[0001] Die Erfindung betrifft eine Einrichtung und ein Verfahren zum elektrostatischen Pulverbeschichten
von Werkstücken mit unterschiedlichen Pulvern mittels einer Sprühvorrichtung mit mindestens
einer Sprühpistole gemäß den Oberbegriffen der Ansprüche 1 und 5.
[0002] Bei einem bekannten Verfahren dieser Art werden die Werkstücke an mehreren, nacheinander
angeordneten Sprühpistolen langsam kontinuierlich vorbeibewegt. Die Sprühpistolen
sind an Hubgeräten montiert, so daß sie vertikal bezüglich der vorbeibewegten Werkstücke
auf- und abbewegbar sind. Versprühtes Überschußpulver wird zurückgewonnen und entweder
mit Frischpulver vermischt oder separat wieder versprüht. Zumindest die zuerst von
den Werkstücken erreichte Sprühpistole wird ganz oder teilweise mit dem rückgeführten
Pulver gespeist, während die zuletzt von den Werkstücken erreichte Sprühpistole ausschließlich
mit Frischpulver versorgt wird. So wird das Werkstück mit einer Grundierschicht aus
ganz oder teilweise rückgeführtem Pulver versehen, die mindere Qualität als die zuletzt
aufgebrachte Deckschicht aus dem Frischpulver hat (DE 40 13 063 C1).
[0003] Ein Pulverwechsel ist aber nicht nur zum Einsatz von Pulver unterschiedlicher Qualität
erforderlich sondern auch zu einem Farbwechsel in Pulverbeschichtungsanlagen.
[0004] Ein Farbwechsel bedingt derzeit entweder eine sorgfältige Reinigung des gesamten
Zuleitungssystems für die Pulverversorgung oder einen Austausch des alten Schlauchsatzes
gegen einen neuen Schlauchsatz an sämtlichen Pistolen, um Pulververmischungen bzw.
Farbverschleppungen zu vermeiden. Ein manueller Schlauchtausch führt im Vergleich
zu einer herkömmlichen Reinigung zu einer deutlichen Verringerung der Stillstandszeit
beim Farbwechsel, beansprucht jedoch immer noch erheblichen Aufwand an Gerät, Zeit
und Arbeitseinsatz.
[0005] Es sind auch Verfahren bekannt geworden, bei denen im Falle eines Pulverwechsels
ein Reinigungsschritt durch Spülen mit einem Reinigungsmittel, wie Druckluft, eingeschaltet
wird (DE 29 30 121 A1; US 37 82 632 A). Dies erfordert zusätzlichen Zeitaufwand und
verkompliziert die dafür erforderlichen Einrichtungen. Diese sind so konzipiert, daß
sich bei einem Pulverwechsel die Lage der Abführeinheit und damit der Sprühpistole
zwangsläufig gegenüber derjenigen der Zuführeinheit verändert, was die Steuerung der
Relativbewegung zwischen Sprühpistole und Werkstück erschwert.
[0006] Mit der Erfindung sollen eine Einrichtung und ein Verfahren zum elektrostatischen
Pulverbeschichten von Werkstücken mit unterschiedlichen Pulvern angegeben werden,
sei es zur Beschichtung eines Werkstückes mit mehreren Pulverschichten unterschiedlicher
Qualität, z.B. einer Grundierschicht und darüber einer oder mehreren Deckschichten
übereinander, oder sei es zur Beschichtung der Werkstücke mit unterschiedlichen Pulverqualitäten
an unterschiedlichen Stellen oder mit unterschiedlichen Farben, wobei der Zeitraum
zum Umschalten von einem Pulver auf ein anderes Pulver verkürzt werden soll.
[0007] Diese Aufgabe ist durch eine Einrichtung nach Anspruch 1 und ein Verfahren nach Anspruch
5 gelöst.
