Dicke
zusammengefügt, beispielsweise ein zwischen dickeren Blechstreifen angeordneter dünnerer
Blechstreifen, um anschließend gemeinsam umgeformt zu werden. Hinsichtlich der Anpassung
der Materialdicke an das jeweilige Belastungsprofil des in das Fahrzeug eingesetzten
Umformteiles sind bei Verwendung dieser tailored blanks Grenzen gesetzt, d.h. das
Umformteil ist auch noch in Bereichen verstärkt, in denen es nicht verstärkt sein
müßte. Damit sind bei einem Einsatz von tailored blanks auch einer Gewichtreduzierung
Grenzen gesetzt.
[0004] In der DE 43 07 563 A1 sind ein tiefgezogenes oder formgestanztes Blechstrukturteil
mit einer partiellen Doppelblechstrukturteil und ein Herstellungsverfahren für dieses
beschrieben. Dieses Blechstrukturteil ist mehrschichtig aus einem Grundblech und bereichsweise
auf diesem angeordneten Verstärkungsblechen gebildet. Die Herstellung dieses Blechstrukturteiles
erfolgt derart, daß die Verstärkungsbleche vor dem gemeinsamen Umformen zumindest
teilweise am Grundblech befestigt und nach dem Umformen abschließend unlösbar mit
diesem verbunden werden. Das beschriebene Blechstrukturteil bezieht sich auch auf
eine sogenannte Mehrfachblechstruktur, bei der auf ein Grundblech ein erstes Verstärkungsblech
und auf diesem in einem ebenfalls vorbestimmten Bereich ein weiteres Verstärkungsblech
angeordnet sind. Auch ist die bereichsweise Anordnung mehrerer weiterer Verstärkungsbleche
auf dem ersten Verstärkungsblech möglich. Eine solche Mehrfachblechstruktur kann ebenfalls
als Einheit umgeformt werden. Mit einer Mehrfachblechstrukur ist es nun möglich, das
Blechstrukturteil in seiner Dicke weitgehend dem Belastungsprofil des Umformteiles
anzupassen und die räumliche Ausdehnung der Verstärkungsbleche auf ein Minimum zu
begrenzen und eben nur genau dort zu verstärken, wo dieses auch unbedingt notwendig
ist. Grundsätzlich ist es dabei auch möglich, unterschiedliche Werkstoffe oder unterschiedliche
Werkstoffqualitäten miteinander zu kombinieren, beispielsweise ein eine gegenüber
dem Grundblech höhere Festigkeit aufweisendes Verstärkungsblech an stärkerelevanten
Bereichen oder im Bereich von Krafteinleitungspunkten einzusetzen, um so im Hinblick
auf die mechanischen Anforderungen, aber auch im Hinblick auf Optik und Kosten jeweils
zu einem optimalen Ergebnis zu gelangen. Verfahrenstechnisch jedoch ist die Herstellung
einer Mehrfachblechstruktur aufwendig und der Umformprozeß kann problematisch sein,
da je wenigstens drei übereinanderliegende und nur teilweise aneinander befestigte
Bleche gemeinsam umgeformt werden müssen.
[0005] Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Umformteil mit einer bereichsweise ausgebildeten
Mehrfachblechstruktur nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 zu schaffen, das in seinem
Dickenprofil und Festigkeitsprofil weitgehend dem bei seinem bestimmungsgemäßen Einsatz
gegebenen Belastungsprofil angepaßt ist und bei dem der Erstellungsaufwand reduziert
ist.
[0006] Diese Aufgabe wird bei einem gattungsgemäßen Umformteil mit den Merkmalen des kennzeichnenden
Teils des Anspruchs 1 gelöst. Auf einem Basisblech sind in den stärker belasteten
Bereichen Verstärkungsbleche angeordnet, und zwar entsprechend der vorbestimmbaren
Belastung des umgeformten und eingesetzten Umformteiles und formschlüssig aneinander
angrenzend, so daß ein Gebilde in der Art eines Flickenteppichs (patchwork-Technik)
vorliegt. Erfindungsgemäß sind dabei die Dicke, die Biege- und die Membranfestigkeit
und die Anzahl der Verstärkungsbleche in Abhängigkeit von der Belastungsstruktur unterschiedlich.
Je differenzierter diese in einem bestimmten Bereich ist, desto kleiner und in der
Dicke unterschiedlicher sind die formschlüssig aneinander angeordneten Verstärkungsbleche
zu gestalten. Die einander zugewandten Ränder derselben sind in ihrer Draufsicht profiliert
und im wesentlichen mit regelmäßig angeordneten Vorsprüngen versehen, mit denen die
Verstärkungsbleche gegenseitig in Eingriff stehen. Durch diese Profilierung und die
in den Randbereichen gegebene gegenseitige Durchdringung unterschiedlich dicker oder
unterschiedlich fester Bleche wird ein gemäßigter Übergang von einer effektiven Blechdicke
auf eine andere bzw. von einer Festigkeit auf eine andere geschaffen, so daß beispielsweise
die durch ein aufgebrachtes Biegemoment gegebene Biegebeanspruchung des Umformteiles
in Abhängigkeit von der Dicke bzw. der Festigkeit der beiden Bleche und die Gestaltung
der Profilierung im gegenseitigen Eingriffsbereich der Verstärkungsbleche linear oder
nichtlinear gemäßigt verändert wird.
