(19)
(11) EP 0 858 000 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
12.08.1998  Patentblatt  1998/33

(21) Anmeldenummer: 98101041.6

(22) Anmeldetag:  22.01.1998
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6G03C 1/79
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 08.02.1997 DE 19704819

(71) Anmelder: Felix Schoeller jr Foto- und Spezialpapiere GmbH & Co. KG
49086 Osnabrück (DE)

(72) Erfinder:
  • Ebisch, Rolf, Dr.
    49076 Osnabrück (DE)
  • Berner, Hans-Ulrich
    49176 Hilter (DE)

(74) Vertreter: Cohausz & Florack 
Patentanwälte Kanzlerstrasse 8a
40472 Düsseldorf
40472 Düsseldorf (DE)

   


(54) Fotografisches Basispapier mit goldfarbenem Druck auf der Rückseite


(57) Beschrieben wird ein polyolefinbeschichtetes fotografisches Basispapier, daß auf der Rückseite einen goldglänzenden Druck aufweist, wobei die zur Erzeugung des Drucks verwendete Farbe ein Interferenzpigment und ein wasserlösliches und/oder ein wasserdispergierbares Bindemittel enthält.


Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein beidseitig mit einem Polyolefinharz beschichtetes Basispapier für fotografische Schichtträger, das auf der Rückseite einen goldfarbenen glänzenden Druck (Logo-Druck) aufweist.
Die Rückseite ist jeweils die Oberfläche des Basispapiers, die der später das Bild tragenden Vorderseite gegenüberliegt.

[0002] Als Träger für lichtempfindliche Schichten, insbesondere für die Farbfotografie, werden üblicherweise Papiere verwendet, die auf ihren Oberflächen, d.h. Vorderseite und Rückseite, mit Polyolefirschichten überzogen sind. Durch eine beidseitige Polyolefinbeschichtung ist das Basispapier gegen das Eindringen von Entwicklungs-, Fixier- und Wässerungsbädern geschützt. Die Polyolefine können Polyethylene sein wie LDPE, LLDPE, HDPE, Polypropylen oder Gemische dieser Komponenten.

[0003] Derartige fotografische Basispapiere sind vielfach beschrieben worden, beispielsweise in der DE 37 16 269 C2.

[0004] Die Rückseite eines solchen Basispapiers wird oft mit der üblichen Tiefdrucktechnik bedruckt, um diese mit verschiedenen Mustern oder Schriftzügen wie Logos zu kennzeichnen. Die für den Druckvorgang benötigten Farben dürfen keinerlei fotografische Aktivitäten hinsichtlich der später aufzutragenden lichtempfindlichen Emulsionen aufweisen. Außerdem ist es wichtig, daß einerseits die Farben auf dem Rohpapier und andererseits die Polyolefinschicht auf der Druckfarbe gut haften. So ist beispielsweise aus der JP 02-154 252 bekannt, die Rückseite eines polyethylenbeschichteten fotografischen Basispapiers mit einer speziellen schwarzen Druckfarbe zu bedrucken, mit der eine gute Haftung der bedruckten Stellen zum Polyethylen erreicht werden kann.

[0005] Als besonders schwierig erweist sich das Bedrucken der Rückseite mit einer goldfarbenen glänzenden Farbe. Die im konventionellen Tiefdruck für solche Zwecke eingesetzten Pigmente sind durchweg auf Bronze- bzw. Aluminium-Bronze aufgebaut. Der Einsatz dieser Pigmente kommt daher für fotografische Papiere nicht in Frage, da die in den Bronzefarben enthaltenen Kupferbestandteile fotochemisch aktiv sind. Auch bei der Abdeckung durch das Polyolefinharz ist zu befürchten, daß in den Entwicklungsbädern Kupferionen ausgewaschen und möglicherweise fotoaktiv wirksam werden.

[0006] Aus den genannten Gründen wurde bisher eine goldähnliche, auf der Basis von Gelbpigmenten aufgebaute Druckfarbe eingesetzt. Die mit solcher Farbe gedruckten Zeichen sind jedoch schlecht lesbar und der gewünschte Glanzeffekt ist nicht vorhanden.

[0007] Da die goldglänzende Druckfarbe aus sicherheitstechnischen und ökologischen Gründen auf wäßriger Basis aufgebaut werden sollte, stellt sich bei solchen wäßrigen Farben -neben dem Erreichen der geforderten Farb- und Glanzeigenschaften- deren gute Haftung auf dem Rohpapier sowie die Haftung der Polyolefinschicht auf der Druckfarbe als ein weiteres Problem dar.

[0008] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, ein fotografisches Basispapier bereit zu stellen, dessen Rückseite mit einem glänzenden Golddruck versehen ist, welcher mit Hilfe einer auf Wasser basierenden goldfarbenen, glänzenden, keine fotochemischen Aktivitäten aufweisenden Farbe in einem üblichen Tiefdruckvorgang erzeugt wird und ausgezeichnete Haftungseigenschaften sowohl auf dem Rohpapier als auch zu der Polyolefinbeschichtung aufweist.