[0008] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0009] Bei der Einrichtung und dem Verfahren nach der Erfindung ist es möglich, die Pulverversorgung
der Sprühpistole von einem Pulver auf ein anderes Pulver in einem Zeitraum von Sekunden
oder Sekundenbruchteilen umzuschalten, wobei auf eine Reinigung während des Pulverwechsels,
das heißt bei unterbrochener Pulverzufuhr, ganz verzichtet ist. Dies kürzt eine unvermeidliche
Betriebsunterbrechung beim Pulverwechsel deutlich ab. Dadurch wird es möglich, anstatt
mit mehreren Sprühpistolen mit nur einer Sprühpistole in kürzester Zeit unterschiedliche
Pulver auf ein an der Sprühpistole kontinuierlich vorbeibewegtes Werkstück aufzubringen,
wobei die Pistole an einem aus der Naßlackiertechnik bekannten Knickarmroboter montierbar
ist, der ein zielgenaues Positionieren der Sprühpistole längs einer vorprogrammierten
Bahn bezüglich des Werkstückes ermöglicht. Ein solches zielgenaues Positionieren der
Sprühpistole führt dazu, daß nahezu das gesamte versprühte Pulver auf die Werkstückoberfläche
gelangt, so daß beispielsweise beim nacheinander Versprühen von Pulver unterschiedlicher
Farbe eine Entsorgung des wenigen vorbeigesprühten Pulvers in Kauf genommen werden
und folglich ohne Pulverrückführung gearbeitet werden kann.
[0010] Die Erfindung ist im folgenden anhand schematischer Zeichnungen an einem Ausführungsbeispiel
mit weiteren Einzelheiten näher erläutert.
- Fig. 1
- zeigt eine perspektivische Schemadarstellung einer Pulverspeisevorrichtung zur Pulverversorgung
einer Sprühpistole gemäß der Erfindung, wobei zur Vereinfachung ein Antrieb für ein
bewegtes Bauteil dieser Vorrichtung nicht dargestellt ist;
- Fig. 2
- zeigt in einer perspektivischen Darstellung ähnlich Fig. 1 eine durch einen Antrieb
ergänzte Vorrichtung gemäß Fig. 1; und
- Fig. 3
- zeigt eine Draufsicht auf eine Karosserie-Förderlinie mit daran paarweise angeordneter
Pulversprüheinrichtungen gemäß der Erfindung.
[0011] Die in den Figuren gezeigte Baueinheit einer Pulverspeisevorrichtung 1 einer nicht
gezeigten Sprühpistole weist eine Zuführeinheit 2 mit im Kreis verteilt angeordneten
Schlauchanschlüssen 3, 4, 5, 6, die mit Durchgangsbohrungen 3', 4', 5', 6' in der
Zuführeinheit kommunizieren, und eine Abführeinheit 8 mit einem Pulverausgang 9 auf,
der einen Schlauchanschluß 10 trägt, welcher mit einer Bohrung 10' im Pulverausgang
9 der Abführeinheit 8 kommuniziert. Die Bohrung 10' kommuniziert ihrerseits mit vier
Schrägbohrungen 3'', 4'', 5'' und 6'', die auf der der Zuführeinheit zugekehrten,
ebenen Fläche 11 in gleicher Konfiguration wie die Durchgangsbohrungen 3' bis 6' zu
diesen fluchtend münden.
[0012] Zwischen Zuführeinheit 2 und Abführeinheit 8 ist eine Kanalplatte 12 angeordnet,
welche eine einzige Durchgangsbohrung 30 aufweist. Diese Durchgangsbohrung 30 ist
auf dem gleichen Kreis angeordnet wie die Bohrungen 3' bis 6' und die Schrägbohrungen
3'' bis 6''. Die Kanalplatte ist um ihre Mittelachse drehbar, welche mit der Mittelachse
des Kreises zusammenfällt, auf dem die Durchlaßbohrungen 3' bis 6' und die Schrägbohrungen
3'' bis 6'' liegen, so daß durch Verdrehen der Kanalplatte in Stellungen, in welcher
die Durchgangsbohrung 30 der Kanalplatte 12 mit paarweise einander zugeordneten Bohrungen
3' und 3'', 4' und 4'', 5' und 5'' oder 6' und 6'' fluchten, wahlweise der Schlauchanschluß
10 der Abführeinheit 8 mit einem der Schlauchanschlüsse 3 bis 6 der Zuführeinheit
2 verbindbar ist.