[0007] Das erfindungsgemäße Umformteil ist an die gegebene Belastungsstruktur anpaßbar.
Die Dicke des Basisbleches kann, ebenfalls in Abhängigkeit von dieser Belastungsstruktur,
minimiert werden. Das umzuformende Blechstrukturteil kann somit mit einem reduzierten
Materialeinsatz hergestellt werden, was letztlich mit einer Gewichtsreduzierung einhergeht.
[0008] Die Verstärkungsbleche können an ihren Rändern am Basisblech befestigt sein, beispielsweise
durch eine mit einem hochenergetischen Strahl, insbesondere Laserstrahl erzeugte Schweißnaht
als ununterbrochene Randnaht, mit der in vorteilhafter Weise die miteinander in Eingriff
stehenden Verstärkungsbleche durch eine einzige Naht mit dem Basisblech verbunden
werden können.
[0009] Ebenso ist es vorteilhaft, die Profilvorsprünge der Verstärungebleche durch jeweils
einen Schweißpunkt am Basisblech zu befestigen. Als weitere Befestigungsmethoden können
selbstverständlich alle anderen zur Verfügung stehenden Fügeverfahren zur Anwendung
kommen, wie das Durchsetzfügen (Clinchen), das Stanznieten oder auch ein Kleben, wobei
die Anwendung des jeweiligen Fügeverfahrens auch vom Einsatzort des Umformteiles am
Kraftfahrzeug und einem dadurch erforderlichen optischen Erscheinungsbild abhängig
sein kann.
[0010] Die Vorsprünge können mit gerundeten oder geraden Flanken versehen sein. Sie sollten
bevorzugt in jeder Gestaltungsform formschlüssig ineinandergreifen, damit keine stufenförmigen
Dicken- oder Festigkeitsveränderungen auftreten.
[0011] Die Verstärkungsbleche können vorteilhaft aus unterschiedlichen Materialien mit unterschiedlicher
Festigkeit bestehen, um Dickenunterschiede zu reduzieren oder überhaupt zu beseitigen.
[0012] Es kann überdies zweckmäßig sein, die miteinander zu verbindenden Bleche verbindungsseitig
jeweils mit einer Korrosionsschutzschicht zu versehen.
[0013] Die Erfindung wird nachstehend an einem Ausführungsbeispiel erläutert. In der zugehörigen
Zeichnung zeigen schematisch:
- Fig. 1:
- ein erfindungsgemäßes Umformteil mit einer Doppelblechstruktur in Draufsicht,
- Fig. 2:
- einen Schnitt II-II durch dieses Umformteil,
- Fig. 2a:
- die Einzelheit E aus diesem Schnitt,
- Fig. 3:
- eine andere Ausführung eines erfindungsgemäßen Umformteiles in Draufsicht,
- Fig. 4:
- einen Schnitt IV-IV durch dieses Umformteil und
- Fig. 5:
- eine Seitenansicht einer weiteren Ausführung eines erfindungsgemäßen Umformteiles.
[0014] In den Fig. 1, 2 und 2a ist ein Umformteil mit einer aus einem Basisblech 1 und zwei
auf diesem angeordneten Verstärkungsblechen 2 und 3 aus einem Material gleicher Festigkeitseigenschaften
(Stahlblech) dargestellt. Die jeweilige Dicke der beiden Verstärkungsbleche 2 und
3 ist in Abhängigkeit von der Belastungsstruktur des Umformteiles vorbestimmt und
unterschiedlich, wie aus Fig. 2 zu erkennen ist. Die beiden Verstärkungsbleche 2 und
3 sind an den einander zugewandten Ränder in gleicher Weise sägeblattartig profiliert,
wobei die gebildeten zahnartigen Vorsprünge 4 und 5 gerade Flanken aufweisen und verzahnend
gegenseitig in Eingriff stehen. In dieser formschlüssigen und hier zumindest teilweise
auch überlappenden Anordnung sind die Verstärkungsbleche 2 und 3 am Basisblech mit
Schweißpunkten 6 befestigt. Aus den Fig. 2 und 2a ist zu erkennen, daß durch diesen
gegenseitigen Eingriff der Vorsprünge 4 und 5 ein Bereich B gebildet ist, in dem die
die Festigkeit, insbesondere die die Biegefestigkeit bestimmende Materialdicke entlang
der geraden Linie C von der Kante D zur Kante E (Fig. 2a) kontinuierlich abnimmt.