[0009] Die Aufgabe wird gelöst durch den Einsatz einer Farbe, die ein Interferenzpigment und einen speziellen wasserlöslichen Binder enthält.

[0010] Die Wirkung der Interferenzpigmente (Goldglanzpigmente, Metallglanzpigmente) beruht auf einer selektiven Reflexion von Lichtstrahlen.

[0011] Insbesondere geignet sind auf Glimmer aufgebaute Pigmente (modifizierte Glimmerpartikeln), bei denen ein Kern aus Glimmerplättchen mit einer oder mehreren Metalloxid-Schichten versehen ist. Dies führt zur Erzeugung eines Interferenzeffekts im sichtbaren Licht. Für die Beschichtung der Glimmerpartikeln besonders geeignet ist TiO2 und/oder Fe2O3. Je nach Beschichtungstyp bzw. Schichtdicke können gewünschte Farbeffekte erreicht werden.

[0012] In der erfindungsgemäßen Druckfarbe können die Interferenz-pigmente auch in Kombination mit lasierenden, konventionellen Farbpigmenten eingesetzt werden.

[0013] Für besonders hohe Brillanz ist ein Pigment der Teilchengrößenverteilung von etwa 5 bis 80 µm besonders gut geeignet.

[0014] Für das erfindungsgemäss Druckfarbensystem sind wasserlösliche bzw. wasserdispergierbare Bindemittel wie Polyvinylalkohol, Polyvinylpyrrolidon, Acrylat-Copolymere oder Styrol/Butadien-Copolymere besonders gut geeignet.

[0015] In einer besonderen Ausgestaltung der Erfindung werden Polyvinylalkohole eingesetzt. Als besonders gut geeignet erweisen sich Polyvinylalkohole mit mittleren und niedrigen Molmassen.

[0016] Der Gehalt der oben beschriebenen Pigmente in der erfindungsgemäßen Druckfarbe beträgt zwischen 10 bis 30 Gew.%, insbesondere zwischen 15 bis 25 Gew.%, bezogen auf die wäßrige Beschichtungsmasse. Das Mengenverhältnis des Pigments zum eingesetzten Bindemittel liegt im Bereich 1:1 bis 8:1, insbesondere jedoch im Bereich 1,5:1 bis 4:1.

[0017] Die Erfindungsfarbe kann auch weitere Zusotzstoffe wie Netzmittel enthalten.

[0018] Sowohl die Haftung der Druckfarbe auf Rohpapier, als auch die Polyolefinhaftung auf der erfindungsgemäßen Druckfarbe sind ausgezeichnet. Darüber hinaus ist die Lesbarkeit der mittels der erfindungsgemäßen Druckfarbe aufgedruckten Zeichen auch nach einer eventuellen Beschichtung der Rückseite des polyethylenbeschichteten Basispapiers mit weiteren Funktionsschichten wie Antistatikschichten oder Anticurl-Schichten nicht beeinträchtigt, was oft bei der Verwendung herkömmlicher Druckfarben der Fall ist.

[0019] Die vorliegende Erfindung soll anhand der folgenden Beispiele näher erläutert werden.

Beispiele 1-6



[0020] Ein fotografisches Rohpapier mit einem Flächengewicht von 130 g/m2 wurde auf der Rückseite mit den in der Tabelle dargestellten Druckfarben in einem der Extrusionsbeschichtung im Extruder vorgeschalteten Arbeitsgang vollflächig gestrichen und anschließend mit Polyethylen extrusionsbeschichtet. Die Vorderseite des Rohpapiers wurde mit einer Mischung aus einem Polyethylen niederer Dichte (LDPE, d=0,923 g/cm3) und 15 Gew.% TiO2 und die Rückseite mit einer pigmentfreien Polyethylenmischung aus einem Polyethylen niederer Dichte (LDPE, d=0,915 g/cm3) und einem Polyethylen hoher Dichte (HDPE, d=0,959 g/cm3) beschichtet.

[0021] Bei den erzeugten Basispapieren wurde anschließend die zur Beurteilung der Haftung der Druckfarbe sowohl auf dem Polyethylen als auch auf dem Rohpapier notwendige Schälkraft gemessen.Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 zusammengestellt.
Tabelle 1
Bestandteile Zusammensetzung, Gew.%
  1 2 3 4 5 6
Acrylat-Copolymer 12 - - - - -
Styrol/Butadien-Copolymer - 12 - - - -
Acrylat/Styrol/Acrylnitril/Butadien-Copolymer           12
Polyvinylpyrrolidon - - 12 - - -
Polyvinylalkohol Verseifungsgrad 86% - - - 12 - -
Polyvinylalkohol, Verseifungsgrad 98% - - - - 8 -
Pigment I 20 20 20 20 20 20
C-Mischung(36%IPA, 24% Butanol, 40% H2O) 10 10 10 10 10 10
Netzmittel, 1%ig in H2O/C2H5OH 5 5 5 5 5 5
Wasser (demineralisiert) 53 53 53 53 57 53

Beispiele 7-14



[0022] Ein fotografisches Rohpapier mit einem Flächengewicht von 160 g/m2 wurde auf der Rückseite mit den in der Tabelle dargestellten Druckfarben wie in Beispiel 1 gestrichen und anschließend mit Polyethylen gemäß Beispiel 1 extrusionsbeschichtet.