[0013] Fig. 2 zeigt die Vorrichtung nach Fig. 1 ergänzt durch einen Antrieb mit einem Antriebsmotor
20, welcher ein Abtriebsritzel 21 antreibt. Die Kanalplatte 12 ist auf ihrem äußeren
Umfang mit gleicher Verzahnung wie das Abtriebsritzel 21 versehen. Über einen Zahnriemen
22 ist das Abtriebsmoment des Motors 20 auf die Kanalplatte 12 übertragbar. Die Drehwege
des Motors 20 und damit der der Kanalplatte 12 sind mittels einer nicht gezeigten
Steuereinrichtung exakt so bemessbar, daß die Kanalplatte jeweils vorbestimmte Drehwege
zurücklegt, die zum genauen Ausrichten der Bohrung 30 auf die jeweils gewählte Bohrung
3', 4', 5' oder 6' erforderlich sind.
[0014] Durch entsprechende Auslegung der Betriebsdrehzahl des Motors 20 und der Untersetzung
mittels des Zahnriemenantriebs 21, 22 lassen sich Umschaltzeiten in der Größenordnung
einer Sekunde und weniger erzielen.
[0015] Die Kanalplatte 12 muß zwischen den gegenüberstehenden Flächen 11, 13 der Abführeinheit
8 und der Zuführeinheit 2 insbesondere um die Bohrung 30 herum beidseitig abdichten.
Dies ist mit gängiger Dichtungstechnik ohne weiteres beherrschbar, die nicht Gegenstand
der Erfindung ist und deshalb hier nicht näher beschrieben ist.
[0016] Es versteht sich, daß die Antriebsleistung des Motors 20 auch auf andere Weise auf
die Kanalplatte 12 übertragen werden kann, z.B. mittels eines Zahngetriebes. Es muß
lediglich sichergestellt sein, daß der Antrieb die Kanalplatte 12 um einen exakt bemessenen
Weg zum in Fluchtung bringen der jeweils gewählten Bohrungen der Zuführeinheit 2 und
der Abführeinheit 8 mit der Bohrung 30 verstellt.
[0017] Es liegt ferner auf der Hand, daß die Erfindung auch schon bei nur zwei Schlauchanschlüssen
das Umschalten zwischen zwei verschiedenen Pulvern ermöglicht, so daß eine Anzahl
von zwei bis beliebig vielen Schlauchanschlüssen der Zuführeinheit 2 und eine entsprechende
Anzahl von Schrägbohrungen in der Abführeinheit 8 vorgesehen sein können.
[0018] Über die verschiedenen Schlauchanschlüsse der Zuführeinheit können Pulver unterschiedlicher
Qualität, z.B. zurückgeführtes Pulver und Frischpulver in verschiedenen Mischungsstufen
mit zurückgeführtem Pulver oder aber auch verschieden gefärbte Pulver der oder den
Sprühpistolen zugeführt werden, wobei die Umschaltung durch Knopfdruck ausgelöst und
innerhalb einer Sekunde erledigt werden kann.
[0019] Selbstverständlich können Sprühpistolen gängiger Bauart mit luftunterstütztem oder
luftlosem Versprühen von Pulver bei der Erfindung eingesetzt werden. Soweit ein Pulver-Luftgemisch
versprüht werden soll, ist in der vorstehenden Beschreibung "Pulver" als "Pulver-Luftgemisch"
zu lesen.
[0020] Die Fig. 3 zeigt eine Förderlinie einer Kraftfahrzeugkarosserie 50 in Draufsicht.
Eine Kraftfahrzeugkarosserie 50 ist auf einer in Richtung des Pfeiles 51 kontinuierlich
und langsam in der Förderlinie beweglichen Plattform 52 aufgesetzt.
[0021] Beidseitig der Plattform sind je ein Knickarmroboter 53 angeordnet, welche aus der
Naßlackiertechnik bekannt sind. Die ortsfest bei 54 verankerten Knickarmroboter 53
haben einen Arbeitsarm 55, an dessen freiem Ende bei 56 eine Pulverspeisevorrichtung
angeordnet ist. Diese Pulverspeisevorrichtung 56 entspricht grundsätzlich der in den
Fig. 1 und 2 gezeigten Pulverspeisevorrichtung 1, versorgt hier jedoch zwei in Zwillingsanordnung
parallel zueinander angeordnete Sprühpistolen 57, 58 mit unterschiedlichen Pulvern
je nach Schaltstellung der Pulverspeisevorrichtung.
[0022] Mittels der Knickarmroboter lassen sich die Zwillingsanordnungen der Sprühpistolen
57, 58 auf vorprogrammierten Bahnen zielgenau an die Fahrzeugkarosserie 50 so nah
heranführen, daß gewünschte Stellen mit dem jeweils passenden Pulver beschichtet werden,
z. B. die nicht von außen sichtbaren Flächen der Fahrzeugkarosserie mit rückgeführtem
Grundierpulver und Sichtflächen der Karosserie nach schnellem Umschalten der Sprühpistolen
7, 8 mit Frischpulver.