In der Mitte des Bereiches B, in der das Basisblech 1 senkrecht schneidenden Ebene
A, ist der effektive Materialdickenunterschied der Verstärkungsbleche halbiert. Durch
die effektive Materialdickenveränderung gemäß der Linie C und der damit verbundenen
Festigkeitsveränderung wird ein auf das Umformteil aufgebrachtes Biegemoment im Bereich
B ebenfalls entsprechend dem Verlauf der Linie C von der Kante D zur Kante E im belasteten
Umformteil umgesetzt.
[0015] In den Fig. 3 und 4 ist ein Umformteil mit einer aus einem Basisblech 7 und drei
auf diesem angeordneten Verstärkungsblechen 8, 9 und 10 aus einem Material gleicher
Festigkeitseigenschaften und, in Abhängigkeit von der Belastungsstruktur des Umformteils,
mit unterschiedlicher Dicke dargestellt. Die einander zugewandten Ränder der Verstärkungsbleche
8 und 9 , 9 und 10 sind wellenförmig profiliert, so daß die Vorsprünge 11 und 12 bzw.
13 und 14 gerundete Flanken aufweisen und mit diesen gegenseitig in Eingriff stehen.
Dabei kann die Ausbildung der Vorsprünge 13 und 14 gegenüber der Ausbildung der Vorsprünge
11 und 12 unterschiedlich sein. Die Verstärkungsbleche 8, 9 und 10 sind durch jeweils
eine ununterbrochene Laserschweißnaht entlang der jeweiligen Berührungslinie und der
äußeren Ränder mit dem Basisblech 7 verbunden. In Fig. 4 ist durch die Kurvenlinie
F jeweils die Veränderung der Dicke und damit der Festigkeit der Blechstruktur bzw.
des Umformteils zwischen den jeweiligen Verstärkungsblechen 8 und 9 und 9 und 10 angedeutet.
Sie ist im Gegensatz zum Ausführungsbeispiel nach den Fig. 1 und 2 nicht linear.
[0016] In Fig. 5 schließlich ist ein Umformteil dargestellt, in dem auf einem Basisblech
11 drei Verstärkungsbleche 12, 13 und 14 unterschiedlicher Festigkeitseigenschaften
befestigt sind, wobei die Belastungsstruktur des Umformteils der beim Ausführungsbeispiel
gemäß Fig. 4 entspricht. Das mittlere Verstärkungsblech 13 weist eine höhere Materialfestigkeit
als die beiden anderen Verstärkungsbleche 12 und 14 auf, und das Verstärkungsblech
12 eine höhere Materialfestigkeit als das Verstärkungsblech 14. Die Verstärkungsbleche
12 und 13 sind gegenüber den Verstärkungsblechen 8 und 9 gemäß Fig. 4 demzufolge dünner
und weisen die gleiche Dicke wie das benachbarte Verstärkungsblech 14 auf.
1. Umformteil mit einer bereichsweise ausgebildeten Mehrfachblechstruktur, gebildet aus
einem Basisblech und mehreren auf diesem befestigten Verstärkungsblechen, dadurch gekennzeichnet, daß die Dicke oder die Festigkeit der Verstärkungsbleche (2, 3; 8, 9, 10; 12, 13,
14) in Abhängigkeit von der vorbestimmbaren Belastungsstruktur des Umformteiles unterschiedlich
ist, und daß die Verstärkungsbleche (2, 3; 8, 9; 9, 10; 12, 13; 13, 14) formschlüssig
zumindest abschnittsweise zum gegenseitigen Eingriff aneinander angeordnet sind.
2. Umformteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die einander zugewandten Ränder der Verstärkungsbleche profiliert und im wesentlichen
mit Vorsprüngen (4, 5; 11, 12; 13, 14) versehen sind, die verzahnend und/oder überlappend
gegenseitig in Eingriff stehen.
3. Umformteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Verstärkungsbleche (8, 9, 10; 12, 13, 14) an ihren Rändern am Basisblech
(7; 11) befestigt sind, insbesondere durch Schweißen mit einem hochenergetischen Strahl.
4. Umformteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Verstärkungsbleche (2, 3) mit ihren Vorsprüngen (4, 5) am Basisblech (1)
befestigt sind.
5. Umformteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorsprünge (11, 12) gerundete Flanken aufweisen.
6. Umformteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorsprünge (4, 5) gerade Flanken aufweisen.
7. Umformteil nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Verstärkungsbleche (12, 13, 14) aus Materialien unterschiedlicher Biege-
und Membranfestigkeit bestehen.
8. Umformteil nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die miteinander zu verbindenden Bleche (1 und 2, 3; 7 und 8, 9, 10; 11 und 12,
13, 14) an den einander zugewandten Flächen jeweils mit einer Korrosionsschutzschicht
versehen sind.