[0023] Anschließend wurde bei den Basispapieren die Haftung der Druckfarbe sowohl auf dem Polyethylen als auch auf dem Rohpapier begutachtet. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 zusammengestellt.
Tabelle 2
Bestandteile Zusammensetzung, Gew.%
  7 8 9 10 11 12 13 14
Polyvinylalkohol I 8 8 8 - 8 8 10 -
Polyvinylalkohol II - - - 5 - - - -
Polyvinylalkohol III - - - - - - - 6,5
Pigment I 30 20 15 20 - - 20 20
Pigment II - - - - 20 - - -
Pigment III - - - - - 20 - -
C-Mischung (36%IPA, 24%Butanol, 40% H2O) 10 10 10 10 10 10 10 10
Netzmittel 1%ig in H2O/C2H50H 5 5 5 5 5 5 5 5
Wasser (demineralisiert) 47 57 62 60 57 57 55 58,5
Polyvinylalkohol I:
Verseifungsgrad 98%,
Molekulargewicht: 23 000 g/Mol
Polyvinylalkohol II:
Verseifungsgrad 98%,
Molekulargewicht: 35 000 g/Mol
Polyvinylalkohol III:
Verseifungsgrad 97%,
Molekulargewicht: 48 000 g/Mol
Pigment I: Glimmerplättchen mit Anatas modifiziert, 5-20 µm
Pigment II: Glimmerplättchen mit Fe-Oxid-Belegung, 10-40 µm
Pigment III: Glimmerplättchen mit Anatas- und Fe-Oxidbelegung 10-60µm

Vergleichsbeispiele V1 und V2



[0024] Ein fotografisches Rohpapier wurde mit einer Druckfarbe gemäß Beispiel 1 gestrichen, wobei als Bindemittel ein Polyvinylacetat (V1) und Polyethylenglykol (V2) eingesetzt wurden.

Prüfung der Haftung



[0025] Die Prüfung wird mit einem Bruchlast-Meßgerät der Firma Lorentzen & Wettre durchgeführt. Hierzu werden aus den gemäß den Beispielen 1 bis 14 hergestellten Basispapieren Muster mit den Abmessungen 15 x 200 mm erstellt und von ihnen die Polyethylenschicht abgezogen. Die Schälkraft wird bei einer Abzugsgeschwindigkeit von 70 mm/min und einem Abzugswinkel von 180° geprüft.

[0026] Als Vergleich wurde ein nur mit Polyethylen (ohne Druckfarbe) beschichtetes Basispapier herangezogen und an diesem ebenfalls die Haftung geprüft.
Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 zusammengestellt
Tabelle 3
Prüfungsergebnisse
Beispiel Haftung (N/15mm)
1 1,30
2 1,03
3 0,99
4 1,03
5 1,15
6 0,97
7 1,11
8 1,15
9 1,40
10 1,11
11 1,17
12 1,17
13 1,40
14 1,20
V1 0,80
V2 0,33
Vergleich (Papier ohne Farbe) 1,00



Ansprüche

1. Polyolefinbeschichtetes fotografisches Basispapier mit einem auf der Rückseite bedruckten Rohpapier, dadurch gekennzeichnet, daß die für das Bedrucken der Rückseite eingesetzte Druckfarbe ein Interferenzpigment und ein wasserlösliches und/oder ein wasserdispergierbares Bindemittel enthält.
 
2. Basispapier nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Interferenzpigment ein auf Glimmer basierendes Pigment ist, bei dem die Glimmerplättchen mit einem anorganischen Oxid beschichtet sind.
 
3. Basispapier nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Beschichtung der Glimmerpartikeln mit TiO2 und/oder Fe2O3 erfolgt.
 
4. Basispapier nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Interferenzpigment in Kombination mit lasierenden Farbpigmenten eingesetzt wird.
 
5. Basispapier nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Bindemittel ein Acrylat-Copolymer, Styrol/Butadien-Copolymer, Polyvinylalkohol, Polyvinylpyrrolidon oder eine Mischung aus diesen Polymeren sein kann.
 
6. Basispapier nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Bindemittel ein Polyvinylalkohol ist.
 
7. Basispapier nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Polyvinylalkohol ein Polyvinylalkohol mit einem niedrigen und/oder mittleren Molekulargewicht ist.
 
8. Basispapier nach Anspruch 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Pigmentanteil in der Druckfarbe 10 bis 30 Gew.% beträgt, bezogen auf die Beschichtungsmasse.
 
9. Basispapier nach Anspruch 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Mengenverhältnis Pigment/Bindemittel in einem Bereich von 1:1 bis 8:1 liegt.
 
10. Basispapier nach Anspruch 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Druckfarbe weitere Zusatzstoffe wie Netzmittel enthält.
 





Recherchenbericht