[0023] Außerdem können ohne aufwendige Reinigungsmaßnahmen oder Schlauchwechsel unterschiedliche
Farben durch einfaches Umschalten der Pulverspeisevorrichtungen über die Sprühpistolen
57, 58 versprüht werden. In diesem Fall wird auf eine Pulverrückführung ganz verzichtet,
um Farbvermischung zu vermeiden. Dies führt zu einer sehr geringen zu entsorgenden
Pulvermenge, weil aufgrund des zielgenauen Heranführens der Sprühpistolen 57, 58 an
die angefahrenen, zu besprühenden Stellen der Karosserie 50 nahezu sämtliches versprühtes
Pulver auf die Karosserie gelangt.
[0024] Die in der vorstehenden Beschreibung, der Zeichnung und den Ansprüchen offenbarten
Merkmale der Erfindung können sowohl einzeln als auch in beliebiger Kombination für
die Verwirklichung der Erfindung in ihren verschiedenen Ausgestaltungen von Bedeutung
sein.
1. Einrichtung zum elektrostatischen Pulverbeschichten von Werkstücken mit unterschiedlichen
Pulvern mittels einer Sprühvorrichtung, welche mindestens eine Sprühpistole mit einer
Pulverspeisevorrichtung aufweist, bei der die Pulverspeisevorrichtung der oder jeder
Sprühpistole eine Zuführeinheit (2) mit mindestens zwei Pulvereingängen (3'-6'), einen
Pulverausgang (9) und eine Umschalteinheit (12) aufweist, welche zum wahlweisen Anschließen
des Pulverausgangs (9) an einen ausgewählten Pulvereingang (3', 4', 5' oder 6') angeordnet
ist, dadurch gekennzeichnet, daß die Umschalteinheit eine beidseitig zwischen Anschlußflächen (13, 11) der Zuführeinheit
(2) und einer Abführeinheit (8) abgedichtet bewegliche Kanalplatte (12) mit einem
Pulverdurchlaß (30) aufweist, der durch Bewegen der Kanalplatte (12) in Strömungsverbindung
mit einem ausgewählten Pulvereingang (3', 4', 5' oder 6') und dem Pulverausgang (9)
bringbar ist.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Zuführeinheit (2) vier Pulvereingänge (3'-6') aufweist.
3. Einrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Kanalplatte (12) mittels eines steuerbaren Antriebes (20, 21, 22) drehbeweglich
ist.
4. Einrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Antrieb einen steuerbaren Motor (20) sowie einen Zahnriemen- oder Kettenantrieb
(21, 22) aufweist, über welchen die Motorleistung auf die Kanalplatte (12) übertragbar
ist.
5. Verfahren zum elektrostatischen Pulverbeschichten von Werkstücken mit unterschiedlichen
Pulvern mittels einer Sprühvorrichtung mit mindestens einer Sprühpistole, wobei die
Werkstücke und die Sprühpistole relativ zueinander bewegt werden, wobei die Sprühpistole
zuerst zum Versprühen eines ersten Pulvers betrieben wird und anschließend auf den
Betrieb zum Versprühen von mindestens einem weiteren Pulver auf das gleiche oder ein
nachfolgendes Werkstück umgeschaltet wird, dadurch gekennzeichnet, daß auf das Versprühen von weiterem Pulver direkt ohne Reinigungsmaßnahmen schnell
umgeschaltet wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das erste Pulver Grundierqualität hat, insbesondere rückgeführtes Pulver ist.
7. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das weitere Pulver Frischpulver ist.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 7 zum Pulverbeschichten von Werkstücken mit
mehreren Schichten, dadurch gekennzeichnet, daß die Sprühpistole entsprechend der Anzahl der aufzubringenden Schichten in vorbestimmter
zeitlicher Reihenfolge mehrfach umgeschaltet wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Umschalten durch wahlweises Strömungsverbinden einer Pulverspeiseleitung
der oder jeder Sprühpistole mit einem ausgewählten Pulvereingang einer mehrere Pulvereingänge
aufweisenden Zuführeinheit für unterschiedliche Pulver geschieht.